Drittes Wtcrtt
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Kugeln gleich der Sonne. Die Frage erscheint einfach, ist eS aber durchaus nicht, und es ist nicht einmal sicher, ob die Erklärung, die Holtz findet, einwandfrei ist. Wie schon gesagt, erscheint in einem guten Fem- rohr ein Stern eher kleiner als mit freiem Auge betrachtet. Es liegt das daran, daß der Bau der Augenlinse bewirkt, daß auf der Netzhaut des Auges nicht ein so winziger Punkt entsteht, wie es ein Stem wirklich ist, sondern daß lich der Stern als kleine- Scheibchen dort abbildet. Die verschiedenen Fasern und Streifen der Netzhautstelle, die das Stern» scheibchen bedeckt, sind nun nach Holtz ungleichmäßig empfindlich, und auf den unempfindlicheren Streifen wird so das Licht gar nicht wahrgenommen. Es wechseln also dann helle mit dunklen Streifen ab, und e- entsteht die von dunklen Streifen unterbrochene Strahlen- resp Sternfigur : *, wie wir sie zu sehen gewohnt sind.
Zum Weihnachtsfeste.
Von Jos. Mundt.
(Nachdruck verboten.)
duftenden Lichterbaum versammeln, wünschen wir aufrichtig, daß für jeden das Weihnachtsfest ein wahres Fest des Friedens werde, de- Friedens mit dem Je- Srkinde und des Friedens mit allen, die eines guten illenS sind.
zulegen hat als im Zenit, viel stärker, als Sterne, die sehr hoch am Himmel stehen.
Wer schon einmal im Hochsommer an einem recht heißen Tage mtf einer Wiese gelegen hat, und etwa nach den Häusern eines nahen Dorfes hinüberschaute, wird gesehen haben, daß diese ganz verwaschene Konturen zeigten und ganz leise zitterten, wie die Kiesel eines Baches, die man im leicht bewegten Waffer betrachtet. Die vom Erdboden auffteigenden heißen Luftschichten, die sich mit den weniger heißen dorüber- : liegenden mischen, bewirken in der Lust Kräusel und : Wellen, die Luftschichten von verschiedener Dichte bat» : stellen. Genau so, wie Glaslinsen, Brillengläser von ■ verschiedener Dicke das Licht verschieden brechen, so , brechen auch verschieden dichte Luftschichten das Licht ; verschieden, und so erscheinen die Dinge, die wir durch i solche Luftschichten hindurch sehen, in ihren Umrissen : verzerrt. Einen ganz ähnlichen Eindruck haben wir > übrigens auch, wenn wir über ein Feuer, z. B. über । ein Kartoffelfeuer auf dem Felde hinwegschauen, deren : Hitze eben solche Wellen in der Luft verursacht, sodaß , die jenseits liegenden Dinge wellig und unklar erschei- . neu. Unsere Luft ist nun in ständiger, mehr oder min- , der heftiger Bewegung. Die modernen Luftfahrten zeigen ja, daß in verschiedenen Höhen verschieden : stark, verschieden gerichtete Luftströmungen emittieren, die sehr verschiedene Temperaturen haben. Es ist leicht einzusehen, daß die seinen Lichsstrahlenbündel, die von den Sternen ausgehen, in diesen verschiedenen Schichten fortwährend abgelenkt, verschieden gebrochen werden, und daher im Auge den Eindruck hervorheben müssen, als flackerten die Sternlein wie Lichtchen im Lustzug.
Wie aber kommt es, daß das weiße Licht der Sterne dabei in allen Negenbogenfarben schillert? Run. es ist bekannt, daß das weiße Licht eine zusammengesetzte Erscheinung ist. Weißes Licht entsteht, wenn alle Regenbogenfarben: rot, orange, gelb, blau, indigo und violett sich vereinigen und zusammen in unser Auge fallen. Lassen wir einen weißen Lichtstrahl durch ein Glasprisma fallen, also durch so ein dreiseitiges Glaskörperchen, wie wir sie als Zierrat an den Kronleuchtern hängen sehen, so löst er sich in ein farbiges Band auf, das die oben erwähnten Lichtarten aufweist. Sammeln wir diese bunten Farben wieder mit Hilfe einer Linse, so entsteht hinter der Linse wiederum ein weißer Lichtstrahl. Kleben wir auf einen Kreisel ein weißes Blatt Papier, auf das wir mit Tuschfarben rote, orange, gelbe, grüne, blaue und violette gerade Streifen gemalt haben, und versetzen wir nun den Kreisel in schnelle Drehung, so erscheint die Papierfläche je nach Reinheit der Farben mehr ober weniger weiß; ein Beweis bafür, baß das weiße Licht die S u m m e all jener Regenbogenfarben ist. — Auch das weiße Licht der Sterne besteht also aus diesen Farben. Solange sie alle zusammen ungebindert dahineilen, bleibt das Licht weiß, wenn sich ihnen aber Hindemisse in den Weg stellen, wenn sie d-rch Gläser, durch Wasser ober Luftschichten hindurch- müffen, ober auf bestimmt geartete Flächen auftreffen, nehmen sie diese Hindernisse sehr verschieden, und hier geht ihr Zusammenhang in die Brüche, sodaß sie wieder einzeln ihres Weges ziehen, sich eben wieder zu einem farbigen Lichtbüschel auseinanderziehen, wie wir es bei einem Prisma beobachten können.
Beim Eindringen und beim Durchgang durch unsere Atmosphäre wird also das weiße Licht der Sterne in seine Grundfarben zerrissen, und je nach der Dichte der Luftschichten und nach der Heftigkeit der Lustbe- h’egiing gelangen die Strahlen mehr ober weniger aufgelöst, getrennt vereinzelt in unser Auge: jetzt zusammen, im nächsten Moment wieder nacheinander, und im abernächsten teilweise gemischt. So muß uns denn bas Licht ber Sterne in wechselnder Farbe und Helligkeit erscheinen.
Ganz besonders stark ist die Erscheinung der Sein* Motion natürlich bann, wenn sich die Lust in großer Unruhe befindet, wie es immer zu sein pflegt, wenn eine stacke Wetteränderung bevorsteht Aus diesem Grunde ist das stacke Funkeln der Sterne schon seit alters her ein sicheres Zeichen dafür, daß das Wetter umschlägt.
Die Sterne würden übrigens nicht scintillieren, wenn sie nicht so winzige Lichtpunkte wären. Wenn sie als noch so kleine Flächen in die Erscheinung träten, hörte das Funkeln auf, denn bei einer Fläche würde die Gesamtheit der sie bildenden Lichtpunkte die Störungen, die die einzelnen Teilchen erleiden, wieder aufheben. Aus diesem Grunde zeigen die Planeten — wie schon der Ausspruch des Aristoteles, den wir mitteilten, bartut — fein Funkeln und Flammern; ruhig, sttll und klar ist ihr Licht, und ihr Glanz ist weitaus milder. Sofort erkennt mich ber Laie an eben diesem unruhigen Licht inmitten ber Fixsterne leicht die Planeten; sie, bie die Sonne umwandeln, stehen uns verhältnismäßig nahe, und erscheinen als sehr Reine Scheiben, sodaß (tote oben auseinandergesetzt wurde) eine Scintillation nicht zustande kommen kann. Nur bei ganz außerordentlich heftigen Lustwirbeln zeigen sie — höchst selten — ein leises Flimmern. Die Fixsterne sind so ungeheuer weit von uns entfernt, daß ie, obwohl an sich hunderttausend Mal größer als die Planeten, als Lichtpunkte von unmeßbarem, kleinem Durchmesser erscheinen. Ja, es besteht bie merkwürdige Tatsache, daß sie in den besten Fernrohren immer winziger werden, unb ber Laie, ber zum eisten Mal einen Fixstern durch ein Fernrohr sieht, ist sehr enttäuscht, daß ba8 Gestirn dort nicht größer zu sehen ist. Ebensowenig wie uns ein Overngucker etwas nützen kann, wenn e8 gilt, ein zehn Meilen entferntes Etwas näher zu bringen, kann uns das beste, moderne astronomische Riesenfemrohr die in unermeßlichen Femen chwebenden Fixstern-Sonnen so viel näher bringen, daß sie auch nur das allerwinzigste Scheibchen eckenn- bar werden; und wenn der Astronom diese Sterne dennoch mit immer mächttgeren Instrumenten in den Kreis feiner Beobachtung einzieht, so sind es ganz andere Untersuchungszwecke, bie ihn bazu veranlassen.
Vor einiger Zeit hat übrigens bet Physiker Holtz in Greifswald Untersuchungen darüber angestellt, weS- Isalb bie Sterne überhaupt al» „Sterne* erscheinen, also als jene st r a h l i g e Figur: *, die wir eben einen „Stern* nennen, denn alle Sterne sind feuriae
Die Apfelsinen
Skizze von Dr. Max Pollaczek.
(Nachdruck verboten.)
Wir haben ja schließlich bas ganze Jahr hindurch Apfelsinen, aber in der Zeit, da wir uns unseres schönen deutschen Obstes erfreuen, spielen sie keine Rolle und werden kaum verlangt. Aber im Dezember ändert sich das, da kommen bie „ersten* Apfelsinen an, herrlich buftenb unb wohlschmeckend unb erinnern unS an die sonnige Riviera unb ben ewigen Sommer Siziliens. Sehnsuchtsvoll denken wir des Landes wo „Im dunklen Laub bie Goldorange glüht* unb wir wünschten wohl, ben Weg, ben bie frischen Apfelsinen hergenommen haben, zurückmachen zu dü» fen. Die Reise würbe uns aber doch vielleicht zu lang werden, denn gerade die ersten Apfelsinen kommen nicht aus Italien und nicht aus Malta, sondern aul Nordafrika; die besten freilich sind die Maltesischen, Für unser Fühlen gehört die Drange "fo zum Wunderlande Italien, daß es uns wunderbar bedünken will, wenn wir erfahren, baß sie eine geborene Chinesin ist. Die Portugiesin brachten sie von dort nach Europa, angeblich zuerst im Jahre 1548, und bet europäische Urbaum, von bem alle anbern abstammen, ftanb noch lange in Lissabon im Garten bes Grafen von St. Laurens. Apfelsine heißt nichts anders als Sinesisher, d.
i. chinesischer Apfel. In den anderen Sprachen wird die Frucht bald nach China, bald nach Portugal genannt. Der Franzose sagt pomme de Sine odex de Chine, bet Engländer China-orange, ber Italiener Portogallo unb ber Tücke Portugal.
Heutzutage kultiviert man ben Apfelsinenbaum auch auf den Azoren, im Orient, am Kap, wo er so groß wird, wie eine Eiche, unb in Südamerika; aber für uns am wichtigsten ist Italien, das jährlich Milliarde» von Früchten ausführt. Unb in Italien pflücken bte jungen Frauen auf ber Hochzeitsreise Apfelsinen vom Baume unb sind glücklich, unb jeder Hotelier in Bot- dighera, Nervie ober Sorrent, ber etwas auf sich hält, hat zu diesem Behufe einen Baum im Garten.
Agrumi nennt ber Italiener das ganze große Geschlecht ber Zitronen- und Apfelsinen bäume, unb bie Sorten, in benen et sie zieht, agrumeti. In biefen gesellen sich wie Hevse singt, „die Blüten den Früchten*. Die agrumi blühen das ganze Jahr und di« buntelgefärbten Blätter, die goldenen Früchte unb weißen Blütensterne bilden ein reizendes Durcheinander. Am schönsten freilich im Mai, da die Hauptblütezeit ist. Tasso hat diesen Anblick geschildert:.
„Vergänglich Leben ward nicht den Drangen, Mit ew'gen Blüten ewig währt die Frucht, Und während jene sprossen, reifet diese . . . .* Die agrumeti haben für Italien eine große volkswirtschaftliche Bedeutung, und bie Italiener müßten ben Portugiesen bafür recht dankbar fein. Das Volk weiß ober gar nicht, wem es Apfelsinen und Zitrone» verdankt, weiß ober dafür über bie Herkunft ber goldenen Aepsel eine hübsche Legenbe zu erzählen: Al» Adam und Eva aus dem Paradiese weichen mußten, chritten sie kummervoll, gesenkten Hauptes ber Pforte ZU- Sie dachten nicht daran, etwas mitzunehmen, all ie aber schon ganz nahe dem Ausgang waren, warf Eva einen letzten Blick umher und riß einen fruchttragenden Zweig ab unb brachte ihn mit heraus. Dori rief sie: „Diese Frucht schenke ich bem schönsten Fleck Erde, ben ich auf meiner Wanderung treffen werde.* llnb nun behaupten San 9temo, Bordighera, Men- tone und noch andere Orte, wo agrumi kultiviert werden, sie habe den Zweig bei ihnen eingepflanzt.
Es gibt der Arten von citrus, fo lautet der wis- enschaftliche Name, unzählige, schon im Jahre 1818 jablte Rifso allein 169 bei Nizza wachsende Abarten, aber wtt wollen es mit dem Altmeister Sinns halten, ber nur zwei Spezies unterschied, Zitrone und Orange, und jede noch in zwei Variationen a und b. Die Limonen gehören zu ber Zitronenari, bie Mandarinen dagegen sind richtige Orangen. Im Handel unterscheidet man bie herben Orangen von den süßen.
Wie die Zitrone, so erntet man auch bie Apfelsine breimal im Jahre, im Oktober, Dezember unb im Frühling bezw. Sommer. Die einen heißen „Ernte bet ersten und zweiten Blüte*, die anderen verdame. In großen Körben tragen sie Frauen und Mädchen auf dem Kopfe in bie 9tieberlagen, wo andere Str bei* Irinnen um sehr geringen Tagelohn sie sorgfältig ortieren unb zum Versande, lebe einzelne Frucht für ich, einvacken. Dazu bient ungeleimtes Papier ober eines, bas in Genua au8 alten Schiffstauresten fabrl» Ziert ist unb noch nach Teer riecht. Man verschickt nut noch nicht ganz gereifte Früchte* bie auf ber Reise noch nachreifen. In Körben unb Stiften zu Millionen und Abermlllionen kommen biefe Kinder beS Südens nach !>em nebligen unb lallen Deutschland, und In Hamburg warten schon die Großhändler auf sie und laufen und verkaufen sie freihändig und auf großen Auktionen. Sorrent und Amalfi liefern geschätztere Sorten all Bordighera und San Remo.
Die Alten haben, wie schon oben gesagt, bie Apfel» tne selber nicht gekannt. WaS bie Aepfel ber Haspe- niben, bie Herakles holen sollte, gewesen find, weiß man nicht, möalicherwelse waren sie dasselbe, was man
--- Weihnachten 1909 oder 1916?
Jedes Kind weiß, wir datieren unsere Zeitrechnung von Christr Geburt an, und niemand denkt sich etwas dabei, wenn er sich vornimmt, ben Silvester 1909-10 recht vergnügt zu feiern. In Wahrheit aber befindet sich die ganze Welt, soweit sie die christliche Zeitrechnung adoptiert hat, was z. B. bei ben Mohorn- mebanem, Javanern, Chinesen usw. nicht der Fall ist, in einem gewaltigen Irrtum, unb eS ist mehr als wahrscheinlich, daß wir jetzt von rechts wegen 1916 schreiben müßten. Der gewaltige Irrtum ber Welt ist auf ben römischen Abt Dionysius, der den Beinamen ExiguuS, b. i. ber Kleine — er hatte sich ihn aus Beschelbenheit selbst gegeben — führt. Im Jahre „525* verfaßte er nämlich ein Liber de paschate, eine Ostertafel. unb zählte barm zum echten Male von Christt Geburt an. Er fand mit blefem Brauche, wenn auch nur sehr langsam, Nachfolge, auch Karl ber Große toanbte die neue Datierung, wenn auch nicht häufig, an, unb fünf Jahrhunderte nach Dionysius war sie ziemlich allgemein burchgedrungen. Aber ber gute Abt hatte sich verrechnet. Schon ber Berliner Astronom Jdeler (gest. 1846) hatte barauf hingewie- sen, baß beS Dionysius Berechnung sich mit den Angaben der Evangelien nicht vereinbaren lasse, und daß Christus wahrscheinlich früher geboren fei, als man allgemein annehme. Eine Klärung ber Frage brachte bann eine im Februar 1872 in Rom abgehaltene Disputation über bie Frage, ob Petrus in ber ewigen Stabt geweilt habe. Hierbei und in den sich daran anlnüpfenden literarischen Erörterungen wurde nachgewiesen, daß Christus sieben Jahre „vor Christi Geburt* geboren fei.
Dionysius hatte sein Buch 525 herausgegeben, wie er meinte unb wie wir noch rechnen, in Wahrheit aber war eS schon 532. Er hatte, wie Jbeler zeigt, ben 25 Dezember des Jahres 754 a. u. c. (b. h. nach der Gründung Roms) als den Geburtstag Christi angenommen, das war aber handgreiflich falsch. Denn, wie man genau weiß, ist König Herodes der Große, ber wie Matthäus erzählt, ben bethlehemitischen Kindesmord veranlaßt hat, und nicht mit dein von Strauß in Musik gesetzten Herodes Antipas, seinem Sohn, verwechselt werden darf, am 4. April 750 nach der Gründung der Stadt Rom gestorben. Da nun Maria und Joseph mit bem Jesuskinde doch vor Herodes und seiner Grausamkeit nach Aegypten flohen, so kann Christus nicht 754. sondern muß eine ziemliche Zeit vor 750 geboren sein.
Genauer läßt sich der bedeutsame Zeitpunkt noch durch die Astronomie bestimmen. Dazu hilft der Stem, der die Welsen aus dem Morgenlonde führte. sMatth. 2. 9, 10.) Man hat ihn zu verschiedenen Zeiten wieder aufleuchten sehen wollen und ihn mit anderen verwechselt, aber schon der große Astronom Kepler hat bargetan, daß es sich hier für Judäa um ein Conjunction. b. h. ber scheinbare Zusammentritt ber Planeten Mars, Jupiter unb Saturn im Himmelszeichen ber Fische handelte. Anfangs sollen Jupiter und Saturn, bann alle brel Planeten so nahe bei einanber geftanben haben, daß sie dem unbewaffneten Auge als ein einziger Stem hätten erscheinen müssen. Daß ein solcher Doppelstern besonders ins Auge gefallen ist, braucht nicht hervorgehoben zu werden. Es wäre wohl der Mühe wert, wenn ein Astronom mit den heutigen Hilfsmitteln die Frage nachprüfte und vor allem genau die Zeit festlegte, wo der Doppelstem in Palästina ober Mesopotamien besonders hell aufgeleuchtet sein muß. Rach der Kepler- schen Berechnung soll es im Jahre 747 nach der Gründung RomS geschehen sein, d. h. im Jahre 7 vor dem Jahre, das wir als Geburtsjahr Christt bezeichnen.
** Das Funkeln der Sterne.
In klaren Wintemächten, wenn die Lichter des Himmels Heller unb leuchtenber als sonst am tiesdunk- len Firmament stehen, wirb bas Funkeln unb Blinzeln der Stemleln deutlicher als sonst, unb man kann oft von Laien bie Bemerkung hören, baß gerabe bann bie Beobachtung ber Sterne besonders gute Resultate ergeben müsse.
Der praktische Astronom weiß, baß das Umgekehrte ber Fall ist, daß bie Gestirne eben an solchen Abenden, wo sie am stärksten funkeln, am wenigsten gut in den Fernrohren sichtbar find, denn jenes freundliche Blinken ist ein Zeichen dafür, daß die oberen Luftschichten sehr unruhig, stack bewegt sind, unb bie Bilder ber Sterne im Fernrohr verwaschen, unklar und verzerrt erscheinen. Zu Zeiten, wo bie Lust sehr klar ist unb Ruhe in allen Schichten ber Atmosphäre herrscht, besonders an schönen Herbstaben den, bemerkt man von diesem Funkeln nichts; die Gestirne erscheinen dann ruhig, brillieren nicht, der Anblick des geftimten Himmels ist nüchterner, wenn man so sagen darf.
Der Astronom nennt dieses Funkeln und Glitzern ber Sterne da» Scintillieren. Betrachtet man es genauer, so bemeckt man, daß erstens einmal die Sterne dabei fortgesetzt in ihrer Helligkeit schwanken, ja an manchen Tagen wie winzige Lichtchen, bie im Lust- ;iug stehen, zu flackern scheinen. Zweitens sieht man, »aß bie Sterne fortwährend ihre Farbe ändern, wie ein tm Licht hin und her bewegter Brillant; sie spielen in allen Farben des Regenbogens. Die Ursache all dieser Erscheinungen liegt darin, baß daS Licht ber Sterne, ehe eS in unser Auge gelangt, bie beständig unruhige imb verschieden dichte AtmosphSre der Erde durch- wandern muß. Wäre diese Lufthülle nicht vorhanden, fo leuchteten die Sterne in majestätischer Ruhe; auf bem Mond zum Beispiel, wo keine Luft vorhanden st, müssen die Sterne vollkommen frei von ber Scintil« latton fein. Auch auf hohen Bergen ist biefe Erscheinung schon bedeutend geringer als unten in bet Ebene, und auS eben diesem Grunde funkeln bie Sterne, bte tief unten am Horizont stehen, wo ihr Licht einen toetteten Weg durch die Lufthülle zurück-
Jn unserer festfrohen Zeit muß man schon etwa- ganz Neues unb Seltene? bieten, will man unS für ein Fest interessiere^ das Weihnachtsfest kehrt Jahr für Jahr wieder und zwar stets In ber alten, längst gekannten Form, und pirwohr, eS ist noch nicht veraltet; nein, Jahr für Jahr, wenn die Tage kürzer werden, Sturm und Regen Hinwegfegen, was noch von ber Herbstpracht übrig ist, Wolken- unb Nebelschleier das Angesicht ber Erbe verdüstern, bann strahlt ber Weihnachtsgedanke in bie bange Traurigkeit biefer Tage hinein wie ein heiter tröstliches Gestirn. Ja, auch baS Weihnachtsfest ist etwas Großes unb Edles.
DaS Fest der heiligen Nacht ist ein Höhepunkt int kirchlichen Leben, auch bie Natur steht auf einem Wendepunkte, und recht schön unb bedeutungsvoll sind die Beziehungen des Weihnachtsfestes zu ber Jahreszeit, in ber längsten Nacht wird das Licht zu neuem Laufe geboren. Diese dunkle, lange Nacht des Winters, in welche die Geburt Christi fällt, bedeutet das Heidentum und die lange Nacht der Sünde; das Licht, das über bie Finsternis obsiegt, sodaß fortan bte Tage toieber länger werden, ist das Sinnbild des Heilandes, ber baS „Licht vom Lichte" genannt wird, dessen Glanz daS Dunkel heidnischen Götzendienstes erleuchtete, dessen Glut die kalten Herzen ber Menschen erwärmte.
Der eigentliche Sinn des Weihnachtsfestes aber ist ein rein religiöser; schön ist er wiedergegeben in bem einfachen Namen bes Festes, wie man ihn noch ab unb zu in alten Gebetbüchern flnbet, „Die Wohltat Christi*. Das Weihnachtsfest gilt ber Erinnerung an bie größte Wohltat, bie ber Menschheit erwiesen worden ist, unb deshalb ist es ein guter Brauch, daß man diesen religiösen Sinn des Festes in ber Weise ver- bllblicht, baß heute alle, bie sich lieben, sich mit Gaben unb Wohltaten erfreuen.
Dieser eigentliche Sinn des Weihnachlsfestes ist stets betont worden, in wie mannigfacher Form man cwch die ftohe Botschaft von dem Anbruche des christlichen TageS durch bie Jahrhunderte getragen hat.
Der feierliche Gottesdienst in den hellerleuchteten Kirchen mit seinen alten schönen Liedern verkündet diesen Sinn in dem ost wiederholten „Frieden auf Erben"; die Sage, die so recht den Inhalt des Volksglaubens toiebergibt, erzählt in diesem Sinne von dem Zauber des wiedergewonnenen Paradieses, wie die Bäume sich mit Blüten schmückten unb die Blumen ihre Kelche öffneten, als bas Christklnb bie Augen oufschlug, wie Weihe unb Friede das ganze Reich ber Natur erfüllt in der heiligen Nacht, „wo kein Greif tut fahnden und kein Kobold wacht*. Das „Friede auf Erden* als Ausdruck der Bewundemng der Wohltat Christi kehrt wieder in ben ehrwürdigen Hymnen ber Kirchenväter unb in den glutvollen Marienliedem mittelalterlicher Liederdichter; überall das „Friede auf Erden*.
Ebenso ist die christliche Kunst im Verlaufe der Jahrhunderte stets eifrig bemüht gewesen, in allen ihren Weihnachtsbildern den religiösen Sinn des Festes, das „Friede auf Erden* zu veranschaulichen; ich erinnere an all bie kunstvollen Bilder und Krippen, .über denen eine Inschrift jenes trostreiche Engelwort verkündet; ich erinnere vor allem an Correggios Meisterwerk „Die heilige Rocht", bas benfelben Gedanken zum Ausdruck bringt u. dieselbe Inschrift trägt. Kurz, das Weihnachtsfcst ist die (Erinnerung an bie Wohltat Thristi, bie ber Welt ben Frieden gebracht. — . Wie sieht es benn in diesem Jahre draußen im Weltgetriebe mit dem Frieden aus? — Die äußere Politik ist in letzter Zett wieder in ruhige unb freundschaftliche Bahnen gegangen; ja man scheint allenthalben von einer friedliebenden Stimmung zu sein. Deutlich zeigen dies wieder die Leitartikel der großen französischen Zeittingen über die Rede, bie unser neuer »Kanzler über bie Verhältnisse der Reichslande gehalten »hat. Noch vor kurzer Zeit würde die französische Presse darin unfehlbar eine Anmaßung Deutschlands unb eine Herausforderung des welschen Nationalstolzes erblickt haben, während jetzt selbst im allgemeinen deutschfeindliche Blätter — wie ber Pariser „Temps* — die strenge Sachlichkeit der Kanzlerrede anerkennen Und der deutschen Auffassung ihr Recht zukommen lassen. Das ist enffchieden ein erfreulicher Fortschritt zum Frieden hin, ein Fortschritt, ber wohl barin seine .Erklärung findet, daß einerseits immer mehr Franzosen einsehen, wie bie sich immermehr verdichtenden Dewebe ber englischen Ränkespinner sehr leicht Frankreich recht gefährlich werben können. Im Interesse bes Friedens ist diese Erkenntnis sehr zu begrüßen, denn für den Frieden Europas kann es keine bessere Garantie geben als ein volles Verständnis unb gutes Einvernehmen zwischen Deutschland und Frankreich.
Und in ber Inneren Politik? Run, da hat bet Friede noch keine ruhige Stätte gefunben; im Segen» iteil haben Liberale und Sozialdemokraten bei ben Etatsberatungen im Reichstage weiter aus vollen Bachen in bas Horn rücksichtsloser Verhetzung geblasen. Die Spannung soll künstlich bis zu den nächsten Wahlen aufrecht erhalten werben, unb beshalb schimpft man itoeiter auf bie konservativen unb ultramntanen Finanzeroberer, bie das deutsche Volk an den Bettefftab brin- ;gen wollen. Selbstredend dursten all diese Hetzreden inicht unbeantwortet bleiben, unb so brachten bi« Etatsberatungen bem Reichstage Sitzungen, bie mtt bem Frieden wirklich nichts gemein hatten.
s Dauer aber wird daS wohl auch den
argiten Kampfnaturen zu einseitig unb langweilig wet-
2uirtb stch schon neuer Zündstoff — vor «l m beim Xoleranjanhag — finden; hoffen wir, baß Vthtietnrh AuSeinanbersetzungen
schlleylich M bettragen zum konfessionellen Frieben. * 1
Augenblicklich stnb bie Abgeordneten in Ferien- tzuch fle wollen das Weihnachtsfest dort feu™ »s jmt schönsten und gemütlichsten ist, in der Familie '
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295.
Fulda, Freitag den 24. Dezember 1909.
Jahrgang.
3.par$eler tu Lnka. wochmbMg«: „Illustrierte Sonntagsjeitung"
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