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Rotati onr druck v. Verlag der «uldaer H<» tiendruaerei in Sutd«. Strnlprebtt Nr. 9.

Fulda, SamStaa, den 24. Atärz 1906.

M 69.

33. Jalircwna.

Zweites Mt'att.

3ti-rdacr Zeitunq

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(Nachdruck verboten.)

Fulda, den 24. März 1906.

Eine angebliche Reichskanzlerkrisis bildet den Gegenstand von zahlreichen SÄusLilun- gen in der Presse. Dieselbe soll anläßlich der Frage der Errichtung eines Reichskolonialamtes entstanden sein, und zwar dadurch, daß der Kaiser dem Reichskanzler eine Art Ultimatum in dieser Frage gestellt habe. Was es mit diesen Gerüchten auf sich hat, wird sich ja bald zeigen, da die Bnd- getkommission am Mittwoch das Reichskolonial, amt abgelehnt und nur einen Unterstaatssekretär bewilligt hat. Vorläufig darf man annehmen, daß die Gerüchte lediglich dazu dienen sollen, Stim­mung für ein Reichskolonialamt zu machen.

Im Reichstage standen in der letzten iJorfje namentlich koloniale Fragen zur Debatte. Dabei wurden aus verschiedenen Parteien scharfe An- griffe gegen die Kolonialverwaltmig gerichtet. Der st eilvertretende Kolonialdirek- , t o r zog sich dadurch aus der Affäre, daß er für die ! Zukunft volle Offenheit und scharfes Regiment ! ankundigte. Tie Kamerunbahn ist vom Reichs- i tage bewilligt worden. — Die Steuerkom- Mission des Reichstages bat die 2. Lesung der SteuerVorlagen begonnen. Die Brausteuer- Vorlage ist in etwas veränderter Form genehmigt worden, während die T a b a k st e u e r - Vorlage einstimmig a b g e I e b nt wurde, lieber das System der Zigaretlenstener ist man sich noch nicht einig. Bei der Fahrkartensteuer-Vorlage wurde in auffälliger Weise vonseiten des preußischen Finanzministers Widerspruch gegen die Kilometer- Zuschläge erhoben.

। Tas preußisch eAbgeordnetenhaus j hat den Etat in 3. Lesung fertiggestellt und bat ! weiterhin einige kleinere Vorlagen erledigt. In ' der Schulkommission des Abgeordnetenhauses ha­ben sich die Meinungsverschiedenheiten noch ver­schärft. Tie enbgiltige Gestaltung der Vorlage ist noch sehr zweifelhaft. Tie Arbeiten des Ab­geordnetenhauses sind durch die Einbringung einer Wahlgesetznovelle vermehrt worden. Von einer

eigentlichen Reform kann dabei allerdings keine Rede fein, da die Vorlage lediglich eine geringe Vermehrung der Mandate und einige Erleichterun­gen des Wahlverfahrens bringt.

Aus den übrigen Parlamenten ist eine Ausein­andersetzung hervorzuheben, die in der bad i- schen zweiten Kammer stattgefunden hat zwischen dem Minister des Innern und den ver­schiedenen Parteien. Der Minister Schenkel hat es nämlich als unzulässig bezeichnet, daß die Schutz­leute sich mit ihren Beschwerden an sozialdemo­kratische Abgeordnete wenden. Vonseiten der So­zialdemokraten ist scharfer Protest dagegen er­hoben worden, der auch vonseiten des Zentrums als berechtigt anerkannt wurde.

Aus unseren Kolonien sind weitere erfreu­liche Meldungen eingegangen. Es ist gelungen, in Deutsch-Siidwestafrika den letzten der noch gegen uns im Felde stehenden Hauptführer der Hottentotten, Moreuga, zu fassen und von seinen bisherigen Schlupfwinkeln am Oranjeflusse nach Norden abzudrängeii. Eine Ausnutzung die­ses Erfolges wurde allerdings durch die Verhält­nisse verhindert. Immerhin bedeutet das einen neuen Erfolg unserer Truppen. In Deutsch- Ost a f r i f a mehren sich die Unterwerfungen der aufständischen Eingeborenen, sodaß die völlige Be- enbigung des Aufstandes dort in absehbarer Zeit festgestellt sein dürfte.

Der Tod des Abg. Lenzmann raubt dem Reichstag wieder eines seiner ältesten Mitglieder. Für die Freisinnige Volkspartei ist das Hinschei- den dieses Parlamentariers nach dem Tode des Abg. Eugen Richter ein besonders empfindlicher Verlust, da die Fraktion an einem wertvolleren Nachwuchs nicht gerade reich ist.

Die Demonstrationsversammlungen, welche die Sozialdemokratie am 18; März veran­staltete, sind durchaus ruhig verlausen. In Berlin waren umfassende Vorkehrungen gegen etwaige Ruhestörungen getroffen.

In Algeciras sind die Verhandlungen, wenigstens die offiziellen, seit einigen Tagen voll­ständig unterbrochen. Soweit man ans halbamt­lichen Kundgebungen schließen kann, steht die Ent­scheidung der Marokko-Konferenz unmittelbar be­vor. Während auf der einen Seite eine nahezu pessimistische Auffassung der Sachlage vorherrscht, hält man auf der anderen Seite noch immer an der Hoffnung fest, daß eine Verständigung erzielt wird. Deut-schland hat noch in letzter Stunde sein Ent­gegenkommen bekundet: es bleibt jetzt abzuwarten, wie Frankreich sich dazu stellt.

Die ö st e r r e i ch i s ch e W a h l r e ch t s s r o ge ist tm österreichischen Abgeordnetenhause weiter erörtert worden. In einer bedeutsamen Rede hat der Ministerpräsident von Gautsch die Notwendig­keit eines Ausgleichs der Nationalitäten-Inter- essen betont, gleichzeitig ober auch die Bereitwillig­keit der Regierung, berechtigten Wünschen der Deutschen in Bezug auf die Mandütsverteilnng entgegenzukommen. Der Ministerpräsident trat weiterhin der Befürchtung entgegen, daß die Bünd­nispolitik Oesterreich-Nngarns in Zukunft weniger gesichert erscheine als bisher. — In U n g arn hat die Regierung eine scharfe Maßregel gegen die Opposition getroffen, indem sie den KoalitionS- ansschuß auflöste. Sie hat diesen Schritt mit der Notwendigkeit begründet, in erster Linie die Ord­nung im Lande wiederherzustellen. Die Opposition hat einen Protest gegen die Auslösung des Aus­schusses erlassen, gegen den die Regierung ihrer­seits wieder Verwahrung eingelegt hat. Tie Aus­schreibung der Neuwahlen ist noch nicht erfolgt. Tie Negierung hat erklärt, sie werde dieselbe nut dann bei der Krone beantragen, wenn eine gründ­liche Besserung der Verhältnisse die Garantie da­

Auferstehung.

Roman von Felix Nabor.

26] (Nachdruck verboten.)

Siebentes Kapitel.

Es war inzwischen Abend geworden und Ga­briel stieg zum Pincio empor, wo ayf der großen Terrasse die Eguipagen der römischen Patrizierin- nen hielten. Ohne daß er es gewollt hätte, be­fand et sich da plötzlich mitten im großen römischen Leben.

.. -bränate sich zur Brüstung und betrachtete die Stadt, die tn der abendlichen Beleuchtung einen wunderbaren Anblick bot. Seine Blicke hingen wie gebannt an der Kuppel von St. Peter, die wie eine strahlende StomgSfronc, von blauem Duft umsponnen, in der Luft schwebte. Tie Sonne war im Sinken und noch im Scheiden grüßte sie den Dom und den Vatikan, die, von flammendem Abendrot überstrahlt, ganz in Gold und Purpur zu glühen schienen.

Unwillkürlich dachte er an die Verse des .Papstes, und er sprach sie so feierlich wie ein Gebet: 1 Die Sonne sinkt im Westen tief ins Tal,

Auf Dich, o Leo, fällt ihr letzter Strahl . . , Ein krähendes Lachen schreckte ihn auf. Wahr- chostig, das war der kleine Marquis, mit einem halben Dutzend Freunde, die auf ihn zukarne» und .denen er nicht mehr zu entrinnen vermochte.

»Da ist er ja, der Ausreißer!" rief der Mar­quis mit einer Stimme, deren schmetternder Klang an eine alte, zersprungene Schelle mahnte. „Aber, Mensch, wo sind Sie denn seit vierzehn Tagen? Wir glaubten, der Tiber habe Sie verschlungen. Aber nun geben wir Sie nicht mehr los!"

i Gabriel war es peinlich, diesen Leuten Rede stehen zu müssen. Und doch konnte er sie nicht abschütteln, ohne sie tödlich zu beleidigen. So machte er gute Miene zum bösen Spiel. „Ich hatte so vieles zu tun" entschuldigte er sich.

„Was Sie sagen!" krähte der Kleine. Man hat Sie bei St. Peter und beim Vatikan gesehen. Zum T...... was soll das bedeuten? wollen

Sie uns untreu werden? oder will etwa Luzifer dem Papste eine Visite machen?"

Gabriel brauste auf. „Ich bin niemand Re­chenschaft schuldig", sagte er, „und Spionieren ist mir in der Seele verhaßt."

Der Marquis, der seit 14 Tagen große Sehn­sucht nach Gabriels Goldfüchsen verspürte, lenkte ein. „Ach wo", sagte er. „Das ist nur ein Beweis, wie berühmt Sie sind. So was spricht sich in der Stadt herum, zumal bei einem Manne, der den „Luzifer" geschrieben hat."

Gabriel war geschlagen, und es tat ihm leid. Er sagte aber nichts darauf.

„Meine schöne Schwester", fuhr der Marquis fort, „die Principessa, die hat mir opfgetragen. Sie zu ihr zurückzubringen, und wenn es an Ket­ten wäre. An Rosenketten, natürlich", lachte er. „Sie ist krank vor Sehnsucht. Kommen Sie mit?"

Gabriel wollte ablehnen, aber der Marquis, der dies vorausseben mochte, flüsterte ihm zu: „Sie sind uns noch Revanche schuldig, wissen Siel"

„Ah", tagte (Sabriel, „bann gehe ich mit". Wenn man an feine Ehre appellierte, da war er immer zu haben. „Nur muß ich erst in meine Wohnung und mich umkleiden und — mit dem Nötigen ver­sehen".

„Wir begleiten Sie", rief bet Marquis, „als Ehrenkompagnie!" —

Eine Stunde später betrat Gabriel den Salon der Principessa, die ihn mit ihrem strahlendsten Lächeln und mit fünftem Vorwurf empfing. Es tat ihm fast leid, daß er mit ihr btcd.cn wollte, denn sein Entschluß, sich aus dieser glänzenden Welt zurückzuziehen, stand bei seinem Emtriltc m dieses Haus fest. Jetzt aber wurde er wieder wankend. Man überhäufte ihn mit Liebenswür­digkeiten und er hatte das Gefühl, als feiere man hier ein Siegesfest, weil man ihn den Armen der Kirche entrissen hatte. Das verbitterte ihm den Genuß; aber in diesem strahlenden Reiche der Schönheit unb der Freude vergaß er bald alle

für biete, daß die Einberufung des Reichstages nicht den völligen Umsturz der Ordnung bedeute.

In der französischen Deputierte n- fammer hat die Beratung des Budgets des Ministeriums des Aeußcrn nickt die erwarteten Er­klärungen der neuen Negierung über die Marokko­frage gebracht. Dieselben sind auf einen späteren Zettpunkt verschoben worden; Minister Bourgois bat sich daraus beschränkt, hervorzuheben, daß er die friedliche Politik seines Vorgängers sortfetzen werde. — Tie Inventar-Aufnahme in den Kirchen hat im französischen Offizierkorps einige Opfer gefordert, indem die Offiziere, die treu ihrer reli­giösen Ucberjeugung die Mitwirkung bei der In- ventaraufnahme verweigerten, bestraft und dann in Jnaktivitat versetzt worden sind.

Im englifdjen Unterbaute hat der Kriegsminister Haldane es abgelehnt, sich auf be­stimmte Maßnahmen zur Verminderung der Aus­gaben für die Jnlandarmee, die von liberaler Seite verlangt wurde, sestzulegen. — Die Wirren in Sokoto haben mit einem Siege der Engländer geendet. Der Mahdi von Sokoto soll getötet worden sein.

Tie Vorbereitungen zu den Neichsdurnawahlen in R u ß l a n d nehmen ihren Fortgang, aber auch die räuberischen llcberfäCe von Banken und Pri­vatpersonen durch die ehemaligen Revolutionäre. In Moskau hat man am Hellen Tage eine Bank um nahezu 1 Million Rubel erleichtert. Ter zum Tode verurteilte Führer der Marine Meuterei in Sebastopol, Leutnant Schmidt, ist erschossen worden.

§n Serbien ist seit einigen Tagen ein neues Kabinett am Ruder, dessen Hauptaufgabe die Wiederherstellung geordneter Handelsbe­ziehungen zu Oesterreich-Ungarn fein wird.

Die spanischen Kortes sind der Schau- platz tumultuöser Szenen zwischen den republika­nischen Abgeordneten unb Mitgliedern der kon­servativen Partei gewesen. Es ist dabei sogar zu Tätlichkeiten gekommen.

Der Machthaber in Denuzuela, Präsident Castro zeigt sich immer frecher. Er hat jetzt beit Kabeldienst nach der Insel Trinidad unterbunden, wegen angeblichen Unregelmäßigkeiten im Dienste des englischen Kabels. ______

(*) Die wirtschaftlichen Folgen eines künftigen Krieges.

Ueber dieses Thema veröffentlicht JuleS Roche in der französischen Zeitschrift „Je sais toul“ einen interessanten Aussatz.

Er kommt zu dem Ergebnis, daß bei der Kom­pliziertheit des heutigen Wirtschaftslebens ein eu­ropäischer Krieg eine allgemeine Katastrophe Her­vorrufen würde, die einen vollkommenen Zusam­menbruch unseres ganzen gesellschaftlichen LebenS bcbcufen möchte unb etna einem ungeheueren Erd­beben zu vergleichen wäre, das die geologischen Schichten unserer Erde von Grund aus umwühlen würde. Als Grundlage für feine Berechnungen dienen ihm die Verlustlisten und die angewandten Kräfte in dem Krieg 1870-71 . Nach den Nuf- ftcffnngcn Freneinets betrugen die Streitkräfte der Republik 880 000 Mann, die im Felde stauben, und 600 000 Mann in Paris, worunter 500 000 Mann Nationalgarde. In der ersten Zeit des Krieges hatte Frankreich etwa die gleiche Anzahl Soldaten unter den Waffen gehabt, sodaß man die jeweilige Stärke der französischen Armee alles in ollem 1 200 000 Mann beziffern konnte. Tie deutschen Streitkräfte zählten im August 1870 alles in allem 1 183 000 Mann unb im Februar 1871, wo die Höchstzahl der unter den Waffen Stehenden erreicht wurde, 1 350 000. Die Kosten

Bedenken. Die Priucipefsa schlang ihre Noscn- fetten um ihn und er unterlag für einige Stun­den aufs neue ihrem berückenden Zauber.

Den Schluß des Abends bildete wieder ein Spiel. Ter kleine Marquis hielt die Bank. Mit seinem grinsenden Affengesicht sah er aus wie ein kleiner, häßlicher Teufel, der seine Krallen nach einer atmen Seele ausstreckte.

Gabriel hatte Unglück; et verlor einen Tau- sendet um den anderen und machte sich, sobald es bet Ai stand erlaubte, davon. Det-Bcrluft tat ihm wehe.

Tie Principessa lächelte verführerisch, als er sich verabschiedete. Sie hielt ihn nicht zurück, aber sie nahm ihm das Versprechen ab, daß er sie bald wieder besuche.

Als Gabriel so allein durch die Straßen ging, rechnete er seine Verluste zusammen; es waren gegen achttausend Sire. „Was für ein Tor bin ich", fagte et zu sich selbst, „hundert arme Fami­lien hätte ich damit beglücken können. Wie schon wäre eS, wenn ich diese.Summe morgen dem Prä­laten für seine Armen einhändigen könnte! Eigent­lich ist es noch gor nicht spät." Er zog die Uhr. „Halb elf. Tie Herren sind oft bis 1 Uhr bei­sammen. Und wenn ich Glück habe, ist die ganze Summe in einer Stunde zurückgewoimen."

Er griff in die Tasche und fand noch ein hal­bes Dutzend kleiner Scheine. „Mit diesen will ich nochmals mein Glück versuchen", beschloß er und kehrte langsam, um nicht aufgeregt anzukom­men, zur Wohnung der Principessa- zurück.

Es war kurz nach elf, als er lautlos die tep- pichbelegten Stufen emporftieg. Ohne den Salon der Principessa zu betreten, ging er in das Speise­zimmer. Tie Lichter brannten noch, aber die Gäste waren fort. Schon wollte er sich entfernen, als er laute Stimmen aus dem Salon hörte. Wurde am Ende dort dos Spiel fortgesetzt? —

Er ging durch die Flucht der Zimmer, blieb aber wie gebannt an der Schwelle stehen, als er seinen Namen nennen hörte. Tie Portiere war ein wenig geöffnet, so daß er durch den Spalt den aatuen Raum überblicken konnte.

für die Unterhaltung jedes einzelnen Soldaten be­rechnet Roche auf 11 Francs täglich. Er stellt zu­nächst die Gesamtkosten des Krieges mit 9 Mil­liarden 287 Millionen fest, zieht von dieser Summe die 5 Milliarden, die Frankreich Kriegskosten zah- len mußte, sowie eine Milliarde, die durch die Folgen des unglücklichen Krieges erwuchsen, ab, und kommt zu dem Ergebnis, daß die Ausgaben für den Krieg, auch wenn derselbe glücklich verlaufen wäre, zum niindesten 3 Milliarden 287 Millionen betragen hätten. Da der Krieg acht Monate oder 245 Tage dauerte, so kommen bei einer Stärke des Heeres von 1 200 000 Mann 11 Francs täg­lich auf den Kopf. Seitdem ist die Heeresstärke der Armeen außerordentlich gewachsen. Sie beträgt in Frankreich bei der Mobilmachung des stehenden Heeres 2 080 000 Mann, zu denen noch 130 000 Mann Reserve in jeder der sechs Klassen kommen, sodaß schon in den ersten Monaten des Krieges 2 860 000 Mann unter Waffen stehen würden. Die , täglich zur Unterhaltung dieses Heeres verausgabte Summe beliefe sich dann auf 31 460 000 Francs. Dabei sind die Kosten von 11 Francs sehr niedrig berechnet, denn in dem Burenkriege betrugen die Kosten der Engländer für den Mann 20 Francs, wobei allerdings zu bedenken ist, daß der englische Soldat mehr kostet, als der französische, und im russisch-japanischen Kriege beliefen sich die tägli­chen Kosten für einen Soldaten auf über 10 Fr. obwohl der russische Soldat viel billiger ist als der französische. Erfolgt nun die vollständige Mobil­machung, wobei auch noch die sechs Klassen der Landwehr eingereibt werden, so kommen noch 600 000 Mann hinzu, und die Zahl der täglichen Kosten der Armee steigt auf 38 000 000 Francs für den Tag. Berechnet man die Tauer des Krie­ges ebenfalls auf 245 Tage, wie 18«0-71, so ergibt sich als Gesamtkosten die ungeheure Summe von 9 Milliarden 310 Millionen. Dehnt man die täg­lichen Unterhaltungskosten von 11 Francs für den Soldaten auf die Armeen Deutschlands, das 5 400 000 Mann n-tter Waffen stellt, Oesterreichs mit 2 000 000 T nd Italiens mit 3300 000 Mann aus, so er r tägliche Verbrauch dieser Staaten 100Mill^ . i für einen Tag. Wie riesen- haft diese Summen sind, zeigt ein Vergleich mit dem französischen Staatsbudget, das täglich IC Millionen beträgt, wovon 2 Millionen auf die Armee entfallen. Tie täglichen Ausgaben für die Armee betragen also im Falle eines Krieges neun­zehn mal soviel als die im Frieden dafür ansge- worfene Summe, und über 3*4 mal soviel als daS ganze Staatsbudget. Zu diesen immensen Kosten kommt noch der wirtschaftliche Niedergang des ganzen Landes und aller Industrieen. Im Kriege 1870-71 entging Frankreich nur dadurch dem Ctaatsbankerott^ daß die Bank von Frankreich die notwendigen Summen aufbrachte. Aber heute wäre es unmöglich, auch für die Bank von Frank- r-'ch, so große Summen anfzubringen. Da fast die ganze männliche Bevölkerung zwischen zwanzig und fünfundvierzig Jahren im Felde steht, muh ein großer Teil der industriellen Unternehmun­gen und wirtschaftlichen Betriebe ihre Arbeit ein- stellen. Nicht nur, daß zwei bis drei Millionen Menschen nichts mehr verdienen, sondern ihre Ab­wesenheit lähmt anch die übrige Bevölkerung völl ig und läßt nur noch der ganzen individuellen Arbeit eine Möglichkeit, zu bestehen, und die Zahl solcher Einzelbetriebe ist im modernen Wirtsckmftsleben immer geringer geworden. Tas Unheil und di« Verwirrung würden noch wachsen, wenn der ganz« Verkehr und der ganze Ablauf des sozialen LebenS stocken würden. Kein elektrisches Lickt mehr in den Straßen, keine Straßenbahnen, keine Drosch­ken, keine Telegraphen und kein Gas! Die Drucke­reien wären verödet, die Bergwerke brach gelegt, und überall würde sich der Krieg auf das fnrckt-

Tic Principessa unb der kleine Marquis schienen in heftigen Streit geraten zu sein; auf dem Tische lag ein Hausen Gold, Banknoten und Schuldver- schrcibiingcn, welche der Marquis mit den Armen umschlungen hielt. Die Principessa suchte ihm den Raub zu entreißen, aber er stieß mit den Füßen nach ihr und schrie: „Das letztemal hast Du mich um ein Drittel des Gewinnes betrogen, Schlange! Dieses gehört mir!"

„Tas ist zum Lacken!" sagte sie und ihre Stimme klang hoch und schrill, daß Gabriel davor crichouveile. „Es sind hier zwolslanscnb Lire. Ein Drittel davon gehört Dir, wie es vereinbart ist. Tu magst also viertausend Lire behalten."

!,Nichts erhältst Tu davon", schrie der Mar­quis. „Das letztemal hast Tn mich um dreitausend Lire betrogen. Und die Schuldscheine des Deut­schen hast Tu auch unterschlagen. Hast Du ge­glaubt, es wären Liebesbriefe?"

Tie Principessa sah ihn mit flammenden Augen an. „Das liegt mir cm dem Deutschen!" sagte sie kalt, daß es Gabriel wie ein Messer ins Herz schnitt. „Ich will doch nur sein Geld. Hast Du vergessen, daß ich die Vogel ins Garn locke, dah Du ihnen nur die Federn zu rupfen brauchst? Du solltest mir dafür dankbar fein."

Der Marquis lackte; es klang wie das Lachen eines Däinons. „Wanim hast Du den Deutschen in den letzten zwei Wochen nicht hergelockt? Tau­sende sind uns dadurch entwischt. Jetzt will ich mich schadlos halten." Er fing an, Goli und Scheine in feine Taschen zu stopfen; aber die Principessa faßte seine Hände und drückte sie ans den Tisch. „Schurke", zischte sie und ihr Gesicht war ganz verzerrt vor Wut. „Soll ich der Pott- zei ein Wortlein sagen?"

Er wandte sich blitzschnell herum und starrt« ihr ins Gesicht. „Wag' es!" schrie er Beiler. „Dann ist es auch mit Deiner Herrlichkeit zu Ende. Tu hast ja Deinen Gatten vergiftet" —

Ta fuhr die Principessa empor, wie wenn sie eine Schlange gebissen hätte. Ihre Hände legten sich wie eiserne Klammern um den Hals des Mar­quis, daß ihm der Atem cmsgina und die Arme