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MdaerW Zeitung
Vochenbellage:„Ivustrrette5onntag5zeitung" Monairbeilage: „Fuldaer Geschichtsblätter".
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Kobalt gewährt.
«otatioarbru« u. Verlag »er«uldaer Ar- tiendruuerti te «inlda. .«itrnspre der Nr. 9.
33. Jahrgang.
Fulda, Freitag, den 26. Januar 1906.
Krstes Wlatt.
♦. Scharstuacherrl.
Die Herrenhaussitzung vom Donnerstag ging unter den äußeren Anzeichen eines „großen irages" in Szene. Die Tribüiren des Hauses wiesen eine ungewohnte Besetzung auf, und am Regierungstische hatte sich gleich zu Beginn der Sitzung der Reichskanzler und Ministerpräsident mit mehreren Ministern eingefunden. Auf der Tagesordnung stand die von ausgesprochen konservativen Mitgliedern des Herrenhauses eingebrachte Interpellation betreffend die Be- rämpfung der Sozialdemokratie.
Die Interpellation hatte eine so eigenartige Fassung, daß man sich ihren Wortlaut vergegenwärtigen mutz, um ihren Sinn und Zweck zu erraffen. Sie lautete:
„Erscheint es der Königs. Staatsregterung möglich, die vaterlandsfeindlichen Unterneh- murigen der Sozialdemokratie mit den Mitteln der bestehenden Gesetzgebung erfolgreich zu bekämpfen?"
Der Zweck der Interpellation war demnach, ,die Negierung gewissermatzen vor die Entscheidung zu stellen, ob sie von einem Angebot weiterer Machtmittel Gebrauch machen wolle oder nicht, und ihr verneinenden Falles die ganze Verantwortung für die Zukunft aufzubürden.
Die Begründung, welche Graf zu Eu- lenburg-Prassen der Interpellation angedeihen ließ, war nichts mehr und nichts weniger als ein erneuter Versuch zur Scharfmachung der Regierung im Sinne einer Ausnahmegesetzaebung gegen die Sozialdemokratie. Sie war vollständig im Stile der Auslastungen gehalten, mit welchen man schon früher aus konservativer Seite auf eine solche Ausnahmegesebgebnng hingearbeitet hat. Die Ausführungen des Grafen Eulenburg mußten nach dem 21. Januar, also nach dem abfolut ruhigen Verlaufe des „roten Sonntags" etwas eigentümlich berühren. Ihre Spitze brach aber ab, als der Interpellant die Gewährung des allgemeinen Wahlrechts in Preußen als gleichbedeutend mit dem Zerfall deS Reiches hinstellte.
Der Reichskanzler und Ministerpräsident Fürst Bülow hat auf die Interpellation die Antivort erteilt, die man von ihm als einem besonnenen Staatsmann« erwarten mußte, und sie stand im Einklang mit den früheren Erklärungen des Reichskanzler in dieser Angelegenheit, namentlich mit den Erklärungen, die er im Dezember v. I. tm Reichstage abgegedn hat. Fürst Bülow erkennt btc Gefahr, die von der Sozialdemokratie der bestehen' den staatlichen u. gefellschastlichen Ordnung droht, durchaus an, aber er sucht die Mittel für ihre Bekärnpsung nicht in der rohen Gewalt. Er lehnt es ab, der „starke Mann" im Sinne einiger konservativer Heißsporne zu fein. Klipp und klar hat er die Interpellation dahin beantwortet, daß die Negierung eine Vermehrung ihrer Befugnisse im Kampfe gegen die Sozialdemokratie bis setzt nicht für nötig erachtet, und er hat die Entscheidung darüber, wann der Zeitpunkt gekomnlen erscheint, an die gesetzgebenden Körperschaften wegen Verstärkung dieser Befugnisse zu appellieren, ausschließlich für die Regierung reklamiert. Mit dieser letzten Wendung ging Fürst Bülow über den eigentlichen Rahmen der Interpellation hinaus, und wir gehen kaum fehl, wenn wir darin eine Zurückweisung der Tendenz der Interpellation, eine Verurteilung der Scharfmacherei-Versuche erblicken.
Der Umstand, daß die Urheber der Interpellation nach dieser Erklärung auf eine Besprechung der Interpellation verzichteten, beweist, daß sie ihrer Sache nicht nur sicher waren, sondern auch auf die empfangene Zurechtweisung nichts Rechtes zu erwidern toufeten.
Mit Recht hat Fürst Bülow an feine Erklärung eine Warnung und eine Mahnung geknüpft. Eine Warnung an die Sozialdemokratie, die sich daraus gefaßt machen darf, daß mit der Anwendung der bestehenden Gesetzgebung gegen sie schärfer als bisher vorgegangen werden wird, eine Mahnung an die bürgerlichen Parteien, den inneren Hader ruhen zu lasten und dem gemeinsamen Feinde gegenüber die kommenden Momente zurückzustellen. Wir sehen voraus, daß diese Mahnung auch gegen das Zentrum aus- gebeutet werden wird wegen der vorjährigen Wahlvorgänge in Bayern. Wir verzichten ober darauf, diese Angelegenheit nochmals klar zu stellen. Sie werden durch die Vorgänge im Wahl- kreise Essen und in Baden so völlig in den Schatten gestellt, daß es sich nicht verlohnt, noch einmal daraus zurück zu kommen.
Hoffen wir, daß nach der Zurückweisung, welche sie jetzt im preußischen Herrenhause erfahren haben, die Scharfmacher wenigstens für einige Zeit Ruhe geben. ___
Deutsches Reich.
Berlin, den 25. Januar 1906.
* In der vom Kultusministerium einberufenen Konferenz für das höhere Mädchen-Bildungs- wesen entschied man sich am Mittwoch bei dem geplanten Ober - Lyzeum für einen vierjährigen Lehrgang. Das Ober-Lyzeum wird einen dreifach n Weg als Vorbereitung für das Unioerfi« Ms - Studium bieten, e'nen lateinischen (Oder- Realschule), einen lateinischen (Real-Gymnasium) und einen latei nsch - griechischen (humanistisches Gymnasium). Die beiden letzteren setzen einen zweijährigen Vorunteriicht in den beiden letzten Jahren des Lyzeums voraus. Das am Schluffe des vierjährigen Kursus durch eine Prüfung erworbene Reifezeugnis des Ober«Lyzeums verleiht dieselben Berechtigungen, welche den Abiturienten der höheren Bollanstalten für die männliche Jugend zufallen. Als das Ergebnis biefer zweitägigen Verhandlungen, die am Mittwoch abend ihren Abschluß fanden, ist nach der ,Täal. Rundschau' anzusehen die Normierung der heutigen höheren Mädchenschule als zehnjähriges Lyzeum und die Anschließung eines vierjährigen Ober - LyzeumS als Weg zum Eintritt in ein normales Universitäts-Studium und zugleich als Veranstaltung für Erweiterung und Vertiefung der Lyzealbildunq.
§ Die Auslassungen deS Abg. Müller- Meiningen von der freif. Volksvarlei zum Tolcranzantrag deS Zentrums waren derart, daß oieliach in der Presse ein Erstaunen darüber Ausdruck gegeben wurde, daß die freif. Volkspartei diesen Redner vorausgeschickt hatte. Nunmehr erklärt die »Freie Deutsche Presse', das Padeiorgan der freif. Volkspartei, daß der Abg. Müller-Meiningen feine Polemik „nicht im Auf- traae der Partei, sondern nur persönlich" geführt habe. — Das Organ der freif. Volkspartei desavouiert damit Herrn Dr. Müller-Meiningen in optima forma, und die kulturkämpserischen Auslastungen dieses Abgeordneten werden dadurch politisch und parteipolitisch völlig belanglos; sie dienen nur noch zur Kennzeichnung der kultur- kämpferischen Neiaungen dieses Herrn.
GllSWkillillfiimWk.
Don H. Catalina.
84] (Nachdruck verboten.)
Es sollte jedoch nicht dazu kommen. Am fol- oenden Loge, als die Herren von der Besichtigung der Arbeiten zurückkehrten, wartete in der Pi- nieuallee ihrer ein Besucher, dessen Pferd der Küche gegenüber an einem Pfosten angebunden war.
„Don Luis! Welche Freude! War mir doch, ich kenne das Pferd da drüben, traute aber den alten Augen nicht", rief Haller, als er mühsam dem Wagen entstieg. Die letzten Tage waren für ihn sehr anstrengend gewesen; der Rheumatismus machte sich bedenklich fühlbar; dennoch wollte er sich keine Ruhe gönnen, dis er Felix einen vollen Ueberblick geschaffen hatte.
„Wie schön von Ihnen, daß Sie kommen. Morgen wollten wir zu Ihnen hinüberfahren. Richt wahr, Don Felix, wir hatten es schon besprochen. Nun bleiben Sie aber zum Abendessen hier, Don Luis. Wir haben Vollmond, der Ihnen auch noch spät heimleuchtet."
Ton Luis nahm die Einladung an. Sie traten ins Haus.
„Wie gefällt es Ihnen hier draußen, Ton Felix? Glauben Sie, daß Ihnen der Winter nicht zu lange werden wird?"
--D nein, ich sehe schon, daß Arbeit in Fülle vorhanden ist. Ueberdies liebe ich das Leben auf dem Lande."
Nun erst konnte Felix den Gast näher betrach- ten. Haar und Bart, ganz weiß, ließen ihn um vieles alter erscheinen; ober die elastischen Bewegungen und das kraftvolle Auftreten des Mannes hatten durchaus nichts Greisenhaftes. TaS felligefchmttene Gesicht, namentlich die schöne, hohe Stirn, von vielen feinen Linien durchzogen, -er tiefe Blick der dunklen Augen wirkten fym-
pathisch aus Felix. Er konnte nicht lesen, was so deutlich auf diesem Gefickt stand, von großem, schwerem Leid, von Leidenschaften und Niederlagen, von mühsam erkämpftem Sieg und errungenem Seelenfrieden. Noch war Felix zu jung, um solche Schrift lesen zu können. Nur wenige Menschen gibt es, die Gesichter lesen können, und diesen wenigen wird diese kostbare Gabe auch erst zuteil nach erkämpftem Siege über das eigene Ich. Der junge Mann fühlte sich eigentümlich angezogen; noch nie hatte ein Fremder einen solchen Eindruck auf ihn gemacht.
Beim Abendesten stockte die Unterhaltung nicht. Ton Luis zeigte sich als Mann von gewandtem, feinem Benehmen, während Haller sick, durch die lange Einsamkeit der Formen entwöhnt, gemütlich gehen ließ. Aber er verstand es, den liebenswürdigen Wirt zu machen und behagliche Stimmung zu verbreiten. Zu wiederholten Malen bat er Seefeld, Felix mit Rat und Tat beizustehen, was dieser bereitwillig versprach.
„Senden Sie nach mir, wenn Sie mich brauchen, oder kommen Sie zu mir hinüber. Was ich irgend für Sie tun kann, soll geschehen. Ueb- rigens hoffe ich auch, daß Sie mich bisweilen auf die Jagd begleiten. Was haben wir für schöne Bente gemacht, Don Federico!"
„Ja, bis der verwünschte Rheumatismus kam und mir die Beine steif machte. Don Felix behauptet indessen, fein Jäger zu fein:"
„O, da muffen Sie es werden. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Von Rebhühnern, Schnepfen, Wildenten, Rehen wimmelt es förmlich; auch Hafen haben wir feit einigen Jahren. Ein deutscher Herr in Rosario hat sie in der Provinz ein- geführt; ich hab« mir einige Paare für meine Estancia erbeten, und sie haben sich schon unglaublich vermehrt. Kommen Sie zu mir hinüber; ich führe Sie iu's edle Weidwerk ein."
„Schade, daß wir Frau Wildner von hier aus kein Wild in die Küche liefern können . Wenn einmal kühle Witterung eintritt, dann hält sie nicht an, und EiS haben wir hier draußen nicht."
* Wege» anonymer Briefschreiberei im Hofhalt des Kaisers schwebt beim Land- gericht in Potsdam eine umfangreiche Untersuchung. Beim Hof marschallamt gingen fest Jahren anonyme Briese ein, die sich mit Personen des kaiserlichen Hofhalts beschäftigten. Jetzt glaubt man den Urheber in der Person eines Schloß- beamten ermittelt zu haben, gegen welchen das Strafverfahren wegen Beleidigung eingeleitet ist. Der Angeschuldigte bestreitet entschieden seine Schuld.
* lieber den Wechsel in der Negierung Elsatz-Lothringrns, der durch den Tod des Unterstaatssekretärs v. Sch raut notwendig ge- worden ist, wird dem .Berliner Tageblatt' gemeldet: Staatssekretär v. Köller übernimmt für den verstorbenen v. Schraut das Portefeuille der Finanzen, Ministerialrat Mandel wird Unter- staatssekretär des Innern anstelle v. KöllerS. Zum Ministerialdirektor wird der bisherige Ministerialrat Keetmann ernannt.
—* Vorbereitung und Anstellung im Forst- dienste. Die bisherigen ..Bestimmungen über Ausbildung, Prüfung und Anstellung ffir die unteren Stellen des Forstdienstes in Verbindung mit dem Militärdienst im Jägerkorps" vom 1. Oktober 1897 sind einer Neubearbeitung unterzogen worden, die unter dem Titel „Bestimmungen über Vorbereitung und An- stellungimKöniglichen Forstschutzdienst" vor kurzem erschienen ist. Die Bestimmungen haben bei der '.Neubearbeitung wesentliche Aende- rungen durch die '-Neuregelung der Ausbildung der Forstlehrlinge erfahren, die jetzt während ihre« zweiten Lehrjahres eine der schon am 1. Oktober 1905 eröffneten Forstlehrlingsschulen besuchen müssen, auf denen künftig auch die Jäger- Prüfungen abgehalten werden sollen. Neu geregelt 'worden ist ferner das Verfahren bei der Anmeldung und Notierung der im Besitz des Forstversorgungsscheins befindlichen Anwärter, deren Verteilung auf die einzelnen Regierungsbezirke fortan direkt durch das Ministeiiurn für Landwirtschaft Domänen und Forsten bewirkt werden wird. Den Bestimmungen sind als Anlagen die „Satzungen für die forstliche Fortbildung der JL er während des aktiven Militärdienstes" und die „Vorschriften für die Försterprüfung" beigefügt worden. Die Materialien zmd im Buchhandel zu haben.
)( Tarifverträge, lieber die Bedeutung der Tarif Vereinbarungen zwilchen Arbeitgebern und Arbeitnehn em sowie die sich hinsichtlich derselben eraebenben Schwierigkeiten fällt die Beiliner Handelskammer in ihrem neuesten Jahresbericht u. a. fügende Urteile:
Tie tiefgehenden Schädigungen, welche die Arbeitseinstellungen beiden Parteien in jedem Falle verursachen, den Gewerben zu ersparen, ist ein Ziel, dessen Erreichung große Opfer lohnt. Zu den Mitteln, ihm nahe zu kommen, wird der Abschluß von Tarifverträgen gezählt... Die Erfahrungen des Berichtsjahres auf diesem Gebiete dürften dahin zusammenznfaffen lein, daß sich zwar im Einzel- falle der Tarifvertrag als ein wichtiges Mittel zur Herbeiführung einer Verständigung zwischen Unternehmern und Arbeitern darstelli, daß aber der generellen Anwendung dieses Mittels praktische Hindernisse entgegen stehen, über die auch das Entgegenkommen der Arbeitgeber nicht hinwegzu- helsen vermag. Nicht auf das Mittel der Verständigung selber kommt es an. Wäre diese Erkenntnis im Berichtsjahre Gemeingut gewesen, so
hätte die scharfe und gefährliche Waffe der Arbeitseinstellung weniger Verwendung gefunden. Die umfaffenden Arbeitseinstellungen endeten im Große« und Ganzen fast immer damit, daß die Arbeiter auf Grundlage der Zugeständniffe, die ihnen die Arbeitgeber schon vor Beginn des Streiks gemacht halten, mit den letzteren Frieden schlossen. Die Kriegskofte« hätten somit gespart werden können.
Bei der bedeutenden wirtschaftlichen Machtstellung der in der Berliner Handelskammer zu- sammengeschloffenen Unternehmer tft diese Kundgebung recht beachtenswert. Jedoch möchten wir mit der .Sozialen Praxis' ('Jlr. 15) zu den Schlußsätzen bemerken, daß gerade der Widerstand der Arbeiigeber gegen daS bloße Prinzip des korporativen Arbeitsvertrages z. B. in der Metallindustrie die beklagenswerten Dauerkämpse und Störunaen mitverschuldet hat. Die betonten praktischen Hindernisse sind überdies, wie uns englische Verhältnisse beweisen, keineswegs so unüberwindlich, wie der Handels kammerdericht meint Für den ersten Anfang freilich, und in den meisten deutschen Industrien, bedeuten sie ein großes Hemmnis. Viel kommt aber unseres Erachtens auch auf den guten Willen an.
* Dem Reichstage sind feit Beginn der Tagung bis zum 23. Januar nicht weniger als 60 Vorlagen zugegangen.
*♦ Berlin, 25. Januar 1906. Das Ka iscr- paar hielt gestern abend tm Schlosse Defiliercour für alle Herren vorn Militär ab. Zunächst defilierten die Generale und Admirale, auch dir inaktiven hier anwefenden Generale und Stabsoffiziere, dann die Offizierskorps des Kriegslist- nisterinms, des Reichsmarineamts, des General- stabs und des Admiralstabs, des Oberkommandos der Schutztruppen, des Neichsmilitärgerichis und anderer hoher Militärbehörden, und dann der Reihe nach alle andern. — Der Ka i s e r wird am 30. Januar einem Vortragsabende beim Staatsminister von Budde im Ministerium der öffentlichen Arbeiten beiwohnen. Der Geh. Oberbaurat Müller, vortragender Rat in der Maschinen- bautechnischen Abteilung des Ministeriums, wird einen durch Licktbilder und Modelle erläuterten Vortrag über „die Entwickelung der Eisenbahnbetriebsmittel in den letzten 25 Jahren" halten. — Der Kaiser besichtigte heute vormittag um 10 Uhr in Potsdam die Leibkompagnie und die 5. Kompagnie des 1. Garde-Regiments zu Fuß. In der ersteren ist Prinz August Wilhelm Leutnant, Prinz Eitel-Friedrich ist Hauptmann der letzteren. Dann fand ein Parademarsch des ganzen Regiments statt. Nachher nahm der Kaiser an dem Frühstück des Offizierkorps im Regi- rnentshause des 1. Garderegiments zu Fuß teil. — Aus Anlaß der filbernen Hochzeit des Kaiferpaares follen Geldstücke zu 5 und 2«m geprägt werden. Diese Geldstücke solle» daS Doppelbild des Kaiserpaares mit der Jahres- zahl 1881—1906 tragen. Heber den sonstigen Schmuck hat sich der Kaiser die Entscheidung noch Vorbehalten.
Parlamentarische Nachrichte«.
* Nach dem gestern abgechloffenen Mit« gliederverzeichnis haben die Parteien des Abgeordnetenhauses folgende Stärke: Centrum 94, Konservauve 142. Freikonservative 64, Ra- tionaüibetale 76, Freisinnige Volkspartei 21, Freisinnlge Vereinigung 5, Polen 13, Fraktionslose 8. Doppelmandate sind 104, erledigt sind 4 Mandate 4. Arnsberg (bisher Richters, Hohen« zollern (Hodler, Bumrller), 7. Lüneburg (Schmecken« dieck).
„Haben Sie kein Raubzetig hier zu fürchten?" fragte Felix. „Ton Ernesto erzählte mir . . . ."
„Kaum der Rede wert. Tie Comadrejas (Beutelratte) kennen Sie von Santa Mathilde her. Ich habe eine» energischen Kampf gegen sie geführt. Jetzt lauert ihnen her junge Schwarz auf. Seine Mutter hatte den Hühnerbof unter sich und schlägt Alarm, sobald sich ein solch ungebetener Besucher einstellt. — Ans dem Gehölz da drüben kommen zuweilen Wildkatzen in den Park. Schöne große Tieke, grau und schwarz, die unter Umstanden gefährlich werden. Sie springen den Jäger ans den Zweigen an. Vorsicht und ein sicherer Schuß ist notwendig."
„Es kommt vor", nahm Seefeld das Wort, „daß ein Jaguar, den man hier kurzweg Tiger nennt, sich hierher verirrt und sich im Schilfe der Insel umhertreibt, wo er gelegentlich Fischer oder ahnungslose Jäger erschreckt. Kommt uns eine solche Kunde zu, dann wird gemeinschaftlich Jagd gemacht. Haller und ich, einige Engländer, die jenseits La Paz wohnen, haben manchen schönen Jagdzug unternommen. Nicht wahr, Don Federico?"
Haller nickte. „In früheren Jahren machten wir unS auf dem Gran Chaco (Territorium der argentinischen Republik, zumteil unerforscht), such- den die Urwälder auf und brachten manche Woche in der Wildnis zu. Wir schliefen unter Zeltern, hatten Eingeborene als Führer und Diener bei uns. — Schade, daß dieser Sport im Abnehmen begriffen ist! Wer von den jungen Herren denkt jetzt noch daran, eine Jagd im Urwalde mitzumachen? — Man überläßt es den Kolonisten, sich des Raubzeuges zu erwehren. — Wie stählt ein solcher Zug Sinne und Nerven! — An Beute hat es uns nie gefehlt. Sie haben doch die Tigerfelle gesehen, die ich Frau Wildner sandte, Don Felix?"
Ob er sie gesehen hatte? Sie lagen, schön bearbeitet, als Zierde im Salon und im Schlafzimmer. Mehr als einmal hatte sich Felix in der Kinderzeit in eines derselben gehüllt, um mit
Irma „Rotkäppchen" dramatisch aufzuführen. Er lächelte bei dieser Erinnerung.
„Ter Puma kommt hier nicht vor?"
„Es läßt sich selten einer blicken. Wir haben hier seit Jahren feinen gesehen. Tas Land bevölkert sich mehr und mehr. Tie Kolonisten machen energisch Jagd auf diese Tiere, die ihren Herden schaden. Sollte wider Erwarten die Spur eines Jaguars ober eines Puma entdeckt werden, so lassen Sie mich es sofort wiffen, Ton Felix," bot Seefeld. „Ich weiß nicht, ob Sie unter Ihren Leuten verläßliche Jäger haben, und da Sie selbst nickt geübt sind.....Es ist ein eigentümliches
Gefühl, wenn man zum erftenmate einer solchen Bestie gegenübersteht."
Haller pflichtete bei. — Die Stunden verrannen unmerklich. Plötzlich erinnerte sich Ton Luis. .
„Es wird spät und ich habe noch einen guten Ritt vor mir." Er nahm herzlichen Abschied von Haller.
„Ich bin herübergekommen, mich von Ihnen zu verabschieden, da ich Sie als Patient betracht« und Ihnen die Fahrt nach Esperanza ersparen wollte. Don Felix aber erwarte ich recht ball bei mir."
Felix versprach seinen Besuch für die allernächste Zeit. Es war zehn Uhr, als Ton Luis in frisckem Trabe davon ritt.
„Ich habe Don Luis noch nie so aufgeräumt gesehen," bemerkte Haller, „er war ja ansnehmenl gesprächig. Für gewöhnlich macht er nicht viele Worte. Ich muß wiederholen, was ich $bnen schon gesagt habe: Halten Sie sich an ihn! Er ist einsichtsvoll und von seltener Erfahrung, und an Ihnen scheint er ein besonderes Interesse zu nehmen." . ,
Nur zu rasch vergingen btc wenigen Tage bi» zur Abreise Hallers, der nicht mübc würbe, Felix die nötigen Winke für die Verwaltung der flcmen Republik, wie er die Estancia nannte, zu geben. Zum Schluffe machte er ihn noch aufmerksam, ausreichend für Proviant zu sorgen, da man ie-