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Maer

verantwortlicher »christleiter:Z Baum;

wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagszeitung"

Erscheint tSglich, mit Aufnahme ver Sonn= «nü' etertage. viertel- jäbri. Bezugspreis ahne Briagerlohn n»d vekellgeld i« Zulda «nd auswärts inn. so pt».

Zeitung

Mona,Beilag«: „JuIöttCt GeschichtSblStt«".

»RZ e igeurvtr ei» spaltrge petttzeile »der deren Saum 15 Psg Setlameu die Petit zelle 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entfpt.

Rabatt gewährt.

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Ac« ttendruckerei in Zsulda. 5«rnsprecher Nr. 9.

JV3 66.

Fulda, Mittwoch, den 21. März 1906.

33, Jayrqanff.

Krstes Mlatt.

Deutscher Reich.

Berlin, den 20. März 1906.

* Gewisse Krifengerüchte werden von einem Teil der Presse anläßlich der Frage der Schaffung eines Reichskolonialamts verbreitet. An­geblich soll der Kaiser dem Fürsten v. Bülow in dieser Angelegenheit eine Art Ultimatum ge­stellt haben. Im Reichstage begegnen diese Ge­rüchte den stärksten Zweifeln, da man sich sagt, daß der gegenwärtige Zeitpunkt für einen Kanzler­wechsel der ungeeigneteste sein würde, den man sich denken könnte.

.'. Aus Anlaß des Todes des Geheimen Regierungsrates Knack hat der Reichskanzler Fürst v. Bülow dem Reichstagspräsidenten Grafen Ballestrem telegraphisch sein Beileid aus­gesprochen. In einem Beileidstelegramm an die Hinterbliebenen des Direktors Knack gedachte der Reichskanzler in herzlichen Worten der aus­gezeichneten Verdienste und der seltenen Pflicht­treue des Verstorbenen. Bei der Trauerfeier -wird Fürst von Bülow durch den Chef der Reichskanzlei, Wirkt. Geh. Oberregierungsrat

iv. Loebell, vertreten sein.

i .'. Zur Marokko-Konferenz äußert sich i wiederum die ,Nordd. AUg. Zig/. In einer Polemik gegen den Pariser ,Temps' führt das offiziöse Organ aus: „Der ,Temps' will die Tatsache bestreiten, daß der Mmisterwechsel in Frankreich auf die Konserenzarbeit m Algeciras verzögernd eingewirkt hat. Er ereiiert sich gegen eine angeblich deutsche „Obstruktion". Dieser Vorwurf ist für jeden ruhigen Beurteiler unhalt­bar. Wir möchten seststellen, daß erst am vorigen Samstag an den deutschen delegierten (V. Radowitz die Mitteilung des Herrn Rövoil i gelangt i|t, aus der über den Generalin'pektor der Polizei das den Fortgang der Konterenz- irbett ermöglichende Zugeständnis Flankreichs ;u entnehmen war. Auf dieser Grundlage muß weiter verbandelt werden, überstürzen läßt sich die Entscheidung nicht. Die deutsche Presse hat den Aufschub, der durch den französischen i Ministerwechsel herdeigesübrt wurde, ohne Tadel und Unmut ausgenommen, sie ist sogar den schwierigen Umständen, unter denen Herr Bour­geois die Wei'.erführung der französischen Ma­rokko-Politik übernommen hat, in unparteiischer Weise gerecht geworden und hat damit dem ,Temps" ein nachahmenswertes Benpiel gegeben."

*» „Unstimmigkeiten" zwischen! dem Reichskanzler und dem preußischen Landwirtschaftsm'.nister wurden von der „Vossischen Zeitung" angedeutet. Dieselben sollen sich auf die Frage der Zulassung von 50,00,t Schweinen aus Frankreich nach Elsaß-Lothringen ‘ergeben haben. Ter Reichskanzler soll dafür, der Landwirrschaftsminister dagegen gewesen sein. Die ,Deutsche Tageszeitung" bemerkt dazu: „Tie lVorans'etzung für diese Annahme fällt dadurch weg, daß die ihr zu Grunde liegende Mitteilung unrichtig ist. Wir glauben auch gut unter­richtet zu lein, wenn wir sagen, daß »wischen dem Kanzler und dem Landwirtschoftsmlnister nach wie vor völlige Uebereinstimmigkeit in den Fragen des Viehseuchenschutzes henscht. Un- stimmigkeiten würden nicht nur für unter Wirt­schaftsleben, sondern auch für unsere gesamte

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Auferstehung.

Roman von Felix N a b o r.

”3} (Nachdruck verboten.)

Dieser Dom, der jahrhundertelang allen Stür­men getrotzt hatte, war ein Symbol der Kirche selbst, die unerschütterlich stand, wie dieser maje­stätische Bau, der die Stadt, der die ganze Welt überragte.

Gleich .als wären diese geheimnisvollen Worte von, nein allmächtigen Finger Gottes über den Riesenbogen dieses Baues geschrieben — so hell S stählten sie aus der Höhe herab,

.wie aiu den Hohen des Himmels, und machten ,Mi. dem schimmernden Glanze ihrer Mosaiken einen überwältigenden Eindruck. Diese Worte waren göttlichen Ursprunges, Hauch vom Munde Gottes, und Menschenklugheit zerbrach daran wie hölzerne Speere auf ehernem Schilde.

Gabriel kam sich vor, wie ein armer Zwerg, der versucht hatte, einen Niesenbaum zu fällen.' Es war ihm, als schrumpfe sein Geist zusammen zu einem unbedeutenden Lichtlein, zu einem win­zigen Atom in der Unendlichkeit > . .

Mit langsamem Schritte, leise, als fürchte er diese erhabene Ruhe zu stören, durchmaß er die endlose Halle und richtete den Blick empor zu dem gewaltigen Jnnengewölbe, das sich wie ein Dom aus Purpur, Gold, Edelgestein und Himmels­blau über dem riesigen Schiffe wölbte.

. Alles, was er hier sah, wuchs ins Riesenhafte, i Die an der Kreuzung der Schiffe den Dom tragen- '.den Pfeiler erschienen ihm wie vier Riesen, die ihre Cpklopenarme zum Himmel recken, um seine ewige Kuppel zu stützen. Ter Glanz der Metalle, das schimmernde Gestein der Wände, diese ganze Königliche Pracht überwältigte ihn.

Und erst diese ungeheuere Kuppel Michelange­ilos, die mit dem Gold ihrer Mosaiken wie ein ^Stern herabglänztet Sie erschien ihm wie der

innere Politik und für die beiden in Betracht kommenden Herren sehr bedenklich sein. Wir verstehen wohl, daß die linksliberale Presse gern sehen würde, wenn sich Meinungsverschieden­heiten zwischen dem Fürsten Bülow und dem Herrn v. Podbielski einstellen sollten. Vorläufig aber ist Dieter fromme Wunsch unerfüllt geblieben und wir dürfen die Hoffnung hegen, daß er un- füllt bleiben wird."

** Der von uns bereits angekündigte Antrag betreffend die Heimarbeit ist nunmehr im Reichstag eingebracht werden. Der Antrag geht dahin, der Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, möglichst bald dem Reichstage einen Gesetzentwurf zur Regelung der Arbeitsverhältniffe in der Haus­industrie (Heimarbeit) vo.zulegen, und zwar unter tunlichster Berücksichtigung einer Reihe von Ge­sichtspunkten, die in dem Anträge ausführlich dargelegt sind. — Bei den Unterschriften sind sämtliche Parteien mit Ausnahme der Sozial­demokraten, der Freisinnigen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei vertreten. Die beiden letztgenannten Parteien haben einen besonderen Antrag eingebracht, der eine sofortige Veran­staltung einer Enquete über die Lage der Heim­arbeiter verlangt und die Regierung auffordert, aufgrund der Ergebnisse dieser Enquete möglichst bald dem Reichstag einen Gesetzentwurf zur Be­seitigung vorhandenen Mißstände vorzulegen.

* Zur Mittelstandsbewegunq. Die ,Allge- meine Mrttelstandszeilung" (sJir. 7, 1906) meldet das Ende der B.ryeriichen Miiielstandspartet. Die Generalversammlung beschloß, den Titel „Partei" fallen zu lassen und an seine Stelle „Vereinigung" za setzen. Rach dem Berichte wurde damrt der Wunsch vieler Mitglieder durch- geführt, nachdem sich die radikalen Elemente etwas geschwächt hatten. In der folgenden Nummer (8) heißt es:

Wenn bisher radikale Elemente glaubten, dem Mitteliland sei durch rasche Parleibildung inehr ge­dient, so hat sich gerade das Gegenteil bewiesen. Es zersptilterte sich der Mittelstand immer mehr und hielten sich die besten Streife dieser Bewegung aus ver­schiedenen politischen Gründen fern. Von den die gante Sachlage erkennenden Männern ivnrde schon feit Beginn stets auf diese Fehler aufmerksam gemacht, doch leider erfolglos.

Liest man das, so sollte man meinen, die ,Mittelstandszettung" rechne sich zu den Leuten, die die Sachlage frühzeitig rtchtig erkannt haben. Tatsächlich hat diese Zeitung an politischer und religiöser Verhetzung das Menschen­mögliche geleistet. Ramenilich das Zentrum wurde mit Anwürfen bedacht, die kaum vom evangelischen Bunde übertroffen werden. Wie steht es nun mit dem Programm der neuen Ver­einigung? Die,Miltelstandszei>ung" sagt:

Nunmehr aber soll auf der richtigen Bahn auch mit aller Energie gearbeitet werden Die Aufgabe der Mittelstanvsoereiniaung wird es nun fein, alle wirtschaftlichen Fragen, welche den gesamten Handel- und Eewerbeftand umfassen, mit diesen Korporationen gemeinsam zu beraten und aber auch gewisse Fragen, welche mehr auf das politische Gebiet chinüberspielen, genau zu prüfen, welche wirts.siafiliche Nach- und Vor­teile diese dem Gesamtmittelstande brinaen, und das Resultat den gesetzgebenden Körperschaften zu unter­breiten, um auf diese Weise die Wünsche nnd Be­schwerden des Mittelstandes auch an den richtigen Platz zu bringen. Aus diese Weise erfüllt die Mittei­standsbewegung ihre Ausgabe voll und ganz. Sie muß das Bindeglied zwischen dem Mittelstand und den Parlamenten bilden, um dadurch in erster Linie endlich den Borwurf zu beseitigen, daß der Mittelstand seine Wünsche nicht geltend gemacht hat. Die.Haupraufgabe, die der bayerischen Mitielitands-

schimmernde Kelch einer Riesenblume, die, mit tausend funkelnden Edelsteinen besetzt, vom Him­mel herabschwebte.

Und dieser geheimnisvolle Altar der Confessio mit seinen neunundachtzig vergoldeten Lampen, die ihn Tag und Nacht umstrahlen, erschien ihm wie das größte Wunder der Welt. Päpste und Kaiser, Könige und Fürsten waren hier am Grabe der Apostelfürsten gefniet und ihre Tränen hatten den glänzenden Marmor benetzt.

Wohin er blickte — Nichts als Gold und Mar­mor! Von Marmor der Boden, von Marmor die Wände, von Gold und Marmor die Decken, die Altäre, die Bilder. Von Wänden und Pfeilern leuchteten ihm die Triumphe der Kirche entgegen: die endlose Reihe der Päpste, bereit Medaillons die Pfeiler schmückten, von Petrus angefangen bis auf Pius IX., der das Gebäude der heiligen In­stitutionen mit dem UnfehlbarfeitSbogma krönte. Hier sah er die Königin Christine von Schweben, wie sie den protestantischen Glauben abschwört, dort Kaiser Heinrich IV., der sich im Schloßhofe zu Canossa vor Papst Gregor VII. demütigte.

Alles in diesen goldschimmernden Hallen mahn­te an die Größe und welterlösende Macht der Kirche; die ganze Geschichte derselben stand in diesem ewigen Bau in Gold, Marmor und Mo­saiken geschrieben. In ihrer wunderbaren Pracht triumphierte die Basilika unbestritten als die Mut- terktrche der ganzen Welt, als der königliche Tem-' pel, von dem aus der Tiaraträger als Oberhaupt und König von mehr als zweihundert Mllionen katholischer Christen herrscht.

Wie mußte dieser Raum erst strahlen, wenn ihn Tausende von Gläubigen füllten, wenn er in einem Lichtmeere glänzte, und wenn der Statt­halter Christi, der König und Oberpriester dieses Tempels, unter dem Jauchzen des Volkes in sein heiliges Reich «inzog!

Eine mächtige Sehnsucht, den Tiaraträger von Angesicht zu Angesicht zu sehen, erfüllte Gabriel. Aber gleich darauf befiel ihn Zagen: wie durste

Vereinigung nun zufällt, wird darin bestehen, sich zu einer machtvollen Organisation zu entfallen und überall Anschluß zu erlangen suchen.

Ist das ehrlich gemeint und verstehen wir die,Mittelstandszeitung" richtig, so ist das ein weit besserer Wea, als politischen Hirngespinsten nachzujagen. Die Zenlrurnspresse hat in den letzten Jahren die Angehörigen des Mittelstandes immer wieder davor gewarnt, in pol »tischen Sonderb ündeleien dasHeil zu suchen. Der einzige Weg, der dem Mittelstände Erfolg ver­spricht, ist eine auf wirtschaftlichem Boden stehende Vereinigung, die nur inwweit politisch ist, als sie Wünsche und Forderungen der Volks­vertretungen und Regierungen in Staat und Ge­meinde gegenüber zum Ausdruck zu bringen und Einfluß auf die bestehenden größeren Parteien zu gewinnen sucht. Es wäre zu wünschen, daß das unrühmliche Schicksal der bayerischen Mittel- standsparlei allen denen, die sich von politischen Sonderbestrebungen Vorteile versprechen, Anlaß zu ernsthafter Einkehr würke.

*♦ Zu den preussischen „Wahlrechtsvor­lagen" äußert sich die ,Kreuz;eilung" folgender­maßen: „Da die Staalsregierung bei beiden Entwürfen den wesentlichen Inhalt des preußi­schen Treiklassenwahlsystems nicht antaftet, son- dem sich auf die notwendigen Aenderungen rein äußerlicher Natur beschränkt, so wird die konser­vative Partei gegen sie kaum we'enlliche Be­denken haben, zumal sie sich innerhalb der Richt­linien halten, d e schon bei früheren Bespre­chungen des Gegenstandes konservative Redner im Auftrage ihrer Fraksion angegeben haben. Auch glauben nur, daß die ©taaieregierung gut tat, bieie gan-,e gesetzgeberifche Aktion nicht zu nahe an den Schluß der Leg'Stalurperiode zu legen. Aus bieiem Grunde muffen nur wünfchen, daß die Entwürfe noch in Dieter Tagung ver- abschiedrl werden und so der Beuiiruhiaung, die durch das Aufrollen Der Wahlrechlsfrage ver­ursacht wirk), lür absehbare Zeit Der '-boben ent­zogen wird." — GeraDe Der letzte Gesichtspunkt würde uns veranlassen. Die angebliche Wahl­reform zu verwerfen.

Wegen Vereinfachung des gesamten Personenfahrkartenwesens finden dem /Berliner Lotalarizerger" zufolge feil einiger Zeil im Bundes­rat Verhandlungen statt. Dis betreffenDe Blatt bezeichnet Diele Verhandlungen als „ aus sich is- reich'. Dasselbe bemerkt auch, um Dieje Ver­handlungen nicht gefährden zu taffen, hätten die Verbimdeten Regierungen Widerspruch erhoben gegen die von Der Steuer kommifsion des Reichs­tages beschlossenen Kilomelerzufchläge auf Die Fahrkarten. — Tie Richtigkeit dieser Behauptung will uns nicht einleuchien. Tie Kilomelerzu- schläge mürben ebei>fowenig wie Die von Der Regierung befürwortete Fixsteuer eine Verein­fachung des Fahrkarlenwefens verhindern.

* Vorbeugungsmasiregeln gegen ein aber­maliges Auftreten der Cholera sollen gelt offen werden. Da es im Zusammenhang mit der in letzter Zeit herrschenden Witterung im höchsten Grade wahrscheinlich ist, daß sich das Auftreten Der Cholera namentlich in den östlichen Pro­vinzen wiederholt. Der Cholera-Ausschuß des Reichsgeiundheitsamts wird daher demnächst zu- fammentrelen, um sich über Verhütungsmaßregeln zu verständigen.

er sich erkühnen, vor diesen Priesterkönig zu treten, er, der die heftigsten Angriffe gegen die katholische Kircbe geschlendert hatteI

Ganz niedergedrückt von der Größe seiner Schuld verließ er den Tom nrrd als er die ausge­tretenen Stufen hinabstieg, welche die Fußtritte von Millionen ansgehöblt hotten, da war es ihm, als trete er aus dem stillen Tempel des Friedens hinaus in das Reich der Lust, >vo die Freude ihr rosiges Zepter schwang.

Die Brust krampfte sich in ihm zusammen: Über diese Stufen herab war auch Maria Felice geschritten, tiefes Weh in der Brust. Vielleicht hatte sie gar für ihn gebetet, für ihn, den Sünder, den Abtrünnigen!

Er blieb stebeq und wandte sich um nach den ehernen Pforten. Es war ihm, als müßten sie sich öffnen, als niüßte Maria Felice heraustreten mit ihrem Goldhaar und ihren lieben, blauen Angen . . . als müßte sie ihm die Hand reichen und ihn zurücksühren zu den heiligen Altären der Wahrheit, in den stillen Tempel des Friedens.

Aber sie kam nickt — er war allein auf der Welt, einsam, verlassen . . .

Da legte sich ihm eine Hand auf die Schulter, und sich umwendend erkannte er den Priester, mit dem er in der letzten Nacht ein Zusammen­treffen an dieser Stelle verabredet hatte. Während er ihn freudig begrüßte, sah er den violetten Saum an seinem Gewände und wußte, daß er vor einem Prälaten stand. „Verzeihung, Monsignore, ich wußte nickt" —

„Lassen Sie doch", unterbrach ihn der Prälat, „bin ich denn feit gestern ein anderer geworden, weil ich ein besseres Kleid trage? Gewiß nicht! Sie kommeii aus San Pietro?"

„Ja", sagte Gabriel und pries in Heller Be­geisterung die Schönheit des Domes.

Der Prälat hörte ihm stillschweigend zu und lächelte. Er wußte, daß keiner, der St. Peter be­trat, sich dem überwältigenden Eindruck zu ent­ziehen vernwchte.

Parlamentarische Nachrichten.

Stimmungsbild aus dem Reichstage. „An den Allerdurchlauchtigsten aßergnäDigften Deutschen Reickstag" — lautet Die ADie^e Der Beschwerdeschrist, welche namens Der Akwa- Häuptlinge King Akwa von Bonambeha über Die „viehische BehanDlung" Durch Den Gouver­neur v. Puttkamer an Den Reichstag gerichtet und Die Diesen am Dienstag in ausgieb. r Weise beschäftigt hat. Die Beschwerdeschrist gipfelt in Der Forderung, Daß Herr von Putt­kamer und der ganze Assesiorismus" „fort« geräumt" werde. Daß Herr v. Puttkamer auf feinen Posten zurückkehren wird, halten wir für unwahrscheinlich, nicht wegen Der erwähnten Be- schwerDe, sondern weil Der Gang Der Reichs- tagsverhcmDlung in Sachen der Frau Eckcnd- stein ein solches Material gegen Herrn v. Putt­kamer beigebracht hat, daß selbst der vertretende Kolonialdirektor Erbprinz Hohenlohe nicht an Dem Geständnis vorbeikommen konnte, es spreche Der Schein stark gegen v. Puttkamer. Die Untersuchung, ob v. Puttkamer sich durch Die Paßausstellung einer Urkundenfälschung schuldig gemacht hat, ist noch nicht abgeschlossen, aber selbst wenn eine Urkundenfälschung nicht vorläge, so würde sich Herr v. Puttkamer allein schon dadurch unmöglich gemacht haben. Daß er den in Kamerun weckenden Offizieren zugemulet hat, mit Frau v. Eckardstein zu tafeln und er dieser- halb später Abbitte leisten mußte. Während Die Verhandlung ü er Die Beschwerde Der Akivaleute sich so in Ruhe vollzog. Daß zwei Abgeordnete in Dem Ecksovha des Sitzungssaales sich einem liefen Schlaf hingeben konnten, der an den jungen Schlüter in Roieggers „Wildlingen" er­innern konnte, nahm Die Verhandlung über Frau v. Eckardstein einen lebhafteren Charakter an. Durch Bebels durchdringende Stimme wurden die Schlüter in ter Ecke geweckt und Vizepküsi- dent Graf Stolberg sich der Situation bewußt. Er erhob sich sofort als Bebel sprach, um ihn besser verstehen und eventuell schneller unter­brechen zu können. Aber Bebel verstieß nicht wider die Ordnung des Hau'es. Graf Stolberg trank zur Beruhigung einen Schluck Wasser und setzte sich bald wieder. Doch lange war ihm die Ruhe nicht vergönnt. Denn Bebel wurd er­regt, nannte Frau v. Eckardstein eine Halbwelt­dame und verlangte, daß v. Pritt kam er wegen Urkundensülschung auf Die Anklagebank gebracht werde. Als Bebel geendet, nahm die Per Hand­lung wieder einen ruhigen Verlauf an und schließlich wurde Der Etat für Kamerun mit dem Bau Der Bahn von Duala nach Den Manen- gubabergen genehmigt.

* Die Steuerkommifsion d es Reichstag- Hat am Dienstag zunächst ohne Debatte ein­stimmig Die Ta bat st euer-Vorlage abge­lehnt. Bei Der Debatte über Die Zigaretten­steuer-Vorlage wurde von Seilen des Abgeord­neten Müller-Fulda eine Ersetzung Der Banderolensteuer durch eine Wertzuschlagssteuer angeregt. Aus Antrag Füger wurde betchloisen. Die Frage zunächst einer Subkommission zur Be­ratung zu überwessen D e Kommission ging Dann zur Beratung Der Novelle zum Retchs- stempelgeieh über und beriet zunächst den Fracht­urkundenstempel. Hier regte der Abg. Herold Die gleiche Besteuerung Der Schiffsladungen wie Der Eisenbahnwaaenladnngen an. Die Beratung wiid am Mittwoch fortgesetzt.

Plötzlich aber verstummte Gabriel. „Ich, der ich tausend vergiftete Pfeile gegen Rom geschleu­dert und den Ruf „LoS von Rom!" zum Feldge­schrei aller Feinde der Kircke gemacht habe, ich", dachte er, „finge nun ein Loblied auf St. Peter!"

„Verzeihen Sie", wandte er sich an seinen Be­gleiter, ich muß Ihnen ein Geständnis machen, ehe ich weiter gehe. Vielleicht werden Sie, wenn dies geschehen ist, Ihren Weg allein fortsetzen — und mich verachten."

„Mein Herr, sagte der Prälat ernst, „Sie haben mich gestern beschützt, ohne zu fragen, wer ich sei. Ich bin Ihnen Tank schuldig und ich werde an Ihrer Seite bleiben, was Sie mir auch zu sagen haben. Uebrigens wollen wir ja zu den Armen gehen, das ist neutraler, ich möchte sagen — heiliger Boden! Den dürften wir selbst dann miteinanber betreten, trenn wir Feinde wären, was ich aber nicht glaube."

„Wer weiß", tagte Gabriel. „Ich möchte Sie vor allem nicht über meine Person täuschen. Viel­leicht bin ick schlimmer, als Sie ahnen.

„Wirklich?" sprach der Prälat mit einem Lächeln ,das seine ernsten Züge wie mit Sonnen­schein durchleuchtete. „So jung — und schon so schlimin? Tas hätte ich freilich nicht gedacht."

„Es ist doch so", jagte Gabriel. „Ich habe nämlich ein Buch geschrieben, ein abscheuliches Buch — wissen Sie: ich habe den „Luzifer" ge­schrieben."

„Ah", machte der Prälat und sah Gabriel er­staunt an. „Eigentlich habe ich Sie mir viel — viel älter vorgestellt."

„Was — was sagen Sie?" rief Gabriel und blieb stehen.

„titel älter habe ich Sie mir vorgestellt", sagte der Prälat und zog ihn mit sanfter Gewalt fort. „Es stehen mitunter so große Gedanken in Ihrem Buche, daß man einen gereiften Mann als Ver­fasser vermutet."

^Fortsetzung folgt.)