erscheint täglich M Aurnahme der So.m- tutb Leiertage- viertel- jährliche«v«tngrprelr ohne Vringrrtöh« und vestelgeldinLuldass» vie auswärts l-SOMk.
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36. JahrgattM -
Fulda, Donnerstag den 16. Dezember 1909
288.
Kustes
Deutsches Reich
Braunschweig, 15. Dez. 1909. Heute mittag tn herirtftitrtim ßrfilnft 2 Rioiltwuunß des
bei dem svruck
Frage der Autonomie Elsaß-Lothringens gegenwärtigen Reichskanzler leinen Wider» finden."
Man kann sich mit dieser offiziösen Erläuterung der Rede bei Reichskanzlers wohl zufrieden erklären. Wir sind der Ansicht, daß tatsächlich an den leitenden Stellen die Geneigtheit dazu besteht, an die Umwandlung E lsatz»L othrin genS in einen Bundesstaat zu denken, einfach deshalb, weil auf die Dauer der gegenwärtix! Zustand des Reichs- faibeS unhaltbar ist. Und mri darf sagen, daß die Entscheidung über die Frage, r inn Elsaß-Lothringen die Autonomie erhalten soll, jcft ganz eigentlich»in die Lände der Elsaß-Lothringer -elbst gelegt ist Das beißt zunächst, daß alle Ausschreitungen mit sranzo- scher Tendenz vermieden werden muffen ^en einzigen Erfolg würden diese nur darin haben tonnen, die Widerstände gegen die Herstellung der Autono-
onenmajen «igung « « v 7 ä^v„a i
sprechung ab über die Finanzlage deS Landes, die Steuererhöhung und die Staatsschuldentilgung, worauf sich das Haus bis auf weiteres vertagte.
* Karlsruhe, 18. Dez. 1909. Nachdem de- bisherige Zweite Vizepräsident der Erste« Kammer, Frhr. v. Rüdt, kürzlich gestorben ist, hat der Großherzog den Vertreter des grundherrlichen Adels, den Grasen Raban v. Helm/ stadt, in das Präsidium berufen. Er tst katho# lisch und dürfte politisch dem Zentrum zuzurechne« sein; in der Oeffentlichkeit und auch m de-
Die slavische Union hat gestern beschlösse«, die Obstruktion fortzusetzen und hatte um die Mittagsstunde 40 Dringlichkeitsanträge dem PrA fibenten überreicht. Die Tätigkeit beS Parlaments ist dadurch wieder völlig lahmgelegt worden. Daraufhin vereinbarten nun die Obmänner der arbeitswilligen Parteien, der Deutschen, Pole« und Sozialdemokraten, die nächste Sitzung überhaupt nicht zu schließen und als Dauer- f i tz u n g zu erklären. Die Sitzung soll auch währen» der Weihnachtsfriertage bis Silvester bauern.: Durch diese Dauersitzung soll der Bevölkerung vor Augen gestellt werden, durch wessen Schuld die fortwährende Verhinderung der parlamentarischen Tätig» leit verursacht, die rechtzeitige Erledigung deS Bud- getprooisoriunis und deS handelspolitiscben Ermiuv»
(Beifall im Zentrum.)
Abg. Bogel (ntlb.) widerspricht den Ausführungen des Vorredners.
Abg. Sachse (Soz.): Es ist kein Wunder, daß die Arbeiter im Ruhrrevier nach früheren Vorgängen vom tiefsten Mißtrauen gegenüber dieser neuesten geplanten Maßregel erfüllt sind. So schwere Anschuldigungen können doch nicht so einfach abgetan werden, rote es die Abgg. Fuhrmann und v. Dirksen getan haben. Wir Haden bis jetzt den Streik noch zu verhindern vermocht, aber wir werden ihn nicht verhindern können, wenn keine reichsgesetzliche Regelung deS Arbeitsnachweises erfolgt.
Staatssekretär Dr. Delbrück: Vorläufig läßt sich noch nicht sagen, in welchem Sinne die von den Zechenbesitzern geplanten Arbeitsnachweise gehandhabt werden. Stellt sich nach ihrer Inbetriebnahme heraus, daß sie gegen den § 113 der Gewerbeordnung verstoßen, o wird die Regierung keinen Augenblick zögern, ein« »»schreiten.
Nach einigen persönlichen Bemerkungen werden zwei vom Zentrum und den Polen eingegangene Jn- terpellationen betr. Beamt en Maßregelungen rn Kattowitz zur Vorlesung gebracht.
Präsident Graf Stolberg schließt die Sitzung mit dem Wunsche eines fröhlichen WeihnachtS- festes.
Nächste Sitzung: Dienstag, 11. Januar. Tagesordnung: Interpellation bett. Maßregelungen tn Rattoroitz, Gerichtsverfassungsgesetz.
D Die Selbständigkeit Elsaß!
Lothringens.
* Kattowitz.
Auch die polnische ReichstagSfraktioÄ hat wegen der Kattowitzer Vorgänge eine Jnterpella? tron im Reichstage eingebracht.
Zeitungsmeldungen zufolge ist zwei Lkttttir schullehrern in Kattowitz im Auftrage der Regierung zu Oppeln die Eröffnung von ihrer, demnächst erfolgenden Versetzung von Kattowitz gemacht worden, weil sie für die polnische Kandidaten gestimmt haben. Fünf Postasfistente« wurden auS demselben Grund m kleine Städte bei Regierungsbezirks Breslau versetzt. !
Ausland.
* Dauersitzung im österreichischen Parlament.
mie zu stärken. .
Aber es wird noch ein weiteres zu verlangen sem. ES genügt nicht, wenn bie Elsaß-Lothringer die F°p derung oer Autonomie erheben; es ist an ihnen, auch darzutun, in welcher Form sie hergestellt werden solle». Nach Zeitungsnachrichten hat die liberale Landespartei Elsaß-Lothringens sich bereits mit der Frage befaßt und sich einstimmig für die Erhebung des Reichslandes zum selbständigen Bundesstaat ausgesprochen, wobei die Republik als die geeigneffte Regie- runassorm bezeichnet wurde, wahrend die Dynastie einen Rückschritt bedeute. Es kann nun gar kemem Zweifel unterliegen, daß bie Einrichtung einer Republik in Elsaß-Lothringen schlechthin ausgeschlossen ist. Mit der Einrichtung einer monarchischen Regierungsordnung werden die Elsaß-Lothringer sich abfinden muffen. Man geht wohl nicht fehl, wenn man gerade diesen Punkt als den wichtigsten Teil der Garantien" bezeichnet, von denen Herr v Beth- mann-Hollweg im Reichstage gesprochen hat.
Wir glauben Grund zu bet Annahme haben zu dürfen, daß man in Berlin darauf wartet, daß von elsaß-lotbringischet Seite ein Weg gezeigt werde, tote die Selbständigkeitsbestrebungen verwirklicht werden können Wir möchten den Gedanken zur Diskussion stellen,'daß sämtliche Vertreter Elsaß-Lothringens rm Reichstage zusammen mit dem Landesausschuß em Programm zur Durchführung der Autonomie in Elsaß-Lothringen entwerfen. Es würde bann offiziell an den Bundesrat mit der Bitte herangetreten werden können, unter den vorgeschlagenen Bedingungen Elsaß-Lothringen in die Reihe der vollberechtigten Bundesstaaten aufzunehmen.
Präsident Graf Stolberg: Sie dürfen nicht sagen, daß ein deutscher Bundesstaat ein unanständiges Wahlrecht habe.
Abg. v. Naumann: Nun, ich kann auch sagen, in .einem Staate mit einem derartigen Klafsenroahl» »echt, in einem Klassenstaate ist ein paritätisches Verfahren der Verwaltung unmöglich. Wird der Arbeit-. Nachweis obliaatorffch, so muß er unbedingt auch pari»
Wie pellen wir unS zum Gelübde der Armut? UnS erscheint eS als pure Heuchelei. Und wen«, Loyola seine letzten Kupfermünzen und soyar fem. ein Schwärmer, der sich die stärkste Energie dienstbar macht: Sine große unheimliche Gestalt.
Wie urteilen wir über diese geistigen Uebungen? Wir betrachten sie als »ine barbarische Sntroürdtgu^ der Religion Jesu. ES tst em unglaublich rotbet* liches Wühlen irn Rohen. Dies. Uebungen sirid, eine fürchterliche Dressur d er menschliche« Seele .. . Diese Hebungen ftnb Erbrech en, sie find Geistesmord. Der Jesuit hat keinen Willen, hat kein Gewissen .. Er ist Sk lav e der n i ed rigsteu, Art geworden, denn er hat feine Seele verkauft Wir Protestanten sind hier in eine ft-mde Welt gekommen, wir sind in die dunklen Jahre deS Mittelalters wieder, hinabgestiegen, und Ignatius von Loyola erscheint alS verirrtes Gespenst dieser Zeiten.... Die J-suttM brachten die Beichtstühle in die Kirchen. Dies# Beichte ist die Herrschaft deS KleruS über die Menschen...» Loyola hat einst einer spanischen Nonne geschrieben t Macht euch nichts aus den schlimmen, unkeuschen uni sinnlichen Gedanken, wenn sie wider Euren Wtllen enk stehen. . . Diese Berechnung, durch beispiellose Lauhe« gegenüber christlichen Forderungen, dte Seelen für 6« Kirche zu gewinnen, erscheint unS durch und durch unchristlich und unsittlich. . . Wir schaudernvorde^ Abgrunde. Wir schaudern vor der Iefuiten* moral. Sie verdirbt den Menschen. Und> wenntrobt den Jesuiten auch heute noch von der Sette anblicken als einen, dem man nicht trauen darf, als einen sitt lich Unsauberen, so verdankt er daS der Moral, netn Beichtstühle.
Wie urteilen wir nun über den Katholizismus^ Er ist eine Religion für Unselbständige, für solche, btf nicht selbst gehen können, für Unmündige, für Sklaven. Eine Religion, die tm Aeußerltchen und Sichtbaren stecken geblieben ist, ja im Heidnische» und Unchrtstlichen.
In Dresden wurde es katholisch. Zwischen Schloß und Elbe wurde ein riesiger Platz umplanktz ein neues Gebäude entstand, die katholische H s, kir che mit ihren vielen Heiligen aus Sandstein, unter ihnen der hl. Ignatius. Und nun kamen dte Jesuiten und lasen Messen an den vielen Altären und höttttk Beichte. Und es kamen römische Maler. Sänger, Schauspieler, und mit dem welschen Glauben s welsches Lasterleben ein, Bölleret und Trunk, Ehebruch/
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Herzog-Regenten statt, an der sich unmittelbar die kirchliche Trauung tm Dom anschloß., DaS Katser- paar wohnte den Festlichkeiten bet. Der Kaiser verlieh eine Reihe von Ordensauszeichnungen; u. <u erhielt der Herzog-Regent Johann Albrecht da» Kreuz der Großkomture des Hausordens von Hohen« zollern, seine Gemahlin, Herzogin Elisabeth wurde mit dem Luisrnorden mit der Jahreszahl 1813/14 ausgezeichnet. Der Herzog-Regent gab einen Amnestie-Erlaß bekannt, wonach allen von braur^ schweigischen Behörden zu Haft oder Geldstrafen Verurteilten die Strafe erlassen wird.
tättsch sein. Aber die Aussichten sind in Reser Hm- Icht schlecht. Die Gefühlswelt unserer Minister ist auf \ olche sozialen Ausgaben nicht eingestellt. Der Staats- < «kretär hat zwar von der armen Witwe gesprochen, , >te irgendwo an einem Aktienbergroerksunternehmen beteiligt ist, aber von den zahllosen Armen, die die bitterste , Not leiden, wird nicht gesprochen, das sind eben die Plebejer, um die man sich nicht zu kümmern । braucht. (Rufe rechts: Unerhört l und lebhafte Unruhe; lärmender Bestall links. - «ine Frau ruft von der Zuschauertribüne in den allgemeinen Lärm hinein: Ich bin Witwe mit sieden Kindern, mein Mann ist auf der Zeche verunglückt, und ich kriege nichts l - Ihre Worte neben zum Teil in der allgemeinen Unruhe verloren. Die Frau wird von den Tribünendienern herausge- brachtt Sie gibt an, die Witwe eines Obersteigers zu sein, der aus der Zeche „Borstg" in Oberschiesten ver- mtglüctt sei.)
Staatssekretär Delbrück: Auch wer nicht so eingehende Studien gemacht hat, wie Herr Naumann wird zu der Auffassung kommen, daß sich seit 1869 mancherlei veränoert hat. Auf Grund des § 152 der Gewerbeordnung find die Arbeiter dazu gelangt, sich gewerkschaftlich zu organisieren unter einer schranken- tfen Freiheit. (Lachen bei den Sozialdemokraten. Rute: Maschinengewehre!) Daß die Koalitionsfreiheit auch zu erheblichen Mißständen geführt hat, ist klar.
habe nicht gesagt, daß die Gewerbeordnung 1869 fas Joeal der Gesetzgebung ist. Ich habe erklärt, daß sich die Verhältnisse wesentlich geändert haben. Man soll sich aber hüten, an der Koalitionsfreiheit zu rütteln. Auf Grund eingehender Prüfung bin ich zu der Ueberzeugimg gekommen, daß der Zert« psinkt für eine zwangsweise Einsührung des parttä» tischen Arbeitsnachweises nicht gekommen ist. Wir werden uns aber bemühen, demselben immer mehr Boden zu schaffen, vor allen Dingen die Kluft zwischen Arbeitgebern und Abeitnehmern zu Überbrucken suchen. Es ist nicht recht, die Schuld an den Mißständen den Arbeitgebern allein zuzumessen. Ich habe rnr betont, daß die kleineu Kapitalisten geschützt werden muffen. Ich habe auch mit Arbeitern verhandelt. Dre Kluft »vischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu überbrücken, muß allen Parteien und der Regierung am Herzen liegen. Wenn alles getan wird, um die friedliche Auseinandersetzung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu fördern, dann wnb das gewiß zum
■ sozialen Frieden und zu einem guten Verhältnis zwischen
. Heiden Parteien führen. (Beifall rechts).
; Aba. Schirmer (Ztr.): Die Arbeiter haben be- ! gründete Besorgnis, daß das Statut des Arbettsnach- . weises nicht nach feinem Wortlaut gehandhabt werden t wird. Dazu hat man bisher zu üble Erfahrungen imt > den Ünternehrnerverbänden gemacht. Von Vertretern i der Großindustrie ist offen erklärt rooiben, daß man ; die Arbeiter durch die Zentralisation des Arbeitsnachweises, wie eS am 1. Januar zur Durchführung kom- men wird, in ein Abhängigkeitsverhältnis bringen will. Es handelt sich nicht blos um die Bergroerksmdustne, sondern auch um alle anderen Gefaete der Industrie. Der Arbeiter verliert durch die zentralisierten Arbeitsnachweise jede Freiheit. Er kann nicht mehr dort hingeheu, wo er Arbeit nehmen will, er inbet nur dort Arbeit, wohin ihn die Unternehmer verweisen. Das ist ein systematisch ausgearbeiletes System der schwarzen Liste. In Württemberg und Bauern haben die Unternehmer es offen zugestanden, daß sie mit dem obligatorischen Arbeitsnachweis sich eine gute Waffe gegen die Arbeiter schaffen wollen. Nur eine gesetzliche Kontrolle kann uns tue Garantie geben, daß der Arbeitsnachweis von den Unternehmern loyal gehandhabt .wird. Die ganze Frage des Arbeitsnachweises ist so wichtig, daß sowohl im Interesse der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer eine gesetzliche Regelung unumgänglich ist.
Die Red« de» Reichskanzler» über >te Verhältnisse in Elsaß-Lothringen ist an einigen Stellen so aufgefaßt worden, als ob Herr v. Bethmann der Autonomie von Elsaß-Lothringen ablehnend ent- gegenstehe, «nd die Regierung in absehbarer Zett nicht geroiltt sei, den darauf gerichteten Wünschen der Elsässer z« willfahren. Hierzu bemextt em offiziöses Telegramm de, ,Röltt. Ztg/:
Diese«uffaffungd ctrf alS durchaus irrig bezeichnet werden, und Herr v. Bethmann hat sicherlich diesmal genau daS gemeint, waS er sagte. Tatsächlich könnte eS der Regierung nur erwünscht sein, wenn sie eine alte Forderung der Elsaß-Lothringer erfüllen und damit einen dauernden Anlaß zur Unzu- sriedenhett au# dem Wege räumen könnte. Der gute Wille dazu besteht, und er wäre vielleicht auch sckon der Aussüdrung recht nahe gerückt worden, wenn nicht immer wieder emzelne Rückfälle in eine den Interessen deS Reichslandes schädliche Taktck eine weitere Hinaus« schiebung veranlaßten, ro.nn man auf Grund reiflicher Prüfung za der Ansicht kommen follte, daß eine ruhige Entwicklung ohne Zwischenfälle, die an sich nicht sehr wichtig aber doch verdrießlich sind, zu erwarten ist, dann wird die Frage der Autonomie Elsaß-Lothringens
Abg. Fuhrmann (natl.): In der Hauptsache hau- - beit eS sich darum, die augenblicklich im Ruhrremer , herrschende« ungesunden Verhältnisse des Arbeit#« marttes zu verbessern. Der geradezu ungeheure Arbeiterwechsel aus den Zechen ist sowohl für die Zechenbesitzer al# auch für die Arbeiter mck mancherlei Gefahren verknüpft. All' diesen Uebelständen will der ZwangsarbeitsnachweiS abhelfen, da die biShengen paritätischen Arbeitsnachweise nicht paritätisch ««en, sondern sich bei Streiks auf die Seite der Arbeiter stellten, und von den Arbeiterorganisationen als Kampfmittel benutzt wurden. Uebrigens müssen wir erst abwarten, wie diese Arbeitsnachweise gehand- habt werden, dann ist e# immer noch Zett für gesetzgeberische Maßnahmen. Hüten wir un#, durch eine allzu schematische und formalistische Gestaltung unserer Sozialpolitik die Arbeitsfreudigkeit und Unternehmungslust unserer Unternehmer zu lähmen; den Schaden werden doch in erster Lime die Arbeiter zu tragen haben. (Beis. b. d. Natl.) __
’ Abg. Manz (fteis. Volksp.): Durch die Errichtung derartiger einseitiger Zwangsarbeltsnachweise wird die leider bestehende Kluft zwischen Arbeitgebern und Arbettnehmern vertieft und erweitert. Die Arbeiter faaen sich mit Recht, daß das heimliche Verfahren dieser Zroangsarbeitsnachroeise sehr leicht zu einer Kontrollierung und Kennzeichnung der einzelnen Arbeiter, womöglich wegen ihrer politischen Betätigung und Gesinnung, sühren kann. Ich hoffe, daß bet Staatssekretär die Entwicklung der Dmge genau verfolgen und wenn nötig, mit der Gesetzgebung einschretten wirb. Wir halten es aber nicht für richtig, fetzt mst einem Schlage daS ganze Land mit einem Retz paritätischer Arbeitsnachweise zu überziehen.
9 Slbg. v. Dirksen (Rp.): Nach den Ausführungen «s Ministers kann kein Zweifel mehr bestehen, daß der stechenverband gesetzlich berechtigt ist, seinen Plan tuszusühren. Die Annahme, daß die Einführung des Som Zechenverbande beabsichtigten Nachweises üble Folgen nach sich ziehen werde, ist gänzlich unhaUbar. Die^ Sozialdemokratie wünscht nur ;ede Gelegenheit wahrzunehmen, um gegen den Arbeltgebernachroeis einen Arbeitsnachweis durchzudrucken, der dm Einfluß und die Macht der Geroerkfchasten erhöht. Ww haben zu der Regierung das Vertrauen, daß sie einschrettet, wenn es wirklich angebracht ist. Vorderhand hegt baut aber nicht der allermindeste Anlaß vor. Wir lehnen daher ein gesetzliches Eingreifen unter allen Umständen ab. (Beifall recht».)
Abg. Kulerski (Pole): Der Zwangsarbeitsnachweis geht dahin, die Arbetter in Abhängigkeit von den Unternehmern zu bringen, das gesetzlich gewährleistete Koalitionsrecht der Arbeiter zu beschränken, dem Arbeiter die freie Verwendung ferner Arbeitskraft zu schmälern, kurz, den Arbeiter zum J»duftrieskl aven zu machen. Die Ausführungen des Staatssekretärs waren denn doch zu lau; er hat sich etnfeitig auf den Standpunkt der Unternehmer gestellt. Wir aussen verlangen, daß die Regierung aufs energischste einschrettet. (Beifall bei den Polen.) „ ...
Abg. Behrens (wirtsch. Bgg.): Es ist gar mcht abzustreiten, daß unter der Bergarbetterschaft des Ruhrreviers ob ver Einführung der 3w»»8^bettsnachweise eine gewaltige Aufregung herrscht. Der Arbeitsnachweis müßte ein paritätischer fern, m dem beide Teste. Arbeitgeber und Arbeitnehmer glerchberechtfa sind Für die christlichen Gewerkschaften darf ich ebenfalls sagen, daß sie die Arbeitsnachweise rne ju politischen oder agitatonschm Zwecken mißbraucht haben. Wenn nun die Großindustriellen die Arbei s- nachweise an sich reißen wollen, so sehen die Arbeiter bann nicht mit Unrecht eine Einschränkung der Geich- berechtigung. An den zahlreichen Konkraktbrüchen sind die Zechenverroattungen doch selbst schuld, indem sie nach Polen, Galizien usw. Agenten senden, die die faltigen Arbeiter mit glänzenden Versprechungen nach dem Ruhrrevier locken, Versprechungen, dte dann nicht gehalten werden. Damit der Arbeitsnachweis weder Kampfmittel noch Kampfobjett sei, ist etne gesetzliche Regelung der ganzen Frage notwendig. (Beifall.)
abg. Dr. Naumann (frf. Bgg.): Der Staatssekretär hat sich in feiner gestrigen Antwort auf den Stand- puntt der Gewerbeordnung von 1869 gestellt, während doch die Berhältniffe unterdessen ganz andere geworden sind. Heute handelt eS sich nicht um die Fertigmdustrle, sondern um die Kohlenindustrie, die durch das Kohlentontor die Arbeitsverhältnisse regelt und so unter dem Deckmantel von Einzelverträgen sich ein mächtiges System erobert hat. Da die Kontrakte zum großm reit mit polnischen Arbeitern abgeschlossen werden, die den in deutscher Sprache abgeschlossenen Vertrag mcht verstehen, kann man sich über häufigen Kontrattbruch Nicht wundern. Der Staatssekretär findet daS Statut des Zechenarbeitsnachweises harmlos. Statuten sehen »eist harmlos aus. Aber eS kommt darauf an, was sie über ihren Wortlaut hinaus bezwecken und wie sie uusgeführt werden. Früher, wenn es sich darum Han- bette, Vereine aufzulösen, hat sich bteJRegterung doch ,uch nicht lediglich an den Wortlaut bet Statuten ge- Balten, sondern sie bat gefragt: Was wird durch die Statuten tatsächlich verdeckt? In der Praxis wird die Sache so kommen, daß durch diesen Zwangszentral« Nachweis die Gewerbefreiheit der Bergarbeiter einfad) zugrunde gerichtet wird. Lassen Sie den Apparat nur fünf Jahre lang arbeiten, dann werden Sie daS Geschrei der Armenverroaltungen, denen die arbeitslos gewordenen Arbeiter zur Last fallen, hören. Der Zwangsarbeitsnachweis bedeutet die Einsührung deS Systems der Personalatten, aber in bet Form, daß eS gegen sie keine Berufung, keine Instanzen, ja nicht einmal eine mündliche Verhandlung gibt. Für die Arbeiter gibt es keine Rettung, wenn nicht bet Staat eingreift. Der Staatssekretär hat bie Sache Nach Preußen verwiesen. Ja, wenn sie nach Preußen verwiesen wird, so wirb sie in ein merkwürdiges Land verwiesen. (Große Heiterkeit und Zustimmung links.) In einem Staate mit einem so unanständigen Wahlrecht. (Große Unruhe recht#, Beifall Link#.)
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 15. Dezember 1909.
Der Nachtragsetat wird in dritter Lesung nach kurzer Auseinandersetzung angenommen. — Daraus sährt da« Haus fort in der Besprechung der
ArbeUSnachweiS-Jnierpellationen.
Diese Belehrung wagt man zu f^ibe» Belehrung von Schulkindern! Muß dr einem nicht leid tun um die zarten Kmderseelen, di« mit solchen Produkten fanalen dazu noch so jämmerlich unwissenschaftlich sind, abg«*’ speist, ja vergiftet werden! Wir wollen un»' inhaUlick mit den Ausfällen de» Verfassers mckt beschäftigen, denn sie sind ebenso ein trauriges BeA -spiel konfessionellen Fanatismus rote profaner unO- religiöser Unwissenheit. Ein gut unterrichtete»
' " * Berlin, 15. Dez. 1909. Dem früheren Hilfsarbeiter im Reichsschatzamt Dr. JulmS Lisin er der bekanntlich an den Arbeiten für i religiöser unroinengen. »u.1
di?Tabaksteuer hervorragenden Anteil hatte, ist katholisches Schulkind erk enut hr $u<1j der Charakter als Geheimer Regrerungsrat ver- l.che H? ^'gkeit s d %er neue' SÜSÄÄ 30. JE- -in.
Gültigkeit des am 31-Dezember IMO ablausen- ber^fe^ werden. 1909i Die hessisch«'
den drutsch-schwedlschen Handelsver« g -teKammer hielt heute nach einer kurzen träges bis zum 1. Dezember 1911 verlängert Ä-^tlichen Sitzung eine vertrauliche Be«? worden. rr „ IJ ' ■ --- --
er Im Reichstag herrschte gestern Fer,enstlm- muna. Man sah viele Abgeordnete, die nicht da sind, man sah auch manchen, der sich schon während der Sitzung von seinen Freunden und Nachbarn verabschiedete. Die Beratung ließ nichts desto weniger an heftiger Erregung nichts zu wünschen übrig. Es handelte sich um die Besprechung der Interpellationen über den ZentralzwangKarbeitsnachweis m Ruhrrevier. Vom Zentrum sprach der Abg. Schirmer; er wies mit Recht daraus hm, daß die Lauptgesahr der geplanten Maßregel in der Zen- ... ttalifiminfl liegt, die es den Zechenverwaltungen Kammer ist er bisher selten hervorgetreten, möglich macht, jeden einzelnen Arbeiter auf das ♦ Braunschweig, 15. Dez. 1909. Heute r Genaueste zu kontrollieren und zu chikanieren. Sonst fQUb im herzoglichen Schloß die Zwiltranung ragte ans der Debatte insbesondere eine sehr leb- statt, an der sirdunmittelda
hatte Rede des national-sozialen, jetzt sreisinnigen Führers Dr. Naumann hervor. Seine Auseinandersetzung mit dem Staatssekretär war stellenweise sogar sehr erregt. Ein Zwischenfall aus der Tribüne steigerte die Unruhe zum Schluß ganz ungewöhnlich. Der Staatssekretär war, trotz kräftiger Unterstützung von konservativer und national- liberaler Seite, zuletzt ganz in die Verteidigungsstellung gedrängt worden. I
* Oberlaudesgerichtspräsident Dr. Spahn, der erste Vizepräsident des Reichstages, ist am 13. Dezember zum Wirklichen Geheimen Ober,usttzrat ernannt worden. , ,
y In der Leitung des Reichs - Eisenbahn- Amtes soll ein Wechsel beoorstehen. Wie näm- lich gemeldet wird, hat der Präsident des Reichs- Eisenbahn-Amtes, Schultz, um seinen Abschied nachgesucht. Eine Kaiserl. Entscheidung ist jedoch noch nicht erfolgt, deshalb ist auch die Meldung, der Eisenbahn - Direktions«Präsident Wacker- zapp-Straßburg sei zu feinem Nachfolger aus- ersehen, ^rsrüht.^ ^zsinnige Volkspartei'' soll der Name der großen linkslrberalen Partei sein, zu der die jetzigen drei Parteien sich demnächst zusammenschließen wollen.
* Der Arbeitskammer-Gesetzeutwurs soll nach der Weserzta." in den nächsten Tagen dem Reichstag | borqelegt werden. Wie das Blatt weiter meldet, wird er sich eng an die Beschlüsse der früheren Gewerbe- kommissivn anschließen. Die Anstellung von Arbetter- sekretären ist auch diesmal von der Regierung abgelehnt worden - Diese Nachricht.tritt zwar nnt gro- ßer Sicherheit auf; trotzdem scheint ihre Richtiglell nicht über allen Zweifel erhaben.
(♦) Einen weiteren Beitrag zur konfessionellen Zugendvergiftung teilt die,Germ' mit Der vom schul- direttor Rudolf Schmidt in Leipzig herausaebene Prakttfche Schulmann' enthält im 57. Band, 2 Heft eine Arbeit über Ignatius von Loyola und die Jesuiten von Alfred Kirsch, die 27 S. umsaßt und zum Schluß folgend« .Zusammen« sassunaen und Vertiefungen" enthält.