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J.KÄ wochenbevage: „IlluftrierteSonntagrMmg"
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Kabazt gewähr!.
iiolattons druck u. Verlag der «ulbaerAc» tiendrutlerei in Sulba.
Hernipre ter Ur. 9.
W 6.
Fulda, Dienstag, den 9. Januar 1906.
33. Jahraorrg.
Em Schiltie» auf dem Mk
7]
Deutsches Reich.
Berlin, den 8. Januar 1906.
Veröffentlichung der Berufung würde bereits erfolgt sein, wenn nicht die in einem Nachtrags- elat geforderten Ausgaben für die Gesandtschaft der Bewilligung des Reichstags bedürften.
* Die deutsche Greuzkommisfion für die deutsch-englische Nordgrenze von Deutsch-Ostafrika hat ihre Arbeiten vor- „ ______ö. läufig beendet. Die Grenze ist in Gemeinschaft
Auch bei diesen Meldungen | mit der englischen Kommission von dem nordwestlichsten Punkte in der Nähe des Albett- Eduard-Sees bis zum südöstlichen Abhange des
erhält, das eilten sehr ernsten Zug trägt. Was früher vielleicht mehr Zweckmäßigkeitsfrage war, ist heute zu einer Art Machtfrage geworden zwischen gleichberechtigten Faktoren. Solche Machtfragen sind aber immer von Hebet.
Fm Landtage wird vorerst die Etatsberatung int Vordergründe stehen. Man gibt sich der Erwartung hin, daß mit Hilfe des „Kontt- gentierungssystems" es gelingen wird, die rechtzeitige Fertigstellung des Etats zu erreichen. Dann werden die Steuergesetze an die Reihe kommen. Die pifcce de resistance aber bildete natürlich das Volksschulunterhaltungsgesetz. Den Oppositionsversuchen gegen die Festlegung des christlichen Grundcharakters unserer Volksschule legen wir nicht allzu viel Gewicht bei. So groß der Lärm ist, mit dem sie von freisinnig-demokratischer Seite in Szene gesetzt werden, so wenig haltbar ist die Grundlage, auf der sie beruhen. In der Hauptsache haben diese oppositionellen Bestrebungen, namentlich so weit sie anS Lehrerkreisen herrühren, nur eine symptomatische Bedeutung. Das gilt uns von der „jungliberalen" Opposition im ttationalliberalen Lager, die eigentlich nur den Nationalliberalen selbst Verlegenheiten zu bereiten imstande ist. Schwieriger dürfte sich aber die Lösung einer Reihe von technischen, speziell finanz- technischeii Fragen gestalten. Hier wird der Kommission eine Fülle von Arbeit erwachsen; denn es läßt sich nicht leugnen, daß dec Gesetzentwurf, wie er vorliegt, in manchen Punkten der Verbesserung bedarf. Immerhin wird man an der Hoffnung festbalten dürfen, daß es gelingt, durch die Verabschiedmlg. des Schulunterhaltungsgesetzes der gegenwärtigen Session ihr dauerndes Gepräge zu geben.
Von H. Catalina.
(Nachdruck verboten.)
„Soviel ich weiß, ja. Er wird erst morgen nachmittag nach Buenos-Aires weiter fahren. Somit haben wir einen Tag gewonnen, indem wir den „Helios" noch erreichten."
„Eine Minute später wäre die Schiffstreppe nutzt mehr gesenkt worden. — Sie sind wohl alle sehr ungeduldig, Bneuos-Aires wiederzusehen?" ja' ""d dies ist nicht zum SBertounbmr. Dw Reise dauert lange, vierundzwanzig Tage von Hamburg hierher. — Wir alle, die wir hier sitzen, sind keine Neulinge am Rio de la Plata; wir Alten sind seit Jahren hier ansässig, haben zum Teil unsere Famtlie in Buenos-Aires, die uns erwartet. Die jüngeren unter uns sind Deutsch- Argentinier, die in ihre Heimat zurückkehren."
..Agen, das Ende des Mahles steigerte sich die Fröhlichkeit an den deutschen Tischen. Champagnerpfropfen knallten und Kristallgläser erklangen.
„Frohe Ankunft! Glück, viel Glück in der Setmot! In unserer zweiten Heimat!" riefen frohe Stimmen durcheinander.
»Felix, sollst leben! Wo steckst Du denn?" Ein i großer, blonder Jüngling erhob sich mit diesen »Botten von seinem Sitze und streckte sein Glas dem Freunde entgegen.
Der Angeredete nickte ihm zu: „eDin Wohl,! Carlos, sch komme nach! Ich bin jetzt beschäftigt, wre Du stehst. Et stand in der Mitte des Saale« eine Flasche in der Hand, von einem halben Dutzend Kindern umdrängt, deren jedes sein leeres Glas zu ihm erhob.
„Ruhe da! Wer sich vordrängt, kommt zuletzt!"
„Aber, Herr Bertrand, geben Sie doch i>n Kmdern keinen Champagner!" klang es von mehreren Frauenstimmen.
„Beruhigen Sie sich, meine Gnädigen! Jedes bekommt nur einen Tropfen. Alle diese Kind-r sind in Argentinien geboren und sollen bei der Rückkehr in ihr Vaterland mit uns anstoßen "
Vorsichtig goß Felix Bertrand, denn et war es, der von den Kindern umjubelt dort stand, einige Tropfen in jedes Glas.
„Viva, la Republica Argentinia!" rief er aus I und stieß mit den Kindern an.
„Viva! vival" jubelten die frischen Stimmen, und mit wichtiger Miene machten die Kleinen die Runde, vorsichtig die feinen Gläser haltend, um mit jedem anzustoßen. Ihr sicheres Süiftreten auf dem leicht schtvankenden Boden bewies, daß sie während ihrer langen Reise den Seemannsschritt I erlernt hatten.
I „Na, das wäre glücklich vorüber, ohne daß es I Scherben gab", sagte eine der Mütter. „Herr Bertrand, Sie können es «ich verantworten, wie Sie uns die Kinder an Bord verwöhnten."
„Em bißchen Verwöhnung war dabei," versetzte eine andere Dame, „aber wir Mütter sollten eigentlich Herrn Bertrand eine Dankrede halteir, weil er sich der Kinder so schr annahm, besonders an den Tagen, da wir andern mehr oder weniger unter dem starken Seegänge litten. — Ich will übrigens keine unangenehmen Erinnerungen wecken. — Mit wahrer Aufopferung hat Herr Bertrand die Kinder zu beschäftigen und zu unterhalten gewußt."
„O bitte, meine Gnädige, es war ein Ver-
I gnügen."
„Nein, es ist durchaus nicht immer ein Vergnügen, sich stundenlang mtt Kindern abzugebem Wir find Ihnen zu großem Dank verpflichtet und —"
„Entschuldigen Sie, gnädige Frau, meine Bescheidenheit verbietet mir, Ihren Dank anzunehmen und Ihre Lobrede des. weiteren anzuhören. Komm, Carlito, gehen wir auf Deck!"
Der Sprecher faßte den blonden Riesen am Arme.
„Hier bleiben! Hier bleiben!" tönten mehrere Stimmen. Die beiden ließen sich bewegen und nahmen ihre Plätze wieder ein. Die Unterhaltung nahm ihren fröhlichen Fortgang. Die übrigen Passagiere hatten den Saal verlassen, saßen, standen oder waiidelten auf dem Promenadendecke und genossen die klare, milde Abendluft. Manche, namentlich die Seeirntiichtigeu, hatten Wohl schon die Lagerstätte in den engen Kabinen ausgesucht.
An der Brüstung des Deckes, dne Saalfenstern gegenüber lehnte ein stattlicher Mann. Er stand
* Geschenk des Kaisers für den Papst. Der preußische Gesandte beim Vatikan, Freiherr v. Rothenhan, überreichte am Donnerstag im Auftrage Kaiser Wilhelms dem Papste den Schlußband des aus Reichsmitteln herau-gegebenen Werkes über die Sixtinische Kapelle. Nachdem der Gesandte dem Papste das Werk als Geschenk des Kaisers übergeben hatte, dankte der Papst in warmen Worten. Hierauf hielt der Geb. Ober- Reg.-Rat Dr. Kaufmann eine Ansprache und hob das loyale Entgegenkommen des Papstes gegenüber der deutschen Wissenschaft hervor; er wies auch auf die Bedeutung der Herausgabe des Sixtinischen Werkes hin. Der Papst dankte dem Redner durch wiederholten Händedruck und betonte u. a., daß der Vatikan ein Haus aller sei, welches den Forschern der ganzen Welt offen stehe. Der Papst ließ sich alsdann von dem Verfasser des Werkes, Dr. Steinmann, dasselbe im einzelnen vorlegen und erklären und gab häufig seiner hohen Befriedigung Ausdruck.
§ Den namentlich in der ausländi- scheu Presse verbreiteten Meldungen über eine polttische Neujahrsrede des Kaisers widmet die ,Nordd. Allgemeine Zeitung' folgendes Dementi: „Der .Vorwärts' schreibt unter der Rubrik „Von I der Börse", verschiedene ausländische Zeitungen hätten von einer im intimsten Kreise gehaltenen Neujahrsrede des Kaisers berichtet, aus der unter Bezugnahme auf die bevorstehende Marokkokonferenz ein deutsches Säbelgerassel hervorge- \ klungen habe. Ach 272.'
handelt es sich um dreiste Unwahrheiten Erne I Neujahrsrede des angegebenen Inhalts ist selbst
Da ertönte in ernsten, feierlichen Klängen der Vong, der zum Diner rief. Alles drängte nach dem Speisesaale. Nur mit Mühe und hauptsächlich durch d,e Gewandtheit der jüngeren Herren sowie durch die erkaufte Bereitwilligkeit der Kellner gelang es den Reisegefährten vom „Kap Frio", zwei rücttar* Il*>e'^tofcen&c Tische zu erobern, an denen pai bald eine lebhafte Unterhaltung entspann im Gegensatz zu der Schweigsamkeit der übrigen Passagiere, die bunt zusammengewürfett alle Plätze des großen Saales füllten. Elektrisches Licht durch- flutete den großen Raum und strahlte von unzähligen Spiegeln und den reichen Vergoldungen der Wände wider. Geschäftig eilten die Kellner in ihren dunkelblauen Jacken umher, galt es doch, wohl hundert Gäste zu befriedigen. Man hätte sich mi Speisesaale eines eleganten Hotels wähnen -onnen, wären nicht die regelmäßigen, dumpfen Tone der Maschine, das Rauschen des Wassers und dann und wann ein leises Schaukeln, eine eigentümliche, weit ausgeholte wiegende Bewegung bemerklich geworden.
Der Kapitän des „Helios", ein Dalmatiner wckitärischem Aussehen, saß am Tische der tsLcr e ®äfte, von denen ihm einige der älteren usherren wohl bekannt waren.
0v>k>'°^^ Eommen aus Hamburg, wie ich höre. 5“ *,e eine gute Uebersahrt gehabt?" wandte
er sich an seinen Nachbar.
ist, was das Wetter anlangt, teaneriM Vnei,t. unfreundlich, stürmisch, „A r'72 haben wir es leidlich überstanden find." CUen un§' wir jetzt dem Ziele so nahe •fcuna^iu in Montevideo viele La-
i« loschen.
Ein begeistert ausgenommenes Hoch auf Papst und Kaiser schloß die Versammlung.
" Berlin, 8. Januar 1906, Der Kaiser muß wegen einer leichten Erkältung das Zimmer hüten, doch finden regelmäßige Vorträge statt. Am Sonntag empfing der Kaiser den Kapitän z. D. Frhr. v. Schimmelmann, Kapitän Karpf und Marinearzt Dr. Weispfennig Die drei Herren bilden die Begleitung des Prin- zen Adalbert. Derselbe hat sich zur Stärkung ferner Gesundheit am Montag zu einem mehr- im Schatten, sodaß feine Züge nicht erkenntlich toarem Der sternenbesäete Abendhimmel, die von dem Danchfer aufgepflügten Wellen, die sich wie flüssiges Silber über die dunkle Wasserfläche ergossen, die feierliche Ruhe ringsum hatten keinen Teil an feinem Sinnen. Unverwandt blickte er durch die geöffneten Fenster in den Saal nach dem einzigen noch besetzten Tische. Als einer der ersten hatte er nach der Mahlzeit den Saal verlassen und gleichgültig von seinem Posten aus dem sröh- lichen Treiben der Heimkehrenden zugesehen, das ihm ein Lächeln entlockte. Menschen, die sich in natürlicher, harmloser Weise freuen konnten, boten rhm einen ungewohnten Anblick. Ihre Fröhlichkeit erschien ihm kindisch, lächerlich. Schon wollte er sich abwenden, da wurde örinnen im Saale ein Name gerufen, der ihm bekannt war; nun horte er wieder, wieder — nein, es war keine Täuschung. Er beugte sich vor; die scharfen, grauen Augen suchten den Träger dieses Namens. Dort stand er, von der Kinderschar umörärgt, „Felix Bertrand! Also das ist Felix Bertrand!
Welcher Zufall!"
Ein s. ar kurze, harte Atemzüge.
„Ein prächtiger Junge, das muß man fag-.it. Em feines Herrchen haben sie aus ihm gemacht."
Als wollte et sich dessen Züge unauslöschlich ein* jragen, umfing fein Blick den jungen Mann und teß ihn nicht mehr los. Die schöngesormte, hohe stirne, die von dichtem, toeffigein Haar überragt war, die kannte er, sowie-die schlanke Statur, die tolze und doch graziöse Haltung. Wenn aber die roten Lippen unter dem kecken Schnurrbärtchen sichelten und die großen, dunklen Angen fröhlich wählten, wie eben jetzt, dann trat ein höhnische* Zug in das Gesicht des Beobachters. — Mehr alt eine Stunde harrte dieser aus; er beachtete nicht, wie die Zeit verrann und das Deck immer einsamer wurde. Der Gegenstand seines Interesses fesielte ihn ganz und gar. — Da entstand im Saale eine Bewegung. Ans Mahnung der Damen brach die Gesellschaft auf, um sich zu kurzer Ruhe zurückzuziehen. Felix schob seinen Arm in den seines Freundes Carlos. (Forts, folgt.)
I „in intimstem Kreise" nicht gehalten worden. Die Ansprache an die kommandierenden Generale war rein dienstlicher Natur, Politik und auswärtige Fragen wurden darin nicht berührt."
* Dem verstorbenen Unter - Staatssekretär Dr. v. Schrant widmet die,Nordd. Allgem. Ztgck einen Nachruf, in welchem es u. a. heißt: „Das Hinscheiden des bewährten Staatsmannes wenige Wochen nach dem Ableben seines Bruders, des Regierungs-Präsidenten von Oberbayern, wird in weiten Kreisen Trauer erwecken, v. Schraut's Verdienste um die Gesetzgebung Elsaß - Lothringens, besonders auf dem Gebiete des Besteuerungs- Systems, sind bedeutend gewesen; auch als Schriftsteller über Handels- und Währungsfragen genoß er reiche Anerkennung."
* Das deutsche Weißbuch über die Ma r 0 k ko - ^Angelegenheit ist erschienen und dem Reichs- 1 tage zugegangen. Es sind im ganzen 25 Schriftstücke, Depeschen, Noten, Berichte, die insgesamt nur 35 Druckseiten füllen. Es handelt sich nicht um eine umfassende Darstellung der Marokkoangelegenheit von ihren Anfängen bis zur Konferenz von Atgeciras. Das Weißbuch hat vielmehr in der Hauptsache nur den Zweck, über einige wichtige Punkte Klarheit zu schaffen. Es gibt Antwort auf die Fragen: Ist Frankreich in Marokko durch seinen Gesandten St. Rens Taillandier als Mandatar Europas auf getreten? Hat er mit diesem angeblichen Mandat eine Pression auf den Sultan auszuüben versucht, und was hat der französische Gesandte vom Sultan und seiner Regierung, dem Maghzen, eigentlich verlangt? Ma» erkennt daraus, wie die deutsche Regierung zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß Frankreich als angeblicher Mandatar der Mächte die Hand auf Marokko zu legen und dieses Land zu tunifizieren versucht hat. Es werden ferner einige Erlasse des Reichskanzlers mitgeteilt, aus denen noch einmal deutlich die Grundzüge der deutschen Politik der Marokkofrage hervorgehen, und schließlich wi d durch einige Aktenstücke gezeigt, wie unbe- rechtigt und unnötig sich die französische Presse und öffentliche Meinung über die Zehn-Millionen- Arfleihe an den Sultan und den Molenbau in Tanger al» vermeinttiche Produfte-eines gewalttätigen Eingreifens des daraufhin zum schwarzen Manne gestempelten Gesandten von Tattenbach aufgeregt hak.
* Zu der Besetzung des neuen Gesandtschaftspostend in Christiania will eine Berliner Korrespondenz wissen, daß die Ernennung des bisherigen Kolonialdirektors Dr. Stütz e t zum Gesandten in Norwegen noch keineswegs endgiltig beschlossen sei. Die Deutsche Tageszkg/ bemerkt dazu: „Das ist nicht richtig". Es unter- liege keinem Zweifel, daß Dr. Stübel an die Spitze der neu zu errichtenden deutschen Gesandtschaft in Christiania berufen werden würde. Die
Kilimandscharos, abschneidend mit dem Gebiete des Uize-Sees, im Wege der Trianpulation genau vermessen und vermerkt worden. Diese Arbeiten haben mehr als drei Jahre in Anspruch genommen. Der Führer der deutschen Expedition war der durch seine Eisenbalmttacieumgen bekannte Hauptmann Schlabach.
* Eine Protestversammlung gegen die geplanten Tabaksteuern findet am 10. Januar ds. Js. in Berlin statt. Zu gemeinsamer Abwehr gegen die neuen Steuern haben sich der Verein der Tabakinteressenten für Berlin, der Verein deutscher Tabakfabrikanten und Händler, der Verein deutscher Zigarettenfabrikanten in Berlin und die Neue Vereinigung der Zigarrenhändler zu einem allgemeinen Verbände zusammengeschlossen.
* Die reichsdeutsche Kolonie in Riga hat, nachdem der Dampfer „Wolga" insgesamt 1047 Personen, darunter 803 Reichsdeutsche aus Riga befördert sind, dem Reichskanzler ihren Dank für die geleistete Hilfe durch den deutschen Konsul übermitteln lassen.
* Frankfurt, 8. Jan. 1906, Annähernd 3000 Angehörige der Partei aus allen Teilen des Regierungsbezirks Wiesbaden hatten sich gestern in dem mächtigen Saale des Hippodroms emgefunden, nm an der Landesveriamm- lung der Zentrumspartei teil zu nehmen. Die Versammlung wurde durch den Vorsitzenden des vorbereitenden Komitees, Herrn Reichs- und Landtagsabgeordneten Wellftein begrüßt und von Herrn Abg. Gabensly geleitet. Herr Reichs- und Landtagsabgeordneter de Witt sprach über die Bedeutung des Zentrums als politische Partei. Herr Stadtverordneter Müller- Frankfurt behandelte die Schulftage und Herr Reichs- und Landtagsabgeordneter Jtistizrat Trimborn-Köln wandte fein Augenmerk den allgemeinen großen Fragen zu, welche zur Zeit und immer wieder unsere Partei beschäftigt haben: der Wirtschaftspokitik, den sozialpolitischen Fragen und den Fragen der Partei-Organisation. Herr Abg. Cahensly gab in seinem Schlußwort seiner großen Befriedigung über den glänzenden Verlauf der Versammlung Ausdruck. Die Lehren, welche die Reden uns gegeben, würden bis in die entfernteren Ecken Nassaus getragen. So- dann wurde auf Vorschlag des Redners die folgende Resolution einstimmig genehmigt:
„Die am 7. Januar 1006 in Frankfurt a. M. tagende Versammlung von über 3000 Männer,- aus allen Teilen des Regierungsbezirks Wiesbaden erklärt daß sie auf dem Boden der Konfessionellrtät der Volks- schicke steht, daß sie in dem dem Abgeordneten kaufe vorliegenden Entwürfe eines Schulunterhaltunqsaesehes keine genügende Sicherung des konfessionellen Prinzips erblickt, und daß sie insbesondere die Durchführung dieses Prinzips wie in den übrigen Teilender Monarchie, so auch gleichmäßig in den Gebieten des ehemaligen Herzogtums Nassau und der ehemals freien Stadt Franksurt a. M. verlangt.«
Pie WiedklkNiAmm- der Partmnck.
Morgen nimmt sowohl der Reichstag wie der preußische Landtag >ie Arbeiten wieder auf. Damit setzt die parlamentarische Tätigkeit im Reiche Wie in Preußen mit vollem Nachdruck ein, und auf Wochen hinaus wird das Interesse an der inneren Politik von den parlamentarischen Erörterungen absorbiert werden.
In der Tat sind es Fragen von außerordentlich weittragender Bedeutung, welche im Reichstage und im Landtage zur Entscheidung stehen. Ter Reichstag beginnt mit der Erörterung der neuen Steuervorlagen, d. h. mit jenem Punkt des großen Finanzreformplanes, der das steuerzahlende Publikum am nächsten berührt. Während der Weihnachtspause ist die Klärung über die Stellung dec Parteien zu den Steuerprojekten der Verbündeten Regierungne wesentlich fortge- schrftten, so daß die kommenden Verhandlungen im Plenum des Reichstags eigentlich nur noch die genauere Formulierung des Standpunktes der einzelnen Parteien zu dienen haben. Mit Sicherheit ist heute schon zu sagen, daß das Steuerbukett der Verbündeten Regierungen ziemlich stark zerpflückt werden wird. Abgesehen von der Um- und Ausgestaltung einzelner Steuervorschläge wird auch die eine und andere Blume des Buketts vollständig verschwinden müssen. Wir haben schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, daß das Maß der Steucrbewilligungen sich unter allen Umständen nach dem Bedarf richten muß. Die Festsetzung des wirklichen Bedarfs wird demnach in den bevorstehenden Erörterungen zweifellos eine Haupttolle spielen.
Mit Genugtuung ist es zu begrüßen, daß der Reichsschatzsekretär der Annahme entgegen getreten ist, als bildeten die bisherigen Erklärungen der Verbündeten Regierungen zu den Steuer« Vorlagen gewissermaßen ein Ultimatum für den Reichstag, die äußerste Grenze des Nachgebeus der Verbündeten Regierungen. Wenn sich die Nachricht beftätigeu sollte, daß int Schoße der Vc - bündeten Regierungen bereits Erwägungen gepflogen worden find über die etwaige Ersetzung des einen und anderen Steuerprojekts durch andere Vorschläge, so wird man darin einen weiteren Fingerzeig erblicken dürfen für die Absicht, ohne allzuweit gehende Versteifung auf die bisherigen Pläne m i t dem Reichstage die geeignetsten Wege zur Lösung der Steuerfrage zu finden. Wir halten das auch für das einzig Vernünftige, denn schließlich hängt von der Lösung dieser Frage das Gelingen oder Nichtgeliugeil -aller weiteren Pläne ab. Tie Mchranfordernngen des Etats, wie die Flottenvorlage und die Reichsfiuanzreform schweben vollständig in der Lust, so lange nicht die Deckungsfrage, also die Steuerfrage erledigt ist. Die Verbünveteu Regierungm werden aber ans allgemein politischen Gründen wie mit Rücksicht auf die Unpopularität des Steuerthemas es schwerlich zur Entscheidung der Frage, w i e die Last der neuen Steuern verteilt werden soll, auf einen Konflikt mit dem Reichstage und auf etwaige Neuwahlen ankommen lassen.
Das Arbeitspensum, das der Reichstag außer den ihm gestellten Hauptaufgaben zu erledigen hat, ist so groß, daß alles getan werden sollte, tnaS möglich ist, um die Geschäfte der Volksvertretung zu fordern. Vor allem durch die Sicherung der Beschlußfähigkeit des Reichstags. Es muß sich sehr bald zeigen, was Wahres ist an den Mitteilungen, die in den letzten Tagen über einen veränderten Stand der Verbündete!, Regierungen U, der Frage der Amvesenheitsgelder durch die Presse gegangen sind Man sollte sich an den zu- stand wen Stellen doch nicht mehr verhehlen, daß die Diätensrage je länger, desto mehr ein Gesicht