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Schriftleiter: 3. Bau*;
WochenbeilogeE „Zllustr!erte§onntag;zeitung
JW 23.
Fulda, Morttag, den 29. Januar 1906.
33. Jahrgang.
□ Zur viatenftage.
Die „Köln. Zig." bat die Nachricht verbreitet, die Frage der Gewährung von Diäten an die Reichstagsmitglieder sei im Prinzip entschieden. Es handele sich bei den weiteren Verhandlungen nur noch um die Entscheidung über die Form, in welcher die Entschädigung ausgezahlt werden soll, und in dieser Beziehung habe die Form der Anwesenheitsgelder die meisten Chancen. Wir haben auf Grund guter Informationen diese Nachricht stark in Zweifel gezogen und der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die jGrtoartungen des Kölner Blattes arg enttäusch «werden. Diese Befürchtung hegen wir auch heute noch, obwohl die „Nordd. Allg. Ztg." die Meldung der „Köln. Ztg." ohne Kommentar bezw. ohne Einschränkung übernommen hat. Me Auslastung der „Allg. Ztg." trug vielmehr das Charakteristikum eines Wunsches und eines an die Adreste des Reichskanzlers gerichteten Hinweises, als die Zei- chen einer offiziösen Ankündigung. Sie knüpfte bekanntlich an die Versicherung des Reichskanzlers lin der jüngsten Herrenhaussitzung an, daß die Re- !gierung, ihrerseits alles tun werde, „um zwischen cher Regierung und den bürgerlichen Parteien Un- leinigkeit, Zwiespalt und Mißverständnisse zu ver- lhindern oder zu beseitigen", und nahm den Fürsten ,Bülow gewissermaßen beim Wort, um die Gewährung von Diäten zu verlangen.
Es wird sich ja wohl bald Herausstellen, welche Auffassung die richtige stt, ob der Optimismus, der nach der „Köln. Ztg." fast die gesamte Presse zur Schau trägt, am Platze ist, oder unser Zweifel. Bezeichnend ist ja, daß die Blätter nahezu ohne Ausnahme der Meldung der „K. Ztg." unbedingten Glauben geschenkt haben. Die Reichsregierung könnte unseres Erachtens auch daraus den Schluß -ziehen, daß die Gewährung von Diäten in den Westesten Kreisen als selbstverständlich angesehen wird. Um die taffächliche Notwendigkeit der Diätengewährung einzusehen, brauchte man in »den letzten Lagen nur einen Blick in den Sitzungssaal des Reichstages zu werfen. Es ist keineswegs «ine Uebertreibung mehr, wenn man davon spricht, baß die Sitzungen des Reichstages unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden. Klagte man ftüher darüber, daß wichtige Gesetze im Reichstage mit 40 bis 50 Abgeordneten beschlossen wurden, so ist man heute schon viel bescheidener geworden in Bezug auf die Anfprüche an die Präsenz der Volksboten. Aber dem Sinne einer Volksvertretung entspricht es jedenfalls nicht, wenn, wie es jetzt häufig genug der Fall ist, die Beschlußfassung über ein Gesetz 10 oder 15 Abgeordneten überlassen wird. Die Geschäfte des Reichstags sind schließlich doch die Geschäfte des !deutschenVolkes, :b diese Geschäfte leiden {unter dem Absentismus immer mehr. Ohne Diäten geht die Geschichte nicht mehr; das ist das Ur- iteil auch von solchen Abgeordneten, die aus poli- !tischeu Gründen der Gewährung von Diäten widerstreben.
Unter diesen Umständen ist es mehr als bedauerlich, daß sich immer und immer wieder Stimmen vorwagen, welche eine Verquickung der Diätenfrage mit anderen Fragen anstreben. Daß Man nach Einführung der Diäten bezw. Anwesen- -heitsgelder daran denken kann, durch eine Aende- rung der Geschäftsordnung die Erledigung der gesetzgeberischen Aufgaben zu erleichtern, geben wir gerne zu. Aber von dieser Anschauung sehr verschieden sind doch die Bestrebungen, welche auf leine Verquickung der Diätenfrage mit der Wahlrechtsfrage abzielen. Die „Post" glaubt sich berufen, diesen und ähnlichen Bestrebungen Vorschub $u leisten. Sie tut das in ungeniertester Weise, indem sie u. a. schreibt: „Die Reichsregierung tortb in Hinsicht auf die Bedingungen, die sie an {die Beseitigung der Diätenlosigkeit zu knüpfen
Ein Schaffell aus dem We.
Von H. Catalina.
®6] (Nachdruck verboten.)
Seit einiger Zeit las Felix in Wildners Brie- fen von Sorgen und Unannehmlichkeiten im Geschäfte. Und diese mußten dringender Natur fein, bis Wildner sich in solcher Weise äußerte. Er machte Felix gegenüber kein Hehl daraus, daß die Verkäufe stattfinden mußten, weil er Geld brauchte. Diesen Umstand verschwieg Felix seinem Nachbar, »rahm aber dessen Beistand in der wichtigsten Angelegenheit, die sofort in Angriff genommen werden sollte, freudig an.
Die nötige Reklame setzte Wildner von der Haupfftadt aus in Szene. Die dem Verkaufe aus- tzebotenen Tiere, Schafe und Pferde, wurden in Rosario ausgestellt und an bestimmten Tagen versteigert. Nach Wochen aufregender Beschäftigung konnte Felix einen glänzenden Erfolg verzeichnen. Alle Zeitungen waren voll des Lobes über die Schönheit und Vorzüge der Tiere, zahlreiche Käufer von nah und fern fanden sich ein; hohe Preise wurden erzielt. Das Resultat überstieg bei weitem Wildners Erwartungen. Vieles hatte Seefeld zum Gelingen des Geschäftes beigettagen; «r hatte Felix mit Rat und Tat beigestanden, sich wdoch immer im Hintergründe gehalten. Wildster hatte einen doppelten Zweck erreicht: eine ßruße Summe baren Geldes half ihm über eine augenbluttiche Schwierigkeit hinweg; überdies war sein Name und der seiner Besitzung mit ihren Produkten rühmlich in aller Munde, sodaß sein Kredit gefestigt erschien. *
L. Die Zeit eilte dahin. Der Frühling nahte. Dre Knospen schwellten unter dem noch nicht ab- gefallenen welken Laube des Vorjahres. Schon sprach Don Francisco von der bevorstehenden Saatzeit, schon klang aus Irmas Briefen der yubel über das baldige, frohe Wiedersehen. Ein
haben wird, nicht allzu ängstlich zu sein brauchen. Die große Mehrheit des Reichstages legi solches Gewicht auf die Beseitigung der Diätenlosigkeit, daß sie zur Zeit manches zugestehen wird, was in späterer Zeit nicht mehr zu erlangen sein würde. Greift daher die Regierung frisch und kräftig zu, so wird sie auch auf Erfolg rechnen können."
Wir haben das Vertrauen zu dem gegenwär- ttgen Reichskanzler, daß er eine solche — gelinde gesagt frivole — Aufforderung zur Schaffung eine« Konfliktes mit der Volksvertretung unbeachtet lasten wird. Die große Mehrheit des Reichstages hat niemals einen Zweifel daran gelassen, daß sie für „Kompensationen" auf politischem Gebiete in Sachen der Diäten nichtzu haben ist. Sollte die Herrenhausrede des Reichskanzlers hindeuten, die Diätenfrage jetzt endlich aus der Wett zu schaffen, so kann sie unmöglich im Sinne der Kom- pensationsforderer ausgelegt werden. Diäten bezw. Anwesenheitsgelder ohne politische Kom- pensationl Etwas anderes kann nicht in Frage kommen.
Deutsches Reich.
Berlin, den 27. Januar 1906.
Zum Kaisersgeburtstag bringt der ,Reichsanzeigeri eine lange Reihe von Ordensverleihungen und sonstigen Auszeichnungen. Ebenso veröffentlicht das Militär-Wochenblatt' zahlreiche Beförderungen auS diesem Anlaß. Der Kronprinz erhielt die Führung der Leib- schwadron des Regiments Gardes du Corps. Prinz Friedrich Wilhelm wurde zum Major befördert.
* Ein kaiserlicher Erlaß ordnet an, daß die Oberlehrer der Gymnasien, Realgymnasien, Oberrealschulen,Progymnasien,Realprogymnasien, Realschulen und Landrvirffchaftsschulen bis zur Hälfte der Gesamtzahl zu Professoren charakterisiert und nach zwölfjähriger Dienstzeit zur Verleihung des persönlichen Ranges als Räte 4. Klaffe vorgeschlagen werden können. Das Gleiche gift für die Oberlehrer der dem Minister für Handel und Gewerbe umerstellten staatlichen Bcmgewerk-, Maschinenbau- u. sonstigen Fachschulen; doch müssen diese nach Vollendung des 30. Lebensjahres eine zwölfjährige Dienstzeit hinter sich haben. Dre Verleihung des Charakters „Professor" kann an Lehrer der dem Minister für Handel und Gewerbe unterstellten staatlichen kunstgewerblichen Fachschulen auch ohne die Voraussetzung voller akademischer Bildung erfolgen.
** Ins Herrenhaus auf Lebenszeit berufen, sind aus Anlaß des Kaisersgebuttstags der Regierungspräsident z. D. v. Colmar-Meyenburg, der Botschafter a. D. Dr. v. Holleben, Professor Dr. v. Bergmann un-Kommerzien- zat H. Lu eg in Düsseldorf.
* Oberst von Deimling wird nicht, wie kürzlich gemeldet wurde, nach Südwestafrika zurückkehren.
** Den Angestellten und Arbeitern der Herrschaft Cadinen, die bekanntlich dem Kaiser gehört, hat der Kaiser anläßlich seines Geburtstags in einem Erlasse eine Reihe von Vergünstigungen zugesichert.
* Die Budgetkommission des Reichstages beschäftigte sich am Donnerstag und Freitag, wie schon kurz erwähnt, mit der Kamerunbahnvörlage und brachte dabei u. a. die bekannten Streitigkeiten zwischen der Kolonialverwaltung und Herrn milder Abend lockte Felix ins Freie. Leise Düste schwebten in der Luft, die Pinien rauschten wie saust doküngleitende Wellen; die von den rauhen Winterstürmen ausgefransten Blätter der Baua- nen säuselten und knisterten geheimnisvoll; durch die ganze Natur ging das zauberhafte Weben und Werden neuen, knospenden Lebens. In Gedanken versunken schritt Felix durch den Garten dem Parke zu. Auf den weichen Pfaden waren seine Schritte kaum hörbar. Plötzlich blieb er stehen, wo sich zwischen Myrten- und Lorbeergebüsch tiefes Dunkel lagerte. Er hörte Stimmen.
„Ich muß gehen, Fritz. Ich bin nur einen Augenblick herausgekommen, weil Du so dringend batest, und weil auch mir das Herz schwer ist," flüsterte eine Frauenstimme.
„Wenn Du mir treu bleibst, wird Dein Vater endlich nachgeben."
„Ach, Fritz, Du kennst ihn nicht. Aber ich lasse nicht von Dir; die Mutter hält zu uns, sonst wäre es unerträglich."
„Gestern stolzierte der pockennarbige Garcia wieder hier umher; das hat mir das Blut ins Kochen gebracht. Wird er Dir aufdringlich?"
»D nein, er behandelt mich sehr gemessen und rrtternch. Aber denke nur, Vater war gestern nicht ehr freundlich gegen ihn."
„Er sieht es also ein, daß Du zu gut bist für )en Halbindianer, wenn derselbe auch eine Qua- 'ratmeile Land und ein paar Tausend Stück Vieh bat?"
„O Fritz, Vater ist so sonderbar; er ist oft so aufgeregt und spricht ganz tolles Zeug: Er wolle den schönsten, besten, reichsten Schwiegersohn der Provinz haben; ich solle nur zuwarten. Garcia ist ihm nicht mehr gut genug. Als Mutter ihm neulich bei solchen Reden sagte, er habe wohl ein Gläschen über den Durst getrunken, wurde er böse und behauptete: Wenn ich nur will, bekommt 5 Ines den schönsten, den besten und reichsten Mann."
„Und Du, was sagst Du dazu?" 1
. Abg. Erzberger zum Austrage. Das Ergebnis » war, daß die Kommission einstimmig dieZahlung v von 360000 Mark Provision oder Abfindung * an das frühere Syndikat mißbilligte und ~ diese Ansicht dadurch prakttsch betätigte, daß sie ' daS Grundkapital der Bahn von Dualla nach den Manengubabergen auf Antrag des Abg.
’ Erzberger um den Betrag von 360000 Mark, , also von 60001*00 Mark auf 5 640000 Mark t herabsetzte. Nachdem Geh. Rat Helffrich diese z Abfindung nochmals als vom kaufmännischen e Standpunkte ans korrekt bezeichnet hatte, nahm i Abg. Müller (Fulda) Veranlassung, auf die e Rede des Abg. Semler im Plenum des Reichs- ' tageS zurückzukommen und dessen Behauptungen \ scharf entgegenzutreten. Namens der derZentrums- ' Partei angehörigen Kaufleute habe bereits Adg. . Nacken gegen diese Unterstellung Einspruch er- e hoben und darauf hingewieien, daß seine Kollegen in der Beurteilung dieser Frage vollkommen einig » seien, sie müßten die Annahme solcher Provisionen
(von anderer Seite seien sie Trinkgelder genannt worden) als nicht zulässig bezeichnen. Abg. Müller-Fulda bemerkte hierbei, daß gerade die Zentrumspartei Anlaß habe, hier ein Urteil abzugeben, c was als kaufmännische Gepflogenheit anzusehen, - weil diese Partei von allen die ir.elften . Kaufleute im Reichstage unter ihren Mit- • gliedern zähle und deshalb nicht dulden könne, , daß solche Provisionen als etwas in kausmän- - Nischen Kreisen Uebliches hingestellt werden.
llebrigens müsse er fein Erstaunen darüber aus- c sprechen, daß man den Kaufmannsstand überhaupt in diese Affäre hineinziehen wolle; die t Beteiligten seien mit einer einzigen Aus- , nähme doch gar keine Kaufleute,sondern Rittergutsbesitzer, Edelleute und Offiziere, Rechts- : anroälte usw. Bon anderer Seite wurde gerügt, t daß Me Empfänger solcher Konzessionen solche t schließlich trotz ihrer Mißerfolge dazu benutzen ; wollten,um ein Geschäft damit zu machen, dessen , Kosten am Schluffe direkt oder indirett daS , Reich zu tragen habe. Den Abschluß der Be- ! ratung bildete die einstimmige Annahme : des Antrages Erzberger. Bei dieser Berarnng , wies Abg. Müller-Fulda auch darauf hin, daß ■ die Schnäpselns uhr in Kamerun immer mehr ; zunehme, er wies auf die entsetzlichen Folgen ■ der Schnapspest in diesen tropischen Ländern hin und verlangte scharfes Einschreiten gegen ; den Schnapshandel. Die Kolonialverwaltung gab die bestimmte Zusage, daß das Mögliche geschehen solle, um diesen Mißständen abzuhelfen, y voraussichtlich werde die Beförderung von Schnaps auf der neu zu bauenden Eisenbahn ganz verboten werden.
.. Die Fahrkartensteuer wollen die Ver- bünbeten Regierungen, wie verlautet, in der von ihnen vorgeschlaqenen Form fallen lassen und dafür den Vorschlag des Abg. Büsing betr. d e Erhebung von Krlom eterzus chlägen in modifizierter Form aufnehmen. Sie sollen beab- sichttgen, unter Freilassung des Vorortsverkehrs und der ersten 10 Kilometer für die erste, 20 Kilometer für die zweite und 40 Kilometer für die dritte Klasse, die Erhebung eines Zuschlages von 1 Pfennig pro Kilometer vorzuschlagen. Die 4. Klaffe soll steuerfrei bleiben. Man hofft auf diese Weise statt 12 Millionen etwa 35 Mil- lionen zu erzielen. Daß ein solcher Vorschlag der Regierung nicht unwillkommen ist, verstehen wir schon, wir halten aber eine sehr ernste
„Ich weiß einen, der mir der schönste und beste ist; der reichste braucht er nicht zu sein."
„Meine goldene Ines!" Eine Pause entstand, bann leises Geflüster.
„Fritz, laß mich gehen, ehe Vater es merkt, daß ich nicht im Hause bin."
„Gute Nacht, Ines!"
„Gute Nacht, Fritzi"
Ein Helles Gewand tauchte aus dem Schatten der Bäume auf und verschwand in Rolfs Gärtchen; dann entfernte sich ein schwerer Schritt nach der entgegengesetzten Richtung. Felix stand noch immer unbeweglich. Wider seinen Willen war er zum Horcher geworden. Er hatte gefürchtet, sich durch eine Bewegung bemerklich zu machen und das Zwiegespräch zu stören.
„Das alte und ewig neue Lied", lächelte er vor sich hin, als er den Rückweg einschlug. Rolfs Reden hielt er für leere Prahlereien. Immerhin mochte es den Liebenden schwer werden, den Widerstand des starrköpfigen Mannes zu überwinden.
14. Kapitel.
So oft e8 seine Zeit erlaubte, ritt Felix nach Esperanza hinüber! Manch schönen, fühlen Morgen brachte er mit Seefeld auf der Jagd zu, stets mit reicher Beute beladen heimkehrend. Manche Stunde auch verplauderte er mit ihm an den langen, einsamen Abenden. Es war ihm ein Bedürfnis geworden, alle Vorkommnisse mit dem älterer Manne zu besprechen, zu dem er sich hingezogen fühlte wie zu einem längst vertrauten Freunde. Mit schwärmerischer Bewunderung sah er zu ihm auf; jedes seiner Worte sentte sich tief in das junge Herz. Der einsame, stille Maim übte auf Felix einen Einfluß, wie ihn selbst Pater Lichtenberg nie besessen, und Felix gab sich den neuen Eindrücken hin, ohne seine Gefühle zu analysieren. Er erzählte Seefeld von seiner Jugend, die er in Flores verlebt, sprach von Irma, von seinen Pflege- elteru, seinen Reisen; nur von seinem Vater sprach et nie; eine geheime Scheu hielt ihn zurück. Einem aufmerksamen Beobachter hätte es nach seinen Re-
Prüfung des Vorschlages für unbedingt notwendig, da derselbe bei weiten Strecken eine schwere Belastung bedeutet.
** In Ausdehnung der kontredikto« rischen Verhandlungen der Kartellenquöte auf die Zentrale für Spiritusverwertung hat der Staatssekretär Graf Posadowsky auf den 8. Februar Vertreter der Spiritusindustrie htieref« fierten Kreise, sowie sonstige Sachverständige eingeladen.
** Die Nachweisung der Geschäfts- und Rechnungsergebniffe der zur Durchführung der Invalidenversicherung errichteten Bersicherungs- anfialten und der vom Bundesrat zugelaffenen Kasseneinrichtunaen für das Jahr 1904 ist dem Reichstag zugegangen.
.. Die Reichstagskommission zur Vorberatung des Entwurfes einer Maß- und Gewichtsordnung hat sich konstituiert. Den Vorsitz führt der Abg. Bärwinkel (ntL); Stellvertreter ist der Abg. Engelen (Zentrum). — Die Reichstagskommission zur Vorberatung des Entwurfrs betr. das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie hat sich ebenfalls gebildet. Vorsitzender ist der Abg. Dietz (Sozd.), Stellvertreter der Abg. Henning (kons).
* Um eine Neuregelung der Landgemeindeordnung für die Rheinprovinz in einer den Grundsätzen der Selbstverwattung mehr entsprechenden Form ersucht ein Antrag des Zentrums, der im Abgeordnetenhause eingebracht ist.
Ausland.
Dr. M. Bon unserem römischen Mitarbeiter wird uns folgendes geschrieben: Der italienische Antisklavereiverein wird in diesem Herbst seinen zweiten Kongreß in Rom abhalten. Aus diesem Anlaß hat der Papst durch den Kardinal-Staatssekretär an die Direktion einen Brief richten lassen, in dem er das Werk feines besonderen Jnlereffes versichert und von den Arbeitern des Kongresses ganz besondere Früchte und Vorteile erhofft. Der Jesuitenpater Luigi dei Conti Caterini, General- oberer der römischen Provinz, ist schwer an Lungenentzündung erkrankt. Der hl. Vater hat sich anteilnehmend erkundigt und wünscht regelmäßig Bericht über den Verlauf der Krankheit. In der Kirche bei Geist und im Collegio Massimo, wo P. Caterini Rektor war, werden Gebete für den Kranken verrichtet.
* Der Papst und die Polen. Nach einer Meldung des ,Giornale d'Jtatta' hat der Papst einen zweiten Brief an die Polen gerichtet, in welchem er einige Punkte des ersten Briefe- vom 12. Dezember 1905 erklärt, welche Unzufriedenheit in Polen hervorgerufen haben und versichert, er denke nicht daran, das National- leden in Polen beschränken zu wollen, er wolle im Gegenteil die Polen ermutigen, es noch intensiver zu gestalten.
* Frankreich und Venezuela. Zur Züchti- gung des Präsidenten Castro will Frankreich nicht weniger als acht Kriegsschiffe nach Venezuela fenben. Das Pariser ,Petit Journatt meldet, daß nach dem Kriegshafen Lorient Austrag ergangen sei, in raschester Zeit der atlantischen Kreuzerdivision einen großen Vorrat von Artilleriemu nition zu liefern. Man glaubt, daß diese Maßnahme mit dem französisch-venezolanischen Konflikt zusammenhängt.
den scheinen können, Felix' Leben habe erst mit seinem Eintritte in das Haus Wildners begonnen. Was darüber hinaus lag, erwähnte er nie, als sei es feinem Gedächtnisse entschwunden.
Seefeld war offenbar ein Mann von Bildung; Ausdrucksweise und Benehmen verrieten dies deutlich. Er hatte viele Länder gesehen und das Leben in seinen Höhen und Tiefen kennen gelernt. Er besaß eine eigentümliche Macht über die Gemüter der Menschen; alle seine Arbeiter, seine Kolonisten blickten zu ihm auf wie zu einem Vater, einem sicheren Führer; besonders die SBenrrten, die er auf den rechten Weg geführt, hingen mit inniger Dankbarkeit an ihm. Ruhig und gemessen ging er seiner Wege, seine Worte waren gezählt. Nur in Felix' Nähe hellte sich das sonst so ernste Angesicht auf. Mit dem Zauber seiner Persönlichkert verband sich dann Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit. Er wollte den jungen Mann gewinnen; der so weit Ueberlegene warb förmlich um dessen Vertrauen und Zuneigung. War es ein Wunder, daß ihm seine Bemühungen gelangen?
„Haben Sie gute Nachrichten aus Buenos- Aires?" lautete eines Tages die herkömmliche Frage aus Seefelds Munde.
„Gesundheitlich, ja; allein die geschäftlichen lassen zu wünschen übrig. Die Zeiten find sehr schwierig."
„Sorgen Sie nicht! Das Haus Wildner steht fest und Don Ernesto ist ein tüdjtiger Geschäftsmann, daß ihm die Krisis nicht- anhaben kann. — Was macht unser Freund Haller?"
„Er scheint sich gut zu erholen und spricht schon von der Rückreise. In vier bis sechs Wochen toiö er wieder hier sein; bann ist meine Regierung in Nueva Germania zu Ende. Ungern kehre ich wieder in die Stadt zurück. Ich habe es in dies« Wochen immer deutlicher gefühlt, daß mir die Verwaltung einer Estancia mehr zusagen würde, als das Handelsgeschäft."
Rasch wandte sich Seefeld, der ruhig am Fenster gestanden hatte, und schritt auf Felix zu:
„Ist das Ihr Ernst. Don Felix? Aber täusche«