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Rotationsdruck n. Verlag der Huldaer 2k» tiendruckerei in Hulda. Zernspre her Nr. 9.
M 49.
Fulda, Donnerstag, den 1. März 1906.
33. Jahrgang.
*. Ulatsch und Tratsch
machen sich zur Zeit in einem Teile der Presie be- züglich einer Angelegenheit breit, die ganz und gar nicht dazu angetan ist. die Unterlage für breite Auseinandersetzungen zwischen den einheimischen Blättern abzugeben. Es handelt sich um die der- traulichen Besprechungen, die der R e i ch s k a n z- ler Fürst Bülow vor der Einbringung der Vorlage betreffend das Handelsprovisorium mit den Bereinigten Staaten im Reichstage mit einer Anzahl hervorragender Parlamentarier aus verschiedenen Parteien gepflogen hat. Die meisten Blätter haben sich darauf beschränkt, die bloße Tatsache dieser vertraulichen Besprechungen zu verzeichnen, und was von einigen Blättern über den Inhalt der Besprechungen mitgeteilt wurde, begegnete berechtigten Bedenken. Sonderbarerweise war es die ,.Allg. ev. luth. Kirchenztg.", welche die Zurückhaltung, die durch das politische Interesse geboten war. hint- ansetzen zu dürfen glaubte und allerlei „Informationen" zum Vesten gab, welche darauf hinausliefen. daß Fürst Bülow die allgemeine politische Lage und namentlich die Notwen- digkeit der amerikanischen Freundschaft für uns im Hinblick auf die Haltung Englands für das Zustandekommen des deutsch-amerikanischen Provisoriums ins Feld geführt habe. Diese Ausstreuungen sind bereits von der „Köln. Bolksztg." n a ch- d r ü ck l i ch st z u r ü ck g c w i c s e n worden.
Jetzt kommt eine andere „Quelle" und sucht Verwirrung zu stiften, indem sic angeblich „Informationen" verbreitet, die sich auf die vertraulichen Besprechungen beziehen. Tie in Berlin erscheinende „Nordd. Neichskorr." schreibt nämlich: „Wie nachträglich bekannt wird, hat vor der Präsentation des deutsch-amerikanischen Handclsvertragsprovi- sorinnis beim Reichskanzler eine Zusammenkunft der Parteiführer stattgefuuden zum Zwecke, die Stellungnahme der Parteien fcstzustellen. Dabei hat, wie w i r von vorzüglich unterrichteter Seite erfahren, Fürst Bülow die Herren geradezu beschworen, ihren ganzen Einfluß in die Wagschale zu werfen, um die Vorlage durchzubringcn. Andernfalls wäre er leider genötigt, sofort sein Abschiedsgesuch einzurcichcn. Diese Drohung soll bei der Stellungnahme der Parteien denn auch schließlich ihre Wirkung getan haben.
Es bedarf nicht vieler Worte, um die U n- wahrschei ulichkeit dieser „Informationen" darzutun. Sie stehen auf der gleichen Höhe wie die der „Allg. ev.-luth. Kirchenztg.". Unseres Erachtens waren die inneren Gründe, welche für die Vermeidung eines Zollkrieges zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten sprachen, für sich st a r k g e n ug, um eine Verwerfung des Pro- visoriunis zu verhindern. Die Lage war derart, daß Fürst Bülow nicht der geschickte Diplomat hätte sein müssen, der er ist, wenn er das persönliche Moment seines Rücktrittes in die Wagschale hätte werfen wollen. So energisch er in offener Reichstagssitzung cs im Sinne dcr Vismarckschen Politik den Gedanken abgclehnt hat, politische Vorteile durch wirtschaftliche Nachteile für Deutschland zu erkaufen, so wenig wird er daran gedacht haben, mit der Drohung seines Rücktritts zu operieren.
Es wäre wohl an der Zeit, wenn die politischen „Zeichcndcuter", die fetzt an der Arbeit sind, ibre Tätigkeit e i n st e l l e n wollten. Unseres Erachtens kommt jetzt alles darauf an, daß die Bemühungen von Erfolg gekrönt werden, welche fetzt für die Herbeiführung eines ersprießlichen Defi- nitivums zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland ins Werk gesetzt sind. Es steht dabei zu viel auf dem Spiele, als daß man lediglich der Sensation halber es wagen dürste, diese Bemühungen durch Ausstreuungen zu durchkreuzen, welche die Position des Reiches und seiner Unterhändler nur schwächen können.
Auferstehung.
Roman von Felix Nabor.
3J (Nachdruck verboten.)
„Was willst Du dann tun?"
Er schüttelt das Haupt. „DaS kann ich jetzt nicht sagen, Maria! nun aber sollst Du meine Höhle sehen. Sic ist so schön, ach so schön! . . . Komm!"
Sie nickte bloß biß mit den weißen Zähnchen einer Primel lq§ Haupt ab und folgte ihm in die Hohle, wo Gabriel einen bochgcschichteten Reisig- hausen entzündete, daß die Flammen wie rote Schlangen an den schioarzen Felsen emporzüngel- ten. Beim Scheine des Feuers begann es rings umher zu sprühen und zu blitzen, wie von tausend funkelnden Edelsteinen: an den Wänden zeichneten sich phantastische Gestalten ab und am Boden krochen weiße Rauchschlangen hin und ringelten ihre Leiber im Flackerscheine des Feuers.
Maria Felice schlug vor Verwunderung die Hände zusammen und fetzte sich neben Gabriel auf einen breiten Stein, während dieser von Drachen und Riesen, von Gcisteril und von Königen erzählte, welche in den Berge» wohnen sollten.
Mit eincmmale brach die Glut zusammen, und das Feuer erlosch; ein Stück der Decke hatte sich losgelöst mid fiel prasselnd in die zischenden Flammen.
Maria Felice sprang von ihrem Steinsitz auf » itevon, indem sie schreckensbleich ansrief: „Ich sterbe vor Angst."
yci6. bat Gabriel, „ich toiß noch meor Reisig tn ine Glut werfen "
Aber während er in der Dunkelheit umhertastete, hatte Maria Felice den Ausgang erspäht und lief davom Sie glaubte, Riesen und Zwerge, Drachen und Schlangen liefen hinter ihr her um sie in ihre Gewalt zu bekommen.
Deutscher Reich.
Berlin, den 28. Februar 1906.
% Ein Erinnerungszeichen an die silberne Hochzeit des .Kaiserpaares hat der Kaiser gestiftet. Dasselbe soll von den Inhabern am Bande des ihnen zuletzt verliehenen Ordens re. oder, wenn sie noch keine Auszeichnung besitzen, am weißen Bande auf der linken Seite der Brvs getragen werden. Nach dem Ableben des Inhabers soll das Eriunerungszeichen den Angehörigen als Andenken verbleiben. Ersatz für verloren gegangene Abzeichen wird nicht gewährt.
** Tie Flottenspende der höheren Mädchenschulen, die angeblich von der ersten Klasse der höheren Mädchenschule in München-Gladbach ausgegangen ist, hat den Ertrag von 12,000 Mark gebracht. Dem Kaiser wurde zu seiner silbernen Hochzeit in einer Glückwunschadresse hiervon Mitteilung gemacht. In einem Antwortschreiben der Regierung zu Düsseldorf wird mitgeteilt, der Kaiser nehme die Flottenspende gern an, deren Verwendung er sich Vorbehalte. Ter Kaiser ließ seine Freude über den patriotischen Sinn der Schülerinnen ausdrücken. Ter ..patriotische Sinn" der Gymnasiasten hat eine Flotten- spende von ungefähr 64,000 Mk. zustande gebracht. Auch davon ist dem Kaiser in einer Adresse Mitteilung gemacht morden. Die,Fr. D. Pr/ bcmerft dazu mit Recht: „Im ganzen sind al'o 76,i>00 Mk.zusammenaekommen, ein sehr klägliches Resultat, wenn man bedenkt, daß die Zahl der Angehörigen der höheren Schulen in Deutschland ungefähr eine halbe Million aus- macht. Da für den Kopf die Ausbringung der Summe von 5o Pfg. festgesetzt worden war, so hätten alio, wenn sich alle Schüler und Schülerinnen beteiligt hätten, etwa 250,000 Mk. zu- sammenfließen müssen. Es hat sich alio noch nicht der dritte Teil der Gymnasiasten und „höheren Töchter" bereit gesunden, beizusteuern. Dabei muß man in Betracht ziehen, daß in vielen Schulen die Seiler und Leiterinnen sehr ungeniert einen „moralitchen Truck" auf die ihnen anvertrauten Kinder zur Erzielung eines guten Ergebnisses au-zuüben versuchten
* Ein Dementi, das eine angebliche Aeußerung des Kaisers über russische Verhältnisse enthält, veröffentlicht die/Kord). Allgem. Zig/. Das offiziös Blatt schreibt: „Die Rcwoje Wremjcr' hat berichtet, Se. Mas. der Kaiier und König habe in einem Gespräche mit dem russischen Staatssekretär Koknopor mBe- ziehung auf das Scheitern eines Gesetzentwurfes über Zwangsenteignung in Rußland bemerkt: „Schade — das hätte mir die Hände freigegeben. Sie in Rußland vergessen, daß es Maßnahmen von internationaler Bedeutung gibt." Wir sind ermächtigt, festzustellen, daß 'diese angebliche Aeußerung Sr. Maj. frei erfunden ist und daß auch dem Sinne nach keine ähnliche Bemerkung gesotten ist."
** Anläßlich der Verkehrsstockungen an der deutsch-ruitit chen Grenze, die dazu geführt haben, daß die deutschen Waren, die dort an- kommen, um noch vor dem 1. März zu den bis- beugen ruisiichen Sätzen zur Verzollung zu gelangen, russischerieiis nicht rechtzeitig übernommen werden, hat der Kaiserliche Boischafier in Peters- bürg durch das Ausivärtige Amt Weitung erhalten, nachdrücklich darauf hin«uwirken, daß seitens der ruisischen Zoll- und Eiienbahn-Ver-
Gabriets Stufen und Bitten war vergeblich, sie hörte gar nicht auf ihn. In weiten Sprüngen, mit gelöstem Haar, das wie eine goldene Fahne über ihrem Haupte flatterte, lief sie den Berg hinab.
So sah sie Gabriel dahinfagen in dem blauen zitternden Luftmeer. Er starrte ihr mit erschrecke, neu, großen Augen nach. Und als er sie nicht mehr sah, schloß er die Augen, warf sich langge- streckt ins Gras und begann leise zu weinen. . . So zerrann sein Kindheitstraum.
Drittes Kapitel.
Gabriel war nun in der Stadt und blieb da- selbst viele Jahre. Nur selten kam er in den Ferien nach Hanse, aber so oft er kam, fand er Maria Felice schöner. Er wagte ihr das zwar nicht in Worten zu sagen, aber seine Blicke her- rieten es um so deutlicher.
Seit er zum Jüngling herangewachsen war, siebte er Maria Felice, ihr Bild schwebte im Wachen und Traumen vor seinem Geiste. Er hatte sich das hohe Ziel gesteckt, Maria Felice zu erringen und ihrer würdig zu werden, ohne dabei zu bedenken, welch tiefe Kluft ihn von ihr trennte.
Sem Eifer war so groß, daß er in kurzer Zeit alle leine Studiengenossen überflügelte und die Zierde und der Stolz des Gymnasiums wurde, welches er besuchte. Seine Lehrer waren entzückt über seine Fortschritte und seine Leistungen und prophezeiten ihm eine glänzende Zukunft. Ehe er, die Universität bezog, kehrte er zurück in die Muhle: er konnte seine Freude, die Heimat wieder zu sehen, kaum bcmeistern und seine Gedanken flogen dem Schiffe, das ihn der Heimat zutrug, weit voraus. Er malte sich das Wiedersehen mit feinen Eltern und mit Maria Felice in den heitersten Farben aus und konnte es kaum erwarten, bis er die Heimat erblickte.
Ach, wie war sie schön, diese Heimatl Ans den Höhen grünten die Wälder, an den Hllgclhängen standen die Bäume im schimmernden Blüten-1
roaltung alles geschehe, um diesea Mißständen abzuhelfen.
*** Eine neue Polizeiverordnung über den Handel mit Giften veröffeni licht der ,Slaats- anzelgerck. Danach ist endlich die längst befürwortete Ausnahme des Lysols unter die Gifie erfolgt. In das Verzeichnis der Gifte sind jetzt nämlich auch die Zubereitungen der Kresole (Kresolseisen, lösungen, Lysol, Lysosolversucher) aufgenommen worden, sowie deren Lösungen, soweit sie in 100 Gewichtsteilen mehr als ein Gewichtsteil der Kiesolzubereitiing enthalten. Danach ist das Lysol dem freien Verkehr entzogen, es darf in Zukunft nur an solche Personen abgegeben werden, welche als zuverlässig bekannt sind und es zu einem erlaubten gewerblichen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen ober künstlerischen Gewerbe benutzen wollen. Wenn der Abgebende von dem Vorhandensein Dieser Voraussetzung»!! sichere Kenntnis nicht hat, darf er es nur gegen Erlaubnisschein abgeben. Die Erlaubnisicheine werden von der Ortspolizeibebörve nach Prüfung der Sachlage ausgestellt. Dieselben werden in der Regel nur für eine bestimmte Menge, ausnahmsweiie auch für den Bezug einzelner Gifte während eines, ein Jahr nicht über steigenden Zeitraumes oegeben. Der Erlaubnisschein verliert mit dem Ablaut des Tages nah dem Ausstellungslage seine Giftig- leit, svstrn auf denselben etwas anderes nicht vermerkt ist. An Kinder unter 14 Fahren dürfen Gifte nicht aur-gehäiuigt werden. Weiterhin ent» ba t die neue Verordnung die Bestimmung, daß arsenikhaltiges Flie.ienpapier nur m t einer Abkochung von Kuastiasalz oder Lösung Kuastia- extraft gubereret in 4eckigen Blättern von 12:12 Zentimeter, deren jedes nicht mehr als 0,01 arfenige Säure enthält und auf beiden Seiten mit den Kreuzen, der Abbildung eines Tolen- kopses und der Aufichrist „Gift" in schwarzer Farbe deutlich und daueihatt versehen ist, seilgehalten ober abgegeben werden Darr. Die Ab- gäbe darf nur in einem b chlen Umschläge erfolgen, auf welchem in schwarzer Farbe deuilich und Dauerhaft Die Jmchrificn: „Gift" und „arsenithalliges Fliegenvapier" und im Klem- hanbel außerdem Der Name des abgebenden Geschäftes angebracht ist.
?. Die Börsen steuer hat in den ersten 10 Monaten des laufenden Etatsjahres einen Ertrag von 44,l Mark abgeworfen. Es ist danach Aussicht vorhanben. Daß der Jahresertrag Der Steuer sich Diesmal auf 52 ober 53 Millionen Mark belaufen. Entsprechend Den Eingängen der Vorjahre wurde Die Einnahme aus Der Börsen steuer im Etat für 19 j5 auf rund 31 Millionen Mark veranschlagt. Ter voraussicht- liche wirkliche Ertrag würde Den Etatsanschlag al'o um 22 -23 Millionen Mark übersteigen. Es ist dies um so erfrerrlicher, als die Lose- fteuer, Die aleichfalls zu den den Einzelstaaten ru übeimeifenben Reichsstempelabgaben gehört, in ihrem Ertrage bebeutenb hinter Dem Etats- anschlag Zurückbleiben dürste Es wird hier auf einen Anstatt von 12 Millionen Mark zu rechnen fein.
.'. Ter Gesetzentwurf betr. bi? Aenderung des § 833 des B. G. B. (Haftung des Tierhalters) ist Dem Re'chstage nunmehr zu gegangen. Rach Der jetzigen Fassung des genannten Paragraphen ist, wenn durch ein Tier ein Men ich gelötet ober der Körper ober Die Gesundheit eines Menschen verletzt oder eine Sache beschädigt wird, derjenige, welcher das Trer hält, ver
schmucke unb durch das breite Tal zog der Fluß eine blitzende Furche. Es war ihm, als seien die Wälder hier grüner, die Blumen feueriger, dcr Himmel höher und blauer, der Sonnenschein heller und leuchtender, als in der engen dumpfen Stadt.
Er grüßte aus ganzer Seele die Heimat unb chwelgle in Wonne. Tie Mühle sah er noch nicht, ie lag seitwärts im Tale; aber das Schloß mit einen weißen, leuchtenden Mauern sprang ihm in die Augen und er wendete den Blick nicht mehr von ihm ab. Vom Schlosse wehte die bunte Flagge; das dünkte ihm ein gutes Zeichen, ein lieber Willkommgruß der Heimat!
'An der Landungsbrücke stand eine Gruppe itnger Leute, darunter eine schlanke Mädchenge- takt, deren Goldhaar in der Sonne glänzte. Auf den ersten Blick erkannte er Maria Felice, obwohl er sie lange nicht mehr gesehen hatte. Wie schön war fiel Voller Duft, wie eine junge Rose, und o huldvoll und strahlend erschien sie ihm, wie eine Königin.
Mit glückstrahlendem Gesicht ging er auf die jungen Leute zu unb grüßte mit lachendem Mun- i)e, die Hände zum Willkomm ausgestreckt.
Aber niemand erwiderte seinen Gruß; er sah nur kalte Blicke, hochmütige Gesichter. Er erblaßte, wandte sich ab und schritt langsam der Mühle zu. Er hörte, wie hinter ihm eine weiche Frauenstimme ragte: „Wer mag er wohl sein?"
Und darauf erwiderte einer: „Vielleicht der Sohn des Müllers, das Wundertier, von dem die ganze Stadt spricht."
Weiter hörte er nichts mehr. Er sah auch nicht, wie sich Maria Felice mit freudigem Blick nach ihm umwandte, als wollte sie ihm nacheilen. Sein Auge haftete traurig am Boden, auf seine unge Liebe war ein kalter Reif gefallen.
Ein herzlicher Willkommgruß empfing den Heimgekehrten im Elternhause. Die Mutter schaute ihn mit feuchten Augen an, unb dec alte
pflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen, ohne Unterschied, ob dem Tierhalter ein Verschulden zur Last fällt oder nicht. — Der Paragraph soll nunmehr einen zweiien Satz erhalten, der folgendermaßen lautet: „Die Ersatzpflicht , tritt nicht ein, wenn der Schaden durch ein Haustier verursacht wird, das dem Berufe, Der Erwerbstätigkeü oder- Dem Unterhalte des Tierhalters zu Dienen bestimmt ist, und entweder Der Tierhaller bei Der Beaufsichtigung des Tieres die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachiet oder der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt enistaoden sein würbe.“ In Der Begründung heißt es: ..Die Milderung Der Haftpflicht, für welche der Reichstag sich nunmehr in seiner letz!en Session ausgesprochen, kommt den Wünschen entgegen. Die in weilen Kreisen, namentlich auch in Der ländlichen Bevö kerung, bestehen und schon früher in Eingaben Der zur SJertreiung Der landwirtschaftlichen Interessen berufenen Organe zum Ausdruck gelangt waren. Inzwischen haben weitere Ermittelungen darüber ftattgefunben, welche Erfahrungen mit Der Vorschrift Des § 833 d«s B. G. B. gemach. worDen sind. Das Ergebn s dieser Ernuuelungen läßt Den Wun ch nach einer Milderung der Haftpflicht des Tierhalters als wohlbearünDet erscheinen."
* Die Vudgetkommiffion bcS Reichstages erledigte am Mittwoch zunä vst Den Etat ür Samoa und begann sodann Die Beratung Des Etats für Kiautschau. Ans eine Beanstan- buna Des Postens ü'er Be'estigungsanlagen von Kiaiitschau gab der Staatssekretär v. Tirpitz nachstehende Erklärni'g zu Protokoll: „Es sei nicht zutreffend, daß Tsingtau eine Festung ersten Ranges werden solle. Das sei nicht beabsichtigt, auch ni.:,t mit Der bisherigen Elatsuimine lüt Armierungen möalich. Die Lage habe sich zweifellos durch den ostasiaftichen Krieg geändert. Das, was gefchafsen tei an Befestigungen, sei für Die Erhaltung Der sJ?eutialitäi ab'olut notwendig. Was jetzt gefordert weide, sei lediglich D:e Schlirßrate für die S ebefeiligungeit. Die bereits im vorigen Jah>e bewilligt seien. Es sei absolut notig für Die wirftchaslliche Stellung Tsingtaus, daß es eine gewisse militärische Sicherheit biete. Es müsse nach Der ©e« feite stark genug fein, um die Neutralität auirechl zu erhalten, nach Oer Lanbseite, um etwaigen chinesischen Unruhen gewachten zu sein."
Aus dem Reichstage.
5 3. Sitzungvom28. Februarl906.
Eröffnung 114 Uhr.
Präsident Graf Bnllestrem teilt mit, baß Die Glückwünsche des Hauses aus Anlaß des Ehejubiläums des Kaiscrpaarcs und der Vcrmählitng des Prinzen Eitel Friedrich mit huldvollstem Danke cirtgcgengcuomiiien worben seien.
S ch w e r i n s t a g.
Beratung des von den Abgg. Nißler (F.) unb Hufnagel (k.) eingcbrachtcn Gesetzentwurfs betr. Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer.
Der Antrag bestimmt in fernem grundlegenden § 1, daß Kriegsteilnehmer eine Beihilfe von jährlich 120 Mark erhalten sollen, wenn sic sich in untcrstützunasbedürftigcr Lage befinden, insbcson- dcrc, wenn sie ein Einkommen unter 600 Mark haben, unb wenn ihre Erwerbsfähigkeit auf weniger als zwei Drittel herabgesetzt ist, ober wenn sie das 60. Lebensjahr vollendet haben.
Müller holte in irdenem Kruge den Willkomm- trunf. Tie beiden Leutchen toaren grau geworden und sahen ehrwürdig aus.
Gabriel fühlte sich wohl zu Hause. Tie Stuben waren zwar niedrig, die Dielen knarrten, es war viel Lärm im Hanse — aber die Herzen waren so warm, so warm . . .
Am Abend suchte er die alten Licblings- plätze auf, den Teich, den Wald, den Cteinbruch .. Ter Wald war sehr gelichtet.
„Wie konimt das?" fragte er zu Haufe den Vater.
„Ja, es ist schade um Den Wald", gab Der alte Müller zur Antwort, „man kann die Bäume zählen. Aber der Schloßhcrr hat Geld nötig, viel Geld."
Darauf schwieg Gabriel und er fühlte einen Stich in feiner Brust. Anderen Tages ging er wieder durch den Wald unb warb ganz traurig beim Anblicke der abgcholzten Waldblößcn, auf Denen der Sonnenschein in breiten Wellen lag. Er hätte weinen mögen vor Schmerz, alles war so ganz anders geworden als in den Tagen der Jugend.
Nur oben im Stcinbruch war alles gleich geblieben. Farnkraut wucherte noch üppiger als früher, das Brombeergerank war höher, und dichter. Auch die Steine lagen noch in gleicher Ordnung, unb das Moos hatte einen weichen Mantel um ihre Schultern gelegt. Unb da — da war auch der Stein, dcr Maria Felices Namen trug.
Er umschlang ihn mit den Armen und preßte seine Lippen auf die dunkle Nunc . . . da rauschte ein Frauenaewand, er sprang hastig auf, über unb über mit Glut übergossen. Maria Felrce staub vor ihm.
„Willkommen in der Heimat", sagte sie Der- wirrt unb streckte ihm bie Hand entgegen.
„Meine HerzensköniginI" wollte er rufen, aber das Wort ging ihm nicht über die Lippen.
Aber Groll, den er seit ihrer Begegnung am Flusse in fick getragen hatte, war bei ihrem An»