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Zuldaer W Zeitung
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N 278.
yuIda, Samstag oen 4. Dezember 1909.
36. Jahrgang.
Diese Entrüstung der „Rheinischen Zeitung" Wird man erst dann voll zu Würdigen wissen, wenn mar hört, daß in dem Essener Prozeß der schuldige sozial, demokratische Beamte Götte unter Eid angab, er habt daS Schmutzflugblatt bet der — ,Rhei>! Nischen Zeitung" in Köln drucken I af'j sen!" Ein Kommentar würde daS skandalöse Bevj halten dieses sozialdemokrattschen Blattes nur ab> schwächen.
Aus Mrche und Schule.
— Köln, 3. Dez. 1909. Ein H t r t e n b r i e f de! Erzbischofs von Köln, Kardinals Fischer, befaßt sich mit dem glanzvollen Verlauf des E u ch a r i st. Kongresses und entbietet allen denen, die zu dem guten Verlaus und dem Gelingen des Kongresses beigetragen haben, seinen Dank. Entsprechend einer Aufforderung des Papstes, nunmehr die Früchte aus dieser Feier zu ziehen, mahnt Kardinal Fischer in dem Hirtenschreiben zu einem größeren Eifer in der Verehrung der Eucharistie durch häufigen Besuch der hl. Messe und öfteren Empfang der hl. Kommunion.
* Rom, 30. Rov. 1909. Hofrat von Pastor überreichte in Privataudienz den kürzlich erschienenen fünften Band seiner .Geschichte der Päpste". Den hl. Vater interessierte es als ehemaliger Bischof von Mantua besonders, daß gerade die wichtigsten in diesem Bande verwetteten neuen Aktenstücke aus dem dortigen Archive stammen. Einige dieser Aktenstücke, z. B. die über das jüngste Gericht von Michelangelo, las der hl. Vater gleich in der Audienz. Zum Schluß bemerke er: „ES freut mich ungemein, daß Ihre wichtige Lebensarbeit so schnell voranschreitet, ich wünsch« ihr viele Leser im katholischen Deutschland".
Wrertes
= Zur Geschichte des Reichstags- Präsidiums
werden gegenwärtig, angesichts der Wahl mit Hindernissen, die nachstehenden Erinnerungen willkommen sein.
Bis 1874 führte Simson, der „geborene Präsi- deut", der schon dem Reichstage zu Erfutt und dem Reichstage deS Norddeutschen Bundes präfentiett hatte, die Geschäfte. Tann bis zum 20. Mai 1879 Forckcnbcck. Er legte sein Amt nieder angesichts der zollpolitischen Schwenkung, die mtt den Bemühungen um den „Kulturfrieden" zusammenftel. Die neue Lage fand ihren Ausdruck in einem Kompromiß zwischen den Konservativen und dem Zentrum über die Zusammensetzung des Reichstagspräfldiums. An Stelle Forckenbecks wurde der konservative Abg. von S e i d e w i tz erster Präsident, an Stelle des zurückgetretenen Frhrn. v. Stauffenberg Freih. v. Frank- kenstein (Ztr.) erster Vizepräsident. Damit war zum ersten Male, seit es einen deutschen Reichstag gab, ein Z r n t r u m S m a n n auf den kurulischen Stuhl erhoben worden. Herr v. Seidewitz lehnte bald eine Wiederwahl ab. An seine Stelle trat am 13. Febr. 1880 Graf Arni m-Boitzenburg; ihm folgte am 17. Febr. 1881 Herr v. Goßler und diesem am 19. November 1881 Herr v. Levetzow. Alle drei waren Konservative. Erster Vizepräsident wurde wieder Herr v. Franckenstcln; zweiter an Stelle des Herrn von Lucius der Konservative Ackermann, nachdem der Nationalliberale v. Benda die Wahl abgelehnt hatte, da er nicht mit einem „Ultramontanen" zusammen im Präsidium arbeiten wollte. Am 22. November 1884 ersetzte Herr o. Wedel-PieSdorf (kons.) Herrn v. Levetzow, der aus dem Reichstag ausgeschieden war. Gleichzeitig wurden die Herren v. Franckenstein (Ztt.) und Hoffmann (Fottschritt) zu Vizepräsidenten gewählt Nach den Septennatswahlen von 1887 wurde dem Zentrum der 1. Vizepräsident, der ihm zukam, genommen, den 2. Vizepräsidenten zu stellen — es war Frhr. v. Hertling gewählt worden — lehnte es ab. So wurde Präsident wiederum v. Wedel-Pies- d o r s, erster Vizepräsident Buhl (nationall.) und 2. Vtzepräsidcnt der Freikonservative v. Unmhe-Bomst. Rach der Wahl von 1880, die den Kartellparteien eine Niederlage brachte, wurde Herr v. Levetzow, der schon vorher an Herrn v. Wedels Stelle getreten war, zum Präsidenten, Graf v. Ballestrem zum erstell und der Freisinnige Dr. Baumbach zum zweiten Vizepräsidenten gewählt. 1893 saß der Nationalliberale B ü r k- lin als zweiter neben Frhrn. v. Buol (Ztt.) ats erstem Vizepräsidentell. Als dann im Jahre 1895 nach der verweigerten Bismarckehrung v. Levetzow sein Amt niederlegte und der Nationalliberale keine Gemeinschaft mehr mit der damaligen Mehrheit haben wollte, hatte das Zentrum die Stellen des Präsidenten (v. Buol) und des zweiten Vizepräsidenten (Spahn), die freisinnige Patter die des ersten Vizepräsidenten inne. Am 7. Dezember 1398 waren die „nationalen" Parteien wieder ausgesöhnt. Gewählt wurde Graf o. Balle st rem (Ztt.) zum Präsidenten und Herr v. Frege (kons.) zum ersten Vizepräsidenten, der bis- herige erste Vizepräsident Schmidt wurde zweiter Vizepräsident. Am 15. November 1900 schied auch Schmidt aus und das Präsidium zeigte parteipolitisch wieder dieselbe Zusammensetzung wie vor dem 23. Marz 1895. Der letzte Wandel trat nach den Neuwahlen vom 25. Januar 1907 ein. Die „Blockmehrheit" wählte am 20. Februar den Grafen Stolberg (kons.) zum Präsidenten, den Prof. P a a s ch e (nationall.) zum ersten und den Abg. K a e m p f (freis.) zum zweiten Vizepräsidenten.
Die Ablehnung der Wahl ins Präsidium gehört zu den Seltenheiten. Es sind uns außer der jetzigen Ablehnung des Abg. Paasche nur vier Fälle bekannt. Der erste Fall geht auf das Jahr 1881 zurück, wo Gras Arni m-Boitzenburg es ablehnte, neben Frhrn. ju Franckenstein im Präsidium zu sitzen. Die äußere Veranlassung bot dessen Nichtbeteiligung an der Kölner Dombaufeier. Der zweite Fall ereignete sich
?♦ St. A koiau:, Ycr srr.r.'uud.
I
Der Abend des 5. Dezember läßt die Herzen aller guten und braven Kinder höher schlagen. Wie lange schon haben sie sich auf diesen Abend gefreut, während die Unartigen ihm mit Bangen entgegensehen. Zwar hat er in seinem großen Sack für alle etwas, aber die Geschenke sind doch sehr wesentlich von einander verschieden. Während St. Nikolaus den folgsamen Kindern Zuckerwett, Misse, Marzipan, Aepfel, Birnen, Spielsachen ufro. bringt, läßt er auf die weniger artigen und ungehorsamen die Rute herniedersausen oder übergibt ihnen mit strafendem Blick ein Bündel Ruten als Zeichen feiner Unzufriedenheit mit ihrer Führung.
St. Nikolaus schreitet in den mannigfachsten Forcen durch das Volks- und Kinderleben. In manchen Ländern ist er vom Knecht Ruprecht begleitet, der in einem Sack die Geschenke hinterdrein schleppt, in anderen Ländern reitet er auf einem schwerbepackten Eselein daher, während er in den ärmeren Gegenden sich an einem langen Seil vom Himmel zur Erde niedergleiten läßt, dann auf Schusters Rappen von Haus zu Haus zieht und seine Gaben in Ermangelung einer Begleitung selbst mit sich führt. Seine Gestatt ist aber fast überall die gleiche: Ein bärtiger, weißhaariger Greis, zuweilen die Mytta auf dem Haupte und den Hirtenstab in der Hand.
Gespannt lauschen die Kinder hinaus in die Nacht, oi8 sie das leise, geheimnisvolle Läuten hören, dann faimiegen sie sich an ihre Eltern, schauen je nach ihrer Führung mit strahlenden oder angsterfüllten Blicken zur Türe und beginnen beim Eintritt deS Heiligen ihre Gebetchen herzusagen, die sie an diesem Tage schon so ost repetiert haben, damit es im gegebenen Moment Ja klappt. Auch die unartigen Kinder beten wenn auch mtt zitternder Stimme, so doch in diesem Äugen- blitf mtt nicht minder tefienmrubJsH ercpemabRF kett. Aber St. Nikolaus ist ein Mann vom Hinimeb
ebenfalls 1881 im Herbst, er ist wie der dritte Fall vom Jahre 1887 bereits oben erwähnt. Der letzte Fall ist au» dem Jahre 1895 zu berichten, al» nach der Man- datsniederlegung de» Herrn v. Levetzow infolge der vom Reichstage verweigetten Bismarckebrung die N a- tional liberalen keine Gemeinschaft mit der Mehrheit mehr haben wollten.
Am interessantesten ist jedenfalls der Vorgang aus dem Jahre 1881. Mächtige Faktoren hatten damals dahin gewittt, daß das Zentrum keine Vettret- ung im Präsidium des Reichstages mehr haben sollte, nachdem e» sie erst vor kurzer Zeit errungen hatte. Der Anschlag scheiterte. Graf Arnim-Boitzen- 6urg hatte tag» vorher Freiherrn zu Franckenstein persönlich und offiziell mitgeteilt, daß er nicht in ein Präsidium wieder eintreten werde, in welchem sich ein Mitglied deS Zentrums befinde. ES waren vorzugsweise schlesische Mitglieder der deutschen Reichspartei, die ihre Hand im Spiele hatten, aber auch bei den Konservativen fanden sich einige Quertreiber. Aug. ReichenSperger berichttt darüber in seinem Tagebuch (Pastor, Aug. Reichensperger, Bd. II, S. 198 ff.):?
Im Reichstage hatte die Deutsche Reichspartei (von Windthorst die Botschafterpartei genannt) wohl hauptsächlich auf Betreiben des Großkulturkämpfers Grafen Udo Stolberg und des mit Freiherrn zu Franckenstein persönlich gespannten Fürsten Hohenlohe-Langenburg beschlossen, der Graf o. Arnim- Boitzenburg dürfe nicht abermals das Präsidium mit einem Zentrumsmitglied teilen, ergo Exklusion des Frhrn. zu Franckenstein, welchem Gras Arnim dies sogar selbst eröffnete, zugleich mit der bündigen Versicherung seiner persönlichen Hochachtung. Das Ausbleiben Franckensteins beim Dombaufeste ward ihm nicht entgegengehalten. Von Bardeleben hörte ich aber gestern bei Gruner, Arnim habe früher bei einem Diner solches dem Frhrn zu Franckenstein scharf angekreidet. Bei der Wahl erhielt v. Seydewitz 91 Stimmen vom Zentrum, v. Arnim 145 von der Rechten und den Nationalliberalen. Zu unserer eigenen Hebet» raschung fielen dann 147 Stimmen auf Franckenstein, 101 Stimmen auf den Kandidaten der Deutschen Reichspartei und der Nationalliberalen, von denen 25 gefehlt haben sollen; endlich ward Ackermann (deutsch-konservativ) zum zweiten Vizepräsidenten gegen drei weiße Zettel der Deutschen Reichspartei und der gesamten Linken gewählt. Graf Arnim, welcher seiner Niederlage nicht beigewohnt hatte, erklärte nach der Sitzung brieflich, er nehme die Wahl zum ersten Präsidenten nicht an, und stattete alsdald dem Freiherrn zu Franckenstein einen Besuch ab, ohne ihn indessen zu treffen. Natürlich überließen wir vom Zentrum den Deutsch-Konservativen die Auswahl des ersten Präsidenten. Da v. Helloorf ablehnte, ward v. Goßler, Unterstaatssekretär im Unterrichtsministerium (ftreng orthodox), von den Deutsch-Konservativen und dem Zentrum gewählt. Damit hat sich die von Bismarck projektierte „gemäßigt liberale Mittelpartei" im Reichstag als eine Illusion erwiesen und das Zentrum an Bedeutung gewonnen. Welche Rolle Fürst Bismarck bei der Affäre gespielt, liegt im Dunklen, vielleicht weil es ihm nicht ganz leicht war, zwischen einer Niederlage des (Srafen Arnim und einer solchen des Zentrums die Wahl zu treffen.
Die damalige Sitzung des Reichstages präsidiette Freiherr zu branden ft ein. Abg. Richter-Hagen hatte namens der Forifchrittspattei beantragt, das vorige Präsidium (wozu Frhr. ;il Franckenstein zählte) per Akklamation wieder zu wählen. Fürst Hohenlohe- Langenburg widersprach, weshalb Zettelwahl erfolgen mußte. Recht interessant ist die Erinnerung bezüglich \ das Verhaltens des Grafen Udo Stolberg. Wäre das Zentrum rachsüchtig, hättesich vielfach Gelegenheit geboten, dem damals sehr kulinttämpferisch gesinnten schlesischen Grafen seine Quertreibereien gründlich heimzuzahlen, aber das Zentrum treibt sachliche Politik. Der obengenannte Fürst Hohenlohe-Langenburg ist nicht der jetzige 2. Vizepräsident, sondern dessen Vater.
Deutsches Reich.
* Jugendliche Arbeiter in Gewerbebetrieben.
Vom 1. Januar 1910 ab gelten neue Bestimmungen für die Beschäftigung von jugendlichen Arbeitern.
er sieht in die Seelen der Kinder und weiß die guten Kinder sofort von den unartigen zu unterscheiden. Demgemäß fallen dann mich seine Geschenke ans. Ist er bann wieder draußen, so herrscht bei den einen eitel Freude und Jubel, während die unartigen mit einer gewissen Empfindung von Reue über ihre Unartigkeit beschämt auf ba8 Bündel Ruten herniederblicken und feierlich geloben, ihr Tun in Zukunft so einzurichten, daß St. Molau» im nächsten Jahre auch für sie etwas Schönes bringt.
Leider wird mit dem guten Bischof in manchen G'gcnden ein geradezu unverantwottlicher Unfug getrieben. E» ist eine Erniedrigung und Verhöhnung diese» frommen Kinderfreundes, ihn zum Popanz toerden zu lassen. In manchen Gegenden hat man den Heiligen zum Schreckgespenst degradiett, indem er tn Teufelsmaske oder in Bocksgestalt mit klirrenden Ketten und ellenlangen Ruten m die Häuser hereinpoltert, sodaß die Kinder erschreckt zusammenstchren und sich entsetzt hinter ihre Eltern verkriechen. Nein, da» ist nicht St. Nikolaus. Der Heilige hat mit so fürchterlichen Gestalten nicht» zu tun, denn er war ja voll Liebe und Güte gegen die Kinder. Und so will der große Kinderfteund sein Andenken auch nicht gefeiert haben. Wo man ihn imitieren will, da soll man ihn als den wahren Kinderfreund darstellen und nicht als Schreckgespenst.
Hat auch der Ehrischaum und die Weihnachtsbescherung den heiligen Nikolaus von früher mehr und mehr verdrängt, ganz ist er doch nicht in den Hintergrund getreten und er ist auch heute noch immer ein hochwill, lommener Gast. Mögen ibm auf seinem diesjährigen Rundgange durch Stadt und Land überall nur er« wartungsvolle, frohe Kinderherzen entgegenlachen I
— Da» Fest der hl. Barbara, der Schutzpatronin der Artilleristen und Feuerwetter, wird in zahlreichen
Di« Schutzvorschriften werden in Zukunft nicht lediglich auf Fabriken Anwendung finden, sondern auf alle gewerblichen Betriebe, in denen mindestens 10 Arbeiter beschäftigt werden.
Dazu gehören unter dieser Voraussetzung alle Molorwerkstätten einschließlich der Getreide- mühten und alle Konfektionswerkstätten. Die Schutzvorschristen finden in vollem Umfang Anwendung auf Konditoreien und Bücke- reien, die in regelmäßigen Tag- und Nachtschichten arbeiten, und auf solche Konditoreien, die nicht auch Backwaren herstellen; sie finden in den übrigen Bäckereien und Konditoreien mit mindestens zehn Arbeitern nur Anwendung auf Arbeiterinnen und auf diejenigen männlichen jugendlichen Arbeiter, die nickt unmittelbar bei der Herstellung von Waren beschäftigt sind. Ohne Rücksicht auf die Zahl der beschäftigten Arbeiter unterstehen den Vor- schriften Hüttenwerke, Zimmerplätze, andere Bauhöfe, Wersten, Werkstätten der Tabak- industrie, Bergwerke, Salinen, Aufbereitungs- anflalten und unterirdisch betriebene Brüche und Gruben; die Vorschriften gelten ferner für Ziegeleien und über Tage betriebene Brüche und Gruben bann, wenn sie in der Regel mindestens fünf Arbeiter beschäftigen.
Nach den neuen Vorschriften ist den jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zu gewähren. Die zulässige Arbeitsdauer ist ,ür Arbeiterinnen auf 10 Stunden, an den Vorabenden der Sonn- und Festtage auf 8 Stunden beschränkt.
8. Wie die Sozialdemokratie ihre Gegner verleumdet, hat der am 19. November in Essen erledigte Prozeß der Führer des sozialdemokratischen Bergarbeiter- Verbandes gegen den Redakteur Jmbusch vom „Berg- knappeii", über den wir dieser Tage berichteten, gezeigt. Es handelte sich um das gemeine, anonyme Schmähblättchen, das bei den Knappschofts- Aeltesten-Wahlen im Ruhrrevier im Jahre 1904 im letzten Augenblick gegen den damaligen Vorsitzenden des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter — Land- tagSabgeordncten Brust — verbreitet wurde. Dasselbe besagte, Brust sei von den Zechenherren mit 30 000 Mark bestochen worden. „Ein Vorstandsmitglied des christl. Gewerkvereins," so war das Machwerk unterzeichnet. Durch diesen Schurkenstreich wurde die Sache des Gewerkvereins empfindlich geschädigt. AuS dem jetzt verhandelten Prozeß gingen die s o z i a l d e m o- irakischen Kläger als die moralisch Gerichteten hervor. Zwar wurde Redatteur Jmbusch zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er ein beleidigendes Zitat aus dem Bergknappen vom Jahre 1904 in dem fraglichen Artikel zum Abdnlck brachte. Jedoch wurde vor Gericht festgestellt, daß das Verleumdungsflugblatt einen Beamten des sozialdemokratisch en Verbandes zum Verfasser hat. Beamte dieses Verbandes verbreiteten auch das Flugblatt. Die schmählichste Rolle in der ganzen Angelegenheit hat zweifellos die sozialdemokratische „Rheinische Zeitung" in Köln gespielt. Dieses Blatt trug in Nr. 216 (1904) moralische Entrüstung über das Verleumdungsflugblatt zur Schau. Mit Bezug auf dessen Herausgeber schrieb die „Rheinische Ztg.":
„es liege nicht im Wesen der modernen Arbeiterbewegung, solch schmähliche Kampfesweise gut zu heißen." „Die Essener Gewerkschafts- und Parteileitung stände dieser sch mutz ig en Kampfesweise vollständig fern " Weiter redete das Blatt von der „ordinären Kampfesweise des anonymen Flugblattes" von dem die Zentrumspresse noch Mut hätte, zu behaupten, es handele sich um einen lumpigen sozialdemokratischen Schwindel. „Den, ober die Veranlasser des Flugblattes wird man gewiß aus dem Kreis der anständischeu Menschen ausschtießen." Die Sozialdemokratie würde sich keinen Augenblick besinnen, den ober bie Täler hinauszuwimmeln, sofern die Untersuchung ergeben sollte, daß er ein Sozialdemokrat fei." Zuletzt wird gesagt, es sei nicht ausgeschlossen, „daß irgend ein frommer Christ" die Sache veranlaßt hätte.
Gegenden festtich begangen. Die hl. Barbara ist eine unserer volkstümlichsten Helligen Sie war nach der Legende die Tochter eines hartnäckigen griechischen Heiden namens DioskoruS, der sie wegen ihrer körperlichen und geistigen Vorzüge zum Schutze gegen belästigende Bewerber in einen Turm sperren ließ. Dort wurde Barbara während einer Reise ihres Vaters in der christlichen Religion unterrichtet und getauft. Zn den zwei Fenstern ihrer Wohnung hn Turm ließ sie ein drittes zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit anbringen und an eine Säule ein Kreuz befestigen. Als der heidnische Vater dies erfuhr, geriet er in namenlose Wut, trat Barbara mit Füßen, schlug sie mit Fausten und schleppte sie selbst zum Statthalter Martian. Da Schmeicheleien bei ihr nichts fruchteten, so wurde sie furchtbar gegeißelt, ihre Wunden mtt Scherben gerieben und sie dann erschöpft ins Gefängnis geworfen. Dort erschien ihr der Welterlöser, heilte ihre Wunden und tröstete sie. Barbara wurde darauf weiteren Folterungen unterzogen und schließlich am 1 Dezember 237 von ihrem eigenen Vater enthauptet. Den unmenschlichen Vater ereilte bald darauf seine verdiente Strafe, indem er an der Enthauptungsstelle seiner Tochter vom Blitze erschlagen wurde. St. Barbara wird angecufen als Nothelferin resp. Patronin der Sterbenden, ferner als Beschützerin in Gewitters- und FeuerSgefahr. Sie ist die Schutzheilige nicht nur der Feuerwehr und der Artilleristen, fort- dem auch der Bergleute. Gerade letztere sind eS, bei denen sich die Heilige einer außerordentlichen Verehrung erfreut. In Grubendistrikten sehen wir die katholischen Bergleute an diesem Tage in großer Zahl mit ihren Vereinsfahnen voran zur Kirche ziehen, um dort die Heilige auch für kommende gelten um ihren Schutz und Beistand in dem so schweren und gefahrvollen Bergmannsberufe zu bitten. °p.
— Ein Prozeß um — einen Centime. Die deutsche Bürokratie ist wegen ihrer Umständlichkeit und Kleinigkeitskrämerei In der ganzen Welt verschrien.
Aus dem Nachbargebiele.
* Kelkheim (Taunus), 3. Dez. Die hiesigen organisierten Schreinergesellen haben infolge der Schreineraussperrung in Höchst die weitere Anfertigung von Möbeln für die Höchster Möbelfabriken — bekanntlich arbeiten hiesige Meister für die dortigen Fabriken — verweigert.
* Schleusingen (Thür.), 3. Dez. Die Sparkaffenverwaltung und die Stadtverordneten haben beschlossen, um den Sparsinn der Kinder zu wecken, jedem neugeborenen Kinde in der Stadt vom 1. Januar ab ein Sparkassenbuch mit dem Betrage von 2 Mark zu überweisen.
* Duderstadt, 3. Dez. Wegen Beschimpfung des katholischen Geistlichen in Gibeldehausen wurde der Maurer Franz Arend aus Rüdershausen von der Strafkammer zu 1 Monat Gefängnis verurteilt.
vermischtes.
* Ein Banerngespann wurde zwischen Grätz und Suedhof (Provinz Posen) vom Personenzuge überfahren, der Wagen zertrümmert und der Bauer auf der Stelle getötet. Der Bauer hatte, obwohl dn Zug schon von weitem sichtbar war, den Versuch gemacht, noch vorher den Uebergang zu gewinnen.
* Militärischer Diebstahl. Aus der Gewehrkammer der Ulanenkaserne in Gleiwitz sind zwei Karabiner des neuen Modells spurlos verschwunden. Durch Korpsbefehl wurde eine umfassende Untersuchung angeordnet.
Weil Asch •.
erzielen Ihre Anzeigen in der weitverbreiteten „Fuldaer Zeitung" Geschäft». Anzeigen jeglicher %rt, Heine Anzeigen wie Vermietungen, Verkäufe, Stellen- Angebote und Gesuche re., ebenso Fa-' milien-Anzeigen finden in dem gern gelesenen Blatte größte Beachtung.
Daß e» aber auch in anderen Ländern Leute gibt, die eS in punkto Dienstpflicht sehr genau nehmen, beweist folgender Fall, der sich in ChLlonS-sur-Mame (Frankreich) ereignet hat. Eine etwas weit von der Stadt entfernt wohnende Frau war kürzlich nach der Stadt gegangen und erstand bei einem Kohlenhändler zehn Kilo Brennmaterial. Der sie bedienende Angestellle gab der Frau irrtümlicherweise aber 13 Kilo. DaS kleine Versehen wäre sicherlich unbemerkt geblieben, wenn die Frau nicht am städtischen Zollwächter hätte vorbei müssen, wo man das versteuerbare Brennmaterial abwog und entdeckte, daß e» 13 Kllo waren, während auf dem Ausfuhrschein deS Händlers nur 10 Killt angegeben waren. Der Beamte brachte dieses Delikt zu Protokoll und der vorgesetzte Steuerbeamte, ein gewissenhafter Beamter, klagte gegen den Kohlenhändler wegen — Steuerhinterziehung. Es handelte sich nämlich um die gewaltige Summe von — 1 Centime, die der Stadtkaffe auf diese Weise entgangen wärenl Die Angelegenheit sollte dieser Tage in der Tat vor dem Gericht verhandelt werben, doch war der Bürger» meifter etwas weniger kleinlich wie der Oktroivor- steher und zog die Klage zurück. =p.
— Gemütliches aus Schwaben. In einem Dorfe deS Oberamtsbezirks Tübingen bettelte kürzlich ein Landstreicher. Der Gendarm, gerade außer Dienst, faßte den llebeltäter, aber da er in Zivil war, traute er feiner von keiner Uniform legitimierten Würde wohl selber nicht recht. Er führte den Bettler vor sein HauS und befahl ihm: „Hier bleibet Se stah, bis ich mei Uniform angezog'n hab'!" Das tat aber der Bettler begreiflicherweise nicht, sondern verduftete schleunigst. Das Auge des Gesetzes soll sich in seiner uniformierten Würde darob nicht wenig gewundert haben. «y.
— Ohne dies geht's nicht. — „Wie tried's denn bisher dein Gatte" — Junge Frau: „Musterhaft, ich hielt ihm noch jede Gardinenpredigt ohn- Grunv "