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36. Jahrgang
Fulda, Donnerstag den 16. Dezember 1009
288
Zweites Wtcltt.
+ ns Initiativanträge
Ausland.
weiter.
«»zrise«: tftt et* fpÄNgt Petitzeile odel. deren Baum 15 Pfg. Bevamendttpelttrekl« 25 ptg., btt wieder- Holungen wird enffpr.
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Botationrdruckund
Die Geschäftsordnung des Reichstage» beKnnnt, »oß die in den ersten 10 Tagen emer neu« Session .eingebrachten Initiativanträge als gleichzeitig eing^ brocht gelten. Auf Grund dieser Bestimmung sind bi» •um 9. Dezember im ganzen nicht weniger al» 118 Initiativanträge eingebracht worden Daß sie -Ute mt Verhandlung kommen konnten, ist ausgeschlossen, Ihre Beratung würde die Zeil einer ganzen Sesston in Anspruch nehmen.
Der Zweck der Anträge konnte ja nun wohl auch darin ersehen werden, daß sie der Regiemng einen besonders dringlichen Wunsch zu Gemute führen folgen. Allein für diesen Zweck eignet sich eigentlich viel besser die Form der Resolutionen, die besonders cm- läßlich der Etatsberatung eingebracht werden. Biet- fach wird als der Zweck der Initiativanträge der trachtet, auf die Wähler draußen im Lande einen guten Eindruck zu machen. Und es ist - B. gar nicht zu bestreiten, daß die große Mehrzahl der stet« zahlreichen sozialdemokratischen Initiativanträge nur diesen Charakter trägt, weil in ihnen Fordemngen auf 'gestellt werden, beren Erfüllung aussichtslos fft, und bei deren Durchführung zudem gerade die Antmg- steller recht oft versagen. Aber von den bürgerlichen Parteien möchten wir allgemein die» nicht annehmen, wenngleich es etwas eigentümlich berührt, daß gerade Nationalliberale und Freisinnige, welche schon heute 'citf die kommenden Wahlen sich rüsten, eine Unzahl von Anträgen mit zum Teil ebenfalls ganz aussichtslosen Forderungen eingebracht haben.
Da» Zentrum hat in diesem Jahre von den großen Parteien die wenigsten Anträge gestellt 'nämlich 7, und eS gehört das fanatische Gemüt des .Reichsboten' dazu, um dem Zentmm vorzuwerfen, es paradiere immer mit seinen alten Lockmitteln, die für Arbeiter und Handwerk einige .Zuckerplätzchen .brächten, die diesmal aber besonders süß ausgefallen seien. Augenscheinlich hat der .Reichsbote' die An- träge des Zentrums gar nicht gelesen, sonst würde er diesen Unsinn nicht haben schreiben können. 'Um so eigenartiger berührt sein Vorwurf, als er so- .fort darauf die „weise Zurückhaltung' der Konser- vativen lobt, die doch 11 Anträge eingebracht haben Bei der Auswahl seiner Anträge hat das Zentrum sich auf Materien beschränkt, die den Reichstag not) nicht beschäftigt haben; zu den Materien, die durch Beschlüsse des Reichstages in der vorigen Session ihre vorläufige Erledigung gefunden haben, will es nicht durch neue Anträge Stellung nehmen, ehe die Ent- fchlrßungen des Bundesrats bekannt geworden sind.
Lis Zentmm darf für sich in Anspruch nehmen, daß es nit seinen Anträgen eine weise Beschränkung hat waten lassen und in ihnen nur solche Forderungen auHesprochen hat, die spruchreif und auS- sihtsooll sind. Wie hoffen, daß ihnen ein gnn- -Ä:s Geschick beschert sein möge.
gesetzt hat.
* Die Studenten der Medizin an der Uni« versität in Athen zogen in Stärke von 500 Mann vor das königliche Schloß um zu erzwingen, daß die wissenschaftliche Leitung eines Krankenhauses der medizinischen Fakultät übertragen werde, da«
Aus dem Rachbargebiete.
* Eiterfeld, 15. Dez. 1909. Die Nachricht, daß das hiesige Basalt werk demnächst den Betrieb cinstellt, weil das Material desselben nicht den An« fordemngen entspreche, trifft nicht zu. Es handelt^sich nicht um Minderwertigkeit im allgemeinen, sonder« nur um eine Ader, von deren Ausbeute ein Waggon von der Eisenbahnverwaltung zurückgewiesen wurde. Infolge der ungünstigen Witterung hat in letzter Zeit wohl eine Betriebsrinschtänkung stattgefunden, an eine völlige Einstellung des Betriebe» wird aber tu keiner Weise gedacht.
* Dermbach, 14 Dez. 1909. Der zum B ü r g e v- meister unserer Gemeinde gewählte erste Belg« ordnete K. Sommerburg aus Borkum hat die Bestä« tigung deS Bezlrksdirektors erhalten.
* Bad Salzschlirf, 15. Dez. 1909. Die Handels lammet Hanau unterbreitete der Königlichen Eisen» bahndtrekäon Frankfurt a. M eine Reihe von Wün« scheu, welche der aufblühende Sturort Bad Salzschlirf zur Verbesserung der Zuganschlüsse speziell mit Rücksicht auf leidende Kurgäste geltend
K Hier Peitsche dort Zuckerbrot.
58 gibt leider Deutsche genug, denen nicht wohl Ist,wenn sie nicht gegen diese ober Jene Gruppe von Mbürgern einen .frischen fröhlichen Krieg' führen fönen.
Lange Zeit hindurch befriedigte der BiSmarckscke Kulturkampf dieses Kampfbedütftli». Als er z, Ende ging, trat derEvangelischeBund het- vr, um auf der Rebetribüne unb in bet Presse die „rgötzliche' Katholikenhetze fortzusetzen. Damit auch de Regiemng und die Gesetzgebung aus dem inner» plitischen Kampf nicht herauskamen, wurde unter iltung de» grollenden Bismarck die Polenver- silgu n g inszeniert. _____
* Den Kriegsgerüchten aus dem fernen Osten, die, wie 'kürzlich erwähnt, einen neuen Zusammenstoß zwischen Rußland und Japan an kündigen, schenkt niemand weniger Glauben
«xstheWiL-ttchrntt Ausnahme der Soun- unb Feiertage. Vierteljährlicher veMrpreir ohne Srtngerlohn und BeftengelbtnSulbafo. wie auswärts 1.50 Bit
vrrantw. Bebakten«
Vortrefflich, Herr Reichskanzler unb Ministerpräsident! Aber, bitte, beachten Sie boch auch selbst blefe Mahnungen unb Warnungen, wenn die Verhältnisse in der O st m a r t in Betracht kommen! Lehnen Sie es ab, jebes Hewortreien von Wünschen ber polnisch sprechenden Bürger als eine Auflehnung zu betrachten und schaffen Sie der Eigenart bieser Be- völlemng, namentlich ihrer Muttersprache, Beachtung unb Berücksichtigung auch seitens der Beamten. Dann wird der Friede bald wieder hergestellt unb zugleich da» Interesse des Reiches und bes Staates in den Ostmarken auf» beste gesichert werden.
Sanftmütig fein im Westen unb Krachschlagen im Osten, da» verträgt sich nicht miteinanber.
„Schwäbische Tagwacht":
„Es ist doch sonderbar, daß der Merkur" durch die Blume den Wunsch ansdrückt, die Sozialdemokratie möge das Rachebedürsnis der National- liberalen beliebigen . . . Zu einem solchen Rachedienst wird sich die Sozialdemokratie nicht ^ergeben.
Das nationalliberale Blatt muß sich also eine Belehrung über politischen Anstand vom Genoflenorgan gefallen lassen.
* Die „blauen Briefe" werden angedroht. In den Refforts des Finanzministeriums und des Ministeriums des Innern sind, wie das „Wesff. Vllsbl.' hört, sämtliche Beamte durch Runderlaß erneut auf die Bestimmungen des Gesekes über die Penfio- n te r u n g der unmittelbaren Staatsbeamten aufmerksam gemacht worden, nach denen Beamte, welche das 65. Lebensjahr vollendet haben, mich ohne eingetretene Dienstunfähigkeit Anspruch auf Pension haben und in den Ruhestand versetzt werden können, auch wenn sie ihre Pensionierung nicht selbst beantragen. Es wird angenommen, daß diese Maßregel' mit den inzwischen eingetretenen Besoldungserhöhungen im Zusammenhang sicht. Bisher sind viele Gesuche um Versetzung in den Ruhestand zurückgestellt wor-
Dtz übrigen Innerkriegerischen Zwischenfälle der letzten Jahrzehnte (Ausnahmemaßregeln gegen b-.e __* —„ * i» . St« sSiÄtian in
Lark Schütter
wochenbeiws-! „Mftrierie Somtagrzeitllng
„Ich möchte davor warnen, jedes Hervortreten elsaß-lothringischen Wünsche wie einen Akt der Auflehnung gegen den Reichsgedanken zu behandeln. Dieses Fest halten der elsaß.lothrmgffchen Bevölkerung an ihrer besonderen Art hat feine Bexech-
klinischen Studien geboten werde. Da eine ae# w alts ame Einnahme deS Kranken« Hauses durch die Studenten befürchte; wurde, besetzte eine starke Polizeimacht das Gebäude, doch die Studenten unternahmen nichts
in mit (5sdu itno >15cm ins ,-uuivivimv i ui» . . . Y . e i
Seit Schücklng sich nicht als waschecht block- Zx sucht die Befürchtungen, die 'N den PeterS-
- - ' ctr- ' hurger Kreisen bestehen, auf jede Weise zu zerstreuen. Da er aber ein berüchtigter Feind Deutschlands ist, benutzt er die Gelegenheit, gleich- zeitig Mißtrauen gegen Deutschland zu säen. In einer Diplomatengesellschaft erklärt er, der Mieden, im fernen Osten sei gegenwärtig durch nichts bedroht. Eine Macht sei jedoch tatsächlich auf jede Weise bemüht in China Unzufrredenhnt gegen die Rusien zu erregen. Iswolski ließ nicht zweifelhaft, daß er damit Deutschland meinte.- Diese geradezu an den Haaren herbeigezogen. Beschuldigung kennzeichnet treffend den Minister,; der sich die Zerstörung des Dreibunds zum Ztev
Verlag der Fuldaer Äk» Srndruckerei i« §ulda m<m°trd«llage! „Hulda« Gefchichtrblatter' r-ni-xch-,«..».
Der Streit hätte sich wahrscheinlich wieder seh» in dir Länge gezogen, wäre er nicht durch ein lautes Klingeln ber Flurglocke unterbrochen worben.
Die von der Frau Proseffor bestellte Friseuse begehrte Einlaß.
Frau Emilie steckte nochmals ben Kopf zur Ture herein. Sie hielt es jetzt fiir angezeigt, einen andern Ton anzuschlagen und rief ihrem Gatten beinahe schmeichelnd zu: „Richt wahr, wir gehen boch heute abenb auf ben Maskenball? Ich werbe mich recht schön machen!'
„Ich habe es Dir bereite gesagt, e» fällt mir gar nicht ein, ich bin durchaus nicht festlich gestimmt', entgegnete Harbten ruhig, aber finster.
„Also nicht einmal bas kleinste Vergnügen willst Du mir gönnen?'
„Rein — ich will nicht!'
Frau Emilie stampfte zornig mit bem Fuß auf „3hm, wir werben ja sehen, wer recht behält!' „Jawohl, da» werden wir.'
„Ich kann doch nun die Friseuse nicht wieder forffchicken', lenkte sie halb bittend ein.
„Tue, was Dir beliebt“1, erklärte er kurz und seine Frau zog sich, bebend vor Wut, zurück.
„Ich glaube, es wäre besser. Du erfülltest den Wunsch ber Mutter und gingst mit', meinte Gerda, nachdem die Türe sich sehr geräuschvoll geschloffen hatte. „Nun gibt es wieder einen neuen Sturm.'
Der Professor seufzte schwer.
„Da» bleibt sich ganz gleich', sagte er finster. „Wenn ich ihr heute den Willen tue, so hat sie morgen wieder etwa» anderes, worüber sie zetert unb schimpft, ba» kann sie nun einmal nicht lassen. Ich passe ja boch nicht hin. Die Frau versteht mich eben ganz unb gar nicht. E? ist ein Jammer, baß wir in keinem Punkte übereinstimmen.'
An jenem Sbenb kam es bei bem armen Professor jedoch zu keiner Arbeit mehr. Al» seine grau einseben mußte, baß ihr Gatte durch nicht» zum Mitgehen zu bewegen war, geberbete sie sich wie rasenb. Sie zerschlug in der Küche Taffen und Teller, um ihrem Zorn Lust zu machen und schimpfte so laut, daß die Mitbewohrwr de» Hause» aufmerksam tour»
Deutsches Reich.
= Die liberale Lehrerschaft von Bremen hat sich von jeher durch Radikalismus ausgezeichnet. Bekannt sind ihre Bestrebungen auf Abschaffung des kirchlichen Religionsunterrichtes in ber Schule. Dieser Tage erst hat bekanntlich der Bremische Lehrerverein an bie Schulbehörde einen Antrag auf Abschaffung der Morgenanbacht gerichtet, weil dieselbe unbebingt christlich-dogmatischen Charakter trägt
unb ber , größte Teil ber bremischen Lehrerschaft bem christlich-dogmatischen Dualismus der Weltanschauung ablehnend gegenübersteht' — d. h.: an einen Gott nicht glaubt! — Die Lehrer im Staate Bremen sind also im Punkte Religion ganz genau so weit wie die sozialistischen Lehrer in ber roten Republik Frankreich. Daß sie auch im Punkte bes P otno= üsm us zum Teil gerabe so weit sinb, beweist der Fall Hotzmeier. . Lehrer Hotzmeier hat im Oktober d. I. in einer Sitzung des Schulkonvents den Prast- deuten ersucht, einige Anträge auf die Tagesordnung zu setzen, von denen bet letzte lautet:
Schattenblume.
ij Originalroman von Irene v. Hellmuth.
Ihre Stimme klang so ganz anher» als sonst, so zuversichtlich, beinahe fröhlich, baß es bem Professor auffiel. (Serba hatte noch nie so gesprochen, sie war immer so mutlos gewesen bisher. Harbten trat rasch an sie heran. Er bemerfte, baß auf ihrem Gesicht ein xeijenbeS Lächeln log, daß ihre tiefen, dunklen Augen leuchtend auf daS gegenüberliegende Hau» gerichtet waren, wo der junge Maler noch immer unbeweglich am Fenster stand. Der eine Blick hatte dem Professor alles verraten. Er wußte, daß in bem Jungen Herzen seiner Tochter die Liebe ihren Einzug gehalten Haiti. Diese Wahrnehmung erschreckte ihn. Denn Gerda war nicht wie andere Mädchen ihres Aller». Sie spielte nicht mit bem großen heiligen Gefühl der ersten Liebe. Sie nahm alles viel ernster al» andere. Unb wenn jener junge Mann nur ein Spiel mit ihr /rieb, wenn er eine oberflächliche Natur war, heute |Me unb morgen jene liebte, bann mußte Serba sehr jinglücklich werben. Harbten beschloß deshalb, über feinem Kinde die Augen offen zu halten.
j Er legte bem Mädchen schmeichelnd die Hand auf bas weiche Haar. Gerda schrak zusammen, wandte sich um, schlang in plötzlicher Aufwallung beide Arme um ben Hals deS Vaters, unb lehnte den dunklen Kops an feine Brust. Dieser glaubte ben Zeitpunkt richtig erfassen zu müssen und fragte rasch, ohne weitere Einleitung, nur von bem Gedanken beseelt, zu erfahren, wie weit die Sache schon gediehen sei: „Liebe» Kind, — sage mal — warst Du heute allein auf dem Kirchhof, — oder hattest Du--Begleitung?'
Gerda hob ras chden Kopf und sah den Vater fta- jgenb an, nur auf ihrem feinen, garten Gesicht lag eine helle Röte.
.WaS meinst Du damit Vater? Ich verstehe Dich Nicht.'
Gerda hob rasch den Kopf und sah den Vater fm» tapfer stand, so baß Harbten einigermaßen in Verlegenheit geriet. Er schalt sich innerlich einen unge
ben, um erst in ben für bie Pensionsberechnung gün-, ftigeren höheren Gehaltsatz zu gelangen. Da aber der Bezug eine» höheren Gehalte» auch einen Anreiz zu längerem Verbleiben im Amte bilden kann, wodurch eine Ueberalterung ber Verwaltung möglich ist, scheint man, wie in einigen Fachblättern ausgefübri wird, die Bestimmungen über die Altersgrenze in stärkerem Maße zur Anwendung bringen zu wollen. Uebngen» besteht im Finanzministerium für bie Zoll- unb Steuerbeamten schon feit Jahren die generelle Ver- fügung, daß Beamte, bie bas 65. Lebenszahr vollendet haben, nur mit ausdrücklicher Genehmigung be8 Mi» I nisters im Dienst bleiben dürfen Auch im Ressort de» Eisenbahnministers wird den über 65 Jahre alten Beamten des Büro- wie des gesamten äußeren Dienstes demnächst ein gleiches Schreiben zugehen.
ben. Flüsternd standen ein paar Dienstmädchen auf bet Treppe beisammen und tauschten lachend ihre Meinung aus. Die schöne Frisur der Frau Professorin war an diesem Abend umsonst gemacht worden.
II. . ■
Es ließ sich nicht leugnen, daß mit Gerda eine große Veränderung vorgegangen war. Ihr Gang schien elastischer, ans ihren Augen leuchtete ein warmer Sonnenstrahl und sie ertrug bie Schimpfereien der Stiefmutter viel geduldiger als sonst. Der Professor bemerft da» alles, denn er war in der letzten Zeit ein aufmerksamer Beobachter geworden. Er kannte auch ben Grund dieser Veränderungen, wußte er boch, daß fein Töchterchen wirklich in den jungen Maler verliebt war. E» wurde dem Vater zwar herzlich sauer, auSzukundschaften, wo und wann Gerda mit bem jungen Manne zusammentraf — beim daß es geschah, stand fest — aber endlich gelang es ihm boch. AIS Gerda einmal gegen Abend zu ihm in» Zimmer trat mit dem Bemerken einiges besorgen zu müssen, unb als gleich darauf cht teil,ter Tritt auf ber Treppe verklang, da nahm Harbten rasch entschlossen Hut und Mantel, und folgte der Tochter unbemerkt au» geringer Entfernung. Sie durchschritt rasch einige Straßen, bann verlangsamte sie den Gang unb es bauerte gar nicht lange, ba kam von ber anderen Seite der Straße eilig eine hohe schlanke Gestalt im langen Mantel, ben Hut tief in bie Stirn gebrückt. Der Mann ging gerabetoegS auf Gerda zu, unb weil just in bem Augenblick dicht neben bem Pärchen bie Laterne angezündet wurde, so konnte der Professor bemerken, wie der Mann bie Hand des Mädchen» rasch und verstohlen an seine Lippen führte unb bann eifrig unb lebhaft auf dasselbe einsprach. Langsam wandelten sie dahin. Was sie mit einander sprachen, konnte bet Lauscher freilich nicht verstehen, aber e» war nicht schwer zu erraten. Manchmal drang ein helle» Auflachen Serba» an das Ohr des Professor» und bas »ar etwas so seltsames bei dem stillen ersten Mädchen, baß es bem Zuhörer dabei ganz warm um» Herz wurde. Unwillkürlich lächelte er leise vor sich Inn: „Gott erhalte Dir Dein Glück, mein liebe» Sinb', flüsterte er bähet. (Forts, f.)
schickten Toren, der mit täppischer Hand ein noch unberührte» Geheimnis an» Tageslicht zog. Er begann deshalb etwa» zögernd: „Ich denke, ich brauche Dir da keine lange Erklärung zu geben. Die Mutter machte mir» nämlich vorhin einige Andeutungen, — al» ob ba drüben ein junger Maler wohnte, — der zu gewissen Zeiten angelegentlich herüber zu meinem Töchterchen spähe, — und da ich ihn vorhin, — ehe Du kamst, drüben in» Hau» treten sah, — so dachte ich — —'
„So dachtest Du natürlich gleich, wir wären zusammen Gott weiß wo herumgelaufen —' vollendete Gerda mit blitzenden Augen. Es fehlte gerade noch, daß die Mutter mich bei Dir anschwärzt! Da» werde ich mit ganz energisch verbitten!'
Sie wollte zur Türe stützen, doch der Vater vertrat ihr den Weg.
„Halt, mein Kind', sagte er ruhig, „nicht so. Da» führt nur zu neuen Unannehmlichkeiten. Bei mit kann Dich niemand verdächtigen, da» weißt Du! Ich kenne doch meine Serba. Ich weiß ganz genau, daß Du nicht» tust, roa» sich nicht schickt; ich bitte Dich beschwöre nicht wieder eine neue Szene herauf! Man kommt ja so wie so kaum zur Ruhe!'
Soll ich ä mir gefallen lassen, daß sie übet mich tuschelt unb klatscht? Ich habe e» wohl bemerft, wie sie mit dem Dienstmädchen der Frau Grubet vethan- dette. Ich weiß, daß ihre Unterhaltung sich um mich drehte, denn sie schwiegen beide plötzlrch, al» ich vorüber ging! O. e» ist unerhört!
Der Professor suchte die Aufgeregte zu beruhigen, al» draußen an die Tür geklopft wurde. Gerda fuhr erschrocken zusammen; ber Proseffor ging ben Riegel zutückzuschieben, und in demselben Augenblick kam seine Frau mit hochrotem Kopf herein.
„Nun habe ich e» aber satt! schrie sie noch auf der Schwelle „Keinen Streich hat die Prinzessin heute getan, alles muß ich allein beforgen! Ich dulde sie nun nicht mehr länger tm Hause, sie soll mir au» den Augen —'
„Darüber habe ich allein zu entscheiden', sagte Harbten, einen bittenoen Blick auf Gerda werfend und ihr Schweigen gebietend.,
nT>L;rtnnüi6eraie Sozialvemokraten und der Erb- mit den Studenten ausgiebigere Gelegenheit zu prinz von Hohenlohe. Die RationaNiberalen finb • ahnten «erbe. Da eine GW
Über den Eintritt des Erbprinzen von Hohenlohe in das Präsidium deS Reichstages so erbittert, daß der „Schwäbische Merkur' die Erwartung aussprach, den Sozialdemokraten werbe es ein brabollsches Vergnügen machen, ihm seine Amtsführung zu effchwe- ren Darauf antwortet bie fozialbemokratische
Der i „68 soll verboten fein, bet sogenannten patrio- pi, tischen Festen ben Lehrer zur heuchlerischen
Sozialbemokratie, Kämpfe gegen die Distten in der ober indirekt zu zwingen, bte seiner ®e>
Rorbmark und gegen angebliche und wirkliche Fran- ^nritmg zuwiderlausen.' . Q ,
Ein« in ber Westmarf) haben längst nicht ben Um- Wegen dieses Antrages hat der Senat den Lehret ang ober bie Dauer erreicht, tote sie leibet bet Anti- ^huieier in DisziPlinatuntersnchung gezogen weil Polenpolitik bisher beschieden wat. In der neuesten e° fld) Mitglied beS Schulkonvents verächtlich Äer Hera hat sich sogar bieser Kampf besonbers schaff zu-1 bic vaterländischen Schulfe.em geäußert habe, indem aeftritt in der Maßregelung ber Lehrer und Beamten n ol3 jogenannte patriotische Feste bezeichnete, von KattoWitz, bie da glaubten, sie dürften einen ^ß er die Schulbehörde beleidige mdem er behaup- volnisch sprechende-n loyalen Katholiken für etnen te£ bte Zehrer würden zu heuchlerischer Betätigung )e(feren Abgeordneten halten, als einen Verehret deS .J0n Ansichten, Gesinnungen und Gefühlen gezwungen. Anarchisten Fetter. Und diese harte Maßregelung er- = Schütting, der frühere Bürgermeister von
folgte, nachdem die Polnische Fraktion im Reich-tag<: n^/tourbe ein Jahr lang von der gesamten frei,
ich erfolgreich an ber Steuerbewilligung beteiligt I .V ' P^sse als ein Muster liberalen Freimutes jatte und nachdem innerhalb ber polnischen Wrter die » Märtyrer seiner liberalen Ueberzeugung ge- g-mäßigte staatstreue Richtung ben Sieg über den Disziplinierung Schüttings wegen seiner
polnisch-nationalen RabikaliSmus errungen hatte! «Schriften über die preußische Verwaltung galt ihnen
In seiner letzten Reichstagsrebe hat nun ber I ' ba3 Anzeichen schwärzester Reaktion Herr Reichskanzlet in seiner Rede über bie elsaß-lothting- Zchücking wäre beinahe in Landsberg-soldm iweraler iMien Angelegenheiten eine friedlich unb freundlich Reichstaaskandidat geworden, wenn er sich nicht un- geftimmte Rede gehalten. Ohne der Regierung ober vorsichtigerweise als Anhänger bet .Demokratischen
h» 8MM s’Ä Stak Di- mtenblg« Sg 1 ®,tt «IS w-ich-cht btzsl»i. »•< >» dm Pein»
Wamungen unb Mahnungen würben sozusagen in MxM erwiesen hatte, war das Interesse für ben Fa väterlichem Tone gegeben. Das ist recht schön; aber1----- - • — —
noch schöner wäre es, wenn der Reichskanzler und Ministerpräsident auch an die O st m a t k eine Ansprache in demselben versöhnlichen Geiste unb derselben väterlichen Erziehungsmethode richten wollte. In Bezug auf die Westmark sagte der Reichskanzler:
Schütting bei ben Liberalen erloschen. Neuerdings hat Herr Schütting den Berliner Oberburgermefftet Kirschner angegriffen, weil dieser al» Vorsitzender des preußischen Städtetages in den Tagen von Schuckmgs Disziplinieruna den Minister des Innern von Moltke gefeiert habe. Die liberale Presse veröffentlicht nun einen deswegen zwischen Kirschner unb führten Briefwechsel, und bie freisinnige „Vossffche Zig." knüpft daran folgenbe Bemerkung:
:' Herr Schütting beweist in seinen völlig un- mng an lyirt vi| *••• --— I begründeten Ausfallen gegen den Oberbürgermeis er
tigung, und es kann nur den inneren Frieden des Mrschner denseiben Mangel an Sachlichkeit und Un- Lande» sördem und die vorhandenen Gegensätze aus- vefangenheit, der schon bei seiner früheren Tätigkeit gleichen, wenn diese Eigenart auch von den Ginge- U »btn entschiedensten Freunden der Seibstverwai. wanderten berücksichtigt und beachtet wird. machte, mit der «rrti! der Schieshertei,,
Irrtümer und Ueberlreibimgen in den Schriften de» Herrn Schücking zurückzuhalten, solange sein Prozeß schwebte."
Das ist ein rundes Geständnis, daß die liberale Presse ihre Kritik nach liberalen Parteirücksichten em-