Aurnahm« »er Seim« IrfteUt tag lieh, mit rh» Feiertage. Dtertel« ihr,. Bt$ifl$preis •fjrt Brinaedef’H und B«»e»geldin5NldanHd assroärts ! Hit 50 psg-
Herant»ortll»er S*riflleitet:3. Baum;
Maer
j.W« ""'S*, wochenbeilag«: „ZUustrietteZonntagrzeitung"
Mn; eigen: Vie ei» fpdhqt Petit;eiie oter bereu Raum 15 Pftz. Retlamen dir prtilzcile 25 Pfg.; bei wiever» Ijotunicn wird euljpr.
Rabatt yewatzrl.
Rotati emörutf x. Perlag der Fuldaer He tfenftruaerei In fiuiea.
Sernfpte Der Ur. 9.
JA 39.
Fulda, Samstag den 17. Februar 1906.
33. SabrflMLi
Erstes ^Zlalt
läge von mehr als le/e der Bestätigung des Staatsministeriums bedarf. Da? Gesetz tritt am 1. April 19«>6 in Kratt. Die Begründung führt auS, die Erfahrung habe gezeigt, oaß auch die katholischen Diöresen zur Bestreitung weiterer Diözesenbedürsniffe die Erhebung von Umlagen nicht zu entbehren vermöchten, da die Diöresan. Hilfsfonds, die auf gründ des Gesetzes vom 29. Mai errichtet werden können, nicht ausreichen. Durch das neue Gesetz toll daher das von 1903 erweitert werden. Ausdrücklich wird noch angeführt, daß die bischöflichen Behörden, denen Gelegenheit zur Aeußerung gegeben war, sich mit dem Inhalt bei Gesetzentwurfs einverstanden erklärt haben.
* Die Steuer-Kommission des Reichs- laoeS hat den Antrag des Abg. Racken lZenlr.) betr. die Besteuerung der Ansichts-Postkarten mit 14 gegen 10Summen angenommen. Bezüglich der Erbschafts-Steuer hat der Abgeordnete Dr. am Zehn hoff (Zenlr.) einen vollständig umgearbeiteten Gel tzeniwurs eingebracht
Deutsches Reich.
Berlin, den 16. Februar 1906.
* Die Uebergabe der Do rmltlo S. Mariae Virginia, der au, dem Berge Sion in Ierusa- lern erbauten Kirche Mariä Heimgang, an die Benediktiner von Beuron wird am 21.März ds. IS. erfolgen in Anwesenheit des Vizepräsidenten des Vereins vom hl. Lande, Landeshauptmanns der Rheinprovinz a. D. Kl ein in Bonn, tnb des hochw. Abtes Freiherrn von Stotz in gen von Maria Laach. Die beiden Herren werden der Hölrr. Ztg/ zufolge auf der Durchreise nach dem hl. Lande in Konstantinopel nne Audienz beim Sultan haben. Eine größere oeuische Pilger karawane wird zur Zeit der lieber- gabe in Jerusalem weiten und der denkwürdigen Feier beiwohnen.
.. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom Donnerstag die Vorlagen betreffend den Entwurf eines Gesetzes für Eliaß-Lotbringen über die Fähigkeit zum Amte eines Notars, betreffend die llebersicht der Geschäfte des Reichsmilitärgerichts für das Jahr 1905, betreffend den Entwurf eines Gesetzes fürEtsaß-Lolhriiigen wegen Besteuerung der Bergwerke, den zuständigen Ausschüffen überwiesen. Zugestimmt wurde den Ausschuß- anlrägen betreffend die Entwürfe einer Gerstenzoll o r d n u n g und betreffend die Bestimmungen über die Zollbehandlung der Mineralöle. — Dem ,Berl. Lokal-Anzeiger/ zufolge hat der Bundesrat über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen und das Ausweichen von Fahr- zeuoen, sowie über die Hast pflicht der Besitzer von Kraftfahrzeugen seinen Ausschüffen überwiesen, die sich bereits am Montag und Dienstag mit den Entwürfen beschättigen werden und sie möglichst schnell durchberaten sollen. In- dessen dürfte sich die Aerabichiedung im Bundes- raie wohl verzögern, da bereits den Ausschüffen zahlreiche Abänderungsanträge vorliegen.
* Ter „Hofgänger" geht noch nicht. Die Mitteilung, wonach der Genoffe Cramer in Darmstadt seine Mandate niedergelegt habe, be- darf, wie die ,M. Post' mitteilt, einer «erichti- gnng. Cramer hat zwar der Versammlung, die ihm wegen des Ganges zum Großherzog ihre Mißbilligung aussprach, erklärt, daß er seine Mand ite niederlegen werde, dielen Schritt selbst ober noch nicht airsgeführt. Wie das Mainzer sozialistische Parteiblatt mitteilt, wird Cramer vielmehr die Ausführung von dem Votum einer Wahlkreis-Konferenz abhängig machen, die demnächst zusammentreten wird.
* Fürst Bülow und die Oberlehrer. Als zweites Geschenk, das der Kaiser auf seinem letzten Geburtstag der preußischen Oberlehrerschaft vermacht bat, ist die Bestimmung anzusehen, wonach diejenigen Professoren, die eine zwölfjährige Swuldienstzeit znrückgelegt haben, den persönlichen Rang alsRätevierter Klasse erhalten sollen. Damit ist ein weiterer Schritt getan, den Oberlehrerstand mit dem Richterstande gleichzustellen. Diese Bestimmung gilt auch für die Oberlehrer an Kunst- und land- wirtschasilichen Schulin. Wie wir nun ^em ,Pädag. Wochcnbl.' entnehmen, hat die Regelung
Mittagsstunde nahte. Glühend fühlte Felix die Sonnenstrahlen auf Haupt und Gliedern brennen. Der Schweiß trocknete auf der heißen Stirnen eine schwere Beklemmung legte sich auf die 53ruft; — Endlich näherten sich die Bäume, die er wieder' aus den Augen verloren hatte. Ein Hund schlägt an. Tie Pferde hören den Laut und nehmen ihre letzte Kraft zusammen. Tie letzten Disteln krachen, und das freie Feld liegt wieder vor ihnen. Aber wie sehen Menschen und Tiere auS? Zerstochen, zerschunden von spitzen Dornen und Stacheln. Die Pferde bleiben zitternd stehen. Dort unter den Bäumen ist eine menschliche Wohnung in Sicht. Langsam schleppt sich der Wagen bis zur Hütte. Ein großer Hund zerrt wütend an seiner Kette. Eine Frau tritt an die Umzäunung und fragt nach dem Begehr. ,
.LaS Piedras? — Eine Stunde. — Ihr habt Euch wohl verirrt, da Ihr aus den Disteln kommt?" i
„Ja, wir haben uns verirrt, sind schon vier Stunden unterwegs von Suarez."
.Von Suarez! Dann wundert eS mich nicht. Ihr habt Las Piedras im Rücken." ,
„Können wir Wasser bekommen?"
Sofort raffelte die Kette des Ziehbrunnens; bald stand SBaficr bereit, Menschen und Tiere zu erquicken. • ,
»Kann uns jemand den Weg nach LaS Piedras zeigen?"
»Ja, mein Sohn Pedrito. Pedrito. wo bist Du? — Du sollst dem Herrn den Weg zeigen nach LaS Piedras."
Ekn behender, kaum zehnjähriger Junge, der den Pferden das Wasser gebracht hatte, schwang sich auf ein Pferd, das er von einem Pfosten los- band, nachdem er ibn. eine Satteldecke uingeschnallt» halte, und trabte neben dem Wagen her. Eine entsetzlich lange Slimdel — Felix pochte und hämmerte das Blut in den Schläfen. Es wurde ihm dunkel vor den Augen, ein Sausen und Brausen schwirrte durch den müden Kopf. Kaum konnte er sich aufrecht halten. — Es war zwei Uhr, als
Aus dem Landtage.
Abgeordnetenhaus.
24. Sitzung vom 16. Februar.
Eröffnung 10^4 Uhr:
Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung.
Abg. Slraufe (k.) wünscht Versetzung der Seelotsen in die Kategorie der Subalternbeamten.
Ein Rrgicrungskommiffar erklärt, daß diesbezügliche Erwägungen im Gange sind.
Abg. Goldschmidt (f. Vp.) wünscht bessere Besoldung der Fabrikinspektoren und hält eine Vermehrung der Assistentenstellen für notwendig. Alt Assistenten könnten sehr gut Arbeiter herangezo- gen werden.
Minister Dr. Delbrück: Der Vorschlag scheint mir nicht ausführbar zu sein. Denn soll der betr.
»Ist der so schwer zu finden?"
Ter Wirt zuckte die Achseln. Ein früher Gast, der hier seinen Kaffee trank, kam zu Hilfe.
„Ser Weg nach Las Piedras? Nichts leichter! Lie fahren auf der Landstraße", er wies die Rich- tung mrt ausgestrecktem Arme, „bis zum zweiten Feldwege links; diesen nehmen Sie. Dann kommen Sie an ein Hirtenhaus, das schon zu Las Piedras gehört. Dort lassen Sie sich jemand mitgeben, der Ihnen den Weg vollends zeigt."
Felix ließ sich Kaffee geben und griff nach der Zeitung, die der andere eben weg gelegt hatte. . „Gestern abend ist es unserer Polizei gelungen, m U. an der chilenischen Grenze den der Fälschung und des Mordes verdächtigen Forster festzu- nehmen. In den nächsten Tagen wird derselbe in die Hauptstadt eingeliefert werden." So stand «ut gesperrter Schrift zu lesen.
Einen Augenblick schwamm das ganze Zimmer twr Feliz Augen, Er hörte kaum, als der Wirt ihm sagte, daß der Wagen bereit sei. Mechanisch st'eg er em, während dem Kutscher die Weisungen bezüglich des Weges wiederlwlt wurden. Bald rollte der leichte, mit Schutzdach versehene zwei- radenge Wagen auf der Landstraße dahin.
„Es ist bester so; nun werde ich endlich alles wissen", sagte sich Felix. „Diese Ungewißheit war auf die Tauer nicht zu ertragen. Ich kann es nicht glauben. Forster, mein Vater! Nein, ich glaube es nicht." Wieder stand dos harte Gesicht des Mannes vor ihm; er schauderte. Dann stieg ein anderes Bild auf: die durchgeistigten, durch Leiden verklärten Züge Seefelds mit dem milden, marmcit Blicke, der Felix' Herz beim ersten Begegnen gewonnen batte. „Wenn es zum Neußer- len kommt, gehe ich zu Don Luis!" sagte er ich wieder und wieder. Eine eigentümliche Ruhe überkam ihn bei diesem Gedanken.
Ins Unendliche breitete sich d'e weite, einarmige Ebene ans. Das frische Grün des Früh- litifiS war verschwunden; nur da und dort erglänzte es noch an bewässerten Stellen. Bränn- ich und dürr Iah das Weideland ans: die Tiere,
Aus dem Reichstage.
45. Sitzung vom 16. Februar. .
Eröffnung IV* Uhr.
Die Beratung des Etats deS ReichS- amts des Innern wird fortgesetzt beim Kapitel „G e s u n d h e i t s a m t".
Abg. Talilcm (Ztr.): Um Mißverständnissen vorzubeugen, habe ich zu erklären, daß eine Reichs- Weinsteuer für mich und meine politischen Freunde Völlig indiskutabel ist. DaS geltende Weingcsetz gestattet einen Zusatz von Zucker, soweit dadurch der Wein nicht „erheblich" vermehrt Ivird. Ta die Sachverständigen über den Begriff der Erheblichkeit aber naturgemäß sehr verschiedener Ansicht sind, so öffnet diese Bestimmung dem Schwindel Tür und Tor. Auch bezüglich der zeitlichen Begrenzung eines Zuckerwasjerzusatzes enthält das Weingcsetz eine Lucke, deren Ausfüllung einen wirksamen Schutz gegen übermäßigen Zuckerzusatz bedeuten würde. Ich habe schon im preußischen Abgeordnetenhaufe betont, daß es am besten sei, das Weingesetz aufzuheben und die Weinproduk- tion dem Nahrungsmittelgesetz zu unterstellen. Da aber für ein solches Radikalmittel eine Mehrheit im Bundesrat und im Reichstag wohl nicht zu Haven fein wird, bleibt nichts anderes übrig, als eine gründliche Revision des bestehenden Gesetzes. Wir fordern deslialb in erster Linie die Einsiih- rung und Durchführung der Buchkontrolle. Die Lager-Buchführung bedeutet gar keine besondere Beföftigung für den Weinhandcl. Die Kontrolle wauch! natürlich nicht ununterbrochen zu erfolgen; es genügt, daß sie vorgenommen wird, wenn ein begründeter Verdacht gegen den betr. Weinhändler vorliegt. Vor allen Dingen bcrlanacn wir aber eine wirksame Beschränkung des Znckerzufatzes. Für solche Weine, die keines Znckerzusatzes bebiir- ch, und deren gibt es eine ganze Reihe, mutz der Zuckerzusatz gänzlich Verboten werden. Für die andern Weine muß ein gewiffer Prozentsatz festgesetzt werden. Weiter verlangen wir die Deklarationspflicht für den Verschnitt von Weißweinen mit Rotweinen. Ich möchte jetzt einen Fall zur Sprache bringen, der in unsere Kolonien hin überspielt. Tie Kolonialverwaltung hat für die Trup- Pen in Südafrika 90 000 Liter Rotwein von 2 Bcr- k'mcr Firmen bezogen, anstatt sich an die Produzenten zu wenden. Die von der Berliner Handelskammer vorgeschlagenen Sachverständigen, Vertreter zweier Berliner Firmen, zogen bei der Probe selbst Probefläschchen aus der Tasche und boten ihre Weine der Kolonialvenvaltung an, die
diese bann auch kaufte. Wer weiß, ob nicht dieser Wein die Schuld an den vielen Erkrankungen unserer Truppen trägt. (Hört! Hört!) Dringend not tut ferner eine wirksame Durchführung der Kellerkontrolle. Dazu gehört vor allem, daß man die Chemiker aus ihrer ausschlaggebenden Stellung entfernt und dafür Zungen-Sachverständige einsiihrt. Weiter ist nötig, daß die Kontrolle durch Beamte im Hauptamt ansgef 'hrt wird. Wir dürfen wohl erwarten, daß der .sperr Staatssekretär nun endlich durch eine schleunige und gründliche Revision des Weingesetzes unseren Forderungen Rechnung trägt. (Scbb. Beifall im Zentrum).
Staatssekretär Gras Posadowoky: Ich habe natürlich auf die Einzelstaaten in dieser Frage keinen maßgebenden Einfluß. Was an mir liegt, soll nicht fehlen. Wenn eine Aenderung des Weingesetzes erfolgen soll, so kann das nicht anders geschehen, als wenn ich die Mehrheit der Verbündeten Regierungen von meinem Standpunkt überzeugt habe.
Abg. Tr. Blankenhorn (nl.) verlangt bessere Ausgestaltung der Kellerkontrolle und bekämpft den Vorschlag betreffend Einführung einer Weinsteuer.
Abg. Schmidt-Elberfeld (fr. Dp.) spricht sich gegen die Deklarationspslicht ans.
Inzwischen ist eine Resolution Jaeger und Ge- nassen (Ztr.) eingebracht, die eine Aenderung des Weingesetzes noch in dieser Session fordert, dahin, daß bis zur einheitlickien Regelung einstweilen in jedem Bundesstaate besondere Beamte im Hauptamte zur Beaufsichtigung der Wcinproduk- tion angestellt werden sollen.
Abg. Vogt (wirtsch. Vgg.) tritt für die Kellerkontrolle ein.
Abg. David (Soz.) erklärt, seine Freunde würden den Forderungen des Zentrums zustiinnicn.
Abg. Tr. Jaeger (Ztr.): Zur Abhilfe des Hebels ift eine Weinsteuer vorgeschlagen. Ich habe mir eine solche Steuer als Kontrollabgabe gedacht und schon vor 10 Jahren im bayerischen Landtag angeregt. Tie bayerische Kunstwein- steuer von 1899 ift so hoch, daß sie den Gewinn der Kunstweinproduktion verschlingt. Leider haben die andern Birndesslaaten diese Steuer nicht nachgeahmt. Tie Winzer verlangen eine einheitliche Kontrolle im Hauptamt. Der Haustrunk soll nicht verboten werden, aber eine Kontrolle ist notwendig. Obstwein ist ebenfalls unter Kontrolle zu stellen. Beim Verschnitt von Rotwein mit Weißwein ist der Deklarierungszwang unbedingt notwendig.
Abg. Wolfs (wirtsch. Vgg.) erklärt sich ebenfalls für eine Verschärfung des Weingesetzes, ist aber gegen eine Reichsweinstener.
Samstag 1 Uhr: Fortsetzung der Etatsbe- ratting.
Schluß 6V* Uhr.
dieser Frage manche Schwierigkeiten zu überwinden gehabt. „Die Reuordnunq der Titel- und Rangsrage sollte, wie in eingeweihlen Kreisen verlautete, schon vor Weihnachten erfolgen. Welche Gründe die Verzögerung verursacht haben, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls darf man verraten, daß das dankenswerte Vor- gehen der Unlerrichtsverwallung auf lebhaften Widerstand in anderen Ressorts stieß und es schließlich nur der persönlichen Initiative des Reichskanzler- Fürsten Bülow zu verdanken ist, daß die Unten ichtsverwaltung im Staats- Ministerium durchdrang. Der Oberlehrerstand schuldete dafür dem Reichskanzler ganz besonderen Dank; er schuldet ihn umsomehr, als sich Fürst Bülow von jeder der Jntereffen der Oberlehrer aufs wärmste angenommen und schon mehr fach— noch vo- einiger Zeil gegenüber den Oberlehrern Elsaß-LothrinaenS — durch die Tat bewiesen hat, mit welchem Verständnis und Wohlwollen er ihren Kampf umS Recht verfolgt."
* In Sachen der Börsennovelle schreibt die .Deutsche Tageszeitung': „Der Staatssekretär des Reichsschatzamts Hot in der Sleuerkommission des Reichstages erklärt, daß dem Bundesrate demnächst die in der letzten Tagung des Reichs- tages verunglückte Novelle über eine Ermäßigung gewisser Börfensteuern zugeden werde. Es kann wohl keinen ungünstigeren Zeitpunkt zur Wieder- einbringung dieser Vorlage geben, als den jetzigen. Mögen die Erleichterungen und Ermäßigungen, die sie bietet, auch verhältnismäßig unbedeutend sein, so heißt es doch geradezu das Pferd beim Schwänze aujzäumen, jetzt Ermäßigungen der Börsensteuer vorzuschlagen, wo weite Volkskreise eine erhebliche Erhöhung wünschen und betreiben. Dazu kommt, daß der Reichs- tag so mit Arbeit überlastet ist, daß er nach menschlicher Voraussicht nicht in der Lage sein wird, den Entwurf zu erledigen. Weshalb man angesichts dieser Sachlage den Bundesrat und den Reichstag nochmals mit dieser Angelegenheit befassen will, ist uns ganz unverständlich."
* Die „Genossen" in Verlegenheit. In Schedewitz in Sachsen hatten die Sozial- demokraten den „Genoffen" Kurz zum Ge- meinderat gewählt. Jetzt wollen sie ihn wieder heraus haben, da sie sich nicht mehr von ihm vertreten kaffen können: ist er doch mittler« weile aus der Partei „hinauSgeflogen"! Kurz beantragte selbst seine Entlaffung aus dem Ge- meinfcerate, dieser tat ihm und der szialdemo- kratischen Partei aber den Gefallen nicht, da gesetzliche Ablehnungsgründe nicht vorhanden feien. — Eine verwickelte Sache für die „Genoffen"!
** Ein Gesetzentwurf betr. die Erhebung von Abgaben für kirchliche Bedürfnisse der Diözesen der katholischen Kirche in Preußen ist, wie bereits gemeldet, dem Abgeordnetenhause zugegangen. Er umfaßt 3 Artikel, die lauten: i Art. 1. Zur Bestreitung kirchlicher Diözesen- bebürfniffe kann die bischöfliche Behörde einen weiteren Diözesensonds bilden, für den alljährlich 1 eine Umlage bis zu 3% der von den katholischen ‘ Gemeindegliedern zu zahlenden Staalseinkommen- ' peuer erhoben werden darf. Art. 2. Auf den nach Art. 1 zu bildenden Fonds finden Art. 1, i 91 bf. 2, 3, 4 u. 5 des Gesetzes betr. die Bildung , kirchlicher Hilfsfonds entsprechende Anwendung, i mit der Maßgabe, daß die Erhebung einer Um- l
EillÄMuaufdkiuMk.
Bon H. Catalina.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung auS dem zweiten Blatt.)
' ..Be' den ersten Worten der arglosen Dame drängte sich Felix das Blut zum Herzen- kalter Schweiß trat ihm auf die Stirne, feine Knie zitterten. Ware er selbst der verfolgte Mörder gewcien, feine Aufregung hätte nicht größer fein können.
„Carlos, ich muß morgen früh reifen. Man bedarf meiner in Buenos-Aires, und ich habe überdies in LaS Piedras noch einen Posten Wolle -u kaufen", sagte er einige Zeit später.
Alle Bitten, ihn zu längerem Bleiben zu veranlassen, waren vergeblich. In frühester Morgen- stunde führte ihn Carlos in seinem Wagen zur Bahn.
„Du hast einen heißen Tag vor Dir. Was soll daraus werden, toeiin es deS morgens um 6 Uhr schon so schwül ist? Hoffentlich kommst Du vor der größten Hitze in Las Piedras an. Und ,n Dueiros-Aires grüße mir die Familie Wildneri ö1.1.0/' Helix!" verabschiedete sich Carlos. Gegen tr, kr,#!an«?lc in der Station Surez an. Lr bluftc sich am Bahnhöfe um; außer de« Be- nicmo,li> sehen, kein Wagen in
ÄÄ.SXV“’ b,m
„Ist niemand von der Estancia Las Piedras gier?
„Nein, Senor!"'
ich.» "A.Wagen bekommen, der mich dorthin bringt? Wie weit ist c§ denn?"
„Zwei Stunden. Einen Wagen kann ich dem Herrn zur Bersngung stellen; allein mein Knecht ist erst seit kurzen, hier i» diefee Gegend und Jauit den Weg nicht-
die zerstreut am Boden kauerten, irreren dennoch wohl genährt. Unter den dürren Halmen sproßte junges, frisches Gras, das dem Ange des Reisenden verborgen war. Dichter, schwärzlicher Staub wirbelte auf und wurde überaus lästig. Schon strömten schwüle Luftwellen über die Ebene daher, einen heißen Tag verkündend.
„Ties hier wird der zweite Feldweg fein; den ersten haben wir passiert", meinte der Kutscher. Es sah aus wie ein Weg und doch nicht — ziemlich grasbewachsen, toer.ig benutzt — aber immerhin ein Weg. Also vorwärts! Wohl eine halbe Stunde fuhren sie dahin.
„Jetzt muß das Hirtenbaus kommen!" — Allein es kam nicht. Der Weg wurde schlechter, unkenntlicher und verschwand zuletzt ganz. Vielleicht war es klüger umzukehren; jedoch das Hir- tenlraus konnte nicht ferne sein. Dort am Horizonte — waren das nicht Bäume? — Wieder ging es vorwärts. Nun kam ein Hindernis: eine im- absehbare Strecke mit hoben Disteln bewachsen breitete sich aus. Knacks, knacks! Rüstig schritten die Pferde vorwärts; von allen Seiten krachten die dürren Stengel unter den Hufen imb Rädern. Kanin ragten die Pferde aus dem Schästewalde hervor.
„Es kann nicht lange währen. Wir muffen die Disteln bald hinter uns haben", trösteten sich Kutscher rind Passagier. Allein es währte lange. Endlich blieben die schweißbedeckten Pferde stehen; die armen Tiere bedurften der Ruhe. Immer höher flieg die Sonne; glühend sandte sie ihre Strahlenpseile nieder. Ein heißer Durst sing an zu quälen. Felix hatte sich nicht vorgesehen auf eine Fahrt von zwei Stunden, wie man ihm gesagt halte.
„Schon off Ubrl — Sie hatten sich verirrt; das war außer Zweifel. Zurück, wenn die Pferde es verniochien! — „Nein, vorwärts!" stimmte der junge Kutscher. Felix stand aufrecht im Wagen, um die Richtung anzugeben. Langsam und mit unendlicher Mühe ging es vorwärts. Die armen Tiere keuchten; ihre Kraft war erschöpft. Die