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36. Iahrqansi

Fulda, Samstag den 18. Dezember 1909

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Wiertes HUatt

artikel geißelt. Es wird da mlSgefirhtt,

Reklame«« «nd Anzeigenteil.

ralismus darstellte, ist jetzt unter die Fuchtel deS Jungliberalismus geraten und muß auf der schiefen Ebene nach links immer weiter rutschen.

ES ist interessant und lehrreich, die Auffassung deS freikonservatwen Nachbarn über die Folgen der jetzigen Taktik kennen zu lernen. Die „Post* schreibt:

* Frankfurt, 16. Dez 1909. Das Dienstmädchen Anna Wildfbrster spielte ihrem Geliebten, einem Kauf- mann, der durch fie in einen Alimentationsprozeß ver­wickelt wurde, einen bösen Streich. Am 13. Oktober legte fle der Kriminalpolizei ein an sie adres­siertes Schreiben vor, dessen Inhalt besagte, daß sie

gehen. Die Polizei paßte am Schalter der Hauptpost fleißig auf den auf, der einen Brief für Albert Schnell holen wollte. Es erschien jener Kaufmann, der ver­haftet wurde. Bald klärte sich die Situation auf. Der Kaufmann war auf Grund einer empfangenen Post­karte gekommen, in der er ersucht wurde, einen Bries auf den angeführten Namen zu holen. Diese Karte hatte die Wildförster geschrieben, die auch den von ihr der Kriminalpolizei vorgelegten Brief schrieb und auf diese Weise einen Racheakt begehen wollte. Die Straflammer gab ihr für die falsche Anschuldigung sechs Wochen Gefängnis.

* Höchst, 15. Dez. 1909. Bei den gestern stattge­fundenen Gewerbegerichtswahlen erhielten die von den christlichen Arbeitern aufgestellte Beisitzer­liste 40» Stimmen, die von den freien Gewerkschaften 1108 Stimmen. Erstere erhielten 3, letztere 9 Bei­sitzer. Von den Arbeitgebern wurden für die Liste der bürgerlichen 145 Stimmen und für die Liste der freien Gewerkschaften 19 Stimmen abgegeben. Die Ersteren erhielten 11, die Letzteren einen Beisitzer.

* Corbach, 17. Dez. 1909. Nach zweimaliger eingehender Beratung wurde im Gemeinderat die Wertzuwachssteuer mit großer Stimmen-

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Aus dem Nachbargebiete.

* Soden-Salmünster, 16. Dez. 1909. Die Bade-Gesellschaft Soden - Salmünster hat, wie der -Franks. Gen.-Anz/ hört, die Absicht, zu liquidieren und die Badequellen mit Kurhaus und sonstigen Einrichtungen zu verkaufen. Ver­kaufs-Verhandlungen sollen schon eingeleitet sein. Der Rückgang des Bades wird wohl die Veran­lassung zu diesem Schritte sein.

unerwähnt läßt: daß Herr Baffermann auch die der- hängnisvolle Großblockpolitik zu verteidigen sucht durch ein wunderbar optimistisches Loblied auf die „Mause­rung* in der Sozialdemokratie.

ES ist der Radikalismus in der schlimmsten Form, dem sich die Partei ergeben hat, an deren Spitze einst Miquel und v. Bennigsen standen. ______________

„Daß Du den Oberprästdenten im Rheinland aus- geschlagen hast, halte ich nicht für richtig. Oeffentltch würde durch Deine Ernennung die Neigung des Kai­sers, auch mit Liberalen zu verwalten, von neuem be- stätigt sein. Auch find trotz der heutigen Konfusion

tie den nächsten und größten Vorteil hat von einer Taktik, die ihnen avsbeutungsfähige Bundesgenossen ......- ------- . .. - . -- • - • • .

in überraschender Fülle zuführt. Damm muß auch an die Adresse eines Albert Schnell, Hauptpostlagemd 'wohl beachtet werden. ivaS die Post aus Schonung 150 Mark senden solle, sonst werde es ihr schlecht er-

Nehwen Sie

täglich ein LilörgläSchen vr. Hammel'» Haematogen unmittelbar vor der Haupt- mahlzett! Ihr Appettt wird reger, Ihr Nervensystem erstarkt, die Mattigkeit verschwindet und körperliches Wohlbe­finden stellt sich raschest ein. Warnung: Man verlange ausdrücklich den Namen vr. Hammel.

daß diejetzt wiederum verkündete Parole des taktischen Zusammengehens aller liberalen Richtungen schon bei Bei Beratung der Finanzvorlagen erprobt worden sei. AIS in der Finanzkommission die Nationalliberalen die Trennung von den Freisinnigen unbedingt verweigert hätten, seien „die Geschäfte des Zentrums gemacht worden*. Nicht die linksliberalen Gruppen seien da­durch in die nationalliberale Richtung gebracht, sondern umgekehrt vielmehr seien die Nationalliberalen dabei m das linksliberale Fahrwasser geraten.

„Ein taktisches Zusammengehen aller Liberalen auf der ganzen Linie wurde Zentrum und Konserva­tive noch fester zusammenbringen, würde der Kon­zentration nach rechts, welche der Zentrumsführer Frhr. von Hertling bereits in seiner Etatsrede empfohlen hat, Eidezu die Wege ebnen. Aber es würden auch die

en, welche heute die Nationalliberalen und Frei- servativen in einer für die Gesamtpolitik durch­aus förderlichen Weise vielfach verbinden, sehr stark gelockert werden. Mit dieser Lockerung müßte natur­gemäß auch die sreikonservative Partei einem stärkeren Anschluß nach rechts suchen.*

Wenn das Zentrum bloß auf seine eigenen Par- teiintereffen sähe, so könnte es über die jetzige Taktt der Nationalliberalen eitel Wohlgefallen empfinden. Aber im Interesse der ruhigen und fruchtbaren Ent­wickelung ist die Festlegung von früher positiven Kräf­ten im öden Radikalismus zu bedauern. Besonders deshalb zu bedauem. weil die Sozialdemokra-

mehrheit angenommen.

* Hersfeld, 15. Dez. 1909. Der bei der neulichen Schlägerei als einer der Haupttäter er­mittelte Schmied P. aus Schlitz ist von hier durchgebrannt, um sich der ihm drohenden Bestrafung zu entziehen. Da man den Mann nicht für fluchtverdächtig hielt, war er auf freiem Fuße belassen worden.

△ Aus dem Kreise Marburg, 16. Dez. 1909. Im westlichen und südlichen Teil unseres Kreises, besonders im sog. Ebsdorser Grund, halten sich seit Wochen starke Zigeunerbanden auf. Sie haben sich in den Waldtälern der Lahnberge und des Oberwaldes häuslich niedergelassen und brandschatzen von da aus die Dörfer. An den Feuern, die man nach eingetretener Dunkelheit schon von weiten sieht, wird auch manchmal ein Stück Wildpret geschmort. Gestern in den späten Abendstunden wurde nun noch die Gendarmerie aus Marburg nach Wittelsberg gerufen, wo Zigeuner mit Dorfbewohnem in Streit geraten waren und sogar Schußwaffen benutzt hatten. Einem Landwirt aus Beltershausen wurde ein Bein durchschossen und in einer Wirtschaft großer Schaden angerichtet. Gegen das sich von Bettelei und Diebstahl nährende Nomadenvolk dürfte nunmehr etwas strenger vorgegangen werden.

* Kirchhain, 15. Dez. 1909. Die gegen die Ablösung der Holzberechtigung im Stadt- walde eingeleitete Hausagitation hat insofern Er­folg gehabt, als sich ca. 80 Berechtigte dem Proteste angeschloffen haben. Zunächst wird wohl Klage im Verwaltungsstreitverfahren ein» geleitet werden und der Nachweis erbracht werden müssen, daß den Nutzungsberechttgten tatsächlich das Recht auf Holzbezug zusteht.

* Kassel, 17. Dez. 1909. Der Charakter als R e ch- nungsrat ist dem Eisenbahn-Obersekretär Wick bei der Königl. Eisenbahndirektton hier verliehen wor- ben.

♦ Lahr (Nassau), 13. Dez. 1909. Unter den Mit­gliedern des hiesigen kathol. Arbeiterver- eins wurde s. Zt. eine Weihnachtssparkasse gegründet. Die Mitgliederzaht beträgt ca. 55. Die größte Hälfte derselben besteht au8 Leuten, die in sehr bescheidenen Verhältnissen leben. Trotzdem konnte die Kasse; welche erst seit Februar d. I. besteht, am Sonntag 2195 Mk. an ihre Mitglieder auszahlen. Die Zinsen des Kapitals werden zum Spielen in der Preuß. Klaffenlotterie verwandt.

X Als Ker» und Krone des Blocks haben sich die Nationalliberalen betrachtet und demgemäß wollten sie auch hochachtungsvoll und ergebenst behandelt werden. Die Blockgenoffen ha­ben ihnen den Gefallen getan und sie dadurch etwas perwöhnt.

i Auch jetzt werden die nationalliberalen Herr­schaften trotz ihrer skandalösen Hetzarbeit noch immer mit übergroßer Zättlichkeit behandelt. Der neue «Reichskanzler geht ihnen mit sanften Werbeworten nach; in der Schulpolitik kommt man den liberalen Wünschen weithin entgegen; in der Sozialpolttik be­ieifern sich augenblicklich der preußische Handelsminister Und der Staatssekretär deS ReichsschahamteS glcich- tnäßig, den einseitigen Arbeitsnachweis der national» liberalen Zechenherren unter ihre schützenden Fittiche zu nehmen.

Aber o!T die zarte Rücksichtnahme kann die na­tionalliberalen Führer nicht zum Einlenken bestimmen. Tie unversöhnliche Haltung und der Zug nach links bauern fort. Im Rheinland haben in die­sen Tagen eine Reihe nationalliberaler Verhandlungen stattgefunden zwecks Rechtterttgung der nattonallibera- len Politik im Reichstage. Gegen den neuen Block wurde wie üblich spektakelt. Abg. Bassernmnn ließ tn seiner Rede keine Zweifel darüber, daß die national- liberale Fraktion alS Krone und Kern deS Radikalis­mus den wilden Kampf gegen die vermeintliche Reak- ston forttehen will.

Deutscher Reich.

»♦ AuS der Zeit der BiSmarckkrifiS. In dem von Professor Oncken veröffentlichten Nachlaß R. v. B e n- ntgfene finden sich auch mehrere Briefe au8 dem xebruat 1890, die von dem krittfchen Verhältnis zwi- chen dem jungen Kaiser und dem Fürsten BiSmarck handeln. Mitte Februar schrieb Miquel „streng vertraulich an Bennigsen:

„Ich habe nach erheblichem Schwanken den Oberpräsidenten der Rheinprovinz ab- gelehnt. Einziges Motw die Partei und ihre popu­läre Stellung gerade jetzt bei der herrschenden Krisis der Linksftrömung. Es war mir sehr leid, daß ich mich mit niemand besprechen konnte, namentlich nicht mit Dir. Abgemacht. Die Zustände sind zwischen den beiden ganz unhaltbar und müssen bald brechen. Die Minister auf der Seite des Höchsten, aber zwischen zwei Feuern, fast verzweisett und völlig ratlos. Der Höchste bewährte sich nach allen Richtungen.*

Bennigsen antwortete auS Hannover, 18. Februar:

Literarischer.

DaS Fermenkiöppeln, von Adele B o S h a g e. 2. Aus­lage. 4,50 dH. Verlag von Eugen Twietmeher in Leipzig-

Echte Spitzen selbst herzustellen ist ein Wunsch, dessen Erfüllung Wohl jede Dame ersehnt, denn die duftigen Gewebe sind in der Mode wieder einmal zu unumschränkter, — und wie eS scheint — lange dau­ernder Herrschaft gelangt. Da kommt das vorliegende Werk zur rechten Zeit. In leicht faßlicher Weise, un- terstützt durch ein sachgemäß gewähltes, von der Her- ausgeberin selbst entworfenes Bildermaterial, werden die erforderlichen Handgriffe und Uebungen erteilt. Vom Leichten zum Schweren ohne Sprunge führend, bringt sie die Leserinnen so rasch als möglich zu selb- ktändigem Arbeiten, schärft zugleich den Blick für diese Art der echten Spitzen rind lehrt sie richtig zu wür­digen und zu beurteilen in Bezug auf gute Ausführung, und Schlmerigkeit deS Musters.

Durchschnittspreise für Hafer, Heu u. Stroh.

DaS Amtsblatt der Königl. Regierung bringt folgende Nachweisung der für die Lieferungsver­bände des Regierungsbezirks Kaffel festgestellten Durchschn i 11 sPre ise der höchsten Tagespreise für Hafer, Heu und Stro h mit einem Aufschlag von fünf vom Hundert, welche für die Vergütung der im Monat Dezember 1909 verabreichten Fourage maßgebend find:

Durchschnittspreis pro Zentner

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Verlag der Lnldaer Ak- - - ,,,, , «-.-ii ii «endruckerei in Znlda

Monatrbrllager „Sulbaet Eeschlchtrblatter Fernsprecher Ur. 9.

DaS tritt so schroff hervor, daß andj Leute, die ________ ..... . .

sonst dem Liberalismus nahe stehen, ihre warnende Anzeichen für einen baldigen Umschlag ins Reaktionäre Stimme erheben. So die freikonsewattve „Post*, nucht vorhanden. EinRegrerungseMerrmeut, ge ützt kebtte"Tatt»* d« ^ationallibemlln^in'°einem Lett' “”b Deutschland le densgefährlicb, Heutwtage mehr ^eprte^ Daktik ^Nationalliberalen ^in^einem Leit jemals. Dahin kann der Kaiser höchstens nach Jahren gedrängt werden, wenn andere mögliche Kom- bmattonen FiaSko gemacht habm oder gar keine Re­gierungsmehrheit weiter ergeben sollten. Es tat mir sehr leid, neulich vor meiner Abreise nicht mehr mit Dir im Kaiserhof essen zu können. Ich war gerade l1/« Stunden bei Bismarck — lediglich auf dessen Wunsch — geroefen. Schriftlich läßt sich darüber nicht viel sagen. Lange hält'S ihn nicht mehr! Die Macht behiette er freilich gern, glaubt auch mit vollem Recht in der großen Politik Deutschlands noch große Dienste leisten zu können, wie kein anderer. Aber mit DaS ist handgreifliche und "unbestrettbare Wahr- guten Manieren und auf die Dauer dem jungen, v°n w Packt. H, etafl tat S-mW-ta,»-. HfXtf «“i?..

Tätigkett zu überlassen, daS scheint doch gegen seine Natur zu fein. Blewt doch selbst bei einer voüstän- digen Scheidnng zwischen dem Reich und Preußen für den Kanzler, was ich insbesondere wegen der Zukunft für politisch sehr gefährlich halte, immer noch die für den alten selbstherrlichen Kanzler mtt seinem historisch entwickelten Schwergewicht kaum lange durchführbare Aufgabe, dem jungen Herrscher nicht fortwährend als Last und Mentor zu erscheinen.*

Bezeichnung

Haupt-

deS Lieferungs-

marktort.

verbaades.

Stadtkreis Kassel

Kaffel

Landkreis Kaffel

bgL

Kreis Efchwege

Eschwege

„ Witzenhausen

dgl.

« Fritzlar

„ Homberg

Fritzlar dgl.

„ Ziegenhain

dgl-

FuLa

Fulda

„ Hünfeld

dgl.

„ Gersfeld

dgl.

„ Schlüchtern

dgl.

Stadtkreis Hanau

Hanau

Landkreis Hanau

dgl.

Kreis Gelnhausen

bgi. rv

„ Häsfeld

„ Hofgeismar

Hersfeld

Hofgeismar

„ Wolfhagen

dgl.

„ Marburg

Marburg

„ Kirchhain

dgl.

„ Frankenberg

„ Rotenburg

dgl.

Rotenburg

„ Melsungen

dgl.

Grafs.Schamnb.

Rinteln

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Der Bruder.

Erzählung von Julie LandSkron.

; Sie hatte den Tisch für zwei gedeckt ,die Vor- Ilänge zugezogen, ohne jedoch einen Blick auf die ein- ame Straße deS kleinen Städtchens zu tun, obwohl ie heute ihren Sohn nach einjähriger AbwefenheU zu­rückerwartete. Wie sollte sie sich auch freuen, die einst so stolze Bürgersfrau, über einen Sohn, welcher dort herkam, — dort vom ZuchthausI ES schüttelte ste wie bet der Berührung von etwas Eklichem. Lange hatte sie heut: in der Kirche auf den Knien gelegen tm Gebete, der Herr möge ihr aufrührerisches Gemüt beruhigen. „Herr, warum hast Tu mir den Guten, den Braven genommen und den Schlechten gelassen?*

Wer keine Ruhe kam in ihr Gemüt und so saß fie in die Ecke des Divans gekauert, angstvoll auf den Schritt des Heimkehrenden horchend.

Als sie vor vielen Jahren Witwe geworden, da hatte der vier Jahre ältere Mattin die Hand auf sei­nes Bruders blondes Haupt gelegt und mtt heiligem Eid geschworen, dem kleinen Steffi den Vater zu er­setzen, ihm, dem Liebling der Mutter, dem weichher­zigen zarten Knaben, welcher von allen verwöhnt wurde, besonders aber von dem kräftigen, gesundheit­strotzenden Mattin, welcher seine Sorgfall soweit trieb, daß er, wenn sie mitsammen in die Schule gin­gen, bei Wind oder Regen sorgfälttg vor dem kleinen Bruder herqing, um mit seiner breiten Brust die Un­bill deS Wetter? von ihm abzuhalten. So wuchsen sie heran, der Stolz der Mutter, bis da- Schreckliche ganz unerwartet geschah, worüber daS ganze kleine Städtchen in Erstaunen versetzt wurde. Draußen auf 6t°ben Spielwiese hatte sich eine Setltänzerge- sellschast eingettchttt. „Katta*, der „Flammende Stern* genannt, entflammte sofort alle Herzen der jungen Bürgerssöhne. Auch die Brüder Petzold sch man öfters in ihrer Gesellfchast, obwohl fie sonst im­mer derarttgem miS dem Weg gegangen waren Die "acht, als der „Flammende Stern* am Horizont deS Seinen Städtchen» mit der Stiltänzergesellschaft der- totoanb, war die schwere Schicksalsnacht für die Witwe Petzolb. Ihrem Hause gegenüber wohnte ein alter.

sehr reicher Sonderling, zu welchem nur die Brüder Mattin und Stephan Zuttttt hatten. Diese Nacht wurde der taube, allein stehenbe Alte einer ziemlich an­sehnlichen Summe beraubt unb zum Erstaunen aller würbe bet Dieb in — Martin Petzold gesehen. So unglaublich diese Tat erschien, hatte man selbe doch noch eher dem leichlebtgen Steffi zugekaut. Aber Mattin hatte selbst gestanden, indem er mtt Festigkeit sagte: „Ich habe eS getan, weiter werdtt ihr nichts au» mir hermiSbringen!* So wurde er verurteilt und dorthin gebracht, von wo er heute kam. O die Schandei Die Frau dort in der Sofaecke schüttelte es wie im Fieber. Er kam zurück, der Andere aber, der Steine, der Liebling ihre» Herzen», war tot. Gestorben an der Schande seiner Bruders! Unter die Leute ist er nicht mehr gegangen, in Wind und Wetter ist er im Wald herumgttrtt, bis in die sinkende Nacht. Das btell sein gartet Störtier nicht langt au8, da starb er ihr dahin an einem Brustleiden. Und der Andere kommt, der Mörder! ... Sir hiell sich unwillkürlich dir Ohren zu. als hätte ei ihr jemand hinein geschrien.

Frei! 6t freute sich der Sonne, welche ihn so woblig durchrieselte, freute sich der kräftigdustenden Heimatscholle unb über bas lustige Vogelgezwitscher. Ach, wie langt batte er bieseS entbehrt! Er freute sich bet Sterne, welche jetzt nach seiner langen Wanber- schäft nun am Firmament aufgezogen, aber am meisten freute er sich auf seine arme Mutter, bk tiefgebeugte Frau, welch« er nun sein ganze» Leben wibmen wollte, ba ihr da» grausame Geschick ben Liebling ihre» Herzen» enttiffen hatte. Dieser Gebanke be­flügelte seine Schtttte. aber je näher er bem Heimat- stäbtchen kam, befiel ihn bie Angst, wie ste ihn auf- nehmen würben, fie, bk anberen, ihn, ben Abge- ftraften! Nun hing e» sich wie Bleigewicht an seine fllieber und et, der Statte, Rüstige, hasttte schwer be- lasttt durch die Erwägung mühsam weiter. — „Wenn nur bie Mutter sich freut!' tröstete er sich enbltch, bk schweren Gebauten abschüttelnd. — —

Sie hörte ihn kommen und gepreßten Herzen» ging Re langsam d« Türe zu. in deren Rahmen Mattin

mit offenen Armen stand. Aber sie wehtte ihn ab und „später vielleicht!* entrang eS sich feiner Brust.

„Mutter!* sagte er seinen Groll zurückdrängend sanft: „Mutter, ich habe diel gelitten!'

„Komm nur herein*, unterbrach ste ihn auswei­chend. „Ich habe die Magd zu Bette geschickt, nie­mand sieht Dich.* Er sah ste mit kauttgen Augen an und tat, wie ste ihm geheißen, aber daS Effen, welches sie ihm anbot. bettihtte er kaum. Dann saßen ste eine Welle stumm, keine- fand das geeignete Wott, endlich sagte die Frau, auf ihr schwarzes Kleid deutend:!

„Steffi tst tot!*

„Ich weiß es, Mittet, aber mein ganze» Leben soll dem gewecht sein, ihn Dir zu ersetzen!*

„Du!?* sagte die Mutter mit solch schreiendem Hohn deS Tonfall» in der Stimme, daß Mattin wie vor einem Peitschenhiebe zurückprallte.

Weißt Du, an wa» er zugrunde gegangen? An Deiner Schande!* Keuchend vor Auflegung schleu­derte sie in ihrer Entrüstung ihm die Worte in» Ge­sicht. „Da» überlebe ich nicht, daß der Mattin dott sitzt*, hat er gesagt; sein goldene» Herz hat ba» Mit­leib nicht übertoinben können, ba» Mitleid mit Dir! Und Du willst ihn mir ersetzen. Du, sein Mörder?'

Da lachte Mattin grell auf, gleich einem Wahn­sinnigen, und die Mutter, welche aufgeftanben war. an der Hand zurückhallenb, sagte er ernst: „Unb nun hör mich an: DaS Gelb hat bie Seiltänzerin erhallen, bamit fie sich von ber Bande loskaufen unb ihn, ben Steffi, zum Mann nehmen sollte. Dafür hat et sich vergriffen am fremben Eigentum. Al» sie ab« am anberen Tag gekommen, ben Dieb zu suchen, da gin­gen ihm die Augen auf, da war er vernichtet, ein elende» Bündel Jammer . Mich ab« faßte ein un­sägliche» Erbarmen mtt dem schwachen Irregeleiteten, der mir in der Verzweiflung alle» gestand. Ich dachte an meinen Schwur, ihm den Val« zu «setzen, an Dich, Mutter, unb daß « e» nicht au»halten würbe dort, dort tm Zuchth . , . unb nahm bie Strafe aus mich . . . unb bie Schänd! Niemand sollte e» er­fahren, niemand hat mich gesehen, nut Du. ßlb« sein Mörd« bin ich nicht!'

Mt weit mifgettffenen Augen hatte die Frau ihm zugehört, wie gelähmt stand fle da, seinem Geständnis zichörend. Al» fie endlich bk Sprache wiedergefun­den, bie Arme nach ihm aurstreckte, war er fort.

Dir Witwe Petzolb hat ihr Häuschen im Helmick stäbtchen verkauft unb wohnt nur weit brausten tm Lanbe, btt ihrem Sohne Mattin, welcher sich durch Rechtllchkett unb Arbeitstüchtigkeit eine geachtete Stel­lung errungen. Run sucht fle burch ihre fürsorgliche Liebe ihm jeben Wunsch von ben Augen abzulesen, au» tieft» Dankgefühl für ba» Opfer, welche» et ihrem irregeleiteten Liebling gebracht.

— DaS Katzenauge als Uhr. Von einem ungrt wöhnltchen Hilfsmittel zur Bestimmung der Tage»* zeit erzählen No» LoifirS. Bei einer Reife durch ba» innere China fragte ein Forsch« einen jungen Chinesen, ob es noch nicht 12 Uhr mittags fet. Der Junge blickte zum Himmel empor, aber die Sonne war an diesem Tage durch dichte Wolken verdeckt. D« junge Chinese eitt davon und wenige Augen­blicke spater kehrt et zurück: int Anne hält er eine Katze. „ES ist noch nicht Mittag,' meinte er und wieS dabei auf die Augen der Katze, in dem er die Wimpern mtt den Fingern etwas zurückschob, „über- zmgen Sie sich'. In der Tat zieht sich die Pupille bet Katze immer mehr zusammen, je näher bet Mittag kommt; genau um 12 Uhr steht dann die Pupille als ganz seiner dünner Strich senkrecht im Ange. Dann beginnt sich die Pupille roieber zu erweitern unb wird immer breit«, je näher ba Abend rückt.

— 3m Eifer. Herr: „Johann, ich sagte Dir doch, Du solltest mich sofort rufen, wenn jemand kommt.* — Diener: »Verzeihung, ich konnte den antoiaett Herrn tm ganzen Hause nicht finden.* — Herr: „Du bist eben ein Esel, d« seinesgleichen sucht!*