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Fulda, Mittwoch den

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Zweites HZtcrtt

einer Kirchenkollekte zugunsten der österreichischen Be­wegung in Aussicht; die Synoden Westfalens brachten 15000 Mark zusammen; Kassel 4660 Mark durch eine Ktrchenkollelte und 1450 Mark durch die Pres- byterien; Hessen 1848 Mark von Kirchcnkafsen, 4512 Mark durch Kirchenkollekten, 5686 Mark sonstige Bei- träge; Hannover auf ein Rundschreiben an die Zweig- vereine 5518, an sämtliche Geistliche und Kirchenvor- ftände 1769, an 8800 Einwohner der Stadt Hannover 3564 Mark; Brandenburg von einer Gemeinde Georg- Berlin 1COO Mark; Württemberg gab für dre ,LoS von Rom"-Bewegung aus Kirchenopsern und Beitiägen aus Kirchenkassen rund ein Drittel seiner Einnahmen von 20000 Mark, und das Königreich Sachsen empfing fast 20000 Mark aus seinen Ephorien für dieselbe Be- wegung.

WaS würde die deutsche Reichsregierung dazu agen, wenn der österreichische Episkopat zur Katholisierung Deutschlands ähnliche Summen auswürfe, und welches Geschrei würden dann an erster Stelle jene anheben, die jetzt so eifrig in Deutschland für die Los von Rom-Bewegung in Oesterreich sammeln?______________________

denn er konnte dann seinem Publiko sagen: seht, ich habe recht, denn die Pfaffen greifen mich an, und dieses Publikum, gleich dem Lederer frei vom Denken, hat den Pfiff nicht gemerkt, daß der so geredet hat, well er nichts gegen die Pfaffen beweisen konnte. — ") Sogenannte Freidenker ist sehr gut! Denn „Den­ker" find überhaupt keine bei der Gesellschaft. — ll) Geht anderen Leuten auch so, wenn sie sehen, mit wel­cher Unwiffenheit und Verlogenheit trotz aller Rich­tigstellung von den Freidenkern erbärmliche Mätzchen frottiert werden.

kfihrtnt täglich mit Ru-nahme der r».m- tmd Feiertage. Viertel­jährliche« vemgspreir ohne vringerloh« und vestellgeld in Falda so­wie «m»Srt;i.S0Mk.

Seranttv. Redakteurr <a<l$»att«|

machen, ich werde Dich begleiten; dabei erzählen wir uns etwas, Du kommst auf andere Gedanken und wirst wieder'heiter und frisch werden! Paß mal auf, wie hübsch das ist."

„Ja, Kind, das wäre alles sehr schön," wandte er ein, „aber meine Arbeit, was soll denn daraus werden?"

„Mag werden was will, Papa, Du mußt ste nun rohen lassen!"

„Erst muß mein Werk fertig sein. Ich verspreche mir einen glänzenden Erfolg davon. Hoffentlich trägt die Arbeit gute Früchte und bringt mir den klingenden Lohn, den ich erwarte. Dann gehe ich mit Dir nach der Schweiz, dort sollst Du die Herrlichkeiten der Na­tur bewundern dürfen nach Herzenslust. ArmeS Kind, bist ja noch niemals herausgekommen I Aber es wird anders und besser werden, verlaß Dich darauf."

In des Mädchens Augen blitzte es freudig auf, aber ebenso jäh erlosch der helle Strahl wieder. Der Pater hatte es wohl bemerkt.

„Woran d-nfft Du, Gerda?" fragte er.

.Aus Deinem schönen Plan wird wohl nichts wer­den, Vater."

„Weshalb nicht?"

„Die Mutter wird eS sicher zu vechindrrn wissen, daß wir zwei auf Reisen gehen," lautete die trübe Ant­wort „Wenn es so weit käme, so müßte ich doch wie­der ihr den Vorrang lassen."

„Ach, darüber sorge Dich nicht," entgegnete Hatd- ten lächelnd. „Mit ihr würde ich nie reisen. Sie wäre im Stande, mir den ganzen Genuß zu verderben. Rein, nein, sie verdient es auch gar nicht, daß man ihr eine Freuoe macht."

„Ra," lachte Gerda grimmig, „auf den Empfang, den diese Frau uns bei unserer Heimkehr bereitete, wär» ich wirklich gespannt, ich glaube es wäre nicht mehr auszuhakten."

Der Vater sagte nicht», er mochte denken, daß seine Tochter recht hatte.

Am anderen Tage mußte Hardten das Bett hüten. @r fühlte sich elend und matt und der herbeigerufene Arzt eriklärte, daß dem Patienten äußerste Ruhe und Schonung dringend nötig sei. Die Frau Professor, welcher krank- Menschen ein Greuel waren, steckte nur

>t< Briefwechsel von vier Freidenker- Häuptlinge«

mit Anmerkungen unserer Setzerlehrlinge Max und Moritz.

I.

Zu einer Rauferei ist es unter den Freidenker­häuptlingen Ledere r-Nüroberg und den Generälen des Eisenachn: sozialdemokratischen Freidenkewerban- des: Paul David-Dresden, Fricke-Altona und R. Beißwange r-Rürnberg gekommen. In den Spalten des Freidenkerwochenblättchens der „Athessf (Nr. 48) schwingen die Freidenkerhäuptlinge ihre Tomahawks gegeneinander. Da sie in der Frei­denkeragitation als „Sprecher" tätig sind, hat es auch für weitere Kreise ein Interesse zu erfahren, was für Zeugnisse diese Leute, die sich gegenseitig so gut kennen, einander ausftellen.

Die freidenkerische Briefschlacht hat so minder­wertige Leistungen gezeitigt, daß wir deren Ab- chlachtung unfern Setzerlehrlingen überließe«, damit le auch mal eine Freude haben. Und die war nicht lein. Sie haben ihre Sache gut gemacht und der

Deutsches Reich.

X Einen krassen Fall von missbräuchlicher Ausnutzung des Privilegs der Portofreiheit regierender Fürsten gibt das ,Berl. Tageblatt' wieder. Danach bestellte eine Herzog!. Dermal- tung (näher wird sie nicht bezeichnet) bei einem Handelshause für ihre Forstadministration Waren im Gewichte von 300 Kilogramm, deren Beförderung sie statt per Bahn, "’.e es für die Art der Waren, für deren Menge uni für die Entfernung des Lieferungs-Ortrs angebracht ge- wesen wäre, per Post vorschreibt; sie fügt die hierzu nöligen Paket-Adressen, die den Stempel­ausdruck „Herzogliche Angelegenheit" tragen, ihrer Bestellung bei, um auf diese Weise portofreie Be- förderung ihrer Ware zu genießen. Nun handelt es sich hier nicht um Porto - Ersparnis von 10, 20 oder gar 50 Pfennig, wie die Briese, Post­anweisungen oder einfache Pakete vielleicht ge­braucht hätten, sondern um einen Frankatur- Betrag von 56 Mark 50 Pfg. (5 Kolli L 50 Kilogramm und 2 Kolli ä 25 Kilogramm, 3. Enlsernungs-Zone) Demgegenüber würde die Beförderung durch die Eisenbahn, wie sie einzig und allein hier, allerdings auf Kosten des Waren- irestellers, am Platze gewesen wäre, nur 5 Mark 40 Pfg. betragen haben. Diesen Weg wenigstens hätte auch jeder gewöhnliche Sterbliche gewählt, der kalkuliert, daß eine Ware im Werte von rund 100 Mark nicht eine derartige Frachtunkosten­belastung vertragen kann. Solche Erwägungen stellte wohl auch der Postbeamte an, der zunächst die Annahme der schweren Pakete zur Gratis- beförderung verweigerte. Erst als der Bersender im Auftrage der Herzog!. Bestellerin erklärte, daß sonst solcke und auch noch größere Sendungen anstandslos „frei" befördert würden, erfolgte auch im vorliegenden Falle die Annahme.

* Oedeste Katholikenhetze treibt das,Berl. Tageblatt', indem es in einem Rückblick auf die Reichstagsdebatten schreibt: „Die letzten Ziele, denen das Zentrum dient, sind an keine be­stimmte Regierungsform gebunden; um den Preis, daß die Hohenzollern katholisch würden, könnte dos Zentrum sich «echt gut auch mit dem Absolutismus abfinden." Eme düm­mere Bemerkung haben wir seit Jahren selbst nicht im ,Berl. Tageblatt' gelesen, und das will etwas heißen.

* Beiträge aus evangelischen Kirchenkaffen Deutschlands zur Los von Rom-Bewegung in Oesterreich. Während die erhöhten evangelischen Kirchensteuern Taufende aus der preußischen Landeskirche treiben, wird das Geld aus der deutschen protestantischen Kirchensteuer mit vollen Händm für die protestantische Proselytenmacherei nach Oesterreich ausgeworfen.

Die Provinz Sachsen lieferte im Jahre 1908 aus Kirchenkaffen 9030 Mark und stellte noch das Rewttat

bloßgestellt.

Das Schreiben des FreidenkeragttatorS Lederer- Nürnberg hat folgenden Wortlaut (die Zahlen ver­weisen auf die unten angesügten Bemerkungen der beiden Kleinen):

„Nürnberg, 13. 10. 1909.

An den Vorstand des Zeniralverband deutscher „Frei­denker-Dresden.

Geb' Eintracht des strebenden Geistes die Gewähr Mehr Lichl geistiger Freiheit und Wahrheit den Massen!"

Mil diesen Sätzen schloß der Festprolog zur. Hal- lenser Generalversammlung Ihres Verbandes und um dies gleich in die Tat umzusetzen, haben Sie der Bors. B. nach Annen eine Karte des Inhalts gerichtet, daß ich nach Reichsverbandsmanier gegen den Zentralver­band herziehe.')

„Es wäre wehl nach der Karte (e>ie haben gewiß auch noch andere geschrieben) zuviel verlangt, wenn ich von Ihnen forderte, auch nur einen einzigen Be­weis für Ihre Behauptung zu erbringen.')

Ich bezeichne diese als eine schamlose, niederträch­tige Verleumdung.•) Sie scheinen ja in Ihrem nichts zu durchbohrenden Gefühl") über derartige geringfügige Moralbegriffe') erhaben zu fern. Es wirft dies auch das richtigste Licht auf Euer „Zentralfrei- penkertum". •) ., . . ,

Aber ich verzeihe Ihnen, denn wenn rch bedenke, daß Sie ja nur das Sprachrohr und der Handlanger 'euer zwei heuchlerischen Jesuiten,') Beißwanger und Fricke sind — derer wegen ich mit Eurem „Frei- bentertum" nichts zu tun haben will, kann ich mir schon die hohe Intelligenz vorstellen, die Sie zum „freien Denken" führte.') Sollte es hier nrcht heißen „frei vom Denken"?') .

> Durch Ihr Borgehen gegen mich, den «ne ja gar nicht kennen, haben Sie mir jedoch bewiesen, daß Sie der richtige „Genosse" Io) der beiden Genannten sind. Vielleicht werden Sie einst diese beffer kennen lernen, dann sehen Sie in den Spiegel, ob Sie noch rot werden können.")

Ich bin schon von den Pfaffen aller Courleurn ") angegriffen worden, was mit Spaß machte,") von Euch sogenannten „Freidenkern" “) ekelt “) mich aber.

Julius Lederer.

Anmerkungen.

i) Ter Mann kann nicht Deutsch. Für einen Schriftsteller und „Sprecher" und einen „Denker beschämend. Man sagt nämlich: gegen einen los- Ziehen, über einen herfallen, aber gegen lemanb herziehen, ist falsch. Hinter jemand herziehen, das ginge. So wie z. B. im Orient Kamelkarawanen, ein Kamel hinter dem andern, und alle zusammen

Scyclttenvtume.

9] Origmalroman von Irene v. Hellmuth.

Und wie hatte die gute Rosel, welche so eine Art Faktotum im Hause darstellte, das Mädchen ver- wähiü i

Rosel zählte kaum zwanzig Fahre, als fit auf die Mühle in Dienst kam und die treue Dienerin hatte dort schon vierzig Jahre ihres Lebens zugebracht und Freude und Leid stets mit der Herrschaft geteilt. Sie wurde deshalb als ein Glied der Familie betrach.et und harrte bei dem manchmal recht sonderbarenalten Herrn getreulich aus, obwohl eine Verwandte ihr em kleines Vermögen vermacht hatte, von dessen Zinsen sie bei ihren geringen Ansprüchen hatte leben können. Aber ihren alten Herrn verlassen, daran dachte sie nicht, denn sie wußte, daß eine neue Dienerin mcht m die Verhältnisse gepaßt hätte und daß der alte Muller sich nicht leicht mit jemand »ertrug. Die Rosel kannte ihn und ließ <hn wie er war, deshalb kam sie auch gut 'mit ihm auS. _ , . ,.

An all das dachte Gerda, und etwas lote Sehnsucht nach der guten Allen mit den fteundlichen Augen Überkam sie plötzlich, deshalb beschloß ste, sich Über den Sommer in der Mühle einzuquartieren. Dort hoffte sie Frieden und Ruhe zu finden.

Voll Eiker teilte sie dem Vater ihren Entschluß mit Sie freute sich unendlich auf den stillen romanti­schen Winkel. Doch der Vater schaute ste so traurig und beinahe demütig bittend an, daß ihre Freude jäh zusammenfank. Sr nickte ein parmal trübe vor sich hin und sagte dann leise: „Ich kann eS Dir nicht verdenken, wenn Du Dich heraussehnst auS den trau­rigen Verhältnissen, armes Kind! Tu veaebst ja in Deinem Vaterhause eine recht freudlose Jugend, ich weiß eS wohl Bist immer so allein, atme Kleine. Aber mir ist so sonderbar zu Mute — so, all ob ich Dich nicht Wiedersehen sollte, wenn Du jetzt fottgehst Denke auch ein wenig an mich, — Gerda — laß mich nicht allein! — Freilick, Du bringst ein Opfer und ich hätte Dir die Beine Abwechslung gewiß ver­gönnt, — aber siehst Du, wenn ich jetzt krank werden Mite, so hätte ich niemand, der mich Pfiegke, — denn

hinter einem Esel, der an der Spitze des Zuges marschiert, herziehen. — ») Das ist ganz falsch; man muß bei allem, was Freidenker sagen, stets einen Beweis verlangen: dann sind sie sehr schnell still. Zumal in wissenschaftlichen Fragen, da bringen die ; Freidenker nie einen Beweis herbei, weil sie in diesen Fragen selbst nur gedankenlos nachschwatzen, was sie auS unwissenschaftlichen Brofchürcheu zu- ammengelesen Haden! — *) Pst! nicht so laut. Sonst wird daS Mißtrauen wachgerusen! Es ist alle Freidenkerpraxis mit Ausdrücken rote „scham­lose niederträchtige Verleumdung- nur so um sich zu werfen, wenn man festgenagelt ist. Das hat der Vorsitzende des Freidenkerverbandes für Rhemland- Westsalen, Monsieur August Schulte, auch so ge» macht, weil man erzählte, et wolle einen Heiligen­bilderhandel anfangen und dazu die Klerrsei, bte er an Sonntagen mächtig beschimpft, um ihre oberhtrt- liche Apptobatton angehen. Et lief sogar zum Kadi, um die „schamlose Verleumdung" im Keime zu er­sticken, aber vom Kadi kam er mit abgeschnittener Nase zurück und bleibt so für sein ganzes Leben ver­schandelt, denn ei war halt doch wahr! — ‘) Was ist das wieder für eine Schreiberei! Soll es heißen „in Ihrem nicht (ftatt nichts) zu durchbohrenden Ge- fühl"? Wir glauben viel eher, daß der Lederer seine Kenntnisse deutscher Klassiker zum besten geben wollte. Nun hat er läuten hören, weiß aber nicht, wo die Glocken hängen. Bei Schiller nämlich in Don Carlos heißt eS einmal: „in meines Nichts durchbohrendem Gefühle". DaS hat Der freie Denker Lederer nicht kopiert. Literatttrgeschichte, und zwar deutsche Lite­ratur — schwach! — 6) Ist das konfus! Was soll denn ein „geringfügiger Moralbegriff" fein? Soll bet Vorwurf „niederträchtige schamlose Verleumdung" ein geringfügiger Moralbegriff fein? Das ist doch eine sehr schwere Anschuldigung! Oder sollen die andern Freidenker „geringfügige Motalbegriffe" ha­ben! DaS fft auch eine schwere Verdächtigung, lieber „Geringfügiges erhaben" ist auch ein Unsinn. Seit wann nennt man es eine erhabene Stellung, wenn

emand auf einem — Maulwurfshaufen steht? — •) Was ist das für ein Freidenkertum? — 7) Welche chwere Anschuldigung wirst da ein Freidenker dem andern in- Gesicht! Man muß nämlich das Wort „Jesuit" nehmen nicht nach dem, was es wicklich bezeichnet, einen katholischen Ordensmann, solche ken­nen die Freidenker bloß auS Hintertreppenromanen, sondern in dem Sinn, in dem es bei den Freidenkern gang und gab« ist. Da bedeutet nämlich „Jesuit" daS Verworfenste des Verworfenen, das Verbrecherischste deS Verbrecherischen. Solche Titel werfen sich Frei­denker an den Kopf! Was muß das für eine Gesell­schaft sein, wenn man aus diesen Schimpfereien einen Rückschluß ziehen wollte! — °) Also Herr Lederer glaubt auch, daß besonder« Intelligenz nicht zum freien Denken führt? Das hat man bei uns immer gesagt. Unser Redakteur kann zufrieden sein, daß ihm das jetzt so famos bestättgt wird. — ’) Auch das darf unfern Redakteur freuen, daß dieses Wort, die Freidenker feien Leute, „frei vom Denken", dort drü­ben Aufnahme und — Anerkennung gefunden hat. Der Hieb fitzt also! Denn sonst würde dieser Aus­druck hier nicht wiederkehren. — 10) Noch ein dritter „Jesuit" Das wird allmählich unheimlich! — “) Herr Lederer! Sie Tausendsassa! Wer schon rot in der Gesinnung ist, kann nicht nochmals rot werden! Und wenn diese Leute noch vor Scham rot werden könnten, müßten Sie das ja werden, wenn sie ihren erbärmlichen Unsinn gegen die katholische Kirche vom Stapel lassen. Denn da hat ja Lederer selbst wacker mit gemacht. — 12) Die bösen Fremdwörter! ja, mit ihnen umzugehen, muß gelernt sein! — “) Das ist ganz falsch. Den Lederer hat kein „Pfaffe" angegrif­fen, aber umgekehrt der Lederer hat die Pfaffen ange­griffen und diese haben dem Lederer nachgewiesen, daß er ein unwissender dummer Schwätzer ist. Wahr ist dagegen, daß das dem Lederer Spaß gemacht hat;

meine Frau — hat eine Abneigung vor kranken Men­schen; sie ist hart und ungeduldig. Du bist meine einzige Hoffnung, und wenn Du auch manchmal den Kopf hängen läßt, — es ist doch ein wenig Son­nenschein. wenn Du da bist. Dein Fortgehen ertrüge ich nicht; eS wäre doch gar zu öde und ttostlos im Hause!"

Gerda war heftig erschrocken bei den Wmlen des DaierS. So hatte derselbe noch nie gesprochen und so traurig hatte et noch nie ausgesehen. Sie betrachtete ihn verstohlen von der Seite und es wollte ihr schei­nen, als wäre er in der letzten Zett um Jahre ge- altert. Sie wunderte sich, daß ihr das so plötzlich auf­fiel. Eine furchtbare Angst übeckarn daS junge Mäd­chen.

„Papa", klang es leise von den Lippen der Toch­ter, „Du machst mir bange: natürlich werde ich bei Dir bleiben, wenn ich Ar irgend wie nötig bin. Verzeihe, baß ich nur an mich dachte, daß ich meine eigene Per­lon in den Vordergrund stellte. Ich will ja alles tun, ma» Du wilfft, mir sei wieder ein wenig bettet und bffcke nicht so trübe darein. Sage mir vor allem, hast Du irgend welche Schmerzen? FehÜ Dir etwas?"

Et schüttelte den Kops und bemühte sich, den Ein­druck seiner Rede zu verwischen; sie merkte eS aber wohl, er wollte sie nicht noch mehr ängsttgen. Als Gerda jedoch ernsthaft und eindringlich bat, ihr doch zu sagen, was ihm fehle, da bekannte er seufzend:

Ich habe oft solche Beklemmungen, daß mit daS atmen schwer wird, dazu kommen zuweilen heftige Schwindelanfälle und Kopfschmerzen, daß es mir angst und bange wird. Aber Du brauchst Dich deswegen nicht zu sorgen, es geht gewiß vorüber. Ich spüre ja oft tagelang nichts von dem Uebel."

Et saß da und stützte den Kopf in die Hand „Allmächtiger," zitterte eS durch bei Mädchens Seele, „fei barmherzig, nimmt mir den Vater nichts Was sollte dann aus mir werden?"

„Ich denke. Papa," begann sie bann scheinbar hei- ter, gewaltsam ihre Besorgnisse nieberzwingenb, „Dir fehlt nur frische Luft unb Bewegung. Du sitzest Im­mer übet Deinen Büchern, Du arbeitest zu viel. Du mußt hinaus, gönne Dir boch auch einmal Zeit zum AuSrohen. Wit wollen täglich einen Spaziergang

Aus Lein Nachbargebiete.

* Ans der Rhön, 21. Dez. 1909. Eint Seltenheit dürfte es sein, jetzt zur Weihnachtszeit noch blühende Rosen im Freien zu finden. Diese sreudige Ueberraschung wurde dieser Tage dem Lokalkaplan von Waldberg zuteil. Als er ich nach seinen Rosenstöcken umsah, sand er zu einem Erstaunen unter der schützenden Decke von Fichtenwedeln eine schön entwickelte Rose, die mit nächtigen Knospen an einen Stiel vereinigt war.'

* ÄnS dem Kreise Hünfeld, 19. Dez. 1909. Ein Auszüger von Ansbach roar am Freitag in Schenk-, lengsfeld gewesen. Die Dunkelheit wat bereits ein< getreten, als er auf dem Heimweg wat. Um den Weg zu kürzen, überschrttt et den Kirchhof. Plötz«, lich fühlte er einen Schmerz im Arm. „Wer packt mich am Aermrl?" ruft er aus, sieht aber zu einem Erstaunen niemand. Das „Unding" hält einen Arm fest, bis er bestürzt daheim anlangt.' Schnell wird der Rock abgeroorfen — und auS bem, Aermel springt — eine Maus! Sie hatte ihr» Wohnung im Futter aufgeschlagen!

* Frankfurt a. M., 21. Dz. 109. Daß bie Ve» brecher ihre Maßnahmen gegen bie Tätigkeit der Polizeihunde bereits treffen, ist bekannt. Dieser Tage wurde in Neu-Isenburg eine Anzahl Einbruchs» diebstähle verübt. Man ließ Polizeihunde aus Frank- urt kommen, die jedoch nichts ausrichten konnten, weil Sie Siebe ihre Fußspuren mit Pfeffer bestreut hat- ten, sodaß bie Hunde keine Witterung nehmen tonn-, ten — Ende des Jahres soll wieder ein sogenannte» Versöhnungsessen von Stadtverord-' n e t e n und Magistratsmitgliedern ftattfinben. In roheren Jahren fanden derartige Essen regelmäßig am Jahresschlüsse statt, sie sind feit etlicher Zeit unter-' blieben, da Teile der Stadtverordnetenversammlung dagegen Einspruch echoben hatten. Nun scheint man anderer Meinung geworden zu fein, wohl deshalb, weil ein ganz besonderer Anlaß zu der Feier vor­liegt. Die f»genannte Geschlechterstube soll wieder er­öffnet werden, eine Einrichtung ans alter Zeit, wo der Stadtobrigkeit ein besonderer Raum des Römers als Trinkstube resewicri blieb. Jetzt hat man den Raum unter dem SradtverordnetensitzungSsaal, der bislang eer stand und nur gelegentlich, z. B. zum Auslegen )er Bürgerlisten, Verwendung fand, zu diesem Zwecke hergerichtet. Zum besonderen Schmucke wird der Ge- schlechtersiubk eine Kollektion Altfrankfurter Bilder gereichen, die Frau von Brüning seiner Zeit ge­stiftet hat. «

* Corbach, 20. Dez. 1909. 14 männliche

Skelette wurden bei einer Kelleranlage hierselbst aufgefunden. Sie waren von einer Lehmschicht be- hie und da den Kops zur Türe herein, verschwand aber sogleich wieder. Erda wich nicht vom Bette des Vaters, sie beobachtete ihn mit heimlicher Angst. Jeder Setoegung folgte sie. Der Kranke wollte nicht essen und so brachten ihn wenige Tage sehr herunter. Bleich und apathisch lag er in den Kissen, er hielt die Augen meistens geschloffen, doch schlief er nicht. Gerda bemerkte es wohl, daß ihn ein Gedanke unausgesetzt beschäftigte. AuS einigen Aeußerungen entnahm sie, oaß er sich um ihre Zukunft sorgte, und so bange ihr selbst bei dem Gedanken «ms Herz war, ließ sie sich davon nichts tnerfen.

Doch eines Nachmittags fiel ihr die Unruhe des Vaters ganz besonders ans, und plötzlich fing er an, mit Gesida die Zukunft zu besprechen.

„Wenn ick nicht mehr da bin", begann er, indem er deS Mädchens Hand in die seine nahm, „so fuchst Du bei Deinem Großvater ein Untertomrnen."

Gerda machte eine heftige abwehrende Bewegung, et aber beschwichtigte sie.

Sei ruhig, mein Kind, wir wollen die Sache doch vollständig überlegen. Sieh, ich hoffe und wünsche es ja nicht, daß ich so bald schon abberufen werde; um Deinetwillen möchte ich noch leben, obwohl mir am Leben nichts mehr liegt unb ich den Tod nicht scheue, aber Du brauchst mich noch. Doch wir können ja mit unserem Wünschen und Hoffen rein gar nichts an der Sache ändern; wir müssen unser Test auS Gotte» Hand nehmen, wie er es uns schickt — und was et tut, ist gut Also sollte ich von hinnen scheiden müssen, so gehe zu Deinem Großvater: denn bei der Mutter kanst Du nicht bleiben, und bet Gedanke, Dich bei fremden Leuten zu wissen, vielleicht heromgestoßen von einem zum andern, beunruhigt mich in tiefiter Seele. Du kennst die Welt nicht, mein Kind, Du bist noch so tung. Leidet kann ich Dir kein Vermögen hinterlas-' Jen, Deine Mittler war ein armes Mädchen, — na ich habe darnach nie gefragt; ich war glücklich, als sie' mein Weib wurde, wir lebten beide bescheiden und stellten keine hohen Anforderungen an daS Leben, — unb meine zweite Frau — besaß ebenfalls nichts. Selbst wenn es aber der Fall wäre, so würde eS Dir' dennoch nichts nützen, denn sie sorgt nur für sich."

fÄortfeUuna folgte

o hochmütig unb geräuschvoll einherstolzierenden Freidenker-.Wisienschaft" den Mantel von der Schul­ter gezerrt und ste in ihrer schauerlichen Gestalt

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