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Sotatian»druck u. Verlag der Fuldaer Ar» tiendruüerei in Hulda Zemfprecher Nr. 9.

M 63.

Fulda, Samstag, den 17. März 1906.

33. Jahrgang.

Krstes Mlalt.

*. Rcidjstagsöiäten.

Elite Auslassung der „Köln. Ztg." über die Frage der Reichstagsdiäten hat von neuem die Frage aufgeworfen, wanndie angekündigte Vor­lage betr. die Diäten an den Reichstag gelangen bcztv. wann die Gewährung von Diäten in Kraft gesetzt werden soll. Die „Köln. Zig." hat erklärt, daß zwar noch nicht über alle Einzelheiten der Vorlage eine Einigung erzielt fei, daß aber die Vorlage sicher noch im Laufe dieser Ses­sion an den Reichstag gelangen werde u. daß ihr eine rückwirkendeKraftfürdieganze laufende Session beigelegt werden solle.

Die letzte Bemerkung bringt neuerdings eine Unklarheit in die Angelegenheit. Bekannt ist, daß die Hauptfrage, welche noch zur Entscheidung steht, dahin geht, in welcher Form die Diäten ge­währt werden sollen, ob sogenannte Anwesenheits- gclder gezahlt werden sollen oder ob eine Pauschal­summe ausgeworfen werden soll. Vielfach wird angenommen, daß die zweckmäßigste Art die Gewährung von Anwesenheitsgeldcrn sein würde, da nur diese dem Hauptzweck der ganzen Maß­nahme, der Förderung des Besuches des Reichs­tages, entsprechen würde. Wählt man aber die Form der Anwesenheitsgelder, so ist nicht ersichtlich, wie man damit die rückwirkende Kraft der Vor­lage für die ganze laufende Session vereinigen will. Es würde zweifellos Anstoß erregen, wenn nachträglich Erhebungen darüber angestellt würden, an welchen Sitzungen der einzelne Ab­geordnete teilgenommen und bei welchen er ge­fehlt hat. Eine rückwirkende Kraft der Vorlage würde nur dann tunlich sein, wenn man die Form der Pauschsumme wählt.

Unseres Erachtens wäre es Wohl geboten, daß die Reichsregierung recht bald bekannt gäbe, in welcher Form sie die Erfüllung des Wun­sches der Volksvertretung betr. Diäten zuwege bringen will. Von dieser Form hängt schließlich die Art und Weise ab, wie der Reichstag eine Kontrolle über die Verwendung der bereit- gestellten Gelder bewerkstelligen will. Es ist das Sache des Reichstags. Ohne eine solche Kontrolle wird man süglich nicht auskommen, wenn die Ge­währung von Diäten bezw. Anwesenheitsgelder» nicht ein Schlag ins Wasser sein soll.

Was bisher an Vorschlägen für die Kontrolle laut geworden ist, kitt stark an einer gewissen Umständlichkeit. So namentlich der von der „Deutschen Tageszeitung" vertretene Vorschlag, daß am Schlüsse jeder Sitzung, in der die Tages­ordnung nicht erledigt wird, eine namentliche Ab­stimmung darüber stattfinden soll, ob Vertagung eintreten soll oder nicht. Diese Maßregel würde nur eine halbe Kontrolle ermöglichen. Wir mei­nen, man treibt die Scheu vor der „Würde" des Abgeordnetenhauses z u weit, wenn man schon eine regelmäßige Feststellung der Tatsache, ob er an der Sitzung teilnimmt oder nicht, als eine Verletzung dieser Würde betrachtet.

Wenn man den Zweck will, muß man auch das Mittel wollen, und das einfachste und zweckdien­lichste Mitte! ist die Vornahme des Namen s- uufrufs zu Beginn jeder Sitzung. Wer bei diesem Namensaufruf fehlt, hat sein späteres Er­scheinen dem Bureau anzuzeigen. Geschieht das nicht, so hat der Betreffende — falls er sein Feh­len nicht vorher entschuldigt hat — als nicht an­wesend zu gelten. Diese regelmäßige Fest­stellung der Präsenzliste hat ebensowenig Ver­letzendes an sich, wie ein anderer Namensaufruf. Die Veröffentlichung der Präsenzliste aber gibt gleichzeitig den Wählern Gelegenheit, sich über die Ausübung des von ihnen verliehenen Mandats

Auferstehung.

Roman von Felix Nabor.

20] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus bepi zweiten Blatt.)

„Aber wozu denn?" fragte die Prinzipesfa flachend. „Willst Du vielleicht in dieser Oede Schafe weiden, wie Moses in der Wüste?"

„Wenn eine schöne Jethrostochter zu erringen Iväce — warum nicht I" lachte er faunisch.

"O, Ihr Männer!" drohte seine Schwester. -'Doch, im Ernst, Silvio, wozu das Gewand?" , „Zum nächsten Karneval! Ein echter Hirte jber Campagna — das wird in Rom Furore ! machen. Ist der Gedanke nicht großartig?" ■ Seine Schwester lachte spöttisch, und selbst um den Mund des wetterharten Hirten zuckte es wie verhaltenes Lachen.

„Den Stab müßtest Du zur Hälfte abbrechen: mnier dem Hut sähest Du aus tote ein Zwerg" — „Diavolo — das tut nichts!" rief der Kleine wütend und streckte dem Hirten das Goldstück hin. „Also Alter, willst Du?"

Dieser schüttelte das Haupt. „Zum Narren- sspiel ist mein Kleid zu gut," sagte er und blickte iüber den Marchese hinweg zu den sanftgeschwunge­nen Hängen der Albanerberge, die in duftigem Blau zn ihm herniedergrüßten.

Der Kleine stieß einen Fluch aus, schob sein Geldstück in die Tasche und lief, von dem wüten­den Gebelle des Hundes verfolgt, mit seinen klei­nen trippelnden 'Schritten davon, wie ein richtiger Bawzzo.

„Sind mir nicht alle mehr oder weniger Nar­ren?" dachte ich bei der Antwort des patriarcha­lischen Naturmenschen.

„Spielen wir nicht ein bischen Komödie in Zm'erem Leben?"

durch den Abgeordneten zu orientieren. Und dazu haben doch die Wähler ein gewisses Recht.

Die Regelung dieser Frage mag ja einer spä­teren Beratung überlassen bleiben, aber wir halten es doch für angezeigt, der Einnistung einer An­schauung zeitig entgegenzutreten, welche lediglich die Würde des Abgeordnetenhauses berücksichtigt, dagegen die Rechte und die Interessen der Wählerschaft gänzlich aus dem Auge läßt.

Deutscher Reich.

Berlin, den 16. März 1906

Zur Marokkofrage macht jetzt auch der ,Reichsanzeiger' eine Bemerkung, wohl die erste, die in einem amtlichen Organ darüber zu finden ist. Das Blatt teilt den neuen Vorschlag Frank­reichs zur Polizeifrage mit und bemerkt dazu: „Das Inspektorat, das von den französischen Delegierten vorgestern im Prinzip anerkannt und eingehend diskutiert worden war, wird in dem Entwurf nicht erwähnt." Die Kritik, die in dieser Aeußerung enthalten ist, ist allerdings vielsageno.

* Der Rücktritt, des Herrn v. LucanuS, des Chefs des Ztoilkabinets wird, von der,Zu- kunftz angekündigt. Zu seinem Nachfolger soll Herr v. Windheim ausersehen sei. Ob diesmal mehr an der Nachricht, wie bei früheren Mel­dungen, steht dahin. Sollte der Rücktritt jetzt er­folgen, so könnte man auf die Vermutung kom­men, daß die jüngste Stellungnahme des Abge­ordnetenhauses gegen die Gehaltszulage für Herrn v. Lueanus eine Rolle dabei spielt.

... Der Bundesrat überwies am Donners­tag den Gesetzentwurf betr. die Abänderung des Gesetzes über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau sonne den Entwurf betr. die Abänderung des Gesetzes über die Ausgabe von Reichstossen- scheinen den zuständigen Ausschüssen. Die Aus- schußanträge betr. den Veredelungsverkehr mit Gerbstoffen und betr. die Einrichtung einer Unterfuchunqsstelle für das in das Zollinland eingehende Fletsch bei dem Hauptzollamte Profilen wurde angenommen.

*** Erhebliche Personalveränderungen in den höchsten Kommandostellen der Flotte kündigen die .Berliner Neuesten Nachrichten' an. Dieselben sollen aber erst am Ende des Uebungs- jahres eintr-ten. Dem genannten Blatte zufolge werden sich die Personalveräitderungen auf dte Land- und Bocdstellen ziemlich gleichmäßig ver­teilen, während sie die Leitung des Kreuzerge­schwaders in Ostosien noch nicht berühren dürften. Bisher waren in diesem Jahr nur die Beförderung des Direktors des Konstruktionsdepartements v. Eirksiedt zmn Vizeadmiral, die Verabschiedungen der beiden Kontreadmirale Scheder und Gülich und die Beförderung des Martneatlachvs C erper in London zum Kontreadmiral zu verzeichnen Der jetzt rangälteste Kontreadmiral Wodrig, der seit vielen Jahren die Wilhelmshavener Werft leitet, hat in diesem Dienstgrade ein Patent vom gleichen Tage wie der bereits zum Vizeadmiral beförderte Departementsdirektor v. Etckstedt. Es ist daraus ersichtlich, daß Kontreadmiral Wodrig in der allernächsten Zeil zum Vizeadmiral auf­rücken muß, wie auch die rangältesten Kapitäne zur See noch in den Frühjahrsmonaten zu Kontre- admiralen befördert werden müssen, da für sie durch den neuen Etat mehrere Stellen frei werden, zumal sie schon feit langem mit Dienstfunktionen

Aber wie komme ich zu diesem Gedanken in der stimmungsvollen Campagna?

So kommt es, wenn man mit Narren geht! Sie verderben »ns den reinsten Genuß. Die Na­tur allein redet die Wahrheit.

Im lieblichen Tale der Egeria!

llappiger Wiesengrund, über welchen der Fuß tveich, wie über einen Teppich,, gleitet. In sanf­ten Linien senken sich die Hügel zur Niederung, durch welche der Almo lieblich dahineilt. Drüben am Abhang der Eichenhain, der Schatten und Kühlung gewährt: der Kleine verschwindet nach Faunart im Dunkel des Waldes und macht wohl dort seine Bockssprünge.

Wir sind allein — ich und Egeria l

Wir sehen uns in die Augen und lächeln wie Menschen, welche aus der Welt geschieden sind — König Numa und Egeria I

Vor unseren Augen ersteht der heilige Hain, tote er war, als König Numa seine geliebte Nym­phe auf suchte, um von ihr Rat und Liebe zu em­pfangen : hohe Waldriefen mit rauschendem Blat­termeer, durch welches fein Sonnenstrahl drang. Wundersame Blüten sproßten am Wege, Narzissen, Veilchen, Krokus, Anemonen und Asphodillen — ein Meer von Blumen und Blüten, die berauschen­den Wohlgeruch ausströmten.

Dem grauen Gestein entfloß ein einsamer Duell, dessen leises Rauschen einem stillen Träneu- strome glich: dieser Quell war die treue Nymphe Egeria, die hier, im Heiligtum der Diana, ewig um den toten, geliebten König weinte.

Lautlos schritten wir dahin. Egerias Augen leuchteten wie zwei Flammen, daß ich fast nicht hineinzublicken wagte. Was ist das nur, mir wird so bange, so weh im Herzen! —

Mir ist, als vernehme ich aus der Grotte eine leise, klagende Stimme: „Quo vadis? — wohin gehst Du?"

Soll das ein Warimngsruf sein?---

von Flaggoffizieren betraut find. Unter diesen befinden sich zwei Direktoren im Reichsmarine- amt, bei der Schlachtflotte zwei Kommodore, ein Oberwerftdirektor, ein Garnisonskommandant und em Stabsoffizier, der seit langem bereits eine Inspektion leitet.

* Die Senioren des Reichstages. Das älteste Mitglied des Reichstage- ist v Winter- feld-Menkin (k), der am 23. d. Mts. sein 83. Lebensjahr vollendet. In folgen mit 79 Jahren Rintelen (Z.), Graf Hompesch (Z.s, mit 78 Jahren Fürst zu Inn» und Knyphauien (Hospitant der Konservativen), v. Kardorff (Rp.), mit 76 Jahren Szmula (ZI, mit 75 Jahren Träger (frs. Vp.), v. Strom deck (Z), Lender (Z ), v. Dallwitz (L), Breuer (Z.), mit 74 Jahren Boltz (ntL), Hartmann (Z), mit 71 Jahren Graf Ballestrem (Z), v. Slaudy (L), Fürst Radziwill (Pole), mit 70 Jahren o. Czarlinski (Pole», Stöcker (christlichsoz.), mit 69 Jahren v. Tiedemann (Rp.), Depkm (nL), mit 68 Jahren Bahn (nL), v. Rau ter (£.), Henning (k.) v. Jazd- zewski (Pole), mit 67 Jahren Walzer (nL), Schmidt-Elberfeld (frs. Vp.) Dann folgte Eugen Richter.

* Ein Preisausschreiben für Erfindungen und Verbesserungen im Eisenbahn­wesen erläßt der Verein deutscher Eilenbahn­verwaltungen mit Frist bis zum 15. Juli 1907. Es sind insgesamt 30000 Mark für Preise aus­gesetzt. Davon entfallen 3 Preite von 7500, 3000 und 1500 Mark für Erfindungen und Verbesserungen betr. die baulichen und mecha­nischen Einrichtungen der Eisenbahnen einschl. deren Unterhaltung; drei Preise in gleicher Höhe kommen auf Erfindungen und Verbesserungen betr. Bau und Unterhaltung der Betriebsmittel; zwei Preise von 3'00 bezw. 1500 Mk. für den Betrieb und bie Statistik der Eisenbahnen bezw. für hervorragende schriftstellerische Arbeiten über Eisenbahnwesen. Bedingung für die Zulassung zu der Bewerbung ist u. a., daß nur solche Er­findungen, Verbesserungen und schriftstellerische Arbeiten in betracht kommen, welche in die Zeil vom 16. Juli 1901 bis 15. Juli 1907 fallen, ferner muß jede Eifini-ung und Verbesserung auf einer zum Verein Deutscher Eisenbahn-Ver­waltungen gehörigen Eisenbahn bereits vor der Anmeldung zum Wettbewerb ausgetührt und der Antrag auf Preiserteilung von der betr. Ver­waltung unterstützt werden. — Tas noch un­genannte Preisgericht wird vom Verem Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen eingesetzt.

** Den an der Niederwerfung des Auf­standes in Südwestafrika beteiligten Deutschen wird gemäß einer vom ,Neichsanzeiqer' veiöffent- lichtei, Kabinelsoidre das Jahr 1906 alsKriegS- jahr ungerechnet, sofern die Beteiligung minde­stens einen Monat betrugen hat oder die Teil­nahme an einem Getechl vorliegt.

** Stimmungsbild aus dem Abgeordneten­hause. Das Abgeordnetenhaus hatte am Freitag nach sechsstündiger Sitzung, das heißt also um 4 Uhr nachmittags, in seiner Mehrheit große Lust nach Hause zu gehen und bekundete dieses Verlangen durch laute Rufe „Vertagen!" Der Präsident stellte aber für diesen Fall das Schreckgespenst einer Abendsitzung m Aussicht, so daß die Abgeordneten nolens volena noch die 7. Stunde ausharrten, die gänzlich mit einer Polendebatte ausgesüllt wurde. Der Justiz- m in i ft er gab in Erwiderung auf die verschie­denen Klagen die bezeichnende Antwort, daß ihn

Ich blicke scheu auf Egeria, wie auf ein Ver­hängnis. Feuerströme flößen aus ihren Augen und der berauschende Duft ihres Haares berührt mich wie eine heimliche Flammenwelle, die mir das Gehirn verzehrte. Und wieder ertönte die Stimme: „Quo vadis??"--

Sie schien es zu bemerken, daß ich vor ihr zurückwich tote vor einer drohenden Gefahr. Ta lächelte sie schmerzlich, das Feuer ihrer Blicke er­losch und ihre Augen glänzten feucht wie das Wasser des heiligen Quells.

„Egeria", stammelte ich, „wozu sind wir denn hier? Ich will diese Welt betrachten und ihre Schönheit trinken."

„O, Ihr harten, kalten Deutschen", rief sie wie im Zorn. „Ihr kennt nur den kalten Verstand, aber Ihr habt kein Herz! Ihr wißt ja nicht zu — lieben, wie wir!"

Ich senkte das Haupt, aber dies Wort gab mir die Besinnung zurück, ein heller Stern stieg vor mir auf — der Stern der Liebe! Maria Felices Bild steht vor mir, sie ist rein und keusch wie ein Engel: und ich— ich bin gerettet!

Ich blicke auf Egeria und in meinen Augen muß der Siegesglanz zu lefett fein, denn sie zuckt zusammen, sie scheint zu erschrecken. Aber nur einen Augenblick, dann richtet sie sich stolz empor — sie ist in der Tat ein herrliches Weibl Ihr Mund leuchtet wie Korallen, ihre Wangen glühen wie dunkle Rosen und die Augen sind groß und glänzen wie Sterne. Aber mich berücken sie nicht, ich bin gefeit! In Rom sagen sie, es liege ein Him­mel in ihren Augen. Mir aber ist, als wäre es kein Himmel, sondern — eine Hölle!

Und nun neigt sie das Haupt gegen meine Schulter, ihre Haare brennen gleich züngelnden Flämmchen aus meinen Wangen — dann weint sie und ich wage nicht zu fragen, warum.

Ich reichte ihr die Hand und sagte: „Egeria, wir wollen Freunde bleiben!"

„Nur Freunde? — Und das Herz?"

„Das Herz? — Man muß es bezwingen! Ich

die im Reichstage vorgetragenen Fälle von seiner Beeinflussung der Justiz durch politische Er­wägungen, weil unbegründet, vollständig kühl ließen; die preußische Justiz stehe nach nie vor auf der Höhe. Sehr sympathisch war die Art und Weise, in der der Abg. Brust feiner Kame­raden gedachte, die zur Rettimgsarbeit nach Cournäres geeilt waren. Am Anrang der Sitzung wärmten die Freisinnii en dteFleifchnotirage wieder auf, die auf der Rechten und beim Land- wirtschastsminister das bekannte Echo weckte. Morgen soll der Etat auf alle Fälle zu Ende gebracht werden.

* Die Budgetkommission des Reichstags setzte am Freitag die Beratung des Milttäietats fort. Zunächst wurde noch einmal auf die gestern ausgesetzte Position: „Errichtung einer Offizier-Reitschule in Paderborn" zuruckgearissen. Dte Mehrbeit der Kommission rprach sich dahin auS, diese Reitschule zu bewilligen, die Einrich­tung weiterer Offizier-Reitschulen für die nächsten Jahre aber nicht zu bewilligen, sondern erst ab­zuwarten, wie sich d'e Paderborner Schule be­währen wird. Es wurden hierauf die Kosten für Instandsetzung, Einrichtung und Ausstattung der alten Husarenta'erne in Paderborn zur vorübergehenden Aufnahme der Offiz er-Reittchule <70000 Mk.) und die laufenden Kosten (32632 Mk.) bewilligt. Die Abgeordneten (Siern, Roeren, Freiherr v. Thüneseld, v. Riepenhausen, v. Slaudy stellten den Antrag: „Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, unter Zurückstellung der Forderung für drei weitere in Aussicht genommene Reit­schulen auf wenigstens drei Jahre mit Ablauf bieier Frist dem Reichstage über die bei der Reitschule in Paderborn gemachten Erfahrungen Mitteilung zu machen." Weiterhin wurden ver­schiedene Kapitel des Etats erledigt. Der Rest gelangt am Dienstag zur Beratung.

Tie Steuerkommission des Reichstags erledigte heute Die zweite Beratung der Brau­steuer. Ter Kompromißantraq betr. Staffelung der Brausteuer wurde angenommen. Bei § 5a gab Freiherr o. Stengel die Erklärung xu Pro­tokoll, daß eine Nachprüfung der bestehenden Uebergangsabgabe und Rückvergütungsiäye in Aussicht genommen sei und daß insbesondere beim Uebergang von Bier von einem Steuer­gebiete in das andere weder bei bet Auslubr ein höherer Steuerbetrug als der wnkl'ch darauf ruhende erstattet, noch bei der Einfuhr em höherer als der nach dem Gesetze sich ergebende Betrag der inneren Steuer erhoben werbt, und, falls hierbei Mängel hei vortreten, deren Be­seitigung auf dem in der Reichsverfassung vor- gezerchneien Wege erfolgen werde. Infolgedessen wurde § 5 a, der in erster Lesung etngefühtt war, gestrichen. Sonst wurde noch eine Aenderung vorgeriommen in § 7 Abs. 3, welcher auf Antrag Rettich jetzt lautet: Ein Erlaß oder eine Erstattung der Brau steuer kann ferner ge­währt werden, wenn die Vernichtung eines ganzen Gebräues unter Aussicht der Steuer­behörde ertolflt. Einem hierauf gerichteten An­trag des Brauhautes muß entsprochen werden.

** Zur Tabaksteuer erfahren rott, daß die­selbe nicht die geringste Aussicht auf Annahme hat. Die 2. Lesung der Kommttsion dürste wohl als Resultat zeitigen, daß bie ganze Vorlage mit sehr großer Majorität abgelehnt wirb.

kann Ihnen nicht mehr bieten, als Freundschaft, ich kann nicht" —

Da zuckt sie zusammen und richtete sich jäh em­por und ein Blick aus ihren Augen traf mich, so kalt und drohend, als habe ihn der Haß geschmiedet. Habe ich sie mit meiner kühlen Antwort ins Herz getroffen?

Mein Gott, ich kann ihr ja nichts fein und will ihr nichts fein. In meiner Seele schreit es unab­lässig: „Maria Felice! Maria Felice!"

So treten wir zur Grotte, vom Schauer eines ewigen Mysteriums umweht. Es ist kühl und so still wie in einem Tempel. Violettes Dämmerlicht füllt den Raum bis zur Wölbung. Zarter Venus- farn sproßt aus dem feuchten Gemäuer, eine köst­liche Heimlichkeit liegt über dem weltfernen Ort Nur das leise Rieseln und Tröpfeln des herab­fallenden Wassers ist vernehmbar, das mit klagen­dem Laut auf das Gestein schlägt: die Tränen Egerias, die aus den Augen der weinenden Nym­phe zur Erde fallen! —

Die Principessa trat ganz nahe zu mir heran, ich fühlte ihren heißen Atem übet meine Wangen streichen. „Gabriel", flüsterte sie, „ich muß eS sagen, weil mir sonst das Herz zerspringt . . . ich will nicht Freundschaft — ich will Liebe, Liebe" ....

Ihre Arme strecken sich nach mir aus, aber ich weiche zurück. Sie erscheint mir wie eine Sirene, die mich in den Abgrund ziehen will. Ihr Lächeln lockt mich nicht, ich bin gefeit. „Maria Felice! Maria Felice!"

Ein gellender Schrei — und Egerias Hände krallten sich in meinen Hals. „Du liebst eine andere!" zischte sie und ihre Augen funkelten tote die eines Tigers. „Gabriel, ist sie schöner als ich?"

„Sie ist eine Heilige!" rief ich, riß mich lo» und stürzte aus der Grotte. Und hinter mit drein tönte ein Lachen, so schauerlich und höhnend, als hätten es hundert böse Geister, die in der Grotte wohnten, ausgestoßen.

Und ich eilte und eilte — ich war gerettet (F> IV,