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BotationrdrnS n. Verlag der Zuldaer 3t» tiendrnckerei in Hulda. Zernsprecher Nr. 9.

JW 58.

Fulda, Montag, den 12. März 1906.

33, Jahrgang.

Lugen Richter f.

Am Samstag erhielten wir kurz vor Schluß ver Redaktion die Drahtnachricht auS Berlin, daß der Abgeordnete Eugen Richter am frühen Morgen desselben Tages gestorben sei. Wir mußten uns darauf beschränken, die Nachricht mit kurzen Worten zur Kenntnis unserer Leser zu bringen. Der Verstorbene hat es aber, wenn er auch in politischen Fragen oft unser schärfster Gegner war, wohl verdient, daß ihm ein längerer Artikel gewidmet wird. Im Reichstage lag am Samstag auf dem Platze, den Eugen Richter sonst einzunehmen pflegte, ein Lorbeerkranz mit Trauerschleife. Ein gleicher Kranz war an dem Sitze befestigt, den Richter bis vor kurzem im preußischen Abgeordnetenhause innehatte. Zeichen, berechtigte Zeichen der Trauer über den Heim­gang Eugen Richters. Im Reichstage gab Der Präsident Graf Balle st rem dieser Trauer noch in einem warm empfundenen Nachruf Ausdruck, während im Abgeordnetenhause, wo der Präsident dem Hingeschiedenen offiziell keinen Nachruf widmen konnte, der Führer der Konservativen sich zum Dolmetsch der Gefühle der Teilnahme aller Mitglieder machte.

tettfleit dichter

Wohlverdient sind diese Ehrungen. Ist doch mit Eugen Richter nicht nur einer der ältesten Parlamentarier des Reiches und Preußens dahingeschieden, sondern auch ein Mann, dessen Lebensgang gleichbedeutend ist mit einem wesent­lichen Stück der Entwicklungsgeschichte des deut­schen Parteimesens, ja der deutschen Politik über­haupt. Mit der Geschichte des Parlamentaris­mus in Deutschland und speziell in Preußen, wie mit der Geschichte der Entwicklung unserer inner­politischen Verhältnisse wird der Name Eugen Richters für immer unlöslich verknüpft sein. Man muß sich der früheren Zeiten erinnern, um der politischen Bedeutung des jetzt Dahin- geschiedenen gerecht zu werden. Die Gegenwart und die jü'aste Vergangenheit boten nur einen schwachen Abglanz von dem Bilde des Polittkers und Parlamentariers, der seinen Ruf als des .von einem Bismarck meistgehaßten Mannes be­gründete.

Eugen Richter's Politik war die Politik eines ehrlichen Mannes. Das muß unter allen Umständen anerkannt werden. Er vertrat jenen Liberalismus, den die Stürme der Zeit von 1848 geboren hatten; er vertrat ihn mit einer Konsequenz, die zur Starrheit wurde und es versäumte, dem Wandel der Zeiten und ihrer

I Auferstehung, i

Roman von Felix Nabor.

14 ] (Nachdruck verboten.)

„Aber, Viola", rief Gabriel, „ich kenne Sie ja gar nicht mehr! Früher waren Sie ganz anders. Glauben denn auch Sie an dieses Märchen von einem Himmel?"

„Gabriel, wenn man dem Tode ins Auge blickt, da kommen einem andere Gedanken, das dürfen Sie mir glauben. Man kann lebenslustig sein — und doch an den Himmel glauben. Ja, ich glaube daran, Gabriel. Dieser Glaube ist so tröstlich, so süß . .. und ist es nicht wünschenswert, auch ein­mal so ein schöner, strahlender Engel zu werden? .... Denken Sie sich, Gabriel, als wir noch in Paris waren, da haben wir mal lebende Bilder ge­stellt — wunderbar, sage ich Ihnen! Lebende Bil­der trach Rafael, Michelangelo, Reni, Murillo, Fra Angelico . . . was weiß ichl Und da habe ich einen richtigen Engel dargestellt, Gabriel! Sogar einen Erzengel!... Es war einzig schön, Gabriel! Geben Sie acht, das mutz ich Ihnen zeigen."

Sie lief davon, indes Gabriel mit weitgeöff- -ueten Augen ins Leere starrte.

Da öffnete sich leise, ganz leise die Türe, und eine schneeweiße Gestalt schwebte herein. Ein glän­zend weitzes, langwallendes Gewand umflotz sie, das Haar flutete in langen Wellen über den Na­cken, und ein paar schneeweiße Flügel wuchsen aus ihren Schultern. Es war Viola. Sie hatte die Hände gefaltet, stellte sich vor einen purpurroten Vorhang, daß sich ihre Weiße Gestatt wie die eines wirklichen Engels von dem flammend roten Hin­tergrund abhob, und begann mit leiser, süßer Stimme zu singen;

Ansprüche und Forderungen Rechnung zu tragen. Darin lag die Stärke der Richter'schen Politik, darin lag aber auch ihre Schwäche, und gleich­zeitig bot sich darin der Maßstab der Bewertung ihres Trägers dar. Die Weltanschauung, auf welcher das Wesen und die Politik Eugen Richters basiert war, war die des extremen Individualismus. Aus ihr folgerte sein Widerspruch gegen jede Stärkung der Staats­gewalt, sei es nach welcher Richtung immer, seine Gegnerschaft gegen alle Verstaatlichungs­projekte, seine Gegnerschaft gegen eine Finanz- und Steuerpolitik, wie sie Miquel inaugurierte, feine Gegnerschaft gegen zu weitgehende Militär­forderungen und schließlich auch seine Gegner­schaft gegen eine Betätigung des Staates auf sozialem Gebiete. Untreu wurde die Richter'sche Politik sich selbst nur bei der Kirchengesetzgebung der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Diese Verwirrung hat der Trager dieser Politik aber bald wieder gutzumachen gesucht, nachdem er das Verfehlte der Unterstützung dec Mai- gesetzgebung von 1873 erkannt hatte.

Daß in einer auf dem Individualitäts-Prin­zip aufgebauten Politik von vornherein die Ge­fahr schwerer Fehler gegeben war, liegt auf der Hand. Einem Politiker wie Bismarck gegen­über, der mit einer stark ausgeprägten Persön­lichkeit das weitestgehende Streben nach Stärkung der monarchischen Gewalt verband, mußte sie fast naturnotwendig zu den schärfsten Konflikten führen, und es ist nicht im mindesten zu ver­wundern, daß schließlich die Gegnerschaft zwischen Bismarck und Richter einen persönlichen Zug er­hielt. Die Entwickelung der politischen Verhält­nisse in Preußen-Deutschland mußte einen Poli­tiker wie Eugen Richter in den Kreis des Nega­tiven, der Kritik drängen. Die Kritik wurde Richters „starke Seite", unb man kann unmög­lich bestreiten, daß er darin Hervorragendes und in mancher Hinsicht auch Gutes geleistet hat. Diese Kritik bildete eine wertvolle, ja notwendige Er­gänzung zu der positiv gerichteten Politik anderer Parteien und der Regierung. Freilich ist auch nicht zu leugnen, daß die Richter'sche Politik viel­fach eine fehlerhafte war und daß sie mehr als einmal versäumt hat, die Partei-Interessen den allgemeinen Interessen unterzuordnen. Immerhin aber war die Politik wie die Person Eugen Rich­ters turmhoch erhaben über gewisse Erscheinun- gen, die sich heute auf dem Felde des angeblich radikalen Liberalismus breit machen. Im ab­strakten Sinne genommen haben alle „Sezessionen" Richter nur zur Ehre gereichen können.

Die Entwickelung der Dinge ist über die Politik Eugen Richters in vielen Punkten hin- weggeschritten, namentlich über ihre Gegner­schaft zur Zollpolitik und zur sozialen Gesetz­gebung. Diese Gegnerschaft hatte freilich auch die runde Absage an die Sozialdemokratie zur Folge, deren KollektionismuS den denkbar schärfsten Gegensatz zu dem Jnvidualismus Eugen Richters bildete. Von keiner Seite ist der Heimgegangene so scharf angefeindet worden, wie von der Sozial­demokratie. Eine Ehre und ein Verdienst!

Unvergesten bleiben soll dem jetzt Heimgegangenen auch sein mannhaftes Eintreten "für alle dem Volke gewährleisteten Rechte und Freiheiten, sowie für die Würde und die Rechte der Volksvertretung. Daß er von diesem Gesichtspunkte aus auch die OdstruttionSpolitik der Sozialdemokratie beim neuen Zolltarif durch­kreuzt hat, ist ihm als bleibendes Verdienst an­zurechnen.

Hebe Deine Augen auf

Zu den Bergen, ;

Von welchen Dir Hilfe kommt!

Deine Hilfe kommt vom Herrn, Der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird Deinen Fuß nicht gleiten lassen, Und der Dich behütet, schläft nicht, Der schläft nicht . . . <

Hebe Deine Augen auf

Zu den Bergen,

Von welchen Dir Hilfe kommt! . . . '

Leise, wie ein süßer Hauch verklang das wun­dervolle Lied aus Mendelssohns „Elias".

Als der letzte Ton verklungen war, schwebte Viola langsam auf Gabriel zu und breitete feier- lich die Arme aus.

Und der schwer leidende Mann faltete unwill­kürlich die Hände und in feinen Augen glänzten zwei helle Tränen.

Zehntes Kapitel.

Die Begegnung mit Viola knüpfte Gabriel mit leisen Fäden wieder an die Welt und an das Leben. Er erfuhr so manches aus der großen Wett, was sein Jnteresie erregte, bekannte Namen drangen in feine Einsamkeit hinein. Nur der eine ward nie zwischen ihnen genannt, der eine, den er so tief im Herzen trug . . .

Auch das geheimnisvolle Leben der Stadt, so­weit er es von seinem Krankenlager aus beobachten konnte, zog ihn an.

Auf dem Nil zogen die Barken mit den großen lateinischen Segeln scharenweise dahin, langsam hintereinander folgend, wie weiße Schwäne. Manchmal erglühte der Nil in allen Farben: gelb, grün, blau und rosa, und der Widerschein erzeugte in der Lust tausend und abertausend farbige Wellenringe. Alles schwamm in einem Meer von

Eugen Richter war eine scharf ausgeprägte Persönlichkeit, mit hervorragenden Geistesgaben auSgeftattet Unermüdlich in der Arbeit, war er auch von einer bewundernswerten Selbstlosigkeit beseelt. Beeinträchtigt wurde die letztere nur da, wo wirkliche ober vermeintliche Parteiinteressen in Frage kamen. Sein Wiffen, seine Schlagfertiq- teit und feine Arbeitskraft werden dem Reichstage noch oft fehlen. Das deutsche Volk wie die deutsche Volksvertretung werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Deutsches Reich.

Berlin, den 10. März 1906.

* Prinz Heinrich von Preußen wird, wie die ,Berl. N. 91/ hören, nach Beendigung der diesjährigen großen Flottenmanöver von der Stellung als Chef der Marinestation der Ostsee zurücktreten, um mit Beginn des Winterhalbjahres ein neues Kommando zu erhalten.

* Der Direktor des Reichstagsbureaus Geh. Reg.-Rat Knack ist erkrankt und mußte seit gestern seiner amtlichen Tätigkeit im Reichstage fern bleiben. Das Befinden war heute nachmittag so schlecht, daß man auf das Schlimmste gefaßt fein muß.

* Im Befinden des Eisenbahn - Ministers v. Budde ist, wie in Abgeordnetenkreisen ver­lautet, leider eine Verschlimmerung eingetreten, die den Minister nötigt, sich größte Schonung aufzuerlegen. Der Minister leidet an einer Darm- erkrankung.

(tl Das Hinscheiden Eugen Richters wird in der gesamten Berliner Presse mit Nachrufen begleitet, die zwar nach dem jeweiligen Partei- standpuntte der Blätter verschieden ausfallen, aber allgemein die hervorragende Bedeutung des Ver­storbenen anerkennen. Die ,Freie deutsche Presse' erschien mit einem Trauerrande und brachte auf der ersten Seite ein eingehendes Lebensbi d des Verstorbenen. Wie das Blatt mitteilt, sind unge­meinzahlreiche Beileidskundgebungenringegangen. Nach dem ,Berliner Lokalanzeigeri hat sich der Reichskanzler Fürst Bülow beim Empfang der Todesnachricht sehr anerkennend über den Hinge­schiedenen geäußert: .^Obwohl er, der Kanzler, in vielen politischen Fragen naturgemäß einen anderen Standpunkt einnehmen müßte, so möchte er doch betonen, daß ihn auch gleiche politische Anschauungen mit Engen Richter näher zusammen- geführt haben, so vor allem die Bekämpfung der Sozialdemokratie, die der Verstorbene trotz aller demokratischen Anschauungen rücksichtslos durch­geführt habe. Diese gleichartige Auffassung habe den Kanzler auch persönlich dem Führer der Freisinnigen nahe gebracht und zu manchen in­timen und interessanten Gesprächen geführt, an die Fürst von Bülow sich gern erinnert. Der Witwe Eugen Richters ließ der Kanzler ein in warmen Worten gehaltenes Beileidstelegramm zugehen. — Die offiziöse ,Nordd. Allg. Ztg/ schreibt.in ihrem Nachruf: „Eugen Richter war einer der markantesten und bekanntesten Persön- lichkei.en im Reichstag; er genoß allgemeine Wertschätzung, weck er .sich auch bei denen, die feine politische Richtung grundsätzlich für verfehlt, unfruchtbar und für das neue Reich Verhängnis- voll hielten, doch persönlich Sympathien als zu­verlässiger politischer Charakter zu erwerben ver­stand."

* Die Erhebung der Geh Kommerzienräte Friedländer und Dr. Caro in den Adelstand war in einem Teile der Presse darauf zurückge-

Licht, wie ein sprühender Regen flutete es von der Höhe herab und die Frauen, die mit ihren Wasser­schläuchen längs des Ufers gingen, erschienen in­mitten dieses Lichtes wie glänzende Gestalten aus dem Märchenlande.

Gabriel war ganz hingerissen von soviel Poesie und Schönheit und kostete sie voll Entzücken. Und wenn ihm dann das schlanke Fellahmädchen mit den goldig-braunen Armen in zierlichem Körb­chen die rosigen, wie in Purpur getauchten Blüten vom Nil und den Gärten der Stadt brachte, so vergrub er sein Gesicht in den weichen Blüten­flocken und trank mit unsagbarer Freude ihren berauschenden Duft, bis ihm fast die Sinne ver­gingen. Und das braune Kind ging so reich be­schenkt von bannen, daß es dem Kranken vor Freude die bleichen Hände küßte.

Manchmal aber schien das Leben in der Stadt stille zu stehen, Kairo war wie ausgestorben. In solchen Stunden kehrte er weit zurück in die Ver­gangenheit, zu den Pharaonen, die draußen in den steinernen Kolossen ruhten, und zu der Geschichte des Landes. Das lenkte seinen Geist ab von dem immerwährenden Grübeln. Viola besorgte ihm Bücher, und er stürzte sich voll Heißhunger auf die­selben. —

Eben hatte er ein Kapitel aus zwei verschiede­nen Werken über die Geschichte Aegyptens gele­sen und gefunden, daß die beiden Werke voller Widersprüche waren. Da trat Viola bei ihm ein. Er klappte die Bucher zu und seufzte.

„Fühlen Sie Schmerzen?" fragte Viola.

„Nein, es geht mir gut", erwiderte Gabriel.

„Aber Sie scheinen Kummer und Sorgen zu haben, da Sie so schmerzlich seufzen."

„Die Welt ist voll von Irrtümern", sagte Ga­briel, „und es wird uns so schwer, einen Aus­weg aus ihnen und die Wahrheit zu finden."

„Finden Sie das fetzt erst? Das wußte ich schon längst — die Welt ist ein Tränental."

führt worden, daß beide Herren zu dem sogen. Zehnmiüionenfonds beigesteuert hätten, zu dem, wie erinnerlich, seinerzeit Fürst Henkel v. Don­nersmarck die erste Anregung gab. Dem gegen­über schreibt die ,9t. G. C/: „Wir sind zu der ausdrücklichen Erklärung ermächtigt, daß die Diobilitierung des Herrn Geh. Rates Dr. Caro absolut unabhängig von dem Zehnmillionenfonds erfolgt und daß auch an der Behauptung von einem Zusammenhänge der Standeserhöhung des Geh. Rates v. Friedländer-Fuld mit dem Zehn­millionenfonds fein wahres Wort ist."

* Aus maßgebenden Kreisen der Deutschen Anti-Duell-Liga wird uns mitgeteilt, daß sich in letzter Zeit erfreulicherweise die Anfragen wegen der Beitrittsbedingungen ganz außerordentlich ge­häuft haben. Die Liga hat sich deshalb veranlaßt gesehen, nochmals bekannt zu machen, daß mau sich wegen Auskunfterteilung an den Generalsekretär der Liga, Herrn Moritz Schmits in Köln, Dolksgartenstraße 21, ober an bie Vorsitzenden und Schriftführer der Ortsgruppen wenden möge. Dieselben find zur Entgegennahme von Beitritts­erklärungen bereit Der jährliche Beitrag ist dem Ermessen eines Jeden anheimgestellt.

* Im Verkehr zwischen Preußen und Frank­reich findet, wie der ,Reichsanzeigeri mitieilt, die Auslieferung auf Grund der Gegenseitigkeit auch wegen solcher Handlungen statt, die nach dem Rechte beider Teile als vorsätzliche Kö r per« Verletzung strafbar sind, soweit Tat umstände vorliegen, die nach dem Rechte des einen oder anderen Teils die Strafbarkeit erhöhen.

.-. Die Haltung des Zentrums zur Flottensrage in der Budgetkommission wird von der ,Nordt>. Allg. Ztg/ anerkannt. Das Blatt schreibt: „Wenn das Zentrum erklärte, daß seine Entscheidung in der Budgelkommifsion noch nicht als enbgiltig anzusehen fet, da es sich seine Entschließung bis nach Erledigung der Steuer­vorlagen vorbehalten habe, so geschah dies, weil es glaubte, einen früher eingenommenen Stand­punkt wahren zu müssen, ohne daß dadurch je­doch die politische und grundsätzliche Bedeutung des Votums der Budgetkommission eine Beein­trächtigung erleidet." Weiter heißt es in der Auslassung des Regierungsorgans: „Bemerkens­wert ist, daß in der führenden Zentrumspresse betont wird, daß für die Mehrheit der Kom­mission jedenfalls auch politische Gründe eine große Rolle gespielt haben. Es dürfte, so werde man sich gesagt haben, abkühlend auf kriegs­lustige Elemente im Anslanve wirken, daß die Vertretung des deutfchen Volkes, ausgenommen die grundsätzlichen Gegner jeder militärischen unb maritimen Bewilligung, die Sozialdemokraten, einmütig sich gewillt zeige, die deutschen Streit« fräste auf die ihren Aufgaben entsprechenden Höhe zu bringen."

* Die Osterferien des Abgeordnetenhauses werden, wie verlautet, gleich mit denen des Reichstages am 5. ober 6. April eintreten.

** Eine Verfügung betr. die Gefahren des Automobilverkehrs Halder Unterrichtsmimster den Volksschulen zugehen lassen. Es heißt darin: „Die Fürsorge für die Schuljugend läßt es ge­boten erscheinen, sie auf die Gefahren hinzu­weisen, welche mit unvorsichtigen oder beab­sichtigten Annäherungen an Automobilfahrzeuge, die sich in der Fahrt befinden, verbunden sind. Es ist wiederholt beobachtet worden, wie Schul­kinder aus ein derartiges Fahrzeug zugelaufen sind, oder unmittelbar vor beffen Herannahen noch im letzten Augenblick versucht haben, die Straße zu überschreiten. Das königliche Pro« vinzialschulkollegium und die tgl. Regierung ver-

„Ja, ja", lächelte Gabriel, — „unb in Paris ist der Sumpf barin."

Sie lachte über seinen Spott. „Paris ist das Paradies der Welt, bas verlorene Paradtes", setzte sie seufzend hinzu.

„Wieso?"

„Ach, Gabriel, mein Mann ist so eigen. Er läßt mich nicht nach Paris, weil er die Pariser Luft für zu gefährlich für eine ehrbare Frau hält. Es ist abscheulich" —

„Nun, nun", sagte Gabriel, „er wird wohl feine Gründe haben. Aber ich wollte Sie etwas fragen", teufte er ab.

„Nun?"

„Haben Sie jemals etwas von einem Anto­niusberg gehört?"

Viola lachte. „Nein", sagte sie. „In der Geo- graphie war ich immer schwach, da bekam ich stets einen Dreier. Ich konnte bie vielen Namen nicht behalten. Aber wie kommen Sie zu dem An­toniusberg?"

„Ganz einfach: ich stieß auf den Namen, als ich die Geschichte Aegyptens studierte. Das war nämlich ein großer Heiliger, dieser Antonius. Auf den stieß ich also und ich fand, daß ich einige Aehnlichkeit mit ihm habe, nicht, was bie Heilig­keit betrifft — Gott bewahre! — fonbern viel­mehr, was fein früheres Leben anbelangt. Er warf all fein Hab und Gut weg unb floh in bie Einsamkeit, in bie Wüste. Unb merkwürdig: er lebte dort glücklich, zufrieden, heilig! Ich würbe gerne alles hingeben, wie er, wenn ich nur — ver­gessen .konnte!"

„Aber sagen Sie, Gabriel, warum tat er beim das?" ■

„Was weiß ich! Vielleicht hat er in der Wett erfahren, wie schlimm sie ist unb entzog sich ihr. Jedenfalls aber war er ein Weiser."

„Das scheint mir sehr fraglich! Was tat er denn in der Wüste?" -