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sX'VhTsX w»ch«ibtiiagt:„IlluftrierteSonntagrzeitung"

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»otationsdruck n. Verlag der Hulda« Ao tienömderei in Hulda Hernsprecher Nr. 9.

JW 70.

Fulda, Lionlag, den 26. März 1906.

33, Jahrgang

*:* Die Aktion der „deutschen Intelligenz".

Wir haben schon Mitteilung gemacht von einer Einmischung, welche 27 Professoren von zumeist außerpreußischen deutschen Hochschulen in eine rein preußische Angelegenheit, nämstch in die Gestaltung des preußischen Volks­schulwesens, versuchen. Diese Aktion ver­liert ihren anmaßenden Charakter nicht dadurch, daß die 27 die Absicht haben, in den Kreisen der Fachschullehrer, Künstler, Gelehrten und Schulmänner Unterstützung zu suchen, um ihre Kundgebung, rote es in der liberalen Presse heißt, zu einer „Kundgebung der gesamten deut­schen Intelligenz" zu gestalten. Die Behauptung, daß es sich bei der preußischen Schulfrage nicht um eine blos preußische Angelegenheit handele, sondern um eine „Ehremache" der gesamten deutschen Intelligenz, ist durch nichts begründet und trägt lediglich den Charakter eines Deckungs­mittels für den vollständig unberechtigten Vorstoß.

Was die Kundgebung selbst anlangt, so jeigt dieselbe senen Mangel an Logik, der leider so häufig Kundgebungen deutscher Professoren charakterisiert. Die Urheber der Kundgebung suchen die preußische Vorlage vom grundsätz­lichen wie vom praktischen Standpunkte aus zu bekämpfen. Ihre grundsätzliche Stellungnahme wird dadurch gekennzeichne', daß sie die Be­hauptung aufflellen, nach dem Gesetzentwürfe solle nicht die Religion, sondern „der religiöse Partikukarismus" in der Schule herrschen, und dagegen glauben sie im Jntereffe der „Einheit der humanen und nationalen Bildung", sowie im Interesse des — „konfessionellen Friedens" Einspruch erheben zu müssen. Was die Herren sich unter einer „Religion" vorstellen, die alle konfessionellen Unterschiede verwischt, wissen wir nicht. Wenn sie an die Konsequenzen denken, so können sie darunter nur einen flachen und seichten Humanismus verstehen, der leider Gottes heute schon allzuviel Boden in unserem Volke gewonnen hat. Dieser Verflachung entgegenzu- wirken, ,st gerade die Absicht aller derer, die e- mit der Erhaltung der Religion in unserem Volke noch ernst nehmen. Sehr zu Unrecht fühlen die Urheber der „Kundgebung" päda- gogitche Rücksichten und Rücksichten out die Le'stungefähigkeit der Schule für ihre Anstauungen ins Feld. Bekanntlich haben die namhaftesten Pädagogen gerade aus pädagogischen Rücksichten Stellung zu Gunsten der Kon- seffionsichule genommen, und bei der Be­handlung der Schalttage im preußischen Abge­ordnetenhaus vor zwei Jahren bat der national- liberale Abg. Dr. Hackenberg ausdrücklich zuge­standen, daß die pädagogischen Zwecke der Volks­schule in vollem Umfange nur durch die Kon- se,sivnsschule erreicht werden könnten. Wenn all» Vie Vertreter der „Bildung" für letztere ein­treten wollten, so müßten sie für und nicht gegen die Konfessionsschule Stellung nehmen.

Der Mangel an Logik, der diese „neueste Profesforen-Kundgebung" charakterisiert, tritt aber noch mehr in der Behandlung der tatsächlichen Verhälimsie zutage. In der Eingabe wird die Behauptung ausgestellt, die konfessionelle Schule sei „garnicht durchführbar" an Orten mit konfessionell gemischter Bevölkerung. Die Herren sehen sich dadurch in einen schroffen Gegensatz nicht nur zu den Zahlen, welche das preußiiche

Auferstoyung.

Roman von Felix Nabor.

28] ' (Nachdruck verboten.)

Wenn dann am Abend das letzte Licht erlosch, tote von Geisterhauch verweht, wenn die große, tiefe Stille einsetzte, so glaubte er das Rauschen der Ewigkeit zu vernehmen. —

Dann setzte in langgezogenen Tönen das „Miserere" ein, daS wunderbare Miserere von AÜegri. Es waren Klänge, wie sie Gabriel im Sieben niemals vernommen. Bald ein tiefes Auf­stöhnen voll namenlosen Jammers, bald ein angst- Aufschrei zum Himmel, bald wieder leise hmstrebendes, sanftes, wehes Klagen, gleich als ob durch Himmel und Erde ein tiefes, großes Weinen ginge. . .

Da stieg es heiß in Gabriel empor und auch er weinte — weinte um eine Mutter, die er ver­lassen hatte, weinte um seine Eltern, um Maria Felice, um sich selber . . . schlug voll Zerknirschung an seine Brust und stöhnte aus tiefster Seele: „M*m culpa . . . naea maxiina culpa“. . .

Und dann kam das Osterfest: Auferstehung aus Grab und Sünde I Die Osterglocken klangen und jubelten dem Gebeugten, Zerknirschten neue frohe Hoffnung ins Herz!

Auferstehen, ja — auferstehen!

Die Siegesfahne mit dem strahlenden Panier des Kreuzes entfalten und in diesem Zeichen käm- pfen, streiten und siegen! Wie St. Michael den stolzen Luzifex niederzwingen und sich neben den Thron Gottes stellen: Wer ist wie Gott? —

Das Schwert des Glaubens schwingen, das blitzend« Schwert mit dem Kreuz Christi auf der flammenden Klinge, die mit zuckendem Strahl ins Herz der Feinde Christi fährt und sie nie» derwirft

Kultusmmisterium über daS Verhältnis zwischen Konfessionsschulen und Simultanschulen in der Gegenwart beigebracht hat und welche die Simultanschulen in einer wahrhaft verschwindenden Minderheit erscheinen lassen, sondern auch mit sich selbst, indem sie im weiteren Verlaufe ihrer Eingabe zugeben, daß die preußischen Volksschulen, wenn auch nicht gesetzmäßig, so doch „tatsächlich* einen konfessionellen Charakter tragen. Merkwürdiger­weise führen die Herren Professoren auch Klage darüber, daß in der Schulfrage auf die „reli­giöse Stimmung der Bevölkerung" keine Rücksicht genommen werde, wo doch ihr ganzes Bestreben darauf hinausgeht, der Religion, die für uns auf Grund der tatsächlichen Verhältnisse nicht von der Konfession zu trennen ist, jeden Einfluß auf die Schule zu verweigern.

Wir können unmögltch annehmen, daß ein derartiges Machwerk irgend eine Einwirkung auf die Faktoren ausüben könnte, welche die Gestal­tung unseres Volksschulwesens bestimmen. Die „Kundgebung der deutschen Intelligenz" verdient von jedem Gesichtspunkte aus eine scharfe Zurück­weisung. Die Veranstalter der Kundgebung aber werden sich bei eingehender Erwägung selbst sagen muffen, daß sic ihrem wissenschaftlichen Namen durch den Schritt, bett sie unternommen haben, keine Ehre gemacht haben.

Deutsches Reich.

Berlin, den 24. März 1906.

I Ein Besuch Kaiser Wilhelms in Madrid ist, wie die .Neue Militär. Polit. Korresp/ von bestunterrichteter Seite hört, im Anschluß an die Mittelmeer-Reise des Kaiserpaares vorläufig auf den 15. Mai d. I. festgesetzt. Der Monarch wird von Genua kommend wahrscheinlich in Kartagena landen. Von einer Landung in Barcelona, wo seinerzeit Kaiser Friedrich HL spanischen Boden betrat, ist aus naheliegenden Gründen aus Wunsch der Madrider Regierung Abstand genommen wor­den. Der Aufenthalt unse.es Kaisers auf der Peninsula dürste drei Tage umta |en. Die Rück­reise von Madrid soll über Valladolid und die Nordküste erfol en. In Santander wird her Kaiser auf der „Hamburg" voraussichtlich wieder zu Schiffe gehen. Falls die Marokko-Konferenz ihre baldiae und befriedigende Erledigung findet, so soll nach einer in militärischen und Hoskretten umgehenden Version die Abreise des Kaisers im Anschlüsse an seinen Krefelder Besuch am Abend des 2. April non Wilhelmchaien aus vor sich gehen.

* Zwischen den Prinzen Albrecht von Preußen und dem König Eduard sollte nach einigen Blättern in San Se asltan eine Begeg­nung stattfinden, der man eine politische Be­deutung beilegte. Nach der /Neuen Potitttchen Korrespondenz' beruhen alle darauf bezüglichen Meldungen auf Kombinationen, ean Sebastian und Fuenterrabia liegen — wie die genannte Korrespondenz sagt — sehr nahe bei einander, und es ist garnicht ausgeschlossen, daß zwischen dem Prinzen, der als Badegast in Fuenterrabia weilt und dem Köniz eine Begegnung st all findet; eine solche würde aber lediglich auf gesellichaft- kichern Terrain statthaben; denn der Prinz Albrecht von Preußen weilt mit keiner politischen Mission in seinem Erholung-aufenthalt.

% In der Wandelhalle des Reichstags konnte man am Samstag hören, daß Erbprinz Hohenlohe in Urlaub gehen werde. Wir wissen

Ein Streiter am Felsen Petri, ein Paladin der Kirche !

Und Ostern in Rom — eine Welt voll Schön- heil und Poesie! Alle Frühlingspracht und aller Himmelsglanz des wonnigen Südens, tausend­facher Glockenklang, ein Meer von Dust und Licht. Farbenglut und Goldgefunkel, Kerzenschimmer und Weihrauchwolken, Orgelklang und fromme Gesänge: eine freudige, jauchzende Auferstehung I

Die festliche Freude übertrug sich auch auf Gabriel. Die Hoffnung auf kommendes Glück, auf Ruhe und Frieden zog auf goldeiren Schwin­gen in seine Seele ein: Auferstehung! Auch in seinem Herzen war es Ostern geworden, und düstereiche Blumen Huben an zu sprossen . . . Frühling im Herzen, Auferstehung l —

Am Osterfeste teilte der Prälat Gabriel mit, daß er ihn am folgenden Dienstag in den Vatikan führen werde, wo der Heilige Vater die in Rom eingetrofsenen Pilgerzüge empfangen werde.

Gabriel war darüber ganz entzückt, daß er den Statthalter Christi von Angesicht zu Ange­sicht sehen foCte. Pünktlich stellte er sich zu der verabredeten Zeit auf dem Petersplatz ein, der mit einem Menschenheer bedeckt war, das aus allen Himmelsstrichen der Erde zusammengeströmt war. In dieser Stunde erschien ihm der Tom von St. Peter mit seinem gewaltigen Vorplatz als das Herz der Kirche — das Herz der ganzen Welt!

Und nun öffnete der Vatikan seine Pforten, um all' die Tausende einzulassen, die ihren geisti­gen Vater zu sehen wünschten. Der gewaltige Menfchenstrom ergoß sich über Treppen, Höfe und Säle und mündete in eine riesige, ooldschimmerude Halle, deren Tonnengewölbe in herrlichen Male­reien, Arabesken und Stukkaturen erglänzte.

Bischöfe und Führer ordneten die einzelnen Züge, bei denen alle Stände, vom hohen Adel bis herab zum schlichten Arbeiter, vertreten waren. Aber hier gab es keinen Unterschied der Klaffen: alle Schranken, welche Stand und Herkommen, Beruf und Bildung in der Wett aufrichten, waren

nicht, was wahres daran ist, auf jeden Fall aber würden wir die Vermutung, daß ein solcher Urlaub mit der Ablehnung des Reichskolonial- amtS Zusammenhänge, für nicht zutreffend hallen. Soviel uns bekannt ist, weilt die Familie des Erbprinzen schon feit langer Zeit in Nizza. Es würde sich also aus Familienrücksichten erklären lassen, wenn Erbprinz Hohenlohe, der durch die Kolonialverhandlungen in der Kommission und im Plenum des Reichstags feit geraumer Zeit in Berlin gefesselt war, nach der Beendigung der zweiten Beratung wirklich in Urlaub gehen würde. Auch aus dem Auftreten des Erbprinzen bei den gegenwärtigen Verhandlungen tm Reichs­tag gewinnt man nicht den Eindruck, daß sein Ausscheiden bevorstände, denn er versolgt die Verhandlungen mit einem Eifer, der nicht darauf hindeutet, daß es sich für ihn um eine erledigte Sache handele.

* * Soziale Kurse des Bolksvereins. Ein Sozialer Ferien kursus wird wie in früheren Fahren vom 28. August bis 7. September in M.-Gladbach durch den Volksverein für das kath. Deutschland veranstaltet werden. In diesem Jahre werden die Fragen der Selbsthilfe und der Wohlfahrtspflege im Vordergrund der Er­örterungen stehen. Die Interessen der verschie­denen Stände werden gleichmäßig berücksichtigt. Neben diesem zehntägigen Ferienkursus werden im Laufe des Jahres mehrere dreitägige soziale Kurse in verschiedenen Landesteilen abgehalten. So u. a. vom 2. bis 4. April in Bamberg, vom 30. April bis 2. Mai in Ravens­burg und vom 7. bis 9. Mai in Schwäbisch- Gmünd. An je einem Tage werden in Vor­trägen und Diskussion die Agrar-, Arbeiter- und Mittelstandsfrage behandelt. Ein zehnwöchiger volkswirtschaftlicher Kursus für Arbeiter und Gesellen findet zu M.-Gladbach vom 6. August bis 13. Oktober statt. Zn demselben kann nur eine beschränkte Anzahl Teilnehmer zrr- getoffen werden, die eine entsprechende Vor­bildung aufroenen.

* Eine weitere Abfertigung des Pariser ,Temp«^ bringt die ,Nordd. Allg. Ztg/ Das offiziöse Blatt schreibt: „Wenn der,Temps? noch einmal auf seine tendenziöie Verösienllichung der Zirkular oepesche des Grasen Lamsdorff zurück- tomimm wollte, io wäre das Nächstliegende ge­wesen, sich wegen der Entstellung zu enlschul- öigen, die er an der Znkulardepesche vorge­nommen hatte. Statt dessen beruft er sich in seiner beute hier vorliegenden Nummer darauf, daß man in Deittsckland durch „diplomatische Zirkulare" eine Le'ense von der Isolierung Frankreichs in Umlauf gesetzt habe. Tas ist eine neue Unwahrheit. Es gibt keine Aktenstücke der deut chen Diplomatie, nie durch den Hin. weis auf Frankreichs Isolierung oder auf einen Frontwechsel Rußlands der russiichen Regierung einen Anlaß zu der mehrfach erwähnten Ver­wahrung bieten konnten."

Die chinesische Studienkommission wurde am Freitag mittag vom Kaiser im Rittersaal des Königjichen Schlosses in feierlicher Audienz empfangen, in Gegenwart der Prinzen des Königlichen Hauses, des Reichskanzlers und des Hauptquartiers. Die chinesischen Herren nu Den in Galakaroffen zum Schloß geführt. Ehren- posten der Schloßgarde-Kompagme hatten die Wendeltreppe besetzt. Um 1 Uhr fand zu Ehren der chinesischen Mission in der Bildergalerie eine

hier gefallen, all' diese Tausende umschlang ein einziges Band: die Liebe!

Der Prälat führte Gabriel in die Nähe des päpstlichen Thrones, der auf einer niederen Estrade aufgeschlagen war: ein mit rotem (Samt überzogener Thronscsscl, mit vergoldeter Rück- lehne und einem purpurnen Baldachin darüber.

Gegen 11 Uhr entstand eine Bewegung, inan flüsterte sich zu, daß der Pavst komme. Die Schwei- zergarde erschien in Gala, die Hellebarden geschul­tert, wehende Fedcrbüsche auf dem Helm, und machte für den Heiligen Vater den Durchgang frei.

Dann nahte die Palastgarde, hinter ihr die offene Sänfte, welche vier rot gekleidete Diener trugen, und hinter ihr eine Menge Prälaten und Hansbeamten.

Gabriel erblickte in der Sänfte eine weiß- schimmernde Gestalt,»welche segnend die Rechte er­hob . . . den Papst!

Zuerst erhob sich ein Beifallssturm. Dann aber sanken unter der segnenden Hand des Heili- gen Vaters all die Tausende in die Kniee, und jedes Auge hing mit zärtlicher Liebe an der ehr- würdigen Gestalt dieses erhabenen Priesterkönigs, der wie ein Wesen aus einer anderen Welt unter sie trat . . .

Als sich der Papst auf den Thron setzte, ent­stand eine feierlich^ Stille, man wagte kaum zu atmen. Ans dem dichten Kreise von Kardinälen, Prälaten und Würdenträgern, die den Thron um­gaben, aus dem bunten Farbenspiel von Rot und Gold, Violett und Schwarz strahlte die glänzend- weiße Gestalt des Papstes wunderbar rein und schön hervor.

Ein königlicher Adel umschwebte diesen Greis, der inmitten von körperlichen Wesen wie ein Hauch, wie eine reine Seele in einem durchsichtigen Körper erschien, sodaß man fürchtete, sie möchte vor den Augen des Beschauers plötzlich himmelwärts entschweben. Das Wunderbarste in dieser Gestalt und in diesem wie aus durchsichtigem Wachs ae-

Frühstückstafel statt. — Die Mission überbrachte dem Kaiserpaar kostbare Geschenke, die aus prächtigen Seidenstoffen, Schnitzereien, Porzellan- und Lackgegenständen bestanden. Die Unterhal­tung während der Tafel war äußerst lebhaft; der Kaiser erkundigte sich auf das eingehendste bei den Chinesen, was sie in Berlin in Augen­schein genommen haben und was ihre Aufmerk­samkeit und ihr Gefallen besonders erregt habe. Uederhaupt trug der ganze Empfang einen über­aus herzlichen Charakter, worüber sich die Gäste später hochbefriedigt ausfprachen. Zum Schluß verlreh der Kaiser de« beiden Führern der Mission, dem Minister Pai und dem Vizekönig Tuan-Fang, sowie dem hiesigen Gesandten Nin- Seliem den Kronenorden erster Klasse.

.*. Der Präsident der deutschen Kolonial­gesellschaft hat an den Reichskanzler Fürste« v. Bülow eine Eingabe gerichtet, worin darauf hingewiesen wird, daß der Ausschuß der deulschen Kolonialgesellschaft neuerdings Veran­lassung genommen hat, sich mit der Frage der Entschädigung der deutsch - sudwest- afrikanischen Ansiedler zu befassen. I« der Eingabe wird betont, daß, wenn die wert­vollen Kräfte der Ansiedler für den wirtschaft­lichen Wiederaufbau und die planmäßige Be­siedelung des Schutzgebietes nicht verloren gehen sollen, es unbedingt erforderlich fein würde, daß sie durch sofortige Bereitstellung ausreichender Mittel in die Lage versetzt werden müssen, ihre Wirtschaftsbelriede möglichst in dem frühere« Umfange wieder aufzunehmen.

* Die Frage der Schaffung eines 25 Pfen­nig-Stückes wird demnächst im Reichstag von einem Mitglied der nationalliberalen Partei, dem Adg. Oertel-Tyorn, durch einen Antrag erneut m Fluß gebracht werden.

* Eine Ergänzung zum Entwürfe des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1906 ,st dem Reichstag zugegangen. Zum Etat des Auswärtigen Amtes werden hierin mehr gefordert für die Botschaft in Tokio 31,700 Mk. Die kaiserliche Ministerresidentur in Söul soll in eine konsularische Behörde umgewandelt werden. Für die Vervollständigung des deulschen Eisen­bahnnetzes im Interesse der Landesverteidig ung iverden 6,33o,500 Mk. mehr gefordert.

.'. Die Wahlgesetz-Kommission des Ab­geordnetenhauses hat sich gestern konstituiert. Zum Vor sitzenden der Kommission wurde Abg. Brült (irfonf.) gewählt, zu seinem Stellvertre er Abg. Frhr. v. Erffa skonf.s und zum Bericht­erstatter Abg. v. Kessel (tont). Die, übrigen tViitglieöer der Kommr sion find folgende: Zen­trum: Dr. Hager, Krrich, Dr. Orlrop, Dr. Ponch und Schmidt-Warburg. Koniernalive: v. Ersenhmt-Rothe, Dr. Jrmer, v. Pappen Herrn, Sielermann und Wmckter. Freitonservative: Menck uno Dr. Rewo dt. Natt»nalliberaler Dr. s. Campe, Dr. Friedberg, Dr. Kia ule, Schmieding. Freisinnige Vereinigung: Brömet «nd Frerfinnige 'l^olteparfei: Fischbeck.

* Die Fraktion der Freisinnigen Volks­partei des Reichstages wählte anstelle des Abg. Richter heule den Abg. Blell zu ihrem dritten Vorsitzenden, so daß der Fraktionsvorstand sich jetzt zusammensetzl aus den Abg. Schmidl-Elber- felb, Dr. Müller-Sagan und BleU.

* Heber die Stellungnahme der Konser­vativen zur Tantiemenfrage schreibt die «Deittiche Tageszeitung': „Wie die tomeroativen Mitglieder

formten Antlitz waren die Augen, die wie Dia- manten blitzten, diese Augen voll Glanz, Begeiste­rung und ewiger Jugend . . .

Gabriel blickte für einen kurzen Augenblick in diese strahlenden Augen und da lief ein Schauer durch seinen Körper. Es war ihm, als hätte das Auge Gottes selber ihn angeblickt und in der Tiefe seiner Seele gelesen ... er schlug die Augen nieder und seine Schuld stand riesengroß vor ihm. Er zitterte . .. und dann blickte er zagend Hin sich.

Welche Liebe sprach aus den Blicken und Ge­bärden dieser Tausende von Pilgern, die aus wei- ter Ferne gekommen waren, ihren Vater zu sehen! Ein Blick aus seinem Auge, ein Wort aus seinem Munde, eine Berührung seiner geweihten Hand, fein Segen: das war es, was sie voll Sehnsucht erwarteten. -x Manche von diesen Leuten hatten vielleicht jahrelang gedarbt und gespart, um die Kosten für die weite Reife zu erschwingen — und nun legten sie ihrem Vater ihr Herz, rhre Liebe, ihr ganzes Leben als Opfer zu Füßen. Wieviel Liebe, Treue und Heroismus waren hierin ver­eint! Wo in der Welt ward jemals ein Schauspiel erlebt, wie dies hier, daß Menschen, ohne jede eigennützige Absicht, nur ganz ans Liebe getrieben, sich aufmachen und zu ihrem geistigen Vater wall­fahren, um ihn zu sehen, ihm ihre Liebe, ihre Anhänglichkeit und Treue, ihre Begeisterung kund zu tun!

Ans der Mitte der Taufende brach plötzlich ein vierstimmiger Chor hervor, den sangesfrohe rhei­nische Pilger anstimmten. Der Heilige Vater lauschte lächelnd dem deutschen Liede, dessen ein­zelne Sttophen in dem Refrain ausklangen:

Segne Leo, unseren Vater,

Gottes Segen — langes Herl! ...

Als der Gesang verklungen war, trat eurer der Bischöfe an die Stufen des Thrones und legte im Namen der Pilger ihre Huldigung, die Hul­digung der ganzen Welt, dem Papste zu Füßen.

(Fortsetzung folgt.)