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trftetnr täglich, mit gusrobmt der Sonn» Muttertage, viertel» jifrl. keznaepreir •frre Brinaerlobn und Bef et eelfr in Suita an» Wtsuärts’ffif 5» psg-

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Hotationsorud u. Verlag «er » nldaer Ar> tientruaerei tu Suiba. .Sernfpre her Nr. 1.

33. Jahrqana.

Fulda, Donnerstaa, den 11. Januar 1906.

M 8.

(Erlies "2:UatL

Deutsches Reich.

Berlin, den 10 Januar 1906.

(*) Staatliche Diözesanbeihilfe. Der preußische Etat lür 190fi enthält bet Kapitel 115folgendes: fcUm bie Verwaltung der Diözesen entsprechend dem im Lause der Zeit pack gesteigerten Bedürf- Ittsfe auszustatten, bedarf es der Aufwendung so ibedeulender neuer M ttel, daß es in manchen Dtöteien als sehr drückend würde empsunden «erden, wenn der Mehraufwand ausschließlich .durch D i ö z e ja n st e u e r n gedeckt werden müßte. Wenn daher auch grundsätzlich daran festzuholten -ist, daß di staatlichen Dotationen der Bistümer geschlossen sind, fo wird es doch als angezeigt erachtet werden bürten, zur tunlichsten Vermeidung solche» Druckes ausnahmsweise durch (Bewährung Dviderruflicher Beihilfen aus Staatsfonds in hem unter Titel 14 und 15 bezeichneten Maße mit» zuwirten. Es sollen hiernach staatssetiig gewährt «erden:

a) Zur Erhöhung der Gehälter der Bischöfe von Hildesheim (bisher 14,183 Mk. 36 Pfg.), Osnabrück (bisher 12,333 Mark 32 Pfg.) und Fulda (bisher 13,405 Mark 72P,g.) auf den Betrag von 18,< 00 Mark, zusam­men 14,077 Mark 60 Pfg.

b) Zu Resten für 12 Bischöfe je 20o0 Mark, für 9 Weihbtschöfe und 3 Delegaten je 10 0 Mark, zusammen 36,000 Mark.

c) Tie Dignitäre (Dompropst und Domdechant) in Gnesen Polen, Breslau und Köln sollen 7500 Atark, in den übrigen Diözesen 7()00 Mark Gehalt erhallen. Die Domherren erhalten 5> 00 bezw. 4ä(>0 Mark.

d) Zu 'onftigen Bedürfnissen der Diözesanver- waltungen itt ein Mehrbetrag von 1»5,sh Mark eingesetzt, davon entfallen auf Fulda 3 3,537 Mk.

* Der frühere Minister der öffent­lichen Arbeiten v. Thielen ist Mittwoch Nachmittag gestorben. Die sämtlichen Berliner Blätter bringen ihm ehrenvolle ^iachruse. Minister Karl von Thielen ist am 30. Januar 1832 zu Wesel gebaren. Er studierte in Bonn und Berlin die Rechte, wurde 1860 Regierungsassefsor in Arnsberg uni) war dann kurze Zeit Mitglied der Regierung IN Koblenz. Im Jahre 1881 wurde v. Th elen Präsident der Eisenbahndirektion Elber­feld/ 1887 siedelte er in gleicher Eigenschaft nach Hannover über. 1891 wurde er anstelle May­bachs zum Minister der öffentlichen Arbeiten er­nannt, welchen Posten er bis zum 23. Juni 19« »2 inne Halle. 1900 wurde ihm der Adelstiiel ver­liehen.

% Das Befinden des Frhrn. v. Richthofen hat sich, wie wir liören, derart verschlimmert, Paß mrt dem baldigen Ableben des Patienten zu rechnen ist. Jede Hoffnung auf Wieder- g.ne'ung scheint ausgeschlossen. Der Kaiser Hot den neuen Generalarzt Schjerning beordert, von Zett zu Zeit bei dem Kranken vorzrrsprechen. — Ueber die Erkrankung des Frhrn. v. Rrchihofen bringen Berliner Blätter folgend« Einzel­heiten: „Der Schlaganfall war nur leichter Natur; der Kranke fühlte sich, als er in kleiner Gesellschaft verweilte, plötzlich an Händen und Füßen gelähmt, war aber sonst bei voller Be-

Ci» Schaffen nuf dm Mk.

Don H. Catalina.

10] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

5. Kapitel.

Nach wenigen Minuten rollte der elegante, offene Wagen Wildners der Stadt zu. Die Freude des Wiedersehens verscheuchte für den Augenblick jeden anderen Gedanken. Fragen und Antworten kreuzten sich, unterbrochen von Ausrufen der Ver­wunderung über die vielen Veränderungen, die Felix mit offenem Auge wahrnahm. In diesen vier Jahren war in der Näbe des Hafens -in neues Stadtviertel entstanden; wo damals Ge­müsegärten und grüne Rasenflächen sich ausge­dehnt hatten, zogen sich Straßen hin mit endlosen Häuserreihen.

..Was wirst Du erst über die Avenida de Mayo sagen? War sie schon begonnen, als Du ab- reifteft? Nun, Du wirst Dich über die Fortschritte wundern."

Der Wagen fuhr nun durch die engen, unan- sehnlichen Straßen der Allstadt und bog endlich in die Plaza Victoria ein, die Felix mit lautem Freudenrufe begrüßte. Wie hatte sich der Platz verschönert! Früher eine ungeheuere Sandsläche, toar er jetzt mit bunten Garteiianlagen bedeckt, der Morgensonne glänzten. Die Kathedrale, das Regierungsgebäude, das Cabildo <5tott)au9) kannte Felix von früher; aber eine vteide ntebriger Häuser auf der einen Seite der Plaza vxrren verschwunden, und an ihrer Stelle erhoben suh Prachtbauten, die sich endlos anciuan- derrechten und in der Avenida de Mayo fortsetzten. Felix, der sich an den strengen Stil des Nordens gewöhnt hatte, fand die meisten dieser Paläste und Hotels grell und aufdringlich in Farbe und Form. Endlich wurden die Häuser einfacher, die Straß«

sinnunz. Am Dienstag scheint sich der Schlag» anfall in ernsterer Weise wiederholt zu haben. Die schwere Erkrankung des Frhrn. v. Rtchthosen indet auch in Reichslagskretsen umsomehr eine aufrichtige Teilnahme, als derselbe sich allgemein einer großen Beliebtheit erneute und weil es bekannt ist, daß der Staatssekretär des Auswärtigen Amts sich auf seinem verantwortungsvollen und aufregenden Posten geistig und körperlich über­arbeitet hat. Es erscheint demnach sehr fraglich, ob Freiherr v. Richt Hofen, auch wenn er die allerseits erwünschte Genesung finden sollte, die Leitung des Auswärtigen Amts beibehalten kann, zumal dieser Posten keine längere Vakanz erträgt und Die völlige Genesung Richthofens jedenfalls längere Zeit in Anspruch nehmen wird.

* Dem verstorbenen Berghauptmann G. Gräff widmet die,Nordd. Allgem. Ztg/ einen längeren Nachruf. Am Schluß heißt es: „Der Staat vertiert in dem Berghauptmann Gräff einen Beamten von umfangreichen Kennlniffen, großer Begabung und nie ve> sagender Arbeits­freudigkeit. SZne in allen Stellungen beteiligte Tüchtigkeit und seine hervorragende pevönliche Liebenswürdigkeit sichern ihm ein bleibendes Andenken."

* Die Kommission des Herren Hauses für die Vorberatung des Gesetzentwurfes betr. bi» Borbereitung d r Beamten für den Berwaltungsdjenst nahm einen Antrag an, wo- n ich in der Reget die Beschäftigung der Referen- bare bei den Amtsgerichten ein Jahr dauern soll. Die Vorlage sah nur eine Beschäftigung von 9 Monaten vor. Der Ressortminister soll aber die Beschäftigungszeit von einem Jahr auf 9 Monate herabsetzen können. Im übrigen wurde an dem Gesetzentwurf keine wesentliche Aenderung vorgenommen.

.. Aus Der dem Reichstage vorgelegten Nebers, cht über die Arbeiterverhültniffe in den Betrieben der Reichsmarineverwaltung heben wir folgendes hervor: Die not male Ar­beitszeit in den Bureaus beträgt 7—8, in in den Betrieben 9—10 Stunden. In die Ar­beitszeit fallen Pausen von insgesamt 25 Minuten. Ueberstunden werden möglichst ver­mieden. Feiertagsdienst wird grundsätzlich ver­mieden und nur ungeordnet, trenn unbedingt erforderlich. Auf Arbeitsstellen, an denen künst­liches Licht nicht verwendet werden darf/wird mit abgekürzter Arbeitszeit gearbeitet. An Ar­beitslohn entfielen A) bei den Arbeitern der Kaiserlichen Werfien für Stundenlöhner 1.27 bis 5.47 M. pro Tag, für Tagelöhner 4.11 M pro Tag, für Monatslöhner 87 bis 149.80 Mark; B) bei den Arbeitern der Kaiser!. Artillerie- und Marinedepots für Stunden- und Tagelöhner 2.41 bis 3.22 M. pro Tag, für Monatslöhner 106.92 M. pro Monat; (J) bei den Hilfs- bedienste en (Techniker, Monteure rc.) 191 Mk. pro Monat. Die Gesamtsumme aller Poll- atbeiter betrug (A, B unb < ) 18260,die Summe bet im Rechnungsjahr 1904 gezahlten Arbeits­löhne 22843716 03 Mark. — An die Arbeiter derpreußischenHeeresverwat'unq (7872) wurden im Jahre 11’04 74661'7 Mark an Löhnen gezah t. 65,9» verdienten unter 100°', 30,8", zwischen 1000 und 15u0 und 3,3£ übe» 1500 Mark pro Jahr.

** Ein Vertrag mit der Schweiz vom 16. August 1905 über die Errichtung deutscher Zollabfertigungsstellen auf den links-

enger, daS Pflaster schlechter; Landhäuser inmit­ten üppiger Gärten tauchten auf.

„Wie viele Millionen auch für die Verschöne­rung der inneren Stadt aufgcwandt wurden, das Pflaster hier draußen scheint dasselbe geblieben zu sein wie ^früher", lackte Felix bei einem sehr un­sanften Stoße des Wagens.

„WaS willst Du, Felix 1 — Hier zu Lairde kommt eben das Neberflnssige vor dem Notwcndi- gen; darein mußt Du Dich wieder fügen."

Der Wagen boa von der Straße ab in eine Eukalvptusallee. Die hohen Bäume wiegten sich im Morgenwinde: das eigentümliche klappernde Gerünsck der langen, lederharten Blätter mutete den Heimkehrenden an wie liebe Freundesstimmcn. Der köstliche Drift, den die harzreichen Bäume aus- strömten, vermischte sich mit dem Wohlaeruche der Gärten und erfüllte die reine, kühle Morgenluft. Endlich winkte das Landhaus Wildners zwischen Palmen und Akazien versteckt. Jetzt hielt der Wa­gen vor dem Gartentore. Durch den von Reben gebildeten Laubgana, der zum Hause führte, schrm- mertc zwischen den Säulen der Vorhalle ein weißes Kleid. Mit wenigen Schritten erreichte Felix dis breiten, steinernen Stufen. Ein Jubelruf — Irma! — war dies schlanke Mädchen in voll auf- blühender Schönheit seine kleine Irma? — Sie streckte ihm beide Hände entgegen. Er zog sie an sich unb küßte sie auf beide Wangen.

„Wie groß bist Du geworden!" sagte er — „und wie schön!" fügte er innerlich hinzu.

„Und Du erst!" sagte sie lachend, um ihre Ver­legenheit zu verbergen, „Dich kennt man gar nicht mehr. So lang und so aufrecht, wie ein echter Aleman! (Aleman — Deutscher.) Komm zu Mama, sie erwartet Dich oben."

Ihre Augen strahlten ineinander. Das Herz war beiden zum Zerspringen voll, darum ocr- stummten die Lippen. Sie traten in das Haus, rind während Irma leicht vor ihm die Treppe hinauf eilte, stickte Felix das Wunder der mit ihr vorgegangenen Veränderung zu fasten. Wie eine Lichtkrone umgab das goldblonde Haar ihr an­

rheinischen Bahnhöfen in Baiei ist dem Reichs­tag zugegangen. Danach sind 4 Abfertigung?« flellen einzurichten zur Abfertigung der übet St. Ludwig nach Deutschland reiknben Personen auf den Personenbahnhöfen S. B. B, eine zweite für den Etlzugverkehr baielbft, eine butte auf dem Güterbahnhof St. Johann für die aus Deutschland kommenden und nach Deutschland gehenden Gütetzüge unb eine vierte auf dem Güterbahnhof Wolf gur_ Vorrevision bet nach Deutschland gehenden Güterzuge. Bisher war nur auf dem Zentralbahn hos eine deutsche Zoll­abfertigungsstelle.

•, Berlin, 9. Ian. 190R. Ter Kaiser empfing gestern den Bildhauer Prosesior Haverkamp und hörte den Vortrag des Chefs des Mitilärkabmelts, Generat- Adjutanien Graf v. hülfen Haeseler Das Unwohtiein des Kaisers febeint also gehoben zu sein. Dagegen mup der Kronprinz infolge einer starken Erkältung das Bett hüten. Auch das Befinden der Kronprinzessin soll manches zu wünschen übrig lassen. Bielleicht spricht hierbei auch der Unniand mit, raß die hohe 'trau den Winter über seit Jahren schon mit ihrer Mutier in Cannes gelebt bat. - Die Kaiserin stattete gestern nachmittag im Kabinettshaus dem erkrankten Prinzen August Wilhelm einen kurzen Besuch ab, um sich üb.r den Krankheitsverlauf zu in,armieren. Das allge­meine Befinden des Prinzen ist befriedigend und gibt vorläufig keinen Anlaß zur Beiorgnis. — Die Ralifi- kationsnrkundenzumd eutsch-bulgarischenHandels- Zoll- und Schiffahrts-Vertrage vom 1. Aug. 1905 find am Dienstag in Berlin durch den Direktor im auswärtigen Amt, Wirkt. Geh. Rat Dr. v. Körner und dem eriien Sekretär der hiesigen fürstlich bulgarischen diplomatischenAgei-t ur, Dr. Schischmanow, ausgewelliselt worden. — Der .Reichsan.eiger' veröffentlicht eine An­zahl Ordensverleihungen an hervorragende aus wärti g e P ersön li ch keilen. U. a. hat der englische Admiral Seymur das Großkreuz des roten Adlerordens mit Schmerlen und Ringen erhalte». Weiterhin hat der spanische Oberststallmeister Marquis de la Mina dis Großkrenz des roten «"lerordeus be­kommen. Verschiedene hohe Orden sind nach Peking gegangen, so der rote Adlerorden 2. Klasse mit Stern für denMinister und erstenVizepräsidenten imMinisterium für auswärtige Angelegenheiten Lien-Fang. — In dem Befinden des erkrankten Freiherrn v. Richthofen ist eineBesserungnochnichteingetreten. Sein Zustand gilt als sehr ernst. Es besiätigt sich, daß Freiherr v. Richthofen eine« Schlaganfall erlitten Hal, dessen Ursache in geistiger Ueberanstrengung zu siichen ist. — Ein Besuch des Fürsten Bülow in Rom sollte nach der Meldung verschiedener Blätter auf Er­suchen der italienischen Regierung bis nach der Konjerenz in Alge.iras vertagt worden sein. Nach der.Nat.-Ztg/ dürfte es sich bei dieser Meldung um ein Mißver­ständnis Handeln. Fürst Bülow hat gar keinen Be­such ankündigen laffen. Die italienische Regierung konnte also nicht in die Lage kommen, einen Wunsch auf Vertagung auszusprechen.

Parlamentarische Nachrichten.

Arbeitsstoff für den Reichstag. Nach der am 8. Januar abgeschlossenen Uebersichl über die Beralungsmaterialien Hal der Reich-lag noch zu erledigen: 29 Vorlagen der Staatsregierung, zur Kenntnisnahme unterbreitet sind " 15 Vorlagen. Initiativ­anträge liegen vor: vom Zentrum 17, von Sozialdemokraten 16, von de» Deutsch-Konserva­tiven unb der Reichspartei 8, von den 9iattonal- liberalen 9, von den vereinigten freisinnigen Parteien unb der deutschen Volkspartei 4, von den Polen 13, von der Wirtschastl. Vereinigung 16, 2 sind endlich von Elsäffern unb l von den Deutsch-Hannoveranern eingebracht. 6 Sachen sind inzwischen erledigt, nämlich Anträge auf Einstellung von Strafverfahren (3), die beiden Nachträge zum Reichshalisetat 1905, der Gesetz- entwarf über die militärische Strafrechtspflege

mutiges, mit Selbstbewußtsein getragenes Köpf­chen; mit natürlicher Grazie wandte sie sich oon Zeit zu Zeit nach ihm um, wie um sich zu ver- gewissern, ob er ihr folge. Dabei blickten ihn die großen, blauen Augen staunend und fragend au. Er erschien ihr so verändert wie sie ihm; die Be­wunderung, die er ihr nicht verhehlte, machte sie verlegen. Um über das Ungewohnte der .Situa­tion wegzukommen, plauderte sie unaufhörlich und lachte das alte, silberhelle Lachen.

„Sieh hier unseren Loro! — Loro, Lorito, da ist Fcklix."

„Felix, Felix," kreischte der grüne Papagei und schlug mit den Flügeln. Felix näherte sich ihm, und das gegen Fremde scheue, ja bösartige Tier setzte sich unter schnalzenden, knarrenden Freuden­tönen, seine» ganzen Wörterschatz auskramcnd, auf den aiisgestreckten Finger seines allen Freundes.

„Siehst Du, Felix! Er kennt Dich noch. Ist das nicht wunderbar?" t

„Felix, queribo, gueridol" quertbo — lieb, geliebt), schmeichelte der Vogel in seinen süßesten Tönen.

„Das ist eine Errungenschaft. Wer hat es ihn gelehrt, Irma!" Aber die Antwort blieb aus.

„Komm zu Mama! Sie erwartet Dich in ihrem Zimmer. Sie hat vor einigen Tagen den Fuß ver­staucht und soll die Treppe noch vermeiden."

„Willkommen, Felix,, mein Junge!" klang es da auch schon durch die geöffnete Türe, und 'unter Tränen begrüßte Frau Wildner ihren Liebling. „Gott fei Dank, daß wir Dich wieder haben! War das eine lange Zeit!"

Sie konnte sich nicht satt sehen an ihrem Pflege- sahne. Sie freute sich über feine männliche Schön­heit, feine Kraft und Gesundheit. Was aber ihrem Herzen am meisten Wohltat, war das instinktive Bewußtsein, bas sie aus seinem ganzen Aeußern, aus seinen schönen, klaren Augen, aus jeder Miene und Bewegung in sich etnsog: Er ist ein guter Mensch geblieben.

Felix trat auf den Balkon und blickte über den

im Kiautichougebiet, der Gesetzentwurf über die .Handelsbeziehungen zu England unb endlich Der i'ulgarijche Handelsvertrag. Von den noch zu erleb i genben Vorlagen betrifft Die eine die Abänderung mehrerer Reichstagsivahlkrcise. Ferner gehören hierher: der Etat mit Anl gcn, bas., Etatgesetz, bie Novelle zum Gesetz über die Bewilligung von Wohnungsaelbzuschüsten, ber Geietzentwliif über die Einlastung des Reichs- invalibenfonds, bie Milnälpensionsgeietze, die Entwürfe über den VersicherungsveiUag, über den Unterstützungswohnsitz, über die Htliskafsen, über das Urheberrecht an Werten der bfbenDen fünfte und der Photographie, eine Illovelle zum Getetz übet die Statistik des Warenverkehrs, Der Entwurf über Die Ausgabe von Reicksbanknoten zu 50 Mk. und 20 Mk, ber am 17. September 1904 im Haag unterzeichnete Nieberlassungsoer- ttag nut ben Niebeilcmben, die Novelle zum Getetz über bk Naturalleistung für die bewaffnete Macht >m Fiieben, ber Gesetzentwurf übrr ben Servistarif unb bie Klasseneinteilung ber Orte, bie Novelle zur Gewerbeordnung, dritte und vierte Nachträge zum Eiat 1905, der Gesetzent­wurf über die Wertbestimmung der Enßuhr- scheine im Zollverkehr, der Geiehentwurf betr. Uebernahme einer Reichsgarantte für eine Eisen­bahn von Duala nach den Manengubabergen, der Vertrag über die Zollabfertigungsstellen tn Basel. Der Rechnungskommission sind eine Reihe von Rechnungen bereits überwiesen, ins­besondere für bie Schutzgebiete. Tie Inter­pellation über die Höh' der Fleischpreise ist be» kannilich noch nicht erledigt. Außerdem lieg; bie Interpellation Roeren betr. den Duellzwang im Heere vor.

§ Die Bndgetkominission des Reichstags beriet heule ihr überroieiene Teile des Etats ber Reichspost- unb Telegraphen-Verwaltung. Auf eme Anfrage des Abg. Dr. Bachem (Zcnlrum) machte Staatssekretär Rrätte Mitteilungen über bie Rentabilität ber einzelnen postalischen Ein- richtungen. Bei dem Titel (Porto- und Tele- grammgebühren" wurde von selten des Zentrums eine Resolution beantragt, wonach Paketsendungen bis zu 5 Kilogr. an und von Perfonen des Sol­datenstandes, welche ihrer gesetzlichen Dienstpflicht genügen, von der Portogebühr frei gelassen werden sollen, soweit bie Sendungen dem eigenen Bedarf dieser Personen dienen. Weiterhin wurde in der Resolution im Interesse ber länb- lichen Bevölkerung eine weitgehende Verbilligung ber Telephoneinrichl ungen und -benuhung in ben kleinen Ortschaften befürwortet. Der Adgeorbnete Arenbt (Reichsp.) brachte auf Anregung bes Avgeorbneten Müller-Fulda (Zentrum) eine Rewlmion ein, in welcher eine Untersuchung ge- wünscht wird darüber, ob und in welchem Um­fange die auf Verträgen beruhende Poitofreiheit fürstlicher Personen eingeschränkt weiden könne, liebet das Ergebnis der Untersuchung soll dem Reichstag in der nächsten Session Kenntnis ge­geben werden. Angeregt wurde auch eine Be­rechnung der Telephongebühr nach ber Zahl ber Gespräche, gegen die allerdings der Staatssekretär Einspruch erhob mit dem Hinweis, daß die Ge­bührenordnung erst vor 5 Jahren ausgestellt sei. Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt. Die Kom- miffion vertagte sich aus Donnerstag.

* Die Ko mmission des Abgeordneten­hauses begann heute die Beratung des Volks« schulunterhaltungs-Gesetzes. Zunächst rortDe bie Garten hin. Es war ihm wie ein Traum, seine Heimat, nach ber er sich so lange gesehnt, wieher zu schauen. Der Hausherr, ber eben ins Zimmer trat, rief ihm zu:

„Nun, wie fin.beft Du Dich zurecht?"

„Es ist hier alles wie vor Jahren. Mir ist, als fei ich gar nicht fort gewesen. Onkel Ernst unb Tante Mathilbe sind sich gleich geblieben; nur Irma hat sich verändert."

„Ja, nun haben wir eine erwachsene Tochter, die der Mutter emsig zur Hand geht", sagte Wild­ner neckend.

Irma besorgte den Teetisch mit anmutiger Würde. Das Frühstück wurde in Frau Wildners Zimmer eingenommen, da das Eßziinmer sich zu ebener Erde befand und diese erste Mahlzeit die ganze Familie vereinigen sollte.

„Wir wollen Dich nicht wörtlich nehmen, Papa", sagte Frau Wildner, die sich ganz selig fühlte. „In der Haushaltung hat nur Irma nur einige kleine Aemtchen abgenommen. Wir betrach­ten ihre Erziehung noch nicht als vollendet, üe übt sich noch in den Sprachen, malt, musiziert."

„Da bin ich aber auf Deine Leistungen sehr begierig. Was kann ein nicht künstlerisch veron- lagter Mensch dagegen in die Wagschale werfen?" klagte Felix in komischer Weife, und bald flogen die Neckereien hin und her wie ehedem. Zu ihrer vollen Zufriedenheit gestand sich Irma während des Wortgefechtes innerlich:

„Er ist doch ganz mein alter Feli; geblieben. Das kecke Schnurrbärtchcn hat mich einen Augen- blick irre gemacht. Auch das Haar trägt er anders und hält sich etwas aufrechter. Im übrigen ist er wie früher, namentlich, wenn er lacht."

Diese gewonnene Ucberzeugung machte He zu­versichtlicher und ehe eine Stunde vergangen war, herrschte zwischen den beiden der alte, trauliche, ge- schwisterliche Ton.

Tie Freude des Wiedersehens, die Atmosphäre von Liebe und Frieden, die Felix umgab, ließen ihn die Begegnung des Morgens vergessen. Erst abends, als er fich in seinem Simmet, das liebende