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36. Jahrgang

Fulda, Montag den 20. Dezember 1909

M 291

Zweites "Mtcrtt

S Als Schutztruppe des Hakattsmus

Deutsches Reich.

•otetUesbre»**

Verlag der Fuldaer«.

aber! Genosse Fischer!

* Meiningen, 17. Dez. 1909. Der Landtag raune heute bis zum 10. Januar vertagt. Die Staats- rechnung für 1907, wurde einstimmig genehmigt. Auch die Sozialdemolraten, die sonst gegen den Etat stimmten, gaben diesmal ihre Zustimmung.

- Regensburg, 18. Dez. 1909. Wie das Regens- Kurzer Morgenblatt meldet, wurde gestern m München die Zusammenfassung der christlichen bayerischen Bauernver eine beschlossen. Erster Vorsitzender wurde Dr. Heim, zweiter Vorsitzender Reichsrat Dr. Frhr. v. Aretin. ______

• Woher die konfessionelle Verhetzung? In dem Evangelischen Wochenblatt ,Licht und Leben' (Nr. 50 vom 12. Dezember), herausgegeben von

Name ist befleckt und nichts nimmt den Makel wieder von mir! c

Er hatte die Hände vor das Gesicht geschlagen, ein Zittern durchrann seinen Körper.

Mit weit aufgerisienen Augen war Gerda dieser Auseinandersetzung gesolgt. Sie schien nicht zu be­greifen, was um sie her vorging, nur das Wort Trennung" hatte sie aufgefaßt. Leidenschaftlich er­regt trat sie vor ihren Verlobten hin und rief mit bebender Stimme: »Was auch geschehen sein mag, Stiftet), — ich trenn: mich nicht von Dir! Freilich, wenn Du mich nicht mehr liebst, — dann —"

Der Schluß blieb unverständlich, Gerda brach in Tränen aus.

Alfred warf ihr einen schmerzlichen Blick zu. „Kind, Du mußt Dich fasten. Eben weil ich Dich so heiß und innig liebe, deshalb wüsten wir uns tren­nen! Das vefttehst Du wohl nicht?"

Sie schüttelte den Kopf.

„Ich meine, wir gehören zusammen, da wir uns Treue fiirs ganze Leben gelobten. Mein Dasein er­scheint mir erst schön, seit Du mich liebst! Bisher lag nur Schatten auf meinem Wege, doch nun ist es hell geworden. Die trübe Vergangenheit liegt hinter mir wie ein böser Traum, ich kann nicht mehr zurück in das Dunkel! Ich ertrage eS jetzt nicht mehr! Wenn Dich ein Unglück traf, so will ich eS gerne mit Dir teilen; denn ohne Dich gibt es für mich auch kein Glück aus der Welt!"

Er streichelte gerührt ihr weiche», volles Haar und eine Träne sich! sich über feine bleiche Wange. Er schien eS nicht zu bemerken, wenigstens wischte er sie nicht weg Leise entgegnete er: „Mein tapferes klei­nes Mädchen; ich darf Dein Opfer nicht annehmen, auch hast Du darüber nicht zu entscheiden. Du hast eben auch Pflichten zu erfüllen, und Deine Pflicht ist eS, mit zu entsagen."

Stumm hatte der Profestor zugehört. Jetzt be­rührte er leicht den Arm de» jungen Mannes und sagte finster: »Wollen Sie uns nicht vor allem mit» teilen, was eigentlich geschehen ist? Vielleicht ist die Sache gar nicht so schlimm, wie e» den Anschein hat.

schuld beweisen."

„Und wenn er es nicht kann, was bann? Dann bleibt der schwere Verdacht auf ihm lasten! Er ist entehrt und ich und meine Geschwister mit ihm! Zeit­lebens dürfen wir den Kopf nicht erheben und den Menschen frei ins Gesicht sehen; wir sind ausge­stoßen aus der guten Gesellschaft. Siehst Du, Gerda, Dein Vater versieht, was ich meine, sein Schweigen sagt mir mehr als tausend Worte."

Er wies dabei auf den Profesior, der mit tief ver- finftertem Gesicht dasaß und fein Wort des Trostes für den jungen verzweifelnden Menschen fand. Gerda trat zu ihm und flehte angstvoll: „Sprich doch, Papa, — Alfred ist ja unschuldig, er bat ja nichts verbrochen, wofür soll er büßen?"

Mein Kind", antwortete Hardten mit fester Stimme, „Du bist noch viel zu jung, um die ganze Tragweite dieses traurigen Vorfalles ermessen zu können Alfted handelt, wie er handeln muß. Er hat ganz recht. Nach dem, was geschehen, könnte ich nicht mehr meine Zustimmung zu Eurer Verbindung geben. Die Verantwortung kann ich nicht auf mich nehmen. Die Ehre ist das Höchste und Heiligste, wa» ein Mensch besitzt. Wer seine Ehre verloren hat, der ist ein AuSgestoßener. Daran kann man nicht rüt­teln Vorläufig ist an der Sacke gar nickt, zu macken

trschetttt täglras mn Rusnatime der $o.m= »nd Feiertage vlertel- fährlicherVezngrpreir vhne Vringrrtohn nnd Bestellgeld in Fulda so­wie <m«oSrtsl.5vM.

verant«. Redaktemr

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Konservativen leichter sein wird als mit jenen Ver­tretern des PseudoliberaliSmus.

jbringen sich die Nationalliberalen in em­pfehlende Erinnerung.

Die skandalösen Maßregelungen in K a t t o to i 5 n r t g l c u »g r > -.....f

Laben in der nationalliberalen Presse die beredtesten I ro(r bte Auseinandersetzung und Einigung aus Fürsprecher gefunden, Kölnische Zeitung, Dortmun- Boden deS Rechts und des Gesetze? mit den der Zeitung, Rheinisch-westfälische Zeitung und 3la-1 mirh nTs mit lenen Ver-

ilonalliberale Korrespondenz verkünden für die Be­amten die Verpflichtung zur Gesinnungs­lumperei. Daß die nationalliberale Rerchstags- frafticn nicht anders denkt, hat die Rede des zweiten FraktionsrednerS der Nationalliberalen bei der ersten Lesung deS Etats gezeigt. Dr. Heinze hat wort-

ehe der HEir kommt, sich ausreisen wird. Es hat m der Geschichte schon manche Einrichtungen und Personen gegeben, welche antichristische Züge an sich trugen. Auch das Papsttum trägt solche Zuge. Es hat schon vor langer Zeit gläubige Bibelleser gegeben, und solche gibt es heute noch, welche der Ueberzeugung sind, daß einmal aus dem Papststuhl d'e Persönlichkeit er­scheinen werde, welche die Bibel „Antichrist" nennt. Wenn man sieht, wie das Papsttum immer mehr und immer klarer dem Ziele zugeschritten ist und zuschreitet, sich selbst an Christi Stelle zu sehen, so kann man diese Anschauung gut verstehen. Ob diese Anschauung recht hat, muß dann einst die Geschichte selbst lehren.

Bei solchen Leistungen, für welche die richtige parlamentarische Bezeichnung fehlt, ist es kein Wunder, wenn die konfessionelle Verhetzung tn den deutschen Landen immer mehr zunimmt.

♦ Zwei Esel? Der „Vorwärts" berichtet über eine Rede, die Genosse Richard Fischer in der Gene. I raloerfammlung des zweiten Berliner Wahlkreises gehalten bat. In dem Berichte heißt es: „Genosse, Richard Fischer bemerkt in längeren Ausführungen unter anderem, daß Singer und Bebel in der Erbschaftssteuersrage entgegengesetzter Meinung waren. Wer da sage, man müsse unter allen Um« ständen für die Erbschaftssteuer stimmen, sei em ebenso großer Ekel wie der, ber„ sage, man müsse unter allen Umständen dagegen stimmen." Aber!

Man darf nachgerade wirttich glauben, daß ein sormelleS Abkommen zwischen den Parteien des neuen Block» nicht besteht."

ES ist selbstverständlich, daß un8 weder daS Ver­halten der Nattonafliberalen wie auch die Stellung­nahme der Konservativen davon abhalten wird, argen daS System, das in den Katto- witzer Maßregelungen feine Krönung gefunden hat, mit aller Scharfe und Energie anzukämpfen Allerdings glauben

zu unternehmen. r

* Fraulenberg, 19. Dez. 1909. Das letzte Geleit gab vor einigen Tagen der hiesige Turnverein fernem im hohen Alter von 90 Jahren verschiedenen Ehreu- mitgliebe Heinrich Stähle. Der Verstorbene gehörte zu den wenigen noch lebenden Begründern des im Jahre 1848 gebildeten Turnvereins, dem er noch bis in die letzten Jahre seines Lebens fern In­teresse bewahrt hat. x . .........

* Kassel, 19 Dez. 1909. Der Etat der städtischen Sparkasse für das Jahr 1910 schließt in Ein­nahmen und Ausgaben mit 10 300000 Mark ab. - Zur Ausstellung der D °utschen Land- Wirtschafts g e sel l sch ast in Kassel 1911 werden die Pferdezüchter von der Landwirlschafts- tainmer darauf hingewiefen, daß sie die Tiere bis zum 1. März 1910 bei der Kasseler Landnmrtschafts- fammer anmelden müssen, weil die auszustellenden Pferde von einer Kommission vorher besichtigt werden sollen. - Einen Kirchenraub versuchten in der Nacht zum Donnerstag zwei Einbrecher in der evangelischen Kirche in Rothenditmold ^n dem Augenblicke, als sie versuchten, die Kirchentur aufzu-

^nb Du mußt Dich in daS Unvermeidliche fügen. Später, wenn Du einsehen gelernt hast, wie recht ich hatte, wüst Du mir danken, daß ich so und nicht an­ders handelte Ich tue nur, was ich für meine Pflicht halte, und jeder, der die Lage der Dinge unbefangen betrachtet, wird mir recht geben."

Ich meine, es wäre vielmehr meine Pflicht, das Unglück getreulich mit Alfred zu teilen, eS ihm tragen zu helfen", entgegnete Gerda leise.

»Wärest Du bereits fein Weib, dann wäre an bet Sache nichts mehr zu ändem. Ich danke Gott, daß es noch nicht so weit ist. Und Du hörst es ja, Alfred sieht es ein, er gibt Dich frei. — Du wirst es über­winden!"

Doch Gerda wollte davon nicht» hören. Sie er- Karte fest, nicht von Alfred zu lassen. Der junge Mann kämpfte einen schweren Kampf. Aber er blieb

-» Gießen 17. Dez. 1909. Die Stadtverordneten- Versammlung beschoß einstimmig, eine Gingabe an den Reichstag, in der gegen die drohende E r­höhung der Telephongebühren, als einer weiteren Belastung des Mittelstandes, Einspruch er- hoben und die Ablehnung der Vorlage empfohlen mir» Gießen, 17. Dez. 1909. Die Stadt Gießen ist laut „Gieß. Anz." aller Voraussicht nach in der ange- nehmen Lage, es bei den seither! gen« eu­er« belassen zu können. Sie werden nach den Grundlagen der seitherigen Staatssteuer-Veranlagung wie seicher mit 120 Prozent berechnet werden.

* Marburg, 17. Dez. 1909. Die geplante Universität in Frankfurt veranlaßt die .Ober- hessische Zig/ zu folgenden Ausführungen: Das Frankfurter Universitäts-Projekt ist natürlich für Marburg von der denkbar größten Tragweite. Marburg hat saft gar keine Industrie und feine ganze Existenz hängt nut der Univer­sität auf das engste zusammen. Ohne Universität würde Marburg ein kleines, unbedeutendes Land- städtchen fein. Wird nun in Frankfurt eine zweite Universität für Heffen-Nasiau errichte, so würde die Frequenz unserer Universität ganz er­heblich herabgehen und Hunderte von Existenzen in Marburg und Umgegend schwer bedroht refp. vernichtet werden. Deshalb wird dw Marburger Bürgerschaft gegen das energischste Einspruch er- heben müssen. Die Notwendigkeit emer zweiten hesfennassauischen Universität liegt sicherlich nicht vor. Das Blatt bittet die städtischen Behörden, eventuell entsprechende Schritte gegen das Wien

Vielleicht auch kann ich Ihnen einen guten Rat l)CbenT)Qd Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, ist uns begegnet!" antwortete AlsrA bitter Man hat meinen Vater wie einen gemeinen Dieb und Verbrecher cmgesperrt, weil in seiner Kasse 20 000 Mark fehlen! Sie begreifen wohl, was das heißt! Ein Dieb — ein Sieb soll er fein! Das nimmt ihm niemand mehr ab! — Niemand!" — ~

Alfted konnte sich kaum mehr aus den Fußen hm- ten- er sank auf einen Stuhl und meinte bitterlich.

Man hörte nur fein leises Schluchzen, sonst herrschte Totenstille in dem Gemach. Keines sprach ein Wort. Auf der Slim des Professors lag eine düstere Wolke, er starrte auf den jungen Mann, der schmerzversimken dasaß. Auch Gerda stand regungs­los Endlich sagte sie: „Dein Vater wird seine Um

Ausland.

* Ein europäischer Rekord.

Tie Dauersitzung im österreichischen Reichsrat hat üt der Nacht zum Sonntag, srüh 1 Uhr 10 Mm. ihr Ende gefunden. Sie hatte ununterbrochen 86 Stunden gedauert. Tw Mög­lichkeit, zu einem Schluß zu kommen, bot bte An­nahme eines tschechischen Antrags auf Ab an de- rung bei Geschäftsordnung. Durch die Ab- änderung wird dem Rc.chspräsiventen ,u Bezug auf die Festsetzung der Tagesordnung fast unum- schränkte Macht eingeräumt. Die Tschechen, die

* Der rote Faden im englischen Wahlkampf ist 'das Bangemachen vor Deutschland durch die konservativen und die Entkräftung dieser Furcht durch die liberalen Wahlredner. Wieder stehen sich zwei derartige Aeußerungm gegenüber. Ter bekannte Lord Curzon kam m Derby auf Deutschland zu sprechen Er sagte, die

Kriegs wölke erhebe sich schon rn etwas be­drohlichem Umfang. Wenn man nicht sorgsam wache, könnte sie eine Form annehmen, die unter Umständen, die hoffentlich niemals emtreten wür- den, als ein verderbenbringender Regen- gußausEngland herabstürzen könnte. Wenn dem so sei, fei es ein Gebot der einfachsten Klug- heit, Maßregeln zu treffen, um zu verhindern, daß die Gefahr eine solche Ausdehnung gewinne. England brauche Beschäsligung, Wohlfahrt, Ruhe und Fortschritt, aber die Bedingung für alles dies sei die Sicherheit. In Liverpool erhob gleichzeitig der liberale Unterstaats,ekretar für tue Kolonien, Oberst Seely, Protest gegen den un- glücklichen Verfuch, am Vorabend der Wahlen einen Streit zwischen England und Deutsch and auszurichten, mit dem seiner Ansicht nach England immer in Freundschaft lebe?' Die britische Flotte werde nicht herausgefordert werden. An Be­satzung, Schiffen und Geschützen, sei sie doppelt o stark wie jede andere Macht.

* Muni Pascha, der türkische Oberfeldherr tm griechisch-türkischem Kriege (1898) ist am Freitag in Konstantinopel gestorben. Er war em glanzend b8fa» gfaeMinffterkriseistinPortugat entstanden. Da es dem Ministerpräsidenten Wenceslao de Linua bis heute noch nicht gelungen war, für den Ende Ottober zurückgetretenen Justizminister Me- d eiros einen Ersatz zu finden, teilte er dem König dm Rücktritt des Ministeriums mit. Man nimmt au, baß Wenceslao aufs neue nut der Kabinett- bilouna betraut werben wird.

* Ein strenges Streikgesetz ist Australien ■ unter dem Eindruck der schädlichen Wirkungen des Beraarbeitersireiks eingesührt worden. Das Gesetz, ba§ in aller kürzester Zeit zur Annahme gelangt ist, sieht als Strafe für die Führer bet ^sftanben ober Aussperrungen zwölf j

nis ohne Umroanblung tn eine Geldstrafe vor. Andere Beteiligte können bis zu zwei Monaten Ge- jängnis bestraft werden. Die Novelle ermächtigt die Polizei, in die Beratungslokale emzudnngen und verbietet, falls notwendige Erzeugnisse rate Kohlen, Gas, Wasser, unentbehrliche Lebensmittel oder Transportmittel zu deren Beförderung tn Frage kommen, eine Versammlung von zwei oder meh­reren Personen zur Anstiftung und Leitung von Ausständen und Aussperrungen ober zur Beihilfe bei solchen. Sie bestraft mit zehntausend Mark Abmachungen, welche die Einschränkung odcrMono-

’erUären." I

Es ist nicht überraschend, daß die Nat io n ab liberalen eine solche Haltung einnehmen. Die Politik der Beamtenmaßregelungen haben sie bereits ,tn den 70er Jahren mit gutem Erfolge vertreten, und !haß ihre liberale Gesinnung auf die Proklamation ^freiheitlicher Phrasen in Volksversammlungen -nicht hinauskommt, ist gleichfalls schon seit Jahrzehn­tzen bekannt. Bemerkenswett aber ist immerhin die Stärke brr Energie, mit der sie die neueste Wendung In der Antipolenpolitik unterstützen. Weshalb das Geschieht, dafür gibt einen ziemlichen Anhalt die Uenßerung des Abg. Dr. Heinze im Anschluß an Oie "obengenannten Ausführungen:

„Wenn die konservative Partei sich jetzt bezüglich tiefer Frage zurückgehalten hat, wenn sie nicht mit der Schärfe für bte Regierung eingetreten ist, wie es früher ^er Fall war, so hoffe ich, daß das nicht auf einer Verbindung zwischen der konservativen Pariei und dem Zentrum zurückzuführen ist."

Nun, das ist Denunziation in schönster Form und Erklärt gleichzeitig den ganzen Zweck der Aktton: sich bei der Regierung, die man durch die Verweige­rung der notwendigen neuen Steuern etwas stutzig gemacht hat, wieder lieb Kind zu machen.

Da sst der freisinnige Abg. H o r m a nn doch ehr­licher. der in der Voss. Zig." mit Rücksicht auf die Interpellationen des Zentrums betr. den Zwangs- strbeitsnachweis und die Kattowitzer Vorgänge, in streichen Fragen das Zentrum in scharfem Gegensatz pt den Konservativen steht, ausführt:

selbst den Antrag stellten, gaben bamtt chre wirr. samste Obstruktionswaffe aus der Hand. Sie tonnen etzt nickt mehr durch Einbringung von Dringlich- kettsanftägen die Erledigung wiH^er Vorlagen verhindern. Im Lager der Deutsch-Nattonalen wittert man auf Grund dieser Taftachem dem tschechischen Verhalten eme Hinterlist. W vom Reichsrat der Abänderungsantrag am Sonntag nwraen mit großer Mehrheit angenommen wurde, SS» d°h« d'-d-»«-"

bie Annahme. Der radikale Abg. Wolf begrüßte das Abstimmungsresultat mit den Zurnftn: Scham- Iostakeit! Gemeinheit! Nachdem der Präsident erklärt hatte, das österreichische Parlament habe mit der Dauersitzung den Rekord in ganz Europa geschlagen, wurde die nächste Sitzung auf Dienstag anberaumt.

• Frankfurt ä. M., 19. Dez. 1909 Der Gesang meister und gemütvolle Liederkomponist Eugen Hil­da ch von hier ist vom Kultusminister zum P r o f e {• for der Musik ernannt worden.

♦ Homburg v. d. Höhe, 17. Dez. 1909. N^> dem hier, wie in vielen andern Städten des Re. gierungsbezirks Wiesbaden, dis Ortszulage» an die Volksschullehrer abgelehnt worben waren, wftnbten sich die Lehrer an die Regierung mit bet Bitte, die Stabt zwangsweise zur Gewährung von Ortszulagen anzuhalten. Die Regierung hat dies aber abgelehnt mit der Begründung, „baß bte Notwenbigkeit der vom Gesetz nur für Ausnahme- sälle zugelaffenen Erhöhung des Normaldienstem- kommens für Homburg nicht anerkannt werben

Schattenblume.

7] Originalroman von Irene v. Hellmuth.

Er schien völlig saffungslos und ftarrte gerade ans jns Leere, und als in diesem Augenblick Gerdas Vaier ins Zimmer trat, schien Alsrcd dies kaum zu bemerken, wenigstens erwiderte er den Gruß des Professors nicht Gerda aber flog auf den Eingetretenen zu und schlang stürmisch die Arme um seinen Hals, als Müßte sie hier Schutz finden vor einer drohenden Ge­fahr 'darbten blickte bestürzt von einem zum andern, Wd) ihm fiel die feltfame Veränderung im Wesen des jungen Mannes auf.

„Was gibt es denn?" fragte et rasch. Er dachte im Augenblick nur an einen Streit zwischen den Ver­lobten. Alfred schien sich w besinnen. Mit An­strengung stieß er hervor: „Ich bin gekommen, unsere Perlobung wieder auszulöfen, — Gerda ihr Wort zurückzugaben, denn ich habe ferner nicht mehr dos Hleckr, ein ehrbares Mädchen zur Frau zu begehren."

Gerda stieß einen lauten Schrei aus, sie wankte und wäre zu Boden gesunken, hätte ihr Vater sie dicht gestützt.

Dieser sagte mit unverkennbarer Schärfe im Ton: ^Herr, sind Sie bei Sinnen? — Was sagen Sie da? — Die Verlobung auflösen? — Das werden Sie ge­fälligst näher begründen! Glauben Sie, daß ich mei­nen guten Namen dem Gespülte der Leute preisge- tzeben sehen möchte?"

„Sehen Sie, schon der Gedanke an ein spöttisches Wort regt Sie auf", entgegnete Alfred bitter, „und ein solches ist doch bald vergessen, — aber die Schande — die bleibt, — bas ganze Leben lang wird man sie nicht mehr los — die hängt sich an und schreitet neben einem her wie ein Gespenst! Man kann tun, was man will, sie taucht immer wieder auf, selbst dann noch, wenn man sie längst vergessen wähnt! Auf Ihren Rainen aber barf kein Makel fallen, besbalb muß ich Mich trennen von Gerda, ob auch mein Herz hinüber fßricht — ich muß! Es ist eine ei ferne Notwendigkeit! Vas Schicksal forbert diese Trennung — bene mein

tzich erklärt:

„Wir Nationalliberalen billigen im Gegensatz zum „„ .— —u-------

Zentrum die Ostmarkenpolitik der preußischen Regie- snffltrer Ganger (Elberfeld) finden fich tm Brief- fcung. Wir erkennen an, daß ."ie Bestrebungen der PI Fraqekasten die nachstehenden Ausführungen: V g?Äet9C^ Der Antichrist „ist die persönliche

preußische Ostmarkenpolitik will der Slavisierung des I Spitze, zu welcher die Macht der Bösen in der Welt, entgegXbeften unb zu diesem Zwecke vor- ^-^^Err kommt, sich ausre.fen wird. Es hat tn stehinlich deutsche Bauern anstedeln. Da darf sie aus dem einmal betretenen Wege nicht Halt machen .... Die preußische Regierung hat sich tn den letzten Tagen tu einem sehr energischen Schritt veranlaßt gesehen. Hur Maßregelung von Beamten, die in ben Ostmarken offen Polen gewählt haben. M. H^auch i tu diesem Schritt muß ich Stellung nehmen. Ich rede ganz offen. Da kann ich ertlären, daß, wenn einmal ein derartiger Kampf in den Ostmarken geführt wird, der Kampf auch mit Energie geführt werden muß kSehr richtig! b. d. Natl. - Zurufe aus der Mitte) L Ja, m. 6., daß Sie anderer Ansicht sind, weiß ich ganz gut. (Zurufe der Soz.: Wir auch!) — Das roeip ?ch auch. Wir haben aber unsere Ansichten zu ver­treten, wir können nicht auf andere Rücksicht nehmen.

M. £>., wir sind gewiß dafür, daß man von oben aus die politische Gesinnung der Beamten mcht emwirtt, daß den Beamten Freiheit gelassen wird; aber m den Ostmarken herrschen Ausnahmezustände. Hier handelt tzS sich um einen erbitterten Kamps des Deulschlums aeaen das Polentum, da hat jeder deutsche Beamte auf deutscher Sette zu stehen, und wenn die Regierung Beamte, die sich offen zum Polentum bekannt haben, gemaßregelt hat, so billigen wir das. Wir stehen mcht an, das hier mit aller Bestimmtheit und Offenheit zu

Sieger. ., . , „ r .

„Ich darf jetzt nicht mehr an mich denken sagte er, sich zur Ruhe zwingend. „Zu Hause habe ich fünf Geschwister, die des Ernährers beraubt, dem Mangel und der Not preisgegeben sind. Wer sollte für sie sorgen? Ich bin der nächste dazu, bin berufen, für sie zu arbeiten. Ich muß versuchen, ihnen den Vater zu ersetzen. Ob eS mir gelingen wird, sie zu ernähren, weiß ich freilich noch nicht. Vor allem ist es notwendig, daß ich zu ihnen zurückkehre, denn sie sind noch zu jung, um allein und ohne Aussicht bleiben zu können. Sie bedürfen eines Führers, eines Be­raters. Du siehst Gerda, daß ich Dein Schicksal nicht an daS meine ketten darf. We: kann wissen, wie d:e Zukunft sich gestaltet? Wie die Verhältnisse setzt lie­gen, läßt fich das noch nicht ermessen. Meine altefte Schwester, die jetzt siebzehn Jahre zählt, schrieb nur einen verzweiflungsvollen Brief. Sie bittet um mein« Hilfe um meinen Rai Sie ist völlig niedergeschmett tert, sie, die sonst nicht leicht den Kopf verliert, und trotz ihrer Jugend den großen Haushalt schon Muster- giftig leitet „Niemand will an die Unschuld de? armen Vaters glauben“, so schreibt sie mir, „wett der Schein gegen ihn ist. Denke doch, der Chef verreist und der Vater allein hatte die Schlüssel in Verwah­rung. Dazu weiß jedermann, daß bei unS bte Mittel

polisierung der zum Handel notwendigen Erzeug niffe bezwecken.

Am dem Nachbargebiete.

Mdaer W Zeitung