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»ernntwocttt*« SArif Heiter: J. Baum;

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Fulda, Mittwoch, den 14. März1906.

M 60.

Krstes WLalt.

Vie Kolonidtoerroaltung auf -er Anklagebank.

Im Reichstage hat am Dienstag die Ab- kechmlng mit der Kolonialoerwaltung begonnen, die m den Verhandlungen der Budgelkommtssion eine« sehr breiten Raum eingenommen und zu einer starken Beschneidung der Forderungen der kolo«ialt»er>va!lunq geführt hat. Mit vollem Recht hat der Zentrumsabgeordnete Erzberger darauf hingemiesen, welche hohen Lasten die Kolonialpolitik dem deutschen Volke trotz der im ßanzea 22 Millionen betragenden Abstriche auf» erlegt, und nicht weniger mit Recht hat er er­klärt, daß das deutsche Volk eS satt habe, seine Selber und Steuern für eine Kolonialpolitik auf« zuwrnden, die derart zu wünschen übrig lasse. Die Anklage«, welche der Abg. Erzberger gegen die Kolonialverwaltung gerichtet hat und die |um Teil von dem Abg. Bebel ergänzt wurden, find derartig schwerer Natur, daß sie unter allen Umstände« eine eingehende Behandlung seitens der angegriffenen Behörde verdienten. Was diese Behörde durch den derzeitigen Verweser der Kolonialabteilung zu ihrer Entschuldigung und Rechtfertigung am Dienstag vorbrachte, genügt sicht im mindesten, um sie reinzuwaschen.

Der Abg. Arzberger bat an einer Reihe von ÄpeoifädeK ««widerleglich dargetau, daß von der Kolonialverwaltung nicht nur ein „Ver- tnschungssyst em" gehandhabt worden ist, sondern daß auch ein „Mangel an Wahr­heitsliebe" und eine bedauernswerte „Unauf­richtigkeit" in der Behandlung der Beschwerden Platz gegriffen habe, welche ein schlimmes Licht auf die ganze Art und Weise wirst, wie zur Zeit bei uni wichtige koloniale Angelegenheiten dehemdelt werden. Der derzeitige Kolonial­direktor Erbprinz zu Hohenlohe hat zwar den Versuch gemacht, die angegriffenen Beamten zu rechtfertigen, aber dieser Versuch ging nicht über schwache Entschuldigungen hinaus. In ver­schiedenen Punkten mußte er direkt zu geb en, daß gegen die gesetzlichen Bestimmungen gehandelt worden ist. Der Hauptinhalt der Äus- führnngen deS Erbprinzen zu Hohenlohe bestand in Versicherungen für die Zukunft. Daß heute sein Bestreben „volle Offenheit" walten zu laffen, noch nicht in die Tat umgesetzt ist, hat sich in den Verhandlungen der Budgetkommission ge­zeigt. Schwerlich wird die Art und Weise, wie er den Versuch machte, den Reichstagsabgeord- nete« Erzberaer der Leichtfertigkeit bei der Er­hebung von Anschuldigungen zu zechen, in den Auge» eines Unbefangenen als gelungen er- schsrnen. Bester hätte der Erbprinz zu Hoheu- lohs daran getan, wenn er offen eingestanden hätte, daß völlig ausreichende Unterlagen für die Anklagen, die gegen das Kolonialamt gerichtet sind, vorhanden seien.

ES wird noch mancher Beweise der vom Kolonial-Direktor zugesagten „Offenheit" bedürfen, ehe man daran glauben wird, daß diese „Offen­heit" nun auch zur Grundlage unseres ganzen Kolonial-Systems geworden ist. Wir wollen dem Kolonial-Direktor zugeben, daß er in letzter Linie für seine Auskünfte in manchen Punkten auf die Berichte der Beamten in den Kolonien angewiesen ist, aber daraus folgt von selbst die Rolwendig- digkeit. für ein Beamten-Personal zu sorgen, auf

Auferstehung.

Roman von Felix N a b o r.

16 ] (Nachdruck verboten.)

Im Geiste sah er die Scharen der Gemordeten in Weißen Gewändern, Palmzweige in den Händen und Blumen im Haar, durch die weite Arena ziehen und hörte einen sanften, süßen Gesang: „Agnus Dei, qui tollis peccata mundi" . . ., der Hang'” auä ^cm Paradiese zu ihm herüber-

Er fetzte sich auf einen Stein, stützte das müde Haupt in die Hand und blickte ins Leere seine goldene Jugend stieg vor ihm auf, und'das alte kindliche Träumen kam über ihn, das ihn einst so beglückt hatte. Tausend heilige Gestalten aus den, Buch der Bücher tauchten vor ihm auf und zogen an seinem Geiste vorüber, die ganze Er- lösungsgeschichte. Sollte denn das alles bloße Dichtung der Vorzeit, Hirngespinst und Lüge sein?

Die Sonne stand hoch am Himmel, die roten Mauern flammten auf wie Purpur, goldene Strahlen schossen gleich glänzenden Speeren her­nieder . . .

Und da war es ihm, als wüchse mit einemmale iu3 dem ungeheueren Trümmerfelde ein goldenes Kreuz rieseuhoch empor, ein goldenes Kreuz, das seine Arme über die ganze Welt ausspannte und auf seiner Spitze eine blutrote Tornenkrone trug, (enes Kreuz, das Papst Benedikt im Kolosteum intte errichten lassen und daS mit Beginn der weltlichen Herrschaft in Rom entfernt worden war. Gabriel Wollte sich erheben und auf dieses Kreuz zuschreiten, aber die Glieder waren ihm wie ge­lähmt. Ein heißer Schmerz zuckte durch seine Seele. Wie, waren nur die Reinen, die Makel- losen berufen, im Schatten des Kreuzes zu woh­nen? War er nicht würdig, es zu umfassen, zu

das er sich unter allen Umständen ver- lassen kann. Wie es aber damit bestellt ist, wird sich wohl noch im Fortgang« der Kolonial- Debatten im Reichstage näher zeigen. Schon nach den heutigen Verhandlungen muß man leider sagen, daß das ganze System unterer Kolonial-Politik an organischen Fehlern krankt.

Einen mit Recht betonderS von dem Abg. Erzberger hervorgehobenen Beschwerdepunkt bildete die Förderung des Muhamedanismus, die sich dte Kolonialverwaltung in Deutschostasrika hat zuschulden kommen lassen. Erbprinz Hohen­lohe versicherte allerdings, daß er als d:e Grund­lage unserer Kolonialpolttik das Christentum be­trachte; aber mit dieser Versicherung stehen die Tatsachen nicht im Einklang. Wenn es der Kolomaldireitor ernst meint mit seiner Versicherung, so wird ihm nichts übrig bleiben, als die Maß- nahmen anfzuheben, welche aut eine Verdrängung des Christentums in unseren Schulen in Deutsch- Ostasrika hinauslauf n. Die Verhandlungen am Dienstag bildeten erst den Anfang für die Auseinandersetzungen mit der Kolonialabteilung. Die letztere mag sich darauf gesüßt machen, daß sie genötigt sein wird, auch in den kommenden Tagen auf manches Rede und Antwort stehen zu müffen. Wir können ihr nur raten, das von dem Erbprinzen zu Hohenlohe so sehr betonte Prinzip der „vollen Offenheit" nach jeder Richtung dabei walten zu lassen, wenn sie das Vertrauen zwischen sich und der Volksvertretung wiederher- stellen will.

Deutsches Reich.

Berlin, den 13 März 1906.

* Eisenbahnminister v. Budde befindet sich erfreulicherweise wieder auf dem Wege der Besse­rung. Er hofft in einer Woche etwa wieder sein Bureau aussuchen zu können und ist auch jetzt schon soweit hergestell^, daß er die Amtsgeschäste in seiner Wohnung leiten kann.

* Der Ober Präsident der Provinz-Sachsen von Bötticher wird Aeußeningen zufolge, die er nach der ,Nat,onalztg/ Herrenhau-mitglie^ern gegenüber getan hat, nur noch bis -um Herbst auf, feinem Posten in Magdeburg verbleiben.

* Die Meldung von einer bedrohlichen Wen­dung im Befinden de- Abg. Dr. Kropatschek, des früheren Chefredakteurs der 3?reu^eüung', wird in diesem Blatte als unberechtigt bezeichnet. Allerdings war vor zwei Tagen eine Lungenent­zündung im Entstehen, doch ist es durch das rechtzeitige Eingreifen des Arztes gelungen, die Gefahr abzuwei den. Die Krankheit dürste sich aber noch lange hinziehen, tind die Lage ist nach wie vor ernst.

* An der heutigen Trauerfeier für den Abg. Eugen Richter haben zahlreiche hohe Reichs- und Staatsbeamten sowie Parlamentarier und sonstige Freunde des Verstorbenen Hlgenommen. Der Reichskanzler war durch den Chef der Reichskanzlei, Geheimrat v. Loebell, vertreten. Ferner nahmen an der Trauerfeier teil Staats- sekretär Graf v. Poiadowsky, Re chsichatziekretär Freiherr v. Stengel, StaatssekretärKrätke,Präsi­dent des Reichsetsenbahnamis Schulz, Finanz­minister v. Rhen baden u a. Vom Reichstag waren Vertreter aller Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokratie erschienen. Das Präsidium war vollzählig anwesend mit dem Grafen Balle­strem an der Spitze. Das Zentrum hatte die Abgg. Dr. Porscb, Dr. Hitze, Dr. Bachem, Dr.

ksifien, fein schuldbeladenes Haupt an den ver­söhnenden Stamm zu lehnen? . . .

Er sah nickt mehr das Kolosseum, er sah nur das Zeichen des Christentums, das ans den Trüm­mern emporragte, das Kreuz, das seit achtzehn- hundert Kahren die Welt beherrschte.

Aber die neue Zeit suchte dieses heilige, heil­bringende Zeicken zu ftüren und zu vernichten. -Sie suchte an Stelle des Kreuzes neue Götter zu setzen: die Arbeit, die Vernunft, die Freiheit — oder gar ein leeres, inhaltloses Nichts!

Gabriel überschaute mit einem Blick die Seg­nungen, welche die Kreuzeslehre der Menschheit gebracht hatte und rief mit lauter Stimme, als rufe er es der ganzen Welt zu: „Lasset das Kren; stehen! In ihm ist Heil! Wenn Ihr es stürzet, so fallen auch die Throne, so fällt die Welt in Trümmer!"

Doch im selben Augenblicke zuckte tote ein Blitzstrahl durch seine Seeke der vorwurfsvolle Ge­danke: Tu bist ja auch einer von jenen Feinden und Zerstörern, welche die Axt an den Fuß des Kreuzes gelegt haben. . . .

Mit dumpfem Stöhnen sank er auf den harten Steinst» und bedeckte das Gesicht mit den Händen.

Eine grenzenlose Sehnsucht nach dem Glauben seiner Kindheit, der ihn so selig gemacht hatte, kam über ihn. Alle Lehren, die er auf dem Mut­terschoße vernommen, dämmerten in ihm auf, das heidnische Nom versank wie ein dunkler Schatten und das christliche Rom stieg vor seinem Geiste empor, jenes christliche Nom, welches wie eine strahlende Sonne die gairze Welt mit dem Lichte des Glaubens erhellt und Gesittung und Bildung bis an die Grenzen der Erde getragen hatte. —

Ganz niedergeschlagen und gedemütigt verließ er den Riesenbau und ging in die Stadt zurück, geblendet von dem Sonnenlicht, das in breiten, goldenen Wellen über den Straßen und Plötzen lag. Wie im Traume schritt er dahin, noch ganz

v. Crterer, Hug, Herold und Kirsch entsandt. Der Abg. Schmidt-Elberseld widmete dem ver­storbenen Parteiführer dann euren längeren Nach­ruf, m dem er das Lebensbild des Entichtasenen oorfübrte. Abg. Albert Träger würdigte bann in herz ichen Worten die politische Bedeutung und die persönliche Liebenswürdigkeit feines dahinge- ganuenen Freundes. Danach sprachen verschiedene Abordnungen freisinniger Wahlkrei'e. Noch der Feier ordnete sich der Leichencug v r der Phil­harmonie. Vor dem Leichenwagen schritten die Vertreter des freisinnigen Parteivorstandes und her freisinnigen Parteiorcaniiation von 'Berlin. Dem Leichenwagen folgten die Familienangehörigen des Verstoibenen, Vertreier der Be'ör^en und auswärtige D-puiationen. Der Zug bewegte sich nach dem alten Loutienstädtischen Kirchhof, wo Pastor Graebner die Leicke einiegneie.

.*. Mit der Führung der chinesischen Depu­tation, die zum Zwecke des Siudiums der Re- gierungs- und Verwattungsemiichtuirgen der ver­schiedenen Länder vor einigen Zagen hier em» traf, ist leitens des Auswärtigen Amtes der zur- zeit auf Urlaub hier weckende Kauert. General­konsul in Schanghai, Dr. Knappe, beauftragt worden.

* Anklagen gegen die russische Zollverwal­tung waren in einer Zuschrift einer Berliner Speditions - Firma an tue ,Vo f. Ztack erhoben worden. Danach sollte der neue russische Zoll­tarif die nach Rußland eingejührten Waren, je nachdem sie auf dem Land- oder dem Seewege eingefübrt werden, mit verschiedenen Zollsätzen belasten. Da die Zölle bei der Einiuhr aul dem Landwege höher als bei der Emiuhr auf dem Seewege seien, die deutsche Einfuhr aber falt austchließlich auf dem Landwege angewiesen sei, ergebe sich aus bieier Differenzierung eine schwere Schädigung des deutschen Handels. — Die ,Rordd. Allgem. Zig/ widerlegt diese Anschauungen und weist daraus hin, baß bie Verhinderung von Un­terschieben zwilchen See- unb Landzöllen einen der wichtigsten Punkte der letzien Handelsuertrags- VerHandlungen zwilchen Deuischland unb Ruß­land gebildet habe und daß ei t Unterscheidungs- Zoll dadurch vollständig ausgeschlossen sei.

.'. Ein Notgefetz zum Reichshaushaltöent- wurf bat, wie verlautet, der Präsident des Reichstages schon vor einigen Tagen dem Reichs­kanzler nahegelegt, indem er ihn darauf auf­merksam machte, daß nach dem Gange der pur- l lmentariscken Verhandlungen bie rechtzeitige Fertigstellung bes Reichshauchaltsentwurfs zum t. April unmöglich ericheme.

Erne Reichstags-Ersatzwahl im Wahlkreise Hagen machi ber Tod Eugen Richter« er­forderlich. Das Stimmennerhälim« bet her letz'en Reichstagswahl war folgendes: Es erhielten der naiionalltberalc Kandidat 57-6 Stimmen, der freisinnige Kandidat in,572, der Zen.rums Kan­didat 4526, ber polnische Kaub''ml 105, her sozialdemokratische Kandidat 1 3,070. der christ- lich-ioziale Kandidat 1855 Stimmen. Zu der Stichwahl siegle Eugen Richter mit 20,958 Stimmen über den sosialbemokiatischen Gegner, der 15,018 Stimmen auf sich vereinigte. Pie Zahl her Wahlberechtigten betrug irn Fahre 1903 45,719, baoon haben sich beteiligt im ersten Wahl­gange 36,96(5 (8 ),4 "/e), und im zweiten Wahl- gmge 36,2-8 i7m,2»/0).

.'. Die Budgetkommission des Reichstages fetzte heute bie Beratung des Marrneetats fort und erledigte den Rest der einmaligen Aus­gaben. Sodann beantragte Abg. Errberger (Z.)

versunken in die Erinnerungen, die im Kolosseum seine Seele durchflutet hatten.

So kam er auf den Korso, wo sich die vornehme Welt der Siebeichügelstadt ihr Ctclldickein gab. Aber er sah wieder die stolzen Karossen, die an ihm vorüberfuhren, noch beachtete er das lockende Lächeln der schönen Nönierinnen, die fick hier, auf seidenen Polstern rubend, bewundern ließen. Wie geistesabwesend starrte er in das bunte Leben und Treiben, das in glänzendem Zuge an ihm vor- überrauschte.

Plötzlich aber zuckte er zusammen und fein Mund stieß einen leisen Schrei ans. Dicht neben ihm erblickte er eine tiesverschleierte Dante, die am Halteplatz der Droschkenkutscher in eine Drosch­ke stieg. Sie war, schlank von Gestalt und unter dem eleganten Hütchen leuchtete ihm eine Flut goldenen Haares entgegen.

Gabriel war starr vor Freude. Das war ja Maria Felice! ....

Rasch sprang er in einen Wagen, bezeichnete dem Kutscher die Dame und hieß ihn der davon- roöenben Droschke folgen. In raschem Laufe ging es durch die Straßen, über die fonttenbefchieneneii Plätze und so oft das Goldhrnr vor ihm aufblitzte, sprang er auf und rief: „Maria Felice! Maria Felice!"--

Als der vordere Wagen endlich vor einem großen Hotel hielt, sprang Gabriel in unsinniger Hast aus seiner Droschke und eilte auf die Dame zu, die eben den Kutscher abgelohnt batte und sich nun anschickte, das Hotel zu betreten.

Er streckte die Hände aus, und sein Gesicht strahlte vor Freude. „Maria" ....

Ta wandte sich die Dame um und. ein Paar graue, kalte, hochmütige Augen blickten ihn vor­wurfsvoll an. Jetzt sah er auch, daß ihr Haar dünn und flachsblond und ihr Gesicht alt und runzelig war.

„Derzeihiing", stotterte er, den Hut lüftend, „ich glaubte".....

33, Iadrqanis.

eine Resolution, bie beiweckt, bie laufenden Aus­gaben mehr als bisher aus dem ordentlichen Etat zu bestreiten. Das entspreche ber jahre­langen Arbeit des Abg Richter, dem damit am Tage seiner Beiietzuna ein Denkstein aeietzi werde. Die Beratung vieler Resolution wm de ausgesetzt. Das Ertraoidmarium wurde saft ohne Ab­weichung von den Vorschlägen ber Regierung bewilligt, ebenso bie Einnahme. Damit ist der M rineetat erledigt. Morgen (Mittwoch) vor­mittags 10 Uhr soll in bie Beratung des Mi itäretatS eingetreten werben.

* An Silber- unb Scheidemünzen sollen im Jahre 1906, wie der Retchsschatz etretär Frhr. d. Stengel am Dienstag im Reichstage milae- teilt hat, ausaepiägt werden: 15 Millionen Mark in Zweimarkstücken, 10 Millionen in EwMark­stücken, 3 Millionen in 50 Pfennigstücken, 2l/i Millionen tu Zehnpseniria'iücken, eine Million in Fünipfenliigftücken,85O,O>>O 'JJZarf in Zweipiennig- stücken unb 400.000 Mark in Einpfennigstücken.

Aus dem Reichstage.

64. S i tz u n g vom 13. März.

Eröffnung 2(4 Uhr.

Auf Dorschlag des Präsidenten wird vor der SBeiterberahmg des Etats der Gesetzentwurf be­treffend Cntlastiing des Neickfsinvalidenfoiids zur Beratung gestellt.

Der Gesetzentwurf wird entsprechend dem An­träge der Kommission in zweiter Lesung unver­ändert angenommen.

Ter Etat des Allgemeinen Pensiousfonds wird debattelos bewilligt, ebenso der Etat des Reichs­invalidenfonds. Es folgt der Etat des Reichs- schahanits.

Eine zu diesem Etat vorliegende Refoliition der Kommission auf Einbringung eines Nachtrags­etats zur Bewilligung von Beihilfen an Kriegs- teilnehnier, denen die Beihilfen wegen Mangels an Mitteln nickt ausgezahlt werden konnten, wird auf Vorschlag des

Abg. Dr. Arendt (Rp.), da inzwischen der Nach­tragsetat schon, eingegangen ist, von der Tagesord­nung abgesetzt.

Tie Ausgaben des Etats werden debattelos be­willigt.

Ter Gesetzentwurf betreffend Einbringung eines fünften Nachtragsetats zum HaushaltSetat (188,700 cft Kriegsteilnehmerbeihilfen) wird in erster und zweiter Deratiing debattelos bewilligt.

Es folgt die zweite Beratung des Gesetzent- wnrss betreffend die Feststellung eines dritten Nachtragsetats zum Haushaltsetat für die Schutz­gebiete (Ostasrika) auf das Rechnungsjahr 1905.

Die Kommission schlägt vor, den Nacktrags- etat in Höbe von 2 104.925 M zu bewilligen und in einer Resolution den Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen: 1. daß die mit den deutschen Kolonien verkehrenden deutschen Passagiersckiffe Schiffsärzte an Bord führen, die eine praktische Vorbildung in der Erkennung und Behandlung von Tropenkrankheiten und bezüglich der Sckifss- hygiene durckgemacht haben, sowie daß solche Schiffe jene Ausrüstung zu mikroskopischen Unter- fiidiungen an Bord haben, die den Schiffsärzten die Erkennung der Tropenkrankheiten, msbeson- dere der Malaria, durch mikroskopische Unter- siicknng ermöglichen; 2. daß den so ausgerüsteten Schissen entsprechende Vorteile bei der gesnnd- beitspolizeilicken Untersuchung und Abfertigung in den bevtfrhcn Häfen eingeräumt werden.

Abg. Erzbcrgcr (Ztr.) verteidigte die scharfe Kritik, die er in der Budgetkommission an der Kolonialverwaltung geübt hat, und seine Aus­führungen der einzelnen Anklagepunkte wurden vom Hause mit sich stets wiederholendem Hört! hört! aufgenommen. Aus dem vorgetragenen

„Impertinenter Mensch!" sagte die Dame mit zischender Stimme auf englisch, warf ihm einen vernichtenden Blick zu und wandte ihm den Rücken.

Gabriel war wie vom Donner gerührt. Eine unsägliche Traurigkeit befiel ihm, und langsam, mit schweren schleppenden Schritten, schlich er seiner Wohnung zu.

Zweites Kapitel.

Tagelang vergrub er sich nun in seine Woh­nung, um in Ruhe darüber nachzudenken, Lie er Maria Felice wohl finden könnte. Aber alle Pläne, die er am Abend faßte, verwarf er am anderen Morgen wieder, weil sie ebenso phan­tastisch wie nutzlos waren.

Der einzige Weg, die Verlorene zu finden, war der, die Stadt ruhelos zu durchstreifen und ihre öffentlichen Plätze, wie ihre entlegenen Straßen cmfzusuchen und überall die Augen offen zu hal­ten. Vielleicht war ihm dann einmal das Glück hold. . . .

So stieg er eines Tages nack ber Terrasse San Pietro in Montorio hinauf, weil er gelesen hatte, daß man da aus den besten Ausblick über die ewige Stadt habe. Er wollte dieses Rom, gegen das er in seinem „Luzifer" so trutzig zu Felde ge­zogen mar, doch auch einmal von Angesicht zu An­gesicht sehen.

Zuerst war er ganz geblendet von dem Licht- meer, das sich in den Lüften vor ihm ausdehnte. Tann, nachdem sich seine Augen au den Glanz gewöhnt hatten, vermochte er die Einzelheiten die­ses breit brnflutenben Häusermeeres, das sich in­mitten silberner und goldener Wellen bis in die Unenblidifcit zu dehnen schien, zu unterscheiden. — Da lag es nun zu seinen Füßen, dieses ewig« Rom,'wie eine Königin, strahlend in Anmut und Schönheit.

Es war ein wunderbarer Anblick! Ein herr­licher Sommertag blaute vom wolkenlosen Him­mel hernieder. Bläuliche Nebel, fo zart und n»