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veiannoortltcker Xrittieiier:3. 6uum; für Ne anjetKtn 3. Par,.»« In SnlM.

»n;elßen: Vie ei» fp lüge petitzei e oder deren Baum 15 Pfg. Feilamen die peiitzeile 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird entfpr. Kabail ckwährt.

Kofationserud u. Verlag »er «uldaer 2ic» tiendruoerei m Sulfta. Setnfpte r« Nr. 0.

M 4.

Fulda, Freitaa, den 5. Januar 1%6.

33. Jahrqana.

Zweites Mtcitt.

Wochm-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

Fulda, den 5. Januar IS06.

Abgesehen von Rußland haben sich in der Neu- ^ahrsnacht politische Ereignisse von größerer Be­deutung nirgendwo abgespielt. Der Jahres­wechsel bot ober der Presse aller Länder Anlaß zu rückschauenden und Vorwärtsschauenden Be­trachtungen. In der deutschen Presse gab sich allgemein eine sehr ernste Stimmung kund, welche den Erinnerungen an die kritischen Momente ent­sprang. an denen das verflossene Jahr leider reich genug war. Man verfehlt sich nirgendwo, daß der Friede für Deutschland und danück für ganz Eu­ropa im vergangenen Jahre eine 'zeitlang ernstlich bedroht tvar und entschlägt sich nicht der Besorg­ens, daß bei aller Friedensliebe des Reiches doch solche gefährlichen Situationen leicht wiederkehren können. Aus fast allen Neujahrsbetrachtungen deutscher Blätter leuchtet als Fazit der politischen Erfahrurrgen des Jahres 1905 die Tatsache her­vor. daß die Friedenszuversicht einen argen Stoß erlitten hat. Allerdings verkennt man auch nicht, daß die Lage sich im allgemeinen sehr gebessert hat gegen Schluß des Jahres, und man gibt durch­weg der Hoffnung Raum, daß das neue Jahr sich allen noch vorhandenen Differenzen und Schwierigkeiten zum Trotz sich als ein F r i e° -ensjahr bewähren werde.

Die Bemühungen, diese Erwartung zu kräfti­gen durch die Beseitigung der zwischen Deutsch­land und England herrschenden Verstim­mung, haben in der Neujahrswoche ihren Fort­gang genommen. Die von Deutschland ausgehen­den Sympathiekundgebungen für England haben -jenseits des Kanals eine recht freundliche Erwide­rung gefunden. Die leitenden Staatsmänner bei­der Reiche haben ihr Einverständnis mit den An­näherungsbestrebungen dargetan und zwischen den Oberhäuptern der Hauptstädte Berlin und London sind zu Neujahr sehr freundliche Telegramme aus- getaufcht worden. Man kann nur wünschen, b-n diese spontanen Kundgebungen auch für die offi­ziellen Beziehungen der beiden Länder zu einander nutzbringend fein möchten.

In der inneren Politik dauerte die mit Weih­nachten einsetzende Ruhepause noch fort. Beachtung verdient dec zu Neujahr einaetretene Wechsel in der Leitung des Großen General st abes. An die Stelle des Generalobersten Grafen von Schliessen ist der Generalleutnant von Moltke zum Chef des Großen Generalstabs ernannt worden.

Die freisinnige Agitation gegen das Volks- schnlunierhaltungsgefetz hat im preu­ßischen Lehrerta g, der am vergangenen Frei­tag in Berlin z-sammenaetreten war, ein Echo gefunden, das für unseren Volksschullel"-erst">nd wenig Vertrauen zn erwecken geeignet ist. Der Lebrertoq erklärte sich unter dem Einflüsse von einiaen freisinnigen Abgeordneten, die dem Lehrec- Kande angeboren, ziemlich unzweideutig aegen die konfessionelle Volkssebule und verlangte „«um mi"d,sten" f’"r die Si""'lto"sck"le die „Gleichbe- rechriauna". Demgegenüber darf man dem Voft'M des katholischen Lehrervereins für Preußen, der unaefickr zur gleichen Zeit in der eme Delegichch-nversammsung ab- bielt, b«sondere Bed?"tuna besiegen. Derselbe er­klärt? llch nachdrücklich für die Konfessionalität der Volkss>b''le und hearüß^e mit Ge"i»"t"ung b;e Fell^egunq dieses Vrin-ivs in dem V"lkssck"ft«nter- haltungsgesetz, wenn die Formel dafür a"ch kaum als ganz ausreichend angesehen werden kann.

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Da» Königreich Bayern beging zu An- fang des neuen Jahres die Feier seines hundert­jährigen Bestandes als Königreich.

Die Krisis in Ungarn steht nach wie vor ans dem alten Fleck. Neuerlich ist die Rede davon, daß der österreichisch-ungarische Minister des Aus­wärtigen, Graf Goluchowsky, der ungarischen Op­position aeopfert werden soll.

Der Wechsel in der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten Italiens batte an verschiede­nen Stellen Besorgnisse bezw. Hoffnungen in Be­treff der künfttaen Stellung Italiens zum Drei­bünde geweckt. Von deutscher offiziöser Seit? wird diesen Ausstreuungen indessen nachdrücklich ent­gegengetreten und man versichert, daß der Mar- anis de San Gialiano sofort nach seinem Ein­tritt in die Negierung dem deutschen Reichskanzler ein in deutscher Sprache abgefaßtes Telearamm gesandt habe, in welchem er sein Festbalten an der Dreibnndvolitik betonte.

England siebt schon unter dem Zeichen einer intensiven Wahlbeweauna. Sowohl vonseiten der Liberalen wie vonseiten der Konservativen wird die denkbar rührigste Agitation entfaltet. Einen neuen, beachtenswerten Faktor im Wahlkampfe bildet die Arbeitertmrwi, die diesmal in großem Umfange — man spricht von 51 Kandidaturen — in denselben einzugreifen gedenkt.

In Frankreich bildete das von der pävst- lichen Kurie ansaegebene Weißbuch über die Ent­wicklung der Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan den Geaenstand lebhafter Erörterun­gen . Aus den Auszüaen, welche einzelne Blätter daraus mitteilen, geht hervor, wie stark Frank­reich sich mit seiner gegen die kat^olis^e Kirche gericht-sten V"litik ins Unrecht gesetzt hat. Die französische Negierung bat den Bruch mit dem Vat^an förmlich aewaltsam herbeigefübrt.

Die Marokko-Konferenz ist nun de­finitiv auf den 16. Januar nach Algeciras beru­fen, nachdem der Sultan von Marokko Spanien sein Einverständnis damit kundgegeben hat.

Die Wirren in Rußland haben auch beim Jahreswechsel ni*t gerillsi. Zwar ist die Revolu­tion in Moskau niederaeschlagen, aber an anderen Stellen des russischen Re'^cs erbebt sie wieder ihr blutiges Hauvt. So in Jekoterinoslow, in Sgro- ton und tn Dachw' t. Namentlich in den beiden zuletzt genannten Städten scheinen in den letzten Tagen schwere Kämpfe zwischen den Truvven und den Aufständischen sich abgespielt zu haben, die für d'e Revolutionäre ai-ßerordeutlich verlustreich gewesen sind. Die russischen Behörden gccken senk überall mit scharfen Maßnahmen geaen die Auf­ständischen vor. indem sie die Hauvtsübrer ver­haftet, die Waffendevots räumt und jeden Wider­stand nachdrücklich, wenn nötig mit dm Gm'-'lt der Kanonen, nied-rwirft. In den meisten Osisee- stsivten schei-t die Macht dm Revchutio-äre gleich­falls gebroll-en zn fein. Verein-elt nehmen arfer- dinas dieselben bft'tige Rache. Sa wurden in den letzten Taaen in Riaa mblrei-^e Dr-^agner ntes<*r- gema^t, d'° van den Revolutionären in einer Fa­brik im Schlafe sibertallen waren.

Zwisten der Türkei und B e lasen ist ein s^arfer Kaufst^ entstanden, da die Pforte die Ausliefernna des Belgiers Jaris verweiaert, der weaen Beteilimmg an dem Attentat gegen den Si'llmr zum Tode verurteilt ist.

Die bulgarische Sobranie bat eine Bartooe anaenommeu, durch das ei"? Zollunion zwischen Bulgarien und Serbien etabliert wird.

Unpolitische Zeitlaufe.

H Berlin, 3. Januar 1906.

(Nachdruck verboten)

Bor Weihnachten wird leichtsinnig eingekauft: nach Weihnachten wird keck umgetauscht. Zu den

vielen modernen „Errungenschaften" gehört auch die Umtauschfreiheit. In meiner Jugend galt noch das Wort: Gekauft ist gekauft! Man überlegte sich die Sache vorder. Jetzt kauft man Versuchs- weise und will die Neberlegung und Prüfung erst Nachfolgen lassen. Viel Zeitverlust, viel Last und viel Aerger; aber es gibt Käufer, die das Um­tauschen sportmäßig betreiben; sie haben Freude am AuSsuchen und gönnen sich gern diese Wabl- freude zweimal, wenn es nicht mehr kostet. Und nickst bloß die holde Weiblichkeit ist groß im Um­tauschen; ich kenne einen alten Junggesellen, der sehr entrüstet war, als er ein haar Pantoffeln, die er von Weihnachten ab täglich ausprobiert hatte, im neuen Jabr nicht mehr Umtauschen konnte.

Ich liebe die Umtaustberei nickt; denn erstens verführt sie zu leicktsinuwem Kaufen und zweit»" s weiß matt schließlich gor nicht mehr, wo sich die Waren überall schon Herumgetrieben haben. Es bleibt immer etmas hängen von dem versönli ^en oder häuslichen Schmutz der Zwischenkäufer. Auch Krankbeitskeime können die nmgetauschten Wrrcn als Ertropost heuutzeu. Schon das Anp>-obieren von KleidungSstü<*en ist uno"petiftlick. Wer sich nach alter, griter Sitte Reck, Hose, Stiefel rc. nach Maß anfertigen läßt, ist sicher, daß er Sachen be­kommt, die noch kein menschlicher Fremdköw'er entweiht bat. Aber wenn man jetzt „fertige Sa- cken" kauft, io bekam "st nmn einen Stiefel, in dem schon ein Dutzend Schweißfüße versuchsweise ge­steckt haben, und einen Nock, der sich f*on an ver­schiedene zweifelhafte Unterkleider geschwieat hat: von der g"vrobierten Hose wollen wir schon gar nicht weiter reden.

Sehe jeder, wie er sich mit den modernen Ge- schäftsaebräuchen abfinde! Wenn Du einen ernsten Grund hast, so kannst Du auch von dem icklick-n Tauschrecht Gebrauch machen; dock fährst Du besser, wenn Tu so vor'"cktig einkausst, als ob es gar keinen Umtausch aöbe. Zuvor gelon, hernach bedacht — hat waucke in großes Leid und sebr viele ein kleines Leid gebracht. Wer sich ans das Umtauschen verläßt, kann soear bet dem zweiten Anlauf noch schlimmer reinfallen, als bei dem er­sten. Ueberhanvt setzt man stickt, wenn man e?ne kleine Dummheit gut machen will, eine noch grö- 6ere darauf .

„Drum vrüfe, wer sich ewig bindet", sagt Schil­ler. Es gibt viele Lebcnsloaen, in denen man tauschen möchte ttnb nickt tauschen kann. Die Ehe­scheidung, welche sich die Andersgläubigen unter Umständen gestatten, f"f'rt auch auf dem „Hei- ratsmarkt" das Umtauschen ein; aber es ist doch ein febr sckmerstickes und kostspieliges Verfahren, und wir Katholiken willen, daß der ehelicke Kant- Vertrag auf Gegens-itiastit endgiltia und unab- änderl'ch ist. Das ist auch vom Weltsicken Stand-' punkt betrachtet, recht gut und weise eingerichtet; denn dadurch wird man zur gründlichen Var"rii- fuug und *t*r nach^r""llcken G?d"ld und Füasgm. feit veranlaßt. Mänast und Fehler bat er sowohl wie sm; wenn ieder Teil Nachsicht gewährt, west er auch N-cksickt brauchst, fo aeht es ganz gut die ineniaen Jabre bindurck, bis der Tod den großen Sck-cksalstausch vollzieht.

Nun gibt es sti^ertiae iunae Leute, die sick darauf verlassen, daß beim Verliehen oder «wir noch bei Verlobten der ..Umtausch gestattet" sei. Tas ist ein verweaeueK Spiel, das ost zum 11" heil a»s- schlagt. „Ein Mann, ein Wort", beißt eS bei braven Lettten; das s^wacke Gesckleckst mich aitck als Ehren- ttnb G?wiss«'"^"'ftickt befrackten, das Versvrecken zu halten. Nickt bloß das förmliche und keierliche Wort vervstichtet, sondern auch so'.ck? .Wandlungen, die der andere Test mit Grund als Zusage betrachten kann. Allo Vorsicht, wenn die Grenzen der gewöhnlichen Artigkeit und Freund­lichkeit überschritten Wersten sollen. Ans dem Hin­wege sieht mon nur die Nest"; auf dem Nückwegc würden die Dornen zur Geltung kommen. —

Hier zu Lande hört und liest man häufig von sog. Entlobungen: „Die Verlobung ist aufgehoben." Ein sehr schlechtes Zeichen der Zett. Wenn es bei der Jugend mit der Menschenkenntnis und Ueber- stgung noch schwach bestellt ist, so müssen doch die Eltern dnrck erhöhte Umsicht den Mangel ergän­zen und dafür sorgen, daß der Brautstand nicht zu einem frivolen Spiel wird.

Manche Eltern stuften über ihre Kinder. Ja, da ist auch der „Umtausch gestattet". Wie die Kinder aufwackien, so müssen sie Wohl oder übel verschlissen werden. Es gibt freilich traurige Fälle von schlechten Kindern der besten Eltern; in der Siegel aber haben die Eltern selbst gcsäet, was sie ernten. Die einen verwöhnen ihre Sprößlinge, die anderen vernachlässigen sie, und manche geben ihnen sogar ein schlechtes Beispiel. Nachher schelten sie über die „unbegreifliche" Schlechtigkeit des Nachwuchses, statt an die eigene Brust zu schlagen. Wer klug ist, macht sich schon beim Ankauf der er sien Wiege klar, baß Kinder kein Spielzeug sind, und daß die sorgsamste und zäbeste Arbeit nötig jst, um sie zu tüchtigen Menschen und braven Christen zu machen, mit denen sich die Eltern vor Gott und der Welt selten lassen können.

Tie Berufswahl sollte auch mit der Inschrift versehen werden: Umtausch ausgeschlossen! Das sogenannte Umsatteln bedeutet eine Verschwendung von Zeit, Geld und Lebenskraft; es gibt einen Knick im Dasein, der sich oft gar nicht wieder weg­bügeln läßt. Nicht auf's Geratewohl versuchen, sondern erst genau prüfen und überlegen, um dann mit entschlossener Tatkraft ohne Rück- und Seiten­blicke auf das gesteckte Ziel loszugehen durch Tick und Dünn. „Was soll der Junge werden?" war früher die einzige Frage. Jetzt heißt es auch: Mas soll das Mädchen werden? In dem Augen­blick, wenn das letzte Schuljahr abtäuft. fällt nicht die richtige Lösung vom Himmel. Die Eltern müssen schon jahrelang vorher die Neigungen und Fähigkeiten der Kinder beobachten, über die Ver­hältnisse in den betreffenden Berufszweigen sich klar werden und die Kinder selbst zu einem ver­nünftigen Entschluß anzuleiten suchen. Die Mühe der gewissenhaften Wahl lohnt sich reichlich, wenn des Berufswechsels Qual vermieden wird. Andr» rerseits muß man auch nicht zu starrköpfig sein, wenn man sieht, daß der gewählte Beruf für den jungen Menschen wirklich nicht paßt. Wer in eine Sackgasse geraten ist, muß umkehren; je eher, desto besser.

Beim Wohnungsmieten verlassen sich viele Leute auf die Möglichkeit des Umtausches. „Wir binden uns ja nicht auf ewig; wenn die Wohnung uns nicht paßt, können wir ja wieder ziehen." Das ist leicht gesagt, aber schwer getan. Um» tcb.it ist fein Vergnügen; wo man sitzt, da fleht man. Jedenfalls hat man Zeit genug, die Schäden der mangelhaften Wohnung auszukosten. Manche Familie hat sich das körperliche oder sinnlickte Siechtum geholt in einer Wohnung, die man ver­suchsweise nahm, weil man gerade nichts besseres gefunden hatte. Tie Wohnungsuche wird ja oft mit großem Leichtsinn oder arger Nachlässigkeit betrieben. Man nimmt sich keine rechte Zeit dazu, denn Zeit ist Geld; man will die paar Groschen Verdienst nicht fahren lasten und kann sich durch die schlechte Wahl doch einen Schaden zu ziehen, der mit Hunderten oder tausenden von Talern noch zu niedrig geschätzt ist. Man läßt sick durch hübsche Aeußerlichkeiten oder sckönc Worte der- blenden und gibt sick nicht die Mühe, gründlich das ganze Nest und seine Umgebung sich wieder­holt anzuseben. Wer für sich und die Seinen ein Heim mieten will, der setze fo viel Zeit ttnb Gewissenhaftigkeit an die Wahl, als ob er für alle Zeit sick dort unwiderruflich niederlassen wolle.

Das Warnungswort „Umtausch ausgeschlossen" wäre schließlich noch am Platze auf mancher be­weglichen Lippe. Schnell ist das harte, scharfe

GsHMlfünfdkAMk

4]

3. Kapitel.

Musik des Tages Saff ttnb Hitze zu vergessen. Am lebhaftesten wc>"te die Menge in der Näße des Flusses in den schönen Anlaaen Colon und Julia. Den zahlrei-^en Restaurants am Paseo de Julio strömten müde und hungrige Gäste zu. Unter den Arkaden auf dem breiten Fußstcme seßen sie an kleinen Tiscken U"d nahmen ihre Abendmahl­zeit oder eine Erfrischung im Freien. Hier ist nickt der Sammclvkatz der feinen Welt oder des ehrsamen Bürgerstat'des, nein, hier drängt sich di? immer wechselnde Flut der Matrosen aller Nationen, der neu onaefonnnenett Einwanderer uno derjenigen, die sich die Unerfahrenheit der °rnföinmlrrae zunutze machen wollen. Daher hat die Polizei ein wachsames Auae auf diesen Stadt- ‘»il und fahndet hold nack Vorhreckern, die aus Eurova enthoben, bald nach Spielhöllen, die hier ihr Unwesen treiben, überhaupt nach Hehlern und Stehlern aller Art, die sick hier die Hände reichen. Speiscchäuser und Hotels lösen sich in lanaer Reih' ob, nur unterbrochen durch die engen, überfüllt".! Läden der Trödler nnd Pfandleiher. Di» Häufe - ziehen sich nur an einer Seite bin. die andere i,". frei und geht in wohlgepflegte Anlaaen über.

Reine, frisch« Luft wehte vom Flusse herüber. Unermüdlich eilten die Kellner durch das Labp rinth der Tifchchen. TaS Klappern der Teller und Bestecke und da? Klirren der Gläser war dar einzige, was das Ohr vernahm. Nur hier oder dort unterhielt sich eine Gruppe mit gedämpfter Stimme. Tie Hitze des Taaes schien noch aus allen zu lasten . Bunt gewürfelt war die Gesell sckast: hier faßen dunkeläugige Südländer dort l»vb<isw Franzosen, weiterhin ernste Nordlanoet: I Engste der, Schweden, Dänen, auch einige Deut­sche, kürzlich angekonnnen, die recht verwunoert und mit sorgenvoller Miene in das fremdartige Getriebe blickten.

An einer Säule der Arkaden lehnte ein statt­licher. wohlgekleideter Manu. Unter dem breit- krä upigen Hute blickten ein Paar scharfe, graue Auaen Ü6m- hi» Shtfeh# Mn hnnn iwiitMon fia

Sorglich half er Irma, die in ihrer Erregung etttmcl um» anderemal über den ungewohnten langen Rock stolperte. Endlich waren sie an ihren. - wblinasplädcken angelangt, aber Irma wollte j

Bon H. Catalina.

(Nachdruck verboten.)

beruhigen und zu trösten; er zog sie an sich, ver­sprach ihr unzählige Briefe und Karten, gab ihr alle Kosenamen der Kinderzeit. Endlich legte sich der wilde Schmerz; leise weinte sie sich an seiner Schulter aus. während er die schwere Flechte, die wegen des Rittes aufgesteckt worden war, löste und nach etter Gewohnheit Irma sachte daran zog. Diese Bewegung rief ein Lächeln auf ihre Zürne. Feltr brach einen Zweig duftender Orange­blüten und steckte ibn in das goldblonde Haar.

„Aber, Felir, Orangeblüten l Tie sind nur für eine Braut l"

„Und bist Du nicht mein Bräntchen? Willü Du mir nicht versprechen, bis ich wiederkomm« .

Wwder rannen Irmas Tränen. Sie warf sich '•t Felix' Brust und stieß einige unverständliche Corte hervor. Dann wandte sie sich jäh und fing m zu laufen. Aber, o Weh! Sie hatte den langen Rock vergessen und lag platt auf dem Rasen. Allein ehe Felix ihr nach zu ,<ftlfe kommen konnte, hatte sie sich sckon aufgerafft; zugleich nahm sie den Orangeblüienzweig, der beim Falle weit hinaus- gcfcklÄ'deri worden war, auf, zog den Rock ganz ungebührlich in die Höhe und lief wie ein ge­scheuchtes Reh über den Rasen zum Hause, wo sie geaen ihre Mutter anprallte.

-Aber, Kind, wie siehst Du aus? Bringe Tick, so schnell als möglich in Ordnung. Das Essen wartet un" Du weißt, wie sehr Papa die Pünkt­lichkeit liebt."

„Ich weiß nicht, warum Pava Dich fortsch'ckt. Du kannst hier doch gewiß alles lernen, was Du brauchst. Vos ist da überhaupt zu lernen? — Wei'en und Wolle und Häute einkauten und wie­der verkamen, daS ist doch nicht so schwer. DaS kann jeder."

«Nein, jeder kann das nicht. Irma. Ein Kauf­mann, namentlich ein Großkaufmann, bedarf heur- zutage einer gründlichen, umfassenden Bildung, und muß auf vielen Gebieten Bescheid wissen. Und nichts bildet so sehr, als Rei'en und der Aufenthalt in der Fremde. Da lernt man . .

„Ach ja, das hast Du mir hundertmal gesagt Zeh nur und lerne und sieh Dir all die schönen Sachen an. und ich kann hier vor Langeweile sterben. Danach fragst Du nichts."

„Aber Irma, der Abschied wird mir so schwer wie Dir, vielleicht noch schwerer. Du bleibst hier bei Deinen Eltern und ich muß allein hinaus in die Fremde."

Unaufhaltsam schritt die Zeit voran. Die Erde ' htte ihren Kreislauf zum drittenmal vollendet, seitdem Felix in die iveite Welt gezogen. Wieder hatte sich ein milder Abend des Südens auf die - auptstadt am Rio de la Plata niedergesenkt. Hunderte von Spaziergängern wandelten aus den engen Straßen hinaus auf die freien Plätze, um unter Palmen und Bäumen, beim Klanae der

wieder spähend der Straße zu. Ein dunkler Voll­bart umrahmte daS Gesicht, dessen harte Züge einen unangenehmen Eindruck machten. Der Mann stand im mittleren Lebensalter ttnb war unzweifelhaft dem Norden entstammt. Tie Wolke des Unmuts, der sich steigernden Ungeduld, die sich auf seinem Gesicht lag»rte, gab demselben einen drohenden Ausdruck. Endlich — eine rasche Oeweanna vorwärts.

„Du komm» spät."

„Snät? Liebe ich es dock, pünktlich zu feint" „Ich warte sckon eine halbe Stunde. Was hat Dick zuriickgebalten?"

„Nichts. Ich glaubte, Zeit genug vor mir zu haben und tagte den Weg von da draußen zu Fuß zurück."

„Von Flores hierher! Dann wunderfS mich nicht. Was brinast Du Gutes?"

„Der Junge ist noch nickt hier."

„Das dachte ich mir. Glaube mir, es ist Ab­sicht dabei, ibn so lange außer Landes zu halten. — Doch komm, wir wollen uns setzen, hier in den Saal!"

„Warum nicht hier im Freien. Tas wäre dock anaenehmer!"

. Nein, kommt Der Saal ist fast leer und ' Nftg genug."

Ter Sprecher schritt voran und wählte ein Tischchen in der Ecke des Saales, von wo aus et ''en ganzen Nanm überblicken konnte. Dem her* beteilenden Kellner aab er den Auftraa, zwei Ge­decke ttnb eine Flasche Bordeaux zu bringen.

.Du hast doch noch nickt gespeist? — Tas trifft sich gut. Während des Essens läßt es sich leichter sprechen, und ich denke, wir haben einander vieles zu saaen." , „ . .,

„Das alte Siebt Du willst nicht, tote ich will — oder?" t „

„Nein, gewiß, nicht ,mit Predigten und Schwär­mereien über Frieden und ländliches Stilleben rannst Du mich füglich verschonen. Ich liebe die

<5,#* " (Fortsetzung folgt.)

_--....v,ylueutu u.incuiiyi, uuui „>nnu ,uvu.. - Zwei Tage später segelte Felix auf einen. Nicht atrf die Bank unter die Akazien setzen. • stattlichen Dampfer nach Europas Norden.

w lchnw sich an einen Stamm und seufzte: I 63 doch nicht gar so weit wäret Und | «SÄ' rbad M ja schrecklich lang."

e in dieser Zeit zu einer Seuoritr

en <uni> wich ganz und gar vergesse»."

TltrA "'ckt so tolles Zei'.g! Ick

tii^ saftig stieß sie mit dem Fuße

ort' iich unter die Bäume

SM, D°n» brach fie plötzlich in lautes. eldenichaftttcheS W-uie» aus. Felix suchte sie zu