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R»tation»druS n. Verlag der 5nidaer Be« tienörnderei in Xulba. Zernsprecher Nr. 9.
JV8 61.
Fulda, Domierstaq, den 15. März 1906.
33, Jahrgang.
Auferstehung.
Roman von Felix Ra Lor.
(Nachdruck verboten^
Dieser Dom war St. Peter, die Mutterkirche der ganzen Welt, der Brennpunkt der Erde, in »cni sich alle Lichtstrahlen des christlichen Glau- Ibens vereinigten.
Anblick dieses majestätischen DomeS « Gabriel zusammen und kam sich so unend- uich klein und nichtssagend vor, wie ein Zwerg, 9rClh* l‘s-na<^ hinein stolzen Baume ^sse'i Aeste die ganze Welt überschatten, dessen Wipfel sich blS in den Himmel heraufstreckt
So em kleiner, unbedeutender Kieselstein war kein „Luzifer" diesem Riesen gegenüber; kaum ein paar Blätter zitterten in der stolzen Krone Hie er hatte vernichten wollen.
Die Erkenntnis seiner Kleinheit und seines Frevels schlug wie ein Blitz in seine Seele, ent- ründete aber auch einen neuen, tröstlichen Gedanken in seiner gequälten Brust: „Wenn irgendwo auf der Welt, so mutz hier die Wahrheit zu «finden sein!"
Dieser Gedanke erfüllte ibn mit unnennbarem Entzücken, mit einer so reinen Freude, wie er sie tn seinem Leben noch nie empfunden zu haben glaubte. War hier wirklich der unversiegbare Ouell, der heilige Born, ans welchem rein und lauter die höchste Wahrheit flotz? — O, dann sollte er hier rasten, hier, im Schatten dieses ewigen Domes wollte er alles Irdische von sich tun und in langen, dürstenden Zügen von dem lautern Master der Wahrheit trinkens „ Gabriel vermochte sich von dem wunderbaren Anblick nicht loszun-rtzen. Tie Schleier des Abend? senkten sich auf dle sieben Hügel, aber in der Höhe alänzte und funkelte es wie blankes Gold. Gabriel sah nicht mehr die Stadt, er sah nur eines: dieseu
Krstes Matt.
*, vor der Entscheidung.
Einen Augenblick konnte man glauben, der Kabinetsivechsel in Frankreich werde eine g l uck- lichcLösungder Marokkofrage auf der Konferenz in Algeciras erleichtern und beschlenni- ,en, da man annohm, der neue französische Mini- tcr des Auswärtigen, Dougeois, werde geneigt ein, eine Haltung anzunehmen, welche die Aus- öhnung der einander gegenüberstehenden Interessen anbahnt. Eine solche Politik und Taktik würde auch der allgemeinen Auffassung entsprechen, welche man von dem Charakter der neuen Regierung in Frankreich hegt. Tie neue Regierung bedeutet nämlich unbestreitbar eine Schwenkung nach links, und die Ausnahme eines Sozialisten in das Kabinet mützte nach landläufiger Auffassung der Tinge eine Verstärkung der Friedenspolitik Frankreichs hcrbeiführen, weil gerade von französischer sozialistischer Seite gegen jede Abenteuerpolitik, speziell in der Marokkanischen Frage, der schärfste Widerspruch erhoben worden ist.
Es zeigt sich aber auch diesmal wieder, daß die landläufige Auffassung n i ch t i m m e r d i e r i ch- ,t i a e ist. Alle Nachrichten sowohl aus Paris wie «aus Algeciras deuten daraus hin, datz Ctrömnn- |en im Gange sind, welche die Ersetzung des Kabinetts RouVier durch das Kabinett Sarrien zu einem erschwerenden Moment hinsichtlich der Ma- !rokkofrage gestalten. Es gewinnt den Anschein, ols ob Clemenceau die Hauptrolle in dem neuen
haben, wenn man ihm zutrauen wollte, eine derartige Jntriguenpolitik, die auf gleicher Stufe stehen würde mit der Abenteuerpolitik eines Del- casss, zu treiben.
Gerade von diesem Gesichtspunkte aus, d. h. unter der Annahme der Ehrlosigkeit der bisherigen Rouvier'schen Politik gewinnt die Bemerkung deS „Temps" einen bedenklichen Charakter. Man braucht keineswegs allen über ClSmenceau und seine Beziehungen zu England verbreiteten Gerüchten Glauben zu schenken, um der Entwicklung der Dinge mit einiger Besorgnis entgegen^usehen. Es mutz sich sehr bald zeigen, ob und inwieweit diese Besorgnis gerechtfertigt ist. Die Konferenz in Algeciras steht dies- mal tatsächlich vorderEntscheidung. Der österreichisch-ungarische Vorschlag in der Polizeifrage, dem alle Mächte außer Frankreich sqm- pathisch gegenüberstehen, bietet einen durchaus gangbaren Weg, der aus allen Schwierigkeiten heransführt. Wenn Frankreich ihn n i ch t g e h en will, setzt es sich in schroffen Widerspruch mit seiner so oft betonten Friedensliebe.
Deutscher «eich.
Berlin, den 14. März 1906.
.♦. Eine offizielle Danksagung Frankreichs für die deutsche Hilfe bei dem Grubenunglück in Courrieres bat der französische Botschafter Bidourd in Berlin abgesiallet. Nach der ,Nordd. Allg. Zeitllng' hat nämlich der Botscha'ter am Dienstag dem Staatssekretär des Ausmärligen Amtes, v. Tschirschkq, einen Besuch abgestattet um für die Teilnahme des Kaisers und der
bend sein würden, deutet unseres Erachtens genüge fam darauf hin, wo die Quelle dieser Vcröffenb
österreichisch-ungarische Permittelunqsvorschlag bei der französischen Regie, ung nicht die allerseits
Kaiserliche« Regierung an dem Grubenunglück in Courrieres den Dank der französischen Regierung auszusprechen
*♦ Zur Marokkokonferenz äußert sich die ,Rordd. Allg. Zig.' dahin: „Alle Nachrichten ans Algeciras stimmen darin überein, daß die Mini'terkrisi» in Frankreich eine Einigung auf der Konferenz nicht nur verzögert, «onbern auch zu erschweren icheint" Das offiziöse Organ gibt sodann nach dem ,Temps' die Instruktionen wieder, die angeblich vom bisherigen französischen Ministerpräsidenten Rouvier den französischen Delegierten in Algeciras erteilt worden sind, die in der Polizeifraae einen energischen Widerstand gegen den österreichisch ungarischen Vermittelnnqs- vorschlag heischen. Die ,Rordd. Allg. Ztg.' bemerkt dazu: „Wir wissen nicht, ob diese Angaben
erwartete Ausnahme gefunden bat und datz daher noch nicht zu übersehen ist, wie eine Verständigung über die von Deutschland als unbe- dingt notwendig erachteten Garantieen für den internationalen Charakter der Polizeiorganisation zu erzielen sei. Hossentlich werden die Erklärungen des Herrn Rövoil auf der Konferenz bald Klarheit baruber bringen.
* lieber die zu gewärtigende preußische Wahlrechts - Vorlage hat die ,Reue Polit. Korreip.' allerlei Mitteilungen gebracht. Die ,Rordd. All- gem. Ztg.' bemerkt dam: „Daß eine solche sich in Vo.bereitung befindet, ist hinlänglich bekannt. Die Mitteilung der /Reuen Polit. Korresp.' ist, wie wir zuverläs sig vernehmen, in einzelnen Punkten ungenau und im übrigen verfrüht, da die endgültige Form der Vorlage noch nicht feftfteht."
In Sachen deS ReichSkoloninlamtes sollen nach einer Mitteilung einer Parlamenls-
itrfntnaen zu suchen ist. Augenscheinlich beabsichtigt richtig und ob sie vollständig sind, und begnügen das neue Kabinett, sich mit diesen „Instruktionen" i uns daher vorläufig mit dem Eindruck, daß der den Rücken zu decken und gewissermaßen als ein j österreichisch-ungarische Permittelunqsvorschlag bei
. Kabinett zu spielen gewillt ist, und datz diese Nolle einer friedlichen Erledigung der Marokkoangele- genheit nicht günstig ist, läßt sich aus der bisherigen ^Stellungnahme dieses radikalen Politikers schließen. Im Gegensatz zu anderen radikalen Blättern -hat er in seinem Organ stets eine intransigente Haltung in der Marokkofrage angenommen.
Wenn eunelne Blätter annehmen, die „Jn- ^firuktionen" für die französischen Delegierten in jAlgeciras, welche der „Temps" al? von R o u- dier ansgehend mitgeteilt hat, seien auf Veranlassung des vorigen französischen M i n i st e r p r ä s i d e n t e n veröffentlicht mor- iben, so dürsten sich dieselben in einem Irrtum be- «finden. Die Bemerkung des „Temps", datz diese „Instruktionen" bis zum Schlüsse der Konferenz für die Haltung Frankreichs in Algeciras matzge-
fn rolle malfe st st ehendespolitischeS Testament Nouviers auszugeben, was dieser wohl nur al« eine Instruktion für den Augenblick betrachtet bat.
Diese Auffassung herrscht ersichtlich auch an der sm atzaeb enden Stelle in Deutschland ibor. Es geht das aus einer offiziösen Auslassung der „Nordd. Alla. Ata." hervor, welche sich dahin äußert, alle Nachrichten aus Algeciras stimmten darin überein, datz die Ministerkrisis in Frankreich eine Einigung auf der Konferenz nicht nur verzöaere, sondern auch zu erschweren scheine. In der Tat hat der bisherige französische Ministerpräsident Rouvier zu viele Beweise seines politische» Taktgefühls gegeben, als daß man ihm die Geschmacklosigkeit zutrauen dürfte, den Versuch zu machen, noch über seine Amtstätigkeit hinaus die Wege der Regierung seines Landes zu binden. Das könnte unter Umständen nicht nur gefährlich sondern geradezu verhängnisvoll für diese- Land sein. Man müßte von dem Verantwortlichkeitsgefühl Nouviers eine recht schlechte Meinung
königlichen Dom, der sich so stolz und majestätisch, so glorreich zum Himmel streckte.
Eine goldene Lichtslut wob sich jetzt wie eine Gloriole um das Haupt dieses heiligen Riesen, und weiße, lichte Schleier senkten sich langsam auf ihn bernieber. Und als die Dämmerung ihren violetten, purpnrgesäumten Königsmantel um die Schultern dieser Königin der Städte legte, da ragte aus dem Dunkel noch die leichtgeschwungene Kuppel, ha schimmerte in märchenhaftem Glanze das hochragende Kreuz, das mit seiner leuchtenden Spitze den Himmel zu berühren schien.
Während er sich an die Brüstung lehnte, um den Anblick ganz auszukosten, legte sich eine Hand auf seine Schulter und eine wohlbekannte Stimme schlug an sein Ohr: „„Ja, bist Du's oder ist es Dein Geist, Gabriel?"
Gabriel waiidte sich um und blickte den Fragenden wie aus einem Traume erwachend an.
„Ja," sagte dieser, „so ein Anblick, der bezaubert, das weiß ich auch! So was vergitzt man jein Leben lang nicht. Aber nun steige herab aus den Wolken — ein alter Freund steht vor Dir: Georg Herrwig, ein deutscher Maler."
„Ach — Du?" rief Gabriel und streckte ihm die Hand hin. „Etwas angenehmeres hätte mir nicht begegnen können. Verzeih, datz ich Dich nicht gleich erkannte, meine Augen waren geblendet.'
„Ich kenne das, Gabriel! Wie freue ich mich. Dich hier zu treffen. Unsere Wege liefen ausein- ander, ich stehe auf anderem Boden als Du — aber ich habe Dich immer hochgeschätzt."
Gabriel schlug die Augen nieder. „Es ist vieles anders gekommen, als ich mir geträumt hatte. Mache mir keine Vorwürfe, Georg!"
„Tue ich denn das, Gabriel? Ich sage Dir doch, datz ich Dich trotz allem verehre und liebe. Trotz allem! Aber mancher ist schon auf Irrwegen gegangen und hat hier die Wahrheit gefunden. „Und nun", fuhr er fort und strick sich lachend den rötlichen Bart, „nun wollen wir die Vergangenheit
korrespondenz Verhandlungen zwischen dem Reichskanzler und den ZentrumSsührern statt- finden. Die.Germania' erklärt diese Nachricht als „vollständig unwahr". — Zu der gleichen Angelegenheit nimmt die »Deutsche Tageszeitung' daS Wort. DaS Blatt schreibt: „Jedenfalls ist eS ein Gebot der Loyalität, bis zum Beweis« deS Gegenteils zu glauben, wenn die Zentrumspresse behauptet, daß nur fachliche Rücksichten in der Beurteilung der Angelegenheit obwalten. Wir selbst stehen, wie gesagt, dem Plane der Errichtung eines selbständigen Kolonialamtes verhältnismäßig kühl gegenüber, da es nach unserer Meinung weit mehr auf die Persönlichkeiten, als auf die Amtsbesuqniffe ankommt. Ob der Prinz von Hohenlohe der rechte Mann auf dem rechten Posten sei, muß noch abqewartet werden. In manchen Kolonialkreifen scheint man neuerdings starke Zweifel zu hegen."
* Verluste in Südwestafrika. Am 8. März 1906 im Gefechte bei Pelladrifi gefallen: Unter, offizier Max Kretschmar. geb. am 15. Sept. 1882 zu Glauchau, früher in der Maschinengewehr-Ab- ieilung Rr 8; schwer verwundet: Gefreiter Johann König, geb. am 6. Sept. 1882 zu Bölkers- leier, früher im 2. Oberelsässijchen Feldartillerie- Regiment Nr. 51, Bauchschuß; Reiter iLilhelm Schultze, geb. am 7. Febr. 18.84 zu Hamvulg, früherJnfaiiieiie-Reqiinent 'Jlr. *4, Schuß m den Oberarm; Umewisizier Konrad Kindinger, ged. am 13. April 1*81 zu Darmstadt, früher im 3. Königs. Wülttemd. FeidariiUerie Regimenk Rr. 49, Kopfschuß. Leicht verwundet: Leuinani Johannes Manuhardt, qeb. am 26. Avril 1880 zu Flensburg, früher im Feldartillerie Regiment Nr. 9, Sieiniplit er, Kinn; Seraeant Gusla> Benezko, geb. am 28. Aug 1882 zu Johannesburg, früher in der Mcnchinengeivchr Abteilung "Rr. 5, Stein - splilicr. Gesicht; Gefreiter Max Luchs, geb. am i. Mai 1883 zu Schönfeld, früher im 2. Sch!es. Feidartillerie-Regiment 9Zr. 42, Steinspiitter, Gesicht; Reiter Bruno Heerling, ged. am 13. Dez. 1883 zu Ernstthal, früher im 1. Magdeb. Jn- sanlerie-Reaimen: 'Jir. 26, Streifschuß, Unterleib. Ferner: Gefreiter Karl Hense, qeb. am 18. März 18*0 zu Bilzingsleben, früher im Unlerelsässisckfen Infanterie-Regiment Nr. 143, am 8. März 1906 im Feldlazarett Bethanien an Herzschwäche gestorben.
• Stimmungsbild aus dem Reichstage. Den deutschen Frauen galt am gestrigen Mittwoch die Arbeit des deutschen Reichstages in ihrem ersteig Teile. Es war SchwerinStag und als erster ■ Gegenstand der Tagesordnung stand ein freisinniger Antrag zur Beratung, der einen Ausschnitt aus der modernen Frauenbewegung bedeutet. Er verlangt, datz die Schranken niedergerissen werden, welche landesgcsetzlich die Frauen vom Vereins- und Verfammlungsrecht anssckließen. Die Damen auf der Tribüne folgten dem Gange der Verlmndlung mit gespanntem Interesse und in der Phantasie mag sich die eine oder andere Tribünenbesucherin in der (Situation erschaut haben, ; wie vielleicht auch sie gerade wie die Männer da i unten im Sitzungssaal, die für ihre Rechte kämpf» । ten, dereinst in politischen oder beruflichen Ver» ■ sammlungen ihr oratorisches Talent zur Geltung bringen würde. Ob eine solche Hoffnung für eine baldige Zukunft besteht? Ter Staatssekretär Gras Posadowsky schwieg sich aus. Das Haus nahm gegen die Kouservativeu den Antrag an — und nun wurde der Bundesratstisck vettoaist, da Graf Po» sadowsky vorzog. der Verhandlung des nunmehr zur Beratung stehenden polnisclien Antrags auf zur Beratung stehenden polnischen Antrags auf Ab-
ruhen lassen und nur der kommenden Stunde leben. Komm. Freund, ich weiß eine verschwiegene i Kneipe, darin wollen wir den Freundschaftsbnnd
1 der Jugend erneuern und mit edlem Rebensaft die
Vergangenheit beweinen."
„Wie frisch und jung Du aussiehst. Georg", sagte Gabriel, „und so voll von Heiterkeit^ls gingest Du dem Glück entgegen." w
„Tu' ich auch. Lieber! Ein ganzes Jabr habe ich in den Kunstschätzen des Vatikans geschwelgt und dabei tücktig gearbeitet. Und nun febre ich heim in die deutsche Heimat, wo mein Mädchen mich in Liebe erwartet. Im Frühjahre, im Maien- sonnenschein, wollen wir Hochzeit machen. Und morgen reise ick!" ,
Gabriel erblaßte, aber der andere bemerkte es nicht. Der Maler erzählte von der Güte des Heiligen VaterS, der sich für seine Arbeiten sehr interessiert und ihn in jeder Weise gefördert habe und konnte sich des Lobes über Rom gar nicht genug tun.
Arm in Arm kehrten sie in die Stadt zurück, die nun dunkel vor ihnen lag; nur die Lichter der Gaslaternen blitzten auf, gleich goldenen Funken, und verbreiteten matten Schein.
In der kleinen Osteria am Fuße des kapitolinischen Hügels saßen sie beisammen, bis der Morgen graute. Gar zu gut schmeckte der glutrote Velletri- wein, der wie Blut in den Gläsern funkelte.
Gabriel war froh und entzückt darüber, daß er wieder einmal einen Freund getroffen, der cs ehrlich meinte und trotz der Verschiedenheit der politischen und religiösen Anschauungen ihm gut war; mit stillem Jubel lauschte er den lieben Lauten der Muttersprache, und etwas wie Wehmut zog in feine Brust.
Aber der Maler ließ in seinem Glucke solch ge- drückte Stimmung nickt aufkommen. Tie Becher kreisten und so hielten sie ein stilles, aber freudiges Gelage. Kein Escukranz wand fick ihnen ums Haupt, keine Rosen fielen von der Teck« aus Tisch und Boden, wie in alter Römerzeit: aber im
ung zu Gewalttätigkeiten nicht beizuwohnen. ES war ein erdrückendes Material, welches der Pol- nisch« Redner über antipolnische Teudenziustiz vorbrachte. Aus vielen nur ein Beispiel. Postkarten find beschlagnahmt worden, weil auf ihnen Lanzen abgebildet waren. Man hatte polizeilicher Seite befürchtet, daß die öffentliche SickMcbeit dadurch gefährdet werden könnte. Ja sogar ein polnisches Käppi, das der Redner der Polen auf den Tisch des Hauses niederlegte und das absolut unauffällig war, war beschlagnahmt worden. Freilich hinderte diese Beschlagnahmung nicht, daß ein Abgeordneter sich das Käppi aufsetzte und man mutz zu Ehren dieser Kopfbedeckung konstatieren, datz sie recht ckic ausfah und Aufreizendes absolut nichts an sick hatte. Solche Blüten hat die Polenpolitik gezeitigt und wenn wir uns nickt vor dem Ausland blamieren wollen, dann muß, wie der Abg. Bachem betonte, eine baldige Umkehr erfolgen. Der Antrag der Polen wurde angenommen.
* In der Vudqetkomnnssion des Reichstags wurde am Mittwoch der Etat der Heeres- verwallunq beraten. Jnbetreff der Rohr- rück'aufgeschütze gab der Kriegsminister v. Einem eine längere Erklärung ab. Er nahm, wie der /Berliner Lokalanzeiqer' mitteilt, für die Heeies- verwaliung in Ampruch, daß alle einzuführenden Gaffen stet» am's genaueste geprüft würden, und daß nichts zur Einführung gelange, waS sich nicht alS das denkbar Beste auf diefem Gebiete zurzeit bezeichnen ließe. So fei es auch mb hem neuen Robrrücklauige schütz ge- scheheu. So eingehend wie dieses Geschütz sei kaum je ein audeles geprüft worden. Erst nach jahrelangen Erprobungen bei der Artillerie- Prüsunqskommission, auf den Schießplätzen und bei her Truppe — wobei ja natürlich wesentlich höhere Amorderungen an die Haltbarkeit des Materials heranträten, alS bei den PrüsungS- btbßrhen — fei man zur endgültigen Annahme des Geschützes gelangt, nachdem sich nirgends Anstände gezeigt hätten. Im Gegenteil hält« jede Truppe das neue Geschütz alS einen wesentlichen Fortschritt bezeichnet. Insonderheit aber mufft die Heeresverwaltung als ihr vornehmstes Recht für sich in Anspruch nehmen, daß sie in weitgehendster Weise für die Sicherheit der Be- diennnqsleiile Sorge tragen. Daß in dieser Bezeichnung die Bedenken deS Abg. Huö völlig unzutreffend feien, gehe unzweifelhaft daraus b-nror, daß bei den ganzen Versuchen nicht ein einziger llnqiücksfall vorgekommen sei. Di« Heeresverwaltung könne auf das Bestimmtest« versichern, daß das Feldgeschütz 96 u. A. in jeder Beziehung auf der Höbe der Zeit stände, und daß Bedenken irgendwelcher Art gegen eS von keiner sachverständiger Seile gelt nd gemacht seien. — Die im Etat für sämiliche patentierten Oberstleutnants aller Waffen- gattungen verlangten Zuiaqen von je 1150 Mark wurden heute von der Blldqetkommissiolr des Reichstags abgelehnt. Die Kommiffwn ließ nur die Zulagen für die patentierten Oberst- leuinanls der Infanterie bestehen.
Aus dem Reichstage.
65. Sitzung vom 14. März.
Eröffnung 1*4 Uhr.
Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Beratung des Antrages Tr. Pachuicke (fr. Vg.)—Dr. Müller Sagan (fr. Bp.) betreffend Beseitigung der landesgesetzlichen Beschränkungen des Vercins- rechts für Frauen durch Reichsgcsetz.
Herzen blühte die alte Freundfchaft und manch innig-deutsches Lied klang durch die einsame Stube, zum Preise der teuren Heimat, des waldumraujch- ten, treuen, lieben, deutschen Landes!
Dem zweifelnden. einsamen Manne ging daS Herz auf: er bekannte dem Freund, datz auch er ein liebes Mädchen habe, das er überall suche, weil es ihm entschwunden sei.
Da drückte ihm der Freund die Hand und hob öanu das Glas: „Es lebe die Liebste deine, H»rz- bruder! .... Und datz Du Dein Glück bald finden mögest!" ...
Die Gläser klangen aneinander, es gab einen »eisen, sützen Ton — die Augen trafen sich und, leuchteten auf, und in ihren Herzen blühte es wie lunfle, selige Liebe ...
Als das letzte Lied verklungen und der letzt« Äcchcr geleert war, zogen sie Arm in Arm hiuau- durch di« stillen Strotzen der Stadt, den Frühling im Herzen und Tränen in den Augen. Und der Maler saug mit leiser Stimm«:
„Ihr Brüder, der Liebe ein donnerndes Hoch, Ein Hoch ans des Herzens Grunde . .
Es lebe die Liebe, die Freundschaft hoch! . . .
Sc schall' es von Munde zu MundeN
Dann ein letzter Händedruck, ein letzter Grutz, und sie gingen auseinander. Und als der Freund • durch die menschenleere Stratze dem Bahnhof zn- schritt, schwenkte Gabriel nochmals den Hut und rief ihm mit tränenschwerer Stimme nadj: „Grütz mir mein Heimatland!"
Dann war er wieder allein in der Fremde, und sein Herz fing aufs neue an zu bluten. ..
Am anderen Tage, als er ziellos durch die Stadt lief, fiel es ihm ein, ein Tagebuch anzu- legen, und darin das einzutragen, was sich Besonderes ereignete, oder was seine Gedanken beschäftigte. Er freute sich sehr über diesen Gedanken; das war doch worigstens eine kleine Beschäftigung, die ihm iibec manche Stunde der Oeds hinweghelfen sollte.