uldaer W Zeitung
Z.pmzelle" in Fulda. WochenbeltaßL! „Illustrierte Sonntagrzeitung
36. Jahrqang
Fulda, Dienstag den 28. Dezember 1909
M 297
Gvstes IBlatt
Anzrlgen; vte et* fpdtige Petitzeile oder Uten Baum 15 pfg. Reklamen diepetitzeile 25 Pfg., bet wieder- hoülngenwirdentfpr. Rabatt gewährt.
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auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen. Seit 1873 war er Vorsitzender der schlesischen Malteser-Genossenschaft. Von den 10 Kindern des Verstorbenen ist der älteste der bekannte Reichstags- und Landtags-Abgeordnete Graf Hans Praschma.
4- Der Direktor des Hansabundes. Der Vorstand des Hansabundes hat nunmehr den leitenden Mann gesunden, den er seit längerer Zeit gesucht. Wie das ,Berl. Tageblatt' erfahrt, ist der Oberbürgermeister von Bromberg, Alfred Knobloch, engagiert worden. Herr Knobloch war seit 11 Jahren Oberbürgermeister von Bromberg und steht tm 50. Lebensjahr. Es wird ihm eine starke rednerische Begabung nachgerühmt. Der neue Direktor des Hansabundes ist Mitglied des Herrenhauses. Seiner politischen Anschauung nach soll er dem Standpunkt der srcikonservativen Partei nahestehen, in wirtschaftlichen Fragen aber mit den Freisinnigen übereinstimmen. Er wird als Vertrauensmann des Fürsten Bülow besonders in der Polenpolitik bezeichnet. Als während der Verhandlungen über tite Enteignungsvorlage Fürst Bülow eine Konferenz zur Erörterung dieser Vorlage einberief, nahm Herr Knobloch als einziger Oberbürgermeister daran teil.
die positive Mehrheit zu nehmen, wo sie zu finden ist, so hätte auch er die Finanzfrage lösen und fich behaupten können.
Abteilung überflügelt das Zentrum (22,1 Proz.) die Nationalliberalen und Konservativen (17,2 und 18,1 Proz.) auch auf dem Lande. Die Sozialdemokraten umfassen in der 2. Abteilung bereits 14,1 Proz., in den Städten sogar 20,7 Proz., auf dem Lande miet) schon 7,6 Proz. In der 3. Abteilung endlich ist die Sozraldemokratie mit 27,9 Proz. der Urwähler auch den nächststarken Parteien, dem Zentmm (19,1 Prozent), den Konservativen (12,8 Prroz.) und Natio- nalliberalcn (10,9 Proz ) weit voraus. In der sta- tisttschen Ueberstcht wird der Nachweis versucht, daß willkürliche Sprünge der Mehrheitswähler in bezug auf die Parteistellung ihrer Wahlkandidaten verhält- nismäßig selten seien. So z. B. lasse sich feftfteHen, daß die dritte Abteilung keineswegs, wie behauptet wird, von den beiden anderen Abteilungen häufig aus dem Feloe geschlagen werde, vielmehr ergäben die Zahlen, daß in der großen Mehrheit alle drei Abteilungen über die Wahlkandidaturen durchaus einig seien. Mithin beständen die Gegensätze zwischen den „kleinen Leuten" unten und den wohlhabenden Wäh- lerschichten oben nicht entfernt in der Schärfe, wie gemeinhin angenommen werde
Daß das Dreiklassenwahlrecht, abgesehen von der unhaltbaren Oeffentlichkeit der Wahl viele Unebenheiten an sich trägt, wird durch die vorliegende Ueberstcht nun auch statistisch festgenagelt. Möge die Statistik ein Nagel am Sarge des Dreiklossenwahlrechts werden.
** Berlin, 27. Dez. 1909. Das preußische Staatsministerium trat am Montag zu einer Sitzung zusammen. — Das Herrenhaus-Mitglied Ernst v. Mendelssohr-Bartholdy ist in Dresden in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember gestorben. Er war das Ooerhaupt der großen Finanz-Familie Mendelssohn, einer der angesehensten Vertreter der Berliner Großfinanz. — Elf neue Seminare für höh-re Lehranstalten werden im Etat des Kultusministeriums für 1910 beantragt werden. — Der Kronprinz ist heute abend nach Tegernsee abgereist, um dort am Sarge des Herzogs Karl Theodor einen Kranz nieder- zulegen.
** Der frühere Zentrums-Abgeordnete Graf Friedrich Praschma ist am ersten Weihnachts- Feiertage auf feinem Schlosse Falkenberg in Oberschlesien nach kurzer Krantheit im Alter von 75Jahren gestorben. Graf Praschma vertrat von 1874 bis .1890 im Reichstage den Wahlkreis
Monakbellager „Fuldaer Geschichtsblätter"
der Bericht folgendes feststellen zu können: Es kamen auf: die Sozialdemokraten 23,8 Proz., das Zentrum 19,9 Proz., die Konservativen 14,1 Proz., National- liberalen 12,7 Proz., Polen, Dänen usw. 9,0 Proz., Freisinnige Volkspartei 3,9 Proz., Freikonservative 2,5 Proz., Freisinnige Vereinigung 0,88 Proz., Bund der Landwirte 0,6 Proz., Antisemiten u. dgl. 0,36 Proz. Während die Konservativen 1903 noch m erster Stelle standen, sind sie 1908 von den Sozialdemokraten und selbst vom Zentrum weit überholt worden, obgleich ihre absolute Stiminenzahl ebenfalls zugenommen hat Auf dem Lande haben sie ztvar ungleich mehr Wähler als die Sozialdemokratte, aber etwas weniger als das Zentmm um sich versammelt. Die Nationalliberalen erscheinen in den Städten und auch noch auf dem platten Lande mit ganz ansehnlichen Bruchteilen. Die beiden freisinnigen Richtungen hatten in den Städten etwas über sieben, auf dem Lande noch nicht zwei Prozent der Wähler.
Ein Vergleich der Stärke der einzelnen Parteien in den drei Abteilungen ergibt, daß im ganzen Staate in der L Abteilung das Zentmm mit 23,2 Proz. (auf dem Lande 27,2 Proz.), die Konservativen mit 23,2 (30 Proz.) und die Natio- naliberalen mit 21,9 (16,7 Proz.) am stärksten, und zwar ziemlich gleich stark vertteten waren. In der 2.
nichts wissen, obgleich he der armen, trauernden. Tochter das Wenige vorwarf, was diese brauchte und ihr stets bedmtete, sie müsse sich nach irgend einem Verdienst umsehen, denn sie — die Stiefmutter — sei nicht gesonnen, ferner für das Mädchen zu sorgen und dasselbe zu ernähren, dazu könne sie niemand zwingen und sie habe auch nicht die Verpflichtung.
Tagelang rang Gerda noch mit ihrem Entschluß, denn sie wußte, wenn sie jetzt fortging, daß sie die Brücke völlig hinter sich abbrach, daß es für sie kein Zurück mehr gab in die alten Verhältnisse. Aber gleichviel, selbst wenn der Großvater sich starrköpfig erweisen und sie nicht aufnehmen sollte, irgendwo würde sich ja em Plätzchen finden lassen, wo sie sich ihr Brot verdienen konnte. Ihre Ansprüche waren ja so gering. _
So schlich sie heimlich ans dem Hause, in dem sie so viele trübe Stunden verlebt und unzählige Tränen geweint hatte. Die Stiefmutter hielt gerade ihr Mittagsschläfchen, Gerda räumte die kleine Küche sauber auf, ordnete, wie sie es gewohnt war, den Haushalt, trat dann mit überströmenden Augen noch einmal in das Zimmer ihres Vaters, in dem alles war, wie der teure Verstorbene es verlassen hatte, um nicht mchr zurückzukehren. Das Herz tat ihr unbeschreiblich weh, wenn sie an den geliebten Vater dachte, der gleich ihr so wenig Freude erlebt hatte. 23ie oft saß er dort an dem einfachen Schreibtisch, den Kopf sorgenvoll in die Hand gestützt oder eifrig arbeitend. Die Feder lag noch so, wie er sie hingelegt neben dem Heft, an dem er zuletzt geschrieben. Unter dem Schreibstuhl standen die Pantoffeln, an der Türe hing der Schlafrock, ganz so, als würde im nächsten Augenblick der Besitzer hereintteten und sich hinsetzen, um weiter zu arbeiten. Aber er kam nicht mehr, et mar dahin gegangen, von wo es keine Rückkehr gab.
Und die verwaiste Tochter weinte heiß und leidenschaftlich um den Dahingeschiedenen und meinte, nie in ihrem Leben so unglücklich gewesen zu sein, wie jetzt, selbst da nicht, als sie ihrer junge» Liebe entsagen mußte.
Gerda nahm bann ein kleiner BM ihrer Mutter,
Deutsches Reich.
** Die preußischen Landtagswahlen im Jahre 1908.
Die im Statistischen Landesamt fettiggestellten Uebersichten über die Ergebnisse der Landtagswahlen im Jahre 1908, die der geplanten Reform des preußischen Wahlrechts als Unterlage dienen soll, sind nun erschienen. Auch die Er gebniffe früherer Wahlen sind in ihr zum Vergleich herangezogen.
In der Ueberstcht wird mit großer Gründlichkeit beleuchtet, wie die Steuerleistungm die Verteilung der Ur wählet auf die drei Abteilungen des Dreiklaffenwahlrechts beeinflussen, welche Wahrnehmungen über die Abgrenzung der Klassen zueinander gemacht worden sind, wie die städtischen und die ländlichen Bezirke sich zu einander verhalten, welche soziale Schichten auf Grund ihrer Einkommensteuerstufen den einzelnen Abterlungen angehören, und mit welchen Steuerbeträgen st Aussicht haben zum Aufsteigen in die nächsthöhere Wahlklasse. Als Steuerleistungen in den einzelnen Klassen wurden für den gesamten Staat folgende Durchschnittsziffern gefunden: 1. Abteilung 755 Mk., 2. 180 Mk. und 3. 29,5 Mk. Von diesen Durchschnittswerten weicht die Praxis natürlich zum Teil ganz bedeutend ab. So wurden auf dem platten Lande des Ostens drei Urwahlbezirke gefunden, in denen selbst der oberste Urwähler der 3. Abteilung nur mit 3 Mark fingierter Einkommensteuer, also ohne jede wirkliche Steuer, in die Listen eingetragen war. In acht anderen Bezirken ging die Steuerleisttlng des betreffenden Wählers nicht übet 5, in 224 ländlichen und 2 städtisch» Bezirken nicht über 10 Mark hinaus; in 1820 Urwahlbezirken ferner, darunter 81 städtischen, schwankten die höchsten Steuerleistungen der 3. Abteilung zwischen 10 und 20 Mark. Tann gab cs aber auch wieder Bezirke, in denen nur bei hohen Steuer- leistungen der Uebergang in die 2. Abteilung gesichert war, z. B. in einer Anzahl Bezirken Berlins unb anderer Städte 10 000 bis 30 000 Mark. Gleichwohl wird festzustellen gesucht, daß die Annahme irrig sei, den Wahlbezirken hafte infolge der bisherigen Einteilung ein ausgeprägt „vluiokratischer" Charakterzug an. Die einzelnen Erscheinungen, aus denen das ge- folgett werde, bildeten in der Gesamtheit der Ergebnisse doch Ausnahmen^, während die Regel auf der
das so viel Trübes erfahren mußte. Wäre Alfred noch an ihrer Seite gewesen, sie hätte das Unglück leichter ertragen; sie könnte dann an seinem Herzen den Schmerz ausweinen. Ob er wohl erfahren, daß ihr Vater gestorben und daß sie nun ganz allein in der Well stand? Wer sollte es ihm mitgeteilt haben? Es schien chm nicht gut zu gehen, weil et gar nichts von sich hören ließ. Und an ihn zu schreiben, dazu war Gerda zu stolz. Er hatte ste aufgegeben, dachte vielleicht gar nicht mehr an sie.--
An einem regnerischen, stürmischen Apriltage nahm Gerda Abschied von den Gräbern der Eltern. Sie wollte von dott aus gleich zum Bahnhof, um den RachmittagSzug, der gegen zwei Uhr abging, zu benützen. Sie rechnete sich die Zeit aus. Vier Stunden hatte sie zu fahren, so konnte fie um 6 Uhr an der kleinen Station sein, von da bis in etwa einer Stunde bei der MüUe. So hoffte fie vor Einbruch der Nacht dott anzukommen. Sie hatte dem Großvater nicht geschttebrn, weil fie fürchtete, bet alte Sonderling würde sich weigern, fie bei sich aufzunehmen. Wenn fie aber plötzlich und unangemeldet vor ihm ftanb, so konnte er dem einzigen Kinde seiner Tochter doch nicht die Türe weisen.
Gerda trug nur eine schwarze Lebertasche bei sich. Ihr Gepäck wollte fie sich erst nachschicken laffen, wenn sie festen Fuß gefaßt hatte. Uebechaupt war sie ohne Abschied von der Stiefmutter fortgegangen. Heimlich, wie ein Dieb hatte fie das Haus verlassen und nut das Notwendigste mit sich genommen. Frau Emilie, die bei dem unerwartet plötzlichen Tod ihres Mannes furchtsam wie ein kleines Kind geworden war, wollte durchaus feine Stunde mehr allein blri- ben. Nicht, daß fie durch das Unglück sanfter ober milder geworden wäre, tm Gegenteil, in ihrer herrischen Art »erlangte sie völlige Unterordnung und Gerda, die unter dem Trennungsschmerz furchtbar zu leiben hatte, tat anfangs völlig willenlos, wie ein Automat, war man von ihr verlangte. Aber nach unb nach kam sie zu der GdenntntiS, daß fie so nicht weiter Üben hülfe, daß fie sich getoaltfam losreißen müsse. Von ihrem Fortgehen wollte tnbe8 bi« Stiefmutter
bas in einfachem, schlichtem Holzrahmen .auf denk Schreibtisch stand, legte es mit einigen kleinen An» denken, einem verdorrten Sträußchen, das Alfred ihr einst geschenkt, in ihre Reisetasche, holte ihre wenigen Ersparnisse herbei, stttch da und dott ordnend übet eine verschobene Decke, rückte Stühle zurecht unb schlich bann auf den Zehenspitzen die Treppe hinab zum Hause hinaus.
Draußen empfing fie ein kalter, unfreundlicher Apriltag. Regen und Schnee schlugen ihr in« Gesicht, ein heftiger Wind fauchte fie an und trieb sie vorwärts. Zum letztenmal vielleicht für lange Zeit trat fie den Gang nach dem Friedhöfe an, durchschritt eilig die Reihen derer, die hier eine letzte Ruhestätte gefunden und stand dann, das Taschentuch an bte Augen gepreßt, vor dem wohlbekannten Hügel.
Ringsum war alles still, kein Mensch störte fie in ihrer Trauer. Alles erschien noch winterlich kahl unb öde, nur hie unb da zeigten sich an den niedrige« Sträuchern kleine, braune Knospen, die nur auf btt warme Sonne warteten, um die enge Hülle zu sprengen. Trotz' der kalten, nnfreunbflchen Witterung lag etwas wie Frühlingsahnen in der Lust, man merkte es an dem munteren Gezwitscher der Vögel, an dem grünlichen Schimmer der kleinen Rasenflächen, daß in kurzer Zeit der hold«, blütenreiche Mai alles wieder verjüngen werde. An dergleichen dachte freilich daß trauernde Menschenkind nicht, das da so einsam und Mein stand und fich elender unb verlassener fühlte als je, baS, einer der bräunlichen Knospen vergleicht bar, ebenso wie diese, auf den warmen Kuß der Sonne wartete und sich sehnte nach einem treuen teilnehmenden Herzen, an dem es all feinen Kummet ausweinen konnte.---
Gerda zog ihre kleine, silberne Uhr, ein Geschenk des Vaters, hervor. Sie erschrak. Es war die höchste Zeit, wollte fie den Zug nicht versäumen.
Roch einen letzten BUS warf fie zurück, dann trocknete fie bte Tränen unb lief hastig vorwärts. Run ging eS dem neuen Leben entgegen.
WEetzung
Sozialdemokratie mit der Wahrheit nicht ausc kommt, greift sie unbedenklich zur Lüge. So aud die sozialdemokratische »Bergarbeiterzeitung" ii ihrem Bericht über die Interpellation betr. bet Zwangsarbeitsnachweis. Das Blatt schreibt a» 25. Dezember:
Auch im Zentrum finden wir die Elemente übe» genug, die Strolche und Wegelagerer in den wirt schasllichen Kämpfen den ehrlichen aufrechten ArbeUett bevorzugen. Strolche und Wegelagerer, dre llsiensche» kaltblütig morden, die dreinschlagen mtt Mordwett zeugen, die ihnen von den Unternehmern geltefex werden. Strolche und Wegelagerer, die dann nach geschehener Tat auf eine Milde und Achtung rechnet können, wie fie andern Sterblichen nicht zu teil wird Freilich muß es sich um den Schutz des Profits get handelt haben, um die Mitwirkung bei Bekämpfung auch der gerechtesten Arbeiterforderung."
Das ist eine Niedertracht! Das Zentrurq als Schutzherrn von Strolchen und Wegelagem hinzustellen, bringen nur solche Leute fertigt welche die schützende Hand über einen Menschen halten, der so etwas, ein gefälschtes Flugblatt» verbreitete und darin den Abg. Brust beschuh digte, er fei mit 30 000 Mark von den Gruben« besitzern bestochen worden.
* Schon wieder eine Uniform - Aenderung* Durch Kabinetts-Ordre vom 21. Dezember ist be* stimmt worden, daß der Parade-Waffenrock für Generäle ersetzt wird durch den Waffenrock mit Epauletten, sowie mit Achselbändern und gang* schnüren, aber ohne Schultergeflecht. Wer wollt« zweifeln, daß die Schlagfertigkeit der Armee auch durch diese Aenderung bedeutend gehoben wird?
4- Schnapsgeld riecht nicht. Die soziab demokratische Preffe agitiert in den letzten Monaten mit wütendem Eifer gegen den Schnaps«, genuß im Textteile. Im Anzeigenteile robben natürlich die geistigen Getränke empfohlen, as gibt bares Geld. Man sieht eS ja dem Geld auch nicht an, daß es durch eine empfehlende Bekanntmachung geistiger Getränke verdient i(w Das ist sozialdemokratisches Geschäft. Diese Geschäftspraxis muß einen bedenklichen Umfanu angenommen haben, denn die sozialdemokratische „Metallarbeiterzeitung", ein Gewerkschaftsblatt/ bringt in der Nummer vom 25. Dez. folgend- ausfallende Warnung:
Trinkt keinen Schnaps!
< Laßt Schnapsanzeigen in Patteiblüttern . . unbeachtet!
Das ist eine klatschende Ohrfeige für bU, sozialdemokratische Parteipresse, die sich so ost über den Anzeigenteil der bürgerlichen Preffe entrüstet.
* „Selbstverwaltung". In Polnisch-Brzozi«/ Kreis Strasburg, war, so schreibt man dem ,Westpr- Volksbl.", lange Zeit ein Katholik Gemeindevorsteher.' Als dessen Nachfolger wurde der Grundbesitzer Delinski gewählt. WaS tut aber der Landrat? Et ernennt in der ganz katholischen Gemeinde die eint zige protestantische Person zum kommissarischen Gemeindevorsteher. Der Wahl deS Delins- wird die Bestätigung versagt, ohne daß irgend et Grund angegeben wird. Delinski hat sich nie polh tisch feindlich gezeigt, bekleidet das Ehrenamt einet Waisenrates, zahlt ruhig feine nicht geringen Steuern,’ also ist gegen ihn nichts einzuwenden. Sein ein# ziger Fehler ist, daß er Pole ist. Unb wer ist der kommissarische Gemeindevorsteher? Ein alter Manu von 80 Jahren. Aber er ist Protestant, und darum besitzt er alle erforderlichen Befähigungen, die einem* tatkräftigen, tm besten Alter stehenden Manne ab»' gesprochen werden. Dieses hat große Erbitterung hervorgerufen, zumal die höheren Instanzen die von den Gemeindevertretern eingelegte Beschwerde
Schattenblume.
13] Originalroman von Irene v. Hellmuth.
Draußen fuhr ein Wagen vor, bet den Toten ab* Huholen kam. Gerda stammelte einige Worte des Dankes, die alte Frau sprach etwas von christlicher Mchstenpflicht oder dergleichen, — dann entfernte sich das Mädchen und schritt hinter dem langsam fahrenden Wagen her. —
- Die Beerdigung mit ihrem traurigen Zeremoniell war vorüber. Im Hause roch es tagelang nach all den Blumen und Lorbeerkränzen, die teilnehmende Freunde und Bekannte am Begräbnistage geschickt hatten. Gerda mußte all die mehr oder minder gleich- giftigen Redensarten über sich ergehen laffen. Es war chr eine *DuaI, daß sie am offenen Grabe des .Paters so vielen Menschen die Hände drücken und 'fcuf tausend Fragen Antwort geben mußte. Sie atmete wie befreit auf, als alles überstanden war.
k Ein langjähriger Freund ihres Vaters bot sich an, (hr Vormund werden zu wollen. Sie nahm den Vorschlag dankend an. Bei dieser Gelegenheit erfuhr Sc, daß sie ein gänzlich mittelloses Mädchen war. täglich wanderte sie hinaus zu dem schmucklosen 'Hügel, der die sterblichen lleoerrefte ihres Vaters deckte. Hier überlegte sie, was zu tim fei. Sie war fest entschlossen, die Stadt zu verlassen, denn anderswo hoffte sie leichter zu überwinden. Es litt fie kaum mehr im $aufe. Es kam ihr alles so leer, so öde und trostlos vor, sie fanb nicht Ruhe unb Frieden. Unausgesetzt quälte sie der Gedanke, daß ste den Vater ßn seinem Sterbetage allein gehen ließ, daß ste nicht darauf bestanden hatte, ihn zu begleiten, daß er allein Md verlassen sterben mußte. Freilich, eS war die Schuld der Stiefmutter. Hatte Gerda vorher ein Grauen vor der hartherzigen Frau empfunden, so haßte sie dieselbe feit dem Unglück geradezu. ES war Gr unmöglich, mit derselben noch ferner zusammen- tadeben. Sie setzte ihre einzige Hoffnung auf den Großvater. Ob er sie wohl bei fich aufnehmen würde? Wine heiße Sehnsucht nach irgend einem treuen, teil- Mmenben Menschen überkam da? einsame Mädchen,
,? Die blocklose Zeit .gefällt vor allem natürlich den Liberalen nicht. 'Ihre Preffe bringt noch immer viele haarspaltende Artikel über die Rückkehr zu dem früheren Regierungsstandpunkt „über den Parteien." Insbesondere hat die „Freisinnige Zeitung" eine Menge von Trugschlüssen aufgetischt, die in dem handgreiflichen Widersinn gipfelten, daß gerade eine Regierung, die über de« Parteien stehen und mit wechselnden Mehrheiten regieren wolle, in Ab- hängigkeit von den Parteien gerate.
D,e konservative „Kreuzztg." bringt nun eine längere Entgegnung aus die freisinnigen Ausführungen, um ihrerseits zu dem Schluffe zu kommen: »Darum ist und bleibt es schon das für unsere Verhältnisse gebotene und für unsere deutschen Lande das er« wrießlichste, wenn die Regierung an der traditionellen Stellung Über den Parteien festhält." Wir für unseren Teil wollen der Schlußfolgerung hes konservativen Blattes durchaus nicht entgegen- treten, aber wir müssen zu einem Rückblick auf die letzten Jahre des Reichskanzlers Bülow eine kritische -Bemerkung machen.
Die „Kreuzztg." meint, auch Fürst Bülow sei weit davon entfernt gewesen, durch seine Blockpolitik ein Parteiregiment zu begründen; er habe sogar damit gerechnet, daß in minder wichtigen Fragen die Blockparteien naturgemäß auseinandergehen würden, und habe sich nur darauf verlassen, daß die Mehrheit ihm bet nationalen Aufgaben als feste Stütze zur Seite stehen werde.
Das stimmt doch nicht mit dem tatsächlichen Gang der Dinge überein. In dem Silvesterbrief des Fürsten Bülow steckte fteilich noch ein derartiges vorsichtiges Programm; da war zunächst nur Die konservativ-liberale Paarung »von Fall zu Fall" vorgesehen. Seine Wahlgehilfen drängten den Fürsten Bülow baldigst weiter. In der letzten Rede vor den Wahlen bekundete sich schon der ausschlleßende Blockgedanke. Der blockpolitische Gehilfe v. SoebeO besorgte das Blockpräsidium. Nicht bloß das Vereinsgesetz, sondern auch das technisch-wirtschaftliche Börsengesetz wurden zu einer „nationalen", ausschließlich dem Block reservierten Angelegenheit erklärt. Als sich an die Hardenaffäre kritische Reden im Reichstag knüpften, drohte der Reichskanzler zu Anfang Dezember 1907 den Vertrauensmännern des regierenden Blocks mtt seinem Rücktritt, wenn die Blockmehrheit nicht mehr Geschloffenheit und Willigkeit zeige. Als bei den Vorberatungen über die Finanzreform der Zentrumsantrag Herold die Mehrheit in der Kommission zu gewinnen schien, wurde mit aller Kunst und Kraft des Reichskanzleramtes das sogn. Blockkompromiß zustande gebracht, eine Ver- schlechterung des Antrags Herold, die in sich unhaltbar war, aber die Ausschaltung deS Zentrums sichern sollte. Dann kam die förmliche und feierliche Erklärung des Fürsten Bülow, er werde die Finanzreform niemals ohne die Liberalen machen.
Endlich drang auch bei den weniger weitsichtigen Konservativen die Erkenntnis durch, daß aus der Blockwirtschast tatsächlich ein Parteiregiment, und zwar zugunsten des Liberalismus, sich entwickelt habe und es erfolgte der erlösende Gegenstoß bei der Abstimmung über die Erbanfallsteuer. Wenn mit dem Block zugleich Fürst Bülow unmöglich wurde, so lag das im letzten Grunde daran, daß er Partelminister geworden war.
AuS diesem Rückblick erkennt man sofort, rote töricht die Behauptung der »Freisinnigen Zeitung" ist, daß der mit wechselnden Mehrheiten wirkende Minister abhängig werde. Hätte Fürst Bülow auf dem alten Standpunkt verharrt, von Fall zu Fall
Das Zentrum „als Schutzherr von Strolchen und Wegelagerern". Wenn die
mittleren Linie zu suchen sei. ..... Falkenberg-Grottkau. Im Jahre 1900 wurde er
Heber die Part ei ste II u n g der Wähler glaubt f Lebenszeit ins Herrenbaus berufen. Seit 1873