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wochevbeNage: „IllustrierteZonntagrzettung" Monakbeilage: „Fuldaer Geschlchtrblatter".

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Bolat,»,,druck M. Verlag der Snlbaer K» tiewbriderel M $ulbe

Semipre brr Br. 9.

33. Jahrflang. 1

Fulda, Montag, den 5. Februar 1906.

J» ‘28.

* Drohende Wolken.

Die Nachricht«! aus Frankreich über die wilden Tumulte, deren Schauplatz katholische Kirchen in Paris und in den französischen Pro­vinzen gewesen sind, und zwar aus Anlaß eines überaus schroffen Vorgehens der Behörden auf Grund deS seit dem 1. Januar in Straft ge­tretenen Trennungsgesetzes, eröffnen eine sehr bedauerliche Aussicht für die Katholiken Frank­reich« und die katholische Kirche dortselbst. Auch von feiten der Freunde des Trennungsgesetzes ist das gewaltsame Vorgehen der Behörden, rvelche die Tabernakel in den Kirchen erbrechen i ließen, um ein Verzeichnis der kirchlichen Geräte auszunehmen, als brutal bezeichnet worden. Dieser Ausdruck ist eigentlich angesichts der neuesten Nachrichten ein noch viel zu gelinder. Nach den letzten Meldungen haben sich die „Ver­treter* des Staates den in ihren heiligsten Empfindungen beleidigten französischen Katho­liken gegenüber in einer Weise benommen, die kaum zu qualifizieren ist. Die republikanischen Garden haben in den Kirchen wie Wilde gehaust und die Gläubigen sowohl wie die Priester mit Kolbenstößen traktiert. Daß die Katholiken Frankreichs auf diesem Wege von der Vor- tresfilchkeit des Trennungsgesetzes überzeugt «erden, ist schwerlich anzunehmen. Fest steht aber, daß durch das Vorgehen der Behörden einerseits der konfessionelle Unfriede im fran­zösischen Volke einen scharfen Charakter an­nehmen wird und daß anderseits die Ziele' der reügionsfeindlicken Bewegung in Frankreich auch /bem Blödesten klar werden muß.

Die Vorgänge tu Frankreich find für die deutschen Katholiken von besonderem Interesse. Auch bei uns gibt es bekanntlich Leute genug, die eine Einmischung des Staates in kirchliche Angelegenheiten, trotz der Erfahrung des Kultur­kampfes befürworten u. die „Trennung" des Staates von bet Kirche in dem Sinne verlangen, daß bem Staate eine Oberaufsicht auch über die inneren Angelegenheiten der Kirche eingeräumt wird. Grund und Zweck dieses ganzen Strebens ist natürlich nur eine Verkümmerung der Rett- giösität des Volkes durch Knechtung der Kirche.

In einer der letzten ReichstaqSsitzungen ist das Vorgehen der französischen Neuerung von einem Sozialdemokraten als Muster und Ideal gepriesen worden. Der Abg. Hofmann hat das jeder Pietät hohnsprechende Vorgehen der fran­zösischen Behörden mit den Worten gefeiert, hier heiße es: Frankreich voran in der Welt! und er hat das Verhalten der religionsfeindlichen Regierung in unserem Nachbarland« der deut­schen Regierung zur Nacheiferung empfohlen. Man könnte diese fktziaidemokratiiche AUmfassung übergehe«, eben weil sie von sozialdemokratischer Seite kommt, aber die Befürchtung ist nicht un­begründet, daß der Abg. Hofmann diesmal auch Leuten außerhalb der Sozialdemokratie „aus der Seele gesprochen" hat. Der Abg. Stöcker hat im Reichstage bereits die richtige Antwort daraus gegeben, indem er meinte, man solle nur jebn Jahre warten, dann werde man sehen, wohin das in Frankreich befolgte kirchenfeindliche System führe.

Dieser 10 Jahre wird eS schwerlich bebflrfen. Die Früchte der kirchen- und religionsfeindlichen Politik werden für Frankreich früher reifen. Ein Vorgehen, reie es jetzt dort von den Behörden beliebt worden ist, muß die Nation in zwei

Lager teilen, welche sich bis aufs Messer be­kämpfe«. Und ein solcher Gegensatz muß die Kräfte der Nation lähmen. Nichts kann eine be­lebtere Sprache führen für ein friedliches Zu­sammengehen und Zusammenarbeiten von Staat und Kirche, als der gegenwärtig in Frankreich tobende Kampf. Wir billigen gewiß nicht den tätlichen Widerstand, den eine Anzahl iranzösischer Katholiken gegen die öffentliche Gewalt eingesetz haben, aber wir verstehen die Regungen, aus denen heraus das geschehen ist. Daß es geschehen ist, und daß die Kirchen mit Blut besteckt wurden, ist die Schuld der Regierung und der Behörden, ist die Schuld derreligions- feindlichen Freimaurerpolitik, die sich im republikanischen Frankreich eingenistet hat. Veetigi» terrent!

Deutsches Reich.

Berlin, den 3. Februar 1906.

* Deutschland und Frankreich. Eine in­teressante Aeußerung der neuen fran­zösischen Präsidenten Falliöres wird dem ,Berl. Lok.-Anzck mitgeteilt. Eine Gesellschaft in Zoppol halte dem Präsidenten nach seiner Wahl ein launig gehaltenes Begrüßungstelegramm gesandt, in welchem darauf hingewiesen wurde, daß Feindschaft zwischen Deutschland und Frank­reich recht nachteilig sein würde, da die Deutschen unter Umständen nickt mehr den famosen Bordeauxwein und die Franzosen nicht die schönen deutschen Birnen erhalten würden. Hierauf ist folgende eigenhändige, in französischer Sprache abgefaßte Antwort vom Präsidenten in Zoppot eingetroffen: „Mein Herr! Ich bin sehr glücklich, Ihre Zuschrift beantworten zu können. Empfangen Sie dieses Zeugnis meiner Schatzung und Hoch­achtung. Möge der Wein von den Ufern der Garonne lange, lange Zeit dem Frieden zwischen Frankreich und Deutschland förderlich fein! Prosit! Amand Fallieres, Präsident. Paris, Palais de Luxembourg, 29. Januar 1906."

* Zu den deutsch-amerikanischen Handels­beziehungen will die.Nationall. Korrespondenz' bestimmt versichern können, daß im Bundesrat die Meinung überwiege, es sei besser, es aus einen Zollkrieg mit den Bereinigten Staaten an» kommen zu lassen, als auf ein Handelsvertrags- provisorium von sechs Monaten, von dem neuer» dings in den amerikanischen Blättern die Rede war. — Uns erscheint die Mitteilung noch be- stätigenswert.

... Der Gouverneur von Kamerun, Jesko v. Puttkamer, der in Berlin eingetroffen ist, ist, wie der .Berliner Lokalanzeigei? wissen will, vom Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg ver­anlaßt worden, sich über Ine in seinem Kolonial­gebiete Borgenommenen Bestrafungen von Häupt­lingen zu äußern. Ein abschließendes Urteil über die im Reichstage zur Sprache gebrachten Vorkommnisse ist zur Stunde nicht möglich, da zu einer erschöpfenden Antwort über verschiedene Punkte dem Gouverneur naturgemäß die not­wendige Zeit gelassen werden muß. Die Ent­scheidung der Angelegenheit dürfte daher erst in einigen lagen zu erwarten sein.

* Die vom Aba. Stöcker in der Reichstags- Sitzung vom Mittwoch angekündigte Resolution, die den Toleranz-Antrag des Zentrums ersetzen soll, bat folgenden Wortlaut: „Der

Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, bei den Verbündeten Regierungen daran hinzuwirken, daß die in einzelnen Bundesstaaten noch bestehenden Beschränkungen der Freiheit des Religions-Bekenntnisses, der Vereinigung zu Re- ligions - Gemeinschaft n und die gemeinsame Re­ligionsübung baldigst im Wege der Landesgesetz­gebung beseitigt werden." Die formelle Einbrin­gung im Reichstage steht noch aus.

* Um die Fertigstellung des Etats zum f. April zu ermöglichen, soll nach der neuen »Milit. polit. Korresp/ im Reichstage die Absicht bestehen, alle von den neuen Steuern betroffenen Positionen aus dem Budget auszu­schalten und zu Nachtragsetats zu vereinigen, die später nach der eventuellen Annahme der Steuervorlage zur Verabschiedung gelangen sollen. — Unserer Ansicht nach ist ein solches Verfahren absolut undurchführbar.

.-. Für die Beratung der Militärpensions­gesetze soll, rote von einer Korrespondenz mit- geteilt wird, eine Sonderberatung in der Budgetkommission anberaumt werden, die 14 Tage währen soll. — Die Nachricht ist uns in dieser Form völlig unverständlich. Wenn die Etatsberatung nicht ms Stocken geraten soll, wird die Budgetkommission schwerlich 14 Tage auf die Pensionsentwürfe verwenden können, bevor sie den Etat in der Hauptsache durchberaten bat

* Invalidenrenten sind seit dem 1. Januar 1891 bis einschließlich 31. Dezember 1905 von den 31 Versicherungs-Anstalten und den 9 vor­handenen Kaffen-Einrichtungen 1,292,833 Mark bewilligt worden. Davon sind infolge Todes oder Auswanderung der Berechtigten, Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit, Bezuges von Unfallrenten oder aus anderen Gründen weggesallen 512,071 Mark, sodaß am 1. Januar 1906 780,762 Mark liefen gegen 773,607 Mark am l. Oktober 1905. Die Zahl der während desselben Zeitraumes bewil­ligten Altersrenten betrug 437,894 Mark. Da­von sind infolge Todes oder Auswanderung der Berechtigten oder aus anderen Gründen wegge- fallen 303,814, sodaß am 1. Januar 1906 liefen 134,080 Mark gegen 136,534 Mark am 1. Okto­ber 1905. Invalidenrenten wurden feit 1. Ja­nuar 1900 beroiUigt 54,578 Mark. Davon sind infolge Todes, Wiedererlangung der Erwerbs- fähig keit ober aus anderen Gründen fortgesallen 34,4.37 Mark, sodaß am 1. Januar 1906 liefen 20,141 Mark gegen 19,401 am 1. Oktober 1905. Beitrags-Erstattungen sind bis zum 31. Dezember lfft>5 bewilligt: ■) an weibliche Versieh rte, die in die Ehe Getreten find, 1,356,866 Mark gegen 1,313,596 Mark, b) an versicherte Personen, die durch einen Unfall dauernd erwerbsunfähig im Sinne des Jnvalidenverficherungs - Gesetzes ge­worden sind, 3564 Mark gegen 33 6 Mark, 0 an die Hinterbliebenen von Versicherten 295,355 Mark gegen 287.927 Mark, zusammen 1,655,785 Mark gegen 1,604,879 Mark bis zum 30. September 1905.

* Darmstadt, 3. Fedr. 19<>6. Während früher hier die gesamte Studentenschaft einen gemeinschaftlichen Kaiserkommers feierte, wurden die beiden katholischen Korpora­tionen in diesem Jahre von dem Kaiserkommers derStudentensckast ausgeschlo ss en. Sie ver­anstalteten deshalb am letzten Montag eine be­sondere Kaiserfeier. Die „Vereinigten Korpo­rationen und Fachabteilungen- vereinigten sich am DienSlaa im Orpheum zu einem Festkommers,

Cw Schallen «ns ilem Mk.

Don H. Catalina.

81] (Nachdruck verboten.)

„Hast Du mir ihn wiedergegeben, um mir zu teigen, baß das Opfer über meine Kräfte geht? — Vater, Du weißt, was ich leibe. — Ich sehne wich nach ihm und bange vor ihm. Soll ich von feiner Stirne das Urteil lesen, vor ihm stehen als einer, der mit Unrecht beladen ist? — O Sünde, tote bitter find deine Folgen I — Nur Du, Gott der Erwarmung, vergibst die Menge der Schuld und wäschest von unserer Seele den Make! der Misse­tat, der in den Augen der Menschen, auch der besten, unaustilgbar ist. — Das Urteil der Men­schen, Du weißt, es kümmert mich nicht mehr; nur vor ihm, vor ihm allein möchte ich rein und schuldlos sein. O, daß er zu mir aussehen könnte mit Liebe und Vertrauen! — Ist dieser Wunsch Hochmist? Vater, vergib mir! — Mir ziemt nur Demütigung. Auch ihn, ja, ihn vor allen muß ich um Verzeihung anflehen. — Und wenn er spricht: $Bo blieb Deine Liebe, die Liebe, die Du mir schuldest? Wird er verstehen, daß die Größe dieser

Lbe mich zum Entsagen und Verzichten trieb, ouf f^in @lärf, für fein Bestes, habe ich mich ausgewischt aus dem Buche der Jugendzeit, ob-

°u ihm mit allen Sofern hängt, tno$ ikmi mich verzehrt. — Mir , erfüllet. — Darf ich seine Hand

Hen; Bleibe bei mir. Tu meines SUterS Stutze, meiner Augen Licht? — Oder soll warten? Herr, zeige mir Deinen Weg! fcenbe Mir einen Boten, einen Mann nach Deinem Herzen, und war er mir sagen wird, daß will ich tun."---

Wieder wurde eS stille; nur die regelmäßigen Atemzüge bei Schlafenden waren hörbar. Als

Felix erwachte, dünkte ihm alles, was er gesehen und gehört, ein Traumgebilde. — Seefeld, nur etwas bleicher als sonst, forderte ihn auf zu einem Ritte, um die entstandenen Verheerungen in Au­genschein zu nehmen. Ein strahlender Früblings- morgen lachte auf die Stätte der Verwüstung herab. In gewohnter Weise sprach Seefeld über den angerichteten Schaden, schätzte und berechnete dessen Umfang und überlegte Mittel und Wege, einer ähnlichen Katastrophe in Zukunft vorzu­beugen. — Ja, Felix hatte nur geträumt, dessen wurde er sich nur im Glanze der Morgensonne bewußt.

16. Kapitel.

In Buenos-Aires hatten die Dinge eine schlim­me Wendung genommen. Monatelang durfte Wildner hoffen, vor größerem Schaden bewahrt zu bleiben; da brach die Firma „Ricarda Kar­sten", mit der er liiert war, zusammen. Karsten der Wollenkönig, durch langjährige Geschäftstätig­keit reich geworden, er, der den ganzen Wollen­markt am La Plata beherrschte, verlor mit einem Schlage durch gewagte Spekulationen seiner Söhne und Schwiegersöhne, denen er zuletzt das Geschäft zum größten Teile überlassen hatte, sein ganzes Vermögen. Er überlebte den Verlust nicht. Als ihm die Hiobspost gebracht wurde, sank der Siebzigjährige zusammen: ein Schlaganfall hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Durch seinen Tod gestaltete sich die Sachlage noch schlimmer: vielleicht hätte daS Ansehen des geachteten Mannes die Katastrophe verzögern, mildern können. Kaum ein Exporthaus am La Plata, das von diesem Falle nicht gelitten hätte! Wildners Verluste über- stiegen eine halbe Million Pesos — zwei Millionen Mark. — Dazu kam die gespannte Geschäftslage in Europa, der Zusammenbruch einer Bank, mit der Wildner in Verbindung stand, das Ausbleiben der Zahlungen von Häusern, die zwar noch stan- den, allein tote Wildner schwer gegen die Wogen der ungünstigen Verhältnisse ankämpften.

Im Landhause in Flores herrschte eine ge- tri efte Stimmung. Sorgenschwer begab sich Wildner morgens in fein Geschäft, um abends mit ernster Miene heimzukehren. Dennoch ließ er den Mut nickt sinken. Wie ein Feldherr in schwankender Schlackt feine Truppen zusammen­zieht, der nahenden Verstärkung harrt und tapfe­ren Widerstand leistet, so hielt er seine Mittel zu Rate, strengte seinen Kredit an und mochte es durch Ailfbiettmg allen Scharfblickes möglich, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen. Roch stand er; allein ein ungünstiger Hauch konnte das einst so gefestigte Haus stürzen.

Frau Wildner teilte die Sorge» ihres Ge­mahls; sie litt in ihrer stillen Weise mehr als ihr Mann, der täglich durch angestrengte Arbeit, durch neue Kämpfe, durch ein gelegentliches günstiges Vorkommnis stets in Tätigkeit gehalten wurde.

Irma erfuhr von der Sachlage nur den ge­ringsten Teil. Daß Papa fchlvere Sorgen hatte, und daß Mütterchen nickst so froh blickte wie sonst, ging ihr zu Herzen. Sie suchte den trüben Geist o viel als möglich zu bannen und war nach wie >or der Sonnenstrahl des Hauses. Innerlich war ie floh, daß die ihr lästigen Gesellschaften und Vergnügungen aufs äußerste beschränkt wurden — ganz zurückziehen durfte man sich nicht. ES galt, vor der Welt zu repräsentieren und den wahren Stand der Dinge möglichst zu verbergen. Eine Indiskretion in solch kritischer Zeit bedeutet ür den Kaufmann den Windstoß, der dos Schiff auf die Klippe fagt, an der die sickere Hand deS Steuermannes vorbeizulenken verstanden hätte. — Man ging also und zeigte sich der Gesellschaft n der Oper, auf den Bällen; allein ohne Felix hatte kein Vergnügen Reiz für Irma; am liebsten weilte sie in ihrem trauten Heim, wo sein An- lenken mit jedem Raum, mit hundert Segen- tanden verknüpft war.

Rur einen Ausgang machte sie, den ihr freund- chastliche Teilnahme nahe legte. ES war die? der tägliche Besuch bet Adela Minden, die durch

auf dem Rektor Gutermuth eine bemerkens­werte Rede hielt. Nachdem der Rektor stürmisch begrüßt worden mar, erwiderte er auf die An-, spräche eines Studenten folgendes:

Ich muß zunächst um Entschuldigung bitten, daß ich so spät erscheinen konnte. Es war mit ein dringendes Bedürfnis, auch bei Ihnen zu wer- len, leider am dritten Festkommers in dieser Woche; da ist die Freude allerdings beeinträchtigt, denn vor einem Jahre feierte man den Kommers noch unisono. Das hatte ich jetzt auch gewünscht. (Wi­derspruch.) Ich will keine Kampsesworte sprechen, ich spreche als älteres Semester, aber ihre Meinung sagt mir nicht zu, und meine Meinung darf ich Wohl frei sagen. (Beifall.) Der Festtag ist nicht angetan zu dergleichen Widerreden. Wenn wir aber heute den Blick zum Kaiserthron wenden, sehen wir gleiches Recht für alle, hören wir deut­lich die Worte, die für akademische Freiheit, für gleiches Recht für alle eintreten. Die Stammes- bürg der Hohenzollern hat zwei Kapellen, eine protestantische und eine katholische, die vertragen sich, warum soll dies nicht unter Studenten mög­lich sein. (Widerspruch.) Wir brauchen nicht kai­serlicher zu sein als der Kaiser. Wir sollen ge­schlossen sein nach innen und nach außen. (Bet- fall.) Auf allen drei Kommersen herrschte Vater­landsliebe und Herrschertreue. Wir können sagen: „Lieb Vaterland magst ruhig sein." 1813 und 1870 gab es keine Unterschiede unter den Studen­ten, als es galt, sich dem Vaterlande zu opfern. Die Wissenschaft werde dadurch nicht gefährdet. (Widerspruch.) Wir kennen nur freie Wissen­schaft (Lebhafter Beifall.) Bei uns können keine Sonderbestrebungen begünstigt werden. Nie lei­det unsere Wissenschaft darunter. Aber dieser Tage gab es einen traurigen Beleg durch ein Flugblatt Leipziger Studenten. (Lebh. Beifall.) Es ist das Unglaublichste, das bisher geleistet wurde. (Beifall.) Wenn wir so weiterfahren, hat die akademische Freiheit ihren letzten Seufzer ge­tan. (Widerspruch.) Was man glaubt erreichen z« können, das Verstopfen der ultramontanen Quellen, erinnert an den Handwerksburschen, der die Donau verstopfen wollte, damit es in Wien kein Wasser gebe. (Widerspruch.) Es gibt biet nur religiöse, feine klerikale Verbindungen. (Wi­derspruch.) In späteren Jahren werden Sie sagen: Unser Rektor war doch nickst so naiv wie wir. (Widerspruch.) Als Vorsteher der Hoch­schule, als Deutscher kann ich kein anderes Urteil sollen. (Widerspruch.) In 20 Jahren denken Sie anders, sonst gibt es nur eine neue Reformations­zeit. Wir wollen unter einem Dach, unter ger­manischer Ritterlichkeit, das ist auch die studen­tische Ritterlichkeit, den persönlichen Kampf auf­sparen fürs Leben, nicht für jetzt, wo wir der Wis­senschaft leben. Wieder muß ich Sie auf den Kaiser verweisen. Seinem Beispiel heißt es fol­gen, feine negative Politik zu treiben. (Lebhafter Widerspruch.) Ihren Widerspruch nehme ich nicht übel, denn Sie sind erreat. (Widerspruch.) Wenn ich das nicht wüßte, würde ich nicht versuchen, Si» zu anderer Meinung zu überreden. Ich resümier» dahin: ein Pereat der Zwietracht, ein Vivat bei Eintracht und Ritterlichkeit.

Zu der Rede des Herrn Rektor- wird in der ,Kö!n. Dolksztgck noch daraus hingewiesen, daß der Redner besonders scharf mahnte, „den Blick nach oben zu richten zu Er. Majestät bem Kaiser, der nichts andere- kennt und will als gleiche- Recht für alle, sein Grundsatz, den der Kaiser auch vertrat in feinem Mahnwort au die Studentenschaft. Im Sinne der roobren akademischen Freideit darf man auch keinen Zwang ausüben wollen auf Andersdenkende. Jemand zu zwingen, seine Kirche zu verleugnen, würde etwas bedeuten, was ich hier nicht näher bezeichnen möchte." Sehr entschieden betonte bet

den jäh erfolgten Tod ihres Vaters in tiefe Trauer versetzt worden, wenige Wochen, nachdem die Familie von ihrer Estancia Ombu nach der Stadt zurückgekehrt war. Meist traf sie dort mit Bella Thomsen zusammen, die Adela wie ihr Schatten folgte. Doktor Thomsen hatte es vor feiner Abreise nach Europa durch einen uner­warteten Besuch auf Ombu möglich gemacht, sich Herz und Hand der reichen Erbin zu sichern. In einer schattigen Laube, Adelas Lieblingsplätzchen, hielt er ihr eine feiner längeren Reden, in der et von geheimnisvollen, ewigen Gesetzen, von der unveräußerlichen Freiheit des Individuums, zu fühlen und zu lieben, von Eros und Psyche, von HnmenS Fackel und bem halben griechischen Olymp sprach. Zum Glücke verstand die arme Adela, die ihm trotz seiner Sonderbarkeiten auf­richtig zugetan war, der langen Rede kurzen Sinn, allerdings mehr aus Ton und Miene als aus den Worten, die immer dunkler und geheimnisvoller wurden. Als (Sunquc die Arme ausbreitete, stürzte sie an feine Brust und merkwürdigerweise wurde der Doktor plötzlich menschlich und sprach und be­nahm sich wie ein gewöhnlicher Sterblicher. Adelas Vater gab seinen Segen zu der Verbindung; er war schon längere Zett leidend und fühlte, daß feine Tage gezählt waren. Nur sollte mit Zu« timmung aller Betreffenden die Verlobung ge- heim bleiben, bis Doktor Thomsen von Europa zurückkehrte. Nun war Adela verwaist und trau­erte in tiefem Schmerze um den geliebten Vater. Die Briefe ihres Verlobten, die sie mit Hilfe Irmas entzifferte und in landläufiges Deutsch übersetzte, gewährten ihr einen süßen Trost.

Carlos Minden weilte meist außer dem Hause; Mm öfteren riefen ibn feine Geschäfte auf die übernommenen väterlichen Güter. Als gesetzlicher Vormund seiner Schwester fühlte er sich doppelt verpflichtet, seinen Obliegenheiten mit Eifer nach­zukommen. Dann und wann fand er aber doch Zeit, die Teestunde zu Hause zu »erbringen. Ir­mas Gegenwart, auf die et heimlich hoffte, zog