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LotationrdruSund Verlag der Fuldaer Al. tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.

36. Jahrgang.

Fulda, Samstag den 11. Dezember 1909.

M 284.

Iünftes HilcrtL.__

Wochen-Nundschau?^

[:] Fulda, 10. Dezember 1909.

Stolberg-Spahn-Hohenlohe: das neue Reichs­tag s p r ä s i d i u ni. Die Linke, bis zum Streit um die Finanzreform ein maßgebender Faktor im Reichs­tag, hat sich selbst auSgeschaltet. In ihrem Dünkel hat sie sich übernommen; sie hat nun den Schaden, uub braucht für den Spott nicht zu sorgen. Sie hat freilich nur den Jrrfaden weiter gesponnen, den sie im Som­mer begonnen hat: Erft legten die Nationatliberaten den Vorsitz in der Finanzkommiffion nieder, dann stießen sie durch Einführung des Fraktionszwanges bei der Erbanfallsteuer drei angesehene Mitglieder aus der Fraktion, dann lehnten sie alle früher auch selbst mitbeschlossenen «Steuern ab, dann zogen sie Ann in Arm mit der Sozialdemokratie zur Steuerhetze durchs Land; bis sie denn jetzt durch die kindische Demon­stration den Parteifreund Paasche um den heißgelieb­ten Platz im Präsidium und sich um einen guten Po­sten politischen Renommües gebracht haben.

»Das System ist »erurteilt — die Angeklagten sind freigesprochen!" So kennzeichnet nicht mit Unrecht ein Berliner Blatt den K i e l e r W e r f t - P r o z e ß. Aus den Angeklagten wurden Zeugen, Zeugen gegen die Werttverwaltung, die sie auf das Sünderbänkchen gesetzt hatte. Wie auf einer Drehbühne verwandelte sich das Bild. Aus den Herren Verteidigern wurden Ankläger, und aus dem Staatsanwalt der unsreiwil- lige in die Enge getriebene Verteidiger der Werftver­waltung. Die Herren Frankenthal und Jacob ohn aber wurden zu Kronzeugen und brachten so belasten­des Material zustande, daß dagegen die Tausende von Meterzentnern Altmaterials, das die Werft rekla­mierte, noch federleicht waren. Es ist schon öfter vor­gekommen, daß aus Angeklagten Ankläger wurden, ober so deutlich ist es doch noch nicht in die Erschei­nung getreten, wie in diesen fünf Wochen in Kiel. —

Im Reichstage hatte bei dec Interpellation über den Werftprozeß Staatssekretär Tirpitz gegen­über den Angriffen, die von fteisinniger und sozialde­mokratischer Seite sowie vom Zentrumsabg Eczberger ausgingen, einen schweren Stand. Er hat schließlich zugeben muffen — was er allerdings nur nach eini­gem Zögern tat —, daß auf der Kieler Werst arge Mißstände bestehen oder vielmehr bestanden haben. Es ist ein großes Verdienst der Volksvertretung, daß sie in solchen Fällen nicht nur mit Energie, sondern auch mit Sachkenntnis eingreift. Wir meinen, am Schlüsse der Debatte, nach den Ausführungen der Abg. Erz­berger und Striiwe wird Herr v. Tirpitz seine anfäng­liche Behauptung, die Redner verständen nichts von der Sache, schwerlich aufrecht erhalten haben. Wir glau­ben andererseits aber auch, daß Herr v. Tirpitz aus den Gerichtsverhandlungen sowohl wie aus den Reichs- tagsverhandlungen eine gute Lehre gezogen hat, und daß er sein Versprechen wahr machen wird, daß etwas derartiges nicht wieder Vorkommen würde. Der einzige Trumpf des Herrn ». Tirpitz in den ganzen Ver­handlungen bestand in dem Hinweis, daß die Kieler wie auch die anderen Werften trotz dieser geschäftlichen Unregelmäßigkeiten zu den besten Werften der Welt ge­hören, daß ihre Leistungsfähigkeit und technische Voll­kommenheit auch vom Auslande rückhaltlos anerkannt sei. Damit hat er ja allerdings zweifellos recht, aber trotzdem kann doch auch nicht dringend genug darauf gehalten werden, daß die Weritbciriebe auch in Einzel­heiten und Nebensachen musterhaft seien, und daß — darin waren alle Parteien, auch die konservativen — einig — sparsamer gewirtschaftet werde als bisher.

Das „Leipziger Tageblatt" will aus bester Quelle erfahren haben, daß die Vorverhandlungen für die

preußische W a h l r echt s v o r l a g e vor ihrem Ab­schluß ständen und der preußische Ministerpräsident so­gleich nach Eröffnung des Landtages die Vorlegung eines Wahlrechtsentwurfes für Anfang April im Ab- geordnetenhmlse zusagen werde. Ob das richtig ist, bleibt abzuwarten. Im übrigen hat die Sache der preußischen Wahlrechtsreform weiter manches von sich reden aemacht. Das neueste hierin ist, daß ein hoch- verebrliches »Berliner Tageblatt" augenblicklich mit einer Erklärung, die die Wahlrechtsreform dringend fordert, um Unterschriften von allerhand nicht politi­schen Autoritäten hausieren geht. Das „Berliner Ta­geblatt" scheint sich den Ruhm verdienen zu wollen, die preußische Wahlreform in die Hand genommen und zur Durchführung gezwungen zu haben; wir meinen aber, daß der Wahlrechtsreformsache mit diesem be­liebten Vorgehen des Berliner Blattes wenig ge­dient ist.

Während die Nationalliberalen in Baden aus Rücksicht auf den sozialdemokratischen Vizepräsidenten sich an der Vorstellung Beim Landesherr» vorbeigedrückt haben, machten sie im m e i n i n g i s ch e n Landtag ihre Zustimmung zur Wahl eines sozialdemokratischen Vizepräsidenten von der Bedingung abhängig, daß er auch den Hofgang mitmache. Aber der Genoffc wollte nicht, und nach längerer Erörterung einigte sich dec Landtag dahin, ihm zwar keine repräsentativen Ver- vftichtungea aufzuerlegen, doch soll ec stets dann mit am Hofe vorstellig werden, wenn es sich nm Landes­angelegenheiten handelt. — O zarte Rücksicht!

In Oesterrei ch-Un g arn haben sich die par­lamentarischen Verhältnisse feit der letzten Woche nicht geändert. Tie Arbeiten im österreichischen Reichsrat vollziehen sich unter dem Drucke der stets drohenden tschechischen Obstruktion. Mit den Ungarn aber ist die Krone immer noch nicht fertig geworden. Das Mini­sterium Wekerle treibt srin fwvefWfeS So et mit dem Kaiser Franz Joseph, indem cs immer wieder Män­ner für den Premierposten vorschlägt, deren Forderun­gen nicht bewilligt werden können. In dieser Woche wurde mit Z i ch h verhandelt. Er ist schon wieder voni Schauplatze verschwunden. Ob man nun wohl mit dem längst geplanten a uß c r p a r l a nr e n t a ri- s ch e n K ab i n e 11 Khucn-Hedervary Ernst machen wird?

Im Lager der franz o f iü chen K ath o li- ke n, die durch die Knechtung der Kirche endlich zur politischen Tätigkeit antgerufeu worden sind icigt sich seit kurzem ein starker sozialpolitischer Zug. Der Erz­bischof von Paris hat sich der Pariser Bäckergehilfen angenommen, auf der Tagung der „Aktion Liberale" wurde ein soziales Programm eihpideft. vielerorts sind als Gegengewicht gegen die gelben und roten Ge­werkschaften christliche Arbeitervereinigungen entstan­den. Die Katholiken scheinen damit auf dem rechten Wege zu fein; ein sicheres Anzeichen daflir ist die niaß-' lose Wut, mit der in der gegnerischen Presse von die­sen Vocaängen Notiz genommen wird.

In Italien hat das Kabinett Giolitti aus An­laß der Steuerberatungen zurücktreten müssen. In Wien und auch in Deutschland fürchtete man anfäng­lich, daß das eine üble Vorbedeutung habe für die Haltung der auswärtigen Politik Italiens. Diele Befürchtungen scheinen indes unnötig gewesen zu fein, denn Sonnino, der mit der Neubildung der Regie­rung betraut wurde, ist ein erklärter Anhänger der Treibundpolitik. Das neue Kabinett entsteht unter großen Schwierigkeiten; Es wird kou'eroallven Charakter aufweisen. — Gerade zur Zeit der Kabi­nettskrise in Italien ist dec frühere Minist«chrästdent Alessandro Fortis gestorben, eine politisch außerordent­lich interessante Persönlichkeit, dessen Entwicklung von radikalen Republikaner zum entschiedenen Monarchisten höchst beachtenswert ist.

Die Spanier atmen auf: die Reservisten wer­den aus Marokko heimberusen. Damit dürste das kolo­

niale Abenteuer, das so viele Opfer an Blut und Geld gekoster hat, zu Ende sein. Frankreich hätte seinen Zweck erreicht: Ausschaltung des spanischen Einfluffes in Marokko, um selbst und allein das Lämmchen scheren zu können.

In »beneidmswerter" Lage befindet sich nach wie vor Regierung und Parlament in G r i e ch e n la nd. Nach der Pfeife des Militärbundes zu tanzen, hatte man ja fehr schnell und gründlich gelernt. Aber jetzt pfeifen nicht mehr die Offiziere und Unteroffiziere al- hin. Mit fliegenden Fahnen zogen die Arbetter vor das Haus dec Volksvertreter und diktierten: Zoll- grfetze. Nach ihnen kamen alle Kutscher und Karren- sührer Athens mit ihren Wagen vor die Kammer, um­ringten das Gebäude und forderten eine Herabsetzung der' Gewerbesteuer. Zuletzt rückten die Mittelschul­lehrer an und verlangten die Einsetzung einer aus ihrer Mitte zu wählenden Kommission zur Entschei- dung über alle Pexsouattraoeu. Da man nicht psinkt- lich gehorchen will, denken die Lehrer an eine Revo­lution ä la Typaldos.

Während man pch in E n g l an d mit allen Mit­teln zum Wahlkampfe rüstet, geht der angelsächsische Bruder jenseits des Ozeans auf Eroberungen in Mit­te l-A m e r i k a aus. In Nicaragua war wieder ein­mal eine Revolution ausgebrochen, an der sich auch zwei bernfsmäßiae „Umstürzler" beteiligten, dieStaats- angehörige der Vereinigten Staaten sind. Die beiden Halunken wurden beim'Minenlegen „in flagranti" er­tappt mw natürlich gebühreno bestraft. Das wacAn- laß genug für die Vereinigten Staaten, mit dem Füh­rer der Revolution, General Estrada gegen den legi­timen Präsidenten Zelaya Front zu machen. Ein Kriegsschiff, das nach Nicaragua fahren sollte, blieb zunächst im Schlamm des Delawar stecken, und so hat üch zwar die Intervention etwas verzögert, aber das hindert natürlich nicht, daß General Estrada, als Krcatnr der Vereinigten Staaten in Bälde Nicaragua beherrschen wird.

sc. Einen Kavitalschwindel lügt sich augenblicklich wieder die sozialdemokratische Presse zusammen, wenn sie neben den Nationallibe­ralen das Zentrum zum „Schuldigen des § 23" des preußischen Einkommensteuergesetzes stempelt.

Aktenmäßig liegen die Dinge folgenderma­ßen: Der von der Staatsregiemng vor einigen Jah­ren vorgelegte Entwurf einer Novelle zum preu­ßischen Einkommenstenergesetz enthielt nicht die Vorschrift, daß Arbeitgeber und Dienstherren, wenn das Einkommen ihrer Arbeiter bezw. Angestellten bett Betrag von jährlich 3000 Mk. nicht übersteigt, ver­pflichtet sein sollen, hierüber der Behörde zum Zweck der Steuerveranlagung jener Personen Auskunft zu erteilen. Auch im Abgeordnetenhaus wurden bei der ersten Beratung dieses Entwurfes keine Wünsche auf eine enffprechende Bestimmung laut. Erst in der zur Vorberatung des Entwurfs eingesetzten Kom­mission des Abgeordnetenhauses wurde seitens der nationalliberalen Kommiffionsmitgliederein darauf bezüglicher Antrag gestellt und gegen einen Teil der Stimmen der dem Zentmm angehörigen Kommissionsmitglieder angenommen.

In der zweiten Beratung im Plenum stimmte das Zentmm geschlossen gegen diese neue Vor­schrift, nachdem der Abg. Kirsch als Fraktionsredner ausführlich die Gründe bargelegt hatte, welche die- selbe als eine ungerechte, bie Arbeiter besonders be­lastende Sonbervorschrift erscheinen laste. Aber bie- selbe wurde hier gegen die Stimmen von Zentmm, Freisinn und Polen angenommen, und namentlich die Nationalliberalen haben geschlossen dafür gestimmt. So ist die Bestimmung gegen die Stimmen des Zentrums Gesetz geworden. Aber noch ehe

sie (n Kraft trat — was am 1. April 1907 der Fall sein sollte — hat das Zentmm am 8. Januar 1907 durch den genannten Abg. Kirsch den Antrag gestellt, sie wieder aufzuheben. Dieser Antrag wurde aber von der Mehrheit, barunter auch toleber ben Natio­nalliberalen, abgelehnt. Statt dessen wurde eine Vorschrift ausgenommen, bie eher als eine Verschärfung, denn als Milderung der neuen Vor­schrift angesehen werden muß.

Der Vater des § 23 ist also die nationalliberale Partei, ihr schärfiter Gegner stets das Zentmm ge­wesen.

Die sozialdemokratische Preffe lügt also, wen» sic als die Schuldigen des § 23" die Nationalliberalen und das Zentmm darstellt. Dieselbe Preffe lügt weiter, wenn sie behauptet, in der Kommission sei der neue § 23 unter Zustimmung des Zentmms ange­nommen worden. Der größere Teil der Kommissions- Mitglieder des Zentmms hat dort von Anfang an dagegen gestimmt, im Plenum, worauf es allein an­kommt, hat das Zentrum geschlossen dagegen gestimmt. Und endlich lügt die sozialdemokratische Presse, wenn sie behauptet, der Abg. Kirsch haste später den Antrag auf Wiederaufhebung des § 23 nur deshalb gestellt, weil die kleinen Steuerzahler un­ter den Zentrumsanhängern inzwischen den § 23 am eignen Leibe zu spüren bekommen hätten. Dieser Paragraph ist ja doch erft am 1. April 1907 in Kraft getreten, wahrend lange vorher, nämlich am 8. Ja­nuar 1907, gleich nach dem Zusammentritt des Land­tags, also dem frühesten überhaupt möglichen Termin, der Abg. Kirsch schon seinen Antrag auf Wiederauf- hcbung gestellt hatte.

Man sieht wieder, wie der sozialdemokratischen Preffe vielfach kein Mittel der Fälschung und Ent­stellung zu schlecht ist, wenn es sich um die Herab­setzung und Verdächtigung der Zentrumspolitik handelt.

Deutscher Reich.

* Steuerhinterziehung. In den»Volkswirts fchastl. Blättern' schreibt Dr. W. Claaffen über' „das mobile Kapital-Vermögen, seine wirkliche und seine durch die Steuerveranlagung' sestgestellte Größe" in Preußen. Er kommt ba-J bei, und zwar auf Grund sorgsamer Berechnung und Schätzung, zu dem Ergebnisse, daß in Preußen' nicht weniger als 34 Milliarden mobiles' Vermögen der Wohlhabenden der rechtmäßigen' Besteuerung entzogen werde.

Pflege deine Stimme.

Nicht nut im strengen Winter, sondern sozusagen das ganze Jahr dindurch gebrauchen viele Menschen regel­mäßig irgendeine Tablette oder Bonbon, um ihre Stimme zu pflegen, sie vor Katarrh zu schützen. Des-' halb ist es nicht verwunderlich, daß die in der Schweiz seit 60 Jahren geschätzten Wybert-Tabletien auch in' D utschland leichten Eingang gefunden haben. Denn' eine einzige Probe davon zeigt sofort deren einzigartige' Wirkung auf die Stimme.

Hustenreiz, Heiserkeit, Verschleimung verschwinden' sofort nach deren Gebrauch und soviel steht fest: Wer' einmal die angenehmen Eigenschaften der Wybert« Tabletten erprobt hat, wird dieselben nie mehr missen wollen. Wybert-Tableltcn sind daher für Sänger,' Raucher, Redner, Sportsleute und alle, die ihre' Stimme pflegen wollen, ein unentbehrlicher Begleiter.' In Originalschachteln ä 1 Mk. — sind dieselben in den Apotheken erhältlich. Depots in fiulba: Engel-Apotheke, hof-Apotheke und Löwen-Apotheke. [2343

Kleines Fenilleton.

— Die Gerichtsvollzieher sind eine Menschen­sorte, deren Besuch gewöhnlich von niemand gerne gesehen wird. Selbst in denjenigen Kreisen, die memals etwas mit diesem Manne zu tun haben, steht er nicht im besten Ansehen. Das Wort „GerichtZvollzicher" hat etwas Unfreundliches, Brutales an sich. Sind sie auch nicht beliebt, so muß man auf der anderen Seite doch anerkennen, daß eine große Anzahl unter ihnen eine außer­ordentliche Erfindungsgabe besitzen, wenn es sich um schwierige Pfändungen handelt. Kürzlich hatte in Rennes eine Dame die französische Westbahn auf Schadenersatz verklagt und erlangte auch ein obsiegendes Urteil. Da die Eisenbahngesellschaft es mit dem Zahlen aber nicht eilig zu haben schien, telegraphierte die Dame an einen Gerichtsvollzieher, er möge die Eisenbahngesellschaft pfänden. Der Mann des Gesetzes zögerte nicht einen Augenblick. Als er auf der Station ankam, stand der Schnell­zug nach Paris zur Abfahrt bereit. Was tut der Gerichtsvollzieher? Trotz allen Protestes seitens des Stationschefs pfändete er den Schnellzug. Er ließ erst dann von seinem Beginnen ab, als der Stationschef im Namen der Gesellschaft dem Ge­richtsvollzieher das Versprechen abgab, daß die Dame in kürzester Frist die ihr vom Gericht zu­gesprochene Entschädigung ausbezahlt erhalten werde. Allerdings kommt es nicht feiten vor, daß auch den Gerichtsvollziehem seitens säumiger Zahler eme Nase gedroht wird. In einem lothringischen, ^urt an der französischen Grenze gelegenen Dorfe besitzt em Mann ein Haus, daß noch aus lothrin- glschen Boden steht, während der Schweinestall xrr Halste auf deutschen, zur Hälfte auf französischen Boden liegt. Da der Mann ein schlechter Zahler w°r, n>oUte der Gerichtsvollzieher das Schwein fänden. Was tat nun der Betreffende? Er führte das Sckwein aus der deuffchen tu die fr<m. MW Ecke des Stalles, sodaß' der Man/Ä

Gesetzes mit langer Nase wieder abziehen mußte! p.

— Der WarmhauL-Sündrnbock. In den großen Ncw-Iorker Warenhäusern gibt es einen Angestell­ten, den man in europäischen Geschäften noch nicht findet: es ist bei „mistake-clerk“, der Konsufions- rat und Sündenbock des Hauses. Sobald eine Kundin sich über irgend etwas beklagt — und die Kundinnen haben ja immer Gründe, sich zu be- tlagen — wird sie von einem Abtettungscheß der sich in eine gewaltige Entrüstung hineinredet, aus den „mistake-clerk“ losgelassen. Bleich und zitternd meldet sich der schleunigst herbeizitierte Unglücks­mensch zur Stelle, und der Abteilungschef schnauzt ihn an, als wenn er ihn auffreffen wollte: „Jetzt haben wir aber genug von Ihren Dummheiten", schreit er; »Sie machen jeden Tag eine neue und können sich kaum noch überbieten. Lassen Sie sich an der Kaffe Ihr Gehalt auszahlen. Sie sind ent« lassen!" Der Aecmste stammelt ein paar Worte der Entschuldigung, wirft einen flehenden Blick auf die Kundin und schleicht, da er sieht, baß der Abtei­lungschef unerbittlich ist, ganz geknickt von bannen. In neun von zehn Fällen ist der Zorn der Kundin sofort verraucht, und sie verwendet sich bei dem Abtefluugschef ober bei dem Direktor des Waren­hauses für den armen Teufel, der doch für sein Versehen viel zu hart bestraft sei; sie würde keine ruhige Stunde mehr haben, wenn der arme Kerl ihretwegen auf die Straße gesetzt werden sollte. Den Herren Vorgesetzten ist es natürlich ein ganz besonderes Vergnügen, „den Bitten oder vielmehr dem Wunsche einer so liebenswürdigen und mit­leidigen Dame nachgeben zu können"; man läßt den „mistake-clerk“ rufen, teilt ihm mit, daß er wieder bleiben könne, erklärt ihm aber ausdrücklich, daß er diese Vergünstigung nur der Fürsprache der guten Kundin zu verdanken habe; er nennt dann die Dame i« überströmender Dancb artest seine Wohl­täterin und schwört, daß er ihr die edle Tat nie vergessen werde. Die Dame aber verläßt das Ge­schäft mit dem stolzen Bewußtsein, wirklich etwas gutes aetan zu haben, und man kann sicher sein.

daß sie fortan zu den besten Kundinnen des Waren­hauses gehören wird. Inzwischen nimmt der „mistake- clerk“ seine schwierige Tätigkeit als Blitzableiter, auf welchem sich alle Donnerwetter der Abteilungs­chefs entladen, wieder aus, und die Komödie wird weitergespielt.

— Zahnfchmerzenmiiiel aus alter Zeit. Auch Heilmittel find der Mode unterworsen. Sobald man zu der Einsicht gekommen ist, daß neuauf« tauchende Mittel, die von der Reklame mit großem Geschrei gepriesen worden sind, infolge gänzlicher Unwirksamkeit ihren Ruf nicht verdienen, kehrt man gern zu alten, erprobten Rezepten zurück, an die von Generationen fest und unerschütterlich geglaubt wurde. Ob sich wohl auch geplagte Menschen fin­den werden, die ihr Zahnweh mit den Mitteln zu heilen versuchen, die den altrömischen Zahnärzten em­pfehlenswert erschienen? Leidenden Mitgeschöpfen soll man helfen, wir wollen ihnen also verraten, wie man zu Zeiten des Augustus und noch früher seine Zahnschmerzen behandelte. Man konnte die damals bekannten Mittel in zwei Klaffen teilen: in Zaubermittel und medizinische. Die Zauberer schrieben vor: Nimm den Kopf eines an der Toll­wut gestorbenen Hundes, entferne das Fleisch davon und verbrenne ihn, mische die Asche mit Cypernöl und stecke die Mischung in das Ohr. Das Rück­grat einer Wassernatter dient dazu, bei entzündetem Zahnfleisch Linderung zu schaffen, denselben Dienst tut der Stirnknochen einer Eidechse, wenn er wäh­rend des Vollmondes gefunden wird. In die hohlen Zähne steckt man den Wurm, der auf dem Venuskraut sitzt oder die Raupe des Kohlweißlings. Mau kann auch ein Schlangenherz zerkauen; ein unsehlhares Vorbeugungsmittel ist es jedoch, jeden Monat zwei Mäuse zu verzehren, dann bekommt man nämlich überhaupt kein Zahnweh. Plinius, der die Zaubermittel durchaus nicht verwarf, em­pfiehlt aber auch, Verbenenwurzeln zu kauen oder einen Aufguß davon herzustellen. Oder man sollte sie, nachdem sie in Seewaffer gut gewaschen sind, in Essig oder Wein auskochen und die Flüssigkeit lau in den Mund nehmen, oder sie in die Nase

aufziehen, aber nur auf der gesunden Seite. Tischler­leim, Ochsengalle und Ziegenmilch routben als ein vorzügliches Zahnheilmittel angesehen, besonders roenn man nach der Anwendung den Mund mit einem Aufguß von süßen Granatäpfel anSspült.1 Gegen heftige Schmerzen sollte auch eine Kröte^' helfen in Essig gekocht oder auch in rohem Zustande gegen den schmerzenden Kiefer als Umschlag gebun­den. — Wer probiert's? '

— Wie viel Fleisch wird jährlich verzehrt? Nach einer kürzlich veröffentlichten Statistik stellt sich der Fleischverbrauch tuben hauptsächlichsten LändernEuro« pas folgendermaßen dar: In England kamen auf den Kopf der Bevölkerung im Jahre 1904 : 34,6 Kilo­gramm Ochscnfleisch, 17,1 Kgr. Schweinefleisch, 9,9 Kilogramm Hammelfleisch und 1 Kgr. Kalbfleisch. Im folgenden Jahre stieg der Verbrauch um 0,9 Kilogramm für Ochsenfleisch, um 0,1 Kgr. für Kalb­fleisch, um 1 Kgr. für Hammelfleisch und für das Schweinefleisch um 2,2 Kilogramm. Im deutschen Reiche entfielen 1904 auf den Kopf der Bevölke­rung: 48 Kilogramm Fleisch. Hier steht das Schweinefleisch au der Spitze mit 31 Kilogramm. Rechnet man das Wildpret und die verschiedenen anderen Fleischsorten, z. B. Pferdefleisch, hinzu, so steigert sich für 1904 der Fleischkonsum Deutsch­lands aus 55 Kilogramm pro Kops der Bevölkerung. Ueberall aber ist gegenwärtig ein stetiges Steigen des Fleischkonsums zu konstatieren. -p.

— Er kennt ihn. Zwei Geschäftsreisende treffen zufällig im Zuge zusammen. „Eben komme ich von Bremen", erzählt der eine, „da habe ich riesige Ge­schäfte gemacht". „Was meinen Sie wohl, wieviel ich verkauft habe?" »Wie kann ich das wissen?" erwidert vorsichtig der andere. „Natürlich können Sie es nicht wissen! Aber wieviel glauben Sie wohl?" „Na, ungefähr die Hälfte." „Die Hälfte wovon?" „Natürlich die Hälfte von dem, was Sie sagen!"

— Siilkundig. Juwelier: „Em Armband wünschen Sie zu kaufen — falls etwas in Renais­sance oder Rokoko sein?" Käufer: „Nein — in Gold!"