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Hototi ans druck u. Vtrlag o« <nl6a« Re« tienSruaettt in $#160. Strnfpttbtr Nr. 9.

JA 7ö,

Fulda, Samstag, den 31. März 1906.

33. Jahrgang.

Drittes Mt'cttt.

8uwWk-d sss für das zweite

Quartal 1906, Preis 1,50 Mark (ohne Bestellgeld und Bringerlohu) gemacht werden.

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Wochen-Rundschau.

(Stachvruck verboten.)

Fulda, den 31. März 1906.

Gerüchte über eine Kanzlerkrisis füll­ten in der vergangenen Woche die Spalten der Blätter. Angeblich sollte der Kaiser dein Reichs­kanzler Fürsten Bülow eine Art Ultimatum in Sachen des Reichskolonialaints gestellt haben. Die Ablehnung des Reichskolonialaints in der Budget­kommission des Reichstags bildete die Unterlage für diese Behauptung und zugleich für eine Hetze der liberalen und altdeutschen Blätter gegen das Zentrum, das lediglich aus sachlichen Gründen, r Wahrung der Einheitlichkeit unserer auswär- ..gen Politik, gegen ein RcichskoloiUalamt ge­stimmt hat. Tie Gegner des Zentrums behaup­ten, für diese Gegnerschaft sei nur die persönliche politijcfje Abneigung gegen den für den Posten eines Staatssekretärs vorgesehenen Erbprinzen zu Hohenlohe, den derzeitigen stellvertretenden Ko­lonialdirektor, maßgebend, und diese Behauptung wird trotz der bündigen Erklärungen des Zen- lcuinsführers Dr. Spahn aufrecht erhalten. Was es mit den Krisengcrüchtcn auf sich hat, wird sich ja bald zeigen, da die Ablehnung des Reichskolo- nialantts im Plenum ziemlich sicher ist. Für eine Kanzlerkrisis wäre sreilich der jetzige Augenblick so ungeeignet wie möglich, denn-in Algeciras stehen die Dinge vor der Entscheidung. Nach ungemein gereizten Auseinandersetzungen zwischen den deutschen und französischen Offiziösen hat man am Mittwoch auf Grund von amerikanischen Vor­schlägen, die eine Kontrolle der internationalen französisch-spanischen) Polizei in Marokko durch .'s diplomatische Korps in Tanger einführcn, nnen Weg zur Erzielung eines Ausgleichs der Interessen gefunden.

Im Reichstage rief die Beratung des Ko- lonialetats noch weitere lebhafte Auseinander­setzungen zwischen den Vertretern der Kolonialvcr- waltung und den Parteien hervor. Wieder und wieder mußte sich die erstere schwere Vorwürfe von den verschiedensten Seiten gefallen lassen. Die Forderung für den Bahnbau in Kamerun wurde genehmigt. In zweitägiger Debatte er­ledigte der Reichstag sodann die F l o 11 e nv o r- l a g e. Mit Ausnahme der Sozialdeinokratie zeigten sich alle Parteien bereit, die Forderungen für die in der Flottengcsetznovclle verlangte Ver­stärkung unserer Marme zu bewilligen. Auch das Zentrum erklärte sich dafür unter dem Vorbehalt einer gedeihlichen Lösung der Kostendeckungs­frage, die in der Steucrkommission zu suchen ist. Zu einer endgiltigen Entscheidung über die Flot­tennovelle kam es noch nicht, da bei einer nament­lichen Abstimmung über den freisinnigen Antrag das Haus sich als beschlußunfähig erwies. In der Steuerkommission des Reichstags wurde die Fahrkartensteuer in zweiter Lesung in Form der Kilometerzuschläge aufrecht erhalten und zwar trotz des Widerspruchs des preußischen Finanz­ministers. Die Zigarettensteuer wurde in Form der Banderolenstcuer befchlesson.

Im preußischen Abgeordneten­hause wurde außer kleineren Vorlagen die erste Lesung der Wahlrechtsgesetznovellen erledigt.. Ab­gesehen von den beiden konservativen Fraktionen betonten sämtliche Parteien die Unzulänglichkeit dieser „Reform" und verwahrten sich dagegen, daß mit diesen Vorlagen, deren Inhalt man im all­gemeinen als Verbesserungen der geltenden Be­stimmungen anerkannte, die wirkliche Reformfrage entschieden sei. Die Kommission, an welche die «erlagen verwiesen wurden, hat rasche Arbeit ge­macht, indem sie dieselben unverändert annahm. Das war der richtige Weg für die Behandlung dieser „Kleinigkeiten", und der Minister des In­nern dürfte sich sagen, daß seine Absicht, mit dieser „Abschlagszahlung" einer gründlichen Wahlrechts­reform den Weg zu verbauen, nicht erreicht ist. Der Schwerpunkt der parlamentarischen Verhand­lungen in Preußen liegt zur Zeit in der Schn l- g es e tz k o m m i ssi o n. Dort liegen die Dinge ' zur Zeit so. daß das Zustandekommen des Gesetzes stark gefährdet erscheint. Einerseits hat die Kom­mission Beschlüsse gefaßt, welchen das Zentrum seine Zustimmung versagen muß, und anderer­seits sind in den letzten Tagen durch eine vom Zentrum und den Konservativen gebildete Mehr­heit Beschlüsse zustande gekommen, die von natio- nalliberaler Seite als unannehmbar bezeichnet wurden. Die „Rat. Ztg." droht daher schon mit dem Scheitern des ganzen Gesetzes. Das Blatt vergißt nun, daß noch immer eine Verständigung zwischen den Konservativen und dem Zentrum frei bleibt. Das Herrenhaus hat am Mitt­woch die Etatsberatung begonnen.

t Im österreichischen Abgeordneten- hause hat man die erste Lesung der Wahlreform­vorlagen zu Ende geführt. Tie Vorlagen wurden einer Kommission von 49 Mitgliedern überwiesen, deren Zusammensetzung eine kleine Mehrheit für die Reform erwarten lassen. Eine empfindliche Belastung der letzteren bedeutet der Versuch, sie mit einer allgemeinen Verfassungsrevision zu ver- guicken, die seitens der Polen im Interesse der Sonderstellung Galiziens verlangt wird. — Die Krisis in Ungarn steht auf dein alten Fleck. Ministerpräsident Fejervary ist wieder in Wien.

Das Ergebnis seiner Konferenzen dürfte die Nicht­ausschreibung der Neuwahlen zum gesetzlichen Termin sein.

Die französische Depukiertenkam- wer hat mit großer Mehrheit die Forderungen für die Verstärkung der Flotte genehmigt. In den Debatten wurde noch wiederholt auf die deutsche Flotte Bezug genommen. Bemerkens­wert ist, daß im höheren Marinerat, der höchsten Instanz in Flottenfragen in Frankreich, die An­schauung vorherrscht, es sei notwendig, alle Pan­zerschiffe und Panzerkreuzer in der Nordsee zu konzentrieren. — Die französische Regierung geht jetzt hart vor gegen die Offiziere, die von den Kriegsgerichten wegen Gehorsamsverweigerung aus Gewissenspflicht bei der Inventaraufnahme in den Kirchen freigesprochen wurden. Alle diese Offiziere werden mit Halbsold zur Disposition gestellt. Eine Gewaltnraßregel erzeugt so die andere.

In Rußland sind jetzt die Wahlen zur Neichsduma im Gange. Während sie in den meisten Orten ohne Störung vor sich gingen, sind in Moskau und einigen anderen Städten infolge des Verhaltens der Arbeiter Ruhestörungen zu verzeichnen gewesen. Auch an Attentaten und Ucbcrfäöen seitens der Revolutionäre hat es in der vergangenen Woche nicht gefehlt. Es mangelt nicht an Stimmen, welche behaupten, das Zaren­reich stehe wieder vor dem Versuche einer allge­meinen revolutionären Erhebung.

Rumänien hat in dieser Woche die 25. Wiederkehr des Tages seiner Erhebung zum Königreich (26. März) festlich begangen. Im Gegensatz zu diesen friedlichen Feiern standen die Vandenkämpfe, die in Mazedonien wieder überhand nehmen. Verschiedene bulgarische Ban­den sind allerdings von den türkischen Truppen niedergemacht oder zersprengt worden, es deutet aber alles darauf zu, daß die kommenden Wochen Unruhen größeren Stiles auf der Balkanhalb­insel bringen werden.

a Ueder Huldaer Spezialitäten.

Mit dem zunehmenden Interesse an lokalge­schichtlicher Forschung hat sich auch die Aufmerk­samkeit weiter Kreise in erhöhtem Maße den Spe­zialitäten auf gewerblichem Gebiete wieder zn- gewendet.

So streben denn viele Städte, den Ruf, den sie durch eigenartige Produkte in früheren Jahr­hunderten besessen, zu erhalten und zu mehren; und zwar nicht nur auf dem Gebiete des Kunst­gewerbes, sondern auch bezüglich der Erzeugnisse der Nahrungs- und Genußmittel produzierenden Gewerbe.

Es ist dies um so erfreulicher, weil bainit einer gewissen Eintönigkeit des Ledens, wie sie sich bei den Völkern, die kein Mittelalter hatten, findet, entgegengearbeitet wird und ebenso dem Alles nivellierenden Einfluß des Geschmackes eines großen Teiles unseres Großstadt-Publikums.

Welches sind nun die Spezialitäten Fuldas auf dem erwähnten Gebiete?

Abgesehen von den Bäckerei-Produkten der Benediktinerinnen-Abtei findet sich als altbekann­tes Fuldaer Backwerk der Fuldaer „Krum- m e s", ein Hörnchen von Blätterteich. Eine Zeit lang toaren solche Fuldaer Krummes in altge­wohnter Qualität nicht mehr zu haben, neuerdings werden sie von strebsamen Meistern der Bäcker­zunft in guter Qualität wieder geliefert, was hier dankend anerkannt werden soll. Ein Backwerk von vorzüglichem Geschmack und allbeliebt ist fer­ner der in den Fuldaer Familien hergestellte Rosinenkuchen („R osiuenpla tz").

Unter den Würsten sind ober waren weit über die Grenzen des Fuldaer Ländchens bekannt und berühmt besonders die S ch w a r t e n m a g e n und Knobli » en. Erstere werden noch in recht guter Qualität vielfach hergestellt, letztere dagegen in ihrer alten Eigenart fast nur noch auf dem Lande bei Hausschlachtungen. Schreiber dieses ist kein Fachnrann in Herstellung von Würsten, glaubt aber die Beschaffenheit der alten vorzüglichen Knoblinen, die man besonders gut bei den alten Herrn Senator Friedrich Schultheis in der „Krone" und zuweilen auch bei seinen Nachfolgern erhielt, folgendermaßen charakterisieren zu sollen:

Die Füllung der alten Knoblinen war grob gehackt und wurde in frische Därme gebracht. Dann wurden die Würstchen geräuchert. Sie waren sehr saftreich, schmeckten kräftig nach Salz, Pfeffer und Knoblauch.

Die Füllung der jetzt zumeist in Handel vor­kommenden Knoblinen ist sehr kraus gehackt, eine kompakte Masse, hängt fest am Darm und schmeckt fast neutral, nicht nach Gewürz und nicht oder kaum etwas nach Knoblauch, so daß diese Würst­chen sich nicht unterscheiden von jenen Würstchen, wie sie überall in Deutschland zu haben sind.

Dabei sind die zur Verwendung kommenden Därme vielfach mit irgend einem Stoffe impräg­niert, welcher der ganzen Wurst einen eigenen, un­angenehmen Geschmack verleiht. Auf Befragen bei Metzgern erfuhr ich, daß man die alten Fuldaer Knoblinen herzustellen verstehe, daß aber ein Teil des Publikums nichts mehr von Knoblauch wissen wolle, daß ferner die Herstellung ziemlich um­ständlich sei und bei den heutigen Preisverhält- nisscn nicht mehr einen entsprechenden Nutzen ab- toerfe. — Demgegenüber sei bemerkt: Man könnte doch beiden Geschmacksrichtungen Rechnung tra­gen, derjenigen, welche gewürzte und derjenigen, welche neutral schmeckende Wurst vorzieht. Daß die Erstere noch stark vorhanden beweist der Um­stand, daß stark nach Knoblauch schmeckende Würste (Debrecziner Würste) aus Ungarn einen Import- artifel für Deutschland bilden.

Außerdem dürfte auch ein entsprechender Preis sehr wohl zu erzielen {ein, wenn der Abnehmer

nur sicher ist, auch das gewünschte Produkt zu er­halten 1

Daß die Fuldaer Knobline in der Geschichte der hiesigen Metzgerzunft eine bedeutende Rolle gespielt hat, und daß man ihr unbedingt den Vor­rang gegenüber den sogenannten Frankfurter Würstchen zuerkannte, mag das Folgende erweisen: Als Schreiber dieses sich im Auftrage des Fuldaer Geschichtsvereines vor kurzem zum Zwecke archi­valischer Forschung in Marburg aufhielt, fand er in der Abteilung für Fuldensia B Fach 27 einen Faszikel Nr. 715, enthaltend verschieden: Akten der Fuldaer Metzgerzunft, darunter ein Manuskript, (Fragment) in groß Quart in einen blauen Umschlag geheftet mit der merkwürdigen Aufschrift „Nonnulla de enoblinis Fuldensibus" also „Etwas über Fuldaer Cnobliiien". Aus dem Hefte sind vorne einige Blätter leider herausge­rissen und die letzte Seite ist wegen großer Flecken unleserlich, doch bietet es auch so noch genügendes Interesse für eine Veröffentlichung, namentlich hier in Fulda. t ,

Nach Schrift und Ausdrucksweise ist das Doku- ment wohl dem 18. Jahrhundert zuzuweisen, doch dürste es nach den übereinstimmenden Urteil ver­schiedener Fachmänner als eine freie Ueberarbct- tung eines Originals aus dem Ende des 15. ober Anfang des 16. Jahrhunderts zu betrachten sein, weil häufig Ausdrücke und ganze Satzwendungen aus jener Zeit in dasselbe aufgenommen sind. Sollte, wie vorauszusehen, demnächst eine tert- kritische Veröffentlichung durch die historische Kommission für Hessen und Waldeck erfolgen, wird man dieser Frage näher treten. Wir geben das Schriftstück in einer Schreibweise, welche es für die Allgemeinheit unserer Leser verständlich erscheinen läßt, indem wir namentlich auch statt des y ein i setzen. Es lautet: .

In demselbigen Jahr am Montag nach Omn- auagesinia, als man eben im Stift gar frommtg- Uch ba§ Salve gesungen, blus der Turinwachter gräulich in sin Horn und inan lautete Sturm mit der großen glocken us der Pfarrkirchen. Es geschah ein groß Rumor und Zusammenlauf, .{internalen die Ratsknecht uns Zünftige zu den Waffen heifcheten. Vom Dienstagsmarkt kam ge­loffen Sipel Klemm der Kupferschmied, so in finen jungen Jahren in Himgarien und walschen Landen uff der Walz gewesen un in sieben frem­den Sprachen fluchen kunnt. Er sah baß w:ß us bis auf fine rote Nasen und vermeldete mit Zittern un Zagen, daß an des hl. Geists Spittel vor dem Frankfurter Dur der Großtürk halte m eigener Person mit nit weniger dann 20 000 Janitscharen un viel anderem wildem Kriegsvolk, auch grob Geschütz. Item er hab mit eigenen Ohren gehört, wie er der Türk verlanget«:, Stadt, Stift un Abts- burg^u übergeben uf Gnad un Ungnad, anfunften er noch diesen Abend stürmen tat un nit Weib un Kind, nit Mann un Maus verschonen wullt. ,

Nun wäre zwar männiglich bekannt, daß Mei­ster Sipcl in etwa übertrieben thäte und nit allzeit erwiesen könnt, was er vermeldete, auch sagte Kan­tor Heinz Smerlib, es könnte nit sin, daß der Türk so in's Reich käme, denn cs wäre zuvorderst Kundschaft darüber ergangen; immerhin Hub an ein groß Bangen unter den Mannen und Weh­geschrei der Fruwen. _

Nur der alt Schultheiss Heere Schenk von Stellingen stund ohn Furcht uff der Pfarrkirchen Treppen sin Schwert wetzende und mörderlich schimpfende. , , . t

Er schwur drei feierlich Jurament bet sankt Simplicius als da ist der Fuldischen Ritterschaft Patron, daß nit einer der verrnaledeyten ^iirken- hunde mit Heilern Leder die Fnldischen Stistsland verlassen füllt, auch woll er sich am Aschermittwoch keineswegs äschern lassen, so er nit zuvor zum wenigsten drei Türken mit Haut un Haar ver­zehret hält.

Da käme geradewegs daher Junkher Herting Schenk, vernähme des Schulteißen Red und riese: „Menschenfresser!" Dieser aber replizierte stark und vermeldete etwa wie von Grünschnabel, schwö­rende, er woll noch diesen Abend in sin eigen groß- tem Humpen bei lebendigem Leib elendiglichen versaufen, so er nit im letzten Türkenkrieg mehr denn einen Pascha mit drei Roßschweisen sich hatte braten lassen. Auch könne sin alt Trumpeker der selig verstorbene Hann Adam Schwarzhenche dies mit einem leidlich Eid bezeugen.

Indessen so Red un Widerred geschah kam vom Duc geloffen der Stadtschreiber Gehannes Salvelt, so ein mancher Sprachen kundig Mann war.

Es ließ sich vernehmen, es sei nichs Slimmes, es wäre nur eine türkisch Ambassade (Gei an d- schast) un ihrer nit mehr dann 6 bewaffnet uii be­ritten Männer, darunter ein Venezianer als Dra- chsnmann (Dragoman?) oder Dolmetsch, so teutsch reden könnet, als ein ander ehrlich Chrtstenmensch. Dann etlich wenige Diener schwarzer Färb, so sunf große Buckeltiere führten, als man Kamecle nen- nete und die etlich Gepäcke trügen, dergleichen schon in der Bibeln alten un neuen Testaments vorkum- men täten. Sie hätten auch Schriebeiis an ftne hochfürstlich Gnaden un nit minder Geleitbrief Friederici Augusti. t ~ ,

So ward nun sunder Zagen das Tur geöffnet un Herre Schultheißen Schenk von Stetlmgen steckete brummende sin Schwert in.

Das war nun ein ganz obsundcrsich Z"g gen die Abtsburg, dergleichen männiglich zu tyulb noq nit Zufiwderst ritt ein groß stattW Mann mit lang schwarzem Barte uff einem stattlich Roß, der hatt wie all fine Genossen ein funberbar breit Be­wickel um sin Haupt. Darüber aber trug er e n silbern Gestalt von Groß und Ansehen als ein Fulder Krummes. Sie sageten es behüt cm Halb- mon. Es wäre aber sicherlich nit großer bann ein Viertelmon.

Bemeldeten großen Türken nennctcn sine Tra­banten einen Aga, er benamfeie sich aber Muraö

Efsendi un war so stattlich in sine Kleidung als der Vürnehmste von den hl. drei König, so nach dem hl. Christtag bei denen P. P. Barfüßern uf der Krippe zu feben seindt.

Seine hochfürstlich Gnaden unser gut Fürst Johann zweiter von Henneberg erhielte durch Ob­genannten em groß versiegelt Brief des Groß- türken, allwelches ihne durch den Venetianer uff gut teutsch übersetzet wurde und gar wunderlich also lautete:

„Wir Bajazio, Sohn des Propheten, Beherr­scher der Gläubigen, Kaiser der Kaiser und König der Könige et cet. et cet. et cet. tuen dir unserem Tiener zu Wissen und Kund allwie mir tiernum- men, daß Tu, obwohlen ein Ungläubiger, doch ein frumm, weis Mann seiest und daß Tine Sklaven die Metzger in diesem dinem Lande des edlen Wurstwerks sunderlich eifrigen pflegin. Wie von den alten weisen Kalifen uff uns gekommen, feie es für der Völker Wohlfahrt Höchlichen dienlich, daß der Fürst reichlich und gut Atzung allezeit hätte und sin Tisch bestiglich bestellet feie; denn ein Fürst wohlgenähret feie allzeit guten Willens zufrieden, gerecht, bedachtsamen Mutes, steten Geistes, voll Vorsicht un seinen Dienern gnädiglich gewogen, nit zornmütig, nit vagabundierend nit uffgereget. So feind wir denn allzeit bedacht, daß ein gut Mahlzeit mehrmalen des Tags unser Ge­müt erfreue und lassen dieserhalb von Fern und Nah gar mancherlei userwählt Atzung zu unser und der Gläubigen Nutz un Frommen anhero bringen.

Muhained der Prophet verbietet zwaren den Genuß des unreinen Fleisches der Schwine, je- borfien hält er fiirsichtig nit und keineswegs bet- botten, Wurstwerk, so da reinlich und beköium- sich zubereitet und durch heilsam Würzwerk ge- ebclt ist. Lbwohllm mir nun von dir unserem Knechte als Tribut die besten Wärst jenes Landes fordern und 'verlangen fünnten, senden wir dir doch in Gnaden 50 Dukaten, vollwichtig und wohl- gepräget, verlangende, daß du uns hierfür, reich­lich Wurstwerk jeglich Art, wohlbcreitet, gut un in allwcg bekömmlich über antworten füllst.

So gegeben zu Stambul im fünften Jahr unserer glorreich ersprießlich Regierung." *)

Als sine fürftl. Gnaden den Inhalt sothanen Brieses durch den Venediger Dolmetsch Civrano benamset erfahren und die 50 Dukaten wirklichen erhalten, versprach ere der Abt, es solle Allens bcstialich befurget werden und ließe sämmtsich Türken uf sine des Abtes Kosten in der Herberg zur Hinterburg in Doll Motz Hufe unterbringen un beköstigen, derohalber manniglid) anitzo die Hinterburg das Türkenviertel nennet. Nach be- melbetcr Türken Abgang ließe der Abt Johannes zu sich entbieten Zunftmeister un Schöppen einer ehrbar Metzgerzunft, übergab allselbige 50 Du­katen, daß sie dafür liefern füllten des anneren Abends Wurstwerk jeglich Art vom besten nach der Abtsburg, ehrlichen gut ohn Gefährd un Arglist.

Dann wurd enthalten der Hochgelahrt würdig Pater Jacobus us dem Convent, so in finer Jugend an hohen Schulen Paris un Salamanka viel studieret un auch arabischer Sprach mächtig wäre, denn Abt Johannes gedacht durch selbigen dein Großtürken eine gar fründlich un gespaßig Brief uf Pergament, arabisch schrieben zu lassen.

Nachdeme alsobald beid ein weniges mit ein­ander konferiert, entstand groß Heiterkeit, dieweil Abt Johannes nit nur ein sehr frumm, sondern auch ein spaßhaft Herre war, auch nit minder obgemelbtcr Pater Jacobus betriebst viel Sprach- kenntniß nit des Witzes ermangelte.

Item, als der Abt Johannes von fiiiem guten alt Saalecker Win eine Kann bestellet hatte, setze- ten sie zusürderst teutsch uf, was des anneren Tags Pater Jacobus groß, dütlich un arabisch dem Großtürken schrieben füllt; das lautet also:

„Euer Liebden!

Viellieber Herre Vetter!

Gruß zuvor un Handschlag! Euer Liebden gnädig Schreibens hat uns bei guter Gesundheit antroffen un nit minder unsere lieben getreuen die Metzger befinden sich in Wohlsein un sein zumeist von lieblich runder Leibesbeschaffenheit. Item nach dinem Befehl senden wir dir allerbesten Wurstwerks vor 50 Dukaten und wünschen dir fürder Gesundheit, Friede un allzeit fürderlich un ersprießlich Atzung, damit du täglich zunehmest an Behagen un Leibesumfang und dinem löblich Vorsatz gemäß in bincr Residenz verbliebest uf lange Jahr. Das ist für dich und Viele sicher- sichen von Nutzen gar sehre.

Gegeben in unserer Burg zu Fuld

Johannes 2ter von Henneberg et cet im fünften Jahr dines glorreich ersprießlichen

Regiments et cet et cet et cet.

Also wurde selbiaessiif Pergament fein zierlich gemalct und mit Jnsigul behangen un verschnüret ancren dags den Türken nebst Wurstwerk geziem- sich übergeben.

Dereweil solch Schribens an den Großturken hergestellt ward, wandten sich die Türken durch besagten Venetianer an eine löbliche Metzger- zunst und berlangeten schriftlich Vorlegung im Recept, ans welche Wis man Fulder Wurstwerk insundernheit Schwarturnagen un Knoblinen her­zustellen von Akters her pflegit. Dies geschah al­so: Selbige Türken hatten uff ihrer Reis, dieweil ihnen Win zu trinken verbotten, in Wien, zu Pilsen un bei den Nürnbergern das Bier zu trinken anfangen und tranken solches immer lie­ber un mehr zur UfWeiterung ihres Gemüts.

Nun Ware dazumalen wie mebrfditcnteiU bet Doll Motz in der ßinterburg das Bier nst sunder- sich kräftig un alleweil stark sicherlich (saiierlicc) wie die Lüte meincteji, von wegen, daß das Wasier dort allzu nahe flöge.

•) Wenn diese Zahl richtig ist, dann Hande« es sich um das Jahr 1486 oder 1487.