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Rotation» druck u vertag der < uldaer Le. tiendrnaerei in Zutda. zernkpreHer Nr. 9.
Fulda, Dienstag, den 6. Februar 1906.
M 29.
33. Jahrgang.
Die „ArbeiterfreundllchKelt" deräsMl- -emokraten in der StenerKommiDn.
Es ist ein schweres Stück Arbeit, welches die Steuerkommission Les Reichstags zu leisten hat. Die vom Zentrum stets bekämpfte Hurrahstim- mung hat das Reich in die M i l l i a r d en- schulden gestürzt und das deutsche Volk vor die schwere Aufgabe gestellt, unsere sehr mißlichen Finanzverhältnisfe auf eine solide Basis zu stellen und neue dauernde Einnahmequellen zu erschließen. Der Bundesrat hat in seinen Steuervorlagen der Volksvertretung einen Plan zu einem neuen Aufbau der nötigen Finanzen vorgelegt, bisher aber mit diesem Plane wenig Glück gehabt, da der Reichstag bezw. seine Kommission mit solchen Rezepten zur Gesundung der kranken Reichstasse durchaus nicht einverstanden ist. Der Grundgedanke der Politik des Zentrums in der Steuerfrage ist der, die durchaus nötigen Mittel für das Reich zu beschaffen ohne Bela st ungdeskleinenMannes, sei er nun Arbeiter, Handwerker, Beamter oder Gewerbetreibender. Dabei glaubte das Zentrum erwarten zu dürfen, daß die sogenannten Erz-Arbeiterver- treter, die Sozialdemokraten, ihm beistehen würden und zwar bei der zweifachen Ausgabe: 1. neue Einnahmen zu finden — ohne die man doch auch die Verhältnisse der „kleinen Leute" nicht bessern kann, man denke nur an die Gehälter der kleinen Beamten, an die Versicherungsanstalten, an die gewünschte Handwerker» und Prrvat- beamtenversicherung u. a., — darum 2. bet der Aufgabe, die nötigen Einnahmen aus den Taschen der leistungsfähigsten Steuerzahler zu nehmen. Jeder verständige Arbeiter wird zu- geben, daß zur Lösung einer solchen schwierigen Aufgabe praktische Arbeit nötig ist und daß keine leere Demonstration in solch ernster Zeit angebracht ist.
Leider täuscht diese Erwartung auch setzt wieder, ebenso wie bei der Beratung des Zolltarifs. Damals sollte der Schutz der kleinen Leute nach der Stellungnahme der Sozialdemokraten es nötig machen, daß der Kaviar (Abg. Stadthagen) und die Champignons kAbg. Molkenbnhr) zollfrei in unser Land eingelassen würden; damals wurde von ihnen im Interesse der kleinen Leute Zollsreiheit für Schmuckfedern, für Seidenkleider, für „Regen- und Sonnenschirme aus Spitzen und Stickereien"^ für Samt und Plüsch, für Fußbodentepviche u.a. verlangt und heute, den 30. Januar 1906, erleben wir es, daß die Sozialdemokraten dem „Schaumwein des armen Mannes", dem „Kaviar deS armen Arbeiters", den „Champignons der armen Witwen" als neues, notwendiges Genußmittel hinznsüaen die teure Import-Zigarre, daß sie „im Interesse der Arbeiter" die vom Zentrum beantragte Zollerhöhung für diese im AuSlande fabrizierte Luxus-Zigarre ablehnen.
Das Zentrum stellte nun in der Kommissions- sttzung vom 26. Januar u. a. den Antrag, die fertigen, auS dem AuSlande kommenden Zigarren mit 40 % vom Werte zu verzollen, und fein geschnittene Tabake (also feinen ausländischen Tabak von 8 bis 10 M das Kilo) mit 300 M pro Doppelzentner zu ber" offen. Wie die Antragsteller durch den Mund ihrer Redner Herold, Müller»Fulda, Dr. Jäger und Nacken ausführten, handele es sich nicht um die Pfeife des armen Mannes, sondern nur um die feinsten und teuersten ausländischen Tabake und Zigarren von etwa 1000 M und mehr pro Tausend. Kein kleiner und mittlerer Mann würde dadurch belastet. Von liberaler Seite wurde später in Verbindung mit dem Zentrum ein Abänderungsantrag eingebracht, daß die genannten Zigarren statt „mit 40% vom Werte" „mit 300 M unter Zuschlag von 25 % des Wertes" verzollt werden Ein SWeil Hilf dem Pfade.
Don H. Catalina.
82] iNachdruck verboten.)
„Geben Sie mir gar feine Hoffnung, Irma? Ich bin zu rasch gewesen; ich habe Sie erschreckt. Verzeihen Sie mir! Ihr Herz hat noch nicht gesprochen. Ich will mich gedulden, will warten und um Ihre Liebe werben; nur geben Sie mir Hoffnung!"
Ter schüchterne Carlos wurde beredt, da es galt, für sein Glück einzutreten. Aber Irma wandte ihm das Gesicht voll zu und sagte: „Ich darf Sie nicht im Irrtum lassen, Carlos. Mein Herz hat gesprochen, es gehört einem andern." „Einem andern!" Wie ein Schrei der Verzweiflung kam es von feinen Lippen. Er stellte keine Frage; unaufgefordert sagte Irma: „Felix."
„Felix! Felix! Wohl weiß ich, wie sehr Sie an ihm hängen, wie sehr Ihr Denken und Fühlen mit ihm verwachsen ist, aber täuschen Sie sich nicht? Sie lieben Felix wie die Schwester den Bruder, wie Adela in ich liebt, die auch glaubt, :c?n7l Tag ohne mich leben zu können. Sobald leooch ^.homsen aus Deutschland zurückkehrt, wird pe nicht zögern mich zu verlassen und ihm in fein Pt*™ fallen. O, Irma, Sie find noch zu inng. -ahr Herz kennt die Liebe des Weibes zum Manne nicht." °
Ernsthast nickte Irma.
'S“' fennre Üe. Ohne Felix kann ich nicht glücklich lein, ohne chn wäre mein Leben öde und leer."
Carlos widersprach nicht mehr. Langsam und schweigeild schritten sie dem Gartentore zu. Hier reichte Carlos unsagbar traurig, aber wortlos Zrma die Hand.
v „O Carlos, gehen Sie nicht so von mir! Ist
I sollen. Regierungsseitig wurde erklärt, trotz der Schwierigkeiten werde man versuchen, diesen Wertzoll durchzuführen. Gegen diesen höheren Zoll wendeten sich die Sozialdemokraten von Elm, Kaden und Geyer. Dabei gingen sie Arm in Arm mit den Konservativen, welche ebenfalls die geliebten Importe» nicht belasten wollen.
Darum trat ihnen vom Zentrum in eingehen- den Darlegungen der Abg. Nacken entgegen. Wenn man die Importen wesentlich belaste^ so treffe man damit doch keinen wirtschaftlich Sckwa- cheren. Es sei wieder bezeichnend, daß die Sozialdemokratie in ihrer unfruchtbaren Politik auch diesen Antrag bekämpfe. Wenn sie betone, man fördere dadurch nur die „Aristokratie unter den inländischen Zigarrenfabrikanten", so vergesse man, daß auch die Arbeiter der besseren Fabrikate, die auch bessere Löhne beziehen, dadurch gefördert würden. Durch Zahlen bewies Redner, daß diese Besteuerung eine gerechte sei, daß die billigeren Importen weniger getroffen würden als die teureren. Auch sei die Feststellung des Wertes nicht undurchführbar; wie bei der Verzollung anderer Produkte möge man die Originalsakturen vorlegen lassen. Das Resultat der Beratung und der Abstimmung war, daß der Zentrumsantrag betreffen b die Verzollung der Importen mit 300 M und 25 Prozent des Wertes gegen die Stimmen des Zentrums und der Nationalliberalen a b gelehnt wurde, und zwar von den Sozialdemokraten im Bunde mit den Konservativen und den Freisinnigen.
Was sagen die Arbester zu dieser Komödie? Jetzt können die Sozialdemokraten ihre Importen im Preise von 1—3 pro Stück und mehr ohne weitere „Belastung" rauchen. Das ist „Arbeiterfreundlichkeit"!
Deutsches Reich.
Berlin, den 5. Februar 1906.
Ein Dementi zur Welfenfrage bringt die ,Rordd. Allgem Ztg/, indem sie schreibt: „Eine Zeitungskorrefpondenz bat sich, angeblich von Gmunden, melden lassen, das deutsche Kaiserpaar habe nach dem Ableben des Königs Christian von Dänemark Ihrer Majestät der Königin Marie von Hannover zwei besonders herrlich gehaltene Telegramme gesandt Wir stellen fest, daß die'e Meldung unbegründet ist "
* Zum bevorstehenden Personenwechsel im Kolonial - Amte meldet das ,Bcrl. Tagebl/, es seren in der letzten Woche mit dem natwnallibe- ralen Pros. Dr. Paa sch e Verhandlungen über seinen Eintritt in die Kolonial-Verwaltung aus- getau cht worden. Die l*erhonblungen hätten zu dem Resultate eesührt, daß sich Dr. Paaiche zur Nebernahme eines „selbständigen Postens" unter dem neuen Kolon'«!» Staatssekretär, Erbprinzen von Hohenzollern-Langenburg, bereit erklärt habe. Die Meldung klingt etwas kigenlümlich. Mit Reckt macht die.Deutsche Tagesftq/ darauf aufmerksam, daß es „selbständige Posten" im Ko'o» nial-Amte überhaupt nicht gebe. Es handelt sich wahrscheinlich um den Posten eines Unterstaatssekretärs. Tas genannte Blatt bezweifelt aber, daß der Abg. Dr. Paasche zu diesem Amte ans- ersehen sei und meint, seine Ernennung würde jedenfalls „ein etwas bedenklicher Versuch fein".
.'. Eine Kongo-Konferenz soll nach einer Blättermeldung im Juni ds. Is. in Paris statt- fin'-en zur Vorbereitung eines umfassenden Kongo-Reorm-Programms. An dieser Konferenz sollen deutsche, englische, italienische und französische Itertreter teilnehmen. Der ,Rat.-Ztg.'
es meine Schuld, daß es so gekommen ist? — Sie sind der liebste, der teuerste Freund meines Felix. Können nicht auch wir Freunde bleiben?"
„Ich werde mich wieder finden", sagte er tonlos, „aber lassen Sie mir Zeit!" Dann verschwand seine Hobe Gestalt zwischen den Stämmen. Irma ging nachdenklich dem Hanse zu. Erst einige Tage später vertraut: sie ihrer Mutter das Geschehene; Felix schrieb sie kein Wort darüber; sollte et doch in wenigen Wochen zurückkehren.
Nach zwei Tagen kamen von Adela einige Zeilen, tn welchen die Freundin gebeten wurde, zu ihr zu kommen: Sie wisse alles; Carlos sei verreist. Nach einer tränenreichen Aussprache blieb die Freundschaft zwischen den beiden jungen Mädchen unverändert. Carlos hatte sich nach Ombu zurückgezogen, um seinen ersten Schmerz zu überwinden. So verflossen vierzehn Tage anscheinend gleichgültig. Auch in Flores schien Ruhe einge- kehrt. Herr Wildner sprach nicht mehr von Krisis und schlechten Zeiten; umsomehr war Frau Mathilde überrascht, als er eines Morgens begann:
„Der Tod Mindens hat mich in dieser verhängnisvollen Zeit doppelt schwer getroffen. Wie oft hat er mir in früheren Jahren mit Rat und Tat beigestanden! Und jetzt, da die Schwierigkeiten sich türmen, jetzt, da ich allein mich gegen die Ungunst der Strömung nicht mehr stemmen kann, jetzt fehlt mir die helfende Freundeshand."
„Hast Du neue Widerwärtigkeiten?" fragte Frau Mathilde, in deren Zimmer das Gespräch stattfand.
„Nein, nichts neues; aber die Folgen der erlittenen Verluste stellen sich ein. Bis jetzt konnte ich meinen Verpflichtungen nachkommen; nun bin ich am Ende. Mein Kredit auf den Banken ist aufs äußerste angestrengt; „Santa Mathilde" ist mit Hypotheken belastet; Nueva Germania muß verkauft werden. Es ist mir von höchster Wichtigkeit, einen kapitalkräftigen Käufer zu finden; ich kann das Gut nicht unter dem Werte ablassen.
wird diese Nachricht von beit informierter Serke als gänzlich erfunden bezeichnet.
* lieber die gestern in Berlin abgehaltene Tagung des Zentralvorstandes der nationalliberalen Partei ist ein ofiirieller Bericht ausgegeben, der zwar eine lange Aufzählung der Teilnehmer enthält, ober nur sehr wenig übe» die Verhandlungen und das Resultat derselben mitteilt. In dreier Beziehung heißt es nur: „Die gründliche gegenseitige Aussprache gab manche bedeutungsvolle Anregung, sowohl für die nationalliberale Fraktion des Reichstags, wie für diejenigen der Einzellandtage und lieferte das erfreuliche Ergebnis einer vollen Einmütigkeit der Partei in allen politischen Hauptfragen. Resolutionen wurden nicht gefaßt." — Daß keine Resolutionen gefaßt wurden, läßt die „volle Einmütigkeit" m etwas bedenklichem sticht erscheinen. Eme Auslassung der ,9tational-Zeit»ncfl kann uns in dreier Auffassung nur bestärken. Das genannte Blatt schreibt nämlich: „Der harmonische Ausklang der Debatten komme am sichtbarsten darin zum Ausdruck, daß auf die Ein- bringung von Resolutionen irgendwelcher Art allerseits verzichtet wurde." — Das ent'pricht jedenfalls nicht der „landesüblichen Gepflogenheit".
** Der „Antrag Kanitz" ist nach der.Deutsch. Tagesztg/ noch nicht definiriv fallen gelassen worden. In einem freisinnigen Blatt wurden die Agrarier darüber verspottet, daß sie den Antrag Kanitz „der früher als das große Mittel" gepriesen worden fei, nunmehr gänzlich preisae- geben hätten. Die ,Deuttche Tagesztg/ meint l azu: „Zunächst wird abgewartet werden müssen, wie die neuen Verträge wirken werden. Stellt sich he. ans. daß sie nicht imstande sind, dem Sinken der Getreideprei'e zu wehren und eine stetige Entwicklung zu sichern, fo wird man fe'b» verständlich wieder nach anderen Mitteln suchen müssen und diese gegebenensalls neu iu suchenden großen Mittel würden dann vermutlich in der Richtlinie des Antrag« Kanitz liegen."
* Darmstadt, 5. Fehr. 1906. Dem bisherigen Iustizminister Ewald ist das Portefeuille des Staatsministers übertragen worden, während der seitherige Chef der Ministerial- abteilnng tür Landwirtschaft, Handel und Industrie, Geheimrat Braun, zum Präsidenten des Ministeriums des Innern ernannt wurde. Die durch den vor acht Tagen et folgten Tod des Staatsminister« Rothe notwendig gewordenen Ernennungen sind beule nachmittag offiziell bekannt gemadit worden. Karl Ewald wurde am 18. Juli 18^2 als Sohn des Oekonomierats Ewald in Weimar geboren. Er kam im Jahre 1882 als Amtsrichter rarft Worms, 1881 als Staatsanwalt an das Landgericht der Provinz Starkenburg, 1888 als Staatsanwalt an das Landgericht der Provinz Rheinhessen und wurde 18'>3 Erster Staatsanwalt daselbst. Im Juli 1R96 erhielt Ewald seine Berufung als Reickis- gerichtsrat nach Leipzig und am l. Oktober 1905 wurde er zum hessischen Iustizminister ernannt. Der feitheriae Ministerialrat Geheimer Rat Ernst Braun wurde am 5. Oktober 1857 in London geboren als der Sohn eines oberhessischen Kaufmanns, d»r dort eine kleine Accidenzdruckerei betrieb. Rach dem Tode des Vaters siedelte die Familie nach Darmstadt über. Braun besuchte ■ hier das Gymnasium, studierte dann in Heidelberg und Gießen und wurde 1883 Amtmann an dem rheinisch-hessischen Amtsgericht in Alzey, 1886 Kre'samlmann in Lauterbach. 1889 kam
Inzwischen aber muß ich eine größere Summe zur Verfügung haben. Tie Geschäftsscnson beginnt. Wir müssen unsere Einkäufe machen, wie alljährlich, sonst ist der Ruf meines Hauses dahin — rind die geringe Hoffnung, die mir noch auf eine Wendung zum Bessern bleibt, ist vergeblich. — Lebte Minden noch, er würde helfen. Soll ich mich an Carlos wenden? Er ist so jung, so unerfahren ! — wird er sich herbei lassen, dem Freunde seines Vaters ein fo großes Opfer zu bringen, wie ich im Begriffe bin, es zu fordern?"
Frau Mathilde war unruhig geworden. Nervös glitten ibrV Finger über die seine Stickerei j einer kleinen Decke, die vor ihr lag. Plötzlich erhob sie sich und trat auf ihren Gatten zu.
„Ernesto, es scheint sich alles gegen Dich zu kehren. Carlos Minden bat das edle, großmütige Herz seines Vaters geerbt. Unter anderen Um- ständen würde ich keinen Augenblick an feiner Hilfsbereitschaft zweifeln; allein jetzt kannst Du mit keiner Bitte vor ihn treten — Irma hat jor wenigen Tagen seine Werbung abgewiesen." —
„Er hat in aller Form um sie angehalten, und sie hat ihn abgewiesen?" rief Wildner erregt. „Das törichte Kind! Weist man eine solche Werbung im Handumdrehen von sich? Einen charaktervollen jungen Mann von angesehenem Namen, mit großem Vermögen, den Sohn meines besten Freundesl — Ganz abgesehen davon, daß ich durch eine solhe Verbindung am Ende meiner Schwierigkeiten an- gelangt wäre. — Warum hat sie ibn abgewiesen, ohne ihre Eltern um Rat zu fragen?“
„Weil ich Felix liebe", antwortete da die klare Stimme Irmas, die im Nebenzimmer geweilt hatte und bei den letzten Worten ihres Vaters auf der Schwelle erschienen war.
„Törichtes Kind!" wiederholte ihr Vater. „Weißt Tu, warum es sich handelt? Um unser Vermögen, um meine Existenz, um die Arbeit meines Lebens, um Deine ganze Zukunft. — Du
er als Kreisamtmann nach Mainz und wurde am 1. Januar 1896 als Oberfinanzrat in das Mmisterium der Finanzen berufen. Am 1. Jan. 1898 ging Braun als Kreisrat nach Laulerbach, kam aber noch im Juli desselben Jahres als Mlnisteriakrat in das Ministerium des Innern. Am 1. Aprrl des Jahres 19< 0 winde er Leiter der neugegründeten Ministerlalavteilung für Handel, Industrie und Landwirtschaft.
Aus -em Reichstage.
35. Sitzung vom 5. Februar 1906.
Eröffnung: 1% Uhr.
Die Beratung des Etats des Reichs- fchatzamts des Innern wird fortgesetzt beim Titel „Gehalt des StaatZfekretärs".
Abg. von Kardorsf (Rp.) verband mit einer heftigen Polemik gegen die Sozialdemokratie die Forderung, daß mit der sozialen Reform Halt gemacht werde. Er machte sich übrigens in seiner Rede auch den Ausspruch des Geheimrats Kirdorf zu eigen, daß die christlichen Gewerkschaften vielfach schlimmer seien als die sozialdemokratischen.
Abg. Crzbergrr (Ztr.) erhob gegen die Rede des Herrn von Kardorff und besonders gegen die Angriffe auf die christlichen Gelverkschaften entschiedensten Einspruch und bat den Grafen Posa- dowsky weiter dringend, die Durchführung der Witwen- und Waisenversicherung sich zur Herzenssache zu machen und nicht die Schwierigkeiten übermäßig bervorzickebren. Wie ein netteS Flugblatt des Flottenvereins beweise, warteten sckon gewisse moderne Raubritter darauf, die 17 Millionen, die der Etat für die Witwen und Waisen zurückstelle, für sich zu ergattern. Weiter rügte er den sozialdemokratischen Terroismus gegen christlich organisierte Arbeiter. An Einzelbeispielen zeigte er, wie wenig an praktischer Arbeit die Sozialdemokratie bisher zugunsten der Arbeiter geleistet hat. Weiter stellte er fest, wie viel aus dem einstmals so sehr geschmähten Antrag Galen inzwischen in die Reichsgesetzgebunq überaeganaen ist, und das Ergebnis war, daß fast sämtliche An- regungen jenes Antrags in gesetzgeberischen Maß» nahmen Beachtung gesunden haben während von dem in demselben Jahre 1877, drei Wochen später, eingebrachten sozialdemokratischen sozial- politischen Anfrage so gut wie nichts verwirklicht worden ist. Die Zentrumspartei betrachtet die erzielten Erfolge nickt als ein Ruhekissen, sondern wird weiter an dem Ausbau der sozialen Reform arbeiten.
Abg. Stücklen (Soz.) suchte in einer langen Rede alle von den bürgerlichen Parteien getane Arbeit zum Wohle der unteren Klasse als minderwertig und selbstsüchtigen Absichten entsvnmaen darzustellen. Den Terrorismus der sozialistischen Gewerkschaften glaubte er mit der Ausrede entschuldigen zu können, auch die Christlichen seien intolerant, und als er die? bemessen fo"te, kam der Hinweis ans den Beichtstuhl, der nachgerade bei jeder Gelegenheit herangezogen wird, wenn man den Katholiken etwas anhängen will.
Abg. Bassermnnn (ntl.) schränkte die am Sonnabend im preußischen Ahaeordnetenhanse von seinem Parteiaenossen Sckröder erhobene Forderung, die landwirtschaftliche llnfallversickerung solle teilweise aufgehoben werden, wesentlich ein.
Am Dienstag steht neben dem Etat des Reicksamts des Innern die freute eingebrackte sozialdemokratische Interpellation wegen des Unglücks auf der Zeche Borussia auf der Tagesordnung.
Schluß %6 Uhr.
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liebst Felix; wir alle lieben ihn; Tu liebst ihn als Deinen Freund, Deinen Bruder."
„Nein, er ist mir mehr. Er liebt mich und ich liebe ihn, und ich werde in meinem Leben nicht von ihm lassen. Und Du, Vater, wirst meinem Glücke nicht entgegen fein."
„Weiß das Kind, was es spricht?" wandte ! sich Wildner an feine Frau, die tränenden Auges nickte.
„Irma, die Zeiten haben sich geändert. Noch vor sechs Monaten wäre bei Deiner Verheiratung Geld und Gut nickt in Frage gekommen. Heute steht es anders. Wenn nicht eine günstige Wendung eintritt, bleibt mir von meinem Schaffen und Ringen nichts als mein ehrlicher Name. Unter diesen Umständen wäre es für mich eine Beruhigung, Deine Zukunft gesichert zu wissen an der Seite eines wohlhabenden Mannes, der zugleich wie Carlos Minden die edelsten Eigenschaften des Herzens und des Charakters bereinigt*
„Ich würde es vorziehen, mit Felix unter einem Strohdache zu wohnen, als mit einem andern einen Palast zu teilen", erwiderte Irma.
„Törichtes Kind! — Und Deine Eltern? WaS soll aus uns werden, wenn wir alles verlieren, unsere Güter, dieses Haus? — An Deine Eltern denkst Du nicht?"
„Wir werden für Euch sorgen, Felix und ich. Sagst Tu nicht immer, wie tüchtig und strebsam Felix ist? — Wird eS ihm nicht gelingen, eine gute Stellung zu erlangen? — Und ich? — Wozu habe ich mein musikalisches Talent? — Sagen mir nickt alle meine Lehrer, dost es jammenschade fei, dasselbe brach liegen zu lassen? — Ich will es verwerten. — Wir werden für Euch arbeiten, Papa. Nur laß uns beisammen bleiben! Trenne mich nicht von Euch, nicht von Felix." Irma war neben ihrem Vater niedergesunken und hob flehend ihre Hände zu ihm empor.
„Wir bedürfen des Reichtums nicht, um glücklich zu sein", fuhr sie fort. Wildner seufzte.