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33. Jahrflanq

Fulda, Mittwoch, den 10. Januar 1906.

39 7.

Zweites At'att

Ein Llhatle» auf LmWk

zurück.

(SotiffMima *

praktische Gewinn bleibt mir doch die Hauptsache — und Dir schließlich auch. Nur kann ich es nicht mit so vielen Worten sagen. Du hast in diesen vier Jahren eben auch hauptsächlich gelernt, was Dich für ein Exporthaus wie das Wildners brauch­bar macht; nebenbei hast Du für Natur und Kunst geschwärmt. Letzteres ist nicht meine Sache. Ich sehe mir alles an, finde die Dinge schön oder auch nicht; aber ich kann mich nicht in Entzücken auf­lösen."

„Das sollst Du auch gar nicht, Carlitto (Karl- chen). Du mußt mir als Gegengewicht dienen und mich in der Wirklichkest zurückhalten, wenn ich ins Larrd der Träume fliegen toiff. Schade, daß wir so wenig beisainmen sind."

„Es ist auch ohnedies gesorgt, daß Deine Flü­gel Dich davon tragen. In Flores, in dem schönen Wohnsitze Wildners, magst Du träumen; aber das Geschäftshaus im Zentrum der Stadt und die Lagerhäuser am Hafen find das Nüchternste, was man sich denken kann, und dort wirst Du doch einen guten Teil Deiner Zeit verbringen."

„Ja, es ist beschlossene Sache, daß ich mich dem Handelsgeschäfte widmen soll, obwohl ich im Grunde die Landwirtschaft vorgezogen hätte."

„Siehst Du wohl, Felix! — Du neckst mich mit Schafen und Kühen, und in Wahrheit beneidest Du mich. — Wildner soll Dich hinausschicken aufs Land; er hat jo zwei Estancias (Großgut von wenigstens zwei Ouadratmeilen Flächeninhalt), soll Dir eine zu verwalten geben. Aus „Santa Mathilde", das in unserer Nähe liegt, könnte ent­schieden mehr gemacht tverden, das sagt mein Bater immer."

„Meine Pflegevater glaubt, meine Zukunft liege . . . ."

„Ach was, Zukunft! Ein Handelshaus steht heute und bricht morgen zusammen, wenn nicht durch eigene so durch fremde Schuld. Auf dem Lande kann man ja auch Unglück haben, Trocken­heit, Heuschrecken, Krankheit unter den Tieren; aber das Larrd bleibt bei alledem Dein — doch mm komm, ei ist spät. — Der morgige Tag stellt

Morgen lang schlafen, sorgfältig Toilette machen für den Bummel durch die Pillenstraßen, nachher delikater Frühschoppen. Am Mittag, dasselbe nur statt des Frühschoppens ein Besuch in der seinen Gesellschaft, oder man folgt der Emladun; zu einem Super oder Tee. Vielleicht auä, wenn mal grade großer Amtseiser vorhandei ist, legt man die Akten zurecht für den Montag morgen."

So gehts! Man lebt viel freier, wenn man einmal über die Anschauung des engen, alten Heim hinausgewachfeu ist.

Mechanisch streift sein Blick die Hellen Hinter­hausfenster, und wird hier und da ein wenig gebannt:

Eine alte Frau stopft ganz nah an der Lampe Kinderstrümpse. Sie hat eine Stahlbrille vor den schwachen Augen; von Zeit zu Zeit blickt sie darüber weg auf die ander.» Personen im Zimmer: den Mann am Ofen, der die Sonn­tagsschuhe wichst, den kleinen Knaben am Tisch, der behaglich seine Milchsuppe schlürft und sein Schwesterchen, das kaum zwölfjährige Ding, das hochrot und eifrig mit dem Scheuerlappen über die Herd fläche fährt; ein anderes sitzt in der Ecke und schält Kartoffeln. Da — das ist sicher — da fehlt die Mutter schon lanae.

Ein ander Bild. Ein junges Mädchen, sechzehn Sommer vielleicht, lehnt am Fenster­kreuz und schaut hinunter in den dunklen Hof. — Auf einmal kommt Leben in ihre Erwartung. Ein junger Bursch ist auf den Hof getreten; sie öffnet das Fenster und redet hinab — heimlich, leise. Dann breitet sie ihre blaue Schürze aus: etwa- Weißes fliegt durch die Lust und in der nächsten Minute hat sie es im Busen verborgen. Noch schnell ein paar Worte, ein Winken, ein Handkuß, dann tritt sie zurück, stellt Taffen auf den Tisch, Meffer daneben, eine Schüssel mit Brot in die Mitte . . . Die Mutter kommt her­ein : sie schaut unzufrieden, streng, erzürnt darein ob der Verspätung; das Mädchen trotzt, klagt, verteidigt sich . . . Kind, Kind, sei aufrichtig! Sag es der Mutter; du hast mit dem Burschen geredet, willst morgen abend mit ihm ausgehen. Und dabei betrügst du mich beharrlich . . .

Weiter — ein anderes Fenster. Die ganze, kleine Küche ist in Dampf gehüllt, verschwommen sieht man da die Umriffe der Mutter mit ihrm drei Kindern. In der Mitte steht ein Wasch- kübel; die junge Frau hat sich darüber gebeugt und darin strampeln und platschen ein paar runde, übermütige Beinchen. Die beiden älteren flehen am Tisch in bunten Nachtröckchen und vertilgen riesige Weißbrotschnitten.

Nebenan sitzt mit kummervoller Mene, eifrig schreibend, der Bater. Leise tritt die Mutter ein und der Meine auf ihrem Arm streckt die Aermchen aus: „Papa!" Des Mannes Stirne glättet sich sogleich; er nimmt fein herziges Knäbchen auf den Schoß und spielt mit ihm ein Weilchen und läßt sich küssen und streicheln, zupfen und zausen. 9iun lacht ihm das Glück aus den Augen. Dann macht er den drei Kindern ein Kreuzchen auf die Stirne, der Abendsegen, und dann ist er wieder! allein.

Der Rechtsanwatt dentt: Dar hat daheim immer die Mutter getan, wenn ich schon i» Bettchen lag, ftüher, als wir noch auf dem Lande wohnten.

Da MfS ihm plötzlich ein: Warum sind die Eltern nur in die Stadt gezogen, da sie doch

Von H. Catalina.

(Nachdruck verboten.)

„Siehst Du, Du bist so ungedubldig wie ich." „Ungeduldig? Gar nidjt Wenn die Meinen nicht in der Stadt sind, habe ich dort nichts zu be­sorgen. Ich bin begierig zu sehen, wie es draußen geht. Du weißt ja, daß ich meine Reise abgekürzt habe, weil mein Vater seit einiger Zeit leidend ist. Ich hoffe, es ist nichts Ernstes. Adela ist ängst­licher Natur und sorgt sich um ein Nichts. Aber in diesem Falle hat sie Recht: es ist besser, wenn ich dort bin und dem Alten an die Hand gehe. Auch war es nachgerade übergenug, ein ganzes Jahr herumzulungern. Schade um das schöne Geld!"

„Aber Carlos, das kann Dein Ernst nicht sein! Die Zeit, die Du in Europa zugebracht hast, ist gewiß keine verlorene. Reisen gehört für Leute Deines Schlages zur allgemeinen Bildung. Es erweitert den geistigen Horizont —"

„Was der meine sehr nötig hatte", fügte Car­los lachend hinzu. „Ich unterschätze die Vorteile einer solchen Reife nicht und bin meinem Bater sehr dankbar, daß er mich in8 alte Land geschickt hat. Ich habe jetzt wenigstens einen allgemeinen Begriff davon. Jedes zweite Wort der hier an« süffigen Deutschen — und ich verkehre ja fast aus­schließlich in deutscher Gesellschaft — ist immer: „Drüben bei uns ist das so" — oder „drüben ist das anders". Da kann man jetzt doch mitsprechen. — Den Ackerbau betreiben wir hier zu Lande auf den Grotzgütern ja ganz anders; aber wahrhaftig, was Viehzucht anbelangt, ist drüben vieles zu lernen. Die Milchwirtschaft liegt bei uns im argen."

Felix lachte.

„Aber Carlos, sind das alle Deine Eindrücke von „drüben"? Hattest Du z. B. in der Schweiz nur Augen für die Milchkühe und ließen Dich die Wunder der Alvenwelt blind?"

„Nein, Felix, so schlimm ist es nicht. Ich habe die schönen Berge und Seen angestaunt, habe die deutschen Städte bewundert, Museen, Theater, Konzerte im Uebermaß besucht, habe mir's recht sauer werden lasten, alles ru „genießen": aber der

außerordentliche Anforderungen in Gestatt bim Gemütsbewegungen, Reiseberichten rc. Dazu muß ich meine Kräfte sammeln."

Die beiden Freunde steigen die Treppe hinab in den untern Salon, cm dessen Seite sich die Ka­binen hinzogen. Ein dunkelfarbiger Mozo (Kell­ner) lohnte an einer Säule.

„Die SenoreS suchen ihre Kabinen? Wo sind Sie untergebracht? H ist hier rechts." Der Mozo öffnete leise eine Tür, drehte das elektrisch« Licht auf. Carlos verschwand nach einem Gutenacht­gruß.

„Und Sie, Tenor, in Et Bitte, hier links."'

Felix stand einen Augenblick zögernd unters der halbgeöffneten Tür seiner Kabine, aus der die tiefen Atemzüge eines Schlafenden hörbar wurden; er sah nach der Treppe. Der Mozo, seine Gedanken erratend, drehte den Knopf des elektrischen Lichtes auf und sagte leise:

„Der Tenor wird in der Kabine bester ruhen, als auf einer Bank im Saale. Ihr Zimmerge­fährte ist auch ein Jngles (eigentlich gleich Eng­länder; die Südländer nennen alle Germanen Jngleses), der in der letzten Zeit öfters mit uns gefahren ist, ein sehr respektabler, feiner Herr."

Felix ließ sich bestimmen und trat in die hell- erleuchtete, kleine Kabine. Kanapee und Wasch­tisch lilcks, rechts zwei Betten übereinander, da- ztmschen soviel Raum, daß eine Person stehen konnte: Gegen diese Zelle erschien Felix die Ka­bine, die er mit Carlos auf dem Hamburger Dampfer innegehabt, wie ein Salon. Allein hier sollte et auch nur einige Stunden der Ruhe ver­bringen, und dazu genügte der Raum. Durch d« geöffnete Luke wehte die frische Nachtlust.

„Soll ich hier schließen?" fragte bet Mozo, auf die Luke deutend.

„Nein, nein!" .

„Befiehlt der Tenor noch irgend etwas? Soll ich Sie wecken, wenn das Schiff anlegt?"

Aus die verneinende Antwort zog sich der Moz»

Vas veausttagrenwesen int handwert.

Um die sogenannten Obermeisterbespcechungen, wie sie u. W. bereits von verschiedenen Hand- werkskammern veranstaltet worben sind, und neuerdings auch die Berliner Kammer plant, einzuleiten, beginnt das Organ der letztere», die ^Handwerk-zeitung' (Nr. 1), die Ver­öffentlichung einer Reihe belehrender Artikel, bie als Grundlage für die Besprechungen ge­dacht sind, um diese fruchtbarer zu gestaltm. Die Kammer hofft durch solche Besprechungen u. a. über innere Verwaltungsangelegenheiten und über äußere wirtschaftliche Vorgänge den Blick des einzelnen zu wecken und ihn so zu be­fähigen, die Vorkommniffe in der Innung zu überiehen und zu beurteilen und die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen. Der erste Artikel be­trifft das sogenannte Beausfragtenwesen. Die Einrichtung dieses in einer Großstadt wie Berlin dürfte für weitere Kreise von Jntereffe und Be­lehrung fein.

Die Berliner Kammer hat von dem ihr ge­mäß § 103» in Verbindung mit § 94c der G.-O. zustehenden Rechte, zur Ueberwachung der für das Lehrlingswesen geltende« Vorschriften Beauftragte zu bestellen, in weitestem Umfange Gebrauch gemacht, indem sie für die ver­schiedensten Handwerke und Bezirke ca. 1400 Beauftragte ernannt hat, und zwar ist das in allen Fällen geschehen, wo Innungen oder sonstige gewerbliche Korporationen die Kosten übernommen haben. Nur ausnahmsweise ist in Elnzelfällen die Uebernahme der Kosten von Re­visionen auf die Kaffe der Handwerkskammer erfolgt, wenn andere Organisationen nicht vor­handen waren.

Die große Zahl der Beanfttagten erklärt sich aus dem Wunsch der Handwerker, nur von Handwerkern, und zwar von solchen EontroUiert zu werden, denen die Verhältniffe tm Bezirk genau vertraut sind, ein Wunsch, dessen Er­füllung notwendig eine möglichst enge Begren­zung der Bezirke und sonach eine flto0e Zahl von Beauftragten verlangt. Bei dieser Sachlage konnte die Kammer die Kosten des Beauftragten- wesens natürlich nicht übernehmen, den» diese würden sich für ca. 1400 Beauftragte auf ca. 50(100 Mark stellen, eine Summe, die eine Er­höhung Der Beiträge zur Handwerkskammer auf das Doppelte des jetzigen Betrages erforderlich machen würde. Es ist, so meint die Kammer« leitunq, danach wohl die Forderung berechtigt geweie«, daß die Innungen, in deren Jntereffe die Regelung, rote sie jetzt besteht, allein erfolgt ist, diese Kosten tragen. Die große Mehrzahl der Innungen hat sich dieser Einsicht denn auch nicht verschlossen und die Kosten übernommen, wofür ihnen das Mitbestellungsrecht zugestanden worden ist.

Jedem auf Grund dieses Uebereinkommens von der Handwerkskammer bestellten Beauftragten wird eine Ausweiskarte übergeben, die vom Vor­sitzenden und dem Syndikus der Handwerks­kammer unterzeichnet ist. Ferner erhält jeder Beauftragte eine Dienstanweisung, die in 19 Paragraphen ihn über die Rechte und Pflichten belehrt. Besondere Wichtigkeit ist darin bem § 17

beizumeffen, bet besagt, daß die Beauftragten ihre Tätigkeit nicht als eine polizeiliche aufzufaffen haben; sie haben vielmehr die Belriebsinhaber mit aller kollegialen Rücksicht zu beraten und zu belehren, sie auf etwaig« Verstöße gegen gesetz­lich« und statutarische Vorschriften und die da­mit verbundenen Nachteile und Strafen hinzu- weiscn und sie zur Abstellung von Mißständen aufzufordern.

Von den gesetzlichen Vorschriften, deren Be> achtung die Beauftragten zu überwachen haben, werden besonders folgende Paragraphen der Ge­werbeordnung hervorgehoben: §§ 105«, b über die Sonntagsruhe und die in § 105c-f und h getroffenen Ausnahmebestimmungen; §§ 107, 109, 110, 111, 115, 117, 118 mit ihren Dor- schriften über die Beschäftigung minderjähriger Personen, über Arbeitsbücher und Lohnzahlungen; § 120 bett, den Besuch bet Fach- resp. Fort­bildungsschule; § 120« bett, bie Einrichtung der Arbeitsräume, Betriebsvorrichtunaeu, Maschinen und Geräffchaften; ferner die §§ b und c mit ihren Bestimmungen übet das leibliche und sitt­liche Wohl der Lehrlinge. Besonderes Augenmerk ist den Bestimmungen der §§ 126 -133 zu widmen, also hinsichtlich der Befugnis zur An­leitung von Lehrlingen des Stande- der Aus­bildung der Lehrlinge, des Lehrvertrage-, der etwa vorhandenen Lehrlinaszüchterei, der Be- kugni- zur Führung de- Meistertitels. Wo Ver­stöße gefunden werden, ist dem Vorstande der Handwerkskammer sofort Mitteilung zu machen, direkte Anzeige bei den in Betracht kommenden Behörden ist unbedingt zu vermeiden. Schritte nach dieser Richtung behält sich der Kammervor- stand allein vor. Ferner haben die Beauftragten darauf zu achten, ob die vom Kammervorstande erlaßenen Vorschriften zur Regelung des Lehr- lingswesens, so ie etwaige von den Innungen erlaffenen Vorschriften und die Vorschriften de- Jnnungsstaiuts befolgt werden.

Die Innungen beklagen sich öfter- darüber, daß ihnen von der Gesetzgebung viel zu wenig Rechte eingeräumt worden jtn, und dadurch das Jntereffe am Jnnungsleben bei den Handwerkern auf die Dauer erlahmen muß. Gerade da- Be» auftraglenwesen überträgt den Innungen eine Reihe recht vielseitiger und wichtiger Rechte. Man solle daher glauben, daß sich die Innungen die Gelegenheit, auf diesem Gebiete mitzuwirren, in weitestem Umsange zu nutze machen würden. Das ist, so bemerkt die Berliner Kammer, und anderwärts ist es vielfach ähnlich so, bei vielen Innungen noch nicht der Fall, ja es treten sogar bei solchen Innungen, für deren Bezirk« schon längere Zeit Beauftragte ernannt worden sind, Bestrebungen hervor, wegen der damit verbundenen Kosten die Revisionen wieder aufzugeben. Wenn aber irgend etwa- kurzsichtig ist, so sind es solche Bestrebungen, die den Wirkungskreis der Innungen einschränken und damit ihr Ansehen nach außen hin schädigen. Man wird daher von Obermeister- Versammlungen erwarten dürfen, daß sie nach dieser Richtung hin, speziell hier auf dem oben näher behandelten Gebiete, unter den einzelnen Innungen aufklärend wirken, ein Umstand, der jedenfalls für die Veranstaltungen solcher Ver­sammlungen in denjenigen Kammerbezirken spricht, wo biefe bisher noch unbekannt gewesen sind.

klc. Was war es nur?

Don E. Marietta.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Ein Pfiff! — ein paar Sekunden knirschendes Bremsen, — dann steht der Zug. Eine Menge mehr oder weniger ängstlicher Gesichter drückt sich an die Wagenscheiben.

„Hier ist doch keine Station."

„Schaffner, was ist los?"

„Nichts, nichts! Nur ein wenig Geduld! Beunruhigen Sie sich nicht; die Maschine ist ein wenig defekt, wird schon repariert, gleich fahren wir weiter."

Sie beunruhigen sich wirklich nicht; die meisten finken in die frühere Träumerei zurück; es ist ja solch dunkler Abend.

Rechtsanwalt Feld befindet fich allein in seinem Abteil. Erregt spricht er vor fich hin:

„Donner! Ich muß um neun Uhr da sein! Wenn ich zu spät käme! — de- Justizrats Tochter darf er zu Tisch führen. Sie hat ihm den erste« Walzer versprochen; — wenn er nicht zeitig da wäre! Oh, diese unsterbliche Blamage; und gerade heute. — Heute sollte fich doch etwas recht schöne- ereignen.

Rechtsanwatt Feld versinkt wieder in ange- nehme Gedanken: Die kommende Verlobung mit der reichen, liebenswürdigen, gebildeten Geria Star und info'.gedeffen: Ein schönes Hau-, glänzende Feste, Equipage ... kurz Glück und Wohlleben. —

Wenn er nur zur Zeit da ist! sonst gibt'- Mißstimmung und e- ist, wenigstens sür heute, alle- verloren. Einen Augenblick dentt er an die Liebe, wie er fie zwischen Vater und Mutter beobachtet hat. Sieben Jahre haben die mtf einander gewartet, gerade wie Jakob und Rachel, da endlich tonnten sie heiraten; und mehr rote einmal habe« sie es ihm mit einem gewissen Stolz erzählt.

Gott, wie veraltet!

Er versucht gar nicht nachzuzähken, wieviele vor Gerta in feiner weiten Herzenskammer ge­front haben, manchmal mehrere nebeneinander; da hat er solange geschwankt und getändelt, bis den schönen Schmetterlingen der Geduld-faden riß. Sie sind davon geflogen und et kam in andre Städte und fand immer wieder Ersatz. Wenn'- doch weiter ginge!

Er tritt an's Fenster; düstre, dichte Nacht; in der Ferne einige matterleuchtete Hütten; und durch da- Buschwerk am Fuße de- FahrdammeS tanzt der Novemberwind.

Ach, wie langweilig!

Er geht an'S andre Fenster.

Ah, sind wir schon so weit?

Er schaut in unzählige, erleuchtete Hinter­hauszimmer und Höfe. Da wird'- nicht weit von Köln sein; — die Zeiger unter dem goldenen Sprungdeckel zeigen zehn Minuten vor neun. Zuerst muß er noch in- Hotel, Toilette machen. — Gott, die Zeit drängt!

Au- den Höfen klingen SamStagabend-Ge- räufche herauf: Blecheimer, die regelmäßigen Schrubberbewegungen, Wasserausschütten u. f. w.

Richtig, es ist ja Samstag. Mutter wird auch alle- blitzblank haben. — Unwillig macht er kehrt. — Immer die Mutter! Warum fie ihn nur beständig heimsucht k

„Mutter, ich bin ja gar nicht mehr der alte Karl; mein Sonntag heißt einfach so: Am

„Gehen wir noch ein wenig an die frische Luft."

„Sft mir ganz lieb, noch einen Augenblick bei Dir fein zu können. Morgen und für die nächste Zeit werden uns unsere respektiven Angehörige,» so mit Beschlag belegen, daß wir einander nicht mehr zu Gesicht bekommen."

Als die beiden aus dem Saale traten, war der einsaine Passagier von seinem Poste» verschwun­den. ^n schnellen Schritten maßen sie das Deck auf und weder.

„Die vier Jahre sind schnell vergangen, und doch scheint es mir eine Ewigkeit, seitdem ich Buenos-Aires verlassen habe. Es ist mir wie ein Traum, daß ich morgen diejenigen wieder sehen soll, nach denen ich mich solange gesehnt habe, vsebe Minute bringt uns dem Ziele näher. Da- Land, das in wenigen Stunden in Sicht kommen totrb, ist die Küste unsere- Heimatlandes. Bald erfüllt mich Freude, bald wieder ein Bangen, es konnte in letzter Stunde noch ein Unfall ge­schehen."

"Du bist eben ein Schwärmer, Felix. An der gaiisen Sache ist nichts Unwirkliches, nichts

Fünfundzwanzig Tage sind wir Garin^e9^Jttr^eR Engen Kasten eingeschlosseu." Raun-^ fe»te (Nieder, als beenge ihn der bin ° V*u^ bem weiten, einsame,, Deck. — zu komme^b1»"'ch froh, wieder auf festes Land Sfbela it begierig, ob mein Vater und

holen im®?btK6efommcu mid> denWmchleu E nötig ist, da ich

auf dem Ombu sein." 3

Iwjelge«: bteeh» fpalhge pettfretk oder deren Raum j5 psg. Eeflamen die Petitzeile 25 psg.; bei Wieder­holungen wird entspr.

Rabatt gewährt.

Setatiousdeuck e. vertag der Huldaer 8 t« tiendruäerei in ^utda. «ftralpre her Nr. 9.

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Lrschet-r täglich, «ft XMsnahme der Semi« und zriertage. Viertel­jahr! Bezug,prei» »hu« vringeriohn und veftrvgeld in Hulda und «inwärts t Mt 50 pfg-

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rnonatsbeilage: „Huldaer Geschichtsblätter".