Einzelbild herunterladen
 

frfd}tl*t t-glich, *# Surnahme 6er So**« **d Feiertage, viertel« jLhrl. Bezug,prei. Ohne vringerlohn und vesteügeld in Fulda und «Uwärtr 1 Mk. 50 ptS-

verautwortlicher rchriftlelter:I. Baum;

für die Anzeige* I. pari .'Her in Fnlda.

ruldaer W Zeitung

w»ch«»«aas<: „IlluftrierteSoimtagrzeitung" m««-Kbeiiage: „Fuldaer Gekchichtsblötter".

Anzeigen: Pie em« spaltrge Petitzeile oder deren Raum iS pfg. Reklamen die Petitzeile 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr.

Rabatt gewährt.

llototi onr druä u. Verlag der tiUbaer 2k« tiendruikere! in Fulda.

Fernipre der Nr. 9.

JV3 5,

Die Msorge für die schulentlafseue gewerbliche männliche Jugend bildet den Gegenstand von drei Ministerial» erlassen auS älte.c und neuerer Zeit, die im Zentralblatt der preußischen Unterrichtsverwal- itung jetzt veröffentlicht werden und welche er­nennen lassen, daß die Unterrichtsverwaltung ^dieser wichtigen Frage in dankenswerter Weise -fortgesetzt ihre Ausmerksamkeit widmet. In der Tat bedarf gerade in unseren Tagen die Frage einer verstärkten Erwägung, wie die gewerbliche männliche Jugend tunlichst vor den mancherlei Gefahren zu bewahren ist, die ihr heute drohen, wenn sie sich selbst überlassen ist.

Schon in einem unter dem 24. Siovember 1901 ergangenen Erlasse der Minister des Han­dels, des Unterrichtes und des Innern an die Regierungspräsidenten werden die letzteren auf­gefordert, ihr Augenmerk auf die Vereins- bestrebungen zu richten, welche darauf abzielen, die schulentlassene männliche Jugend zu sammeln und sie vor Einflüssen zu bewahren, die geeignet !ind, ihre geistige und sittliche Entwickelung in alsche Bahnen zu lenken. Mit hoher Anerken­nung spricht sich der Erlaß über die Wirksam­keit namentlich der konfessionellen Jüng­lings-, Lehrlings- und Gesellen­vereine aus. Neben diesen sind noch mancherlei andere Veranstaltungen von gewerblichen Unter­nehmern, Innungen, Gemeinde-, Kirchen- und Schulbehörden, anderen Korporationen und freien Vereinigungen ins Leben gerufen worden, welche die gleichen Ziele verfolgen. Daß trotzdem auf diesem Gebiete noch viel zu tun bleibt, geht aus der in dem Erlasse mitgeteilten Tatsache hervor, daß nur etwa 10 Prozent der gewerblich tätigen jungen Leuten den konfessionellen Vereinen an­gehören, daß — hochgegriffen — weitere 10 Prozent an den sonst bestehenden Veranstaltungen beteiligt sind, und daß von dem Rest weit über die Hälfte in ihren Mußestunden eines An­schlusses an das Elternhaus oder eine sonst ge­eignete Familie gänzlich entbehrt. Diese Tat­sache birgt ohne Zweifel eine außerordentliche Gefahr für unseren gewerblichen männlichen Nachwuchs in sich, eine Gefahr, welche durch ri>te neueren Bestimmungen über die Sonntags­ruhe und über den früheren Ladenschluß, sowie Idurch den gestiegenen Verdienst der jungen Leute nicht unwesentlich vermehrt wird.

Man kann es daher nur mit Befriedigung begrüßen, daß in dem betreffenden Ministerial- erlaß die Regierungspräsidenten aufgefordert werden, die bestehenden Vereine, welche sich die -Fürsorge für dte schulentlassene gewerbliche männ­liche Jugend angelegen sein lassen, nach Kräften zu unterstützen und dort, wo solche Vereine ■ oder ähnliche Veranstaltungen noch nicht vorhanden sind, ihre Einführung zu fördern. Freilich darf damit auf keinen Fall den bestehenden konfessionellen Vereinen Abbruch getan werden, denn diese haben vor den sonstigen Veranstaltungen den bedeut­samen Vorzug, daß sie auch eine religiöse Einwirkung auf die Jugend ausüben können. Wir halten daher die in einem zweiten Erlasse der oben bezeichneten Minister enthaltene Er­klärung, daß es nicht in chrer Absicht liege, die vorhandenen konfessionellen Vereine durch Veranstaltungen zu ersetzen, die keinen konfessionellen Charakter tragen, für sehr am Platze. Die Regierungspräsidenten dürften daraus den Schluß ziehen, daß eine Unterstützung der

Fulda, Montag, den 8. Januar 1906.

Gil Schatten ms dem We.

Von H. Catalina.

(Nachdruck verboten.)

Ist nicht der Mühe wert. Verloren ist ver­loren! Je eher das Ende kommt, desto besser! — Inzwischen aber handelt es sich daruni, den letzten ,8teft des Daseins so teuer als möglich zu ver­kaufen, zu genießen, sich die Mittel zum Genüsse um leben Preis zu verschaffen. — Je größer das Wagnis, desto größer der Reiz. — Frei wandle lA umher, verkehre in den ersten Hotels, besuche Theater und Rennplätze, fahre in elegantem Zwei­spänner im Korso, und wenn ich die dunklen Uni­formen mit den blanken Knöpfen sehe, ober einen luchsäugigen Herrn Kommissario, so muß ich innerlich lachen. — Schließlich werden sie mich ja fangen, das ist so der Lauf der Dinge •— aber lebendig bleche ich nicht in ihren Händen — da­für ist gesorgt. — Und nun komm, wir wollen uns einen vergnügten Abend machen. Für das „Alcazar" ist eben die richtige Stunde! — Ein pikantes Abenteuer!"

„Nein, nein, davon kann nicht die Rede fein.— Auch Du, fei vorsichtig, ich bitte Dich. — Morgen mit dem Frühzuge reife ich, wie ich Dir schon sagte. Leider ist mein Aufenthalt hier in jeder Beziehung vergeblich gewesen."

„Kannst Du nicht noch einige Tage bleiben? Du bist ja Dein eigener Herr!"

„Ich bin mein eigener Verwalter. Die Arbeit ist dringend, und ich habe viele neue Arbeiter eingestellt. Ich muß unbedingt morgen reifen. Wir müssen Abschied nehmen."

Sie waren am hellerleuchteten Portale des „Hotel de la Paz" angekommen.

„Lebe wohl, John! Es tut mir nur leid —" „Braucht Dir nichts leid zu tun; ist alles in Drdnung. Wie bleiben die Alten. Wenn außer­

konfessionellen Vereine in erster Linie erwünscht ist, zumal betont wird, daß nach den eingereichten Berichten sich die konfessionellen Vereine in der Fürsorge für die gewerbliche Jugend besonders ausgezeichnet haben.

In einem neueren Erlasse des Kultus­ministers, der vom 24. Okt. 1905 datiert ist, heißt es, daß die Frage der Jugendfürsorge fortgesetzt Gegenstand der Erwägungen der Staatsbehörden sei, und es wird festgestellt, daß das segensreiche Werk „unter dem „erfreulichen Zusammenwirken der Beteiligten" bisher einen durchaus befriedigenden Fortgang ge­nommen hat. Der Minister konstatiert aber auch daß ein weitreichendes Bedürfnis für weitere Ausdehnung der Bestrebungen namentlich auch in den kleineren Städten und Landgemeinden vorhanden ist. Um diesem Bedürfnis zu genügen empfiehlt der Minister vor allem eine intensivere Beteiligung der Lehrer an den entsprechenden Wohlfahrtsbestrebungen.

Wir hoffen und wünschen, daß diese Anregung auf fruchtbaren Boden fällt. Neben dem Elternhause und der Kirche ist vor allem die Schule dazu berufen, sich der Fürsorge für die Jugend zu widmen, und ihre Aufgabe hört auf diesem Gebiete nicht mit der Entlassung der Kinder aus der Schule auf. Zu wünschen wäre es, wenn die Regierung einmal eine Zu­sammenstellung der der Fürsorge für die schul­entlassene Jugend gewidmeten Veranstaltungen veröffentlichte, damit man die Lücken erkennen könnte, die noch auszufüllen sind.

Deutsches Reich.

Berlin, den 6. Januar 1906.

* Anläßlich der Ernennung des Grasen Moltke zum Generalstabs -Chef war vbn einer Reihe Berliner Blätter behauptet worden, daß Graf Moltke den Posten zuerst ab gelehnt habe, da er sich demselben nicht gewachsen fühle. Der Kaiser habe ihn aber mit dem Hinweise be­ruhigt, daß er selbst ihm wirksam zur-Seite stehen werde. „Im Kriege," habe der Kaiser bemerkt, „bin Ich Mein eigener Generalstabs - Chef, und das bischen Friedensarbeit müßten Sie doch be­wältigen können." Die,Nordd. Allgem. Zta/ ist „ermächtigt, festzustellen, daß es sich bei Vieser Meldung von A bis Z um groteske Erfindungen handelt".

**, General v. Trotha beabsichtigt nicht, wie verschiedene Blätter behaupteten, seine Krieg­führung in Süd-West-Afrika zu vertreten. In einem Schreiben an die ,Nationalzeitung^ schreibt Herr von Trotha u. a.: „Ich habe nie die Ab­sicht gehabt, im Reichstage mich irgendwie ver­teidigen zu wollen. Das habe ich nicht nötig." Auch wir halten es nicht gerade für unerläßlich, daß General v. Trotha dem Abg. v. Ledebour persönlich gegenübertritt. Im übrigen dürfte es doch wohl von den maßgebenden Stellen ab­hängen, ob man den General zu einem Auftreten im Reichstage Veranlassung gibt ober nicht.

* Die Zurückweisung der Angriffe des ,Bc « wcirts' gegen die Staatseisenbahnverwaltung, der sich am Donnerstag die ,Nordd. Allg. Ztg/ unterzog, sucht das sozialdemokratische Blatt da­durch abzuschwächen, daß es an das offiziöse Organ eine Reihe von Fragen richtet, die sich auf den angeblichen Verzicht der Verwaltung auf rückständige Kohlenlieferungen seitens des Syn-

gewöhnliches vorkommt, bann Nachricht auf dem bekannten Wege; im übrigen halten wir uns an die Abmachung. Gute Nacht, alter Junge, laß Dirs gut gehen."

„Gute Nacht, John! — Nochmals, fei vorsich­tig, ich bitte Dich!"

Ein hartes Auflachen war die Antwort; bann trennten sich die Freunde. Der eine stieg langsam, mit schwerem Schritte wie nach großer, körper­licher Anstrengung die hellerleuchteten Treppen des Hotels hinan.

„Morgen früh vier Uhr nach Rosario", rief er dem Zimmerkellner zu, der ihn nach seinem Befehle fragte. Dann trat er auf den Balkon seines Zimmers und blickte noch lange hinaus zu dem klaren Nachthimmel und Sen großen, mild leuchtenden Sternen des Südens.

„O, Du ewige Weisheit, wer darf Dich fragen, warum nach dem Schiffbruche der eine den sicheren Hafen gewinnt, während der andere ein Spielball der Wellen treibt?" Dieser Gedanke stieg in seiner Seele auf, aber eine Antwort konnte er nicht finden.

Der andere hatte mit wenigen Schritten die Straßenecke erreicht und sich nach der Straße Maipu gewandt. Diese durchschnitt er fast in ihrer ganzen Länge. Endlich blieb er vor einem einstöckigen, respektabel aussehenden Hause, dessen Fensterladen verschlossen waren, stehen und holte den Schlüssel hervor.

„Meine Kompagnons werden sich wundern, daß ich so früh nach Hause komme; aber ich habe keine Lust mehr, mich nach Vergnügen umzusehen; der alte Junge hat mir das Herz weich gemacht", murmelte er vor sich hin, als die Türe hinter ihm ins Schloß siel.

Aus einem Zimmer im Hintergründe schim­merte Licht. In wenigen Schritten näherte er sich und trat ein. Ein Mann, der sich an einem langen Tische über eine Arbeit beugte, sah ver­wundert auf.

„Schon zurück, «Senat ?"

dikats beziehen. Die,Norbb.Allg.Ztg/bewerkl dazu, diese Fragen sollten den Eindruck der Sackkunde erwecken, in Wirklichkeit seien sie aber ebenso nichtig und ungereimt, wie der gaine Verstoß des ,Vorwärts". " „Wir können", sagt die ,Nordd. Allg. Ztg/ weiter, „diesen Kreuz- und Quer­sprüngen gegenüber nur nochmals klipp und klar erklären, daß das Kohlensyndikat die Nachliefe­rung von Rückständen zu den jetzigen Vertrags­preisen niemals abgelehnt, vielmehr noch aus­drücklich zugesichert hat. Der jetzige Versuch, die früheren Behauptungen mit dunkeln An­deutungen zu stützen, „zeigt, daß der,Vorwarts' nicht ansteht, frivole Anschuldigungen gegen die Staatsregierung trotz tatsächlicher Widerlegung aufrecht zu erhalten."

*# Eine Umfrage zur Feststellung der Schädigungen, welche Handel und Verkehr von den geplanten neuen Steuern zu ge­wärtigen 'haben, veranstaltet zur Zeit die Berliner Handelskammer. Die Feststellung betrifft in erster Linie die Fahrkarten-, Frachturkunden- und Quittungssteuer. An zahlreiche größere Firmen sind entsprechende Fragebogen verteilt. Die Berliner Handelskammer will so authentisches Material gewinnen, um ziffermäßig die große Steigerung der Geschäftsunkosten durch die ge­planten Verkehrs-Steuern Nachweisen za können.

.-. Koloniales. Der Gouverneur von Süd- westafrika, von Lindequist, ist angewiesen, künftig bei Meldungen von Vermißten anzu­geben, ob angenommen werden kann, daß der Vermißte tot ist ober ob es möglich ist, daß der Vermißte zur Truppe zurückkehren kann. Haben Vermißte bisher an Angehörige Familien- zahlungen geleistet, so zahlt der Staat diese G? der so lange weiter, bis die Totmeldung ein­trifft, bei Gefangenen solange, bis die Gefangen­schaft ihr Ende erreicht hat.

* Eine Vorlage bett, den Ausbau des Emdener Hafens wird dem Abgeordnetenhause nach seinem Wiederzusammentritt zugehen. Der jetzige 17,5 Hektar große Außenhafen Emdens soll am östlichen Ufer so verbreitert werden, daß er 24 Hektar groß wirb. Von den auf den Planen verzeichneten 5 Hafeneinschnitten wird vorläufig nur ein 45 Hektar großes Stück in Angriff ge­nommen. Am andern Ende dieses Beckens wird eine Ausfahrt nach dem Jnnenhafen an der gleich­zeitig zu verbreiternden Einmündung des Dort­mund - Emskanals geschaffen. Gleichzeitig wird am Jnnenhasen, welcher auf insgesamt 27 Hektar gebracht werden soll, ein Schwimmdock angelegt werden. Von den Kosten des Hafenausbaues wird die Stadt Emden ein Fünftel zu tragen haben.

* Die Nachweisung der 1906 pacht- frei werdenden und bereits verpachteten Domänen ist dem Abgeorbnetenhause zugegangen. Danach haben 51 Pachtungen mit runb 2 -000 Hektar vor der Neuverpachtung 670347 Mark eingebracht. Bei der Neuverpachtung find 723 217 Mark, also 52570 Mark mehr, erzielt worden. Ans der gleichfalls dem Abgeordnetenhaufe zu- gegangenen Nachweisung über die Ergebnisse der anderweiten Verpachtung der 1905 freigewordenen Domänenvorwerke ergibt sich, daß 52 Pachtungen mit runb 26000 Hektar bisher für 856878 Mk. verpachtet waren. 'Neuverpachtet wurden 25879 Hektar für 907133 Mark, es ist alsoeineMehr- einnahwe von 50 255 Mark erzielt worden.

** Der deutsche Tabakverein hat dem Reichs­tage eine Denkschrift zugestellt, in welcher unter Beibringung statistischen Materials die Er-

„Ja, Carpi. Und sind Sie noch bei der Ar­beit! — Es ist nicht gut, zu später Stunde und Nacht zu arbeiten, ich habe es Jhnei: schon oft ge­sagt. Es macht Sie nervös, unsicher. — Wo ist Cerrutti? — Ausgegangen? — Ich sehe cs nicht gerne, daß er so viel ausgeht. Ich kann mich des Mißtrauens nicht erwehren. Ist er denn auch ganz zuverlässig?"

„Gewiß! Ich fenne Cerrutti feit langer Zeit. Er ist Lebenslustig und liebt fröhliche Gesellschaft; aber er ist sehr mäßig. Man kann ihm unbedingt vertrauen. Schon in seinem eigenen Interesse muß er vorsichtig fein."

Carpi war ein Italiener von kleiner, schmäch­tiger Gestalt rind scharfen, intelligenten Gesichts­zügen. Er erhob sich von seiner Arbest, um auf dem mit vielen Gegenständen bedeckten Tische Ord­nung zu schaffen. Da lagen Papiere, Zeichnun­gen, Platten, Jnstrlimente aller Art; Gefäße mit verschiedenfarbeiren Flüssigkeiten standen umher. Auch in den Ecken des Zimmers lehnten und stan­den Pressen und Steinplatten von verschiedener Größe;, sonst waren die Wände kahl.

„Wie steht es mit den Uruguayer Noten? — Fertig?" —

„Ja, sie sind fertig. — Ich habe sie heute mit der Lupe nachgeprüft und hatte sie für vollkommen gelungen. Wenn der Sonor sie morgen bei Tages­licht nachsehen will —"

„Gewiß, das will ich. Doch hat es keine Eile. Erst wechseln wir hier eine Partie davon um, ehe ich in Montevideo einen größeren Coup wage. Bei dem argentinischen Papiergelde haben wir viel weniger zu fürchten, namentlich bei den kleine­ren Werten. Aber die uruguayischen Scheine sind Banknoten von größerem Betrage. Ich muß mir die Sache noch genau überlegen. Gut wäre es, wenn ich einen Helfer hätte, einen Begleiter; aber zu Cerrutti habe ich kein Vertrauen. Er ist zu jung, versteht nicht aufzutreten. Und Sie, EaHst?"

33. JahMNss.

Höhung der Tabaksteuer und bie Zigarettensteuer bekämpft werben. Gegen eine Gleichstellung ber Tabak- und Zigaretteninbustrie hinsichtlich ber Besteuerung werben Einwände nicht erhoben, da bie Zigaretteninbustrie zur Zeit gegenüber der Tabakindustrie begünstigt sei.

.'. Die Ansiedclungskornmission hat im November v. I. ca. 15 Gitter in Posen mit runb 4000 Hektar und 6 Güter in Westpreußen mit 1400 Hektar angekauft. Im kommenden Frühjahr werden in Posen 12000 und in West­preußen 8700 Hektar zur Bftiedelung kommen. 1100 Ansiedelungsstellen in der Größe bis zu 20 Hektar liegen schon jetzt aus.

* Ansiedlungsbeihilfen für ehemalige Leute der Schutztruppen werden von jetzt an allen Angehörigen der sudwestasrikanischen Schutztruppe gezahlt, bie enilaffen werden und sich im Schutzgebiete an siedeln wollen. Die Bei­hilfe soll bie Höhe des Heimreisegelbes vorläufig nicht überschreiten. Stellen sich jeboch ber An­siedlung besondere Schwierigkeiten in den Weg, so kann die Summe erhöht werden, unter bet Bedingung, daß sich der Empfänger bereit erklärt, bie Ueberfchußanleihe zurückzuzcihlen. Bekanntlich hat ber Abg. Dr. Bach em in der Bnbgeikom- mission des Reichstags angeregt, den zur Ent­lassung kommenden Schutztruppen unentgeltlich Land zu überweisen und ihnen auch sonst in ber Ansieblrmg behilflich zu fein. Es wäre ange- bracht, wenn dieser Gedanke in Verbindung mit ber oben erwähnten Maßnahme weiter verfolgt und in eine gesetzliche Form gebracht würbe.

* Zur Ausfüllung ber in Südwestafrika entstanden en Lücken bei ber Schutztruppe werben im Februar zwei Ersatztransporte in Höhe von zusammen 1350 Mann abgehen. Zu­gleich mit den Transporten werden 1000 Pferde nach dem Schutzgebiet entsandt werden. Die für den Süden ber Kolonie notwendigen Verstärkungen von 34 Offizieren und 667 Mannschaften werben einstweilen den im Norden ber Kolonie stehenber Truppen entnommen werden, die später durch die aus der Heimat einlreffenden Transporte er­setzt werden. Insgesamt stehen jetzt runb 14,000 Mann in Südwestafrika, von denen etwa 10,000 Mann zur wirklichen Verwendung im Felde zur Verfügung stehen. Der Rest ist zum Teil krank (über 1000 Mann), zum Teil zur Deckung der Etappenstrecken und Depots notwendig.

** Berlin, 5. Jan. 1906. Der Kaiser hörte gestern nachmittag zunächst den gemeinsamen Vor­trag des Landwirtschaftsministers und Kriegs­ministers, hieraus denjenigen des Chefs des General­stabes der Armee und denjenigen des Chefs des Militärkabinetts. — Die Kaiserin hat die An­regung zu der Errichtung einer Musteranstalt für Säuglingsfürsorge in Berlin-Westend gegeben. Die Entwürfe dazu sollen dem Kaiserpaare zu der bevor­stehenden silbernen Hochzeit überreicht werden. — Der Br and en burgische Städtetag tritt am 12. Januar d. I. in Berlin zu einer außerordent­lichen Tagung zusammen behufs Stellungnahme zum Volksschulgesetze. — Das Gesetz, betr. den zweiten Nachtragsetat für 1905 wird amt­lich bekannt gegeben. — Der stenographische Bericht über die Kartellenquete betr. die Verbände in der Tapetenindustrie am 30. November wird vom ,Reichs- und Staatsanzeiger' veröffentlicht.

Rustand.

* Balfours Wahlagitation scheint ebenso wenig vom Glück begünstigt zu fein, wie bie

Der kleine Italiener wehrte mit beiden Hän­den ab.

„Ich kann es nicht, Senor. Ich fürchte, jeder müsse es mir ansehen, wenn er es gleich beit Schei­nen nicht ansieht, daß sie nicht echt sind. Ich bin zu ängstlich."

„Das weiß ich, und Deine Pepina macht Dich noch ängstlicher." —

Dies sagte er zu dem eben eingetretenen jungen Weibe. . ..

„Ihr könnt ganz ruhig sein! Die fdjöncnJBiu)- djen geben unbeanstandet durch alle Hände. Schon habe ich eine hübsche Summe in Gold umgewech­selt, und ehe der Sommer zu Ende ist, zieht Ihr von hier fort und fangt mit dem Gewinne ein ehrliches Geschäft an, wie Pepina es wünscht."

„Die heilige Madonna helfe uns, daß mein Kind nicht im Hause des Verbrechens geboren werde", flüsterte das junge Weib, als sie sich an- schickte, Türen und Fenster zu verschließen. Wenige Minuten später lagerte tiefe Ruhe über dem Hause.

4. Kapitel.

„Helios", einer der prächtigen Salondampfer, welche die tägliche Verbindung mit Buenos-Aires vermitteln, lag in der Reede von Montevideo zur Abfahrt bereit. Die Ladung war eingenommen. Zahlreiche Passagiere, begleitet von Freunden und Angehörigen, befanden sich an Bord. Einige lust­wandelten auf Deck, andere hatten sich im Spctje- faale zu einem Abschiedstrunke vereinigt, wieder andere bekümmerten sich vorsichtig um Gepäck und Kabine. Da gaben Glockenschläge das Zeichen,, daß alle, die nicht mitreifen wollten, das Schiff zu verlassen hätten. Mit ungeheurem Baffe er­dröhnte die Signalpfeife des Dampfers; dazwi­schen fauchte die Maschine, klangen Kommando- rufe und Abschiedsworte. Einer nach dem andern stiegen die Nichtpassagiere die Schifsstteppe hin­ab, von den Beamten des Dampfers zu Vorsicht und Eike zugleich gemahnt. Am Fuße der Treppe