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33. Jahrgang.

Fulda, Mittwoch, den 24. Januar 19l-6

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Zweites Aätnt t

und,

üotetionsörud k. Verlag »er >' m6etr Ku- titneruderti In Xuieu Kernjpre yer Ur. *.

„Der Saft der Reben

Ter kann geben Ein Freuden leben."

««{eigen: Bteew fp luge petttzeiie »bet deren Raum 15 pfg. Fetlamen die Vetitjtile 25 pfg.; bei wieder» tzolungen wird entlpr. Kabatt gewährt.

Besonders mag noch hervorgehoben werden, das; die Anstalt ihre Mitglieder nicht auf Jahre hinaus fest hält, sondern daß nach den Satzungen alljädrtich zum Schlaffe des Rechnungsjahres dre Kündigung mit sechswöchentlicher Frist zu- gelasien ist.

Beim Beginn deS neuen Jahres wird eS sich ür manchen noch unversicherten Landwirt rmp- eblen, sich gegen die Hafipstichtgesahr zu ver- ichern Beitrittserklärungen tonnen durch Post' karte erfolgen und sind zu richten an en Herrn Landeshauptmann der Provinz Hessen-Nassau zu Kassel.

„Wer seine Fung' bat in Gewalt. Der wird in Ehren grau und alt." dieselbe Wahrheit in anderer Fassung:

Don den alten Deutschen schon, die in Ger­maniens unwirtlichen Gauen hausien, wird uns berichtet, daß sie gerne Meth tranken, etu ous Honig bereitetes Getränk. Und dos. sie das aus ihrem Horn tranken, später aus dem Stiesel, zeugr davon, daß sie recht trinkfest und tr'nkfroh traten. Selbstverständlich blieben auch Ueberschreitunger nicht aus, und gar mancher tapfere Reck.' und später mancher tapfere Rittersmanu hat zu rici des guten getan und zu tief ins Horn getchaur

Es kam auch früher nicht selten vor, daß mai sich vor Beginn des Gastmahls oder Gelages gegen das Zuvieltrinken zu schützen versuchte, aber mmt etwa dadurch, daß man vorsichtig und mäßig trank, der einzig sichere Schutz, den es gibt, son­dern durch allerhand andere Mittel. So finbetr wir im Altertum durch Hippokrales und Aristo­teles den Genuß von etwas Knoblauch empfohlen. Plutarch erzählt, daß Trusus, des Tiberius Sohn, twr oem Trinken erst einige bittere Mandeln ver­zehrte, Aoirenna riet zu Granatapfelsast, Afrika- nus zu gebratener Ziegenlunge, und Rantzovius her übtet daß er zu diesem Zweck erneu großen Amekhystein als Talisman auf der Brust trage. Wie viel oder wie wenig derartige Borbeugungs­maßregeln genutzt haben, entzieht sich natürlich unserer Kenntnis. Selbstverständlich hat, wenn überhaupt ein Nutzen verspürt wurde, dos Mittel an sich ihn kaum herbeigeführt.

Der Wein, später das Vier, trat tu Deutsch­land dann an die Stelle, die der Meth eingenom­men hatte, wenn letzterer auch nicht ganz ver­schwand. Denn trotzdem im Mittelalter das Wein­trinken schon ganz allgemein verbreitet war, be­faßte sich die damalige Apothelerknnst doch noch häufig mit der Herstellung von Meth. Von dem seinerzeit berühmten Apotheker Hieronymus Bock ist eine Vorschrift vom Jahre 1550 erhalten, nach welcher Meth von einem Teil Bienenhonig in acht Teilen Wasser gesotten, mit Saffra» gefärbt und mit Ingber, Zimmt, Nägelein (Nelken), Galgant und Muskatnuß gewürzt wird.

Wie sich überhaupt die Küche des Mittelalters im Gebrauch von Gewürzen gar »icht genug tun konnte, so trank man damals den Wein nicht so, tote ihn die Rebe gibt, sondern würzte ihn gern auf die verschiedenste Art und Wesie. Und zwar waren es nicht nur die iiberseeis.be« Geivürze, welche dazu in Frage kamen, sondern daneben allerlei Kräuter, Wurzeln und Blumen, so daß man Würzweine und Blumenweine hatte. Ihrer Zubereitung nach waren diese Würzweine und Blumenweine die Vorläufer unserer heutigen Bowlen. Ein sehr beliebter Würgv-in hieß Hypo- cras. Nyff, der Leibapotheker des Herzogs von Mecklenburg, sagt in seinem 1540 zu Straßburg erschienenen Büchlein von ihm: »Tas rst ein gautz gemeiner (weit verbreiteter) Trank des Morgens nüchtern zu trinken, und gewöhnlich in Men Apo­theken bereit (d. h. vorrätig) gefunden, funderlich zur Winterszeit. Wird von Zuumt, Ingber. Zucker und gutem roten Wein bereitet und durch ein mulliu spitzig Söcklein filtriert." Nach der Betreibung muß dieses Getränk unserem Glüh­wein nicht unähnlich gewesen fein. Ein An­merkung des gelehrten Rtzff fügt von dem Ge­tränk weiter: „Diefer Trank ist bockst anmutig und schleckerhasstig, hitzig und sterckt den Magen. Doch sollteri junge Leute solche hitzrge Getränke wie Malvasier, MuSrateller, HyporraS und Lau­tertrank fliehen als ein schädlich Gift."

Sehr beliebt war damals auch der Claret, von dem es heißt: .Claret ist in Ober-Teutsckland uit f» gebräuchlich, als in Sachsen, Dänemark und Schweden, wird von Honig bereitet und wenn der Hypocras rot sein mtife, muß der Cl-rrt gelb sein."

Um auf die Vorläufer unserer Bowlen einzu- yeben, so erfahren wir ebenfalls durch Ryff und Hieronymus Bock, daß die zu deu Blumen weinen benutzten Blumen und Krauter feinqebackt und mit Wein begossen tourben. Nack .glichen Stun- den" filtrierte man diesen Extrakt durch ein „mulin Söcklein" und füllte den übrigen not- nendigen Wein dazu. Bon der Zugabe von Zucker

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Die Vermal tnngskoste« habe» sich, wie dies voraus gesehen wurde, in sehr mäßigen Grenzen aehatte« und werden d n Betrag von 1000 Mark kaum wesentlich übersteigen. Be­sonders hervorzuheben ist, daß sich der Erwerb von 10700 Mitgliedern fast ohne Kosten voll- zogen hat. Es darf wohl mit Recht die Frage anfgeworten werden, mit welckzem erheblichen Aufwand an Provisionen und ähnstchen Ver- gelungen bet einer privaten Brest heeuagsgesell- sckaft' diese Tätigkeit verbunden gewesen wäre. An der Gewinnung der Mitglieder haben sich Behörden, landwittsä-asllicke Vereine, Beamte und Privatpeisonen i« Interesse der guten Sacke in dankenswertester Werse beteiligt.

D>r Beitragserhebung hat sich ohne Schwierigkeit glatt benerlsteltigerr lassen. An Grandtaxen einschließlich der Prämien für Ver­sicherung gegen Schußwaffe« sind für das Rech­nungsjahr 1905, welches nach den ^Bestimmungen der Satzungen mit dem Kalenderjahr schließt, insgejamt 13o0i) Mark erhoben worden. Wenn auch die Nennung noch nicht abgeschlossen iiL so kann doch bereits in sichere Aussicht gestellt werden, daß bie e Summe nicht nur zur Deckuu < der aus das Jahr 1905 zu verrechnenden Ent- schckdigungen. der Lenvattungskosten, und der satzungsgemäßen Dotierung bes Beiriebs- und Reservefonds ausrerchen, sondern daß aller Vor­aussicht nach auch ein erheblicher Ueberschuß dem Reservefonds übernnetni werde« kann Jedenialls kommt die Erhebung einer Umlage bei der nächsten Beitragsleistung nicht i« Frage; vielmehr wird im Jahre 1mO6 bei der Hebung, welche aus Zweckmäßigkeitsgründen »«gleich mi der Hebung Der Beiträge für die landwirtschaft­liche B '.ufsgenofleuschait stattfindet, wiederum nur die Grundtarr erhoben «»erden.

Dre seitheriger, günstige« Ergebnisse können als eine guie Vorbedeulung für dre »eitere Ent- Wickelung der Anstalt betrachtet werden. Natür­lich kann bei beti niedrige« Präminrsätzen nicht daraus gerechnet «»erden, baß die Anstalt immer ohne Umlage außkommen wird. Aller Boraus­sicht nach aber wrrd diese Umlage, wenn sie werde« sollte, sich immer m mäßige« Grenzen hallen. Schon der Hinweis auf die niebnfte« Berwaltnngskoflen beweist, daß die Anstalt stets billiger arbeiten wird, als eS prlvattBersicherungsgejeÜichaften könne«, wie sie «verhaupr nach der ihr gestellte« Ausgabe, oyne eigenen Vo reil lediglich dea Jnrereffen der landwirlfchaftlichen Bevölkerung »v diesen, »wei ellos für diese die empfehlenswert i sie Ver- sicherungs-Euirtchlung auf diesem Gebiete ist.

Wo immer in fröhlicher Gesellschaft Wern gc- trunken wird, da darf cmck das „Gesundheit- Trinken", „der Toast" nicht fehlen. Das Gesund- beittrinken ist eine uralte heidnische Sitte. Die alten Römer hatten bei Tiscke einen eigenen ..Magister bibendi“, dem es oblag, die Gesund- ij’citen der anwesenden Gäste auszubringen. Und zwar mußten von jedem Gast so viele Becher ge­leert werden, als der Name dessen, dem das (5c- undheittrinken galt, Buchstaben zählte. Das war jedenfalls öfter eine etwas anstrengende Bflickt. Wie bei den Römern trank man in Deutschland ebenfalls aus die Gesundheit der An­wesenden, vielfach auch der Abwesenden und weihte dem Gedenken an Verstorbene ein „stilles" Glas.

Die Deutschen lernten auch von den Römern, die Anwesenden mit Worten zu feiern, eine Sitte, die sich ja mit den weitverbreiteten Tischreden und Trinkspriichen bis auf die neueste Zeit unverändert erhalten hat. Bekanntlich gibt es gute und schlechte Tischredner und Tischreden, Leute, die Tischreden fieben und andere, denen sie ein Greuel sind, eben­so wie es stteng vorgeschriebene Tischreden gibt, z B. bei Hochzeiten, wo das junge Paar, die bei­derseitigen Familien, die Ehrengäste, die Braut- jungfern usw. usw. mit Reden bedacht werden müssen. Wurde früher meist nur „hoch" gerufen, so jst heute das ehemals nur auf Jagddiners übliche „Hurra" beliebter.

Früher wäre es eine auffallende Erscheinung gewesen, wenn eine Dame eine Tischrede gehalten hätte. Mit der heutigen weitverbreiteten Frauen- bewegung finbet man hin und wieder zwar auch eine „redende Frau", immerhin aber vereinzelt.

In wie inniger Weise der Wein mit dem Volksleben und Brauch verknüpft ist, zeigen u. a besonders die kurzen Sinnsprüche, die wir auf alten Gläsern bewundern können und die manche treffende Wahrheit m knapper Form verkünden, 2 B.:

„Nebel kommt geritten Und geht fort mit Schrrtttn." oder: '

„Biel wissen — wenig sagen Bringt zu guten Ta gen l"

Derartige Mahnungen dürften wohl gerade am Weinglas am Platze sein, weil nach altem Wort „der Wein bie Zunge löst".

kl a Getränke und wie nm» sie trinkt.

Von A. Burg.

(Nachdruck verboten.)

Zu den Tafelfreuden der Geselligkctts und Karncvalssaison gehört auch ein guter Trunk. So ist es schon seit grauester Vorzeit in Deutfchlaiid gehalten ivorden, so klingt es uns riicht nur aus der Ucberlieferuug durch die Kulturgeschichte, Um­bern auch im Volksbrauch, Volksglauben, rm Volkslied und Sprückwort entgegen. „Wo man atz und trank, da war ich gerne mang" heißt cm alt­deutsches Sprüchlein, welches man neuerdings wieder häufig als Wandinschrift in Zpeis-ziinmern findet. Kunstvoll eingefchlisfene Sprüche geben auf alten Gläsern gleiche Meinung lund:

„Ein frommes Weib und guter Wem

Und ein Gewissen gut und rem." oder:

ist keine Rede, der Rohrzucker war in damals auch unerschwinglich teuer, es ist also auznnehmen, daß man die gewürzten Weine ohne Zucker trank. Ryff erklärt den Wohlgeschmack derartiger Gc- tränke mit folgenden Worten: „EL uimdt dann der Wein in einem Augenblick solche Krasst, Tugend und Ge'chmakk an sich bc&iclbcn Krauts, Blumen oder Wurzel, welches einccbcujct worden ift.“ Tie dazu am meisten üblichen Ingredienzien waren: Wermnl, Rosiuarin, Salbiy, ??iop, Be- chunien, Augentrost, Schlntten oder Bibernellen, Majoran, Kirschen, Borretsch, Johannisbeer, Brombcer, Buchenspäne (dieser Wem hieß Span- wein), Rosen, Schlüsielbfumen, Jobamiiskraut. Von allen diesen Zugaben sind es allein die Rosen, welche hin und wieder für moderne T'owlcnzwccke m Betracht kommen, auf Bibernelle» Vuchcn- sväne, Rosmarin, Majoran usw. verzichtet die Gegenwart. Mit fortschreitender fernerer Kultur veränderte sich der Geschmack, man lieote nur den reinen, unvcrfaljchien Wein, ganz g-e:ch, ob er aus frischen Trauben oder aus getrockneten be­reitet wurde. Letztere, besonders aiis Spanien cmgesuhrte Weine hrcßen „Sekte", d. b. Trocken­weine. Heute w-rd diese Bezeichnung meist tut Champagner g braucht. Und die ehemals auch wohl als Tischg ckräul üblichen Trockenweine gel­len heute einzig für Tessertgetranle.

In alten Zeilen kreiste das Trmkhorn, an dessen Stelle spci-cr der Becker trat. Em Tisch- Mtnofic reichte ihn dem nächsten, und feder nahm emen gehörigen Schluck daraus, unbekümmert um Ite Größe des Gefäßes, wobei ce not fotnmen konnte, daß der edle Nebenfaft bis an die Nasen- vitze flutete. Das spätere Mittelalter brachte die Sitte, daß jeder sein eigenes Glas ober seinen eigenen Becher erhielt, eine Sitte, die schon tn Hinblick auf Hygiene und Appetitlichkeit geboten st Allerdings — auf mehr als ein Glas hatte ein Gast vor ungefähr 200 Jahren noch keinen Anspruch, denn in einem ausführlichen Haushalts­buch lesen wir darüber: „Jedweder Gast bekommt ein Weinglas fürgcsetzet, die müssen öfter ge- dtoenfet werden, welches fürand un Sommer sehr angenehm ist." Nun, heute wird öfters eine kleine ansehnliche Gesellschaft von Gläsern vor jedem Kuvert aufgestellt. Und was für Gläser! Unsere heutigen modernen Gläser sind oft vollendete Kunstwerke in Form, Farbe, Schliff und Ver-

nur die Daumen.

Unserer anmutiaen Zeitungsverkäuferin, bt* eb-n ihren zwanzigsten Geburtstag gefeiert haltt, wäre leicktlich ein Freiersmann mit ernsten Ab- sichten beschieden gewesen. Aber die Sache onLe einen Haken. Sie war gar zu fern und auserlesen, -u sehr „Temoiselle", um mit dem ziemlich ge­wöhnlichen Vorst-idtpublikuni Jürltcb zu nehm-'i' Gin Fleisckeraeselle, der ihr täglich die „Laterne abfaufte, hatte sich schon einen Korb geholt.

Ebenso entmutigte sie, doch lind und fein­fühlig die zaahafte, fast ehrerbietige Liebe, d« hr der Sohn des Gewürzkrämers von Hausimm- mer 24 entgegentrug.

Er hieß St natole. Trotz seiner Stulpnase und seinem Tömelgesicht war er ein rediter Phantast und träumte nur von kühnen 8ottickungsrelse, und heldenmütigen Abenteuern. Allwöchentlich erstand er in dem Laden das illustrierte Blatt Aus fernen Zonen", besonders der schaurigen Bilder halber, die den Kampf eines Löwen und eines Nashorns, oder aber eine Boa schlänge Dar- tollten, bie mitten im Urwald einen luinenbe- leibeten Gentleman mitsamt seinem Korkhelm. Stiefeln unb doppelläufiaem Karabiner in ihren» Innern versckwiiiben läßt. Gerade als er einen „Menschenfresserschmaus" erhandelte, wurde ec von dem Blitzstrahl der Liebe für die erblühende Jungfrau getroffen. Sre schürte f re tuet) ferne Liebesglut nicht und bemerkte sie anscheinend kaum, so daß Anatole sich auf eine sttlle Bewunbe- rung beschränken mußte, toenn sie ihm Sonnabend morgens eine „Walroßjagd auf .einer Eisbank oder ein anderes Schauerbrld ernhandigte.

Kurzum, das Herz der Holdseligen hatte noch nicht gesprochen, als sie eines Morgens einen lang aufgeschossenen hageren Menschen ihren Laden be- treten sah, der ein Fünfpfenntgsblatt entnahm Seine Haare waren ungepflegt, sein schwarzer Anzug sckäbig, sein ganzes Wesen hatte etwas WildeS. aber seine kohlrabenschwarzen Augen lachten siegesbewußt in die Welt hinein.

Und es schwante der kleinen Ladnerin nut einem Male, daß sie recht, recht unglticklrch werden würde.

Täglich kam er wieder und täglich empfing daS Mädchen einen Sou und einen Blick. Doch sie merkte wohl, daß fein Blick sie E streifte. Sie wollte erkunden, wer et sei. Die Obsthockerm konnte den Besckeid geben, daß er tn entern Dach­stübchen hauste, sechs Stiegen hoch m emem nahe, gelegenen ruhigen Hause, wo Kinder. Hunde und Klaviere ausgeschlossen waren Sw er,uhr außer­dem, daß ihm soeben gekündigt worden, bretocil er stundenlang nackts als dramatischer Dichter sein Zimmer unter Verscbrullen durchquert hatte und der Hauswirt fest gewillt war. tu Kontrakte von nun an die Klaus^ aufzuneymen, daß die Ausübung dieser Professton die em Grundstück ebenso schädige tote schlosser- und Schmiedegewerbe, den Mietsvertrag ohne weite­res rückgängig mache. .

Bis dahin hatte sich, sagen wir eS frei heraus, die kleine Zeitungsverkäuferin wenig für daS Schrifttum interessiert. Zuckerbäcker verab'chcu-u Sühiaf-iten, Zeitungsverkaufer lesen feine SMut» ter Mit ihrer Verliebtheit jedoch vertiefte si« sich in Zeitungslektüre, in der Hoffnilng, auf den Namen des Mciwcs mit dem N^^nwnblick zu stoßen, der täglich ihren Laden beehrte ohne daß er ihr jemals etwas anders gönnte, als ein hot- liches Lächeln, er, der stolze Schönbart, der ihr Herz ach so tief getroffen.

Und sie fand ihn, diesen Namen, fand th« wieder jeden Morgen am Schluffe v,^r. vieler Seiten die ihr etu Stachel tm fletsche war^ry Sn der Dichterjüngling ^öjfeurttchrc damais noch unerkannt in einem wenig verbreitete). Blutt« einen Feuilletonroman, wo dieser arme »..itfel. der unterm Dache dem Htminel am nachiteu zu . Haüse, im fadenscheinigen Röckchen clnhergtNL ■ ckie selbstverständlich nur üppige vornehme ^am« und Herzoginnert mit dreißig Ahnen aufs Tapel . brachte.

kl c. Die kleine Zeitungsverkäuferin.

Bon Franvats Coppse.

Deutsch von Dr. Maximilian Sohu.

(Rachdruck nicht gestattet.)

In der Vorstadt — in einer lAtmenden, Volk- reichen Gaffe, wo von früh bis spät beim Räder- gekretfch der Rollwageir unb Omnibusse tue Fen­sterscheiben erzittertet!, — kannte und 1 Hatzte männiglich die kleine Zeitungsverkäuferin. Und das war nur zu natürlich. Konnte man doch kem zierlicheres Menschenkind sich denken, als das zarte Blondchen im enganschließenden, schwarzen Meide, wen« eS im blitzsaubern Laden hurtig die Abend- Zeitungen zusammenlegte, bie noch den Dunst fri- lcker Druckersck-toärze ausstromten. Ich nenne sie Blondchen, richtiger wäre Rotfüchschen, denn ihr Haar, zu üppig, um immer glatt gekämmt zu

Mitteilungen über bie taMMnig »rr *1****™"?’!*’* für fgHtwiitt -rr WH Irffm-llaffaa.

wird für die beteiligten Krei'e von Inte' fein, »u etfahien, welche Entwickelung W am t Juli 1905 auf Antrag der L-ndwirt' fckastskammern im Interesse der landwirtschaft' licken Bevölkerung unserer Provinz errichtete Haiipflickt- Bersickerungs - Anstalt genommen hat. V Die Bet eiligunq an dem jungen Unter­nehmen ist seither sehr erftenlich gewesen. Nach den Satzungen konnte die Anstatt den Be­trieb et ft dann auf nehmen, wenn 1500 Mtt- olifber mit 1 Million Atbeitstagen ihren Beitritt eiflärt hatten. Es war von vornherein durchaus nickt zweifellos, daß diese Zahlen bald erreicht werden w rden, denn es war bekannt, daß eine große Zahl von Landivirien «och anderweit ver- sichert und zum Teil auf Jahre hinaus gebunden war. Die deshalb yehegle« Befürchtungen haben sich aber qlücklicheriveiie als völlig grundlos er- wikien. Am 1. Juli 1905 konnte die Anstatt «nit einer Mitgliederzahl von 8570 Beliiebsunler- nedmern mit rund 4 Millionen Arbeitstagen er­öffnet werde», und am Schlüsse des JahreS 1905 ist die Mitgliederzahl auf rund 10700, die Zahl der Arbeitstage auf annährend 5 Mill»oneu gestiegen. Das sind über Et warten günstige Zahlen, welche schlagend beweisen, daß man mit bet Errichtung der Anstalt einem wirlltchen Be- dü-fnis entqegenqekoiumen ist.

Auch die sonstige Eulwickelung d»r Austol! ln dem abgelaurenen Halbjahr kann als eine recht günstige bezeichnet n-etoen Die Zahl der angemeldeten Schabensfällebetrug 26. Davon würden, da zwar enttckädigungspflichtige Be- tiiebsunsälle, aber keine Haftpflichtiälle vorlagen, 4 den zuständige« Berussgenosienickaften über- mieten. In 2 Fällen wurden, wie sich im Laufe der Verhandlungen heraasstellle, von den Ver­letzten An'piüche nicht erhoben. Von den ver­bleibenden 20 Fällen wurden seicher v ohne weiteres anerkannt lind durch Zahlung erledigt In 10 weiteren Fällen schweben die Be»Hand­lungen noch, und die Anstatt wrrd auch in bie^n Fällen Zahlung leisten, sofern ei« Anspruch der Verletzten gegen bie Versicherungsnehmer besteht. Zn £» Snii*« Li«»» Lntschädtgurigspflichiige Jpajt-

sein, spielt« ins Kupferfarbene, und in dem lat^ lichen, regelmäßigen Gesichte, dessen rosiger Teim durch vereinzelte Sommersprossen noch gewann, funkelten ein Paar köstliche nußbraune Sterne.

Geschmeidig, entgegenkommend, liebenswürdig, wie es ihr Geschäft erforderte, aber nicht im ent­ferntesten herausfordernd, dabei von jener un­sagbaren inneren Vornehmheit eines anftän ügen Mädchens, war sie wirklich eine allerliebste kleine Zeitungsverkäuserin. Wer nur immer b diesem Viertel gewohnt hätte, würde sicherlich all .torgend- lich auf dem Wege zur Werkstatt oder zum Kon­tor einen kleinen Umweg nicht gescheu. haben, um lieber bei ihr als irgendwo anders fun Zeitungs- blatt zu erstehen. Sic strömten ’M die Zier- dengel, die Ladenjiinglinge, bie Puppengesichter, bie bei noch so leerem Beute' immer mit tabcl- loser Krawatte emherftol;iLren. Allein es wav nickt zu befürckteii, daß einer von ihnen es sich herausnahm, dem jungen Mädchen ein unzartes Wörtlein zu sagen. Es sah eben gar zu fein und sittsam aus. Uni» dann war der Papa auch immer da, im Hintergründe an der Kasse, der halbge­lähmte Papa mit zittrigen Hänben, der mit feinem weißen Backenbart, seinem Hauskäppchen und bem i Trikotkamisol bas behäbige Aussehen eines „Herr- ■ schafttichen Hausportiers" hatte.

Die ganze Dorstadt wußte, daß der arme Alte, 1 der einstmals Kassenbote bei einem Bankier ge- ' wesen unb feit seinem Schlaganfalle von fei cm > früheren Prinzipal nur eine notburftige unter- ' stützung empfing, ohne seine wackere, arbeite- freudiae Tochter ins Armen- und Sicchenhaus hätte flüchten müssen. Aber obschon sie alles nn Hause schasste, wiederholte sie gegen ihre Nach- liarinnen in einem fort: Wenn sie wußten, wie w'va uns zur Seite steht . . tn allem und ledern rät! In Wahrheit drehte er fast den ganze» Tag