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nuO.\eiertagt. Viertti« jä<;n. Be$ug$prti$ obre Bringeriobn und Bekengei6inSul6annb auswärts: Hit 50 psg.
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Rota ti 0 ns druck n. Verlag der.suldaer Re» tienOruderei in Sulba. ZernspreHer Kt. 9.
M 74.
Fulda, Freitag, den 30. März 1906.
33, Jahrgang.
Zweites Wt'crtt.
* Zur gesetzlichen Sonntagsruhe für technische Privatbeamte.
Durch die Reichstagsverhandlungen vom 7. v. Mls. betreffend das gewerbliche Arbeitsrechl der technischen Privatbeamten (Anträge Baffer- mann-Nacken-Pottboff-Schack) ist auch die für die technischen Privatangestellten so wichtige Frage der gesetzlichen Regelung der Sonntagsruhe zum ersten Male an maßgebender Stelle ausgerollt worden. Namentlich hat sich bei dieser Gelegenbeit auch der Zentrumsabgeordnete Nacken dieser ohne Zweifel sehr berechtigten Forderung der technischen Prioatangestellten mit Eifer und Geschick angenommen. Zu der Frage der Sonn- tagsruhe bezw. Sonntagsarbeit selbst wird uns nun aus Kreisen dieser Angestelltenkategorie u. a. geschrieben:
Die Sonntagsarbeit ist eine der unliebsamsten Erscheinungen im Berufe des technischen Angestellten, eine Verpflichtung, die sich ihm oft in der drückendsten Weise fühlbar macht. Es sei zugegeben, daß in den größeren Konstruktions- bureaus die Sonntagsarbeit kaum vorkommt, wie die dort beschäftigten Angestellten auch sonst sich der geregeltsten und angenehmsten Arbeitsbedingungen unter den technischen Privatangestellten erfreuen. Ganz anders liegen die Verhältniffe aber bei den sog. Betriebsbeamten, Werkmeistern re. Eine wöchentliche Stundenzahl vvn 60—70 Arbeitsstunden bildet hier die Regel, von Ueberstunden und sog. Nachtschichten ganz abgesehen. Außergewöhnlicher Nachtdienst zählt hier durchaus nicht zu den Seltenheiten, ohne daß hierfür eire außerordentliche Entschädigung geleistet würde. Daß ein Beamter in dieser Lage der Ausspannung am Sonntage mit Sehnsucht entgegensieht, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Aber gerade hier macht sich ihm das Fehlen genügender gesetzlicher Schutzbefftm- mungen in der empfindlichsten Weise fühlbar. Denn gerade an den Sonntagen werden öfters an diese Beamte weitgehendere Ansprüche gestellt, als an den Wochentagen, indem es gilt, die verfügbare Zeit, wo der Betrieb ruht, in der intensivsten Weise auszunutzen und Arbeiten auszusühren, deren Vornahme an Wochentagen einen Produktionsaus- sall bedingen würde. So zieht sich diese Arbeit manchmal bis spät in die Nacht hinein, und doch soll am anderen Tage ein solcher Beamter wieder am ersten zur Stelle fein, um sich überzeugen zu können, daß die Arbeit in zweckentsprechender Weise ausgesührt worden ist. Heber diese drückenden Zustände herrscht in den von ihnen betroffenen Kreisen der technischen Privat- beamten großer Unwille; gegen sie anzugehen, fühlt der einzelne fich zu schwach, und die Gesetz- gebung ist bis heute dieser Frage nicht genügend näher getreten. Durch daS Eintreten des Abg. Stacken glaubten die technischen Beamten nunmehr, daß eine Besserung in nicht mehr allzuweiter Ferne ausbleiben kann. Die Regierung dürfte den laut gewordenen Klagen kaum das Ohr verschließen können, als es hier tatsächlich eine Lücke in unserer sozialpolitischen Gesetzgebung auszufüllen gilt, die heute Tausende von technischen Angestellten in empfindlicher Weise
am eigenen Fleische verspüren müßen. Daß eine Regelung sich durchführen läßt, ohne daß in den betroffenen Betrieben eine besondere Störung und Stockung zu befürchten wäre, darüber herrscht bei den beteiligten Praktikern die vollste Ueber- einstimmung der Ansichten.
Soweit die Zuschrift l Der Vertreter der Verbündeten Regierungen führte zu den An- trägen Bassermann, Nacken rc. aus, daß er eine Erklärung, wie diese sich zu den Anträgen stellen würden, nicht abgeben könne, wenn auch vieles, was in ihrer Begründung vorgetragen worden sei, ihre Sympathieen finde. Umsomehr ist es jetzt Sache der Organisationen der technischen Angestellten, der zur Beratung der Anträge eingesetzten Reichstagskommiss on das nötige Material zu liefern, damit den Abgeordneten eine Unterlage dazu geboten wird, um mit Vorschlägen an die Verbündeten Regierungen herantreten und den Wünschen der Angestellten gesetzliche Geltung verschaffen zu können.
Aus der Urgeschichte des lenkbaren Luftschiffes.
Ein Mann, deffen Verdienste um das lenkbare Luftschiff längst nicht genug anerkannt worden sind, ist der französische General Meusnier, der schon in den Jahren 1783 und 1784 in einer Denkschrift die Gesetze der Lustschiffahrt im freien Ballon untermcht hat. Dieser Mann ist für feine Zeit hinsichtlich der Arbeit in der Aeronautik eine ganz ungewöhnliche Erscheinung gewesen, und da die Lustschiffahrt zu einer Wissenschaft zu werden beginnt, die auf eine Geschichte zrtrückbltckt, so ist es nur eine Tat der Gerechtigkeit, daß die großen Verdienste des Generals ins rechte Licht gerückt werden. Dies geschieht in einer Abhandlung des Hauptmanns Voyer, die von Major Möde- beck in den Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen^ in Uebersehung veröffentlicht worden ist. General Meusnier wurde von der Pariser Akademie, deren Mitglied er 1784 geworden war, auf Grund seiner Denkschrift mit Versuchen über ärostattsche Maschinen betraut und entwickelte nun eine Tätigkeit, die seinen außergewöhnlichen Geist kennzeichnete, Namentlich ist die große Klarheit zu bewundern, mit der er alle Fragen, auch die der mathematischen Physik, behandelte. Seine Berechnungen bezogen sich auf die Leistungsfähig- kett der damals verfügbaren Mittel zur lieber- windung der Luftströmungen: er bestimmte die Vorzüge und Nachteile länglicher Ballons und arbeitete schließlich felbst den Plan einer „ärosta- tischen Maschine" aus, die wohl als der erste von wissenschaftlichen Grundlagen ausgehende Versuch eines lenkbaren Luftschiffs bezeichnet werden kann, bei deffen Betrieb jedoch nur mit der Benutzung von Menschenkrast gerechnet wurde. Bereits Ende 1784 legte er der Pariser Akademie der Wiffenschasten einen Bericht über die „arbeiten zur Verbesserung der ärostatischen Maschine" vor, worin er die Ergebnisse kennzeichnete, die zu erreichen ihm möglich erschien.
Im Allgemeinen stellte er zunächst fest, daß unabhängig vom Winde mit Maschinen keine größere Geschwindigkeit erreicht werden könnte, als die einer französischen Meile (Kilometer) in Der Stunde. Weil davon entfernt, also sich über Die Macht der Mittel, bte damals gegeben waren.
zu täuschen, benahm er den Erfindern sogar die | bureau au-gegeben? — B.: .Ja, jetzt kann ich das Hoffnung, jemals eine erhebliche Geschwindigkeit Heiraten niemand mehr empfehlen."
mit lenkbaren Ballons erzielen zu können. Immerhin hat es bis zum Jahr 1872 gedauert, ehe Dupuy de Lome mit seinem Schraubenluftschiff die von Meusniers als Grenze angegebene Getchwindigkeit übertraf und eine solche von 10 Kilometern in der Stunde erreichte, freilich nur für wenige Minuten und unter Anstrengung sämtlicher acht Insassen des Ballons. Trotz des wenig günstigen Resultats seiner Forschungen kennzeichnete Meusnier die Mittel zur Lenkung eines Luftschiffes als sehr nützlich, werk sie dazu d enen können, einen passenden Landungsplatz zu wählen, jedoch glaubte er, daß ihre Anwendung im wesentlichen d raus beschränkt b(eiben würde. Nach seiner Auffaffung lag der wahre Geist der Luftschifffahrt in der geschickten Ausnutzung der Winde, deren Gesetze deshalb auf das gründlichste studiert werden müßten. Außerdem hielt er den Gebrauch von Lenkungsvorrichtungen für wertvoll zum Zweck meteorologischer Beobachtungen im Luftmeer, um das Luftschiff an gewiße Stellen der Atmosphäre zu bringen, wo sich besondere meteorologische Verhältniffe bemerkbar machten. Diese Betrachtungen von Meusnier müssen als sehr verständig bezeichnet werden, wenn man in Anschlag bringt, daß damals vor etwa 120 Jahren noch niemand daran denken konnte, eine andere Triebkraft als den Menschen selbst für ein Luftschiff zu benutzen. Die Studien des Generals über die Stabilität des länglichen Ballons sind zu wiffenschaftlich gearbeitet, um eine Wiedergabe in allgemein verständlicher Sprache zu gestatten. Im wesentlichen wenden sie sich gegen eine star'e Verlängerung des Luftschiffes, und zeigen, daß die peinlichsten Vorkehrungen zur Begrenzung innerer Verschiebungen der Luft oder des Gases getroffen werden müßen, die zur Füllung des Ballons dienen. Von de- fonberem Interesse für die Fachleute ist dann fein Entwurf für eine ärostatische Maschine mit besonderen Angaben für die Aufhängung, für den Propeller, den Anker nfw., die ihn als einen großen Vorläufer späterer Arbeiten und Errungenschaften kennzeichnen. Leider ist eine große Zahl von wichtigen Schriften Meusniers verloren gegangen, von denen matt jetzt nur noch die Titel weiß.
Literarisches.
„Tie Welt", iffuftricrte Wochenschrift für dal deutsche Volk, tritt mit der vorliegenden elften Nummer einen neuen Jahrgang an. Schon ein oberflächlicher Blick auf den Inhalt läßt die großen und umfassenden (Reformen erkennen, welche das Blatt unter seiner neuen Leitung erfahren hat. Tas Bestreben, nicht nur ein interessantes Bilderbuch, sondern ein auch textlich gediegen gestaltetes vielseitiges und geistig vertieftes Blatt zu bieten, tritt kräftig zutage. Tie kritischen Betrachtungen „Bon der Weltwarte" zeichnen fich durch Frische der Auffassung und Eleganz der Darstellung aus. „Tas Neueste aus aller Welt" bringt bildlich und textlich die wichtigen Aktualitäten des Tages, und „Tie Welt des Wissens" ist mit zwei hochinteressanten, mit künstlerisch vollendeten Illustrationen reich geschmückten Aufsätzen ausgestaltet: „Allerlei Militärmusik" und „Was alles in Berlin liegen gelaßen wird". In besonders anziehender Form präsentiert sich das Feuilleton, in dein „Ter Doppelgänger des Zaren", ein hochinteressanter No- man aus der Feder eines der hervorragendsten englischen Sriststeller der Gegenwart, Arthur W. Marchmond, zu erscheinen beginnt. Daneben finden wir eine stimmungsvolle Prosaskizze und ein formvollendetes Gedicht. Tie originelle und geistvolle Ausgestaltung der humoristisch-satirischen Ecke darf des besonderen Beifalls aller Leserkreise sicher sein. Es erscheint hier ein satirischer Zeitdichter auf dem Plan, dessen aktuelle Verse über die neuen Adelsverleihungen an zwei Vertreter der haute finance des heiteren Eindrucks ebenso wenig verfehlen werden, als der neuerdings fast ganz anglisierte „Weltreifende Weltmann". Auch durch die folgenden Scherze und Rätsel ist für allerhand Kurzweil bestens gesorgt. — Bei dieser wohl einzig dastehenden Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit des Textes, der noch durch zahlreiche treffliche Bilder belebt ist, beträgt der Preis für die Nummer nur 10 Psg. — eine Kleinigkeit, die es jedermann gestattet, diefes vorzügliche Bil- dungs- und Ilnterhaltungsmittel zu erwerben, das fich als Freund für traute Stunden edler Familienunterhaltung längst bewährt hat.
Reklamen- und Anzeigenteil.
vermischtes.
* Tie Leiden Nockcfellers. Man behauptet in New-Aork, daß John Rockefeller, „der reichste Mann jber Welt", nervös vollständig zusammenge- brochen ist. Er soll in Lakewood in New Jersey ein. Häusliche Sorgen und seine kolossale Tätigkeit haben ihm angeblich die Gesundheit untergraben. Man entsinnt sich jetzt, daß das Verhalten des Millionärs bereits früher zu merkwürdigen Gerüchten Veranlassung gab. Sein Landsitz Lakewood wurde durch Gitter und Tore in eine starke, durch bewaffnete Leute bewachte Festung verwan- Mt. In der Mitte des Gutes erhebt sich ein hoher Turm, von dem aus gewaltige Scheinwerfer fämt- 'iche Wege während der Nacht beleuchten. Tie Nervosität Rockefellers wurde gesteigert durch ein Komplott von Chicagoer Anarchisten, ihn aufzu- heben und ein gewaltiges Lösegelt zu verlangen. Er erhielt zahlreiche Briefe, in denen er mit Ermordung bedroht wurde.
* Im Beruf verunglückt. A.: „Seit Sie verheiratet sind, haben Sie ihr Heiratsverinittelungs-
Hohenlohesches afermehl verhütet Erbrechen und Durchfall. Kinder, die
Milch allein nicht vertragen, oder an englischer Krankheit leiden, gedeihen vorzüglich, SOOald der Milch Hohenlohe’sches Hafermehl zugesetzt wird.
PWWWMAWWWWWgWV für das zweite Quartal 1906, Preis 1,50 Mark <ohne Bestellgeld und Bringerlohu) gemacht werden.
Auferstehung.
Roman von Felix Rabor.
S21 / (Nachdruck verboten.)
Borans die Schweizerwache in Gala, die Hellebarden geschultert, dann die Prokuratoren der Orden und der heiligen Kollegien, die Kammer- adiutanten, die Kapläne im weißen Spitzenchor- bemb, die Advokaten des heiligen Konsistoriums, dte Prälaten 1 Dann die Kleriker und Auditoren der Rota mtt der Mitra und dem päpstlichen Kreuz! Und dann die Aebte, Bischöfe und Erzbischöfe, in goldgestickten Ornaten und Mitren- dann dre Patriarchen und die Kardinäle, mehr als fünfzig, .in weiten Zwischenräumen feierlich zu zweien emherschrettend, in Purpur und der Cappa magna, dem langen, wallenden Mantel dessen Schleppen die Träger hielten.
Dann kam der päpstliche Thronaffistent, Fürst Colonna, in glänzender, goldst rotzender Uniform. Und ihm folgte der ganze päpstliche Hofstaat: die Offiziere, die Kammerherren, die Würdenträger des Vatikans, die Garden und das Elitekorps, die Nobelgarde, die Blüte der ersten römffchen Adels- geschlechter, in weißen Lederkollern, goldgestickten Mänteln und blanken Goldhelmen — ein prächtiger Anblick.
Und dann kam er selbst, der Priesterkönig, der Papst Leo XIII. 1
Wie eine Lichtgestalt — Lumen in coelol — thronte er auf der goldstrahlenden Sedia gestato- ria, welche von den in rote, goldgestickte Mäntel erhüllken Tragern ernst und gemeßen inmitten des glänzenden Zuges getragen wurde. Zn beiden Seiten schrillen die Flabelli und betoegten die großen, hohen Federfächer.
Jetzt war er nicht mehr der schlichte Vater, der unter seine Kinder tritt und ihnen die Hand 8“m. jetzt war er ganz König und
Maiestat, ganz Herrscher, der Träger der Tiara, Zer Stellvertreter Gottes auf Erden, der Priester
könig, von Glanz und Majestät umhüllt, wie kein anderer Fürst der Welt.
Unter feinem goldgestickten Pluviale schimmerten die heiligen Gewänder, auf der Brust blitzte das Pektoralkreuz mit Brillanten und Saphiren, an der segnend erhobenen Hand glänzte der Fischerring und das Haupt zierte eine wunderbare Tiara mit den drei Königskronen, deren leichtes Silbergewebe mit Diamanten, Saphieren, Rubinen und Smaragden übersäet war. Es waren die überaus kostbaren Geschenke des Kaiers von Brasilien, der Königin von Spanien und der Stadt Paris an den Heiligen Vater.
Aber herrlicher als all' dieser äußere Prunk und Schimmer war der königliche Glanz, der auf dem edlen, durchsichtigen, hehren Antlitz des Papstes lag. Das war nicht der müde Greis, der unter der Last der Jahre und unter den schweren Prunkgewändern zusammenzubrecheu drohte: das war ein wahrhafter Priesterkönig voll Hoheit und Majestät, deffen Anblick unwillkürlich Ehrfurcht und Bewunderung einflößte.
Auf der hohen Stirne lag Kniglicher Adel; aus diesen Augen brach jenes heilige Feuer, wel- ches das höchste Priestertum ht seiner geheiligten Person ausstrahlte.
Gabriel fah nicht mehr die schimmernden Gewänder, noch den Glanz des päpstlichen Hofstaates: er sah nur dieses leuchtende Angesicht, diese prühenden Augen, die, übet die Erde hinwegblickend, in die Unendlichkeit, in die Ewigkeit hinüberzuschauen schienen. Dieser gewaltige Blick war imstande, die ganze Welt zu umfpannen, die Geister zu beherrschen und in die Tiefe der Seele zu dringen.
Beim Anblicke des Papstes brach ein endloser Jubel aus, die Liebe, die Begeisterung riß alle zu so lautem Beifall hi», daß der Tom darunter zu erzittern schien.
Wie ein Alabasterbild, regungslos ruhte der Papst auf dem Samtkissen des Sessels. Nur die Augen, diele rätselhaften, unergründlichen Augen überblickten das jubelnde Volk und die Rechte hob sich zum Segnen. Kein Tropfen Blut
chien das Wachs dieser weißen Wangen zu färben, fein Hauch des Lebens diese ätherisch durchsichtige Gestalt zu erfüllen.
Als aber der Papst dieses jubelnde und jauch- zende Menschenmeer überblickte, als ihm die Liebe dieser Tausende wie eine heiße Welle entgegen- chlug, öffnete sich mit einemmal fein Ange, und ein süßes, mildes Lächeln legte sich über das deiche, durchsichtige Gesicht — das Lächeln eines Königs, der in fein Reich einzieht. Ein Blick, o hell und heiter, wie des Lenzes Sonne, wenn ie das Grün des Maien küßt, flog aus den Augen >es Papstes über die jubelnde Menge hin, ein Sonnenblick, der aus dem Himmelsblau, aus den trahlenden Höhen des Paradieses herabzilleuchten chien. Und alles beugte fich vor dieser Herrscher- würde, alles unterwarf sich diesem Priestergreis, )cr wie ein Weltenkönig über allen thronte. Herr- ich war er anzuschanen, dieser Weltenkönig: des Chormantels goldene Falten umhüllten die grei- en Schultern, die Tiara glänzt auf Leos Hauxst, des Papsttums hehre Krone! Kein Königsreif hat je eine mächtigere Stirne umrahmt, kein Kaiserdiadem hat jemals prahlender ein fürstlich Haupt umkrönztl
Es ist, als ob unsichtbare Stimmen jedem inS Herz sängen:
Beuget die Knie,
Beuget das Haupt! —
Gabriel ritz es förmlich auf die Knie nieder vor der Majestät dieses erhabenen Priesterkönigs. Jetzt, da derselbe von seinem Throne herabstieg und im Triumphe in sein heiliges Reich einzog, erkannte er erst recht die Bedeutung des Tomes von St. Peter.
Mit dem Eintritte des Hohenpriesters schien iliefet königliche Tom erst seiner Bestimmung übergeben zn werden: Licht und Wahrheit ans- znstrahlen, höchste geistige Macht und Schönheit zu verkörpern, den Schatz der Kirche, die heilige Lehre, das Dogma zubehüten, Führerin, Lehrerin und Mutter der ganzen Christenheit zu fein!
Ohne den Hohenpriester lag der grandiose Bau 'tarr und regungslos, ein reichgeschmückter steiner
ner Riese, der das Ueberirdische, das Göttliche unsichtbar in sich barg. Sobald aber der Priefterkönig den Fuh auf seine Marmorfchwelle setzte, schien der heilige Bau in allen seinen Gliedern zu erschauern, eine geheimnisvolle, überirdische Kraft belebte ihn, eine hehre Weihe durchflutete all seine Räume: der Stellvertreter Gottes auf Erden hauchte ihm Leben ein und war die Seele diese! Wunderdomes.
Ein leiser Gesang, der immer mächtiger anschwoll und endlich in majestätisck)cm Jubel durch den Dom brauste, ließ Gabriel aufhorchen. ES war Palestrinas unsterbliche Motette „Tu es Petrus", dieser wunderbar ergreifende, wie Kristall der Berge klare und tiefe Hymnus» der die Herze» erzittern macht.
Gabriel, der ein Kenner und Bewunderer aller Künste war, den die Fresken Michelangelos ebenso entzückten, wie die reinen architektonischen Linie» >es Petersdomes, wurde unter allen Künsten von »er Musik am meisten angezogen; sie war wärmendes Lickst und Feuer für seine fchönheitsdürstende Seele. Er konnte nie schöne, reine Musik hören, ohne im Innersten zu erbeben. Diese entzückende» Harmonien, die von der hohen Kuppel wie ein himmlischer Strom aus der Ewigkeit hervorzn- brechen schienen, senkten sich wie erfrischender Ta« auf seine Seele und beglückten ihn. Auch in seiner Seele jubelte es laut: Tu es Petrus ...
Tie heilige Feier nahm ihn so gefangen, daß er nur diesen Hohenpriester sah, der hier seines heiligen Amtes waltete; zum erftenmale seit langer Zeit wohnte Gabriel wieder der Feier des heiligen Opfers bet, und er sah es dargebracht vom höchsten Priester der Christenheit, dargebracht im Angesicht einer gläubigen Menge, die aus alle» Ländern der Erde hierhergeeilt war, dargebracht auf dem heiligen, blutgetränkten Boden, der bte ehrwürdigen Üebcrrefte her ersten Verkünder der christlichen Lehre, der Apostelsürsten Petrus und Panins umschloh. Gabriels Augen brannten vor jreube, als er die heilige Handlung sich vollziehen ah. Diese wunderbaren Zeremonien zogen ihn wie etwas überirdisches an. (S. U