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Kotati onr druck u. Verlag der < ulöaer Ar* tienöruderei in Huld«, Sernfpreber Nr. 9.
Fulda, Samstag, den 3. März 1906.
ja öl.
Deutsches Reich.
Berlin, den 2. MLrz 1906.
... Einen Dankerlaß deS Kaisers mtb der Kaiserin |ür die Teilnahme des Balkes o n Der Reter der Silberne» Hochzett veröffentlicht der .Reichsanzeiger'. Der an den Reichskanzler gerichtete Erlaß hat folgenden Wortlaut:
„Die Feier Unserer Silbernen Hochzeit hat im deutschen Balke eine so herzliche und begeisterte Tellnahme gefunden, daß der Freudenlag Unseres Hauses zu einem nationalen Festtage geworden ist. Boll innigen Tankes für das Uns in den verfloßene« 25 Jahren gutetl gewordene reiche Familienglück bunten Wir zum Throne des Allmächtigen in Demut cusichauen und Unsere Gebete und Gedanken in Dem Bekenntnis au-klingen kaffen: „Bis hierher bot der Herr geholfen." — Wir haben es als eine besondere Gnade Gottes empsunden, daß es UnS am Tage Unseres Ehejubiläums vergönnt war, wiederum einen Sohn an Den Traualtar zu geleiten und Unserem Familten- Iteue eine liebe Tochter zuzusühten. Wenn ober etwas geeignet war, liniere Festesfreude »och zu erhöhen, so waren es die überaus zahlreichen und mannigfachen Beweise liebevoller Anhänglichkeit, Die UnS aus allen Kreisen des engeren und weiteren Ba erlandes in Form von Adreffen, Zrnchriiten. Tele- grammcn, Widmungen und Spendungen zu- grngen Auch bte Deutschen im Ausrande haben es sich nicht nehmen lassen, mit Der Heimat darin zu welteifern. Unteren Ehrentag festlich zu begehen und Uns durch freundliche Glückwümche zu erfreuen. Millionen von treuen Menschen, alten und jungen, in Palast und Hütte, Stadt und Land, haben Unser in diesen Tagen mit herzlichen Wünschen und Fürbitten gedacht und Uns zu mnigftem Danke netpfl chtet. Aber Damit nicht genug — in wahrhaft hochherziger. Unsere Erwartungen weit übertreffender Werse sind aus diesem Anlaß von Provinzen» Bereiuen und Korporationen rote von begüterten Privat- perlenen wohltätige und gemeinnützige Stiftungen errichtet worden, durch welche Unser Festlag auch zu einem Seaenstage für i ie von Krankheit und Slot bedrückten Landeskinder geworden ist. Gott der Herr laffe alle diese Werke barmherziger Nächstenliebe wohl gelingen zu Nutz und Frommen der Menschheit und als Wahrzeichen des innigen und festen Bandes, welches das deutsche Volk und lern Kaiserhaus umschlingt Mögen alle, welche Uns in so erhebender Weite beglückt und durch treues Gedenken erfreut haben, Unteres wärmsten und herzlichsten Dankes versichert sein. Den jedem Einzelnen zum Ausdruck zu bringen, leider nicht möglich ist."
* Kaiser Wilhelm und König Eduard. Die Meldung des „Reuter'schen Bureaus von einer Begegnung zwischen dem Kaiser Wilhelm und dem König Eduard in einem „nahen Zeitpunkte", wahrscheinlich auf offener See oder in einem Hasen, wird von der «Nordd. Allg. Zig? ohne Kommentar übernommen.
Grstes Wlall
Aus dem Reichstage.
55. Sitzung vom 2. März.
Eröffnung 1*4 Uhr:
Das Gesetz betr. Ueberleitung von Hypotheken des früheren Rechts wird in erster und zweiter Beratung debattelos erledigt. Reichsjustizetat.
Abg. Lotten (Ztr.): Wenn auch nur ein Zehntel der gestern vom Abg. Heine vorgebrachten Anklagen gegen den Richterstand wahr todte.
* Prinz August Wilhelm von Preußen, der vierte Sohn des KaiserpaareS, der z. Z.beim 1. Garde-Regiment z F. Dienst tut, wird im Oktober d. Js. nach Bonn übersiedeln, um Die Dortige Universität zu besuchen. Er soll für den Staat sverwaltungsdienst vorbereitet werden und wird deshalb länger als seine filteren Brüder, Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich, den juristischen und staatswiffenschastlichen Studien obliegen und eventuell auch i; fiter seine Studien an einer anderen Universität beenden.
Eine Interpellation betr. die Behandlung der deutschen Waren an Der russisch- deutschen Grenze ist von den beiden freitinnigen Fraktionen und von Nationalliberalen im Reichstag eingebiacht worden. Die Interpellation lautet: „Ist Dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß infolge nicht genügender Vorbereitungen der russischen Zoll- und Eisenbahnverwaliungen weit über tausend Ei enbahnwaggons mit deutschen Ausfuhrgütern, die rechtzeitig von der deutschen Grenzstation abgefertigt waren, nicht re.btzeitig zur zollamtlichen Abfertigung an der ruififcben Grenzstation kommen konnten? Daß ins lgedeffen durch das Eintreten der erhöhten Zollsätze tun 1. März, Die nach Den Vorschriften Der russischen Zollverwaltung auf alle Diese verspäteten Sendungen Anwendung finden iollen. Den deutschen Export euren em großer Schaden erwächst ? Was gedenkt Der Herr Reichskanzler zu tun, um Die Deutete Geschäft-wett vor bieiem erheblichen Schaden zu bewahren?" — Die Interp- llation soll am Montag zur Verhandlung kommen.
* Einen Gesetzentwurf zum Schutze der Heimarbeiter hat Die sozialdemokratische Fraktion im Reichstage eingebracht. Derselbe enthält nach Der Erklärung des Begriffes „Heimarbeit" zu- nächst Bestimmungen über Beschaffenheit der Arbeitsräume und die Anzeigepflicht der Vermieter von Arbeitsstätten. Die Ortsbehörde soll verpflichtet sein, Listen der Heimarbeiter ihres Bezirkes zu führen, und der Unternehmer, welcher Haus- oderHeimarbeiter beschäftigt, bat für jeden von ihnen ein Lohnbuch anuilegen. Verboten soll in der Heimarbeit die Herstellung von Rahrungs- und Gerrußmitteln, sowie solcher Waren sein, die Leben oder Gesundheit des Arbeiters gefährden könnten. Die Ruhezeit wird festge>etzt, desgleichen das Alter, in dem Kinder zur Heimarbeit heran- gezogen werden Dürfen, und verboten das Mitgeben von Arbeit zur Verrichiung außerhalb Der Fabrik oder des Hausgewerbebetriebe-. Ferner soll Die Kranken-, Invalrden- und Unfallversicherung auch für Die Heimarbeiter Geltung haben, auch werden Bestimmungen zur Verhütung ansteckender Krankheiten getroffen. Gewerbeaussicht und Gewerbeger icht sollen auf die Heimarbeit ausgedehnt werden. Letztere erhal en Da» Recht, als Einigung-ämter für ihren Bezirk Minimallöhne für eine bestimmte Dauer festzusetzen.
wurde man es niemanden verübeln können, wenn er Bedenken trüge, mit einem Angehörigen dieses Standes zu verkehren. In meiner langjährigen Praxes ist mir nicht ein einziger solcher Fall vorge- kommen, wie der Abg. Heine sie als üblich bezeich. net hat. Der Abgeordnete Ablatz hat hier neulich behauptet, ich habe eine neue lex Heintze gefordert : das habe ich nickt getan. Ich habe nur gewünscht, datz dem Begriff »unzüchtig" im § 184 des Str.- G.-D. eine weitere Fassung gegeben werden möchte. Ich habe ausdrücklich betont, datz es richtiger sei, die bestehenden Gesetze in ihrer ganzen Schärfe an- zuwenden, als ihnen eine neue Fassung zu geben. Der Vorschlag, den Begriff „unzüchtig" durch den Begriff „unanständig" zu ersetzen, stammt nicht von mir, sondern von einem angesehenen liberalen Professor. Den Vorwurf, es sei eine Forderung der Rückständigkeit, wenn man den § 184 schärfer fassen wolle, mutz ich auf's entschiedenste zurück- weisen. Alle ausländischen Staaten haben den begriff „unzüchtig" als zu eng cracktet und ihn daher in ihrer anderen Gesetzgebung durch andere Bestimmungen ersetzt. Wie der Abg. Ablatz den „<3hn- plizissismus" als das geistreichste Witzblatt bezeich- neu konnte, begreife ich nicht. Ein Dlatt, das, um geistreich zu sein, zur Zote und zum Schmutz greift, darf man nicht dos geh'treWte Witzblatt nennen, ohne damit dem Ansehen Deutschlands selbst ^zu nahe zu treten. (Beifall.) Dieses Blatt, das sich seit Jahren unbestritten zur Kloakengrube fchmutzi- gor Annoncen bergenden hat, als eine „nationale Tat" zu bezeichnen, das ist gerade-u eine Beleidi- gnng des heutigen Volkes. (Lehh. Beif.) Ich habe auf den Tisch des Hauses eine Anzahl Bilder gelegt, bezüglich deren, obwohl sie geradezu schweinisch sind, in München Freisprechung erfolgt ist. Mer fick die Bilder anfieht, wird mir recht geben, datz dieselben nichts anderes als ordinäre Porno- graphieen sind. (Zustimmung.) Ruch der Goethe- Bund Hat sie als solche bezeichnet. Mit solchen Phrasen wie „Knebelung der Kunst" usw., die der Abg. Müller-Meiningen gebraucht bat, lockt man Heute nicht einmal den Dümmsten der Dummen hinter dem £fen Hervor. Gewitz! Die Kunst ver- edelt und erhebt und deshalb treten wir für ihre Freiheit ein; deshalb wollen wir sie aber auch befreien vom Schmutz und anderen Auswüchsen. (Beif. i. Ztr.) Bei der Bekämpfung der Prostitution mutz die Art an die Wurzel des Hebels an- gesetzt werden. Die Jugend mutz vor sittlicher Verseuchung durch obseöne Bilder und Schriften, geschützt werden. Das find die Bestrebungen, denen wir uns hingeben. (Lebh. Beif. i. Ztr.)
Abg. Dr. Wallan (nL) befürwortet die An- nähme des vom Zentrum eingebrachten Antrages aus Gewährung einer Entschädigung an Geschworene und Scköffen. Bezüglich der lex Heintze halte er den § 184 für ausreichend, er gebe aber zu. datz er nickt mit genügender Schärfe gehandhabt werde. Redner fragt zum Schluß an, ob Aussicht bestehe aus die baldige Errichtung von Jugendgerichten.
Abg. Müller-Meiningen (fr. Vv.): Was der Abg. Heine hier vorgebracht hat, ist mir geradezu unglaublich vorgekommen. Ich habe niemals die Beobachtung gemacht, datz ein Richter ein Parteimann in politischer Beziehung gewesen ist. — Die Schwurgerichte haben dem öffentlichen Rechts- bewutztsein in jeder Beziehung Rechnung getragen. Wir werden deshalb an ihnen festhalten. Ich komme nun zur lex Heintze. Mit meinem Hinweis auf die Mainzer Vorgänge habe ich nur zeigen wollen, datz die Auffassung des Zentrums über die Kunst eine andere ist, als die anderer Volksteile. Die Schmutzereien habe auch ich ausdrücklich verurteilt. Wir alle sind einig darin, datz viel Sckmutz existiert, und datz wir auf Mittel sinnen müssen, ihn zu beseitigen. Bezüglich der Mittes sind wir aber anderer Auffassung als das Zentrum. _____________________
Auferstoyung.
Roman von Felix Nabor.
6] t Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung au» dem zweiten Blatt.)
Ter Müller legte seine Beichte in einer geschlossenen Seitenkapelle ob, da sein Gehör durch das fortwährende Geklapper der Mühlenräder gelitten hatte, und sah somit nicht, was sich inzwischen tn der Kirche ereignete.
Mit einemal wankte nämlich Gabriel mit tot- blassem Gesicht aus dem Beichtsttihl, ergriff feinen Hut und schwankte zur Kirche hinaus. Draußen preßte er die Fäuste an die Schläfen und starrte wild vor sich hin.
Eine Anzahl Studenten, die ihn hotten in die Kirche gehen sehen, empfingen ihn mit lautem Gelächter und höhnischen Reden' als sie aber fein totblaffes Gesicht und die unheimlichen Blicke sahen, verstummten sie und fragten ihn, ob er krank wäre.
„Laßt mich", stöhnte er, „mir ist zum Sterben!" Sie wollten ihn begleiten, aber er wies sie zurück und schwankte nach Hause. Er war krank, zum Sterben krank. Bald lief es ihm siedendheitz über den ganzen Körper, bald klapperten ihm die Zähne vor Frost. Er legte sich zu Bett, preßte das Gesicht in die Kissen und stöhnte. Wie ein Blitz durchzuckte es ihn: „Die Absolution ist Dir ver- weigert worden. Du bist ein Mitglied der Loge, ein Freimaurer, und als solcher exkommuniziert, ausgeschlossen aus der katholischen Kirche." Das hatte ihm der Beichtvater gesagt und ihn aufgefor- dert, mit der Loge zu brechen . . . Das hatte er nicht tun wollen, sondern er war aufgesprungen und knirschend gegangen, ohne Segen und Lossprechung. .
Seinem Vater gegenüber schwieg er über die wahren Ursachen seines plötzlichen Unwohlseins und schickte ihn mit vielen Grützen an die Mutter
nach Hause, dem Konsul aber enthüllte er alles. „Nun haben Sie's", rief dieser, „nun erfahren Sie an sich selber die Unduldsamkeit der Kirche, ihr starres Festhalten an veralteten Satzungen. Sie sind einfach blamiert, Gabriel und damit Sie sich nicht vor der ganzen Stadt lächerlich machen, bleibt Ihne» nichts übrig, als sich völlig und öffentlich von der Gemeinschaft mit Ihrer Kirche los- zusagen. Werfen Sie doch den unnützen Ballast über Bord, mein Lieber! Machen Sie sich endlich frei vom Gewissenszwang, frei vom Dogmenzwang — erst dann werden Sie wahrhaft groß und unabhängig fein."
Tagelang kämpfte Gabriel mit sich selber; er war fest entschlossen, mit dem Glauben seiner Jugend und mit der Kirche völlig zu brechen, aber in einsamen, stillen Stunden stieg das Bild seiner Mutter vor seinem Geiste empor und blickte ihn so ernst und traurig an. Und bann sah er auch Maria Felice, die er über alles liebte, und in ihren Augen standen Tränen. Da war es ihm, als hätte er etwas Hohes und Heiliges verloren, als mützte er einem kostbaren Besitze entsagen.
Aber sein Stolz und feine Eitelkeit waren durch die Verweigerung der Abfolufion doch zu sehr verletzt; er sah es als eine unerhörte Schmach und Beleidigung an, was in Wahrheit doch nur ein unbeugsames, heiliges Recht der Kirche und ihre mütterliche Pflicht war. Und je länger er das bedachte, um so heißer flammten Zorn und Hatz in ihm empor und von teuslichem Stoste besessen und verblendet, tat er den schrecklichen Schwur, diese Beleidigung an der Kirche zu rächen. Er drängte alle besseren Gefühle zurück und wühlte sich ganz in feinen Haß hinein, er sann Tag und Nacht Darüber nach, wie er sich am grausamsten und empfindlichsten an der Kirche rächen könnte.
Er schwor ihr unversöhnlichen Haß und fand auch bald Gelegenheit, denselben zu kühlen. Im folgenden Winter kamen die Wahlen und Dem Konsul war ein Mandat angetragen worden. Gabriel hatte im Sommer sein Staatsexamen
glänzend bestanden, aber auf den Rat des Konsuls verzichtete er vorderhand auf eine Staatsanstellung, er sollte sich nicht binden, sondern als freier Schriftsteller und Dichter sich eine eigene glänzende Laufbahn sichern.
Ta der Konsul kein besonders gewandter Redner war, so sprang Gabriel für ihn ein, und er verstand es, mit dem Feuer seiner Rede die Massen zu entflammen. Mit unerhörter Kühnheit bekämpfte er die herrschende konservative Negierung, beschuldigte die kirchlichen Organe als diejenigen, welche einen heimlichen Druck auf die Regierung ausübten, und verlangte Beseitigung dieses kirchlichen Einflusses und Bekämpfung der Kirche, die er geradezu als erbittertste Feindin der Völker und als Hemmschuh der freien Entwicklung Der Staaken bezeichnete.
Alles, was er in den letzten Monaten an Gift und Galle in sich angesammelt hatte, das spie er nun gegen die Kirche aus: fast jede feiner Reden schloß er mit den Worten: „Wer es daher gut mit der Menschheit meint, mutz mithelfen, daß die Menschen vom Drucke der Autorität des kirchlichen Dogmas losgelöst und zur Freiheit und Selbständigkeit geführt werden. Die Religion ist nur ein Machtmittel in den Händen der Kirche, das ihr genommen werden mutz. Die Kircke aber ist verkörpert in Rom, wo sie ihren Ursih hatte und heute noch hat. Soll ein Kampf von durchschlagendem Erfolg fein, so muß er sich gegen das Herz der Kirche, gegen Rom richten. Wenn das Herz tot ist und stille steht, so hört alles Leben in einem Körper auf. Es darf daher nicht ein Kampf im kleinen sein, den wir führen, sondern ein Kampf im großen, ein Kampf, der sich über die ganze Welt erstreckt. Es gibt nur ein Mittel, um die Welt vom Drucke des Dogmas zu befreien und die Masse des Volkes zur Freiheit des Geistes und zum Siege zu führen: affe, die mit der Kirche im Widerspruch stehen, müssen fick fest zusammenschlietzen und mutig und unentwegt den Nus ertönen lassen: Los von Storni Los von Roml"
33. Jahrgang.
Abg. Dr. Spahn (Ztr.) bespricht den Mainzer Vorfall. Das Domkapitel habe eine Bestrafung des Herrn v. Zadern keineswegs verlangt, ebensowenig eine Aenderung der Gesetzgebung. Es hat lediglich als Eigentümer des betr. Ladens besten Inhaber die Ausstellung schmutziger Bilder verboten. Die Antwort des Staatssekretärs bezüglich der Wirkung der lex Hagemann lasse erkennen, daß die daraufhin von den Einzelstaaten erlaßenen Verfügungen nicht in dem gewünschten Matze der lex Hagemann entsprochen hätten. Es wäre wünschenswert, wenn der Staatssekretär den Staats- anwalfschasten deren Besol'ung nochmals an- empfehle. Zum Schluß weist Redner die Angriffe des Abg. Heine auf die deutsche Rechtspre- ckung energisch zurück. In den 30 Jahren seiner Tätigkeit im Osten und Westen habe er die liebet- zengung gewonnen, daß von einer bewußten oder auch nur fahrlässigen Beugung des Rechts niemals die Rede fein könne. (Lebh. Beifall i. Ztr.)
Sonnabend 1 Uhr: Fortsetzung.
Schluß 7 Uhr.
Aus dem Landtage.
Abgeordneleodaus.
34. Sitzung vom 2. März.
Eröffnung 11*4 Uhr.
Der Gesetzentwurf betreffend die Erhebung bot Abgaben für kirchliche Bedürfnisse der katholischen Kirche wird in 3. Lesung debattelos angenommen.
Das Extraordinarium des Bau-Etats wird nach kurzer Debatte erledigt.
Die Beratung des K u l t u s e t a t s wird betm Kap. „Elementarunterrichtswesen" fortgesetzt.
Abg. Ziesche (Ztr.) fragt an, warum mit dem Bau des katholischen Seminars in Breslau noch immer nicht begonnen werde.
Abg. Ernst (f. Vgg.) wünscht Umwandlung der Präparandenschiileu in Realschulen.
Abg. Botz (nl.) bittet, das Lehretberusungsrecht der Städte nicht zu beschränken.
Abg. Schmidt-Halle (f. Dp.) will Gleichstellung der Ferien an den höheren Unterrichtsanstalten mit denen der Volksschulen.
Abg. Gaffel (f.Vp.) beschwert sich über Maßnahmen des Provinzial-Schulkollegiums betr. das Berliner Dolksschiilwesen.
Ministerialdirektor Schwartzkopfen entgegnet, die vom Vorredner vorgebrachten Einzelfälle seien durchaus keine Eingriffe in das kommunale Selbstverwaltungsrecht.
Abg. Dr. Friedberg (nl.) führt Beschwerde Darüber, daß das Lehreranstellungsrecht der Stadt Linden bei Hannover aufgehoben fei.
Ministerialdirektor Schwartzkopfen erklärt, dre Derhältnisfe in Linden bedürften noch genauer Prüfung.
Abg. Frbr. v. Zedlitz (ff.) meint, die borge- brachten Fälle bewiesen, daß die Stellung der Aufsichtsbehörde nickt den Verhältnissen entspreche: deren gesetzliche Regelung erscheine dringend notwendig.
Minister Dr. Studt erklärt, daß, wenn sich Herausstellen würde, datz die Behörde in dem Falls in Linden nicht richtig gehandelt hätten, für Abhilfe gesorgt werden würde.
Abg. Frhr. v. Zedlitz (ff.) befürwortet eine Aus- befferung der Kreisschulinspektoren.
Abg. Harkenroth (f.) verteidigt die Sckulauf. sicht durch die Geistlichen. Bezüglich der Vorbil- bung feien die Geistlichen ebenfo gut geeignet tote etwa Philosophen. , _ .
Abg. Titttick (Ztr.): Bei dem Rufe nach Entfernung der geistlichen Sckulauffickt kommt man zu der Ueberzeugung, es handle sich nicht so sehr um die Ausschaltung der Geistlichen wegen man-
Tausende nahmen diesen Ruf auf und trugen ihn durch die Stadt und durchs ganze Land. Und um ihn der breiten Masse noch mundgerechter zu machen, fatzte ihn Gabriel in die Form eines Gedichtes, das vor den Wahlen durch die ganze antt- christliche Presse lief und mit ungeheurem Jubel aufgenommen wurde. Es lautete:
Los von Rom!
Der Weltkreis lag in der Römer Hand, Geschlagen in ihr eisernes Band.
Ta kam der Germanen Völferstrom Und rief in die Lande: Los von Rom!
Die Welt sank wieder in römische Macht. Die Päpste herrschten in finsterer Nacht. Zur Zwingburg schuf man St. Peters Dom, Da rief ein Germane: Los von Rom!
Und heute? — Deutsche, hört ihr es nickt? Es flammt durch die Lande: Es werde Licht! Germanen, schlaft ihr? — Ist ein Phantom Die deutsche Freiheit? — Ruft: Los von Roml Das Lied erklang bald in den Versammlungen der linksstehenden Parteien, auf den Kneipen der Studenten und flog als Kampfruf durchs ganze Land. Heftiger als jemals tobte der erbitterte Kampf zwischen den feindlichen Lagern, denn auch die christliche Partei, welche die drohende Gefahr wohl erkannte, rüstete sich zur Abwehr. In aller Stille sammelte sie ihre Getreuen, um am Wahltage ein schlagfertiges Heer auf den Kampfplatz stcklen zu können. . .
Auch die akademische Jugend mischte sich t« die politischen Kämpfe und es kam bähet zu heftigen'Zusammenstößen: in einem derselben wurde ein Reffe des Konsuls, Kurt Werdenberg, tm Duell' getötet. Er war ein heißblütiger junger Mensch, ein Raufbold, der feiner Familie nie viel Ehre gemacht hatte. Man erzählte sich, er hatte in einem Restaurant absichtlich einen Streit vom Zaune gebrochen und seinen Gegner geradezu zum l Duell, das ihm den Tod brachte, gezwungen.