MdaerW Zeitung
£» wochcnbeimse: Illustrierte Zonntagrzeitung"
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36. IahrqanL
Fuld a, Donnerstag den 30. Dezember 1909
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Zweites Wtcrtt
Kleines Feuilleton
Luzrige«: tne et* spaltige Petitzelle oder deren Saum 15 pfg. ReNamendiepetitzeile 25 pfg., der Wiederholungen wird entspr.
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Veranttv. Redakteur i «arl Schütter
wird gelogen!
— Schmetterlingsesser. Wir haben alle schon von Leuten reden hören, die Schlangen verspeisten, Säbel verschluckten und Feuer aßen, doch war es bisher nicht bekannt, daß es auch Leute gibt, für die der Schmetterling ein Leckerbissen ist. In Australien leben Volksstänime, die während der heißen Sommermonate beinahe ausschließlich von Schmetterlingen le-
Monakbellage: „Fuldaer Geschichtsblätter"
Ruhe zu schaffen.) Sind es nicht dieselben Elemente, die auch unserem Herz! das Leben verbittert haben? (Erneuter, ohrenbetäubender Lärm. Schlußworte Zahlreiche Delegierte sind aufgesprungen, drohen und schreien. Der lauteste Lärm wird auf den Galerien gemacht.) Wolffohn (sortfahrcnd): Wer auch mein Nachfolger wird, wenn Sie so fortfahren, den Präsidenten zu kritisieren, bann wird kein Präsident die Bewegung vorwärts bringen können! (Stürmischer Beifall und Widerspruch.) Es muß einen die Scham-' röte ins Gesicht steigen, wenn in dieser Weise die Be-, ernten angegriffen werden. (Beifall und Lärm. Zu- ruf: Der Zionismus ist ja ein Handelsobjekt!) Ich bin nicht mehr in der Lage, bei solcher Behandlung die Leitung weiter zu führen. (Stürmischer und heftiger W'berspruch.) Die Art und Weise der Kritik in den hebräischen Zeitungen ist derart, daß ich keinen Ausdruck dafür habe. An der Spitze der Leitung muß ein Präsident stehen, aber nicht acht Präsidenten, wie die Ruffen wollen! (Heiterkeit.) Die Russen haben doch schon genug zu tun, wenn sie auf einen; Präsidenten schimpfen. (Stürmischer Beifall und großer Lärm.) Liegt dem Kongreß daran, daß der Zio- nisn.us nicht leichffertigen Experimenten ausgesetzt wird, dann wird er nicht eingehen auf die Vorschläge) dec „Geheimräte" in St. Petersburg. (Minutenlanger, stürmischer Beifall. Tücherschwenken und Hoch-) rufe. Widerspmch. Die Delegierten singen die zio-) nijtische Nationalhymne, während die ruffischen Delogierten lärmen.)
* Einen Riesendiebstahl verübte der russische, Leutnant Groschkin vom 23. Uisowschen Regiment, er entwendete der Regimentskaffe eine halbe Mil«' lion Mark. l
— Zu viel verlangt. Junge Frau (auf der/ Redaktion): Können Sie den Roman in Ihrer Zeitung nicht recht lang ausdehnen, Herr Doktor?' Unsere Köchin bleibt nur noch, bis er aus ist!
Die Vorbereitungen hat eine siebengliedrige Kommission zu treffen, die auch die neuen vom Kaiser zu ernennenden Preisrichter vorschlägt. Der in einem Kleinod aus edlem Metall bestehende Ehrenpreis wird während der Zeit des Besitzes von dem Vorsitzenden des Vereins bei festlichen Gelegenheiten um den Hals getragen. Ein dreimaliger Sieg, wenn auch nicht hintereinander folgend, bringt daS Kleinod in den dauernden Besitz des Vereins, anderenfalls wird bei Abgabe der Name des Vereins mit der Jahreszahl seines Sieges auf dem Kleinod vermerkt. Ter Verein, der in den dauernden Besitz des Ehrenpreises gelangt ist, darf an ferneren Wettstreiten um den Wanderpreis nicht mehr teilnehmen. Nm Mißgriffe in der Auswahl der Gesänge zu vermeiden, wird den Vereinen empfohlen, in erster Linie das auf Veranlassung des Kaisers heraus- gegebene Volksliederbuch zu berücksichtigen und es auch für freigewählte Chöre als Wegweiser zu betrachten. Zum Wettstreit werden nur Vereine zugelassen, die sich mit mindestens hundert Sängen» am Wettsingen beteiligen; Sänger von Beruf find ausgeschlossen.
— Die „katholische Nase". In einer kürzlich ans Lickt getretenen Würdigung von Klemens HoffbauerS LebenSwerk heißt es über diesen merkwürdigen, für unsere Zeit so bedeutungsvollen Mann: „Die Ungunst, die über seinem Lebenslauf waltete, ließ ihn nicht zu einer tieferen Aneignung der höheren Wissenschaften, der Philosophie und selbst der Theologie gelangen. Wenn er dessenungeachtet mit einer wunderbaren Schärse und Richtigkeit alles Unkatholische und Falsche m wissenschaftlichen Schrfften und Meinungen zu beurteilen verstand, so war daS teils sein natflr!i= cher, klarer, verständiger Sinn, aber noch weit mehr eint höhere Gabe, die er scherzend „Die katholische Nase" nannte, die ihm Gott gegeben habe. DaS aller waren echte und mächtige Führergaben. Sie machten ihn zu einem gebornen Herrscher und Bewältiger der Herzen. Hoffbauer war ein Mann nicht bloß deS nüchtemen, fonbem des starken und feurigen Glaubens. DaS hat ibn unüberwindlich gemacht und zum
vermischtes.
** Ein Zionisten-Kongreß tagt seit einigen Tagen in Hamburg. Die Zionisten sind eine internationale' Mische Vereintgung, die sich die Ansiedlung von Juden in Palästina und die Hebung des geistigen und wirtschaftlichen Lebens der jüdischen Einwohner von Palästina zur Aufgabe gesetzt hat. Aus dem Kongreß wurde geklagt, daß die Arbeiten nur langsame Fortschritte machten. Die Behebung mancher Schwierigkeiten hofft man von dem neuen Regime in der Türkei. Dr. Syrkin-Rußland, Vertreter der jüdischen Arbeiterpartei, sprach die Hoffnung aus, daß cs gelingen werde, die Eroßfinanz, die zu den schlimmsten Erscheinungen der jüdischen Geschichte, gehöre, aus Reaktionären zu Aktionären des Zionismus zu machen. Nach einem Bericht von Professor Dr. Warbnrg-Berlin sind innerhalb der letzten drei Jahre 200 OOO Mark gesammelt worden als Fonds zur Reu- aufsorjtung Palästinas mit Oelboumwäldem. Ts wurde dann Jn eine ausgedehnte Debatte über die Tätigkeit des Aktionskomitees in Palästina eingetreten. Die Kölner Zentralleitung wurde dabei aufs heftigste ar.aegriffen. Dabei kam es wiederholt zu argen Liirm- szeuen. Auch die Galerien beteiligten sich sehr lebhaft mit Zwischenrufen an den Unterbrechungen. Es ivur- den von den Galerien dem Redner wiederhollSchimpf- worte zugerufen. ReichSratsabg. Dr. Stand (S8ien) wirst der Leitung vor, daß sie rftarrt fei. Es sei bedauerlich, daß an der Spitze ein Präsident stehe, dem man erst jede praktische Arbeit in Palästina abtrotzen müsse. (Stürmischer, minutenlanger Beifall und Widerspruch.) Dr. Baude (Lodz): DaS einzige Lebenszeichen der Leitung sei, daß sie Mahnbriefe ive- gen Geld schicke. (Stürmische Heiterkeit und Beifall. Zurufe: Ist auch nötig!) Der Präsident des Aktions- koimtees, David Wolssvhn (Köln) sagte u. a.: Einzelne Persönlichkeiten laufen hier herum, tuscheln und machen sich wichtig. Hierin liegt eine große Gefahr für die Bewegung. (Lärm.) Von einem Redner bin ich hier behandelt worden, als ob ich der Portier der zionistischen Bewegung sei. (Großer Lärm,, Zwischenrufe und Unterbrechungen.) Unseren Moses hat man ja auch bekämpft, die Rotte Korah hat ihn sogar angegriffen. (Minutenlanger, tosender Lärm und Zu- rufe. Dem Redner wird aus der Versammlung gedroht. Don den Galerien schimpft man herunter. Dem Präsident Nordau ist es minutenlang nicht möglich.
österreichischen Herrenhaus. Der Eisen- Iiahnminister gab eine genaue Darstellung des Unglücksfalles und schloß mit der Versicherung, daß er sich der Schwere der Verantwortung hinsichtlich der Anforderung der Sicherheit und entsprechenden Abwicklung des Betriebsdienstes voll bewußt und pflichtgemäß entschlossen sei, dementsprechend vorzugeben. — Nach dem Berl. Tagebl. leidet der Batzn- assistent A. Zeis, der wegen des Zusammenstoßes verhaftet worden war und jetzt gegen Bürgschaft reigelaffm wurde, feit dem Frühjahr au einer chweren Nervenkrankheit. Ein Bahnarzt hatte damals lonstatiert, daß ihn die Folgen der Krankheit zur Ausübung des Verkehrsdienstes un- ähig machten. Zeis suchte daraufhin feine Ent- Hebung vom Verkehrsdienste nach. Dem Gesuche wurde jedoch nicht stattgegeben. In Uhersko, wohin er vor kurzer Zeit versetzt wurde, hatte er schweren Dienst zu leisten. Durch diese kleine Station gehen täglich 57 Züge. Es kam vor, daß Zeis sich un- unterbrochen 18 Stunden im Dienste befand.
» Der neue Präsident von Nicaragua, Madriz verhaftete die Minister des geflüchteten früheren Präsidenten Zelaya. Er ernannte eine Kommission, die mit dem Führer der Revolutionäre, Estrada, verhandeln soll, der den Wunsch nach Frieden aus- aebrüdt hat. Zelaya hat in Mexiko eine Zuflucht gesunden. Er darf jedoch nicht nach Nicaragua zurückkehren.
Q Zur Entlastung des Reichsgerichts.
Dem Bundesrat liegt zurzeit der Gesetzentwurf zur Beschlußfassung vor, der eine Entlastung des Reichsgerichts herbeiführen soll.
Die durch die Novelle vom Jahre 1905 durch die Heraufsetzung der Revisionssumme von 1500 auf 2500 Mark geschaffene Entlastung hat so wenig dauernde Wirkung gehabt, daß heute die Revisionssachen in Zivilprozeffen bis zur Verhandlung bereits wieder ein ganzes Jahr warten müssen, ein Fiasko, das nach unserer Erinnerung der Zentrums- cbg. Schmidt-Warburg damals schon vorauSgcsagt hat. Eine Entlastung des Reichsgerichts auf dem an sich nächstliegenden Wege einer Vermehrung der erkennenden Senate verbietet sich aus mehreren Gründen, insbesondere durch die Gefährdung der Ginheitlichkeit der höchstinstanzlichen Rechtssprechung. Der Entwurf sieht darum auch von dieser Maß-I vahme ab, der von ihm empfohlene Vorschlag fanni »der ebensowenig als zweckmäßig angesehen werden.
Der Vorschlag des Entwurfs geht bekanntlich dahin, daß bei gleichlautender Entscheidung des Landgerichts und Oberlandesger'chts das Rechts^ mittel der Revision ausgeschlossen sein soll. Gegen diesen Vorschlag hat bereits der deutsche Anwaltstag einmütig Stellung genommen. Es ist festgestellt itootben, daß bei den Urteilen zweiter Instanz, die das Reichsgericht umgestoßen hat, in der Hälfte sder Fälle gleichlautende Urteile bet Untergerichte lin Frage standen. Beispielsweise betrafen von den ;94 IM letzten Bande der Reichsgerichtsentscheidungen veröffentlichten Entscheidungen nicht weniger als 54 Fälle, in denen Landgericht und Oberlattdes- igericht gleich entschieden hätten. Davon sind aber micht weniger als 28 Entscheidungen aufgehoben 'und nur 26 bestätigt worden. Eine Uebersicht über die übrigen Bände der reichsgerichtlichen Entscheidungen hat ein ähnliches Resultat ergeben.
i Unter diesen Umständen würde es in der Tat wicht zu verantworten sein, dem Rechtsuchenden bei Gleichmäßiger Entscheidung der Untergerichle das Rechtsmittel der Revision zu nehmen und wir halten es für ausgeschlossen, daß der Reichstag einem derartigen Entwurf zustimmen könnte.
Auf der anderen Seile ist die Notwendigkeit der Entlastung des Reichsgerichtes dringlich, Unb auf irgend einem Wege muß Besserung geschaffen werden. Wir möchten heute einen Gedanken zum Vortrag bringen, der zwar nicht ganz neu ist, aber unseres Erachtens die gebührende Beachtung bis jetzt nicht gefunden hat. Die Einrichtung einer höchstrichterlichen Instanz für ganz Deutschland, wie sie das Reichsgericht darstellt, geschah mit Rücksicht auf die Einheitlichkeit der Rechtsprechung. Die Ausgabe der Revisionsinstanz ist im eigentlichen Sinne nur die der Entscheidung von Rechtsfragen. Dieser Aufgabe würde es entsprechen, wenn das Reichsgericht sich bei seinen Entscheidungen ausschließlich auf die Endscheidung über richtige oder unrichtige Auslegung des Gesetzes beschränkte, indem eS den von der Berufungs- lnstanz feftgefteUten Tatbestand als maßgebend annimmt und dann nur die Frage prüft, ob die aus Grund dieses Tatbestandes vorgenommene Entscheidung richtig ist. Maßgebende Kenner unseres Gerichtswesens sind sich darin einig, daß die Rechtsprechung des Reichs- gerichts über diese Aufgabe der Nachprüfung der rechtlichen Entscheidung hinausgegangen ist, indem sie sich nicht darauf beschränkt, den Untergerichten Die richtige Auslegung der Rechtssätze, etwa in der Form eines „Weistums", zu übermitteln, sondern auch in gewisser Beziehung eine Nachprüfung des Tatbestandes vornimmt.
ca Pius IX. — Freimaurer?! In den Mitteilungen der Zenttal-Auskunstsstelle bet katholischen Presse lesen wir: Das Märchen, Papst Pius IX. sei Freimaurer gewesen, will nicht aussterben. Jetzt sst es wieder bas sozialdemokratische „Salzburger Volks- 'blati* Nr 226, das damit hausieren geht. Wenn es dir Sache nur nicht so ungeschickt angefaßt hätte! Eingangs werden wir da belehrt, daß der Kirchenfürft Giovanni Ferreti-Mastai im August 1839 in die Freimaurerei aufgenommen worden fei. Die Nachricht, ________ ____......
ffoll auf einer Aussage eines Wittelsbacher Prinzen 6en Die Tiere, die in den gebirgigen Gegenden beruhen, in dessen Gegenwatt die Ausnahme erfolgt Australiens in ungeheuren Massen leben, weiden zu ifei. Diese Aufnahmefeier, von der der Pttnz berich-1 Millionen und Millionen gefangen und von der Beste!, geschah nach ihm im genannten Iaht 1839 zu Dotierung verspeist. Um sich dieser neuen Wildart zu Palermo, nicht zu Senigallia, wie daS sozialdemokra- bemächtigen, werden wahre Schmetterlingsjagden ver- stische Blatt behauptet; bei ihm ist es auch nicht der unstaltet, und zwar geht man hierbei auf folgende Kirchenfürft, sondern der Graf, der aufgenommen Weise vor. ES werden an zahlreichen Stellen Feuer itourbe, obwohl auch er ben Grafen mit dem Kirchen- an gezündet, in die man dann recht viel feuchtes Holz fürften identifizett. Diese Identifikation ist aber gänz- hineinwirft. Wie der Nachffalter oder die Eintags- lich unbegrünbet. Denn erstens hieß bet Kirchenfürft stiege durch daS blendende Licht elektttscher Bogen- sticht Ferreti-Mastai, fonbem Mastai Ferreti. Und lampen zu Tausenden angelockt werden, so fliegen die dieser Namensunterschied ist sehr wichtig, denn: a) Schmetterlinge, von dem Feuerschein eingezogen, zu stn einem Dokument wird der Name doch richtig, also Hundetttausenden herbei, umschwirren einige Male die !auch in der richtigen Stellung und Folge angegeben; Flammen und finken dann, von ben dem feuchten war dies noch aus dem Grund notwendig, weil Holz« entströmenden Gasen betäubt, zu Boden, sodaß i tatsächlich eine Familie Ferreti-Mastai gibt, die die Leute sie bequem in Körbe und Säcke sammeln von der Familie Pius IX. verschieden ist. Wenn können. Die Schmettettinge kommen bann in ehren toli'o 1839 ein Graf Ferreti-Mastai sich in die Frei- Backofen, werden hort getrocknet und nachher ordent- '«naurerei aufnehmen liefe, so war das eben ein Sprosse lich gesiebt, sodaß die vettohlten Flügel abfallen und dieser andern Familie, nicht aber her spätere Papst nur der Körper des Tieres übrig bleibt Damit find PiuS IX. 2. Puls IX. ist in seinem Leben nie in die Schmetterlinge zum Essen berett Guten Appe- Palermo gewesen. Gerade für das Jahr 1839 — als ttt! _ "P-
Plus IX. bereits Bischof von Imola war — kann — Nir in beulfften Sängerwettstreit um den fast jeder Schritt von ihm in den betriebenen Papie- vom Kaffer gestifteten Wanderpnrs werden bre neuen sten jener Diözese nachgewiesen werden. Im Jahre I Bestimmungen zeht vom Kultu.mimster zur öffent- 1839 hat er seine Diözese überhaupt nicht verlassen, Sebracht. Wettstntt^ndet be-
tote dies in ben Akten bet Kommission von Imola kanntlich alle vier Jahre tm Sommer in etner Stabt [(für die Seligsprechung) ausführlich bewiesen wird. I Mitteldeutschlands (zurzeit Frankfurt a. M.) statt.
Ausland.
♦ DaS Eisenbahnunglück in UherSko (Böhmen) bildete den Gegenstand einer Interpellation m
Für eine Reise nach Palermo hätte man damals mindestens drei Wochen gebraucht. In derselben Nummer brinat das sozialdemokratische Blatt die ebenfalls von der C. A. bereits widerlegte Mär von einem nicht eriftierenben römischen Prälaten, der der Giordano- Bruno-Gesellschast 5000 Lire vermacht habe. — So
Literarisches.
Stimmen ans Maria-Laach. Katholische Blätter? Jahrgang 1910. Erstes Heft. Freiburg,' Herder. Preis für den Jahrgang (10 Hefte) M!. 12,—.
Den in neuem Gewand erscheinenden, stattlicher! als bisher in die Augen fallenden 78. Band der! weitbekannten roten Hefte eröffnet ein Charakter-' bild des 1909 kanonisierten Klemens Maria Hoff«) bauer, den P. M. Meschler vorführt als „einen, zeitgemäßen Heiligen". Das Zeitgemäße gibt auch den übrigen Aufsätzen des Heftes ein wirkungsvoll«!! Relief. „Die katholische Kirche und die neuere SU? teratur" überschreibt sich eine weit ausgreifende Dar« legung des P. Al. Baumgartner, die, obgleich noch nicht zum Abschluß gebracht, ihre mehr als gewöhn«? liebe Bedeutsamkeit schon jetzt erkennen läßt. „Ge- talten und Ziele in neueren Romanen" recht gegen« sätzlicher Art werden von Al. Stockmann näher gewürdigt. Eine inhaltschwere Miszelle am Schluß, „Tas literarische Testament Wilhelm Kreitens",'. schützt das Andenken eines verstorbenen Ordens« mannes und verdienten Literaturkritikers vor Mißdeutungen, die aus einer kürzlich hervorgetretenen Publikation sich ergeben könnten. An eine neueste Publikation, den XIV. Band von E. Olliviers L’ Empire liberal, knüpft auch die fesselnde Schil-, beiung der Pariser Vorgänge vom 12. Juli 1870 (des Tages vor der Kriegserklärung), die R. v. Nostitz« Rieneck entwirft: „Zur Geschichte eines Tages".' Begriffe und Ideen, welche den fortgeschrittensten, unserer neuen Zeit beizurechnen find, erörtern A. Deneffe in einer mit ausnehmender Klarheit ge«! führten Untersuchung über „Relative Wahrheit"/ und H. Pesch in seinem vorzüglich orientierenben Aussatz „Imperialismus, Kontinentalismus, Internationalismus". Die sorgfältig wählende Schriften«' schau erweist sich, wie bei den „Stimmen"«Hestett Brauch, wieder reich und mannigfaltig.
Urheber einer großen Volksbewegung zu Gott". Sch erzählt ein vielverehrter frommer Schriftsteller, P. ÜDL Meschler, im 1. Heft des neuen Jahrgangs der „Stirn-' men ans Mana-Laach" (Freiburg, Herder, jährlich 10 Hefte. 12 Mk.), und er fügt hinzu: „Wie e8 damals war, so ist es noch heute. Ohne einen tiefen,‘ festen und ganzen Glaube» ist eS mit aller Arbeit nichts. Mit liberalisierendem Glauben wird keine Zett' bedungen und keine hüberftreitige Welt gewonnen. Ob der Heilige, wenn er jetzt erschiene, mit seiner- feinfühligen „katholischen Nase" nicht an manchen, Dingen, die jetzt Mode sind, Anstoß genommen hätte? Jedenfalls waren nationales, fortschrittliches, intet«; konfessionelles Christentum nicht nach seinem ©inm Möge unser Heiliger daS deutsche Saterlanb vor ben' genannten Schädlingen des wahren Glaubens schützen!" H. '
— Die falschen Haare sind Krankheitsüberträger. In einem großen Newyotker Warenhause ist der Verkauf von künsttichen Locken, Perrücken usw. eingestellt worden. Vor etwa drei Wochen kaufte eine Dame ist genanntem Geschäft eine Perrucke und nach einigen Tagen schon erkrankte sie an Lepra. ES wurde eine ärztliche Untersuchung eingeleitet und festgestellt, daß die Perrücke von den Antillen herrühtte, wo bi» Lepra herrscht. Die unglückliche Dame wurde sofott aus der menschlichen Gesellschaft entfernt und auf einer einsamen Insel in der Nähe der Karolinen uW tergcbracht. =p. ,
— Der Sarg einer Hohenzollernprinzessi« ist, wie in der 281, 2. Blatt mitgeteilt wurde, in bet Kirche zu Himmelslron bei Deyreuth aufgefunben. Dies» Prinzessin ist, wie unS ein kundiger Leser mitteilt, identisch mtt Barbara, geboren im Mal 1536, gest. 17. Juni 1591, Tochter Georg des From-' men, Markgmsen zu AnSbach, und dessen dritte Ge«' mahlin Emstie, des Herzogs Heinrich von Sachs« Tochter. Sie selbst blieb unvermählt. C. H.
— Mauöverbozhett. Kommandierender General (stolz): „ Ja, aller Freund, im gangen Manövergebiet stand niemand über mir!" — Oberstr' „Frau Gemahlin ist also nicht anwesend?" 1
Es kann wohl kein Zweifel unterliegen, daß eine Beschränkung der Tätigkeit des Reichsgerichts in dem angegebenen Sinne, wie sie der eigentlichen Stellung eines Revisionsgerichtes entspricht, eine Verringerung seiner Arbeiten und damit eine wirksame Entlastung bringen würden, und es scheint unS der Gedanke erwägenswert, die Novelle zur Entlastung deS Reichsgerichts zu einer genaueren enger umschriebenen Feststellung der Aufgaben des Reichsgerichts im Smne einer Beschränkung auf die Nachprüfung der rechtlichen Entscheidung zu benutzen. _______________
Deutsches Reich.
)( Daß der kürzlich gegründete „Bund der Festbesoldeten" unter der Beamtenschaft feinen größeren Anhang besitzt, zeigt jetzt abermals eine Erklärung eines der hervorragendsten Führer der Post« und Telegraphen-Unterbeamten. Ter Oberpostschaffner Grzyb schildert in einem Aufsätze unter dem Titel „Beamtenbund, Beamtenwahlverein und Bund der Festbesoldelen" die Zurückhaltung vor allem der unteren und mittleren Beamten gegenüber dem neuen Bunde und begründet diese mit der Furcht, daß die Beamten sich auf diese Weife am ehesten die maßgebenden Körperschaften entfremden, daß auch eine Erfäl- i tung zwischen den politischen Parteien und den Leitern der Berufsorganisation eintreten müsse, wenn durch den Bund versucht werde, einen Druck auf die Gesetzgeber auszuüben. Jnsolge- deflen empfiehlt der Verfasser des Artikels, daß die Post-Unterbeamten ihre Interessen mit ihrer guten Fachzeitung selbst vertreten:
„Wenn wir nach wie vor uns politisch beteiligen- wie jeder will und die Führer dieser stärksten Beamten" Organisation mit allen politischen Parteien, insbesondere den Mitgliedern des Reichstages, im heften Einvernehmen weiter arbeiten, wird auch die Lage ter Unteibeamten sich mit der Zett besser gestalten, und unsere sonstigen Wünfche werden nach wie vor nach Möglichkeit Unterstützung und Berücksichtigung finden."
△ Die Stadt Köpenick bei Berlin, die durch den „Hauptmann" Wilhelm Vogt in der ganzen Welt berühmt geworden ist, demonstriert durch ihre Stadtverwaltung gegen die preußische Regierung, weil diese nicht gesonnen ist, einen Sozialdemokraten als Mitglied der Schuldeputation zu bestätigen. Die Köpeuicker Stadtverordnetenversammlung wählte nämlich in das Kuratorium ihrer Realschule unter anderem auch einen sozialdemokratischen Stadtverordneten namens Herbst, „der sich große Verdienste um die Gemeinde erworben hatte." Die Namen der Mitglieder des Kuratoriums wurden gemäß der gesetzlichen Vorschrift dem Provinzialfchulkollegium bekannt gegeben. Hiernach sah sich der Landrat des Kreises veranlaßt, bei dem Stadtoberhaupt anzufragen, ob sich unter den Gewählten auch ein Sozialdemokrat befinde. Darauf antwortete der Bürgermeister Dr. Lagerhaus, daß er darüber keine Auskunft erteilen könne, weil es für ihn im Stadtverordnetensaal keine Parteien gebe. Herbst wurde aber durch die Regierung gestrichen, und darauf wählte ihn die Stadtverordnetenversammlung einstimmig wieder. Bürgermeister Dr. Lagerhaus stellte dem „Genossen" noch eine Ehrenerklärung aus und sagte, er halte „Herrn Herbst für das Amt als außerordentlich befähigt/' — Den kommenden Dingen wird man mit einiger Spannung entgegensetzen dürfen. — Ein Glück, I daß Herr Herbst „nur" etn Sozialdemokrat ist; wäre er ein Pole — ach, es ist ja gar nicht auszudenken, was geschätze!