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M 10.
Fulda, Samstaa, den IS. Januar 1906.
33. Jahrqana.
*, Die wertzuuachssteuer als Kreis3 steuer.
Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Ter dem Abgeordnetenhause vorliegende Ent- Wurf zu einem Kreis- und Provinzialabgabengesetze. der eine Neuregelung des gesamten Kreissteuerrechts und eine Vereinheitlichung desselben auf der Grundlage des Gemcindcabgabenrechts anstrebt und zugleich dem Provinzialabgabcnrecht eine diesem System entsprechende Basis sichern will, sieht im § 6 auch die U m s a tz st e u e r als Kreisstcuer vor. Er will den Kreisei, die Möglichkeit geben, auf den Erwerb von Grundstücken eine Steuer, eben die Umsatzsteuer, zu legen.
In der Begründung des Gesetzentwurfs wird die Einführung einer solchen Steuer mit der Not- vendigkeit niotivicrt, den Kreisen eine wirksame reue indirekte Steuerguelle zur Entlastung der hoch angespannten direkten Krcissteuern zur Verfügung zu stellen. Da die Hauptgründe der Belastung der Kreise im Wegebau zu suchen sind, lag es nahe, die neue Steuerguelle in eine engere Beziehung zu der durch den Wegebau geschaffenen Wertsteigerung des Grundbesitzes zu bringen. Nach der Begründung erfüllt die Steuer vom Besitzwechsel bei Grundstücken, welche namentlich in der Nähe größerer Städte, industriell sich entwickelnden ländlichen rOtschaften und in Gegenden mit lebhafter Entwickelungstätigkeit Ertrag verspricht und welche die durch die Wegeverbesserungen entstehende Wertsteigerung des Grundbesitzes für den Kreis mit in Anspruch nimmt, diese beiden Erfordernisse.
Der letzterwähnte Gesichtspunkt kommt aber in der Regierungsvorlage nicht rein zur Geltung. Tie Umsatzsteuer soll auch in solchen Kreisen zu- gelassen werden, wo die Wegeunterhaltung und der Wegebau hauptsächlich von den Gemeinden ausgeführt wird, ebenso in solchen Kreisen, Hie fern abliegen von den größeren Verkehrsstra- fjen und wo die Grundstücke durch Wegebau oder durch sonstige allgemeine Einrichtungen in keiner Weise einen Wertzuwachs erfahren. In solchen Kreisen würde die Umsatzsteuer vielfach als Härte empfunden werden.
Der Gesetzentwurf sucht allerdings dieser Harre durch die Bestimmung zu begegnen, daß eine Abstufung der Steuersätze, insbesondere auch nach Kreisteilen, zulästig fein soll, aber diese Bestim- mung erscheint nickst als ausreichend. Andererseits scheint die Regierung selbst der Ansicht zu sein, daß die Umsatzsteuer in ihrer reinen Form nicht den Interessen aller Kreise entsprechen würde, denn in der Begründung wird ausgeführt, daß die gesetzliche Festlegung eines Höchstsatzes für die Kreisbesteuerung bedenklich sei, „da sich verschiedene Arten deS Steuermaßstabes, z. B. eine Besteuerung nach dem gemeinen Werte oder eine Elche nach dem Wertzuwachse (Konjunkturgewinn) nken lasten und Begrenzung des Steuersatzes diesen verschiedenen Möglichkeiten nicht gerecht toerten könnte."
Wir finden keinen Grund, den in diesen Bemerkungen liegenden Gedanken rein und streng in dem Gesetze zum Ausdruck zu bringen und damit alle Bedenken gegen den an und für sich zweifellos richtigen Gesichtspunkt der Negierung, den Wertzuwachs bei Grundstücken, der oft eine erhebliche Höbe erreicht und auf Verbesserungen mit zurückzuführen ist, die die Allgemeinheit des Kreises getragen hat, zur Steuer für die Kreise Heranzuziehen, zu begegnen. Unseres Erachtens Seschieht das in richtiger und ausreichender Weile urch den Antrag, den der Zentrumsabgeordnete
Dr. König (Krefeld), unterstützt von dem Abg. Grafen Praschina in der Kommission für die Beratung der Steuergesetze eingebracht hat. Der Antrag will nur eine Steuer auf den We rtzu- w a ch s bei dem Erwerb von Grundstücken zulasten. Damit wäre das beseitigt, was jetzt an dem Regierungsentwurf als Härte empfunden wird, und die Steuer würde nur diejenigen Teile treffen, welche sie in gerechter Weise tragen müßten und könnten. Von dem, was sie ohne ihr Zutun erworben haben, können sie wohl auch eine Steuer entrichten. Wir möchten glauben, daß mit diesem Antrag ein Weg gefunden ist, der in gerechter Weise die notwendige Erleichterung für die Kreise bringt. Die technische Durchführung der Maßnahme steht außer Zweifel, nachdem verschiedene Kommnnen bereits mit der Einführung einer Wertzuwachssteuer vorgegangen sind.
In der ersten Lesung der Steuergesetze in der Kommtsjion hat der Antrag nicht die Mehrheit der Kommistionsmitglieder auf sich vereinigt. Wir geben uns indessen der Erwartung hin, daß bei weiterer Erörterung der Angelegenheit die Vorzüge des Antrags in ein helleres Licht treten und bet Antrag selbst weitere Freunde gewinnen wird.
Deutsches Keich.
Berlin, den 12. Januar 1906.
\ Kein Gericht nm Kaisersgeburtstage. Der Geburtstag des Kaisers wird in diesem Jahre zum erstenmale für sämtliche Justizbeamten der Monarchie ein Feiertag sein. B sher fielen nur die öffentlichen Sirunaen an Kaisers Geburtstag aus. Der neue Justizminister Dr. Be- seler hat indessen angeordnet, daß sämtliche Bureaus der Justizbehörden am 27. d. M. geschloffen sein sollen. Für dringende Sachen bleibt dagegen die Einrichtung des sog. Sonntags- dien ües bestehen.
** Heber das Befinden des Staatssekretärs Frhr. v. Nichthosen lautet das letzte Bulletin; „Die Aukhellung des Bewußtseins schreitet fort. Das Allgemeinbefinden ist den Umständen entsprechend befriedigend " Aus Hof- und Geiell- schastskreifen ergeben täglich zahlreiche Erkundigungen nach dem Befinden des Kranken. Der Kaiier läßt sich telegraphisch darüber berichten und hat auch durch fernen Leibarzt Dr. Jlberg Erkundigungen einziehen lasten Dem Auswärtigen Amt find zu der Erkrankung hes Smatstekretärs viellache Beweue der Teilnahme des Auslandes zugegangen. Der König von England und die Regierungen Graßbrstanniens und der 93.reinigten Staaten von Amerika ließen Erkundigungen einziehen. - Die auswärtigen Minister Italiens und Japans ließen ihre Sympathien ausdrücken.
* Zur Marokko-Konferenz gibt die ,Norbd. Allg. Zig.' an der Spitze rhrer „Rund chau im Auslande" eine Mitteilung des ,New - Dörfer Herold' wiiDer, die eine Aensternng des Reichskanzlers über die sried'eriige Gesinnung des K iiers enthält und die Hoffnung zum Ausdruck r ngt. daß die Konferenz von Erfolg gekrönt tein werde, da Deutschland feinen Vorteil suche, Oer nicht auch allen anderen zugute kommen wü'.de — Der Berliner Korrespondent des .Nerv Dort Herald' erklärt sich für ermächtigt, die nachfolgendeÄeußerung desReichskanrlers Fürsten Bülow zu veröffentlichen: „Weder Se. Majestät der Kaiier noch irgend jemand in Deutschland denke daran, auf die Vertreter- Frankreichs den geringsten Druck autfiten zu
Ein Schallen aus dm Wr
12}
Son H. Catalina.
(Nachdruck Verboten.)
6. Kapitel.
Zur bestimmten Zeit bezog die Familie ihr Landgut. Ganz einsam liegt der Wohnsitz in der «eiten Ebene. Wohin daS Auge reicht, keine menschliche Wohnung. Selbst die auf dem Gute zerstreuten Hütten der Wirten sind soweit voneinander entfernt, daß man nur die dunkle Maste der sie umgebenden Bäume in weiter Entfernung bemerkt. Endlos zieht sich die Steppe dahin. Ost schon hat man sie mit dem Meere verglichen. Aber daS Meer in seiner ewigen Wellenbewegung erscheint lebendig gegen die starre Einförmigkeit der argentinischen Steppe. Und doch lieben die Steppen söhne ihre Heimat wie der Seemann das Meer und der Aelpler die Berge. Dichter besingen ihre majestätische Unendlichkeit; im Her- zen deS scheidenden Bewohners bleibt eine ewige Sehnsucht zurück. Nirgends ist die Welt so weit, der Blick so ungehemmt, die Lust so rein, so lind, wie auf der Steppe.
Für Irma und Felix knüpften sich selige Sintererinnerungen an jede Baumgruppe, jede Cister- *£• jede Laguna; hatten sie doch manch' schönen -ommer auf „Santa Mathilde" zugebracht. Das ^?b"baus war geräumig, lustig, ganz nach der rne des Landes gebaut. Säulenhallen umgaben
°n allen Seiten und bildeten einen schattigen ?5;ln2lL um das Haus. Eine breite Halle nnhwr?l»i des Hauses von einem Ende zum VnSkSSL und links lagen die Gemächer.
Glastüren konnte die mitt- t werden, sodaß sich in der em geschlossener Sal bildete. Hier war es je“ P-*} deibesten Tagen angenehm kühl. Eine M06?* Stockwerk, das die «astzrmmer enthielt. Im Hintergründe des Hofe» -
befanden sich gesondert das Wohnhaus des Ver- Walters und landwirtschaftliche Gebäude. Ein großer, aber etwas vernachlässlgter Garten dehnte sich vor und neben dem Hauptgebäude aus. Eine schattige Allee Edelweiden führte zwischen Ge- müsebeeten und Maisfeldern zu einem Pfirsich- Wäldchen, das einst das Entzücken der Kinder gebildet hatte. Alle Gärten und Felder, die das Haus umgaben, waren von einer starken Umzäunung geschützt. Ein Tor, das abends ver- schlosten wurde, verwehrte ungebetenen Gästen den Zutritt.
Luxus, wie wir ihn auf dem Landgute eines Millionärs erwarten, finden wir hier nicht. Alles ist behaglich eingerichtet, alles in gutem Zustande, alles atmet geschmackvolle Einfachheit. Den Luxus bannt ter Argentinier in die Stadt, draußen auf einer Steppe will er frei sein, namentlich von der Last der Repräsentation. Dort will er seinen Wohlstand auf patriarchalische Weise genießen. ohne ihn andern gleichsam in die Augen drängen zu muffen.
Ernst Wildner hält es gewöhnlich nur wenige Tage in der ländlichen Stille und Einsamkeit aus; dann zieht es ihn zu feinen Geschäften zurück. Frau Mathilde sorgt unermüdlich für den Haushalt, während Irma ihren Schönheitssi rn betätigt und die Räume mit hundert niedlichen Kleinigkeiten zu schmücken sucht. Gemeinsam wenden sie dem Blumengarten ihre Fürsorge zu. Irma voll Feuer und Energie, Frau Mathilde mit stiller Resignation. Sie weiß, sobald sie den Rücken kehrt, reißt die alte Unordnung wieder ein. Tüchtige Gärtner bleiben nicht in dieser Einsamkeit, und die Leute, die für die Gemüsegärten zu sorgen haben, meist Italiener, kümmern sich nur in ihrer Weise um die Blumen. Nach Anweisung wird gesät und gepflanzt; dann aber — da ter Verwalter sich nicht darum kümmert und keine Frauenhand die Blumen pflegt — läßt man alles wachsen und wuchern, wie die Natur es fügt. Eine Blumen- wildniS ist ter Garten, und gewiß ist et auch so schön.
wollen, ter geeignet wäre, die nationale Würde Frankreichs zu verletzen. Auf der Konferenz soll es weder Sieger noch Bepegte geben. Deutschland verlangt für alle Staaten gleichmäßig freie Zulassung zu den taufmättnheben Unternehmungen in Marokko, offene Tür für alle Märkte, und wenn m n dielen Grundsatz annimmt, dann hoffe ich. daß die Konferenz von Erfolg aekrönt sein wird. Deutschland sucht keinen Vorteil, der nicht allen zuaute käme."
Eine Interpellation betreffend die Beaufsichtigung von katholischen Geistlichen durch Behörden ist vom Abg. Roeren Ztr.) tm Abaeordnetenhause soeben einaebrachl worden. Dieselbe lautet: „Durch die Gerichtsverhandlung zu Trier vom 30. Oktober bis 2. November von en Jahres in der Prozeßsache Faßbender und von «effeler gegen Foltert und durch oetithiebene andere in letzter Zeit bekannt gewordene Vorkommnisse ist festgestellt. daß über Das Verhalten her katholischen Geistlichen leitens der Polizei und der lokalen Ve:waltungs- oigane eine besondere Kontrolle geüot und geheime Akten geführt werden. Die königliche Staatsregierung wird ei lucht anzugeben, ob dieies Verfahren auf behördlicher Anordnung beruht und wie dasselbe gerechtfertigt werden soll.«
* Eine Nachweisung der von der Staatsforstverwaltung beschäftigten Arbeiter: der Löhne, Arbeitszeit, Krankenversicherung, Betriebsunfälle u. s. w. ist dem A bgeord ne tenhause zngegangen Die Gesamtzahl der Arbeiter betrug 156 772. Die Arbeitslöhne betrugen bei den in TaaeloHn beschäftigten Arbeitern im Sommer für Männer 1.52 bi« 2 63 W., für Frauen 0 84 bis 1.60 Mk., für jugendliche Arbeiter 0 66 bis 1.44 Mk. Im Winter betrugen die Arbeitslöhne für Männer l 23 bis 2.48 Mk, für Frauen 0.64 bis 1.45 Mk. Die durchschnittliche Arbeitszeit betrug im Sommer 9.9 Stunden, int Winter 8.06 Stunden. Im Staatslohn verdienten die Arbeiter int Sommer 1.78 bis 3.37 Mk, int Winter 1.45 bis 2.93 Mk. Gegen Krankheit versichert waren bei ten forstfiskalischen Betriebskrankenkasfen 10485 Arbeiter, bei den Ortskrankenkassen oder der Geine'ndekrankenver- sicherung .39 501 Arbeiter. Freiwillig versichert waren 9518 Mitglieder. Die Gesamtzahl ter Unfälle 1829. Davon 39 tödlich. Für die Krankenversicherunaen wurden vom Fi-kus auf« gewendet 40501 Mk., für Entschädigungen in Betriebsunfällen 44»! 253 Mk. Außerdem wurden an freiwilligen Unlerstützungen bezw. aus dem Gnadenpensionsfonds 25400 Mark gezohl.
* lieber „Dr. Barth und die Sozialdemokratie" fchreibt die .Freie Deuttche Presst: „Der neueste Kotau Dr. Barth's vor der Sozialdemokratie aus Anlaß der Wahlrechts-Demonstrationen stäikr nur das Selbstgefühl der roten Genossen und veanlaßt sie, die national-sozialen Elemente der freisinnigen Ver- einiaimg noch rücksichtsloser und ruppiger zu behandeln als bisher. So schreibt ter .Vorwärts" in einer Polemik mit dem Hirsch-Duncker- ichen „Gewerkverein", in der er frech leugnet, daß überhaupt irgend eine büraerliche Partei ehrlich für ten Aushau des Wahlrechtes streite:
„Es ipiid)t für die jeder Romantik abholde, fühle und überlegende Art des deutschen, spe<iell des Berliner Arbeiters, daß derselbe jedem Techtel - Mechtel, besonders
Jeden Morgen machen Irma und Felix einen Ritt über die weite Steppe, meist abends wieder. In ten heißesten Tagesstunden zieht man sich zur Ruhe zurück. Die noch übrige Zeit füllen Musik, Lektüre, kleine Liebhabereien. So durchwandert Felix jeden Tag die Ställe der feinen Zuchtschafe; die alten kennt er alle nach Namen und Stammbaum. Mancher stattliche Ramboiiillet-Bock mit gewundenen Hörnern und unzähligen Falten am Halse ist in den letzten Jahren binzugekommen und wird,nach Gebühr bewundert. Diele Stunden mich bringt Felix am nahen Bache zu, nm Fische auf die Tafel zu liefern.
Irma überwacht den Gühnerhof, wo es jetzt von Kücken wimmelt. Mit eigener Hand streut sie dos Futer aus und unterhält sich mit ihren Vflealingen wie in den Tagen der Kindheit. Der Friede, der auf ter weiten Ebene liegt, scheint sich auch in die Herzen zu ferr-n. Herr Wildner, von dem alten Waldmann humpelnd begleitet, macht mit zufriedener Miene seine Rundgange durch Ställe und Gärten und Felder. Die Hände auf dem Rücken gekreuzt, pfeift er leise vor sich bin: ein Zeichen der behaglichste» Stimmung. Frau Mathilde lächelt, wenn sie es hört. Pfeift er je in Flores oder in der Stadt?
Frau Mathilde ist glücklich, ihre Lieben den ganzen Tag um sich zu haben und sie mit ihrer liebenden Sorge gleichsam umweben zu können.
Felix wird munter, gesprächig; seine Augen leuchten wieder in ihrem eigentümliche», milden Glanze. Erinnerungen an die Kinderjahre, an manchen mit Irma verübten losen Streich werden wachgerufen, verherrlicht und unter frohem Lachen wieder und wieder erzählt.
„Weißt Du noch?" fo leitet Irma die seligen Erinnerungen ein. Sie ist dis glücklichste der Familie, wenigstens diejenige, die das Glücksgefühl am lebhaftesten empfindet. Dennoch fehlt etwas; sie ist zuzeiten nachdenklich; endlich kommt sie zu der Ueberzeugung, daß Felix etwas vor ihr verberge. Aeiißerlich ist er heiter, geht auf ihre (Unfälle ein. ist immer zur Hand: aber fein Innen-
mit dein weiblichen Freisinn, aus dem Wege geht, der seinerseits trotz dieser Ablehnung immer wieder kokette Blicke nach einen so willkommenen Liebhaber wirst “
Auch vielen neuen Fuß»nit werden sich die freiwilligen Schleppenträger der Sozialdemokiatie gern geraden lassen.
" Berlin, 12. Jan. 1906. PrinzJohann Georg von Sachsen wird am 27. d. M. in Berlin eintreffen, um als Vertreter des Königs Friedrich August an der Kaiser-Geburtstagsfeier teilzunehmen. — Der Großhcrzog von Sachsen-Weimar wird Ende dieses Monats nach Ablauf der Trauer um seine im Januar vorigen Jahres verstorbene Gemahlin eine Reise nach Indien antreten. — Der japanische Vertreter am hiesigen Hofe, Herr JnouyS, machte gestern dem Reichskanzler einen Besuch, um ihm seine Ernennung zum Botschafter anznzeigen. — Der Bundesrat hat nach einer offiziellen Mit- teifung einen Ausschußantrag zu den Entwürfen des Warenver zcichnisses und anderer Ausführungsbestiminungen zum Zolltarif angenommen. Wie der „Verl. Lokalanzeiger" mitte! lt, hat ter Bundesrat außerdem die Novelle znmBörsengesetzinder Fassung der Reichstagskommission angenommen. Man rechne in Bundesratskreisen mit Bestimmtheit darauf, daß der Reichstag nunmehr die Vorlage glatt und schnell annehmen werde.
Parlamentarische Nachrichten.
\ Der Seniorenkonvent des Reichstages trat vor Beginn der heuiigen Plenarsitzung zu einer Beprechung zusammen, bei der Präsident Graf Balle st rem Mitteilung von dem Ein- gonge eines Sch reibens des Reichskanzlers machte, worin hem Reichstage von der Bildung ter von diesem gewün'chlen Komm.ssion zur Untersuchung bet Landkonzessionen Kennt- nis geaeben wird. Dieser Kommission werden eine Reihe von Sachverständigen anaehören, außerdem Vertreter der befreffenben Landes- ge'ellschaften, denen indes eine Mitgliederelgen schäft nicht zusteht. Der Reichstag wird 14 Mitglieder in diese Kommission entsenden, deren Auswahl nach der üblichen Bemeffungsgrundlage für die Kommissionen erfolgt. In Bezug auf die Reihenfolge der im Plenum zu verhandelnden Gegenstände wurde in Aussicht genommen, zunächst möglichst alle ersten Lesungen von Gesetzentwürfen auf dre Tagesordnung zu setzen, bevor man an den Etat her« antritt. Als besonders dnnglich, weil mit Dem Diesjährigen Etat zusammenhängend, wurden bezeichnet daS Gesetz über die Naturalleistungen, den Servistarif, das Gesetz über d n Wohnungsgeldzulchuß und ten Jnvalidenfonds. Außerdem sollen erledigt werden die Nachtragsetats für Ost- und Südwestafrika, ferner die beiden Zoll« geietze (Statistik des Waarenvertehr^ unö Ein- fuhrscheine), außerdem die Eisenbahn von Saala nach den Ma uengu b a b ergen. Demnächst weiden die M« litä rp ensionsgesetze, das Urheberrecht, das über die Hilfs kaffen, das Baugewerbe und ter Versicherungsvertrag zur ersten Lesung gelangen. Einer Anregung über den Seniorenkonvent entsprechend werden künftig die in der Geschäftsordnung vorgesehenen Schwerinstage regelmäßig statt- find n; man hofft hierdurch zu vermeiden, daß hie Initiativanträge, wie in den letzien
leben ist ihr verschloffen. Das fühlt sie instinktiv und leidet darunter; dieser Stand der Dinge widerstrebt ihrer offenen Natur und sie ist entschlossen, sich Klarheit zu verschaffen.
„Kinder, Ihr könnt mir einen Gefallen tun," sagte Frau Wildner eines morgens nach dem Frühstück.
„Recht gern, Mama I Was soll es sein?"
„Wenn ihr gegen Abend ausreitet, könntet ihr Montero, den Hirten, mit seiner Mutter und seiner jungen Frau zum Weihnachtsbaum einladen. Ich habe es den Hirten allen gelegentlich sagen lassen; aber Montero wohnt am äußersten Ende der Estancia; wer weiß, ob der Auftrag dort richtig bestellt wird, ich möchte namentlich die alte Frau, die einst in meinem elterlichen Hause diente, nicht vergessen haben. Sie wird es euch hoch anrechnen, wen» Ihr bei ihr ankehrt. Nur müßt Ihr Euch zeitig aus ten Weg machen. Das Gewitter der letzten Nacht hat die Temperatur abgeküblt und der Regen den Staub niedergeschlagen; somit ist es ein Vergnügen, den täglichen Ritt etwas weiter auszu- dehnen. Felix, erinnerst Du Dich noch, wo Mon- tero wohnt?"
„Gewiß, Tante Mathilde, ich kenne jeden Pfosten und jeden Brunnen auf der Estancia, geschweige denn die Ranchos (Rancho, Lehmhütte mit Strohdach) der Hirten. Aber vielleicht findet es Irma zu weit; in diesem Falle" . . .
„Zu weitl Felix, Du beleidigst mich!"
Zeitig des Nachmittags bestiegen Irma und Felix ihre nicht schönen, aber klugen, zahmen, ausdauernden Reitpferde, struppige Tiere der Steppe. Mit unbeschlagcnen Hufen jagten sie über die Ebene in wildem Galopp. Irma saß wie angegossen im Sattel. Schon als Kind von vier Jahren war sie auf ihren Ponny geklettert und ohne Sattel, die lange Mähne als Zügel benützend, im Hofe umhergeritten. Nun galoppierte sie als vollendete Amazone über die Steppe, daß Felix ihr kaum folgen konnte. Ein dichter Schleier hielt als einzige Kopfbedeckung ihre Haare zurück und schützte gegen Staub und Sonne. Kein engan-