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JW 59.

Fulda, Dienstag, den 13. Marz 1906.

33. Jahrgang.

Erstes Matt.

Deutsches Reich.

Berlin, den 12. März 1906.

* DaS Befinden des Eisenbahnministers Budde ist noch immer ei« bedenkliches. Die Deu.sch« Tagesztg/ schreibt allerdings: „Wenn hier und da angedeutet wird, daß das Leiden deS Ministers einen baldigen Amtswechsel ver­anlagen könne, so liegt, wie wir zu unserer Be­friedigung feststellen können, zu einer solchen An­nahme vorläufig kein Grund vor.

Im Befinden deS Direktors vom Reichs­tage, Geh. Rates Knack, ist keine Verschlim­merung eingetreten; im Gegenteil zeigte sich gestern und heute eine kleine Besserung. Die Geschäfte deS Bureaus führt inzwischen fein dauernder Vertreter, Herr Rechnungsrat Jung­heim.

* Die Beerdigung deS verstorbenen Abg. Eugen Richter findet morgen, Dienstag, mittags 12 Uhr von der Philharmonie aus statt. Früh um Ve9 Uhr wird die Leiche aus einfachem Trauerwagen aus der Richler'schen Villa in Großlichterfelde nach Berlin überführt. In der Philharmonie findet dann eine Trauerfeier statt. Die Gedächtnisrede soll nach den bisherigen Be­stimmungen der Abg. Traeger halten. Die liberalen Vereine Berlins und der Vororte bilden für den Trauerzug Spalier, der sich von der Bernburgerstraße nach dem Kirchhof in der Berg- mannstraße bewegt. Dort wird Eugen Richter an der Seite seines verstorbenen Freundes Parisius beigesetzt. Im Sterbehause sind außer­ordentlich viele Beileidskundgebungen eingegangen. Der Reichskanzler, der sich bei der morgigen Trauerfeier durch den Wirklichen Geheimen Ober- regierungsrat und Chef der Reichskanzlei Herrn v. Loebell vertreten lasten will, sandte der Witwe folgendes Beileidsschreiben: „Berlin, i0. März 1906. Verehrte Frau! Zum Hinscheiden Ihres Hernr Gemahls bitte ich mein herzliches Beileid ausdrücken zu buffen. Aufrichtig nehme ich teil an der Trauer um den vorzeitigen Heimgang deS hervorragenden Mannes, beste» umfassende Kennt­nisse und ungewöhnliche Redegabe Reichstag und Landtag vermissen werden, dessen rastlose Arbeits- krast und selbstlosen Charakter auch seine pol» uschen Gegner achten mußten. Das Gedächtnis br1 Verstorbenen halte ich in Ehren. Ich bin, gnädige Frau, Ihr ergebener Bülow." — Der ReichStagspräsident schreibt: „Tiefbewegt durch die betrübend« Nachricht von dem Hinscheiben Ihres hochverehrten Herrn Gemahls spreche ich Ew. Hochwohlgeboren das innigste Beileid zu dem schweren Verlust aus. Der Präsident des Reichstags, Graf Ballestrem." — Gleichzeitig halte Graf Ballestrem an den geschäftsführenden Ausschuß der freisinnigen Volkspartei zu Händen des Abg. Dr. Müller-Sagan ein Beileidsschreiben gerichtet. — Tie Zentrumssraktion des Abgeordnetenhauses hat außer einem Bei­leidstelegramm an die Gattin Eugen Richters folgendes Kondolenzschreiben an den Vorsitzenden der Fraktion der freisinnigen Volkspartei des Abgeordnetenhauses, Stadtrat Fischbeck, gerichtet: „Der verehrlichen Fraktion der sreisinnigen Volks­partei verfehlt die Zentrumspartei nicht, aus An­laß des Hinscheidens des Abg. Richter ihr herz- lichstes Beileid und ihre innigste Teilnahme aus-

Auferstehung.

Roman von Felix N a b o r.

15) (Nachdruck verboten.)

,. »Ich verstehe nichts von solch gelehrten und Philowphlschen Dingen", sagte Viola. „Aber, wenn Sie den rechren Weg gefunden haben, so müssen Sie ihn auch gehen, Gabriel! Uebrigens kenne ich außer diesem Seelenarzte noch einen besseren — für Sie."

,.Ei das wäre?" sagte Gabriel und lächelte ungläubig.

„Maria Felice!"

Gabriel fuhr jäh empor und starrte Viola an. „Was wissen Sie von Maria Felice!" schrie er und preßte Violas Hand. „Was wissen Sie von ihr?"

„Ach Gott, nun habe ich Sie erschreckt und auf­geregt; warum habe ich nicht geschwiegen?"

Gabriel sah sie flehend an. „Viola", sagte er, „bei allem, was Ihnen heilig und teuer ist: sprechen Sie."

„Aber warum sind Sie auf einmal so aufge­regt?" sagte sie. „Ich wußte es ja längst, daß Sie Maria Felice lieben" . . .

„Tas ist es nicht, Viola, was mich erregt, son­dern weil Sie von ihr wie von einer Lebenden sprechen!"

„Aber natürlich spreche ich von einer Lebenden, Gabriel! Ich sah sie doch" —

„Was?" schrie er auf. „Sie haben Maria Felice gesehen. Wann, Viola, wann — wo?"

„Lassen Sie mich einmal ein bißchen nach- denken! — Richtig: es war vor drei Monaten."

Gabriel stieß einen Schrei aus und fiel auf sein Lager zurück. „Und ich", stöhnte er, „ich habe fie feit zwei Jahren in der ganzen Welt gesucht und nicht gefunden.' Ich glaubte, sie wäre tot" ..

zudrücken. Unsere Partei hat die Lauterkeit der Gesinnung und die hervorragende parlamentarifch« Bedeutung des Heimgegangenen stets anerkannt und hochgeschätzt und betrauert darum auch ihrer­seits ben Tod eines Mannes, der burch seine Talente bem Vaterland« noch viele Dienste hätte leisten können. In ausgezeichneter Hochachtung Dr. Porsch. Dr. Dittrich."

.'. Die Mädchettfchulreform soll, wie das »Berliner Tagedlattt von angeblich gut unter­richteter Seite erfährt, doch noch in weitem Felde liegen. Nach dem genannten Blatte sind alle mündlichen und schriftlichen Veröffentlichungen über die darauf bezüglichen Pläne durchaus ver­früht und unsicher.

* Die Meldung von der Beurlaubung des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika Grafen Götzen wirb von ber ,Norbd. Allg. Ztg/ über­nommen, fo daß man ihre Richtigkeit wohl vor­aussetzen barf. Ferner würde der Gouverneur am 12. April die Heimreise antreten.

** Die Denkschrift über die Tätigkeit der Ausiedlungskommission im Jahre 1905 if bem Abgeorbnetenhause zugegangen. Es wurden in Posen und Westpreußen angetauft 34 Ritter­güter, 42 größere Landgüter und 82 Bauern­wirtschaften, und zwar 34,661 Hektar für 41,030,424 Mk. Von den angekauften Be­sitzungen haben sich 7 Güter und 29 Bauern- wirtschaften und 2620 Hektar in polnischer Hand befunden. Der Landerwerb der Kommission um­faßt unter Hinzurechnung ber Erwerbungen aus ben Vorjahren Ende 1905 296,323 Hektar für 250,327,512 Mk. Hiervon stammen aus deut­scher Hand 299 Gutsbezirke, 73 Landgüter, 210 Bauernwirtschaften mit 194,513 Hektar für 173,743,857 Mk.: aus polnischer Hand 147 Gutsbezirke, 26 Landgüter, 173 Bauernwirt­schaften mit 101,810 Hektar für 76,583,655 Mk. Die Nachfrage nach Ansiedlerftellen weist eine geringe Steigerung gegen bas Vorjahr auf. Namentlich hat bie Zahl ber Anträge auf lieber« lassurig von Pachtstellen zugenommen; im ganzen sind 6429 Ansiedlungsgesuche eingegangen und 2065 Verträge über Ansiedlerstellen abgeschlossen.

Die ungünstige Wendung der Dinge in Algeciras, die neuestens eingetreten ist, wird von der ,Nordd. Allg. Zig/ kurz mit folgender Bemerkung registriert: „In der Zeit vom Sams­tag zum Sonntag haben sich unerwartete Schwierigkeiten eingestellt, bie bie im Zuge be­findliche Verständigung verzögern." Jur übrigen gibt das offiziöse Organ lediglich bie offiziellen Depeschen über bie Konferenz wieder.

Sozialdemokratische Wahlrechtsdemon- ftrationen sind, wie jetzt betanntgegeben wird, tatsächlich für den 18. März geplant. In Ber­lin werden in 14 ber geräumigsten Säle Volks­versammlungen abgehälten mit ber Tagesord­nung: „Die bürgerliche Revolution ber Jahre 1848 und 1849 und das preußische Dreiklassen­wahlsystem". Gestern wurden Flugblätter massenhaft verteilt, in denen die Genossen hierzu unter bem üblichen Parteiphrasenjchwall ein» geladen werben.

•*. Zum Etat für Deutsch-Siidwestafrika hat das Zentrum (Graf v. Hompeich und Gen.) in Verfolg der in der Budgetkommission des Reichstages gepflogenen Be atungen folgende Resolution eingebracht: Der Reichstag wolle be- schließen, ben Herrn Reichskanzler zu ersuchen, sofort eine Lösung berjenigen Verlräge herbeizu­führen, bie über bie Lieferungen für bie Schutz»

„Nein, Gabriel, sie lebt!"

„Ist es kein Traum, der mich äfft?" schluchzte Gabriel und bedeckte das Gesicht mit den Händen „Ach, wo ist sie ... wo? .. . Viola, sag' es mir!"

„Sie ist in Rom, Gabriel! Dort traf ich sie. Als ich über den Petersplatz ging, kam sie eben aus dem Dom und wir begrüßten uns. Sie schien zu erschrecken, als sie mich sah."

„Und wie sah sie aus?" war fie glücklich?"

„Sie war sehr blaß und schien leidend", er­widerte Viola. „Und dann fragte sie mich — wir hatten uns schon die Hand zum Abschiede gereicht — da fragte sie, wie es meinem Gemahle ergehe. Und sie wurde ganz rot dabei."

«Ach, rief Gabriel voll Entzücken, „daran er­kenne ich Maria Felice und ihre Liebe. Sie glaubte, ich wäre Ihr Gemahl, Viola!"

„Ah, jetzt geht mir ein Licht auf", sagte Viola und tippte mit dem Zeigefinger gegen ihre Stirne.

„Wissen Sie ihre Wohnung, Viola?"

„Ja, ich habe sie mir notiert, Gabriel! Gleich will ich mein Tagebuch holen und Ihnen das Blatt mit der Adresse geben." —

Als Viola wieder kam, fand fie Gabriel völlig angekleidet. Sie reichte ihm das Blatt mit der Adresse und sagte lächelnd: „Sie verlassen uns? Sie suchen setzt wohl den Antoniusberg auf?"

„Nein, Viola, nein! Ich suche Maria Felice! Ich gehe nach Rom, nach Rom!"

Zweites Buch.

Erst es Kapitel.

«seit Gabriel Maria Felice Verloren hatte, war ihm das Leben trostlos und öde erschienen. Nun er wußte, daß sie lebte, bekam es mit einemmale neuen Reiz für ihn und ein kleiner Hosfnungs- tern blitzte auf, nur ihm erkennbar, aber eben deshalb von ihm mit heller Freude begrüßt.

Und nun führten ihn zwei andächtig. Gründe aus der Einsamkeit in die Welt zurück und mach­ten ihm das Leben begehrenswert: die Liebe zu i

gebiete von ber Kolonialabteilnng des Aus- wärtigen Amtes abgeschlossen worden find und über die Dauer eines Etatsjahres hinausgehen.

* Stimmungsbild aus dem Reichstage. Ob­wohl der 1. April, bis zu welchem der Reichs- haushalt durchberaten sein soll, in bedenkstche Nähe rückt, geht bie Etatsberaiung im Reichstage ihren Schneckengang weiter. Zwar hat die Vertretung des deutschen Volkes am Montag einen weiteren Etat durchberaten, nämlich den des Reichseisen- bahn-Etals, aber man konnte sich doch des Ge­fühles nicht erwehren, daß man auch auf ihn zu viel Zeit und Worte vergeudet bat, denn über die Betriebsmittel-Gemeinschaft, über welche fast ausschließlich debattiert wurde, sand weder im Sitzungssaale noch auf den Tribünen eine beson­dere Aufmerksamkeit. Das Interesse berTribünen- Besuch r wandte sich vielmehr hauptsächlich dem großen Trauerkranze zu, welcher noch immer auf dem Platze des Abg. Richter ruht. Da morgen die Beerdigung Richters ftattfindet, hatten zahl­reiche Abgeordnete, die ohne schwarzen Anzug in Berlin zu weilen pflegen, sich denselben kommen lassen. Hiermit hing zusammen, daß während der Sitzung lange Zeit ein Postbeamter mit einem Zylinder - Karton herurnlies, zu dem man den Eigentümer vergeblich im Hause suchte. Materiell verdient nur die Verhandlung heroorgehoben zu werden, daß die Regierung demnächst eine neue Ersenbahn«Verkehrsordnung vor den Bundesrat bringen wird.

* Straßburg» 12. März 1906. Gestern tagten in Straßburg die Vertreter sämtlicher Zentrumsvereine in Elsaß-Lotbringen. Einstim­mig wurde die Gründung emer elsaß-loth­ringischen Zentrumspartei beschlossen, das Organisationsstatut entworfen und das Ar­beitsprogramm für bie nächste Zeit festgelegt.

Aus dem Reichstage.

63. Sitzung vom 12. März.

Eröffnung iy4 Uhr.

Die Beratung des Etats des Reichseisen­bahnamtes wird fortgesetzt.

Abg. Jäger (Ztr.) hielt einen einstundigen Vor­trag über den bedenklichen Einnahmeausfall, den der Simplondurchstich für die deutschen Bahnen haben kairn. Er empfiehlt einen neuen östlichen Älpendurchstich, um zu erreichen, daß die kürzeste Verbindung von England nach dem Mittelmeer auch in Zukunft über Deutschland geht und vom englisch-indischen Güterverkehr benutzt wird.

, Präsident des Reichseisenbahnamts Dr. Schulz erwiderte, daß die Reichsbehörden diefer Frage ihr Interesse zuwenden, die finanzielle Förderung der bisher vorgefchlagenen Projekte aber abgelehnt haben.

Abg. Baudert (Soz.) kritisierte die preußische Eisenbahnpolitik, unter der die Kleinstaaten schwer zu leiden hätten; das «Schweigen der Reichsregie­rung könne ihn nicht abhalten, die Klagen über die himmelschreienden Zustände in den thüringischen Staaten vorzutragen.

Die Sozialdeniokraten Stolle und Bock klag- ten über die Leistungen, zu denen die Gemeinden bei Bahnhofsbaufen, Unterführungen usw. von der preußischen Eisenbahnverwaltung angehalten werden.

«soweit es sich um Klagen über die mangelnde Betriebsficberk'eit bandelt, versprach der Präsident des Reichseisenbahnamts die Prüfung der Be­schwerden.

Abg. Graf Kanitz (k.) befürwortet einen billi­geren allgemeinen delttschen Staffeltarif für den Güterverkehr.

Maria Felice und das Suchen nach Wahrheit, das Forschen nach Gott! Das Leben erschien ihm nicht mehr kalt ttnb erbarmungslos, er fühlte sich im Gegenteil von ihm angezogen und eine wohltuende Wärme erfüllte wie eine sanfte Flamme seine Brust.

So kam er nach Rom.

Wie ganz anders hatte er sich seinen Einzug in die ewige Stadt gedacht! Von einem Sieges­zug hatte er geträumt, und von mächtigen Legi­onen, die er zum Kampfe gegen Rom führen woll­te, unter derem ehernen Tritt der Fels Petri er­zittern sollte. „Wider Rom!" sollte der Schlacht­ruf feiner Scharen fein.

Und nun Fahl er als ein Gebeugter und Zwei­felnder, als ein Bettler, der von dieser Stadt das Liebste, was er auf Erden besaß, unter demütigen Bitten zurückverlangte. Als eine Kranker, kam er, der hier Heilung suchte für die Wunden, die ihm die böse, erbarmungslose Welt geschlagen hatte.

„O hartes, unerbittliches Schicksal, tote grau- am sind deine Tücken!" dachte er. „Und wer vermag dir zu entrinnen?"

Noch eine andere Enttäuschung harrte seiner: Maria Felice war verschwunden! In dem Hause, las ihm Violas Adresse als die Wohnung der Ge- üchten bezeichnete, hatte sie ein Jahr lang als Gouvernante in einer vornehmen Familie gelebt. Vor etwa drei Monaten hatte sie aber ihre Stel­ling plötzlich aufgegeben, und niemand wußte zu ägen, wohin sie gegangen war.

Gabriel war durch diese Nachricht völlig nie- vergeschmettert: Maria Felice war geflohen! Ver­geblich zerbrach er sich den Kopf, aus welchen Gründen sie das getan habe und erst als er ruhiger geworden war, kam er auf den Gedanken, daß sie geflohen war, um allen Nachforschungen zu ent­gehen und weil sie ihn für Violas Gatten hielt. Hatte sie nicht Viola gefragt, wie e£ ihrem Gatten gehe?

Abg. Basiermann (nl.) meinte, mit der Zeit werde man doch noch zu einem einheitlichen deut­schen Personentarif kommen.

Die gleiche Hoffnung druckte Dr. Hicber (nl.) aus.

Abg. Schrader (fr. Dg.) wollte die ganze Tarif- reform als eine das Publikum Wenig interessier­ende, nur den Staatsfinanzen dienende Maß­nahme beurteilt Wissen.

Namens des Zentrums bedauerte Abg. Dr. Jaeger, daß die Betriebsmittelgemeinschaft an dem Mangel eines Verteilungsmaßstabes geschei­tert sei.

Abg. Kirsch (Ztr.) knüpfte an die Tatsache, daß der Etat für den Präsidenten des Eisenbahn­amts eine besondere Zulage fordert, die Bitte, allgemein neue Grundsätze für die Berechnung der Wohnungszuschüsse aufzustellen.

Der Etat des Reichseifenbahnamts Wurde an­genommen.

Wegen der Richter-Trauerfeier, die morgen, Mittwoch, 12 Uhr in der Philharmonie stattfindet, beginnt die Reichstagssitzung morgen um 1 Uhr.

Au§ dem Landtage.

42. Sitzung vom 12. März.

Eröffnung II14 Uhr.

Die Beratung des Eisenbahnetats wird beim Kapitel „Einmalige Ausgaben" fort­gesetzt.

Mehrere Titel werden nach unerheblicher De­batte bewilligt.

Bei den „Ausgaben für den Direkti 0 ns- bezirk Kassel" bittet Abg. v. Savigny (Z.) um Beschleunigung des Umbaues des Paderbor­ner Hauptbahnhofes und um die Anlage einet Personenunterfühtung am Kasselertor in Pader­born.

Beim Titel „Ausgaben für den Bezirk Köln" bringt Abg. Dr. Hcveling (Z.) eine Reihe von Klagen über die mißlichen Eisenbahnverhaltnisse am Niederrhein vor: ferner wünscht Redner, daß die Eisenbahnverwaltung bezüglich der Pilgerzüge mehr Entgegenkommen zeige.

Ministerialdirektor Wiescner verspricht toeit- gehendstes Entgegenkommen.

Die Abgg. König (Ztr.) und Marcour (Ztr.) danken dem Vorredner für fein Entgegenkommen.

Abg. Marx (Z.) bittet um baldige Abstellung des Provisoriums beim Umbau des Bahnhofs in Neuß und zweigleisigen Ausbau der Strecke Köln- Gladbach.

Bei dem Titel „Ausgaben für den Direktians- bezirk Halle" liegt ein Antrag v. Schenkendorff (nl.) vor, eine Petition betr. den zweigleisigen Ausbau der Strecke Kottbus-Görlitz der Negie- rimg zur Erwägung zu überweifen.

Abg. v. Schenkendorff (nl.) begründet den An­trag. Das Spremberger Unglück sei außer durch die fehlerhafte Organisation der Telegrapherwer- waltung auch durch die Eingleisigkeit der Strecke herbeigeführt.

Die Abgg Sehdel (nl.) und Dirksen (nl.) be­fürworten den Antrag.

Ein Ministerialkommissar Wendet sich gegen den Antrag.

Darauf wird der Antrag Schenkendorff mit den «stimmen der Linken und des Zentrums an­genommen.

Dienstag II Uhr: Fortsetzung, Allgemeine Finanzverwaltung, Ansiedlungs - Kommission, Direkte Steuern, Etatgesetz.

Schluß 5 Uhr.

Ausland.

* Zum Kabinettswechsel in Frankreich. Falls mäst noch in der letzten Stunde Schwierig­keiten austauchen, wird die Regierung folgende Namen au'roeifen: Sarrien Vorsitz und Justiz,

Vor ihm also War sie geflohen, Weil sie über­zeugt War, daß er sie suchen Würde. Sie hätte den Anblick, ihn an Violas Seite zu sehen, nicht er­tragen können. Wenn sie aber den Anblick eines fremden Glückes, auf das sie nach dem Rechte ihres ♦ Herzens selber hätte Anspruch macheir dürfen, nicht mitansehen konnte, so mußte ihr Herz auch jetzt noch für Gabriel schlagen, fo mußte sie ihn auch jetzt noch lieben. Diese Gewißheit erfüllte Gabriel mit unsäglicher Freude und gab seiner Hoffnung neue Nahrung. O, et wollte sie schon finden, und Wenn sie in den fernsten Winkel der Stadt, in die verborgenste Hütte geflüchtet War! Seine Liebe Würde ihm als Stern voranleuchten! Sie lebte — das genügte ihm! Er wollte in Ge­duld und Treue suchen, bis er sie fand.

Tag für Tag eilte er nun durch die Straßen Roms, um die Verlorene zu suchen. Da ihm die Polizei keinerlei Aufschluß geben konnte, so fragte er die zahlreichen Droschkenkutscher, ob sie nicht zu der und der Zeit ein deutsches Mädchen gefahren hätten, mit leuchtendem Goldhaar und himmel­blauen Augen ....

Die übermütigen Gesellen lachten ihm ins Gesicht, schnalzten mit der Zunge, redeten unver­ständliches Zeug durcheinander und deuteten da­hin und dorthin. „No, no Signore", War das einzige, Was er von ihrem KcmderWälsch verstand.

Und als er von ihnen nichts erfuhr, ging er zu den zerlumpten, barfüßigen Betteljungen auf der Straße, setzte sich auf den Kirchenstufen mitten unter sie und erzählte ihnen von Maria Felice, beji ihrem Goldhaar, von ihren blauen, Augen.... Und er Warf ihnen ganze Hande voll kleiner Mün­zen zu und gab ihnen den Auftrag, Maria Felices Aufenthalt zu erforschen. Tag für Tag traf er mit ihnen zusammen und fragte sie, ob sie eine Spur gefunden hätten. Die Allerärmsten, die Kinder der Gasse, die nichts ihr eigen nannten, als die Lumpen, in die sie gehüllt waren, denen die barten Steine als Laaer dienten und der Him-