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Rotationsdruck u. Verlag der > uldaer Re» fiendruaerei in.fulda. $erniprej?er Nr. 9.

M 68.

Fulda, Freitag, den 23. März 1906.

33. Jahrgang.

§ Vie Hahrkartenfteuer.

Die Steuerkornniisfion des Reichstages hat am Donnerstag die Fahrkartcnstcucr g r u n d s ä tz- I i ch nach den Beschlüssen der ersten Lesung, d. h. in der Form der Kilometerzuschläge geneh­migt. Tie von nationallibcraler Seite bean­tragten und von der Kommission angenommenen Aendcrungcn berühren den grundsätzlichen Cha­rakter der Steuer nicht. Allerdings wird ihr Er­trag jetzt nur auf 47 Millionen Mark berechnet, bleibt also etwas hinter der Summe von 55 Mil­lionen Mark zurück, die man aus der neuen Steuer zu ziehen hoffte. Aber auch so bildet die Fahr- kartensteucr mit der Neichserbschastssteucr das N ü ck g r a d der Vorschläge, welche die Steuer­kommission dem Reichstage für die Durchführung der Reichsfinanzreform zu unterbreiten gedenkt.

Daß die Möglichkeit der letzteren gewahrt wur­de, ist in erster Linie dem entschiedenen Eintreten der Mitglieder des Z e n t r u m s für die Fahrkar­tensteuer in Form der K i l o m e t e r z u s ch l ä g e zu danken. Wie nahe die Gefahr des Scheiterns des ganzen Ncformplanes in der Tat lag, hat sich in den Verhandlungen der Kommission vom Frei­tag deutlich genug gezeigt, denn von freisinniger Seite wurde bereits ein Triumphlied darüber an­gestellt, daß die Fahrkartensteuer in die Brüche zu gehen scheine. Daß dies nicht der Fall gewesen ist, beruht wohl nicht zuletzt auf den Warnrufen vonseiten des Zentrums, denen man nun sich auf nationalliberaler Seite anschloß. Nach den vor­liegenden Abstimmungsziffern müssen sich die Konservativen in der Kommission nach Ablehnung ihres aus die Einführung eines Fixstcmpels ge­richteten Antrages zur Mehrheit geschlagen haben.

Die Steuerkommission hat damit die Be­mühungen des preußischen Flnanz- mi n i st e r s v e r e i t e l t. Herr von Nheinbaben ^hat darauf verzichtet, am Donnerstag der Welt 'noch einmal das Schauspiel zu bieten, das er ehr am Mittwoch gegeben hatte. Aus welchen,Beweg­gründe:! dieser Verzicht entstanden ist, wissen wir nicht. Wir halten es nicht für möglich, daß sich der preußische Finanzminister auf einen Artikel der freisinnigen „Freien Deutschen Presse" bin „au dem Stillschweigen am Donnerstag entschlossen bat, das in einem so auffallenden Gegensätze zu feiner Bcrcdfamkeit am Mittwoch steht. In dein Artikel des freisinnigen Organs war nämlich dem Finanzminister nichts mehr und nichts weniger angefonne» worden, entschiedene Opposition zu wachen gegen den Reichsschabsekrctär und den Reichskanzler. Es wurde ihm zu Gemüte geführt, daß die abhängige Stellung des Reichsschatzselre- tärs der scinigen durchaus nicht ebenbürtig lei, und daß ihm der Reichskanzler als solcher „nix to feggen" habe, während Fürst Bulow als preu­ßischer Ministerpräsident und Minister der aus­wärtigen Angelegenheiten nur fein gleichberechtig­ter „Stimme fei und ihm feine Meinung nicht auf­dringen könne. Höchstens stehe ihm der Appell an die Krone frei. Die „Fr. Deutsche Presse" hatte damit geschlossen, daß sie Herrn v. Rheinbaben den Vorwurf machte, er habe schon durch seine Zu­stimmung zu den Vorschlägen der Verbündeten Regierungen betreffs der Fahrkartensteuer ferner Stellung als preußifcher Finanzminister etwas .vergeben.

Diese „Verfassungsstudie" dürfte denn doch ^Herrn v. Nheinbaben über die Gefährlichkert und :'ba§ Verfehlte des Weges aufgeklärt haben, den er eingeschlagen hatte. Wir hoffen, daß fern Schweigen am Donnerstag eine Fortsetzung fin­den wird im Plenum des Reichstages, wenn dort bie Fahrkartensteuer zur Beratung gelangt. Die Verbündeten Negierungen dürften durch die Ver­handlungen in der Steuerkommission vom Mitt­woch und Donnerstag darüber aufgeklärt sein, daß die Mehrheitsparteien des Reichstages, welche für die Durchdringung einer zweckentsprechenden

Neichsfinanzreform in Betracht kommen, nicht ge- willt sind, mit sich spielen zu lassen.

Deutsches Keich.

Berlin, den 22. März 1906.

* Einen weiteren Beitrag zur Marokko- Konferenz veröffentlicht die,Rordd. Allgem. Ztg/ in Form von kritischen Bemerkungen zu dem Ver­suche des ,Tempsß die Instruttton für die russi­schen Vertreter in Algeciras gegen Deutschland auszunutzen. Der Wortlaut dieser Instruktion weicht bekanntlich wesentlich von derFaffung ab, welche ihr das französische Gesetzblatt gegeben hat. Die ,sJlorbD. Allgem. Zig/ stellt das fest, indem sie schreibt: „Eine Vergleichung des authentischen Textes mit der Fassung des ,Temvs' ergibt, daß der ,Temps' den Wortlaut durch Zusätze und Weglassungen im Inhalt und Ton verändert hat. Daß die sogen. Casablanca - Frage für Deutsch­land nicht von entschetdenderBedeutung ist, haben wir unter demselben Datum, das die russische Instruktion trägt, in unserem Blatte dargeleqt. Auch der Mitteilung des ,W. T. B.' gegenüber wiederholen wir, daß uns eilt triftiger Anlaß zu einer solchen Verwahrung der russischen Politik gegen den Virdacht eines Doppelspieles nicht vor- zuliegen scheint, und daß erst recht die sofortige Veröffentlichung dieses Aktes in einem neuerdings gegen Teutlcdland so gehäst'igen französischen Blatte auffällig bleibt." — Verschiedene Berliner Blätter bringen Prioatmeldungen aus Algeciras, wonach der Vertreter Deutschlands, Herr v. Radowitz, erkrantt fein soll. Hinzugefügt wird aber, die Erkrankung fei nur leichter. Vialur.

Tie Trauerfeier für Geheimrat Knack, den verstorben!n Bureaudirekror des Reichs a<ch, fand am Donnerstag nachmittag tn dem Präsi- dialgebäude des Reichstags statt. In der zahl­reichen Trauerversamm ung befanden sich der Reickstagepräsident Graf Ballesttem, die Minister Graf Potadoweky und v. Wedel, den Reichs- kan iei vertrat der Chef der Reichskanzlei, von Loebell. Von den Abgeordneten nahmen u a. teil: Dr. Spahn, Gröber, Rintelen, Bassermann, Gras Oriola, Tr. Mugdan, Bebel. Singer und Stadlhag'-n. Die Gedächtnisrede hielt Oberhof­prediger Dryander.

* Weitere Verluste in Südwestafrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am Ist. März bei Aragauros ge'allen: Sanitäls'ergeant Gott­lieb Schoos, geboren am 18. 3. SO zu Ditz n en, früher im Königlich Wurttember gischen Infanterie- Regiment 9lr. 12 t; Halsschuß. Am 12. März im Gefecht bei Hartebeestntund leicht verwundet: Gefreiter Waller Panzer, geb. am 14. 8. 82. zu Danzm, früher im Feldart',llerie Regiment Nr. 37; Streifschuß Fußsohle. Gefreiter Franz Rickelt, geb. am 28. >0. 83 zu Berlin, früher im Ulanen-Regiment Nr. 9; Streifschuß linker kleiner Finger. Gefreiter Willy Weint eich, geb. am 23. 12. 82 zu Hohenstein-Ernstlal, früher in der königlich fächsiichen Maschinengelvehrab- teilung Nr. 12; Streifschuß Unterleib. Ferner: Reiter Alexander Schenk, geb. am 5. 11. 82 zu Rosenberg, irüher Infanterie-Regiment Rr. 166, leit 8. März bei Tharob auf Jagd vermißt. Gefreiter Friedrich Neumann, geborea am 9. 3. 82 zu Bukowltz, früher im Infanterie- Regiment Nr. 176, om 16. März nördlich Wasser­fall auf Pa rouille angetchossen — Bauchschuß — und an demselben Taae gestorben.

Auferstehung.

Roman von Felix Nabor.

35] (Nachdruck verboten.)

Und in Nom, im Vatikan, in St. Peter stand die Wiege aller christlichen Kunst; hier, an der warmen Mutterbrust der Kirche wurde sie genährt und großgezogen, um dann ihren Siegeslauf durch die Welt zu nehmen. Auch jetzt noch war der Vatikan mit seinen Kunstwerken die lebenspen- idende, verjüngende Quelle, aus welcher Hunderte bon einheimischen und fremden Künstlern tranken. <Kur im Schoße der Kirche, unter der befruchtenden Aegide des Papsttums und unter dem Einflüsse einer reichen, tiefen und wunderbaren Kultur batte sich diese große Kunst zu einer strahlenden Blüte, fzu höchster Vollendung entfalten können.

Mit jedem Schritte, den er machte, sah Gabriel ein, wie sehr er in Unwissenheit, Irrtum und Un­glaube verstrickt gewesen war; aber zugleich auch strahlte ihm hier das Licht der Wahrheit in blen­dendem Glanze entgegen und es wurde Heller und i lichter in seiner Seele.

Wie hätte er da, im Angesichte Roms und Sankt Peters, in der Erinnerung einer achtzehn- hundertjährigen glorreichen Vergangenheit und beim Anblick einer großen, wuiiderbaren Kunst, die wie eine glänzende Apotheose des Christentums erschien — tote hätte er da das Dasein Gottes und -fein wunderbares Walten in der Kirche leugnen dürfenl Das wäre Wahnsinn, Frevel, unheilvolle Verblendung gewesen!

Wemt es keinen Gott gab und kein ewiges Leben, dann wäre diese unerschöpfliche christliche Kunst mit ihren unerreichten Meisterwerken, bann wäre das Papsttum, welches die Welt zivilisierte und den Riesenbau der Kirche errichtete, dann wäre i der königliche Dom von St. Peter samt den Hun- IJberttaufenbeit von christlichen Gotteshäusern auf

dem ganzen Erdenrund eine einzige große Lüge gewesen!

Doch wahrlich, das war nicht der Fall! Jedes Meisterwerk eines Raffael und Michelangelo, d:e- fer herrliche Dom, der Vatikan — jeder Stein rief ihm mit lauter Stimme zu: „Hier ist Wahrheit! Hier ist Licht und Heil!"

Gabriel drückte dem Prälaten dankbar die Hand und sagte: „Sie haben mich auf den Pfad der Wahrheit geführt und nun weiß ich, was ich zu tun habe. Ich will fortan für die Kirche Christi strei- ten; das soll meine Lebensaufgabe fein. Ich wollte, es könnten alle, die nm Glauben zweifeln und im Irrtum befangen sind, über diesen heiligen Boden wandeln — si: würden geheilt! Denn seit- detn der Apostelfürst Petrus diesen Boden durch sein Märtyrerblut weihte und heiligte, seitdem er­glänzte hier das hellste Himmelslicht, das einst im Stalle zu Bethlehem aufgegangen ist. 0 Roma felix: von heute an will ich Dein Streiter sein! Ein Streiter für Wahrheit, Freiheit und Recht!"

Der Prälat drückte ihm die Hände. „Wie glück­lich bin ich", sagte er, „daß Sie den Weg der Wahr­heit gefunden haben und freudigen Herzens zu­rückkehren in die Arme Ihrer Mutter, der heiligen Kirche!" —

Und daraus führte ihn der Prälat hinab in einen köstlichen Garten, wo sie sich, von Winter­eichen, Akazien und Pinien überschattet, nieder­ließen und ivo der Prälat ihm von dem Heiligen Vater Papst Leo XIII. erzählte. Gabriel hörte voll Staunen, welche unbegränzte Tätigkeit dieser ehrwürdige ®rci5 auf dem Throne Petri entfaltete. Der Prälat pries Leo als großen Regenten, Poli­tiker, Diplomaten, Philosophen, Gelehrten und Dichter und bezeichnete es als etwas Wunder­bares, daß Gott in einer Feit, wo die Kirche rings­um von Feinden bedroht war, einen solchen Mann auf den Thron des Apostelfürsten berufen hatte.

Er erzählte Gabriel von der sozialen Tätigkeit des Papstes, die wohl das Größte und Erhabenste

* Der Bericht der Neichsschnldenkommission ist dem Reichstage zugegangen über die Ver­waltung des Schuldenwesens des deutschen Reichs, über die Tätigkeit der Kommission, über den Reichskriegsschatz und über die An- und Aus­fertigung, Einziehung und Vernichtung der von der Reichsbank rusmgeenden Banknoten.

* Die Budgctkommission des Reichstags beriet am Donnerslag zunächst die im (£iat des Reichsmstilärgerichts enthaltene, in der näher en Beratung zurückgestellte Forderung von 871000 Mark zur Errichtung eines Dienstgebäudes für das Retchsmilitärgencht. Ter Abgeordnete Erz­berger beantragte, dte für d e Vorarbeiten nötigen Mittel zu bewilligen, die Forderung fe hlt aber abzulehnen. Nach längerer Debatte nahm die Kommission diesen Antrag M. Die rn den @taf des Reichsichatzamts eingestellte Position von 17 Millionen Mark aus den Erträgen der Zölle für die Durchiührung der Witwen- und Waisenoersicherung wurde genehmigt. Tie Rege­lung der Kapitalsansammlung für bieien Zweck und die verzinsliche Anlegung der Kapitalien ist Vorbehalten. Im Etat der Kolonial Verwal­tung wurde auf Antrag des Abgeordneten Erz- berger eine Forderung von 18' 00 Mark für einen kolonialen Beirat bei der fanetlidjen Bot­schaft in London aus den foltdariernden Forde­rungen übertragen, weil es sich, wie der Abge­ordnete Erzberger ausführte, zunächst um ein Experiment handle. Der Etat der Kolonial- verivaliung wurde im übrigen genehmigt. Die Einführung von Fünsnndzwanstgpiennlgstücken war tn einer Petit on, die dem Reichstag zuge­gangen war, gewünscht worden. Die PelUions- kommiffion hat be'chloffen, den llebergang zur Tagesordnung bei dieser Petition zu beantragen.

.. Die Steuerkommission des Reichstages hat am Freitag die Fahr karten steuer nach den Beschlüssen der ersten Leiung, allerdings unter Abänderung nach dem Antrag Westermann (nt 10 awrecht erhallen, so daß in der Hruptiache die Kilomeierznschläge angenommen und. DieÄuw- mobilfteuer wurde eben'alls nach den Berchllissen der ersten Lesung mit geringer Abänderung ge- nehmiat. Die Qurttungssteuer wurde wiederum abgelehnt. Ter Antrag auf Besteuerung der Ansichtspostkarten wurde zurückgezogen.

\ Die Kommission des Abgeordnetenhauses für das Schulunterhaltungsgesetz trat heute in die Beratung des § 3k ein, der mit unweient- licher redaktioneller Aenderung angenommen wurde, k^sgl. in der Fassung der Regierungs­vorlage die § 33 (Vertreter des Verbaudsaus- schusses), § 34 (Bestellung des Verbandsvor- stehers), soivie die §§ 35—3!) tncl. — Alsdann folgte die m der letzten Sitzung abgebrochene Beratung des § 40 (Aniiellling der Lehrer und Rektoren). EireReihe vonAbänderungsanträgen lagen vor. Die Antragsteller suchten Varzulegen, daß die Regierungsvorlage für viele Gememden eine Beschränkung des Rechts zur Arismahl der Lehrer und Rektoren enthalte. Ein Reg.-Ver- heter trat diesen Anschauungen entgegen unter Hinweis anf das blühende Schulwesen in Rnein- lanb und Westfalen. Von konservativer Seite wurde angeregt, den Schulverbänden mit weniger als 25 Schulstellen das gleiche Vorschlagsrecht Mi wiegen wie den Schulvei bänden mit mehr als 25 Schulstellen. Ein 8!attonalliberaler vertrat den Standpunkt, daß die Regierungsvorlage nach verschiedenen Richtungen hin das Recht der Schul verbände zu stark beschränke. Von Zen-

in dem an Erfolgen und Siegen so reichen Ponti­fikate dcS Papstes Leo XIII. sei. „Betrachten Sre doch diese wunderbaren Encykliken, die voll welt­bewegender Gedanken sind! Da schreibt er über die Konstitution der Staaten, über die menschliche Freiheit, über die Pflichten der Bürger und dann in dec großen, gewaltigen Enzyklika „Herum no- varun" über die Arbeiterfrage. Und er schreibt mit so weitern Blick, in so großen Zügen, daß seine Worte wie Flammenzeichen leuchten, daß sie tote mit heiliger Glut durchleuchtet erscheinen. Mit unerfchütterlicheni Willen, das Auge fest auf das Ziel gerichtet, bekämpft er die moderne Weit- anschauung. Er spricht wie ein König, wie ein Hirte, wie ein Prophckt! Inmitten der irrigen Meinungen der modernen Welt, in dem branden­den Meer des Unglaubens ragt er wie ein Fels empor; mit fester Hand hält er das Zeichen des Kreuzes hoch über die schäumenden Fluten und zeigt es der sinkenden Welk: „Kommet zum Kreuzet In ihm allein ist wahres Heil!" Er ver­teidigt das Dogma, bricht mit der modernen gwu- benslosen Philosophie und weist der christlichen Philosophie im Geiste des heil. Thomas von Aquin, des englischen Lehrers, neue Bahnen. Er fordert die christliche Schule, knüpst mit allen Staaten Friedeitsverhandlungen an, und tut dies alles, um Seelen zu retten, um die Kirche groß, frei und unabhängig zu machen. So löst er das soziale Problem in einfachster, aber idealster und groß­artigster Weise. Und siehe, Kaiser und Könige kommen, drücken ihm die Hand und sind entzückt von der liebenswürdigen Erscheinung dieses er­habenen Friedensfürsten 1"

„Ach", fügte Gabriel traurig, „auch tch versuchte das soziale Problem zu lösen, aber mir scheint, ich geriet auf Irrwege, ich sand lern versöhnendes Ende."

„Ich weiß es", sagte der Prälat. „Nur auf dem festen Untergründe des positiven Glaubens kann das soziale Gebäude errichtet werden. Denn aus

trumsfeite wurde erklärt, daß man nicht geneigt sei, eine Unterscheidung der Schulverbände mit mehr oder weniger als 25 Schulverbänden zu- zustlmmen. Im übrigen fei auch das Zentrum geneigt, den Kommunen mehr entgegen zu kom­men, das Maß, wie weit das geschehen sollte, würde weiterer Prüfung Vorbehalten bleiben müffen. — Hieraus trat Vertagung ein.

** Berlin, 22. März 1906. Ter Kaiser em­pfing gestern abend den japauischen Botschafter, welcher einen Brief des Prinzen STr-fugaroa über­reichte. — Heute morgen begab sich das Kaiser» paar nach dem Mausoleum in Charlot­te n b u r g, um dort, als am Geburtstage Kaiser Wilhelms I., einen Kranz niederzulegen. Ter Kaiser besuchte später den Reichskanzler lind hörte im Schloß die Vorträge des Präses dec Artillerie-Prüfungskommission, Generalleutnants Kehrer, des Ckefs des Ingenieur- und Pionier­korps, Generalleutnants von Baseler, des Kriegs- ministers, des Chefs des Generalstabes der Armee und des Chefs des Mrlitärkabinetts. — Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich werden, wie be­richtet wird, im Iunt d. I. mehrere Wochen iin Residenzschlosse in Koblenz Wohnung nehmen. — Ter Bundesrat bat in der heutigen Sitzung den Ausschußantrag zu der Vorlage betr. den Ent­wurf von Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankenpflegepersonen angenommen. — Zu einer neuen Konferenz über bie Per­sonentarifreform werden am 2. April in Berlin die Vertreter der beteiligten Regierungen zusammentreten. Auch Sachsen wird daran teilnebmen. — Ter Verichtüberdenersten Verhandlungstag der Kartellen- auete über bie Verbände in der deutschen Spiri- tusinduftrie wird voin „Reichsanzeiger" veröffent­licht. — Jnbetresf des Erbprinzen zu Hohenlohe geben die freikonservativen „Ber­liner Reuest. Rache." ein parlamentarisches Ge­rücht wieder, wonach der Erbprinz, trotzdem das Staatssekretariat für ein Reichskolonialamt abge­lehnt sei, bereit sein würde, ein Unterstaatssekre­tariat zu übernehmen.

* Sigmaringen, 21. März 1906. Bei der gestriaen Reich«tag«erfatzwahl ist Auilsgerichtsrat Dr. Belzer «Zentrums gewählt worden.

Ausland.

* Deutsch-englische Sympathiekundgebungen. Am Dienstag abeno hielt in der Bradlorder Handels!ammer der beutiche Bottchassier in London, Gras Wolff-Metternich, eine Rede, in der er auf die Beziehungen der Braosorber Textti- inbu|tr:e mit der deutschen Industrie htnwtes und dann ausführte:

„Tie Erzeugnisse der Bradforder Textilindu­strie erhalten durch die deutsche Industrie eine Werterhöhung; wo der eine Teil mit der Arbeit' aufhört, fängt dec andere an und vollendet daS Werk zu beiderseitigem Vorteil. Blickt man tiefer in die Handelsbeziehungen der verschiedenen ^Na­tionen, wird man oft finden, daß die viel gefürch­tete Konkurrenz nur eine verschleierte Wohltat ist, daß das eine Land gibt, was das andere braucht, ] daß der Warenaustausch den Industrien zur An­regung dient, daß, je mehr ein Land erzeugt, es desto mehr auch von anderen kaufen kann, daß die Wett zu groß ist, als daß ein Land alle Bedürs- niffe erfüllen könnte. Obgleich das Beispiel von Bradford ein besonders schlagendes ist, ist es doch nicht ein alleinstehendes. Wenn die Handelswett in England und Deutschland nicht überzeugt wäre, daß die beiden Nationen einander sehr nützlich sind, ließe es sich schwer er­klären, woher die spontane, allgemeine, wohl- tuenbe Bewegung entstanden ist, welche auf freund­liche Beziehungen abzielt und die Unterstützung «rircaw iiainw' r i—emmii—i ■■■< i —iriTMfi

dem Glauben strömt die heilige Flamme der Liebe, die alle Gegensätze ausgleicht, alles Feinblrche ver­söhnt, alle Herze» umschlingt. Ihrem Gebäude aber fehlte der Eckstein, der OUaubc! Darum bricht es zusammen in sich selber. Der Weg, den Sie in Ihrem „Luzifer" zeigen, führt hinab in die Ab­gründe des Materialismus, der Unzufriedenheit, der Revolution! Hinab in's Unglück! Papst Leo zeigt den rechten Weg: den Weg der Gerechtigkeit und der Liebe, und dieser führt hinaus zu den glück­lichen Höhen des Lichtes!"

Gabriel war betroffen von diesem niederschmet­ternden Urteil, aber er mußte dem Priester Reck)t geben. j

„Trösten Sie sich", sagte dieser. „Sie haben den Weg zur Wahrheit gefunden. Sie werden gut machen, was Sie gefehlt haben. Und nun muß ich gehen — der Dienst ruft mich. Aber ich will Ihnen ein kleines Andenken an unsere Unterre- bnng zurücklassen, vielleicht macht es Ihnen Freude." 1

Er entnahm seinem Brevier ein zusammenge­faltetes Blatt. „Sie wissen doch, daß der Heilige Vater ein gottbegnadeter Dichter ist und in seinen Mußestunden köstliche Verse schreibt?"

„Nun — Sie sollen die Poesie des Papstes kennen lernen! Sie als Dichter werden Jie beper zu beurteilen verstehen als ich, der ich in diesen Dingen mehr Laie bin. Hier lege ich das neueste Gedicht des Heiligen Vaters in Ihre Hände. Und nun leben Sie wohl!"

Gabriel drückte ihm die Hand und las, was auf dem Blatte in lateinischer Sprache geschrrebe» stand. Es lautete in deutscher Uebersetzung:

Der Tod.

Tie Sonne sinkt im Westen tief in's Tal, Auf Dich, o Leo, fällt ihr letzter Strahl. In den erschöpften Adern langsam dorrt Tas Leben ein und schwindet mählich fort Der Tod entsendet seinen Pfeil und bald