Jahrgang.
Fulda, Montaa, den 15. Januar 1906
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doch, meine Irma?"
Ja, fie verstand es. Energisch nickte das zerzauste Köpfchen. Mit dem Schleier trocknete sie sich die Tränen und blickte ihn glückselig an.
„Dies hättest Du mir eher sagen können, an- statt so rätselhaft einherzugehen wie eine ägyptische Sphinx, daß mir das Herz weh tat dabei. Ich mußte wissen, wie es zwischen uns steht. Früher nanntest Du mich immer Deine kleine Braut."
„Ja, damals waren wir Kinder. Jetzt ist da» Leben ernster. Wer weiß, welche Abfichten Dein
so von Dir gelenkt durch den Hof gepeitscht werden? Oder —"
„Du bist geradezu greulich. Du willst mich nicht verstehen. UebrigenS habe ich Dich nie gepeitscht."
„Nie? Der die Schläge bekommen hat, vergißt sie nicht so leicht", lachte Felix und zog die Schultern ein, als fühle er die von der kindlichen Hand geschwungene Peitsche noch.
„Komm, Felix, laß vernünftig mit Dir reden". Es ist in der Tat Zeit, den scherzhaften Ton auf- zugeben, denn die großen, blauen Augen stehen voll Tränen.
„Warum machst Du es mir so schwer? — Du weißt, was ich meine. Es fehlt etwas an Deinem Verhalten gegen mich. Früher gehörten wir zu- sammen: jedes wußte, was daS andere dachte und wollte; aber fetzt gehst Du eigene Wege — innerlich. Du stellst mich beiseite wie etwas Fremdes und früher, früher —" Die Tränen brachen unaufhaltsam hervor. ,
Felix näherte sich ihr und faßte rhre Hand. Jetzt mußte er sprechen: „Irma, Du bist mir nichts Fremdes. Du bist mir, was Du mir früher warst, nein, unendlich mehr. Die Kinderzeit ist vorüber. Wenn ich Dir jetzt sage, was ich für Dich fühle, dann muß ich vor Deine Eltern treten und sie bitten, daß sie mtt Dich zum Weibe geben — und dazu ist die Zeit noch nicht gekommen. Bis jetzt hat Dein Vater unzählige Opfer für mich gebracht. Nun muß ich doch erst arbeiten, dem Haufe nützen und mich Deiner würdig zeigen. DaS verstehst Du
frfMnt tS-llch, Mit aesnabme bet Sonn* nnö Feiertage. Viertel* führt. Bezugspreis ohne vringertohn und BeUelgelb tu Jjulfta und «uswärts! Mt 50 psg.
eine Euugung zwischen dem Reichstag und de Regierung über die Vorlage aus folgender Grund laae statlfin^en: dre Entschädigung von 120,00. Mark für Vorarbeiten des Syndikats soll bt willigt werden, sofern dafür genauere rechnerisch Grundlagen geliefert werden. Dagegen dürft die darüber hinaus geforderte und am lebhafteste beanstandete Provision von 360,000 M, für die Jtitglieber des Kamerun-Syndikats gi strichen werden. — Tas Letztere wäre eine in direkte Rechtfertigung des speziell vom Abx Erzberger erhobenen Em pruchs.
* Für die Reichskommission zu> Prüfung der Rechte und Pflichten un der bisherig en Tätigkeit der Land- un Bergwerksgesellschaften in Deutsch - Südwefl afrika sind nach einer Mitteilung des Reichs kanzlers an den Reichstag von Reichswege folgende Mitglieder ernannt worden: Herz» Joh. Albrecht von Mecklenburg, Prof. Karl Frei Herr v. Stengel in München, Pros. Anton-^ena KrersassessorGerstenhauer-Meiningen, Oberlandes gerichtsral Dr. Rupp-Stuttgart, Gouverneur a T v. Bennigsen-Berlin, Atg. Justizrat Dr. Porlch Breslau, v. Bornhaupt-Berlin. Ohne Mitglieds eigenfchaft gehören der Kommrsston als Vertrete der beteiligten Gesellschaften an: Bugge (Deutsch Kolonialgefellschaft für Sudwestafrika), Exrellen v. Brand (South West Africa Company). Koniu a. D. Vohsen (Siedelungsgeiellfchaft für Süd roeftafrifa), Graf Bandissin (South Äfricai Terrilories), Notar Dr. Rhode (Hanseatisch Land-, Minen- und Handlungs • Gesellschaft', Dr. Scharlach 'Kaiko-, Land- und MinenaeieU schäft), Gaedertz (Olari-Minen- und Eisenbahn Gesellschaft), Dr. Hartmann (Gibeon-Schürf- un'. HandelsgeseUschatt). Jetzt hat der Reichstag noe die von ihm in die Kommission zu delegierende: Mitglieder zu ernennen Die Sitzungen d« Kommission sollen im Reichstage statlsinden.
♦ Eine Gebührenermäßigung für Tele gramme, die für die Presse bestimmt sind, if für die Dauer der am 16. Januar in Algecira. zusammentretenden M arok ko-Ko nf erenz in Verkehr zwischen Deutschland einerseits sowie Spanien und Gibraltar andererseit. beschlossen worden. Die Gebühr beträgt zwiichei io und 20 Pfennigen für das Wort je naa dem Kabel, der benutzt wird. Die Telegramm zu ermäßigten Taxen sind ober nur in der Zei von 6 Uhr abends bis 7 Uhr morgens zuge fassen.
Bon H. Catalina.
(Nachdruck verboten.)
Anzeigen: Vit et fpolbge petttzeile ebt bereu Baum IS pst Reflamen bit petitjetl 25 Pfg.; bei Wiebe. Holungen wird entfp Rabatt gewährt.
„Der Senorito ist ihr Bruders
Das schlummernde Kind war erwacht und kündigte dies mit lautem Krähen an.
„O bitte, lassen Sie mich daS Kind sehen!" bat Irma. Der Kleine wurde ausgenommen und blickte mit seinen verschlafenen Augen die Fremden erstaunt an, benahm sich aber, durch Zureden der Mutter ermuntert, wie ein kleiner Held und bewegte die Lippen, die erst ganz verräterisch gezuckt hatten, zu einem fteundlichen Lächeln. Irma küßte das braune Gefichtchen und spendete der jungen Mutter reichliches Lob, das diese stolz entgegennahm.
„Wie wenig braucht der Mensch zu seinem Glück'" sagte Irma, als fie, von den Segenswünschen der alten Frau begleitet, davonritten.
„Gut sein und genügsam," antwortete Felix, „ei scheint so leicht und die Menschen machen ei einander so schwer."
Schweigend trabten fie über die Steppe.
„Was meinst Du, Felix, sollen wir nickt dort »m Brunnen reiten; es ist noch früh. Wir tonnen dort ein wenig plaudern, und die Pferde ruhen losten."
. Sie lentten ihre Tiere einer Baumgruppe zu, " deren Nähe sich ein Ziehbrunnen befand. Ringsum standen Trinkbrunnen für das Bieh. Die Sze- «rre versetzte den Beschauer um Jahrtausende zu- auf die Ebenen des Morgenlandes, wo die Httten AbrahamS und die Söhne Jakobs ihre Herden tränften. — Nur eine starke, eiserne Kette mnd die Form des Eimers, der gewöhnlich von «nem Reiter zu Pferde hochgezogen wurde und sich arn Rande bc8 Brunnens selbst in den Trog ent- «tte, erinnerten an die Neuzeit. Felix goß Master
Wie hoch sind die jährlichen Kosten der Schule? sGehalt der Lehrkraft? Miete der Schulsäle? Ob eigenes Haus?f Wer zahlt zu den Kosten und wreviel ein jeder? 3. Entscheidungen des Provinzialrats: Wie hoch war die Zahl der Kinder jener Privat- oder Socieläisfckule, deren Uebernahme auf den Kommunaletat der Provinzialrat anqeordnet bat oder anzuordnen abgelehnt bat? Ort der Schule? Sitz des Provinzialrates? Datum oder doch wenigstens Jahr der Evt- icheidung. Ich bitte ergeben ft die Herren Pfarrer, in deren Pfarreien es öffentliche Schulen mit Kindern verschiedener Konfession, oder Privat- schulen gibt, oder welche Kenntnis von ergangenen Entscheidungen des Provinzialrates haben, mir geiälligst die vorstehend bezeichneten Angaben baldigst zu machen."
Die übliche vergleichende Uebersicht der Ergebniffe der Veranlagung zur Einkommensteuer für 1904 und 1905 und zur Er» gänzungssteuer für 1902/1904 und 1905/1907 ist dem Abgeordnetenhause zugegangeu. Für physische und nichtphysische Personen sind bei 4,393,219 Zensilen (1 t>04:4,133,539) 201,968,897 Mark (1904: 160,230,947 Mk.) an Einkommensteuer veranlagt. Bei den physischen Personen sind von 4,390,608 Zensilen (4,130,936) 188,036,080 Mk. (177,604,750 Mk.) in Anschlag gebracht, bei den juristischen Personen von 2611 (2583) Zensiten 13,732,817 Mk. (13,626,297 Mark). Mil einem Einkommen über 3000 Mk. sind veranlagt 501,437 (1904 439,835) Personen. Die Steigerung erstreckt sich auf Stadt und Land. Sie betrüg bei der städtischen Bevölkerung 16,142, bei der ländlichen Bevölkerung 5460 Köpfe. Einkommensteuerirei waren rm Ganzen 22,364,759 (22,422,1- 9) physische Personen, lieber % der Bevölkerung haben ein Einkommen von über 900 Mk. Das Sollaufsommen der Einkommen- steuer in Höhe von 188,036,080 (177,604,750) Mark verteilt sich auf die Städte mit 141,788,053 Mark (133,749,966 Mk.), auf das Land mit 46,248,027(43,614,789) Mk. — Zur Ergünzungs- steuer waren veranlagt 1,379,221 (1,297,485) Personen, gleich 3,80% der Gesamtbevölkerung und zwar in den Städten 666,283 (616,917-, auf dem Land? 712,938 > 680,568) Die veranlagte Bevölkerung beträgt einschließlich der Angehörigen der Zensiten 4,896,890 Köpfe (4,772,815). Veranlagt waren mit einem Einkommen von nicht mehr al- 3000 Mk 995,325 (946 674) Personen, von mehr als 3000 Mk. 383,846 (350,811) Personen. Das gesamte steuerpflichtiae Vermögen der Zensiten in Höhe von 82.410,286,903 Mk. entfällt auf die Städte mit 52,121,707,477 Mk, auf das Land mit 30,288.579,426 Mk.
* Ärzte als Kolouialbeamte, namentlich als Stationsleiter sind m den Kolonieen bereit» mehrfach mit besonderem Erfolge tätig. Die ,Nordd. Allg. Zig.' macht darauf aufmersam, daß Aerzte von vornherein das Vertrauen der Eingeborenen genießen und daß sie besonders befähigt seien, sich in wichtige Aufgaben kultureller Art in den Kolonien einjuatbeiten, oft wäre sehr zu wünschen, daß sich beim Kolonialamt mehr als bisher jüngere Aerze meldeten, die Benis und Neigung für eine Verwaltungstätigkeit in den Kolonieen führen.
*♦ Bezüglich der Kamerun-Eisenbahnvor- lage miautet in politischen Kreisen, es werde
und ungeschützten Kreuzer. Die Tafeln haben in der Wandelhalle des Reichstags neben den drei Tafeln Aufstellung gefunden, welche die englische Schlachtflotte zur Darstellung bringt, und die bereits früher vom Kaiser dem Reichstage Überwiesen worden sind.
*, Der in der ausländischen Presse zu Tage tretenden Tendenz, Deutschland als kriegslüstern hinzustellen, tritt die einen halbamtlichen Charakter tragende ,91. mil.-pol. Äon/ entgegen, indem sie schreibt: „In gleichem Maße wie der Bericht über die angeblichen „kriegerischen - Aeußerungen des Kai'ers beim Neujahrsempsang der kommandierenden Generale, entbehren alle diejenigen Meldungen — vor allen in englischen und französischen Zeitungen — jeglicher Unterlage, die von „einer fieberhaften Tätigkeit bei den Berliner militärischen Zentralste l l e n " zu berichten wissen. Es ist anerkanntermaßen kaum jemals eine derartige Stille in der militärischen Welt zu verzeichnen gewesen wie gerade jetzt. Auch die Ausstreuungen über „veränderte Mobilmachungspläne" gehören in das Reich der sensationellen und geschmacklosen Fabel, und sind dementsprechend schon in einer Meldung (vom Donnerstag) des Berliner Korreipondenten des.Standard" an sein Blatt gekennzeichnet worden."
* Die Berufung des Grafen Hohenthal, des bisherigen sächsischen Gesandten in Berlin, in das sächsische Ministerium als Nachfolger des demnächst aus dem Amte scheidenden Herrn v. Metz sch wird in der liberalen Presse hoffnungsfreudig begrüßt. Die.Germania' bemerkt dazu: „Graf Hohenthal hat in Berlin hinlänglich Gelegenheit gehabt, sich konfeflionelle Unbefangenheit anzneignen und proiestontlsche Vorurteile abzustreifen. Wir h 'ffen, daß er den Willen und die Macht besitzen werde, dem protestantischen Fanatismus zum Trotz, den Katholiken in Sachsen endlich das Recht und die Freiheit zu verschaffen, auf die sie Anspruch haben. Auch auf sozialem Gebiete wäre eine neue Aera für Sachsen dringend geboten; die bisherige Behandlung der sozialen Bewegung durch die Behörden hat nur Den Sozialdemokraten genützt."
* Tie Errichtung eines Oberlandesgerichts in Düsseldorf ist bekanntlich durch ein Gesetz vom 2. Januar 1905 beschlossen worden. Der Zeitpunkt der Errichtung sollte auf dem Verordnungswege bestimmt werden. Die betreffende Verordnung ist jetzt ergangen. Danach soll das Gesetz vom 2. Januar 1905 am 16. September 1906 in Kraft treten.
* Zmn Schulgesetzentwurf. Herr Abg. Dasbach (Berlin iW. l 1, Bernburgerstr. 14) schreibt uns: „Zur Beratung des Entwurfes eines Schul- Unterhaltungsgesetzes ist eS wichtig, daß auf folgende Fragen baldigst Antwort gegeben werde: 1. Welche öffentlichen Volksschulen werden gleichzeitig von Kindern katholischer und evangelischer Konfession besucht? Ott, Kreis; Zahl der Lehrer, Lehrerinnen; Konfession der einzelnen; Charakter der Schule (katholisch, evangelisch, ftmulian); wer zahlt zu ben Kosten der Schule, und wieviviel ein jeder (Gemeinde, konfessionelle Schulsocietät, Staat)? 2. Welche katholischen Privatschulen existieren? Ott, Kreis, Zahl der katholischen Schnlkrnder heute? In früheren Jahren? Wann ist sie gegründet?
in die Rinne und ließ die Pferde trinken. Irma setzte sich im Schatten auf einen Stein und sah ihm nachdenklich zu.
„Wir reiten heute zum letzten Male allein," faßte sie, mehr zu sich selbst. „Morgen kommen unsere Gäste, Frau Thomsen mit Heinrich und Bella. In den Feiertagen erwarten wir noch Carlos Minden mit Adela."
„Ich habe Carlos seit unserer gemeinsamen Reise nicht mehr gesehen und freue mich auf seinen Besuch. Sein ungelenkes Aeußere birgt ein Gold- herz." Felix ließ sich zu Irmas Füßen im Grase nieder. Er legte die Mütze neben sich und sah, den Kopf auf die Hand gestützt, zu Irma empor.
„Ja, es sollen vergnügte Tage werden, hoffe ich. Aber um unsere einsamen Ritte ist es geschehen, und ich habe Dir so vieles zu sagen." Irma sagt die letzten Wotte zögernd und hört dabei ihr Herz pochen. Sie macht eine Pause, in der Hoffnung, Felix werde sie verstehen und ihr zu Hilfe kommen. Aber er schweigt und spielt mit den Steppengräsern, deren Stengel er gedankenlos knicft. Er ahnt, was nun kommen soll. Er hätte diesen Augenblick gerne vermieden, hinausgeschoben; aber Irmas lebhaftes Temperament, ihre Offenheit, die nie gelernt hatte, ein Gefühl zu verbergen, drängten zur Aussprache.
„Felix, Du btft nicht mehr wie früher." Diese Worte, die sie so oft bei sich gesprochen, sollen ein Borwurf fein, aber Felix wehrt ihn ab.
„Natürlich nicht 1 Bist Du es etwa? Ich bin beinahe 24 Jahre alt, Du achtzehn. Mache ich Dir einen Dorwurf daraus, daß Du jetzt als vollendete Dame malst, musizierst, der lieben Mama im Hause zur Seite stehst und Dir von ungezählten Anbetern huldigen läßt?" sagte er mit einem Versuch zu scherzen.
„Ach, Felix, so meine ich es nicht. Natürlich sind wir älter geworden; aber Du bist mit gegenüber so ganz anders."
Parlamentarische Nachrichten.
.-. Tie Budgetkommifsion des Abgeord netenhauses trat am Samstag zur Ber^tun; der Staatsverträge zur Regelung der Loiterie Verhältnisse zwischen Preußen uni der Hessisch-Thüringischen Lotterie gemeinschaft zusammen. Nach den Der trägen soll das Recht des Lotteriebetriebes ii der Heisisch-Th üringifchen Staatengruppe äi Preußen übergehen. Dieses zahlt dagegen ai die Großherzoglich Hessische Hauptstaaskaff eine jährliche Rente von 1630 000 Mark in bei ersten fünf Jahren. In den folgenden Jahres einen bestimmten Bruchieil des Ueberfchuffes de Lotterieverwaltung, aber nicht mehr, als di obengenannte Summe, Der Referent empsah Annahme der Vorlage und zwar in einmalige
„Mein Vater? Er liebt Dich wie seinen Sohn Sicher will er nur unser Glück."
Felix seufzt. Ein dunkles Etwas steht zwi scheu ihm und Irma. Soll er ihr seine Befürchtun gen mitteilen? — Ach, er kann keinem Mädchen am wenigsten der Tochter seines Wohttäters, Her; und Hand bieten, ehe er daS Geheimnis, daS übe dem Verschwinden seines Vaters liegt, ergründe hat. Irma mißdeutet sein Schweigen.
„Du bezweifelst doch nicht, daß Papa unfei bestes will? Für mich gibt es in dieser Angelegen beit nur eine Frage. Wenn Du mich liebtest, hättef Du nicht soviele Bedenken." ,
„Meine Bedenken — soll ich Dir diese mittet, len? Aber erst muß ick wissen, daß Du mich vor ganzem Herzen liebst. In Dir verkörpert sich mer> Begriff von irdischem Glück. Sollte ich auf Dia verzichten müssen, dann wäre mein Leben nur nock eine Oede. Ich weiß nicht, wie ich es trage, könnte." . _ „ .
„Warum sprichst Du so traurig? Es druck' Dich ein Kummer. Sag mir alles I"
Eine Weile zögerte Felix, dann begann et z, erzählen, wie er sich in der Fremde an den Ge danken gewöhnt hatte, daß sein Vater tot sei, wir derselbe ganz aus seinen Plänen und Zukunft? bildern verschwunden war. Und nun berichtet» er die Begegnung mit dem Fremden ganz genau verheimlichte auch nicht den ungünstigen Ein druck, den derselbe auf ihn gemacht hatte.
„Schon hatte ich die Begegnung aus dem „He lioS" fast vergessen, da traf ich vor einigen Wockek wieder mit demselben Manne zusammen.
hatte einen Geschäftsfreund Deines Vaters, bet mir wichtige Papiere übergeben sollte, in bat Hotel „Oriental" begleitet und kehrte eilends zu rück, denn die Angelegenheit drängte. Am Em gange des Hotels stieß ich mit einem Fremden zu sammen: es war Forster. Ich erkannte ihn auf den ersten Blick, obwohl er den Bart kurz geschoren trug und auch sonst in Einzelheiten verändert war Ich redete ihn an und hielt ihn am Arme fest Die Begegnung schien ihm sehr unwillkommen doch trat er, wahrscheinlich um kein Aufsehen M
„Wie willst Du mich denn haben? — Soll ich vielleicht bas rote wollene Pferdegeschirr mit den veoen cinpa. gelben Glöckchen hervorsuchen, mir umlegen, und I Vater für Dich bat.
Deutsches Reich.
Berlin, den 13. Januar 1906.
Das letzte Unwohlsein des Kaisers hat "IN allerlei Kombiu llionen, in erster Linie in Börsenkreisen, Anlaß gegeben. Die ,9L mil.- p.-.l Korr/ ist in der Lage, miUuteilen, daß der G'sundheitszustand des Monarchen zu keiner Zeit so Yen beunruhigenden Kombinationen irgendwelche Berechtigung gab. Wie immer, wenn der Kaiser auch nur von einer unbedeutenden Erkältung diesmal einem gewöhnlichen Schnupfen) befallen ist, wird ärztlicherseits auf besonderen Wunsch der Kaiserin Bettruhe angeordnet. Erst •auf dringende Bitten feiner Gemahlin und seiner (Umgebung fügt sich bann bet Kaiser ber Not» fwenbigkeit solchen osfiziellen Krankseins.
• Die bevorstehende Ueberftebelung des Kronprinzen - PaareS von Potsdam nach Berlin hat einigermaßen überrascht, da ber Kron- ■ irinj unb bie Kronprinzessin ursprünglich bie Ab- fickt litten, ben Winter im PotSbamer Stabt- chloffe zuzubringen, baS zu diesem Zwecke in Diesem Monate einer gründlichen Ausbesserung unterzogen worden ist. Die Amderung der Entschließung hängt, wie es heißt, damit zusammen, daß die Kronprinzessin sich in der Tal während :ber letzten Monate nicht besonders wohl gefühlt hat. Die Kronprinzefsin hat, so erzählte man sich feit längerer Zeit in den dem Hofe nahestehenden Kreisen, namentlich in ben besonders kalten Tagen, i>ie ber Winter uns zeitweise brachte, unter bem ^ungewohnten nordischen Klima unb bem Mangel gewohnter häufiger Bewegung im Freien gelitten. Auch scheint es, daß daS Marmor-Palais, wo das Kronprinzen - Paar nach seiner Vermählung fein Heim aufschlug, leider seinen ölten Ruf von । «'m bewährt hat, kein gesunder Aufenthalt zu (fein. So ist wohl von ärztlicher Seite der Kron- <Prinzessin geraten worden, Potsdam während der iSBintermonate ganz mit Berlin zu vettauschen. ,Die Ueberftebelung war bähet auch bereits vor s bem Weihnachtsfeste geplant, mußte aber bis zur ! Vollendung der Renovierungs - Arbeiten im Berliner Palais aufgeschoben werben.
Neber das Befinden deS Staatssekretärs Freiherrn von Richthofen ist gestern abend folgendes Bulletin ausgegeben worden: „Fort- schulte in der Aufhellung beS Bewußtsein- bauern an; bie noch immer erhöhte Temperatur ist in einer entzündlichen Verdichtung deS Unter» lappens der rechten Lunge begründet. Tem- .peralur 39,1, Puls 116, Atmung 28 Nahrungsaufnahme wesentlich gebessert. Weitergehende Nachrichten lauten dahin, daß die Besserung im Befinden des Staatssekretärs auch am Samstag angehalten hat, so daß bie Hoffnung auf eine Wiederherstellung nicht ausgeschlossen ist. Außer ben bereits mitgetedien Sympathie-Aeußerungen ist auch eine freunblich gehaltene Äunbgebung des schweizerischen Bundesrats beim Auswärtigen Amt eingefroffen.
Drei neue Marinetafeln sind demReichs- tage vom Kaiser überwiesen worden. Sie ftam nen au8 dem Dezember vorigen Jahres unb find vom Kaiser selbst gezeichnet. Die Tafeln bringen die Schlachtflotten Frankreichs und der Vereinigten (Staaten von Nordamerika und um« fassen bie Linienschiffe, bie Panzerkreuzer, bie Küstenpanzerschiffe, bie Panzerkanonenboote, die Kreuter 1. 2. und 3. Klaffe unb die geschützten