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Bota tt ans druck u. Verlag der.Snlbaet Ar» tienbntderei in Snlba. Ztrnfprecher Nr. 9.

Jahrgang.

Fulda, Dienstag, den 30. Januar 1906.

M 24»

ausgesprochen. Die Eingabe führt aus, daß durch diese Steuern das Handwerk in seinen Wettbewer­bungsverhältnissen gegenüber den Großbetrieben in Handel und Gewerbe einseitig ungünstig be­einflußt würde. Insonderheit würde die Ver­teuerung des Postanweisungsverkchrs den Hand­werker empfindlich treffen, da er nicht wie die großen Geschäfte in der Lage sei, sich des steuer- freien Giroverkehrs zu bedienen.

Deutscher Reich.

Berlin, den 29. Januar 1906.

• Für die Bermählungsfeier des Prinzen Eitel Friedrich, die bekanntlich am 27. Februar fcj Berlin stattfinden wird, ist vorläufig folgendes Programm festgesetzt: Samstag, 24. Februar: Einzug der Braut, Familientaiel; Sonntag, den 25. Februar: Empfang der Deputationen, Gala» laset und Galaoper; Dienstag, den 27. Febr.: Erauung in der Schloßkapelle.

.-. Der Abg. Dr. v. Jazdzewski ist be- ranntlich vom ,Dziennik Bert ins kl' scharf an­gegriffen worden, weil er ohne Mandat in der Angelegenheit der Interpellation betreffend die polnische Soldatenbeichte sich mit einem Kriegs- «inisteriumskommiffar in Verbindung gesetzt habe. Demgegenüber publiziert die polnische Reichstagsfraktion im ,Dzienmk Poz- nanskt' eine Erklärung des Inhalts, daß das Vorgehen des Abg. Dr. v. Jazdzewski m dieser Angelegenheit durchaus korrekt gewesen und daß W „unbegründete und kränkende Angriff des ^>ziennik Berlins!!' entschieden zu mißbilligen sei".

♦ Die Gestaltung der Reichseinnahmen ist «ach der neuesten im .Reichsanzeiger' veröffent­lichten Uebersicht in den letzten Monaren immer günstiger geworden. In der Zeit vom 1. April 1905 ' bis zum Schluffe des Monats Dezember 11905 sind nach dem ,Zentralblatt für das deutsche Reich' folgende Einnahmen (einschließlich der ge­stundeten Beträge) an Zöllen und gemeinichaft- lichen Verbrauchssteuern sowie andere Etnnahmen des deuischen Reiches zur Anschrelbung gelangt: Zölle 451049 575 Mark (gegen das Vorjahr -f- 57381695 Mark), Tabaksteuer 9 365128 Mark K4- 1705728 Mark), Zuckersteuer 100432224 Mark (— 620027 Mark), Salzsteuer 408421.99 Mark (-(- 1653867 Mark), Maischbottichsteuer 6110962 Mark ( +- 3234 067 Mark), Brannt- weinverbrauchsabgabe und Zuschlag 90306 328 Mark (— 5 454 015 Mark«, Brenn steuer—362 306 Mark (-4- 1016 899 Mark), Schaumwemsteuer 414.714 Mark (4- 344622 Markt, Brausteuer 23725 266 Mark (4- 801700 Mark), Ueber- gangsabgabe von Bier 2 687 653 Mark (~j-12 811 Mark., Summa 728332643 Mark( f 60077 317 Mk.). Stempels euer für:») Wertpapiere 22 676842 Mark (4- 8 O7OO75 Mark), b) Kauf-und sonstige Anschaffungsgeschäfte 15 882 484 M. (-(■ 4110287 8)!ark), c) Lose zu: Privallotterien 3750814 (4~ 9‘, Staatslotterien 18681387 Mark <— 3114998 Mark), d) Schiffsfrachturkunden 726122 Mark (4- 59 745 Markt, Spielkarten- stempel 1289019 Mark (+- 72510 Mark), Wechselstempelsteuer IO 7518O7Mk. (4-108i»739 Ä'k.), Post-u. Telegraphenverwaltung 3.>O 533 234 Mark (26870949 Mark), Reichseisenbahnver- wattung 91990000 Mk. (4- 5960000 Ma»k) Die zur Reichskaste gelangte Jsteinnabme, ab­züglich der Ausfuhrvergütungen uiw. und der Bei wallungskosten betrag! bei den nachbezeichneten Einnahmen: Zölle 388133381 Mk.( y 38124360 Mark!, Tabaksteuer 8968299 Mk. (-s- 292361 Mk.),Zuckersteuer 80976046 Äst. (—11086478 Mark), Salzsteuer 37 211256 Mk. (4- 677 694 M. ».Maischbottichsteuer 4 993 851M. (4-2 200 248 Mark», Branntweinverbrauchsabgabe und Zuschlag 74632653 Mark (—10049991 Mark), Brenn­steuer - 362306 Mark (4- 1016899 Mark), Schanmweinsteuer 3 559 724 M. (-P2269O4M.), Brausteuer-Uebergangsabgabe von Bier 22 442 510

Mark (4- 690822 Mark). Summa 620 555414 Mark (4- 22092819 Mark), Spielkartenstempel 1170080 Mark (4- 26636 Mark).

• Die Schulfrage steht zur Zeit im Vorder- gründ des Interesses. Die Einbringung des Schulunterhaltungsgesetzes in Preußen hat nicht nur die finanzielle Seite der Schulfrage zum Ge­genstand lebhafter Erörterungen gemacht, sondern den ganzen Komplex von Fragen zur Debatte ge­stellt, die mit der Schulfrage zusammenhängen. Diese Erörterungen greifen weit über die Grenzen Preußens hinaus; sie interessieren ganz Deutsch­land. In erster Linie handelt es sich dabei um die Frage, ob Konfessionsschule, ob S i m u l t a n s ch u l e. Bei der außerordentlichen Bedeutung dieser Frage nicht nur für die Zukunft unseres gesamten Schulwesens, sondern auch für die Zukunft des Staates überhaupt, wird man allseitig ein Merkchen willkommen heißen, das das vollständige Material in dieser Frage in der über­sichtlichsten Weise zusammenstellt. „Di e S tm u l- tanschule i m Lichte der Wahrheit" tst das int Verlage von I. P. Bachem in Köln er­schienene Wcrkchen betitelt . Es hat den Pfarrer W i l b. Kriege in Windheim a. d. Nahe zum Verfasser. Es bringt ein geradezu erdrückendes Beweismaterial für die Gefährlichkeit und die Un­zulänglichkeit der Simultanschule, namentlich auch von protestantischer Seite. Aus allen Ständen und Berufen führt Pfarrer Kriege Zeugen gegen die Simultanschule an, welche die prinzipiellen und die praktischen Gefahren der Simultanschulen dartun. Das Merkchen ist ein Weckruf für alle gläubigen, christlichen Elemente ohne Unterschied der Konfession. Wir empfehlen es jedem, der es ernst meint mit der Zukunft unserer Schule, un­serer Jugend.

*. Gegen die in der ,Freis. Presse' geforderte Zurückziehung des Schulunterhaltungsgesetzes macht die .Deutsche Tageszestuuq' energisch Front. Die Erledigung der ftnamieflen Frage mache zwar Schwierigkeiten, aber an dieser Klippe werde schwerlich der Entwurf scheitern. In allen übrigen Punkten sei eine Einigung nicht nur möglich, sondern höchst wahrscheinlich. Das Blatt schließt dann: „Die Zurückziehung würde in allen ernsten politischen Kreisen nur als jämmerliche Kapitulation vor dem Linksliberalis­mus und der Demokratie gewertet werden muffen und das Ansehen der gesamten Regierung er­heblich schädigen."

* Eine Millionen-Stiftung hat der Ber­liner Kommerzienrat Koppel gemacht, der am Geburtstag des Kaisers durch den „Wilhelm- Orden" besonders ausgezeichnet worden ist. Wie der ,Konfektionär' erfährt, hat Kommerzien­rat Koppel dem Kaiser die Summe von einer Million Mark zur Förderung von kulturellen Zwecken zur Verfügung gestellt. Die Stiftung ist einem Kuratorium unterstellt, welches aus höheren Staatsbeamten, aus dem Stifter und einem Vertreter der Industrie besteht.

* Eine Petition über die Herabsetzung der Zuckersteuer hat tm Anschluß an den Antrag des Grafen Bern stör ff und Genossen der Verein der deutschen Zuckerindustrie an den Reichstag gerichtet. In der Eingabe wird die Bitte ausgesprochen, noch in der gegen­wärtigen Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die Zuckersteuer von 14 Mark auf höchstens 10 Mark für den Doppelzentner herab- gesetzt wird.

* Gegen die Besteuerung der Quittungen und Frachturkunden hat sich der geschäftsführende Aus­schuß des Tetitschcn Handwerker- und Gewerbe- kammertages in einer Eingabe an den Reichstag

Parlamentarische Nachrichten.

* I« der Schulgesetzkommission des Abgeord- netenhauses wurde am Montag der Abschnitt der Vorlage betr. das Schulvermögen fortge­setzt. Dabei wurde auch die Frage der Küster- schulen erörtert. Es wurde festgestellt, daß un­gefähr bei 13 000 Stellen Schul- und Küsteramt vereinigt ist. Nach den Mitteilungen der Regie­rungsvertreter soll das Gesetz von 1864 aufrecht erhalten bleiben. Im übrigen tritt an die Stelle der Sozietät die G e m e i n d e bezüglich der Bau- lasten. Weiterhin wurden die Schulstiftun­gen erörtert. Nach der Mittagspause gelangte die Frage der zukünftigen Gestaltung der Schul- 0 z i e t ä t e n zur Erörterung. — Die Beratung wird am Dienstag fortgesetzt.

* DaS Sparkassengesetz hat in derK 0 mm 1 s- ion des Herrenhauses folgende wichtigen Zusätze erhalten: „Die öffentlichen Sparkassen können die in ihrem Besitz befindlichen Jnhaber- papiere im Falle einer besonderen Notlage soweit veräußern, als es zur Aufrechterhaltung des Ge- schäftsbetriebes unbedingt notwendig ist. Der Lberpräsident, welchem von der erfolgten Veräuße­rung alsbald Mitteilung zu machen ist, hat darü- 6er zu bestimmen, in welcher Weise der vorgeschrle- bene Besitzstand wiederherzustellen ist". Im übri­gen wurde die Vorlage, wie bereits gemeldet, un- verändert angenommen. — An Stelle des Herrn Dr. Wachler, der für die Kommtsswn Referent war und eine gegensätzliche Stellung zu dem Gesetze annahm, ist Herr v. Dziembowskt als Berichterstatter für das Plenum bestimmt wor­den. Wann der schriftliche Kommissionsbertcht er­scheint, ist noch ungewiß.

* Eine Denkschrift betr. die Wohlsahrts- einrichtungen für die Arbeiter der Berg-, Hütten- und Salinenwerke ist dem Abqe- otdneten hause zugegangen. Die Drucklegung wird wegen des umfangreichen Matertals tn etwa 14 Tagen beendet sein.

Im Abgeordnetenhause werden voraus­sichtlich tn den beiden letzten Tagen der nächsten Woche die Plenarsitzungen ausfallen, um den Kommissionen Zeit zur Beratung zu geben. Vom Etat kommen in der nächsten .Woche zur Beratung: der Etat der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung, der Etat der Zentralgenossenschaftskasse und der Etat des Ministeriums des Innern.

* Die Budgetkommission des Abaeord- netenhauses beriet am Montag den Justiz- etat. Dabei kam u. A. die Frage der Ueber- lastung der Gerichte zur Sprache. Rach einer Mitteilung des Ministers ist eine Prüfung da­rüber im Gange, wie dieser Ueberlastung wirksam abgeholfen werden tarnt.

Aus dem Reichstage.

30. Sitzung vom 29. Januar.

Eröffnung 114 Uhr:

Die zweite Beratung des U n t e r st ü tz u n g s- wohnsitz-Gesetzes wird fortgesetzt.

Abg. Herzfeld (Soz.): Das Gesetz bezweckt

nichts weiter als eine Entlastung des Grundbe­sitzes, wir haben es also nicht mit einer Novelle zur Unterstützung der Hülfsbedürftigen, sondern zur Unterstützung des Grundbesitzes zu tun. Durch den Entwurf werden die Landgemeinden und Gutsbezirke entlastet, die Städte aber schwer be­lastet. Es hätte längst ein einheitliches Armen­recht für ganz Deutschland eingeführt fein müssen. (Beifall b. Soz.)

Abg. Schickert (k.) glaubt, der Gesetzentwurf werde wenigstens eine Ausgleichung der Lasten herbeiführen. Er bat, die Vorlage in der Kom­mission schnell und wohlwollend zu fördern. (Bei­fall rechts.)

Abg. Gamp (Rp.) wünscht die staatliche Kran- kensürsorge, damit auf dem Lande die Erlangung von Aerzten und Medizin erleichtert wird.

Abg. Ablatz (fr. Vp.) erklärt, die Armenlasten auf dem Lande seien vielfach recht drückend. Hier könne nur durch die Bildung von Ortsarmenver­bänden, in die auch die Gutsbezirke mit einbezo- gen werden, Abhilfe geschaffen werden.

Staatssekretär Graf Posadowsky führt aus, er halte die Bildung größerer Armenverbände auf Grundlage der einzelstaatlichen Gesetzgebung als das Angemessenste. Den Gedanken, die ganze Armenunterstützung auf Staatskosten zu über­nehmen, werden die Verbündeten Regierungen ein­mütig abweisen. (Beifall rechts.)

Abg. Schrader (fr. Vgg.) hält eine gründliche und einheitliche Revision des Heimatswesen, in die auch Bayern einbezogen werden müßte, füt dringend notwendig.

Damit schließt die Diskussion. Die Vorlage geht an eine Kommission von 21 Mitgliedern.

Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die H i l f s k a s s e n. Unter Aufhebung des Gesetzes über die „eingeschriebenen Hilfskasten" von 1876 sollen die Hilfskassen dem Gesetz über das private Versicherungswesen unterstellt werden, also der Aussicht des Reichsamts.

Abg. Giesberts (Ztr.): Tie Vorlage richtet sich nach der Begründung gegen die sog. Schwindel­kassen und sie will die soliden Kassen auf eine gesunde finanzielle Basis stellen. Dieses Ziel der Vorlage wird allgemeine Billigung finden. Der zur Erreichung des Ziels eingeschlagene Weg er­scheint uns aber außerordentlich bedenklich. Die freien Hilfskassen emvfinden die Vorlage als ein Ausnahmegesetz, das sich als Einleitung zur fündi­gen Vernichtung der Selbstverwaltung darstelle. Ich bedauere, daß man die notwendige Reform der Hilsskassen in dieser Form versuchen will, die Mißtrauen erregen muß. Die Hilfskassen werden gern die Hand dazu bieten, Maßregeln geaen die Schwindelkasten zu beschließen. Man hätte ruhig warten müssen bis zur Reform des Krankenver­sicherungsgesetzes. Dabei ließen sich sehr gut Aus- sichtsinstanzen schaffen, die die Schwindelkassen unmöglich machen. Die Hilsskassen fürchten, daß ihnen vom Aufsichtsrat Bedingungen gestellt wer­den, die ihr Bestehen unmöglich machen.

Abg. Lesche (Soz.): Die Vorlage hat in weite­ren Kreisen Ueberrasckmng hervorgerufen, zumal es doch wahrhaftig wichtigere sozial-politische Ar­beiten gibt, als die Unterstellung der Hilfskassen unter das Privatversicherungsgesetz. Redner be­antragt Verweisung an eine Kommission von 14 Mitgliedern.

Staatssekretär Graf Posadowsky: lieber den Widerstand gegen die Vorlage bin ick sehr über­rascht. Will man den herrschenden Mißständen wirksam entgegentreten, so muß man irgend eine Instanz schaffen, die rechtzeitig die notwendigen Aenderunaen treffen kann, um eine ordnungs­mäßige Führung der Kaste zu ermöglichen. Die Hilfskasten sollen in ihrer Freiheit fortbestehen, nur sollen sie geprüft werden, ob sie auch den übernommenen Verpflichtungen Nachkommen können.

©11 jrdjattrii mifdkinWk.

Von H. Catalina.

27] (Nachdruck verboten.)

„Was liegt dort am Wege?" dachte Felix. Aus der mondbeglänzten Grasfläche erhob sich ein großer, rundlicher Körper, dessen Schatten sich deut­lich am Wege abzeichnete. War es ein Hund? — Nein, das war weder die Form noch der Umfang eines Hundes. Das Tier, das regungslos dort saß, war größer, breiter. Rotfunkelnde Augen starrten dem Reiter entgegen; ein unheimliches Knurren ließ sich hören. Felix' Pferd fing an zu zittern und wollte nicht weiter; es bäumte sich und wich zurück. Felix war mutig von Natur; aber diese Gefahr kam zu unerwartet. Jeder Jäger weiß es, wie eigentümlich ihm zu Mute wurde, als er sich zum erftenmale Auge in Auge mit einem großen Raubtiere sah. Und hier war nun Felix allein, fo gut wie unbewaffnet, dem größten Raubtiere der Steppen gegenüber. Er­griff nach dem Revolver, den er bei' seinen all­abendlichen Ritten immer bei sich trug. Wohl kannte er die Unzulänglichkeit dieser Waffe einem solchen Feinde gegenüber, aber er wollte sich nicht zerreißen lassen, ohne wenigstens einen Versuch oer Abwehr gemacht zu haben. Jetzt duckte sich der fteine, rundliche Kopf zwischen die Schultern; der Körper verflachte, verlängerte sich; das Knurren verwandelte sich in ein zischendes Fauchen. Der ®rau\2lmme^ nicht von der Stelle zu brin- 8?n- ■cefct — keine Sekunde war zu verlieren — bte Bestie war sprungbereit — kaum zehn Schritte von ihm entfernt. — In Gottes Namenl — Felix bob den Revolver und feuerte. Ob er getroffen, er wußte es nicht. Als ob bei dem Knalle sein Pferd Mut und Geschwindigkeit mied ergründen hatte, sprang es erst hoch auf, dann jagte es in fo wilden Sätzen über die Ebene, daß Felix Mühe

hatte, sich im Sattel zu hatten. Das war kein Galopp mehr, das war ein förmliches Fliegen und Vorwärtsstürzen. So nahe der Park und doch schien er unerreichbar. Die Umrisse des Wohn­hauses waren deutlich sichtbar; ein Licht schimmerte durch die Pinien. Würde es nie näher kommen? Beim Knalle des Revolvers, der in der Abendstille weithin hörbar geworden, hatten die Hunde ange­schlagen und bellten nun in wütendem Chor. End­lich verlangsamte das Pferd seinen Lauf. Felix wandte sich um. Täuschte er sich? Folgte dort nicht die Bestie in großen Sprüngen? — Nein, nur leise schatten einzelner Silberwölkchen husch­ten über den grünen Rasen. Von dem Verfolger keine Spur. —, Da war kein Busch, kein Baum, dahinter sich eine Gefahr bergen konnte, Felix war gerettet. Ihm war, er habe nur geträumt, allein sein Pferd, das sich durchaus nicht beruhigen wollte, war ihm ein Zeuge der Wahrheit. Jetzt erschienen Pancho und Jose am Eingänge; lautes Hundegebell erscholl von allen Seiten. Felix blickte sich nochmals um; hinter ihm bewegte sich fein Schatten, soweit das Auge reichte. Schweiß­triefend und zitternd hielt das Pferd unter den Pinien. Pancho, der es in Empfang nahm, be­sah es mit Staunen.

„Reibe den Schimmel sorgfältig ab", sagte Felix, „er scheute vor einem Tiere, das am Wege saß." Auch Jose war herbeigekommen und hörte mit Pancho die Beschreibung, die der Senorito von feinem Begegnisse gab.

„Es wird ein Puma gewesen sein", bemerkte Jose und als Felix seine Verwunderung darüber aussprach, daß das Raubtier ihn nicht verfolgt habe, meinte Pancho lakonisch:

„Er wird sich fein Futter für diesen Abend schon geholt haben. Morgen erfahren wir sicher das Nähere von den Hirten."

Und er hatte recht. In aller Morgenfrühe traf ein alter Hirte mit der Nachricht ein, daß in der Nacht mehrere Schafe von einem Raubtiere, vermutlich einem Puma, zerrissen worden seien.

Seit Jahren hatte sich keiner mehr blicken lassen", sagte der Alte. „Wird Ton Felix ihn jagen?"

„Ja, ich werde sofort Anstalt treffen, um seine Spur aufzusucheu." .

Ein Bote wurde an Seefeld abgesandt. Fritz Schwarz, Rolf und Jose suchten die Spur des Raubtiers und kehrten mit dem Berichte zurück, daß dieselbe nach dem Parke führe.

„Der Puma hält sich am liebsten auf Bäumen auf und schläft bei Tage. Wir haben also gute Hoffnung, ihn vor den Schutz zu bekommen", sagte Fritz freudig erregt.

Seefeld traf in unglaublich kurzer Zeit em. Pancho hatte ihn getroffen, als er eben im Be­griffe war, «ach Dolores zu reiten.

„Meine Doppelflinte halte ich immer bereit. Ich brauchte sie also nur von der Wand zu nehmen und freue mich, daß ich noch rechtzeitig eintreffe', sagte Don Luis nach kurzer Begrützung.

Felix erzählte ihm sein nächtliches Abenteuer, dem Seefeld gespannt zuhörte; seine dunkeln Augen blitzten, als Felix ihm die Führerschaft an­bot. Bald waren alle bereit. Mit Doppelflinten bewaffnet, Rolf mit einem schweren Jagdgewehre, traten sie den Weg zum Parke an.

„Vorsicht!" gebot Don Luis. „Alle Frauen und Kinder sollen in den Häusern bleiben. Don Francisco und Schwarz, sorgen Sie dafür!"

Am Eingänge des Parkes ordneten sich die Jäger. Links, etwas voran ging Seefeld, ihm zur Seite Felix, bann Rolf, Jose und Fritz Schwarz.

„Daß sich ja keiner von den andern entfernt! Unversehens kann der Puma von einem Baume herab auf einen von uns springen; das ist so seine Art, feige und hinterlistig. Es kommt uns zu statten, daß das junge Laub der Bäume die Durch­sicht gestattet und der Park nicht sehr breit ist."

Vorsichtig, das Gewehr schußbereit, schritten sie voran. Platanen und Paradiesbäume prang­ten im ersten frischen Grün, Edelweiden wiegten

leise ihre schlanken Zweige; Silberpappeln, Aka- zien, Zedern, Pinien und Maanolienbäume bil­deten hübsche Gruppen, in welche die Augen bet Jäger spähten; aber nirgends verbarg sich bet unheimliche Gast. Einzelne Bäume ftanben in größeren Zwischenräumen auf Rasenplätzen, Grup- Pen von Buschwerk schlossen ben Park. Alles würbe genau abgesucht. Auf bem braunen, wei­chen Wege zeigte sich eine Spur, bie auf dem Nasen wieder verschwand. Schon waren die Jä­ger in der Mitte des Parkes angelangt. Eine ungeheuere Araucaria erhob ihre regelmäßige, schwarzgrüne Pyramide inmitten eines runden Rasenplatzes, jenseits stand eine dichte Gruppe immergrüner amerikanischer Eichen. Hier hiel­ten die Jäger an und berieten.

„Nach rechts ben Eichen zu! Die Slraucarta im Auge behalten!"

Die bidjten breiten Aeste berfelben bedeckten den Boden und gestatteten feine Durchsicht. Seefeld näherte sich dem Baume, die andern blieben in Erwartung zurück, nur Fritz Schwarz tat einige Schritte vorwärts geaen bie Eichen in ihrem bun- Feigrünen Laube. Plötzlich — ein eigentümliches Knurren, ein Knacken der Aeste, bann schießt jäh wie ein Blitz bas greuliche Raubtier aus den Aeste« einer Eiche auf Fritz Schwarz unb schlägt ihm bie Pranke in die Schulter. Fritz taumelte zurück, ein Baumstamm hielt ihn im Falle auf. Durch ben Gegenstoß glitt bas Tier eine Sekunde aus näherte aber schon wieder das fürchterliche Gebiß dem Halse des jungen Mannes. Zwei Schüsse krachten; eine Kugel traf die Bestie hinter das linke Schulterblatt. Seefeld war ganz nahe hinzu- geeilt, mit einem Sprunge stand er dem Puma und seinem Opfer gegenüber. Dieser hob ben Kops, aus Schmerz über bie Schußwunde oder um den nahen Gegner zu betrachten. Seefeld drückte ab, bie Kugel traf aus einer Entfernung von zwei Schritten in bas weitgeöffnete Auge. Die Kralle« ließen ihr Opfer los, in ben Tobeszuckungen noch ganze Fetzen Fleisch au3 Brust unb Schulter rei-

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