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R»tatio«r-ruü n. Verlag öer Sutoaer Hc< tiendruckerei in $mIM. Seralpreijet Nr. 9.
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Zweites Matt.
kl c. von Pagen und pagendienst.
Bon A. Burg.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Bei allen Hoffestlichkeiten, die in dieser Saison durch die bevorstehende silberne Hochzeit des deutschen Kaiserpaares sich besonders glanzvoll gestalten werden, erscheint das Pagenkorps.
Selten nur bekommen gewöhnliche Sterbliche, denen das glatte Parkett des Hofes verschaffen ist, die Pagen in voller Gala und „im Dienst" zu sehen. Das geschah bei den Beisetzungen der verewigten Kaiser Wilhelm und Friedrich, der Kaiserinnen Augusta und Friedrich. Dann bilden die Page» die Spitze des Vortritts, von den Federbüschen wallen lange schwarze Trauerflore bis fast zur Erde hernieder. Oder beim Einzuge einer Prinzessin-Braut. Da stehen, wie in alter Zeit bei den täglichen Ausfahrten der hohen Gebieterinnen, die Pagen auf den Wagentritten.
Pagen, d. h. zur Bedienung der fürstlichen Herrschaften bestimmte Edelknaben, werden heutzutage nur noch bei großen festlichen Veranstal- timgen zugezogen, während in früherer Zeit — bis zu Friedrichs des Großen Tagen — die Pagen die tägliche Aufwartung versahen. Jin Schlosse Sanssouci werden heute noch die schmalen Polsterbänke in der Bilder-Gallerie dainit erklärt, daß sie der König hat so schmal machen lassen, daurit die diensthabenden Pagen nicht schlafen sollten, wozu die bequemeren breiten einluden.
Pagen — das Wort ist aus der lateinischen Sprache entstanden und später sranzösiert worden — kannte man schon bei den Römern des Altertums. Man hielt in vornehmen Häusern schöne, besonders reichgekleidete Knaben, die diesen oder jenen Dienst im Hause verrichten, das Effen auf- tragen, die Herrin oder den Herrn beim Ausgang begleiten mußten. Bon Rom aus lernten andere Völker diesen Brauch kennen, und in Deutschland wurde er später zur unerläßlichen Vorbereitungsschule dis Rittertums. Ost kam schon im Alter von 7 Jahren ein Edelknabe an einen Hof, um sich in guten Umgangsformen, höfischen Sitten und ritterlichen Künsten zu üben. Dabei richtete er Botschaften aus, bediente bei der Lasel und folgte seinem Herrn oder der Herrin auf Reisen. Daneben wurden sie natürlich auch inden Wiffen- schaften unterwiesen.
Aach sieben oder acht Dienstjahren als Page wurden d>e Knaben „wehrhaft" und Schildknappen, als welche sie besonders die Waffen ihres Herrn in Ordnung hielten. Waren sie dann vonr Knappen zum „Ritter" geschlagen, so halle der Dienst ein Ende.
Was nun die Vorläufer der heutigen Pagen am Hofe zu Berlin betrifft, so wurden sie nicht mit dem fremden Namen „Pagen", sondern als „Jungens" bezeichnet. Welches Alterdiese„Kammer- jungens" hotten, ist nicht recht ersichtlich, jedenfalls standen sie im ungefähren Alter zwischen 10 oder 12 und ß Jahren, da sie auch in der Reitkunst ziemlich geübt sein mußten. Nach dem Pagendienste traten sie als Offiziere oder auch als Kammerherren den weiteren Dienst an.
Die Lehrstunden der Pagen wurden allmählich wesentlich vermehrt, sie erhielten Tanzstunden, Reit- und Fechl stunden, vielfach auch Sprach - stunden. Auf die „Livree" der Pagen scheint schon von jeher besonderer Wert gelegt worden zu s-in, sie war mit silbernen und goldenen Rundschnüren reich besetzt.
Unter der Regierung des Großen Kurfürsten wurden die Pagen nebst ihrem Gouverneur i Hause unteraebracht, wo ihre Schul- und Reitstunden stattfanden, ausgenommen hiervon waren diejenigen, welchen die Bedienung des Kurfürsten und der Kurfürstin oblag. Die Pagen des Kurfürsten schliefen sogar im Vorzimmer, um jeden Augenblick zu ihres Herrn Befehlen zu sein. Daß unter einem io prachtliebenden Fürsten, wie es Kurfürst Friedrich III., der erste König von Preußen, ,var, das Pagenkorps ganz besonders glanzvoll sich gestaltete, ist nur natürlich. Die Pagen blieben nach rote vor im Pagenhause in der Klo>lerstraße wohneir, mußten sich aber zum täglichen Tischdienste nach dem Schlosse begeben. Bemerkenswert ist, daß der Först das Tragen von Degen bei höchster Strafe auch für die P gen in Bersin verboten halte, auf Reisen durften sie ihn mitführen. Friedrich fürchtete, daß die jungen Leute leicht sich in allerhand Händel durch das Waffentragen verwickeln könnten. Tatsächlich forderten auch zwei Pagen, von Siegel und von Hohendorsi, einander zum Duell, wobei Hohen- dorff den Siegel erstach. Der unglückliche junge Mann wurde auf dem „Spittelkirchhof in Köln", also ungefähr in der Gegend der heutigen Ger- traudtenb'.ücke, hingerichtet. Er hatte erst das Alter von 17 Jahren erreicht.
Die damalige Pagentracht war von blauem Tuch mit Streifen von rotem Sammet und reicher Goldborde. Bei den Aussahrte» des Königs standen die Pagen auf den Wagentritten, wurde er m der Sänfte getragen, so gingen sie vor derselben. Unter diesem Fürsten wurden später die blauen Pagenröcke durch rote ersetzt, und daß
bei der Königskrönung in Königsberg daS Pagenkorps in ganz besonderem Glanze erstrahlte, versteht sich von selbst. Der „Soldatenkönig", deffen erste Handlung als König es war, den Hofstaat seines Vaters wesentlich zu verkleinern, schränkte auch das Pagenkorps ein, bediente sich aber immer zweier Leibpagen, wie sie auch den fürstlichen Damen zur Bedienung beigegeben waren. Friedrich der Große ließ sich ebenfalls gern von Pagen bedienen, die bei der Tafel in Sanssouci die Speisen reichen und stets zu des Königs Befehlen sein mußten. Ihre Tracht bestand aus roten Röcken und Beinkleidern mit goldenen Treffen, Hüten mit Federn und Haarbeutel.
Die Verschmelzung der in Potsdam und Berlin befindlichen Hofpagen-Korps fällt in die Re- giernngszeit König Friedrich Wilhelms III., der niemals Sympathie für das Pagen-Jnftitut gehabt hatte und die Bildung der jungen, erst heran- wachsenden Knaben über die Notwendigkeit ihres Dienstes an seinem Hofe stellte. Sie sollten nicht mehr, wie früher, nur das allernotwendigste außerhalb dieses Dienstes lernen, sondern zu tüchtigen Offizieren vorgebildct werde». Bei Hoffestlichkeiten wurden besonders ausgesuchte Hof- und Leibpagen befohlen und taten Dienst am Hofe, bis die unheilvollen Jahre der Abwesenheit des Königs und der Königin von Berlin von 1806 bis 1809 die Berliner Pagen überflüssig machte. Erst als man im Jahre 1810 den letzten Geburtstag der im Dezember 1809 zurückgekehrten Königin feierte, taten die Pagen wieder Dienst, diesmal in neuen Anzügen von blauem Tuch, weißen Beinkleidern, weißseioenen Strümpfen und Schnallenschuhen. König Friedrich Wilhelm 1V. unterzog um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Pagenordnung nochmals einet Durchsicht und Aenderung, wobei der von seinem Vater eingeführte blaue Pagenrock durch den roten, wie er noch heute üblich ist, ersetzt wurde, in dem die Pagen zum ersten Male bei der Hochzeilsfeier der Schwester des Prinz-Regenten Albrecht von Braun- schweig, Prinzessin Charlotte, mit dem Erbprinzen von Meiningen (jetzigen Herzog) paradierten
Söhne mecklenburgischen Adels, die im preußischen Kadetten-Korps erzogen werden, werden zur Saison oder zu besonderen Festlichkeiten zum Pagendienste am Hofe zu Schwerin kommandiert; bis 1866 hatte Schwerin eine eigene Kadetten- Anstalt, aus der es seinen Bedarf an Leib- und Hospagen entnahm.
In Berlin bilden die Hofpagen geschlossen den sogenannten Vortritt, die Leibpagen sind den Herrschaften, deren Dienst ihnen obliegt, beigegeben, gehen hinter den Herren, tragen die Schleppe der Damen, lassen sie in der Kirche neben dem Stuhl nieder, hängen sie beim Dmer zusammengesallen über die Stuhllehne und decken zum Schutz eine Serviette darauf. Dieser Hofdienst, auch das Reichen der Schüsseln, das Gehen auf dem spiegelbl nken Parkett, wird natürlich vorher geübt. Leicht ist es nicht, und es gilt für die Pagen ste!s und zu jeder Minute aufzupaffen, da niemals eine laute Anordnung erteilt wird.
Ihre im Hofdienst direkten Vorgesetzten grüßen die Pagen durch Stillstehen und Ansehen, wobei der Hut unter dem einen Arm bleibt, der andere herabhängt. Die Leibpagen der fürst- lichen Damen und des Kaisers tragen den Hut an einer Schnur auf dem Rücken hängend, damit sie die Schleppen und des Monarchen Helm halten können.' Die Thronpagen stehen neben der untersten Thronstufe, sie sorgen dafür, daß kein Unberufener sich dem Throne naht und nichts auf die Stufen gestellt wird. Allein des Kaisers Leibpagen dürfen hinter Sr. Majestät aus der untersten Thronstufe stehen.
Aus der ihnen vorgelegten Liste der zu Pagen vorgeschlagenen Kadetten wählen die Majestäten und die anderen fürstlichen Herren und Damen sich ihre Leibpagen aus, den fürstlichen Gästen werden sie zugewiesen, wobei natürlich, wenn es angeht, darauf geiehen wird, daß ein „Landes- kinv" der Ehre teilhaftig wird.
[!] Der Geigerkönig.
H. Bucher.
«Nachdruck nicht gestattet.)
Adele war niemals eine Schönheit gewesen; trotzdem hatte ihr pikantes, unregelmäßiges Gesichtchen mit dem slavischen Typus und den strahlenden Augen auf manches Männerberz Eindruck gemacht, freilich ohne daß die Liebe selber ihr übermütiges Herzchen gestreift hätte. Zu einem vergnügten Flirt war Dela immer aufgelegt; aber lieben — oder gar heiraten — einen von den alltäglichen Wesen, die ihren Weg kreuzten — nein, dafür hatte sie zu ideale Vorstillungen von dem „Herrlichsten von Allen", der im Sturm ihr Herz gewinnen, sie auch wider Willen erobern sollte.
So blieb es denn beim Hofmachen und Flirten und Amüsieren, bis soviel jüngere Mädchen um Dela aufgetaucht waren, daß sie selbst anfing, sich zum alten Eisen zu rechnen. Das machte sie nun weiter nicht unglücklich, obwohl sie lebhaft bedauerte, daß das bischen Jugend so schnell vergangen war, ohne daß sich der märchenhafte Liebestraum, den sie auch einst schwärmerisch ersehnt hatte, in Erfüllung gegangen war. Mit einigem Spott gedachte sie jener Stunden, da sie in ihr
mehr waren.
■’£ t1Dar.?n- , , gfnhrini-tim hnfc W'e Ludwig von der andern Seite kommen.
Dela ärgerte sich, gab spitze Antworten, daß Sie konnte ihn i-tzt nicht sehen Er Tanten vericknuvtt waren und lachte nachher strotze 't«4i4" üntttuvFi» SkL — CYX - ß
Reklamen- und Anzeigenteil.
die Tanten verschnupft waren und lachte nachher darüber. Sie konnte sich doch schließlich ihr Schicksal einrichten, wie sie selbst es wollte; der gute Papa ließ sie gewähren, lvenn er auch gelegentlich die Vorzüge des einen oder anderen Bewerbers ins rechte Licht setzte. Aber Dela wußte recht gut, was sie wollte. Als früh verwaistes Kind hatte sie für sich sorgen gelernt, sie wußte, was sie wollte. Und eine Ehe ohne Liebe oder wenigstens ohne große Zuneigung wollte sie nun einmal nicht!
Und dann lachte Dela wieder vor sich hin. Die Wahrheit zu sagen, kam sie sich garnicht so alt vor, im Gemüt und Herzen sicher nicht; und wenn sie einmal wieder eine Gesellschaft besuchte, begegnete man ihr mit so ausgesuchter Höflichkeit, wurde ihr so viel Liebenswürdigkeit gebracht, daß sie selbst vergab, daß sie ein spätes Mädchen jenseits der dreißig war. Sie konnte es denn auch mit den Jüngsten aufnehmen. Die leuchtenden Augen, das lebhafte Mienenspiel, im Verein mit ihrem herzlichen Lachen und einer gewissen nachlässigen Grazie zogen immer wieder die Blicke auf sie. Tte Freundin, die „es nie gekonnt hatte", sagte dann ein wenig spöttisch, Dela müsse immer noch versuchen, ob „sie es noch könne". Dann lachte Dela siegesgewitz vor sich hin; sie brauchte keine Augen zu machen, um zu wissen, daß sie noch „Jemand"
Hörer sogar dankend ihr kapriziöses, dunkles Köpfchen.
Zeit ...
Sie hörte nicht, daß eilige Schritte ihr folgten, überrascht blickte sie auf, als der kleine, etwas schäbig aussehende Herr neben ihr den Hick zog, als aus einem blassen Gesicht zwei dunkle Auge» sie dreist anschauten und seine Stimme mck^ ausländischer Betonung in kecker Galanterie flüsterte: „Schönes Fräulein! So allein?"
Dela stockte der Herzschlag vor Entrüstung, und doch durchzuckte sie der Gedanke: Welcher Unterschied bei Abend in der phantastischen Tracht und bei Tage in den schlecht sitzenden Zivil-Kleidern: Zugleich fühlte sie, daß das die Strafe für rhr gestriges, unweiblickes Benehmen sei; der Menich konnte keine Achtung vor ihr haben, da sie sich so herausfordernd benommen hatte.
Sie wollte tun, als ob sie die Worte mcht gehört hätte und den Zigeuner an sich vorüber lassen; aber er deutet ihre Bewegung anders. Sem Arm schlang sich um ihre Taille; sie ritz sich wütend los; aber auf den schmalen Gartenwegen war eilt Entrinnen unmöglich. „Woarrrum beite so spröde, scheenes Frailein", fragte die dunkle Stimme zärtlich vorwurfsvoll. Aber sie funkelte ihn wütend an: „Wenn Sie mich nicht in Ruhe lasten, so schlage ich Ihnen ins Gesicht!" Dabei sah Dela so hübsch aus in ihrem ehrlichen Zorne mit den blitzenden Augen und hochroten Wangen, daß der Zigeuner bedauernd murmelte:: „Sind sich schlechter Laune, scheenes Frailein."
In diesem Augenblick stieß Dela einen Ausruf der Freude aus und lief, nein, flog in — Ludwigs Arme, der hinter ihnen aufgetauckck war. Er hatte sie den Weg zu den Anlagen einschlagen sehen und war ihr langsam gefolgt, in der Hoffnung, allem mit ihr vielleicht noch einmal den alten, vertrauten Ton zu finden. So war er unfreiwillig Zeuge ihres Zusammentreffens mit dem dreisten Menschen geworden, das aber so deutlich für ihre Utt* schuld'sprach, datz kein Vorwurf in seinen Mienen lag, nur Mitleid und Güte und — Liebe . .. .
Und nun hielt er sie in denArmen, die Selbst- vorwürfe und Entschuldigungen hervorsprudelte und ihm, ohne zu wollen, ihre Gefühle verriet. Aber er hätte ihr noch lange so zuhoren.könne» .... Den Zigeuner hatten sie beide darüber vergessen; aber er hatte sich auch baldmöglichst aus dem Staube gemacht. m ,
Als Ludwig Reinkens mit seiner »Braut nach längerer Zeit aus dem Parke zuruckkehrte, blieb er mit der Widerstrebenden vor einer Musikalienhandlung steben, in bereit Fenster des „Getger- könias" vorteilhaft aufgefatztes Bildnis prangte.
Lächelnd meinte er: „Als ich sah, tote der Kerl Dich zu belästigen wagte, hätte ich tbm das Genick oder weniastens alle Knochen im Leibe brechen mögen. Und jetzt mutz ich tbm noch dankbar fein; denn ohne ihn würde sich Dein stolzes Köpfchen wohl nicht ergeben haben".
war.
Vetter Ludwig Reinkens wurde aus Kalifornien zurückerwartet. Er war immer mit ihrem Vater in Korrespondenz geblieben, und Dela hatte seine Briefe mit Interesse gelesen. Die Sehnsucht nach der alten Heimat trieb ihn zurück, und er sandte auch ihr Grütze, die er als kleines Schulmädchen verlassen. Wie erstaunte Dela, als sie statt des erwarteten älteren Weltreisenden einen schlanken, noch jugendlich aussehenden Mann mit gebräuntem Gesiebt und dunkeln, tiefliegenden Augen erblickte! Mit Teilnahme lauschte sie seinen oft abenteuerlichen Erlebnissen, die er als Kauf- inan in fernen Weltteilen mitgemacht hatte; seine etwas fremdartige Sprache erhöhte noch den Reiz seiner interessanteu Erzählungen. Und Ludwig Neinkens begann sich im Hause des Onkels, umsorgt von Delas hausfraulichem Walten, ungemein wohl zu fühlen.
Da mischten sich die Tauten wieder em. Was das für ein Glück für Dela wäre! 42 Jahre zählte der Vetter und habe sich in den zwanzig Jahren seiner Abwesenheit ein großes Vermögen gemacht. Nur setzt nicht zaudern und schwanken, sondern zugreifen. Das wäre tooM, dos letzte Mal, daß sich eine so gute Gelegenheit böte.
Was bei ungestörtem Verlauf der Dinge bei dem gegenseitigen Wohlgefallen der beiden Beteiligten sich wohl ganz von selbst ergeben hätte, wurde durch das täppische Einmischen, durch Neugierde und taktloses Fragen sehr in Zweifel gestellt. Dela verletzte den Vetter mehr tote einmal durch kalte ^Ablehnung und Zurückweisung; ihre ungezwungene Natürlichkeit machte einer frostigen Zurückhaltung Platz. Datz Ludwig sich seltener .zeigte, und bei feinen Besuchen sich mehr dem Vater widmete, war unter den Umständen nur natürlich. Aber der Schmerz, den sie darüber empfand, belehrte sie, datz Ludwig ihr nicht gleich- giltig war. . , ,
Man hatte sich zu entern Zigeunerkonzert verabredet. Dela hatte sich vorgeuommen, freundlicher zu sein; aber die guten Ratschläge, die die Tante chr unterwegs gab, brachten ihren trotzigen Mädchenstolz wieder in Wallung. Der Vetter habe Miene gemacht abzureisen, sie solle ihm mehr entgegenkommen; so eine gute Partie rc Sie setzte sich ostentativ au die andere Ecke des Tisches trotz aller Bewerbungen der Tante: „Rücke doch neben Deinen Vetter, sei doch ein bischen unter- haltender!" Je offenkundiger man sie zusammen- bringen wollte, desto abweisender wurde ihre Miene. Sie vertiefte sich ganz im Programm iind Spiel der reifenden Zigeuuertruppe, die in ihren bunten, kleidsamen Kostümen einen malerischen Eindruck machte.
Da wurde ibr Blick von einem glühenden Augenpaar ungezogen; einen Moment haftete er an dem leichtblasieu, seiitgeschnitteneu Antlitz, aus dem die nachtschwarzeil Augen ihr fast unheimlich entgegenbrannten; es war Miklos, der Geiger- könig, dessen meisterhaftes Spiel sie soeben entzückt hatte. Wieder und wieder begegneten ihr seine Blicke: sie amüsierte sich ein wenig. Wenn man bedachte, datz sie bald einundreitzig ^abre war! Ludwig vermochte daS Mienenspiel wohl bemerkt haben, denn fein Auge blickte ernst; um feinen Mund lag ein streng verweisender Zug, der ihr galt. Tas aber rüttelte sie zu offenem Trotz auf; er hatte sie nicht zu schulmeisterii. Wieder und wieder blickte sie zu dem Geiger hin, dessen Meisterhand nur für sie zu spielen scknen, der die Geige fingen und jubeln liefe, und ferne flammenden Glutaugen nicht von ihr abwandte. Mit boshaftem Vergnügen sah sie die Gesichter der Tanten lang und länger werden. Als der Geiger beim letzten Solostllck nun vortrat und sie an- schauend, eine leidenschaftliche Improvisation zum Besten aab. neiate sie unter dem Jubel der Zu-
vermischtes.
* Der diesjährige Deutsche Handwerks- und Ge- werbekammer-Tag findet vom 3. bis b. September in Nürnberg statt. Anträge zur Tagesordtiuna des Kammertages sind bis spätestens den 22. ^uu der Handwerkskammer zu Hannover zu übermitteln.
* Recht hat er. Sie: ,9» verstehe nicht, rote man so lange im Wirlshause bleiben kann. Ct: .Na, wenn du es nicht verstehst, warum redest du denn darüber?" ,, . „ , .,
• PferdeenntuiS. Roßarzt (beim Unterricht zu einem Einjährigen): „Na, natürlich, über's Trojaner« pstro da wissen Sie Bescheid, aber vom Dragoner« pferd', da haben Sie keine Ahmittg."
* Modernes Verhältnis. Junger Monn: „Wirst Du mich auch nicht sitzen taffen, liebe Erna, wenn Du das Doktorat gemacht hast?"
Was lag ihr an dem Geiger? Aber Ludwig hatte doch wohl begriffen, daß sie keine heirats- lustige, alte Jungfer fei, die nur darauf warte, ob er ihr die Ehre antun wolle, sie zu seiner Frau zu begehren, d.atz sie durchaus nicht untertänig nach seiner Pfeife tanzen wolle. Und den Tanten mochte die Lust am Heiratsstiften vergangen sein. Aber als er ihr auf dem Heimweg sagte, daß er üsij„a"dern Tags bei ihrem Vater verabschieden müsse, da er geschäftlich abgerufen werde, klopfte ihr Herz doch verräterisch.
Am nächsten Morgen hatte sie für den Vater emige Ausgänge zu besorgen; als sie hcimkehrte,
sich erft^ bemerkt; eilends bog sie in die Park- Gesicht und SU den Anlagen führte. Sie mußte zog sogar grüp. Ein kleiner Herr mit blassem Menschen schon ge,Augen streifte ihr Kleid; ec gen andere Wege, toöbAtot. Wo hatte sie den Rosenbüsche eilte. WenWr ihre Gedanken gin- fortging, nicht wieder kamA"? tz?'agd durch die eigener Hand ihr Glück zerstört,Groll zurückgestotzen, im trotzigen Uebermth \AUttit doch konnte sie ihren Stolz nicht überwindens ein gutes Wort zu gönnen; und doch war es noch
Säuglingen, beiten die Muttermilch vertagt ist, bient Kusiles Kindermehl, mit oder ohne r-.-Uch, zur ausschließlichen Ernährung, da es die m ber Jluttet« milch vorhandenen Nährstoffe im nchugen Berhaltmsss enthält, von Kindern gern genommen und vouiiandtg verdaut wird. Es besitzt ausreichende Mengen Mmercü. stoffen zur Knochen- und Fleischbtldung, von Eiweiß, stoffen zur Bilvung von Muskelsubstan; und Ordert die Kräsiezunahme in hervorragender Wege MU Kuseles Kmdermehl ernährte K.noer zeichnen sich durch gute geregelte Verdauung und prächtiges Gedeihe« aus.
fäifchönen Mondnächten Wünsche zum Himmel Welt. Wie anders, wie nüchtern ist doch die äßabx
das Reden'K>ela nicht vertragen konnte, das war chen tote sie dreHeiern der Tanten, daß ein Mäd- Mann zu bekomiLahre alt geworden, ohne einen kichern Vermögen untrem Mädchen mit ansehn- nicht häßlich fei. Das trauter Familie, das auch nehmtuerei, weil ihr die F-r,ur von ihrer Vorgewesen seien. Und was der Deicht gut genug für eine nette Frau bekommen ha-.n^ch nachher sessor auch! Und Hegmanns Grctch^ bec S(r nicht an das häßliche Gesicht des Kaufman^ Hard gestört und sitze jetzt schön warm th... prachtvollen Hause, und was der erbaulichen Reock