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Maer W Zeitung

Monatrbellag«! „Fuldaer SeschlchkblStter"

»SÄi«. woch-nbexae«: „jnuftrictfe Sonntagsrettung"

36. Jahrgang

Fulda, Montaa den 27. Dezember 1909

M 296

)„3u meinem Vater, sehen."

»*;rk-e«r vte et» spaMgePetitreileo-« deren Harne js psg. Reklamen diepetitzeile 25 Pffl., bei Meder- holmrge» wird euffpk. Hadatt gewährt.

Lotatioe»dreck««d Verlag der Fuldaer At- tiendnxterei ie Fulda Fernsprecher Ur. S.

fach darauf hinaus: «Die Reform ist freilich notwendig, und sie ist auch unbestreitbar ein Fortschritt; aber da ie in einem Zeitpunkt erfolgt, wo zugleich eine Steuer­erhöhung notwendig ist, muß sie unpopulär sein; des­halb laßt sie doch andere machen; ihr kommt dann in die glückliche Lage, die Mehrheit, die dieser Pflicht sich nicht entziehen kann, angreifen zu können." Oder auch: „Die Reform soll zustande kommen, aber andere sollen sie machen, damit wir darauf schimpfen können."

Diese Art von politischer Taktik und politischer Moral lehnt der Herr Professor entschieden ab — allerdings nur für die gegenwärtige bayerische Steuerreform. Diese Ablehnung und diese beißende Kritik politischer Heuchelei paßt aber Wort für Wort auf das Verhalten der Liberalen gegen­über den neuen indirekten Reichssteuern, und zwar nicht nur auf das Verhalten „draußen im Lande", sondern auch drinnen im Reichstage.

Gerda weinte und schluchzte heftig.

„Und was soll denn jetzt mit dem Vater ge­schehen?"

Sie war ganz ratlos.

Der Mann zuckte die Achseln.

„Es wird wohl am besten sein, wenn Sie ihn gleich nach der Leichenhalle schaffen lassen, Fräu« lein; oder wünschen Sie, daß man ihn hierher trat* portiert?"

„Nein, nein, nichit hierher — um Gotteswillen nicht hierher!" schrie Frau Emilie entsetzt und schlug bte Hände vor das Gesicht, die Zähne klapperten tfc förmlich vor Angst und Grauen. Ich kann kein« Toten sehen, ich fürchte mich — ich will ihn nicht

,chh«WtSgnq«tt Ausnahme der $o.m= und Feiertage, viertel- phrlicherveMgspreir ohne vringerlohn und veßÄlgeld in Fuldas- wie auswärts l.so Hit

Perantw. Redakteur, «art 8chii"er

sehen!"

Gerda sagte kein Wort mehr. Ihr Körper bebte vor verhaltenem Weh, zitternd legte sie die Wirt­schaftsschürze ab, schlüpfte in die Jacke und wollte an der ©tiefmutter vorbei, der Türe zu.

„Wohin gehst Du?" fragte Emilie ängstlich.

— ich will ihn noch einmal

Ausland.

*♦ Bom belgischen Hofe. Die Thron' besteigungsseierlichkeiten wurden am Freitag durch ein feierliches Tedeum in der Brüsseler Kathedrale beendet. Der amtliche Moniteur' veröffentlichte einen Gnad en akt, durch den für alle zuerkannten Gefängnis- und Geldstrafen eine erhebliche Abkürzung oder Ermäßigung an­geordnet wird. Das Ministerium reichte formell seine Demission ein, da es durch das Vertrauen des verstorbenen Königs berufen worden war. König Albert lehnte die Demission ab. — Prinzessin Luise hat am Freitag heimlich Brüssel wieder verlassen und ist nach Köln zurückgekehrt, wo sie von ihrem- Begleiter, Mattasichs, einer höchst zweifelhaften Persönlich­keit, erwartet wurde. Dem belgischen Hofmann, der die Prinzessin im Auftrage des Königs zu einem Bruch mit Mattasichs veranlassen wollte, soll diese geantwortet haben: „Mir gilt die auf­richtige Liebe Mattasichs, dieses bewährten, treuen Kavaliers, hoher als ein dritter oder vierter Platz in der Hofrangliste. Adieu, König und Hof! Adieu, Brüssel!"

* Der niederländische Staatsmann Pierson, der lange Zeit Finanzminister war und auch als volkswirtschaftlicher Dozent und Schriftsteller be- kannt geworden ist, starb, 70 Jahre alt, am am Freitag in Heernstade.

tk Die Beratung auswärtiger Angelegen­heiten am letzten Donnerstag in der französi­schen Deputierten-Kammer zeigte, daß trotz der gegenwärtigen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich der Re­vanche-Gedanke noch immer hier und da be­geisterte Anhänger findet. Ein Redner erklärte, kein Franzose könne die Verstümmelung des fran­zösischen Landes durch die Wegnahme von Elsaß- Lothringen vergessen. Indessen erkannte die Mehr­heit der Redner an, daß die Besserung der deutsch-französischen Beziehungen nach dem Abschluß des Marokko - Abkommens beiden Landern zum Segen gereiche.

X In Sachen der Mannesmann-Konzessio­nen haben die Lübecker Handelskammer und das Hochosenwerk Lübeck an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, die Mannesmannschen Berg­werkskonzessionen in Marokko dem deutschen Kapital zu sichern. — Das deutsche aus-

„Schlanganfall — draußen beim Eichenwäldchen — unweit der Meierei." — hatte sie deutlich gehött. Namenloses Entsetzen bemächtigte sich ihrer, aber dann raffte sie sich auf und stand mit weit aufgerissenen Au­gen, zitternd am ganzen Körper, vor dem Nnalücks- boten, der sie mitleidig betrachtete

„Mein Vater" — stammelte sie bebend, „sagen Sie," was tft geschehen?"

„Ein Unglück, Fräulein," sagte der Mann teil­nehmend, „es ist freilich ein harter Schlag, wenn so etwas paffiett, aber — Du lieber Gott, Ihr Vater starb völlig schmerzlos, kein Laut, ein Stöhnen war ver­nehmbar, ich glaube nicht, daß er noch etwas fühlte."

„Allmächtiger — mein Vater — er ist — tot?" schrie sie auf, überwältigt von dem Entsetzlichen, das sie nicht zu fassen vermochte. „Tot", wiederholte sie dumpf „es ist doch nicht möglich — und ich — ich durfte nicht bei chm fein, er war allein — ganz allein, ba§ werde ich nie in meinem Leben überwinden!"

Gerda toarf einen Blick des Hasses auf ihre Stief­mutter, die zwar blaß vor Schrecken, aber äußerlich ziemlich ruhig zugehört hatte.

„Weshalb mußte ich ihn gerade heute allein gehen lassen, hätte ich es doch nicht getan!" stöhnte Gerda fassungslos.

„Machen Sie sich daraus keinen Vorwurf", be- schwichtgte der Fremde das jammernde Mädchen. „Sie hätten Ihrem Vater nichts helfen können; er fiel hin, wie vom Blitz getroffen. Ich war gerade dabei, als es geschah. Da die Meierei ganz In der Nähe ist, holte ich von dort Leute und wir trugen ihn dorthin und legten ihm auf ein schnell hergerichtetes Saget. Er lebte noch und mir schien es, als wollte er etwas sagen, poch brachte er keinen Ton heraus: aber er bewegte die Lippen, ich habe es deutlich gesehen. Auch be- meckte ich, daß seine Augen unausgesetzt an der Tür hingen, als erwarte er jemand. Das dauerte indes nur ein paar Minuten, dann sank er völlig zurück, — es wat vorbei! Einer von den Leuten wurde gleich zum Doktor geschickt, aber der konnte auch nichts mehr helfen; jedoch kannte er den Toten und beauftragte mich, die Angehörigen zu verständigen. So bin ich denn schnell hergelaufen."

Schcrtlenbl^nme.

12] Originalroman von Irene v. Hellmuth.

Elendes Geschöpf," kreischte die aufs äußeffte er­zürnte Frau, „und Du glaubst, daß ich mir das von Dir gefallen lass« werde? Noch heute mußt Du aus 'dem Haus, darauf verlasse Dich!"

Sie packte das Mädchen derb am Arme und schüt­telte es kräftig hin und her und als Gerda sich ge- toaltfam zu befreien suchte, da schlug ihr die Sttes- mutter mit solcher Wucht inS Gesicht, daß vor den klugen des mißhandelten Mädchens rote Lichter zu tanzen begannen und sie halb ohnmächtig vor Schmerz 'und Grimm gegen die Wand taumelte. Als bte ra­sende Frau Miene machte, von neuem aus Gerda loszu- chlagen, floh diese wie gehetzt in das nächste Zwirner und schob mit behenden Fingern drinnen den Rtegel 'vor. Da das Gemach keinen zweiten Eingang hatte, war Gerda weniastens für den Augenblick vor der Wut der ihr nacheilenden Stiefmutter geschuht. Diese Hämmerte mit beiden Fäusten an die verschlossene Ture, aber Gerda saß ganz in sich zufammengesunken auf 'einem Stuhl und rührte sich nicht. Die Wangen brannten wie Feuer, sie konnte im Augenblick gar nichts denken. Rur langsam vermochte sie ihre Gedanken zu 'ordnen. Wild kreiste das Blut in ihren Adern und ‘hur ein Wunsch beseelte sie: „Fott - fort von hier, gleichviel wohin!"

„Mach auf. ober ich schlage bie Türe ein, schrie hie Frau draußen in rasendem Zorn, Gerda aber gab keinen Laut von sich. Sie lauschte nur mit angstvoll klopfendem Herzen auf jedes Geräusch. Dabei fragte sie sich immer wieder: „Wie kann ich nut fort von hier? Kann ich den Vater verlassen? Daff ich es? O mein Gott, was soll ich tun — das Leben hier kann Ich nicht länger ertragen!"

Draußen war es ruhiger geworden. Die zornige Frau mochte dar Nutzlose ihres Beginnen« einge* sehen haben. Gerda überlegte, ob sie dem Vater Mit- .- teilung von dem Vorgefallenen machen sollte. Sie fürchtete, den kaum Genesenen damit aufzuregen, doch ivenn fie febtoie* fo erfuhr er es von der Stiefmutter,

Die Frau Professor schüttelte sich.

„Bleibe hier," sagte sie, „ich will fetzt nicht allein fein, es wird schon ganz dunkel, Du kannst doch nichts helfen, mir ist so unheimlich, es ist fo still, — ich — fürchte mich!"

Ein verächtlicher Ausdruck effchien auf Gerda« schönem, bleichem Gfficht.

„So komm mit, aber beeile Dich!"

„Nein, — nein, ich sterbe vor Grauen!"

Frau Emilie lief aufgeregt hin und her. Gerda schritt stumm hinmrs, ohne die Stiefmutter eine» Blickes zu würdigen.

„Die Toten tun doch keinem etwas," sagte der Mann und schickte sich an, dem Mädchen zu folgen. Gerda eilte so schnell vorwärts, daß er sie kaum ein­zuholen vermochte. Sie sah sich auch nicht nach Up# um. Die Meierei war in einer Viertelstunde erreicht. Vor dem Hause stand eine Menge Leute, die bal traurige Ereignis herbeigelockt hatte, flüftemb bei­sammen. Der Tote lag in einem einfachen Zimm« »n eben« Erde, dessen Fenster geöffnet waren. E«

•+> Weihnachtsbetrachtungen.

Das Weihnachtsfest ist ein Fest des Glaubens. 'Wer den Glauben nicht in sich trägt, den Glauben, der das Leben lebenswett macht und den Feinden mtt .Verzeihung und Liebe banft, der. versteht nicht die wundersame Lehre der Weihnacht, der veffteht nicht die Wu^ck des Glückes, daS an diesem Tage die Ehtt- ßenhttt erfüllt.

Kaum eine Tatsache beweist besser, wie sehr heute Lhttsti Lehre und Wort einem großen Teil der Menschheit fremd geworden ist, als die, daß in den Weihnachtsbetrachtungen unserer Presse der ch r i ft* lich e Sinn des Festes meist vollständig unbeachtet bleibt, wenn auch Betrachtungen, die sich dirett gegen die Religion und das Wunder der Weihnacht wenden, Slücklicherweife noch nicht landläufig geworden, son- em Blättern vom Schlage der „aufgeklärten" Vofft- schen Zeitung und des sozialdemokratifchen Vorwärts Vorbehalten sind. An die Stelle gläubiger Betrachtung des religiösen Geheimnisses trifft meist eine klangvolle Phrase über das Familienfest, das Fest der Liebe und d« Gaben, das Fest der Wohltätigkeit, aber wie öd und inniger Empfindung bar sind doch im Grunde diese Betrachtungen, wenn wir sie vergleichen mit dem 'unermeßlich tiefen und schönen Wahrheitsgehalt, den der Glaube uns an diesem Tage vermittels

Daneben finden wir vornehmlich Bettachtungen, die im Anschluß an ben Charakter ber Weihnacht als eines Friedensfestes Friebensaussichten und Friedenswünsche für unser politisches Leben, für bie Lage unseres Volkes nach innen und außen behan­deln. D« Wunsch, wenigstens an diesem einzigen Tage im Jahre auf dem politischen Kampfplatz die Waffen ruhen zu lassen und auch dem Politik« und Alagesfchriststeller eine Stunde der inneren Ruhe zu «statten, wird wohl immer ein frommer Wunsch blei- kn. Wohl kein Fest ist so geeignet, dem Lärm des lolitischen Kampfes vergessen zu machen, legt den Ge­danken so nahe, daß eine Ruhstatt notwendig ist, wo her Mensch ganz feinem inneren Leben sich weihen soll als gerade die Weihnacht. Statt dessen aber sehen wir, daß in den meisten Weihnachtsbetrachtungen die P o» sitik eine große, ja die größte Rolle spickt.

Wenn sie nur auf den Gedanken sich gründen woll­ten, daß Frieden und Versöhmmg der Tag lehre, fo wollten wir schließlich nichts dagegen haben. Aber sehr oft sehen wir leider das gerade Gegenteil. Wenn die Tägliche Rundschau und die Deutsche Zeitung ufro. Ms Hauptgedanken ihrer Weihnachtsbettachtung hin­stellen, wie bie drei letzten Jahre dem deuffchen Volke eine frohe Weihnacht beschert hätten, nun aber nach der Zertrümmerung des „nationalen" Blocks keine -rechte Freude auflommen könne, so sind solche Ausführungen wohl an keinem anderen Tage so unan- saebmcht, ja direkt ärgerniserregend, als gerade am Tage des Festes des Friedens.

Deutsches Reich.

** Berlin, 26. Dez. 1909. Der Kaiser machte am Donnerstag wie alljährlich am Tage .vor Weihnachten einen längeren Spaziergang in der Umgebung des Neuen Palais bei Potsdam. Nachmittags wohnte der Kaiser der Bescherung einiger Kompagnien im ersten Garderegiment zu Fuß bei. Nachmittags wurde die Diennschast durch die Kaiserin beschert. Später fand das Wiche Weihnachtsdiner bei den Majestäten für die in Berlin und Potsdam anwesenden Prinzen und Prinzessinnen und für die Damen und Herren der Umgebungen und der Gefolge statt. Hieran schloß sich die Bescherung der kaiserlichen Familie im Muschelsaal. Am ersten Feiertage besuchte die kaiserliche Familie den Gottesdienst.

denn biefe buchte nie baran, ben Gatten zu schonen, unb baß sie nicht bei bet Wahrheit blieb, konnte man mit Sicherheit voraussetzen.

Im Hause war es jetzt totenstill, bie Sonne neigte sich schon bem Untergange zu, von ber Straße herauf drang ba8 Lärmen fröhlicher Kinder, bie sich noch luftig herumtummelten.

Gerda sann unb grübelte. Sie dachte zurück an die Zett, da sie auch noch ein fo sorglos heiteres Kind gewesen unb der Mutter alle ihre kleinen Leiden unb Freuden anbertrauen buffte. Weiter wanderten bie Gebauten. Die kurze Zeit ihrer jungen Liebe ftanb wieder vor ihr. Die glücklichen Tage, bie sie da ver­lebt hatte, effchienen ihr jetzt wie ein schöner Traum, wie ein flüchtiger Sonnenstrahl, ber eine trübe Land­schaft erhellt, unb ebenso schnell, wie er kommt, wieder verschwindet. Was Alfted wohl jetzt treiben mochte? Ob er ihr« noch gedachte? Ob sie ihn jemals toiebet sehen würde? Sie glaubte an kein Glück mehr, alle Hoffnung hatte Alfred mit sich genommen, unb nur dunkle Schatten waren zuttickgeblieben. Dunkel und öde lag bie Zukunft vor ihren Blicken.

Sie war so veffunken in ihre schweren Gedanken, daß sie ganz vergaß, was geschehen war. Plötzlich schrak sie empor. Wo nur der Vater so lange blieb! Er müßte eigentlich längst zurück sein. Sie öffnete das Fenster um nach ihm auszuschauen. Das Lärmen der Kinder'war verstummt. Leer, wie ausgfftorben lag bte Straße, es war kalt geworben unb schaffe: Wind wirbelte ben Staub auf. Gerda sah, wie ein Mann im raschen Laufe um bie Ecke bog, einen Vorübergehen­den anhielt unb irgend etwa» fragte und bann btreft auf da» HauS zuschritt.

Sie hörte, wie femanb bie Treppe emporhastete, stolpernd wie tu groß« Eile. Dann drangen erregte Stimmen an ihr Ohr, es wurde hin- unb hergerebtt MS bie Flurklingel ertönte, ftanb fie unb lauschte, das Herz hämmette und pochte, sie wußte eigent.lch nicht warum. Die Stiefmutter ging gerade, um zu sehen wer da sei, als Gerda vorsichtig den Riegel -urückschob unb bte Türe ein wenig öffnete, um besser hören zu können. Plötzlich würbe sie leichenblaß, em fcfttaer Schrecken lähmte ihr die ©hebet, bie Worte:

wärtige Amt wird, wie die „N. Ges. Korr." meldet, das gesamte, mehrere Aktenbände fassende Material über die Mannesmann-Angelegenheit auszugsweise in einer Denkschrift der Budget- Kommission deS Reichstages vorlegen. 2Bit. etzt schon mitgeteilt wird, können die Abmachun- ;en der Firma Mannesmann mit dem Vertrag von Algeciras nicht in Einklang gebracht werden.

X Zwei Forschungsreif ende, einDeutscher nameni Burkhard unb ein Italiener namens Venzom sind während d« jüngsten Unruhen in Jensen auf einer Reise von Sana nach Ta'is von Aufrührern ermordet worden. Die beiden Reisenden hatten eine Expedition unternommen, ohne vorher bal italienische Konsulat zu befragen, sie hatten sich aber vorn Walt militärische Bedeckung geben lassen. Der Wali hat, ba bie Deutschen in Hobeiba unter bem Schutze des italienischen Konsulats stehen, dem italienischen Generalkonsul sein lebhaftes Bebau«« über den Vorfall ausgesprochen. D« Generalkonsul benachrichtigte das Ministerium deS Aenßern m Berlin. Der italienische Botschafter in Konstanti­nopel hat sofort energische Schritte unternommen, um Schadenersatz von der Pforte zu erlangen. ,

** Bon den abtrünnigen Priester« tn Frankreich weiß die „Reformation" wenig Erfreuliches zu berichten. Der kürzlich verstor­bene Louis Jakob Bertrand, so berichtet eS, habe mit Betrübnis konstatiert, daß in den letzte« zwei Jahren seines Wissens von 250 an- der katholischen Kirche ausgetretenen Priestern nur drei in die evangelische Kirche eingetreten feie«. Dann heißt es weiter:

Es ist nicht zu leugnen, daß im allgemeinen dte besseren und besten Elemente unter den Prieste« in der katholischen Kirche verbleiben, unb daß bte von kompetenter Seite angestellten gewissenhaften Nach­forschungen ergeben haben, daß es in den wettm» meisten Fällen das Zölibatsgelübde ist, weißel für die ausscheidenden Priester der Grund ,um Aus- tritt ist. So sagte der letzte Jahresbericht für 1907/08 des Oeuvredes Prötres, an welchem P. Js. Picard in» Mr. L. I. Berttand mit unermüdlicher Sorge tätig gw wesen sind, üb« die ausgetretenen Priest«: „. . . Wtt entfernten gleich ohne wetteres diejenigen, deren Xugenl zu wünschen übrig ließ. Aber was tonnten rote für die anderen tun, für die, welche die Lehre ihrer Kirche nach und nach zum Zweifel geführt hatte, und sog« für diejenigen, welche uns in naiver Weise gestanden daß fie einem ihrer weiblichen Beichtkind« (pSmtevtsff die Ehe versprochen hatten? . . . Auch ist der Tttck als ehemalig« Priester keine Empfehlung, selbst nich« in evangelischen Häusern."

Hier wird eine Tatsache zugegeben, die sonst von evangelischer Seite — auch dem kampf­lustigen Grafen Hoensbroech — stets mit Energie bestritten wird.

♦♦ Tas belgische Miliiarreformgesetz, das von König Leopold auf bem Sterbebett unterzeichnet rooiben ist, hat infolge bes Thronwechsels bis jefrl noch nicht bie Würbigung gefunben, bie es »erbtent Die Heeresreforrn wirb auf bie internationale Stel­lung Belgiens von wesentlichem Einfluß fein. Für bie gewissenhafte Beachtung der belgischen Neutrali­tät bürgt künftig außer ben papierenen Garantie« bes Völkerrechts ein starkes belgisches Heer. Be- merkenswert finb bie Aeußerungen ber ehemaligen belgischen Ministerpräsidenten Seernaert, ber über bie Frage ber belgische« Neutralität, sowie über bie Idee eines Bündnisses mit Holland u. a. sagte:

„Unsere erste Pflicht ist es, dafür $u sorgest, daß unsere Neutralität respektiert wird. Holland befindet sich in derselben Lage. Belgien unb Holland sind reiche Länder, besitzen reiche Kolonien unb hab« alles, was den Neid und die Habsucht and«« errege» muß. Wir wollen zuerst mit Holland einen wirtschaft-

Beim Kaiser- und Kronprinzenpaare fanden Familientafeln statt. — Der König von England chickte seinem kaiserlichen Neffen einen fertig angerichtetmEberkopf, einen Riesen-Plum-Pudding und eine Gewürzspeise. Der Kaiser sandte gleichfalls einen Ebnkopf mit Photographien. — Am 7. Januar wird im Reichspostamt mit Vertretern der vnschiedenen Erwnbsstände eine Besprechung über postalische Fragen statt- inden.

* Zum Präsidenten des Reichseisenbahnamts an Stelle de- am 1. Januar ausscheidenden Ge­heimrat« Dr. Schulz ist Geheimrat Wackezapp ernannt worden.

* Aerzte unb Reichsversicherungsordnung. Gegenüber ber Mitteilung ber .Frankfurter Ztg.' vergl. Fuldaer Ztg/ Nr. 294, kann der ,Tag' auf Grund bester Informationen feststellen, daß Aber die Regelung der Aerztefrage im Rahmen der Reichsversicherungsordnung noch in keiner Weise endgültige Entschließungen gefaßt worden sind. Edens« wenig trifft es zu, daß man an maßgebender Stelle die Absicht hegt, eine gesetz­liche Festlegung der freien Arztwahl und der damit verbundenen Einschränkung des freien Ver- tragSrechts der Krankenkassen in Vorfchlag zu bringen.

Y Einen trefflichen Beitrag zu dem staats-absolutistischen Borgeheu auf dem Schul­gebiete, das die ,Fuldaer Zeitung' im Leilartikel Nr. 282 vom 9. Dezember ds. Js. (Staats­sozialismus in der Schule) so klar und richtig kennzeichnete, bringt, so schreibt man uns, der Erlaß einer König!. Regierung über die Stellung des Landrats zur Schule. Es heißt dort:

„Obwohl die König!. Schulvorstände durch das Gesetz vom 28. Juli 1906 abgeschafft sind und dadurch dir Landräte nicht mehr den Schulvorständen an­gehören, sind dieselben doch die ständigen Vertreter der Regierung und haben das größte Jnt«esse, über alle auf das Schulwesen sich beziehenden Angelegenheiten stets unterrichtet zu sein. Aus diesem Grunde, und auch, um zeitraubende Rückfragen auszuschließen, sind die Schulberichte „im Umschläge" des Landrates an die Regierung zu senden."

So wird eine von den Geme nden freudig begrüßte gesetzlich feftgelegte Vereinfachung des Instanzenweges wieder beseitigt. Ist das nicht ein auffallender Fortschritt zum Staatsabsolulis- mus auf dem Schulgebiete? Die Herren Ab­geordneten mögen dieser Verfügung in Berlin den Garaus machen! Was die in der ,Fuld. Zeitung' wiederholt behandelte Frage über Hauptlehrer und Rektoren anlangt, so wird die gesetzlich (?) sestgelegte Einrichtung dieser Stellen nicht zu verhindern sein, wohl aber können und müffen die Gemeinden sich fest wehren gegen eine Entschädigung an die In­haber, die auch nur einen Pfennig über das Mindesthonorar hinausgeht. Die ganze Einrich­tung war und ist unnötig, aber sie ist jetzt Gesetz und kann nicht mehr umgangen werden. (Der Vnsaffer irrt, die Einrichtung ist Verordnung«, fache; durch Gesetz ist die Anstellung von Rek- toten und Hauptlehrern nirgends vorgeschrieben. D. Red.)

4- Verwerfliche „politische Taktik und Moral." Herr Professor Quidde schreibt in der Frankfurter Zeitung:

Die Argumentation von Leuten, dte draußen im Lande die Ablehnung der Gesetze fordern, läuft viel-