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Zeitung

monatrbellage: „gulbaer Geschichtsblätter".

3n jeigen: VN ei* fp a tilge Petihelle obet beten Bannt 15 pfg. Reflamen die petttjeile 25 Pfg.; bei Wiebet- bolunqen wirb entjpr. Rabatt gewährt.

Botationsbruif n Verlag bet suibaer Ho tien»ruderet in Xulba. Sernlpre bet Br. 9.

33. Jahrqanq.

Fulda, Mittwoch, den 31. Januar 1906.

M 25.

Krstes Malt.

§ Schädliche Ausstreuungen überschreibt die „Nationalzeitung" einen Ärtifel, in welchem sie die Meldung der „Antisozialdemo, kratischen Korrespondenz" zurückweist, wonach die Verbündeten Regierungen um die Weihnachts- zeit die Verstärkung der gesetzlichen Machtmittel gegen die Sozialdemo­kratie erwogen, aber auf Grund des Wider­standes des Zentrumsdavon Abstand ge­nommen haben sollen. Wir können uns der Cha­rakterisierung dieser Meldung durch das national­liberale Blatt nur anschlietzen und würden uns nicht veranlaßt sehen, auf diese Angelegenheit näher einzugehen, wenn die „Antisozialdemokra- tische Korrespondenz" nicht versucht hätte, ihre Nachricht mit allerlei Einzelangaben zu umklei­den, welche ihr den Anschein der Zuverlässigkeit geben sollten.

Die genannte Korrespondenz glaubte nämlich zu wisien, „daß die Verbündeten Regierungen bezw. der Kanzler ihrerseits schon jetzt mit Mit­teln der Gesetzgebung (d. h. also mit einem neuen Sozialistengesetz oder einer auf ein solches hinaus­laufenden Verschärfung der bestehenden Gesetze) gegen die Sozialdemokratie geneigt sein möchten, und daß sogar schon (und zwar etwa um die Weih­nachtszeit) Erwägungen darüber stattgefunden haben." Ihre Ausführung sei aber an dem Wider­stand des Zentrums gescheitert. Die Tatsache dieses Scheiterns will die „Antisozialdemokral. Korrespondenz" dadurch näher festlegen, daß sie an den Zeitpunkt erinnert, „in dem Herr Abg. Dr. Spahn telegraphisch von Kiel nach Berlin geladen war." Damit will die mehrgenannte Korrespondenz offensichtlich Herrn Dr. Spahn in unmittelbare Beziehung zu dem Scheitern des angeblichen Planes eines neuen Sozialistengesetzes bringen und das Zentrum allen „Scharfmachern" als Haupthindernis einer „wirk­samen Bekämpfung der Sozialdemokratie" erschei­nen lassen. Sie setzt damit im Grunde genommen nur die Minierarbeit des „Reichsverbandes" fort, der bekanntlich das Zentrum hinsichtlich der „Ge­fährlichkeit" auf eine Stufe mit der Sozialdemo­kratie stellte und sich nicht entblödete, M i t t e zur Bekämpfung des Zentrums auch bei Katholiken zu sammeln.

Ein solches Verfahren kennzeichnet sich selbst. Auf den Inhalt der Meldung der „Antisozial­demokratischen Korr." im Uebrigen einzugehen, ist kaum nötig. Für jeden, der mit unseren Poli­tischen Verhältnissen auch nur einigermaßen ver­traut ist, liegen die inneren Gründe klar, welcher die Ungereimtheit der Meldung dartun. Die „Erwägungen", von welchen da die Rede ist, stehen in einet., so klaffenden Gegensatz zu den jüngsten Erklärungen des Fürsten Bülow im preußischen Herrenhause, daß derselbe auch dem blödesten Auge auffallen muß. Sie steht ebenso in einem schroffen Gegensatz zu den Aeußerungen des Justizministers Beseler im preußischen Abge­ordnetenhause. In beiden Kundgebungen war ausdrücklich betont, daß die bestehende Ge­setzgebung von der Regierung als ausreichend für eine wirksame Bekämpfung der Sozialdemokratie erachtet wird. Unmöglich würde diese Erklärung in einer so bestimmten Form abgegeben worden sein, wenn bei der Regierung irgendwie „Neigung" bestanden hätte, „schon jetzt" mit schär­feren Mitteln der Gesetzgebung gegen die Sozial­demokratie vorzugehen. Die Einschränkung, die der Reichskanzler bei seiner Erklärung machte, indem er bemerkte, die bestehende Gesetzgebung werde „bis jetzt" als ausreichend angesehen, be­einträchtigt die Bestimmtheit, mit welcher er das Bedürfnis für eine sofortige Ergänzung der ge-

Gil Ichlitlell aus dein Wr.

Von H. Catalina.

28] (Nachdruck verboten.)

„Nehmen Sie es mit als ein Andenken an Ihren Aufenthalt in Nueva Germania und an Ihre erste bedeutsame Jagd," sagte Seefeld.

Wer aber beschreibt das Staunen und die Ver­wunderung Frau Wildners und Irmas, als das ungeheure Fell fast gleichzeitig mit einem aus­führlichen Brief in Flores anlangte.

„Und wenn ich mir vorstelle, wie das Unge­heuer dort am Wege saß, als Felix des Nachts allein dahinritt, so graut es mir," rief Jrnia aus. „Gott sei tausendmal gedankt, daß er ihn beschützt hat. Hoffentlich erholt sich Fritz Schwarz bald wieder."

Ja, Fritz Schwarz erholte sich. Seine Genesung schritt rasch voran; seine kräftige Natur überwand das sich einstellende Fieber; die Heilung der Wun­den vollzog sich regelmäßig. Frau Rolf ließ es sich nicht nehmen, dem Genesenden täglich kleine Erfrischungen zu schicken, die Ines mit liebender Hand auswählte und zubereitete. Dies war ihr einigermaßen ein Trost; denn Rolf wehrte ibr jeden Besuch im Nachbarhause. Erst als Fritz, bleich und angegriffen, den linken Arm in der Schlinge tragend, einige Stunden des Tages im Freien zubringen konnte, sahen sich die Liebenden wieder.^

Seefeld fand sich wiederholt ein, um nach dem Verwundeten zu sehen. Die Entfernung zwischen Esperanza und Nueva Germania, eine Sttrnde frischen Rittes, schien verschwunden; täglich trafen sich Don Luis und Felix, als wollten sie die letzte Zeit des Zusammenseins ganz ausnützen; denn &e Abreise des letzteren rückte immer näher.

„Wenn Don -Luis kommen sollte, rufe mich. Ach reite noch der Canada chica" (kleine SBacfi rinne.

etzlichen Bestimmungen negierte, nicht im min- testen.

Was aber das Z e n t r u m anbelangt, so bedarf es wahrlich nicht mehr der Versicherung, daß das- elbe eine Bekämpfung der Sozialdemokratie mit Gewaltmaßregeln, etwa auf dem Wege der Aus­nahmegesetzgebung, für den verfehltesten Weg zur Besiegung der sozialdemokratischen Irr­lehre erachtet. Es ist unnötig, darüber noch ein Wort zu verlieren.

Deutsches Reich.

Berlin, den 30. Januar 1906.

Zur Beisetzung des Königs Christian von Dänemark wird sich, wie schon telegraphisch gemeldet, auch der Kaiser nach Kopenhagen begeben. — Dem verstorbenen Monarchen widmet die ,Nordd. Allg. Ztg/ einen warm empfundenen Nachruf, in welchem es heißt: „Mit inniger Teilnahme wird die Kunde von dem Hinscheiden des ehrwürdigen Herrschers auch in Deutschland ausgenommen. Se. Majestät der Kaiser betrauert in dem Verewigten einen treuen Freund, der mit unserem Monarchen durch Bande gegenseitiger hoher Wertschätzung verknüpft war. Mehrere deutsche Fürstenhäuser standen mit König Christian in enger verwandtschaftlicher Beziehung und blickten zu ihm mit Empfindungen warmer Hingebung empor. Aber auch in weiteren Kreisen genoß der greife Monarch aufrichtige Verehrung. In langer Regierung hat der nun aus dem Erdenleben Abberufene mit Weisheit seines hohen Amtes gewaltet, vier Jahrzehnte hindurch seinem Lande den Frieden bewahrt und damit die erste Vorbedingnng für eine gedeih­liche Entwickelung des Volkes gefiebert. Der hohe Stand der Wohlsahtt und Kultur, die jedem Besucher Dänemarks in die Argen fällt, ist wesentlich der unablässigen Fürsorge zu danken, die unter König Christians Regierung der förderlichen Wirk'amkeit des Staates auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zuteil ge­worden ist. Unter regster Mitwirkung des be­gabten dänischen Volkes zu reicher Blüte ent­faltete wirtschaftliche Verhältniffe haben eine feste und gesunde Grundlage geschaffen für die Aus­bildung des Schulwesens und für die Pflege aller wichtigen Zweige kultureller Bestrebungen, Nach außen hin war König Christian seit Jahrzehnten beiirebt, freundschaftliche Beziehungen zu unter­halten. Insbesondere hat unter wesentlicher Teilnahme des dahingeschiedenen Herrschers das Verhältnis zwischen Dänemark und Deutschland den Charakter aufrichtiger Freundschaft an­genommen. Ein segensreiches Lebenswerk liegt in der durch das Hinscheiden des Königs nun­mehr abgeschloffenen Regierung Christians vor der Geschichte da, die dem Verewigten das Zeug­nis nicht versagen wird, ein mit reichen Gaben der Natur ousgestattetes Volk durch Weisheit und strenge Pflichterfüllung auf eine hohe Stufe der Wohlfahrt, der Bildung und der Gesittung emporgeführt zu haben. Mit dem Volke Däne­marks tritt auch Deutschland ehrfurchtsvoll an der Bohre des beimaegangenen Monarchen, dessen Vorbild seinen Nachfolger König Fried­rich VIII. allzeit vorschweben möge, auf daß auch über dem Walten des neuen Herrschers der Segen der Vorsehung ruhe."

* Heber den Rücktritt des Landwirtschafts­ministers von Podbielski lausen schon wieder einmal Gerüchte um. Die.Deutsche Tageszeitung'

hier Name eines Teiles der Estanzia), unterwies Felix eines Nachmittags Jose. Eine dringende Bitte Franciscos hatte ihn zu einer Besichtigung der Saaten in jenem Teile des Gutes eingeladen. Zwei Stunden später ritt Seefeld durch d'e Pi- nien-Allee und begab sich, als er die Abwesenheit Felix' erfuhr, zu Fritz Schwarz, der in einem be­quemen Lehnstuhle im Schatten der Platanen vor dem Hause ruhte.

„So liebe ich es, den Patienten zu sehen!" rief ihm der Besucher freundlich zu und nahm Platz auf einer Bank neben Fritz. Er unterfiel : sich geraume Zeit mit diesem, dann wandte er sich zum Gehen.

Eben ritt Felix von der entgegengesetzten Seite in den Hof ein; der meldende Jose hatte ihn schon auf dem Rückweg getroffen. Auf dem Wege, der vom Verwalterhaus zwischen dem Garten und den Oekonomiegebäuden sich hinzog, war niemand zu erblicken. Das Haus, welches Schwarz bewohnte, lag links an einer Biegung des Weges und konnte von den Pinien aus nicht gesehen werden. Das Pferd Seefelds stand an einem Pfosten ange­bunden ; demnach weilte er noch bei Fritz. Felix stieg ab, um den Besucher von dort abzuholen. In diesem Augenblicke trat derselbe unter den Platanen hervor; aber nicht allein, Rolf ging neben ihm. Die beiden kamen langsam des Weges, offenbar in ernstem Gespräch begriffen. Als sie Felix erblickten, blieben sie stehen. Rolf sprach eifrig, heftig; Seefeld machte eine abwehrende Handbewegung.

„Kommen Sie zu mir nach Esperanza; dort ist der Ort, darüber zu verhandeln," hörte ihn Felix sagen. Beim Nähertreten des Senorito ent­fernte sich Rolf. Es entging Felix nicht, daß Seefeld tief erregt war; er war bleicher als ge- wohnlich, seine Stirn furchte sich tiefer, fein Auge blickte starr und abweisend, als habe er soeben eine Sache, offenbar eine unangenehme Sache, von großer Bedeutung erfahren, über deren Trag­weite er sich noch nicht klar war. Dennoch bemühte

verzeichnete dieselben, erklärte sie aber für durch­aus unbegründet.

* Zur Schulgesetzvorlage wird der ,Franks. Zeitung' aus der Rheinprovinz mitgeteilt, daß die preußischen Bischöfe in einer besonderen Kundgebung ihre ©teüungnahme zu der Vorlage barlegen wollen. Ob eine Bischofs­konferenz zu diesem Zweck einberufen oder der bezügliche Erlaß auf dem Korrespondenzenwege vereinbart werden soll, ist nicht bekannt; vorbe- reitende Beratungen haben zwischen den Kardi- nfilen Kopp und Fischer vor kurzem in Köln stattgefunden.

* Die ständige Tarifkommission wird am 7. Februar in Berlin ihre 88 ordentliche Sitzung abhalten. Von den Gegenständen der Tages­ordnung beanspruchen folgende allgemeines In­teresse: Aenderung der Bestimmungen betr. die Fahrpreisermäßigung für Mitglieder von Kranken- kaflen, Gewährung von Fahrpreisermäßigung an unbemittelte Zöglinge der unter Aufsicht des Staates stehenden Waisenanstalten, ferner eine solche für Schulfahrten und Ferienkolonien; end­lich Aenderung der Zufatzbestimmung zu §14 der Eisenbahnverkehrsordnung betr. die Zurück­nahme gelöster Fahrkarten ohne Abzug der Bahn­steiggebühr.

Bezüglich der Gestaltung der Tabaksteuer-Borlage ist in verschiedenen Blätlern die Rede davon gewesen, es werde in der zweiten tieiung der Kommission ein Kompromiß dahin zustande kommen, daß der T a b a k z o l l über die Sätze der ersten Lesung hinaus erhöht werde Wir lasten es NibingetteÜt sein, ob ein der­artiger Kompromißgedanke verwirklicht wird. Wir können aber auf gründ zuverlässigster Infor­mationen auf das bestimmteste versichern, daß das Zentrum für eine weitereErhöhung des Tabakzolls nicht zu haben fein wird.

* Einer Berechnung der Fahrkartensteuer nach Kilometern sollte Blättermeldungen zufolge, von der auch wir 'Jfotij genommen haben, das Reichsschatzamt zugestimmt haben. Die,Berl. Polit. Nachr.' glauben, darauf aufmerksam machen zu tollen, daß es sich hier um einen An- trag des Abg. Büsing handele. Eine „Zu­stimmung" der Reichsregierung fei bisher nicht erfolgt. Unseres Wissens war von einer „Zu­stimmung" der Reichsreaierung bisher keine Rede.

* Aus Deutsch-Südwcstafrika. (Amtliche Meldung.) Am 5. Januar 19 6 im Gefecht bei Duurdrist leicht verwundet: Sergeant Heinrich 'Spritulle, geboren am 21. 12. 69 zu Wallkawe, früher im Draaoner-Regiment 8, Sleiwplifer Gesicht, ©efre’ter Hermann Prause, geboren am 8. 1.82 zu Plomnih, früher im Husaren-Regt. 6, Fleischschuß rechten Oberschenkel. Am 19. Jan. 1906 im Gefecht bei Dochas gefallen: Reiter Friedrich Wilbelm Brunn Prophet, geboren am 19. 8 82 zu Hohenialza, früher im Infanterie- Regiment 9lr 149, Gefreiter Wilhelm Möhrle, geboren am 25. 1. 82 zu Rechtmurg, früher im königlich wurttem bergischen Infanterieregiment Nr. 119. Verwundet: Unteroifizier Joseph Pflaum, geboren am 2. 12. 79 zu Neuland, früher im Infanterie-Regiment Nr. 51, Schuß rechten Oberschenkel, Reiter Jakob Gundling, geboren am 18. 1. 81 zu Oberbalbach, früher im Jnfanlerie-Regiment Nr. 87, Knochenschuß linken Unterschenkel. Fernere Reiter Friedrich Grimmer, geboten am 10. 19. 82 zu Dresden, früher im königlich sächsischen Garbe Reiter-

er sich natürlich, gleichmütig zu scheinen, und es gelang ihm endlich, Felix Worten, die erst wie leerer Schall an sein Ohr drangen, mit Aufmerk­samkeit zu folgen. Sie traten in das Haus. Erst jetzt bemerkte Seefeld, daß Felix sich in aufgeregter Stimmung befand.

„Ach, Ton Luis, ich habe schlimme Nachrichten ans Buenos-Aires. Das Haus Wildner kämpft mit ernsten Schwierigkeiten; aus einem Briete Ton Ernestos, den ich heute erhalten habe, geht hervor, daß er die Absicht hat, unter Umständen Nueva Germania zu verkaufen."

„Das Gut verkaufen? Spricht er im Ernste davon?" rief Seefeld in höchstem Interesse.

„Ja, er sagt, wenn die Verhältnisse sich nicht bald ändern, sehe er sich dazu gezwungen."

Seefeld schritt rasch im Zimmer auf und ab, in tiefes Nachdenken versunken. Seine Miene klärte sich; endlich blieb er mit einer Bewegung, die deutlich sagte: „Jetzt bin ich mit der Sache im reinen", vor Felix stehen, erfaßte dessen Hände, drückte sie herzhaft, als wolle er sprechen; dann wandte er sich säh ab und trat ans Fenster.

Mit gänzlich veränderter Stimme sagte See­feld sodann:

„Ich bedauere Wildner aufrichtig. Kaum einer hat sich so wie er gemüht, sein Geschäft und seine Güter in die Höhe zu bringen, und nun soll er auf seine alten Tage den Ruin seines Houses er­leben und sich von diesem schönen Anwesen tren­nen. Hoffen wir, daß noch eine günstige Wen­dung eintritt." .

Diese Worte waren aufrichtig gemeint; den- noch schien es Felix, als ob der Verkauf des Gutes Seefeld fehr gelegen komme, obgleich er die Ver­anlassung hierzu bedauerte. Hatte er etwa selbst Absichten, seine eigene Besitzung zu vergrößern? — Zum erstenmal fühlte Felix, daß ihre gegen­seitigen Interessen sich kreuzten, daß ihm der über­legene Geschäftsmann statt des väterlichen Freun­des gegenüberstand. Kein Wort der Sympathie, keine Frage: Was soll aus Ihnen werden beim

Regiment, am 25. Januar 1906 im Feldlazarett Lüöeritzducht cn Typhus gestorben.

* Die Anlagen zur Denkschrift übet bie Entwickelung der deutschen Schutzgebiet» in Afrika und der ©Übfee sowie bie üblich« Denkschrift über bie Verwendung des A fri ka- Fonds sind dem Reichstage zugegangen. Si« bilden ein sehr umfangreiches Aktenstück und er­strecken sich auf das Berich.sjahr vom 1. April 1904 bi« 31. März 190...

* Darmstadt. 30. Jrn. 1906. In bet heutigen Sitzung bet Zweiten Kammer, welcher bas gesamte ©taatsminifterium beiwohnte, gab Präsident Haas dem Haufe Kenntnis von dem Ableben des Staatsministers Dr. Rothe. Er widmete dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er dessen hohe Verdienst« um bie Wohlfahrt bes Landes schilderie. Das Haus beschließt, den Hinterbliebenen seine Teil­nahme auszufprechen und vertagt sich zum Zeichen der Trauer. Die feierliche Beisetzung findet am Donnerstag Vormittag 11 Uhr statt.

* Gummertingen (Hohen rollern), 30. Jan. 1906. Bet der heute hier vorgenommenen Er- fatzwahlzumÄbgeordnetenhausefürden verstorbenen Amtsgerichtsrat Hodler und den zurückgeiretenen Dekan Bumitler wurden die Zentrums-Kandidaten Amtsgerichtsrat Dr. Bel­zer-Sigmaringen und Pfarrer Dr. Röfch- Jmnau einstimmig mit 18s Stimmen gewählt.

Parlamentarische Nachrichten.

* Im Abgeordnetenhause sollen vom 12. Februar ab, auch wenn bie Kommissionen noch nicht fertig sind, bie Plenarsitzungen nicht mehr ausfallen, fonbern es soll der Etat hinter einander beraten werden, beginnend mit dem Etat deS Handelsministeriums.

* Die Steucrkommiffion des Abgeord­netenhauses nahm am Dienstag gegen den Widerspruch der Regierung nahezu einstimmig einen Antrag der Konservativen und des Zen- trums an, wonach Ko nsumvereine mit offenen Laden, auch wenn sie Rechte juristi­scher Personen nicht haben, staatssteuer­pflichtig fein fallen. Weiterhin nahm bie Kommission mH den Stimmen des Zentrums und der Konservativen den Antrag des Abgeord­neten Klofe sZentrum) an, wonach in § 6 die Zimen des Amortisationsfonds, welche sich bei landwirtschaftlichen Kredit-Instituten bei amorti- fietbaren Schulden angesammelt haben, insoweit fituerjiei bleiben sollen, als der Fonds zur Er­hebung noch unzulässig ist.

§ In der Steuerkomm! sio t des Reichstages wurde am Dienstag bie Be a ang ber Tabak- st euer fortgesetzt. Unter Ablehnung derRegierungs- Vorlage wurde § 1 des Art. 1 in ber Fassung des Antrages des Zentrums angenommen bis auf Ziff. f. in Rr. 1. Hier wurde der ge­meinsame Antrag des Zentrums und der "National- liberalen. bie Zigarren mit einer Steuer von 300 Mark unter Zuschlag von 25 Prozent des Wertes zu belegen, mit 15 gegen 9 Stimmen abgelehnt. Zu Nr. 2 der Vorlage wurde der Antrag des Zentrums auf Herabsetzung der Steuer für Grumpen angenommen, nachdem die Regierungsvorlage einstimmig abgelehnt worden war. Zu Nr. 3 der Vorlage gelangte ein Antrag Lichtenberger (ntl.) zur A nähme, wonach bie Versteuerung von Tabak, von Rippen und anderen Tabakabfällen unterbleiben toll, soweit

Zusammenbruche des Hauses Wildner? — ans dem Munde dessen, der seit Monaten das tiefste In­teresse für ihn bekundet. Zum erstenmale sah er Seefeld unbefriedigt nach, als dieser fein Pferd bestiegen hatte.

„Sobald Gefchäftsfragen in Sicht kommen, hört die Fretindschaft auf," sagte sich Felix bitter, er ahnte nicht, wie sehr er dem andern Un­recht tat.

15. Kapitel.

Schon war der Frühling ins Land gezogen und jetzt erst stellten sich die gefürchteten Regengüsse ein. Dunkle Gewitterwolken türmten sich auf, violette Flächenblitze erhellten beit Himmel und das Land; dumpfer Donner erschütterte die Lust, und Ströme von Regen ergoffen sich. Stunde um Stunde ver­rann; unaufhörlich krachte der Donner; unauf­hörlich rauschte der Regen. Schon standen di« Wege des Gartens unter Wasser; kaffeebraun« Ströme flössen zu beiden Seiten des Fahrwegs. Felix stand am Fenster und blickte in das Un- Wetter hinaus. Die nötigen Vorsichtsmaßregeln waren getroffen, die Tiere der Weide nach den höchsten Stellen getrieben. Nun kauerten sie drau­ßen in dichten Gruppen zusammengedrängt, sich gegenseitig mit ihren Leibern deckend und schü­tzend."

Rolf, mit Gummimantel und hohen Wasser­stiefeln ausgerüstet, trat zu einer kurzen geschäft­lichen Besprechung bei Felix ein. Beim Gehen sagte er: „Der Fluß ist jetzt schon unpasnerbar, und es ist noch fein Ende abzusehen, •vsd) habe manches Jahr hier zugebracht; aber jebe§mal ist mir unheimlich zu Mute, wenn wir vom Ver- kehre abaeschnitten sind."

Das Gewitter währte noch die ganze Nacht. Dann hörte Blitz und Donner auf; auch der lie­gen ließ für kurze Zeit nach, um sich alsbald wol­kenbruchartig zu erneuern. Das war kein gewöhn­liches Regnen mehr. Das Wasser goß und schoß mft Wucht in ungeheuerer Menge nieder. ES