WM
frfdfelirt tiglld), *tt S»,nähme der Son» «nd zeiertag«. viertel» Mrl. vrznyrprri, ohne vringerlohn vnd veiitv-rldinZulda vnd auswärts ; Hl! 50 Pffl.
Verantwortlicher Schriftleiter:) van«? o.WL’Sä w»che«deil-gt:„ZllllftrierteSonnfagszeiit!Ng"
monatsbtuage: „Zllldaer EeschichtrdlStter"
awjttgtrt: »Iteto« fpalhge petitzeile oder deren Raum 15 pffl. Rtnamta dir petstzeUe 25 Pfg.; vei wieder- Holungen wird entfpr. Rabatt gewährt.
Rotalt ans druck n. Verlag der $alt-aet Rt» tiendruiterei in fiulbe. Zrrnipreoer Nr. 9.
JV& 26.
Fulda, Donnerstag, den 1. Februar 1006.
33. Jahrgang.
UV Wegen des Feiertags Mariä Lichtmeß wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Samstag ausgegcben.
% Der Toleranzantrag der Zentrums.
Die ganze Neichstagssitzung vom Mittwoch war der Fortführung der ersten Lesung des Toleranzantrages des Zentrums gewidmet. Da eine Kommissionsberatung des Antrags nur von der Sozialdemokratie beantragt und befürwortet wurde, so wurde dieselbe mit großer Mehrheit abgelehnt. Tie weitere Beratung findet demnach sofort im Plenum statt, und am Schluffe der zweiten Beratung wird die Entscheidung über den Antrag getroffen. Wie immer dieselbe auZ- fallcn wird, der m o r a l i s ch e E r f o l g des Zentrums ist schon heute, nach dem Schlüsse der ersten Lesung, Uber jeden Zweifel erhaben. Wir sagen nicht zuviel, wenn wir den tiefen Eindruck, den die Ausführungen der Zentrumsredner in der Mittwochsitzung, vor allem der Abgeordneten Dr. Frhr. v. H e r t l i n g und Tr. Spahn, auf die Volksvertretung machten, als einen Triumph der gerechten Sache auffassen. Der Wucht dieser Ausführungen, welche sich in vorzüglicher Weise den früheren Ausführungen der Abgg. Tr. Bachem und Gröber zu der Angelegenheit anschlossen, konnten sich auch die Gegner des Antrags nicht entziehen.
Was auf feiten dieser Gegner gegen den Antrag, seine Tendenz und seine Folgen vorgs- bracht wurde, konnte unmöglich auf Stichhaltigkeit Anspruch erheben. Dabei lassen wir die Ausführungen des «freisinnigen" Abg. Dr. Müller- Meiningen ganz bei Seite. Tie Auslassungen dieses Redners, Den die eigene Fratlion bekanntlich in dieser Angelegenheit von den Nockschößen abgeschüttelt hat, konnten überhaupt nicht als ein Versuch zu einer ernsten Bekämpfung des Zentrumsantrages gelten. Sie waren nichts anderes als «Miszellen", von allen Ecken und Enden zusammengetragen lediglich in der Absicht, die katholische Kirche und die Katholiken zu verletzen. Kaum jemals vorher ist ein Volksvertreter im Parlament in einer so nachdrücklichen Weise «gedeckt" worden, wie dieser „Zensor" Md «freiwillige Polizist". Herr Dr. Müller-Meiningen hat sich in der Debatte über den Toleranzantrag um „Ehre und Reputation" geredet. Das ist nicht nur die Auffassung der Freunde des Toleranzantragcs.
Die ganze Hilflosigkeit der Gegner des lctzie- ren trat in den Ausführungen des Abg. Stöcker zutage. Man kann sich der Ueberzengung nicht verschließen, daß der Standpunkt des Zentrums nicht nur der allein richtige ist, sondern auch vom staatsbürgerlichen Gesichtspunkte ans sowohl den Interessen des Staates wie den Interessen der Kirche entspricht und darum je eher je lieber zur Durchführung gebracht werden müßte, aber gewisse „kirchenpvlitische" Nücksichten hindern die Bekundung dieser Ueberzcugung. Es klang wie eine aus ernstestem Gewissensdrange hervorgegangene Bitte, wenn der Abg. Stöcker das Zentrum aufforderte, seinen Antrag zurückzuzieben und sich mit einer von der Wirtschaftlichen Vereinigung vorbereiteten Resolution zu begnügen, welche die Beseitigung der markanten Härten der einzelstaatlichen Bestimmungen über die Religions- Übung hinsichtlich der katholischen Kirche ausspricht. Tiefe Resolution ist bekanntlich schon im vorigen Jahre von der gleichen Seite beabsichtigt gewesen, ohne genügende Gegenliebe zu finden. DaS Zentrum hat mit allem Recht das Ansinnen abgelehnt, seinerseits eine solche Resolution einzubringen unter Aufgabe seines Antrages. Tas hieße einer ruhmreichen Tätigkeit im Interesse
der Gleichberechtigung aller religiösen Bekenntnisse die Spitze abbreckwn. Es hat sich aber die Stellungnahme zu einer solchen von anderer Seite eingebrachten Resolution Vorbehalten.
Die Regierung hat am Mittwoch geschwiegen, obwohl der Staatssekretär des Innern den Verhandlungen beiwohnte. Lange wird man dieses „System des Schweigens" nicht mehr durchführen können. Mag der Toleranzantrag des Zentrums ein Schicksal haben, wie er will, die noch immer in deutschen Landen herrschende Intoleranz auf kirchlichem Gebiete ist durch die Verhandlungen über diesen Antrag gerichtet. Ein für allemal.
Deutsches Reich.
Berlin, den 31. Januar 1906.
\ Der Gouverneur von Kamerun v. Putt- kamer trifft am 2. Febr. in Hamburg ein und wird sich sowrt nach Berlin begeben. Die Der- Handlungen zwischen Koloniulamt und Gouverneur sollen so gefördert werden, daß bei der zweiten Beratung des Kolonialetats im Plenum des Reichstages l er Kolonialamtsverweser im Reichstage in allen Punkten Rede und Antwort stehen kann.
* Umfassende ArbeiterwohlfahrtSeinrich- tnngcn sollen bei den neuen Kanalbauten Platz greisen. Auf Beranlasiung des Ministers der öffentlichen Arbeiten v. Budde fand am Mttewoch eine Beratung di rüber statt. Eine größere Anzahl von Mitgliedern beider Häuser des Landtags, von Vertretern solcher Vereine, die sich der Arbeileriürsorge widmen, sowie von Herren, die wissenschastlich und praktisch auf dem fraglichen Gebiete gewirkt toben, waren der an sie ergangenen Einladung gelolgt. Der Minister der öffentlichen Arbeiten leitete die Verhandlungen mit längeren Ausiührungen, die den Zweck der Beratung genauer sestlegten, em. Hebet das Ergebnis der Verhandlungen werden wir noch näheres berichten.
* Eine Rechtfertigung der amtliche» Berichterstattung aus Deutich-Südwestafrika ersucht die ,Rordd. Allg. Ztg.' zum So und so vielten Male. In einem offiziöien Enterfilet sühit das Blatt aus: „In der Presse ist wiederholt der Vorwurf gegen die Militärbehörden erhoben worden, weshalb die Ereignisse in Südwesta'iika nicht genug veröffentlicht und infolgedesien dieLeistungen unterer Truppen in der Heimat nicht hinlänglich bekannt würden. Dem geaenüber sei hiermit sestgestellt: Alle aus Südwestasrila eingehenden Depesck-en werden, soweit ihr Inhalt irgendwie von atigemeinen Interesse ist, durch das Wolff'fche Telegiaphen-Bmeau amtlich ver- öffenlticht. Es ist aber nicht möglich, nach >edein Gefecht gleich einen auSiühdicben Bericht zu liefern, da nur lurie Telegramme hierher gelangen und dir genauen Berichte erst nach Monaten folgen. Auf Gru d dieser Berichte sind alle wichtigeren oder besonders intereffanien Gefechte in etwa 20 größeren Ausiätzen vom Generalstabe besonders bearbeitet worden. Dreie Aulsätze erschienen im.Milnärwochenblattt, oder, soweit dies nicht möglich, in anbei en Ze tungen, und wurden von vielen Tageszeitungen nachgedruckt. Außerdem ist für den Reichstag bereits in 3 Denk'chriften vom Generalstabe eine lenlautenbe Darstellung der kriegerischen Ereiq- niste bearbeitet worden, die der Oeffentlichkeit zugänglich waien. Schließlich bat die kriegs
geschichtliche Abteilung L des Großen General- stabes die Bearbeitung des Krieges begonnen. Der erste Aufsatz ist in den .Vierteljahrsheslen für Truppenfühlung und Heereskunde' bereits erschienen, wettere werden folgen. Es ist Vor- sorge getroffen, daß Sonderabdrricke dieser Darstellung zu billigen Preisen weilen Kreisen des deutschen Volkes zugänglich gemacht werden." — Alles das kann die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß die amtliche Berichterstattung über die Vorgänge in Deutsch-Südwestairika eine außerordentlich dürftige und langsame ist. An zusammenfassenden Aufsätzen hat die Oeffenllich-- leit weit weniger Interesse, als an direkten und raschen Meldungen über die einzelnen Vorgänge und über die Entwicklung der dorliaen Verhält- niffe. Hoffentlich wird nach dieser Richtung hm die Berichieistaltuny in Zukunft ausgedehnter
* Eine Altersgrenze für UniversitätSpro- fefforen bildet verichiedenen Bläliern za olge den Gegenstand von Beratungen zwischen dem preußischen Kultusministerium im) den llnioersitäien. Rach dem Vorbilde österreichischer Emiicktiingen soll eine Atlersarenze für die Amtstätigkeit der Professoren festgeiegl werden, und zwar soll a!S solche die Vollendung des 7ü. Lebensjahres m Aussicht genommen fein.
♦ Bezüglich der Zigarettensteuer dürste nach unseren Inwimalionen in der Sleuerkommission des Reichstages eine Einigung dahin zustande kommen, daß statt der Pamersleuer eine Bande- rolen-Steuer auf Zigaretten und Zigarettenlabake eingeführt wird.
Parlamentarische Nachrichten.
Der Seniorenkonvent deS Reichstages hat sich in seiner Sitzung am Minwoch über eine Kontin gentierung der zweiten Beratung deS Etats aeetnigt. Danach sollen verwandt werden auf d'e Beratung des Etats des Reichslaaes, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei 2 Tage, auf das Auswärtige Amt. die Schutzgebiete und die Ra cklragsetais 3 Taue, das Reichsamt des Innern 6 Tage, das Reichsheer und das Reichsmilitärgericht 4 Tage, die Marine und das Flotiengeietz 2 Ta re, das Rerchsjustnamt 3 Tage, das Reichsrchatzamt, das R.ichseiienbahnaml, Rechnungshof und Reichsschvld 2 Tage, den Pensionsfonds und Invalidenfonds 2 Tage, Post und Reichsdruckerei 3 Tage, Relchseisenbahuen 1 Tag, Zölle und Tlerbrauchssteuern rc. 3 Tage, Ha ipletal mit dem Eialsgeietz — nist Rücksicht auf die Anläße der neuen Steuern — 2 Tage, die mit dem Eiat zuwmmenhängenren Geetze; Servis, Wohnnmis- geldzuschnß, Nainralleistiingen, Enilastung des Invulidensonds 3 Tage, zusammen 36 Tagen. Im vor inen Jahre, wo der Etat einfacher lag, winden 37 Tage auf die zweite Etatsberalrmg verwandt ) Vom 1. Februar dis 31. März liegen 51 Ge'chästetage. Davon gehen ab 8 Schwerinstage, so daß 43 Verhandlungstage zur Verfügung stehen. Danach er'cheint es nicht unmöglich, den Etat ohne die Steuervorlaaen, deren Verhandlungsdauer zurzeit nicht zu berechnen ist, rechtzeitig fertigzustellen. Eine bestimmte Reihensotae für die Beratung der einzelnen Etats ift nicht vorgetehen. Die nicht zu knapp bemeffenen Kontingentierungslage sollen sich gegenseitig deck.n.
*, lieber die gegenwärtige Gesäsiiftslage im Reichstage sich t die ,9iat Zig/ einen Seufzer au*. Das n-rtwnalliberale Mail schreibt: «Die Rot im Reichstag bat mit der Wahl der 12. Kommi'sion ihren Höhepunkt erreicht. Denn wenn soviel Arbeit in Kommissionen prompt geleistet werden sollte, müßten sich ungefähr 250 Mitglieder des Hauses daran beteiligen, darunter 56, die wöchentlich 4mat an Sitzungen leilnehmeu (Budget- und Steuerkommlision), etwa 150, die dis zur Durchberatung der ihnen überwiesenen ttzesetze eine Reihe von Tagen hintereinander forkirbetten, während die übrigen 50 in den ständigen Kon,Missionen des Hauies wöchentlich ein- b»s zweimal sich versammeln müßten." — Ohne Diäten gehl es eben nicht
* Dre Budget-Kommission des Reichstages erledigte am Dienstag und Mittwoch den Kamerun-Etat. Wesentliche Aenderiingen an dem Etat wurden nicht getroffen. Zur Annahme re» lande ein Antrag des Abg. Er zderqer «Zentr.) betr. Einengung des Berordnunqsrechtes und Erweiterung der Mitwirkung der Reichsgetetzgebunq. Ferner wurde ein Antrag des A>'g. Dr. Arendt (Reichsv) an genommen, der eine Regelung der Laufbahn der Kolon,al-Beamten wünscht.
* Di: Steuerkommission des Reichstages trat am Mittwoch in die Beratung der Ziga- reitensteuer ein. In der ab gemeinen Debatte prachen sich die meisten Redner gegen eine Papiersteuer aus. Der Abg. Müller-Fulda (Z.) befürwortete eine Zuichlagssteuer aus den für Zigaretten verarbeiteten Tabak. Seitens der Regierung wurde erllätt, man werde alle Vorschläge piüfen, und es sei nicht ausge'chlossen, daß, wenn sich ein anderer gangbarer Weg zeige, dieser beschritten werde.
Aus dem Reichstage.
32. Sitzung vom 81. Januar.
Die erste Beratung des T olerauzantra ges wird sortgescyt.
Abg. Tr. Frhr. v. Hertliug (Ztr.)gab auf man- chcrtei Einwendungen, die gegen den Antrag erhoben worden sind, eine kräftige Antwort. Insbesondere red)riete er mit dem Abg. Müller ($iciniu- gen) ab, der geglaubt hatte, durch allerlei Histörchen dem Zentrum unbequem werden zu können. Herr Müller möge nur sortsahren, in dem Lustgarten der katholischen Gebet- unfc Erbauungsbücher zu wandern und Unfraut auszujäten. Durch dieses sreiwillig übernommene Polizistenamt komme er den eriistdeukenden Katholiken zu Hilfe. Wmuchenewert sei es, bau man »irchtr. erieiis nut den Enipsehlungen von Bückrern mit politischen Anspielungen vorsichtiger mürbe, weil derartige Empfehlungen leicht zu Mißverständnissen und Mißdeutungen Anlaß gäben. Die int Toleranz- antrag atikgestelUen Forderungen seien nmweuoig um die Durchführung der Freiheit zu sichern, deren die latbolndje Kirche bebaue. Wenn bi evangelischen Landeskirchen dieser Freiheit nickt bedürsen, sei das ihre eigene Sache. Der Abgeordnete Kardorff habe angeregt, das Zentrum möge den Toleranzantrag zuriickziehen, und der Neichstag möge dann eine Resolution beschließen, daß die rückständigen Staaten, Mecklenburg, Vrannschweig, Sachsen ufio. den Katholiken gerecht »erben sollen. Daß das Zentrum selbst eine solche Resolution einbringe, sei nicht gut zn verlangen, wenn sic ober von anderen Parteien gebracht und
EiilÄlhiitleülillsilemWk.
Von H. Catalina.
23) lRackdruck verboten.)
„Und warum hat man mich nicht eher benachrichtigt", rief Felix, der sich während dieses Berichtes in die UeberHcibcr geworfen und Jose nach seinen Leuten ausgesandt hatte.
„Es war unmöglich in der stockfinsteren Nacht, bei dem schrecklichen Zustande der Wege. Mehrere haben sich zu verschiedenen Stunden auf den Weg gemacht, hierher und nach Dolores. Keiner ist an- gekommen, sie sind stecken geblieben und konnten sich erst bei Tagesanbruch heraushelfen. Auch wir waren drei Stunden unterwegs."
Drei Stunden zu einer Strecke, die sich sonst leicht in einer zurücklegen ließ! Würde die Hilke nicht zu spät kommen? — Felix trieb zur Eile an. Wie aus dem Boden gewachsen, standen sie plötzlich da: Fritz Schwarz, Rolf, Franzisko und andere, jeder mit einem zweckmäßigen Rate, alle b-reit, Hilfe zu leisten. In kürzester Zeit waren ft» unterwegs, zu Pferde und zu Fuß, wie es eben flieg, mit Seilen und Werkzeugen aller Art. Franzt tfo führte auf einem mit Ochsen bespannten Ki tren Decken und allerlei Vorräte zur Unglücks- stä tc. Auf bodenlosen, durchweichten Wegen fünfer die Pferde ein; nur durch das Ausbieten aller Kr fte ging es voran. Von Dolores her stießen RoRmiften zu ihnen mit sorgenvoller Miene. Don Luis in LebensgefahrI Dies traf jeden wie ein persönlicher Schlag. Alle eilten zur Hilfe herbei; allein würden sie etwas ausrichten können? — Endlich war eine Anhöhe erreicht, von wo sie den Schauplatz der Katastrophe überblicken konnten. Wie ein tobender, wilder See bedeckte der Fluß den neuesten Teil der Kolonie. Einige Inseln ragten hervor, zum Teil mit SBäumen bestanden. Auf den braunen, schäumenden Wassern trieben Baumstämme und Trümmer aller Art. In größter Eile drängte Felix seine Begleiter vorwärts.
Endlich waren sie zur Stelle, von den harrenden Kolonisten mit bleichen Gesichtern um drängt.
„Dort oben könnte eine Uebcrfabrt versucht werden", meinte ein alter Fischer. „Hier ist der Boden grundlos, schlammig."- Sie begaben sich weiter stromaiifwarrs Alle wandten sich an Felix, als erwarteten sie von ihm Heil und Nettiing, und doch waren Leute unter ihnen, die in @efafiten alt geworden, Matrosen und Fischer, die es gewohnt waren, mit Wind und Wellen zu kämpfen. — Felix fühlte die Verantwortung dieser Stunde. Er beriet sich mit den Erfahrensten. — Es war keine Zeit zu verlieren; denn von Stunde zu Stunde verkleinerte sich die Insel, die ohne felsigen Grund der Strömung keinen Widerstand bot. In demselben Augenblicke, da Felix über den wohl hundert Meter breiten Flußarm Grüße hinübersandte, lösten sich wieder einige Bäume der Insel los samt Wurzeln und Grund.
„Tas Wasier untcrroüblt den Boden; wir haben keine Zeit zu verlieren. — Macht das Floß flott, das ihr gezimmert habt", rief Felix. Es war ein armseliges Fahrzeug, klein und in der Eile schlecht zusammengefügt.
„Es wird nicht tragen", meinte kopfschüttelnd der alte Fischer; „auch ist hier die Strömung zu stark." Allein seine Stimme drang nicht durch. Mit Mühe wurde das Floß den Fluten übergeben. Es schwankte bin und her, drehte sich im Kreise; in wenigen Minuten war es von der Strömung fortgeriffen; nur durch geschickt zugeworfene Seile konnten die Ruderer gerettet werden. Tas Rettungswerk war um Stunden verzögert
Schon hatten Felix' Leute unter Anleitung eines Zimmermanns, der bei den Pionieren gedient hotte, ein größeres Floß in Angriff genommen. Die Kolonisten folgten ihrem Beispiele. I Rasch fügte sich Stamm an Stamm, Brett an ! Brett. Doch es wäre Tollkühnheit gewesen, die schwachen Fahrzeuge den Fluten ausziisetzen. Keine Ruderstange, kein Menschenarm konnte dieser Strömung widerstehen. Felix war in großer Aufregung. Mußte er ohnmächtig hier stehen und den Freund samt feinen Gefährten —
zwanzig Menschenleben — vor seinen Augen zugrunde geben sehen? Ter alte Fischer tröstete ihn:
„Ter Regen hat nun schon seit Stunden auf- gehört. Tas Wasser steigt nicht mehr: bald wird die Strömung geringer werden. Aber lassen Sie die Abfahrt nicht von hier aus versuchen; ich will sehen, ob sich weiter oben' nicht eine günstigere Stelle findet." Unaufhörlich nagten und spülten die Wellen an dem weichen Boden der Insel. Zurufe tönten von drüben, die aber von dem Tosen des Wassers iibertäubt wurden. Jetzt trat See- feld, der sich bisher sehr ruhig verholten hatte, vor und machte lebhafte Zeichen. Alle blickten nach ihm bin. Sein ausgestrcckter Arm wies stromaufwärts.
„Don Luis will sagen, daß das Floß von dort oben abstoßen soll," erklärte Felix die Zeichen, der Worte des FisSters eingedenk. Von seinem Stand- punkte aus konnte Seefeld die Richtung der Strömungen beobachten; er wies den Rettern einen Punkt, von wo die Strömung auf die Insel zu- tricb. Tie Flöße wurden nach der dewichnet-m Stelle geschleppt und dem Wasser übergeben. Tie Wildheit der Gewässer batte sich im Verkaufe der letzten Stunden bedeutend gemindert; dennoch war e3 ein gewagtes Beginnen, das schwanke Fahrzeug durch die Fluten und Hinderinsse zu fteu- ern: herantreibende Trümmer, Stämme, Balken, zumteil aus dem Wasser hervorragende, zumteil unter dessen Lbersläche verborgene Bäume und Mauern mehrten die Schwierigkeit der Fahrt. Handfeste, geübte Männer stießen vom Ufer ab. Ein Iubelschrei — das Floß schwamm und steuerte der Insel zu. Mit atemloser Spannung folgten aller Augen jeder Bewegung, jedem Schwanken; raube Hönde erhoben sich gefaltet. Kaum ein Laut wurde gehört. Jetzt stieß das zweite Floß ab. Mit kräftigem Schwünge schwang sich Felix daraus und ergriff eine der Ruderstangen. Mahnende, bittende Rufe ertönten. Vergeblich! Tas Feu-r der Ungeduld verzehrte ihn; es war ihm unmöglich, länger tatenlos als Zuschauer dabeizuftehen. Jetzt war bad erste Floß bei der Insel angekommen. Zehn Mann, die Halste der Eingeschlossenen, von
Seefeld nach Alter und Familienverhältnissen aus- gewählt, erreichten dasselbe und zwar watend und schwimmend, do bei den Bodenverhältnissen ein eigentliches Landen des Floßes ausgeschlossen war. Krästig setzten die Ruderstangen ein, machten das Floß wieder flott und steuerten dem Ufer zu. Wen» auch von der Strömung weit flußabwärts getri> den, landeten die Geretteten an sicherer Stelle. Mit Jubel wurden sie begrüßt. Aber noch war die Spannung der Gemüter groß. Das zweite Floß näherte sich der immer mehr verschwindenden Insel mit großer Vorsicht. Dort mußte etwas vorgegangen kein. Laute Ruse erschollen; einzelne der Zurückgebliebenen warfen sich ins Wasser und wurden mit zugeworsenen Seilen auf das Floß gezogen ; die anderen folgten, Seefeld als letzter. — Ein unheimliches Glucksen und Gurgeln hatte sie gewarnt; der Boden schwankte unter ihren Füßen; ihr Schicksal hing von Minuten ab. — Kaum zwanzig Schritte weit war das j^lotz mit seiner Last geschwommen, da verschwand der letzte grüne Rest der Insel unter den Fluten.
Allein noch drohte eine andere Gefahr. Eine große Anzahl riesenhafter Stämme wogte^auf den Fluten daher und trieb gerade auf das Floh zu. Es war schwer, fast unmöglich, sich außer ihrem Bereiche zu halten. Mit übermenschlicher Kraft arbeiteten sich die Ruderer mit ihren Stangen auer durch die Strömung. Es gelang: Re erreichten das freie Wasser bart an dem äußerlten der Stämme. Ta plötzlich stieß dieser em Koloß — gegen einen anderen mit lautem Kracken und rollte gegen das Floß zurück. Stark sckwan- kend durch die gesteigerte Wellenben'egung bot bic- fes das eine Ende dem Stamme dar. Dort stand Felix. Mit aller Kraft suchte er den Zusammen- stoß zu verhindern oder doch S» vuldern. Weit vornüber gebeugt, stemmte er sich mächtig aus feine Stange.
„Laß ob!" schrie Seefeld, dem keine Bewegung Felix' entging.
„Laß abl Tu bringst Dich vergeblich in Gr» fahr."