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Schriftleiter: I. Bosm;

uldaer

3. ?«r>*r1?n"sSs«. w»chenbeiiage:„IHustr!erte§omitagszeitung"

mondsbetiage: „Zuldaer Geschichtsblätter"

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Rotationsdruck u. Verlag der.Sutdaer Re» tiendructerei in Hulda. Fernsprecher Nr. g.

JV§ 76,

V Der Friede von Algeciras.

Die Beratungen der Marokko-Kon­ferenz, welche im Laufe der letzten Woche hinsichtlich der noch ausstehenden Fragen we­sentliche Fortschritte gemacht haben, sind am Samstag zu einem erfreulichen Ende gekommen. Vormütags ist durch das Re­daktionskomitee in allen Punkten eine Verstän­digung erzielt worden, lieber den Stand der Dinge veröffentlichten wir am Samstag nach- mrttag durch Sonderausgabe folgendes Tele­gramm aus Algeciras: „Es wurde er ne Einigung über alle Fragen erzielt. Dieselbe wird in der heute nachmittag statt- stndenden Plenarsitzung der Konferenz zu Pro­tokoll gegeben."

DaS Einvernehmen ist nach der ,Agence Havas' in allen Punkten in einer langen Unter­redung von 11 bis 12 Uhr mittags zwischen dem deutschen Delegierten Grafen Tattenbach und dem französischen Delegierten R«voil voll­ständig hergeftellt worden. Die Verteilung der Häsen auf die Polizei ist derart ge­regelt wordeu, daß die Spanier Tetuan und Karachee überwiesen erhalten, in Casablanca und Tanger eine aus Spaniern und Franzosen ge­mischte Polizei eingerichtet wird, und den Fran­zosen Mogador, Saffi, Mazagan und Rabat zugeteilt werden. Als Zeitdauer für das in der Polizeifrage getroffene Arrangement find ä Jahre festgesetzt worden, die von dem Datum Der Ratifikationen an gerechnet werden. Das in der Bankfrage getroffene Arrangement schließt den Verzicht Frankreichs auf das Vor­zugsrecht arr der Bank gegen dis Ueberlaffung von zwei Anteilen am Kapital in sich, sodaß aus Frankreich drei Anteile, auf die übrigen Länder je einer komuit. Die Rechte, die den Inhabern der französischen Anleihe vom Jahre 1904 zukommeu, werden anerkannt. Die Frage der Zensoren bleibt so beschlossen, wie sie ursprünglich vorgeschlagen war. Die Bank wird 4 Zensoren Hanen, die durch die Bank von Eng­lands die Ban! von Frankreich, die Deutsche Reichsbank und die Bank von Spanien bezeichnet werden.

8°rlmhr«d g=:3S für das zweite Quartal 1906, Preis 1,50 Mark (ohne Bestellgeld und Bringerlohn) gemacht werde».

Die Verteilung der Polizei ist dahin geregelt, daß Tetuan und Larrasch spanische Instrukteure erhalten, Tanger und Casablanca g mischte, die übrigen vier Häsen französische. Für die Zoll- adschätzungSkommisfion ist ein Vertreter der französischen Anleihegruppe von 19t)4 zuge­lassen, dessen Mandat mit der Rückzahlung der Ar, leihe er lischt. In dem Z 0 llaufsichtsk 0 m r t e e erhält die genannte Gruppe dagegen keinen Platz; Dasselbe setzt sich nur aus je einem Vertreter des Sultans, des diplomatischen Korps und der Staatsbank zusammen. Es ist gelungen, aus dieser wichtigen und einflußreichen Behörde jeden Sondereinfluß fernzuhalten. Bezüglich der Vergebung öffentlicher Arbeiten und KoiMjfionen ist der allgemeineGrundsatzdes Submisfions- verfahren s festgelegt worden, doch ist in Rück­

Auferstehung.

Roman von Felix Nabor.

8<3 (Nachdruck verboten.)

Drittes Buch.

Erstes Kapitel.

Beständige Zweifel quälten Gabriel: lebte ßiana Felice — oder war sie tot?

. Ju der Peterskirche glaubte et ihr Gesicht ge» leljen önhaben — und dort auf dem. stBen Stieb» H^Deutschen befand sich ihr Grab! Er redete em, daß ihn ferne Augen getäuscht hatten, und ging fast täglich M Sem Grabe Maria Felices, um dort M trauern und für die Seelen­ruhe bet verlorenen Geliebten zu beten.

Auf dem Wege öorthür traf er an einem bet nächsten Tage den Prälaten. »Sie sind traurig",, sagte dieser. „Ist Ihnen etwas SchlimiMs be­gegnet?"

„Das nicht", erwiderte Gabriel. „Ich habe nur eine Enttäuschung erlebt. Ich glaubte, jemand ge­funden zu haben, den ich jphrÄang suchte, und nun. ist es Täuschung."

„Sie suchen also jemand in Rvin?" fragte bet Prälat. „Jemand, der Ihnen teuer ist?"

„Teurer als mein Leben I Ich suche ein Mäd­chen, nach dem meine ganze Seele sich sehnt" . . .

„lind die Verlorene ist in Rom?"

»Ihre Sput führte Kether, verschwand aber mit eiuemmale. Vor drei Tagen glaubte ich ihr Gesicht Gesehen zu haben, aber wie gesagt, es muß Täuschung gewesen sein. Diejenige, welche ich suche, ist wohl schon lange tot." . ..

„Warum glauben Sie daS?"

„Ich fanS einen Grabstein mit ihrem Namen mit dem NamW Maria Felice."

„Maria Felice?" — sagte der Prälat überrascht temd blieb geben.

Fulda, Montag, den 2. April 1906.

33, Jahrgang.

sicht auf vorhandene Präzedenzfälle das Recht Deutschlands, in Marokko Kabelzulanden, im Voraus anerkannt worden. Montag oder Dienstag soll noch eine Plenarsitzung statt- finden, um verschiedene, das Protokoll betreffende Fragen zu regeln und eventuell Gelegenheit zur Formulierung besonderer Wünsche zu bieten. Man hofft, die Schlußakte in acht Tagen voll­ziehen zu können.

Gerade am Jahrestage des Besuches des deutschen Kaisers in der Hauptstadt Marokkos ist das Einverständnis über die letzten Punkte be3 Konferenz-Programms erzielt worden. Deutschland erstirbt«, wie es von Anfang «n be­tonte, in Marokko keinerlei politische ober wirt­schaftliche Sondervorteile. Durch die einzufüh­renden Verbesserungen im Zoll-, Steuer- und Polizeiivesen, sowie die beabsichtigte Errichtung einer Staatsbank find der marokkanischen Regie­rung bei voller Wahrung der SouveräneM des Sultans die Mittel an die Hand gegeben, den Angehörigen aller Nationen den zur offenen wirtschaftlichen Erschließung des Landes nötigen staatlichen Schutz und Vorschub an­gedeihen zu lassen. Insbesondere wird in der Staatsbank durch sorgfältige Gewährleistung der politisch unparteiischen und finanziell zuverlässigen Handhabung «ine wertvolle Einrichtung geschaffen werden. Anderseits ist der möglichen Gefahr, daß die durch Europäer zu organisierende Poli­zei in irgendwelchem einseitigen Interesse wirken könne, dadurch vorgebeugt, daß eine eingehende, wirksanre und auf internationaler Grundlage be­ruhende Aufsicht geschaffen worden ist.

Der erfreuliche Ausgang der zeitweise recht kritischen Konferenz wird alljeitrg mit großer Be­friedigung aufgenommen.

Deutscher Keich.

Berlin, den 31. März 1906.

* Neber den Besuch von Mitgliedern des deutsche» Kaiserhauses in Dänemark, der im Laufe des Sommers stattfinden soll, gehen der ,Voss. Ztg.' ftiiä Kopenhagen Meldungen zu. Danach soll Kaiser Wilhelm die Absicht ge­äußert haben, ans seiner Sommerreise nach Nor­wegen für einen Tag Kopenhagen anzulaufen, um das Könipspaar zu besuchen und im Dome zu Roeökilde das Grab des Königs Christian zu besichtigen. Jütländifchen Blältern zufolge er­wartet das dänische Kronprinzenpaar Anfang Juni den Besuch des deutschen Kronprinzen­paares auf Schloß Marselisberg bei Aarhus. Die letztere Meldung bezeichnet die ,Boss. Ztg/ wohl mit Recht als nicht wahrscheinlich.

* Das preußische Staaismiuisterimn ist am Samstag unter dem Vorsitze des Ministerpräsi­denten Fürsten von Bülow zu einer Sitzung zu­sammengetreten. Diese Sitzung galt, wie die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung^ angekündigt hatte, der Beschlußfassung des Staatsministeriums über die Diätenoorlage für den Reichstag.

* Heber das Befinden des preußisäM Eisen- bachnuinrfterA Herrn v. Budde waren am Sams­tag besorgniserregende Gerüchte in Berlin ver­breitet. Es hieß bereits, die Aerzte befürchteten in allernächster Zeit eine Katastrophe und hätten fast jede Hoffnung ausgegeben. Wie unser Ge­währsmann von zuverlässiger Seite erfahren hat, treffen diese Gerüchte nicht zu, dem Minister geht es vielmehr den Umständen nach besser.

„Ja — Maria Felice!" wiederholte Gabriel. „Es war aus dem Campo Santo bei Tebeschi."

„Kommen Sie", sagte bet Prälat ganz erregt, „wir wollen dorchin gehen, es ist ja nicht weit. Dort ist auch das Grab meiner Schwester."

„Sie haben eine Schwester dort begraben.?"

„Ja, Gabriel! Sw war in Deutschland ver­mahlt, erber der rauhe Norden hat die Blume des Südens geknickt; fte kehrte nach Stern zurück, um hier M sterben. Aus dem Friedhof der Deutschen Haden teir sie begraben."

Sie traten durch das Tor. In silbernem Glanze ragten die Marmorkreuze unter den dunk­len Zypressen. Es war hier wunderbar still, narr wenige Fremde toanMten zwischen, den. Gräbern umher.

Wie auf Verabredung gingen beide auf das Marmordenkmal zu, worauf der Name ,Maria Fettee" stand. Betroffen blieben sie stehen und schaute» sich an. „Ich fand diesen Stein und i)tiefen Namen", sagte Gabriel, „als ich eines Abends diesen Friedhof besuchte/"

„Es ist bet Name meiner Schwester," sprach der Prälat.

„ilnd es ist der Name jener, die mir auf Erben das Teuerste war", sagte Gabriel leite-

Der Prälat reichte Gabriel beide Hände und sagte: „Gabriel, ich habe Ihnen eine überraschende Nachricht mit$nteflen. Sie suchen ein Mädchen, das Ihnen teuer ist?"

„Ost ich es suche? Ich sterbe vor Sehnsucht nach chr, nach Maria Felice."

„Scchmr Sie das nicht, Gabriel! Sterben ist ein erschütterndes Wort — sterben heißt die Welt und das Leben verlassen und in die Ewigkeit ein­gehen. Aber Sie sind doch nicht so weit» ich, kann Ihnen sagen, daß Maria Felice lebt!"

„Sie bebt?" rief Gabriel and taumelte zurück. „Wo . . . wo?" Ich will zu ihr, zu Maria Felice? O, welche Freude!"

„Jubeln Sie nicht z« frühe", sagte der Prie­ster. „Vielleicht ist diejenige, die Sie suchen, dem

Der Besuch deutscher Reichstagsabgeord­neter in England wird von englischer Seite gewünscht und vorbereitet. Der „englisch- deutsche FreundschauS Ausschuß« in London ist dem Vorschläge näher getreten, daß die Mit­glieder des englischen Parlaments den deutschen Reichstagsabgeordneten eine Einladung zugehen lassen sollten, in diesem Jahre England als Gäste des Parlaments zu besuchen. Auch die Herausgeber und Leiter der führenden deutschen Blätter aller Parteirichtungen sollen zu einem Besuche in England eingeladen werden.

*. Geheimrat Professor Dr. Helfferich, der anläßlich der letzten Kolonial-Debatten vielgenannte Vortragende Rat in der Kolonial-Abteilung des Auswärtigen Amtes, hat, wie die ,Nat. - Ztg/ mitteilt, in Erwartung der Genehmigung seines Abschieds-Gesuches einen Urlaub angetreten und auch feine Stellung als Prioatdozent an der Universität Berlm bereits aufgegeben. Er wird nach demselben Blatte voraussichtlich bereits im Mai nach Konstantinopel übersiedeln, um das Amt eines Direktors der Anatolischen Eisenbahn an,zutreten. Damst würde Geheimrat Helfferich aus den Kombinationen ausscheiden, die bezüglich der Besetzung der Posten in dem zrckänftigen Kolonial-Amte in die Welt gesetzt worden sind.

* Zu der Polemik zwischen der ,Nordd. Allg. Ztg? und dem Pariser,Temps' bringt das erstgenannte Blatt einen neuen inieieffernten Beitrag. Dasselbe hatte bekanntlich früher mit­geteilt, daß der^ russische Botschafter in Paris in ähnlicher Weife rote der russische Minister- Präsident und der russische Minister für aus- wärtige Angelegenheiten die Wiedergabe der In­struktion an den Grafen Cassini in Algeciras durch den ,Temps' als eine „taktlose Ver­drehung der Wahrheit« mißbilligt habe. Der ,Temps' hatte sich darauf, wie die ,Nordd. Allg. Ztg.' sagt, „erdreistet," diese Feststellung aus eine „lügnerische Information" zurückzuführen und erklärt, seine Behauptung, der russische Bot­schafter habe sich in seiner Unterredung mit dem Fürsten Radolin keiner solchen Sprache und Aus­drücke bedient, werde nicht dementiert werden. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' erklärt sich demgegenüber ermächtigt, folgendes Telegramm zu veröffent- lichen:

„An Ausivitetiges Amt-Berlin.

Paris, 30. März.

Von dem russischen Botschafter wird mir erklärt, daß er Herrn Tardieu (Georges Mlliers. über seine Polemik abermals ernste Vorhaltungen gemacht und dabei ihm gegenüber di« Richtigkeit der von ihm, dem Botschafter, zu mir gebrauchten Ausdrücke „Taktkosig- keit und Entstellung der. Wahrheit" aufrecht erhalten habe.

Radolin."

Man darf gespannt darauf sein, rote das französische Matt auf diese Ohrfeige reagieren wird.

Der Kampf der Berlitter Polen gegen die deutsche katholische Geistlshkeit verschärft sich immer mehr. Wie verlautet, beabsichtigen die Polen, wenn die Krrchenbehörde ihien Sonlter- wünschen nicht nachkommt, ihre Kinder zur erste» hl, Kommunion in polnische Gegenden, nach Pofen oder Westpreußen zu schicken. Zur Kennzeichnung dieser polnischen Agitation bient die Feststellung der ,Germania'» daß sich aus dte Aufforderung des ,Dziennik Berlinski' hin, es möchten sich bei ihm solche Eltern melden, welche ihre Kinder in polnischer Sprache zu den heil.

Tode näher, als dem Leben! Maria Felice ist schwer krank. . .

„O, sie wird gesund werden", rief Gabriel. „Gewiß, sie mutz gesund werden!"

„O JuMnd, wie vertrauensselig bist du!" sagte der Prälat. „Hoffen Sie immerhin, aber — beten Sie auch viel!"

„Ja, das will vchk" rief Gabriel. „O wie glücklich bin ich, daß ich wieder beten kann!"

Sie sprachen ein stilles Gebet für die Seele von Maria Felices Mutter, besprengten das Grab mit Weihwasser und wanderten dann zusammen durch viele Straßen, bis zu einem altertümlichen Paläste mit monumentalem Eingangstore, zu des­sen beiden Seiten zwei mächtige Löwenköpfe aus der Mauer vorsprangen. Es war einer jener römischen Paläste, auf deren Marmorstirnen die Geschichte von Jahrhunderten geschrieben steht.

Durch eine mächtig» Vorhalle traten sie in einen weiten, säulenumschlossenen Hof, unter dessen geschwärzten Akarden Reste von Marmorstatuen, trauernde Zeugen erstorbener Größe, herumlagen.

Der Prälat selber, in seiner vornehmen Hal- tuWg, mit dem ausdrucksvollen, durchgeistigten Ge­steht und den aristokratischen Manieren, erinnerte lebhaft an eines jener stotzen, glänzenden Geschlech­ter, welches einst die Krone oder der Purpur schmückte^ das vrelleichk mit diesem Hetzten edlen Sproß erlosch.

Durch einen zweiten Torbogen traten sie m einen reizenden ©arten mit Springbrunnen und LorbeergebüßH und Gabriel fach voll Verwunde­rung das sprossende Leben inmitten einer versunke- neu und ersterbenen Welt. Es toae einer jener Gärten, wie man sie nur in der ewigen Stadt findet, ein Garten mit einer halb zerfallenen Mauer, über welche hohe Pinien ihre malerischen Kronen spannten, mit wucherndem Olivengehölz uud dichtem, baumhohem Buchs, der neben edlem Lorbeer hohe Heckenwände und Laubgänge bildete. Tie Mauecreste glänzten in warmen, satten Far­ben, und üppig wuchernder Efe« verhüllte ihre

Sakramenten vorbereitet sehen möchten, angeblich 17 Kinder namhaft gemacht worden find, bei welchen dieser Wunsch vorhanden war. Von diesen 17 Kindern war aber ein Teil bereits ausgeschult, ein anderer Teil noch gar nicht be­rechtigt, an dem Kommunionunterricht teilzu- nehmen. Auf Wunsch der Eltern sind 3 Kinder in polnischer Sprache zur ersten hl. Kommunion vorbereitet worden. Andere Kinder aus der Liste des ,Dziennik' haben ausdrücklich gebeten, sie in deutscher Sprache vorzubereiten. Von den durch die Geistlichkeft von St. Pius vorberei­teten Kindern haben, wie bereits erwähnt, tat­sächlich nur 6 bei der Feier der ersten heiligen Kommunion gefehlt, darunter c in Kind aus einer gewerbetreibenden Familie, das, wie sestgestellt wurde, blos deshalb fernblieb, weil die El­tern befürchteten, die Polen würden andernfalls ihr Geschäft boykottieren. Das besagt genug!

.*. lieber die Ausweisung der Ruffen auS Berkin hat die russische Presse Mitteilungen ge­bracht, die den Tatsachen nicht entsprechen. An­geblich sollte der Berliner Polizeipräsident 7000 Russen ausgewiesen haben. Davon ist keine Rede. Wie die ,Vossische Zeitung' erfährt, haben in den letzten Wochen durchschnittlich 50 bis 60 russische Untertanen die Aufforderung er­halten, das preußische Staatsgebiet zu verlnffen. Diese Ausforderung ist an mittellose und be­schäftigungslose russische Staatsangehörige er­gangen, von denen man befürchten mußte, daß sie der öffentlichen Armenpflege zur Last fallen würden, ferner au solche Personen, die sich nicht im Besitze der erforderlichen AuS- weispapiere befanden.

* Für die zweite Lesung der preußische» Wahlrechtsvorlage haben die Freisinnige» Parteien den Antrag gestellt, unter Abänderung der Versaffung für die Wahlen zum Abgeord­netenhause das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht mit geheimer Stimmabgabe einzu­führen. Zugleich soll auf gründ der vorläufige» Ergebnisse der letzten Volkszählung eine allge­meine Neueinstellung der Wahlbezirke erfolge» und die Gesamtzahl der Abge­ordneten neu bestimmt werden. Als Even­tualantrag haben die genannten Parteien eine Resolution eingebracht auf Neueinstellung der Wahlbezirke gemäß den vorläufigen Ergebnisse» der letzten Volkszählung, sowie auf Einführung der geheimen Abstimmung für die Wahl der Wahlmämier. — Von nationalliberaler Seite ist für das Plenum der in der Kommission abgelehnte Antrag wieder ausgenommen werden, wonach eine anberroeite Feststellung der Wahl­bezirke und der Zahl der in ihnen zu wählenden Abgeordneten nach den seit 1860 eingetretenen Veränderungen in der Volkszahl, sowie die Ein- sührung einer Vertretung der Minderheiten ver­langt wird. Außerdem soll unter Beibehaltung eines erhöhten Wahlrechts bei höherer Steuer­leistung ein erhöhtes Wahlrecht auch bei höherer Bildung und bei höherem Alter einae^ührt, und den der dritten Abteilung ange­hörenden Wählern ein erweitertes Wahlrecht ein« geräumt werden.

* Ans Tentfch-Südwestafrika liegt heute fol­gende amtliche Depesche vor: Auf die Meldung, daß eine Hottentotenbande am unteren Ham-Re- vier sestgestellt fei, trat Major von Estorfs am 27. März in 3 Kolonnen von Stolzenfels, Jerusalem und Ondermaitie den Vormarsch dorthin an. Das Oranje-Revier zwischen Stolzenfels und Davis,

geborstene Größe. Mit seinen weichen, großen Blättern legte er sich wie ein blitzender Schmuck aus Saphieren und Smaragden um die 6raunen, , erglühenden Schultern dieser antiken Herrlichkeit. Hier strebte sein schrundiger Stamm empor wie ein schlanker Riese, der fein bekränztes Haupt an ibie Maner lehnt, dort, wie verschwiegener Schat­ten der Mauerbrüstung, flatterte er von geborste­nen Pfeilern und Bogen herab und überflutete mit seinem immergrünen, glänzenden Blätter- strom das alte, zerbröckelnde Gemäuer. »

Gabriel war entzückt von diesem Anblick; aber sein Staunen wuchs, als er eine von Efeu um» raufte Nische gewahrte, aus deren Tiefe er eine tenchtendweiße Gestalt inmitten eines mit einer Menge roter Röschen bedeckten Strauches hervor­schimmern sah. Bläuliche Dämmerung hüllte das Bildnis ein, und hoch oben über der Nische, vom ersten Stande der Mauer, nickten ganze Büsche blutroter Nelken und dichte Sträuße von Goldlack herab, die berauschenden Duft ausströmten.

Gabriel deutete auf die Nische. „Ein wenig Heidentum ist ja Wohl im christlichen Rom zurück» gebkteben'" sagte er lächelnd. „Ist das dort ein Apollo?"

„Still", sagte der Prälat, „es ist keine Antike, sondern die Immaculata von Lourdes."

„Nah —", sagte Gabriel, „man glaubt also auch in Stern an Lourdes und seine Wunder?"

„Ist nicht die Welt voll von Wundern?" fragte der Prälat. „Täglich erleben wir unzählige Wun­der! Der, Lauf der Gestirne, die sich verjüngende Erde, die Blume mit ihrem Dust: was sind das anders, als sichtbare Wunder der Liebe und All­macht Gottes! Aber freilich, die Menschen m ihrem Hochmut und Dünkel wollen diese Wunder nicht anerkennen und gehen achtlos daran vorüber. Lourdes aber, mein Sohn, Lourdes, strahlt wie eine glänzende Sonne inmitten einer dunklen Wett! Seine Wunder sind keine Märchen, sonder» Wahrheit und Wirklichkeit. Die strengste Wiffen- schast hat sie geprüft und bestätigt. Selbst bi»