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M 61.

Fulda, Donnerstag, den 15. März 1906. 33. Jahrsianl.

Zweites Mt'crtt.

Das heilige haus von Loreto.

Auf eine Anfrage, welche lautet:

Welches sind die neuen Forschungen, die nach dem Artikel „Loreto" im neuen Herder'schen Kouversaiions-Lexikon über das he.lige Haus ein anderes Resultat' ergeben haben sollen, als man in der zweiten Auflage des Kirchenlexikons sindel? gibt „Pastor bonus“, Zeitschrift für kirchliche Wissenschaft und Praxis, herausgegeben von Domkapitular und Professor Dr. Einig in Trier, in Heft 5 des laufenden Jahrgangs folgende Antwort:

Der erste, der unseres Wissens in Deutschland von katholischer Seite Zweifel an ter Echtheit des heiliaen Hauies zu Loreto anregte, war P. Grii'ar, aus dem Kongreß katholischer Gelehrten zu München im Jahre 1901. Seither sind mehrere Arbeiten über den Gegenstand erschienen; u. a. b'e Artikel von L. de Feis in der „Rassognannz.“ (1. gen na jo 1905) und von A. Boudinhon in der „Revue duClergefrangais“ 15. September 1905).

Die gegen die Echtheit des heiligen Hauses von Loreto in jenen Artikeln gellend gemachten Gründe lassen sich nachher,Apologet.Korrespon­denz 91t. 30, 1905, folgendermaßen zusammen­fassen.

Die Legende lautet:

In dec Nacht vom 9. auf den 10. Mai 129t soll das heilige Haus von Nazareth von Engeln übertragen worden sein nach Tersatz (ital. Tersatto) in Dalmatien, in der Nähe von Fiume. Hier sahen die Einwohner von Tersatz am Morgen des 10. Mai das Heiligtum in wunderbarem Glanze erstrahlen. Der Bischof Alexander von Tersatz, der seit langem krank darniederlag, empfiehlt sich der Fürbitte der Mutter Gottes. Diese erscheint ihm und enthüllt ihm das Geheimnis des neuen Heiligtums. Von Tersatz schickt man eine Prüfungskommission aus vier Personen nach Nazareth, welche dort nur die Fundamente fanden. Die dort vorgenommenen Meflnngen stimmen mit dem neuen Heiligtum über­ein Bei dieser einmaligen Ilebertragnng hat es nun keineswegs sein Bewenden. Drei Jahre nachher, am 10. Dezember 1294, wandert das heilige Hans über das adriatische Meer, um in der Nähe von Reca- nati sich niederzulassen. Wieder ackt Monate später wird das Hans, weil räuberi ches Gesindel die Wall­fahrten stört, auf den Gip el eines nahen Hügels getragen. Ta ober die Besitzer des Grundstückes, zwei Brüder ans Recanati, ans Habgier noch den Optergaben sich entzweiten, wanderte das Haus nochmals zweihundert Schritte iveiter, auf seinen heutigen Platz. Diese letzte Uebertragung soll statt- p,ehrtet haben am 7. September 1295. Jetzt folgt wieder dir Entsendung einer Prüfungskommission nach Ter'atz und Nazareth mit demselben Befund.

I. Die ständigen Wiederholungen legen den Verdacht nahe, daß man es hier mit einer Le­gende zu tun hat. Der Verdacht wird bestätigt durch die Pr isung der Berichte. Vorn höchsten Jnll'.esfe wären se bstredend die Berichte uon Zeitgenossen oder einer dem wunderbaren Er­eignis nahen Zeit, Nichts von alledem! Sowohl noch für den Rest des 13. wie während des ganzen 14. und 15. Jahrhunderts schweigen die Quellen völlig. Wir befinden uns im Zei'alier Bonifaz VIIj., wo die Beziehungen der Völker Europas sehr lebhafte waren. Man halle dagegen die Schnelligkeit, mit welcher sich die Kunde von dcnr Judiläiimsablaß 1300 durch ganz Europa verbreitete, obwohl die Jubiläumsbulls erst vom 22. Februar 13' 0 datiert. ZahllosePllgei scharen durchziehen Italien und besuchen heften Heilig­tümer. Von Loretos heiligem Hanfe aus Nazareth, das kurz vorher auf italienischem Boden erschienen sein sollte, ist nirgends d,e Rede! lEin absolut zwingender Beweis gegen den strittigen geschicht- lidien Inhalt der „Legende" läßt sich daraus u. E. nicht herleiteii, ebensowenig als aus dem folgenden unter Ziff. 2).

2. Von der Uebertragung des heiligen Hanfes als einem wirklichen Ereignis ist erst die Rede in der Schrift des Stadtsekretärs von Recanati, Hieran. Angelita. Dessen Buch Vir t’inis Lauretanie Histo in erschien aber erft 15'25 und ist dem Pauste Klemens Vp. gewidmet. Aus ihm haben alle späteren Werke über Loretos Heiligtum ohne Ausnahme geschrp i.

Welche Quellen nennt Angelita? Wer über ein über zweihundert Jahre zurüüliegendes Er­eignis schreibt, muß zuverlässige Quellen nennen. Aber Angelita nennt nicht eine einzige. Einmal spricht er von „Annalen von Fiume", und Horatius Tursellini, ein Jesuit, dessen 1597 erschienene Lauretanaa Hi-tori.ee lil ri qun que den Spuren von Angelita folgen, zitiert sie eben­falls, aber mit Berufung auf seinen Gewährs­mann. Aber kein Mensel, hat jemals diese An­nalen oder diese Chronik von Fiume gesehen oder sonst zitiert.

Ist nun Angelita der Fälscher oder Erfinder der Geschichte, d. h. hat er die Legende frei er­funden? Wer das behaupten wollte, würde sich in Widerspruch mit andern Quellen setzen. Die Legende läßt sich nachweisen bereits in den Er­lassen von Päpsten, welche vor 1525 die Wall­fahrtskirche von L reto mit Ablässen ausaestaOet haben. Es seien mir Julius H. und Leo X. genannt. Beide drücken sich aber mit großer Reserve aus; so sagt Julins LI. 1507: „üt pie

creditur et fama est“, wie man in frommer Weise glaubt und erzählt", und Leo X.: „de ote et pie creditur“. Die Engelübertragung ist also bekannt, fromme greife erzählen sich diese, — aber als geschichtliches Ereignis gibt sie niemand aus. Hier nun setzt die Wirkung des Buches von Angelita ein, der sich auf Mitteilung seines Großvaters beruft, der von feinem Urgroßvater als einem Augen,engen die Sache haben will.

3. Da ist lerner die Tatsache, daß in Loreto ein Marienheiligtum existiert, lange vor der an­geblichen Uebertragung. Unter dem 4. Januar 1194, also em Jahrhundert früher, wird den Mönchen von Avellana die Schenkung einer Kirche, „quae cet in fundo Lau'eii“ (welche auf dem Gebiete von Loreto steht), gemacht. Andere Dokumente aus dem 13. Jahrhundert, um 1260 herum, erwähnen ebenfalls die Existenz einer Kapelle.

Die Päpste, welche, wie Urban IT., Boni­faz IX., Eugen IV., Paul II. und Sixtus IV., Ablässe für die Wallfahrt nach Loreto gewähren, erwähnen zwar die Pilgerscharen aber ohne die geringste. Anspielung auf die wunderbare lieber« tragung. Kemer von all diesen Päpsten sieht in der Kapelle von Loreto das heilige Haus von Nazareth, sondern eben einen Marienwalstahitsort.

4. Blieben aber immer noch die Zeugnisse der angeblich nach Nazareth entsandten Prüfungs­kommissionen! Indes die Berichte von Pilgern, welche das heilige Land und Nazarech vor 1291 besucht haben, kennen das heilige Haus in Nazareth ebensogut, wie jene Pilger, welche nach 1291 dorthin kamen. Die Bewohner von Naza­reth wissen gar nichts davon, daß eine Kapelle aus ihrer Mitte verschwunden sein soll, und die Pilger des 13. und 14. Jahrhunderts beobachten ebenfalls keine Aendernng und enthalten sich jeder An pielung auf Loreto, sind vielmehr der Neber - zeugnng, das echte Haus in Nazareth besucht zu haben.

Geradezu klassisch ist der Bericht eines Robert von Sanfeverino, der im Jahre 1458 Nazareth besuchte und die Kirche in Trümmern sand. Die Uebertragung des heiligen Hauses nach Loreto kennt er nicht, wohl aber das Marienheiligtum daselbst; denn er schisst sich nach Ancona ein. Bei einem Sturme auf dem Meere wird er ge­rettet „durch die Gnade Unserer Lieben Frau von Loreto", der er und die anderen Schisssinsassen sich verlobt hatten. Da nun wäre doch Gelegen­heit gewesen, ans die wunderbare Uebertragung zu sprechen zu kommen, Nichts von alledem!

5. Aber woh r stammt die Legende? Ter ebengenannte de Feis tritt jener Ansicht bei, wo­nach die Legende zurückgeht auf eine Nachbildung der Kapelle in Nazareth. Die Frage, ob der Erbauer oder Stifter der Kapelle den Familien- Namen „de Angelis" getragen habe, und daher die Engel-Legende ihren Utfprung habe, über­gehen wir hier. Es werden ja bald mehrere Schriften über die Loretosrage erscheinen sowohl in Deutschland wie in Frankreich. (U . Chevalier)

Selbstredend ist eS eine Unbilligkeit, wellte man das Brevier mit feinem Feste Cer lieber« tragung des heiligen Hauses gegen die Kirche ausspielen Gnsar sagte aui dem Kongresse katho­lischer Gelehrten m München:

„Auch das Brevier macht den Aengülichen Sorge, da sich in feinen Lektionen manche Nebeu- umftänbe des Lebens der Heiligen fiiiöeu, welche vor dem geschicht icheu Urteil nicht Handballen. 9ther es ist eben verkehrt, wenn ein Geistlicher fern histori­sches Wissen aus dem Bremer schönst und mit ihm limitiert. Die Kirche gibt ihrenPrieüe n dasBcevier als ein Andachtsduch von höchster Schönheit in die Haiid, nicht als historischen Kanon. Sie selbst hat da ür den denen Beweis erbracht, inbem sie bei der ehten großen Revision des-eiben vor 300 Jahren eine Reihe von historisch unhaltbaren Tin en tat­sächlich daraus entfernt hat Eine neue Durchsicht in dieser Richtung wird ohne Frage zu neuen Aus­scheidungen gelangen." <Akten S. 139.)

A Bolidinhon schließt seine Studie wie folgt: „Ni i’iiutoiifc de i’Eeüse. ni la piete bien cornprise ne peuve 't avoir a sonfir r de celte conelusion: la prämiere, parec qu’elle n’est pis engagee dans les questions historiquos de ce gerne et n’a an un interec ii f >voriser les legendes; la seconde, p-iree qu’elle doit avoir pour reale la verite. Sans etre la maison de la Sainte \ ie ge, Loreite domeurera ce qu’elle erait, uu sauctuaire privilegio de Marie.“

* ♦

(Schluß folgt.)

Die Wetterführung in öenVergNerteu.

Angesichts des schrecklichen Grubenunglückes in Courridres, dem mehr als 1200 Bergleute Zum Opfer gefallen sind und welches durch Ervlojion schlagender Wetter verursacht wurde, dürste die felgende Abhandlung aus fachuiännischer Feder über die Wetterführung in den deutschen Berg­werken nicht ohne Interesse sein:

Unter „Wetter" versteht der Bergmann die frische Luft, welche den unterirdischen Gruben- räumen zugeführt werden muß, damit m denselben die Arbeit bei möglichst den Lebensfnnktiouen zu­träglicher Atmosphäre ausgesührt werden kann.

Abgesehen von den kleinen, auch sehr wechseln­den Beimischungen von Kohlensäuren, Ammoniak und Wasserdunst, besteht die Luft aus 23 Eewichts- teilen Sauerstoff und 77 Gewichtsteilen Stickstoff,

gleichviel wo man sie in der offenen Atmosphäre schöpft. Dieses Verhältnis zwischen Sauer- und Stlckstosf ist für ein normales, gesundes Leben nötig. Ter Mensch und das Säugetier können zwar in einer Atmosphäre mit etwas niedrigerem Sauerstoffgehalte, der das Lebensprinzip der, At­mosphäre ist, existieren; auf die Tauer aber würde ein Verbleiben in einer auch nur um einige Pro­zent an Sauerstoff ärmeren Lust die Lebenskraft schwächen und einen frühen Tod herbeiführen.

Durch das Einatmen der Luft wird ihr matter» stoss verbraucht, indem er sich in der Lunge mit Wasserstoff zu Wasser, mit Kohle zu Kohlensäure verbindet, wodurch beim atmenden Geschöpfe die tierische Wärme im Körper unterhalten wird. Der Verdauungs- oder Atmungsprozeh ist ein lang­sames Verbrennen. Atmet man Säure und Stick­stoff ein, so besteht der ausgehauchte Mein ans Kohlensäure und Wasserdampf: das läßt sich für letzteren leicht konstatieren, da angehauchte Eegen- päiide sich bald mit Wasser überziehen, also feucht anschlagen.

Wie das Säugetier den Sauerstoff, also die frische Lust, zum Leben gebraucht, so bedarf die Flamme ihn zum $3rennen. Die Lauchen, welche dem Bergmann leiichten usiissen, sind so gut, wie er, stete Verbraucher des Lauerstosfes und geben im Verhältnisse ihrer Verbrennung Kohlensäure und einige Wasserstoffverbiudimgen von sich.

Ferner Zersetzen sich in den Gruben die zum Aufrechthalten der Bauen dienenden Hölzer all- rnählig ihr Fäulnis-Prozeß absorbiert auch wieder eine Menge Sauerstoff.

Der Verbrauch dieses Lebensprinzipes durch Menschen, Pferde, Lichter, Höleer,.muß also in den Räumen, wo kein natürlicher Luftwechsel fiatlsiii- det, den Sauerstoffgebalt bald Verringern und die Gruben-Atmosphäre immer mehr und mehr mit der an und für sich tödlichen Kohlensäure an* schwängern, so daß sie Zum Atmen ungeeignet wird und die Lichter in ihr erlöschen. Ta ist es klar, daß für Luftwechsel gesorgt werden muß.

Die dazu angewendeten Vorrichtungen werden in bergtechnischer Sprache mit „W etterf ii h - r u n g" oder „W etterlöfüu g" b: eichusi.

Man unterscheidet in dm Cfbc-:: Gut: Wet­ter; diese haben annähernd die Zusammensetzung der reinen Luft. Die Atembarleit hört auf, wenn der Sah des Sauerstoffes 'UM Stickstoff auf 15% heruntergekommen ist. Schon bei dem Satze von 20 Teilen Sauerstoff wirkt sie nachteilig und er­schlaffend, die Lickter fangen an matt zu brennen. Gute Luft hat höchste"» auf 1CC0 einen Te l Koh­lensäure; steigt der Gehalt auf 5%, B erlöschen die Lichter; da bleibt natürlich der Mens5 auch nicht mehr tätig. T ie Wetter dürfen also nie diesen Gehalt an Kohlensäure erreichen. Die Wet­ter sind matt oder schlecht, je nachdem sie steigend diesen,Grad erreichen.

Außer dem Konsum an Sauerstoff und der da­durch veränderten Lust kann sich auch ck'w.Aendc- runc durch Lennischu'rn von fremden G'sen em- stellen. Diese können sich aus dem Gestein speziell aus den Kohlen selbst entwickeln, r d das sind reckst tückische Kobolde, sie und pe'äbrlicher als die drohenden, polternden Wassergeister. Man kann annehmen, daß v'si 10 Unfälle durck Wekterschläde höchstens ein Wassemw.sall eintrifft. Sie sind dann häufig genug Ver^nlsinnig zu den schrecklich­sten Katastrophen, welche sich in der menschlichen Tätt-ttstt einstellen.

Glücklicherweile -eigen die Lampen, dos all- mähli-e Verschlechtern der Lust, also die Gefahr an, indem ihre Flammen sisi röten, längen und ihre Leuchtkraft verlieren. So lanoe d^nn feine offene Flamme mit dem Gemisch in Ver’,f,ritr.g kommt, ist es für die Me: f'en ungefährlich, sie können forar noch eine Zeitlang in dieser Luft weilen. Aber sie find renmr-t und zie' en sich meist üuritef, bis die fristen Wetter den normalen -Zu- stan° wieder bwcwstckst hsiKkn.

D" ' fmniren auch Flck'e vor, wo d°e Mischung eine xchtzlicke wird, nnd bann kann sie reckt ge- fährli '' werde''. Ter kleinste Funken genügt, um eine Explosion zu bewirken.

Diese sich aus den Gesteinsmassen entwickeln­den Gsie sind etwas leichter als die Licht und setzen sich asi'"ällich in alle chollräuwe, die sie finden fest, so z. B. in alten, verlsiw"en Bauen. Dow staanieren sw, um bei gegebener Gelegenheit sich in die lu''erfüllten räume zu ergießen und dies', mit dem Gefahr bietenden Ge'u-sche in füllen.

$rn sich find die Gase nickst e-Ppflhel, sie zünden bei aewisiem Mischungsvesi "ltuisie und sind am gefährlichsten und verheerendsten, wenn sie als 6>c- metrne von 8 bis 9 Teilen *u 100 Teilen Lust vor^^nden si d und «bann mit einem Funken in Belühwrng lammen. Die Gelegenheit, in die Wetlerräurne eimudrinaen. rinden sie, wenn durch ein starke Depression der Atmosphäre der Gezen- dcuck des Zi-weS frifmer Wetter sie nickt in ihren tot'- Bäumen, urückhält, wenn vielmehr der Truck ref-e die Spannung, mit Weicker sie sich dort aus- holten, über d'e Svannung in den tri'chen Wettern steiat. Dann mischen sie sich reif.fi in der outen Lust und ein geringer Funke genügt, um sie zu entzünden.

Da die ”eleaf*aft auf den herankommenden Kustand durch die Lickter gewarnt wird, zieht ne sich -eitia zurück und ist dann doppelt vonichtig, denn in diesen Fällen geturnt der stärkste künstliche Westerzug nickst, um den Wettern die erforderltche

Druck resp. die Spannung in der Atmosphäre stets wechselt und eine Varietät in der Quecksilber­säule zeigt, ist bekannt. Dieser Unterschied be­trägt aber auf den Quadratzentimeter nahezu 70 Gramm, und bei einem solchen Truckwechsel ist es nicht erstaunlich, wenn die eingeschlofsencn Gase anfangen, sich zu bewegen. Tie Spannung beträgt im Durchschnitt 760 Millimeter Quecksil bersöule;*) mit dieser Kraft werden die sich in den Kohlen befindlichen Gase zurückgehalten, und werden durch diesen Gegendruck auch die in den alten Bauen augesammelten stagnierend gehalten.

Tritt nun eine starke Depression der Atmos- vhare ein, so dauert es einige Zeit, bis sie sich durch den Grubenbau geltend macht, natürlich zunächst in den freien Strecken. Hält diese Depression längere Zeit an, so werden sich die in den Hohl- räumen eingeschloflenen Gase, da ihnen von der Wetterführung auSjtin Gegendruck nicht mehr ent’ gegenftebt, in die Strecken ergießen, vom Wetter­zuge gefaßt und mit ihm gemischt, sich durch die ganzen Grubenräume verbreiten. Tas kann rasch erfolgen, da die Gase von vielen Stellen zugleich austreten können, dann genügt ein Funke und das Unglück ist da! —

Nun will man immer die Ursache der Zündung in einem Funken suchen. In vielen Fällen ist^das auch nachgewiesen; unerlaubtes, frevelhaftes Qefs- nen der Lampen, ein Zündhölzchen, unvorsichtig abgegebene Schüsse in nicht mit genügend srischer Lust versehenen btäumeu sind N'ohl noch öfter Ur­sache der Entzündung. Doch geben es auch manche. Fälle, wo die Ursache nicht ergründet wird. Es entstehen Entzündungen, deren Quelle uns noch nicht bekannt ist. So viel ist sicher, daß bei aller Sorgfalt und Strenge, womit das freie Feuer in Steinkchlen-Bergwerken vermieden wird, wir dennoch gar zu oft von diesen Katastrophen hören. Es kann nickt angenommen werden, daß sie alle durch Unvorsichtigkeiten hervorgerufen werden, da doch der Vergmann die Gefahr kennt und weiß, daß er selbst das erste Opfer seines Leichtsinnes Werden muß. —

Hieraus ist zu ersehen wie wichtig eine gute Wetterführung ist. Nun entwickelt eine Steinkohle um so ir.c'-r solcher Gase, als sie fetter ist. die magere Kohle in der westlichen Partie der Worm- Mulde entwickelt fast keine Gose, daher hier die Wetterführung mehr wegen des Fortschaffens der verbrancht.'n Luft angewendet wird, bann aber auch um den übermäßigen Kohlenstaub zu ent« fernen.

Tie Steinkohle und besonders die trocken magere entwickelt bei ihrer Gewinnung und Han- t'enmg ci”?n dickten und so fein verteilten Staub, daß er sich wie Gas in der Gruben-At- mosphäre verbreitet. Wird in dem staubgefülltm Flaume eine Flamme blos, oder löst sich ein Funke, so entzü. det sich der schwebende Staub. Tie Ent­zündung überträgt sich so rasch von einem Staub- Atom zum anderen, daß dadurch eine Exvlonon Herborgerufen wird und dürfen fast alle im Worm- rebier zu verzeichnenden Explosionen auf Ent­zündung von Kohlenstaub zursickaeführt werden.

Z"r Vermeidung solcher Unfälle werden statt der offenen Vergmannslampe, wie sie in Erwru- ben ükl'ch ist, in den Steinkohlengruben ge>' dlos- sene Sickerbeitslamven gebraucht, wobei die Flam­me mit Glas und einem Drahtnetze, durch welches die Flamme die Gase nicht zu entzünden vermag, umaeben ist.

Zn einer kräftigen Wetterführung wendet man verschiedene Mittel an. Dor ca. 50 Jahren de- oniigtck man sich mit Einrichtung hoher Schorn­steine. welche so akwebrackt wurden, daß sie als Zugeisen mit den Schächten in Verbindung an einem Schachte oder einer Schachtabtestuna die Lust au8"O'1en, wodurch rn der anderen die frische Lust cinaefiibrt wurde. Der Luftzug wurde durch Feuer noch animiert. Die dazu gebrauchten Vor­richtungen beißen Wetteröfen. Daun wendet man rum künstlichen Luftwechsel, Damn^strahlen. ^Wet- termüblen, Kolbenmaschinen, Glockenmaschiuen und Wstterräder (Ve'stilatoren) an. Letztere sind jetzt fast ausschließlich aebraucht und haben ge­waltig- Dimensionen. Es werden fetzt vro Vkann 2 Kubikmeter, pro Vferd 4 Kubikmeter Zuführung frstcker Lust per Minute in die Gruben des Wormreviers verlangt, lleberhouvt kann gesagt werden, daß die Wetterführung im Wormrevier aut aebglten wird. Mit Ausnahme einiger Gru­ben sind die Detter so stark, daß eine offene Lampe kaum die Flamme hält. Zudem wird, auch große Sergialt auf die Verwendung zuverlässiger Sicher- heit^lempen ackert. . .

Gute Wetter si>rtz n'ckt allein für dre Gruben eine Sicherheit, sie sind auch eine Be- bingun a für die Erhaltung der bwiniirckeit der Velegschast. die übrigens in guten Wellern pchs le'stungstäbiger ist ol§ wie ni der matten At"'o^ckäre schleust gelüfteter ©rnbenräu^e.

Fr sch sielst der Vergmann den vielen Gefahren seines Verufes in die Augen, vor den schlechten Wettern hat er aber eine geheime Scheu, wenn er auch singt:

Und fürchte nickt den nahen Tod, Den jedes Element

Mir tief im finsteren Abgrund droht, Wo nur mein Lämpchen brennt. Auch nickst das Feuer, welckes hier. In blauen Flammen raucht. Das starke Gift nicht, das nach mir Tes Todes Odem haucht!

Nembeit zu erhalten.

Nun belehren die aus allen Vergwerksgegen- den uns zukowmenden Berichte, daß sol'ne jamle Ereignisse viettack zu gleicher Zett oder kurz au,« einander selbst in weit auseinander liegenden Distrikten cintretcu. Das mutz eme besondere Ursache haben, und diese ist dieielbe welche den Barometerstand rasch zum Fallen bringt. Der eigentliche Stand des Barometers ist nicht das Masieebende, sondern das plötzliche Fallen, ob nun fein Stand hoch oder fLon niedrig ist. Daß der

*1 Dicler Druck wirkt auf den ca. 1.9G Quodralm darbietenden wenschiichen Kdrper mit 20/HX) liilogramm.

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