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Rotationrdruckmrd verlag der Fuldaer Ak- tieudruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

M 276.

^ulda, Donnerstag den 2. Dezember 1909.

36. Jahrgang.

Zweites Wtcrtt.

Ausland.

mer zu sagen, die Katholiken könnten niemals "„terlandSfreunde sein, da sie einem Ober-

t arger.

** Im französischen Schulkampf ist eine Rede zu verzeichnen, die Bischof Henry von Grenoble in einem Verein kathol. Familien- väter hielt. Er sagte u. a.:

„Wir greifen die Staatsschule nicht an. Den Lehrern, die ihre Rechte und Pflichten achten, sagen wir Dank. Den anderen dagegen, die in der Hoflnung auf Beförderung gegen ihre innerste Ueber;eugnng handeln, rufen wir zu: Ihr seid verächtliche Menschen. Ich sehe es als die Ehre meines Lebens an, diesen Feldzug unternommen zu haben Keine Drohung wird uns hemmen. Wir Bischöfe werden, wenn es not tut, sterben, um die Seele der Kinder zu retten. Wir wol­len um jeden Preis Frankreich wieder anfrichlen. Der Ministerprästdenl hat sich nicht enlblödet, in der Kam-

Haupt in Rom gehorchen. Ich antworte ihm: Sie, Herr Briand, haben kein Recht, uns zu be­schimpfen. Sie hängen von der Internationale ab. Sie haben sich nicht gescheut, sich zum Berteidiger und Freunde jenes Heros aufzuwersen, der Frankreichs Fahne in den Misthaufen stecken wollte. ®ie wahren Baterlandssreunde sind wir Katholiken!"

Maten. Der Entwurf der Regierung ist im wesent­lichen dem deutschen Alters- und Jnoalidenversiche- rungsgesetz nachgebildet, ein neuer Beweis für die Bortrefflichkeit dieses Meisterwerkes der sozialen Ge­setzgebung.

* Eine eigenartige Spionageaffäre beunruhigt wie­der einmal die Franzosen. Ein angeblicher italieni­scher Unterosfiizer namens Rossi erschien in Paris im Kriegsministerium und versprach, die Namen von mchrcren Offizieren deS französischen Generalstabes zu nennen, die Dokumente veräu­ßert haben, die sich noch vor kurzer Zeit im italie­nischen Kriegs mini ft erium befanden. Die Dokumente bezögen sich auf die Mobilisation des 15. Armeekorps sowie auf die Außenbefestigungen. Er habe diese Doukmente entwendet und wolle sie dem Kriegsminister verkaufen. Rossi wurde wegen Be- trugverdachteS verhaftet. Rach der Angabe des italie­nischen KriegSministeriiünS steht unzweifelhaft fest, daß der Name Rossi feit zwanzig Jahren nicht in den Liften der Beamten des Kriegsministeriiims vorhanden gewesen ist. Es handelt sich bestimmt um einen Be-

obligatorische Müllabfuhr gegen § 903 des Bürger!. Gesetzbuches verstößt. Dieser Paragraph gewährt dem Eigentümer einer Sache das Recht, über seine in fei­nem Eigentum stehende Sache, soweit nicht das Gesetz ober Rechte Dritter entgegenstehen, nach Belieben zu verfahren und andere von jeder Einwirkung auszu- schließen

* Bom Eichsfelde, 29. Noo. 1909. Vor dem Weihnachtsjeste haben die Zigarrenfab­riken volle Beschäftigung; in manchen Fabriken werden sogar Ueberftunden gemacht. Im allge­meinen scheint die Beunruhigung, die über dieser Industrie schwebte, geschwunden zu sein. Gelegentlich des Eingehens einer Zigarrensadrik- siliale in Heiligenstadt, die 40—50 Arbeiter be- schästigte, meldeten sich mehrere Hamburger Fab­rikanten, die gern den Betrieb übernommen hätten, wenn ihnen nicht ein ortsansässiger Fab­rikant zuvorgekommen wäre. Dieser wird nun den Filialenbetrieb noch weiter ausbauen, um statt 50 demnächst 100 Arbeiter beschäftigen zu können. . Auch in Schönhagen ist dieser Tage eine weitere Zigarrensabrik eingerichtet worden und für Heiligenstadt ist die Gründung einer größeren Tabakrippenschneideanstalt zu erwarten. ** * Schmalkalden, 1. Dez. 1909. In den Wäldern des Thüringerwaldes lagert bereits so hoher Schnee, daß es gänzlich unmöglich ist, die für das bevorstehende Weihnachtsfeft erforderlichen Wcihnachtsbäume fällen zu können. Die Chri st bäume werden infolgedes-c. sen in diesem Jahre eine bedeutende Preissteigerung erfahren.

* Darmstadt, 30. Nov. 1909. Ter Tai in» slädler Detaillisten- und Verkehrsverein hatte am Sonntag einen großen Verkaufs- und Dekorationstag verunfta tel. Tie Landbe­völkerung aus der näheren und weiteren Um­gebung Darmstadts war in großer Menge her- beigesttönit. Leider gab es auch verschiedene Unfälle, sie waren jedock, Irdjift-r Na'kn.

♦ Mainz, ‘27. Nov. 1909. Gin gemeiner Streich wurde gestern hier in der Sitzung des Kriegsgerichts aufgeOedt. Der Gefreite Heidmann aus Iserlohn vom 6. Dragoner-Regiment war Ende Sep­tember abgegangen und sollte sich des Diebstahls von Lienstgegenftänden schuldig gemacht haben. Heidmann hatte unter seinem Bett in der Kaserne zwei Kisten stehen, die er am Lage seines Wegganges von einem Soldaten in eine Wirtschaft tragen ließ, um sie sich nach Iserlohn senden zu lassen. In der Wirtschaft abe wurden Oie Kisten beschlagnahmt und das Straf» verfahren gegen Heidmann wegen Diebstahls eingelei­tet, denn in einer der bescblagnahmten Kisten wurden ein Militürmantel, ein Dienstkoppel, vier Rahmen Platzpatronen ufw. gefunben. Heidmann war am Lage vor seiner Entlassung betrunken, er kam erst um 7 Uhr morgens in die Kaserne und hatte am Rach- nuttag seine Kisten, die immer unverschlossen unter seinem Bett gestanden, zu dem Wirt bringen lassen. Ter Angeklagte, welcker sich sehr gut geführt hatte, erklärte, daß er die gefundenen Gegenstände in seiner Betrunkenheit in die Kiste gepackt haben müsse. In der gestrigen Verhandlung streckte der Anklagevertreter Äriegsgenchtsrat Bergmann die Hand gegen den Tra- gener Heymann aus, der aus der Stube des Angeklag­ten lag, und rief ihm laut zu: .Nicht der Angeklagte hat gestohlen, sondern Sie haben ihm die Sachen in die Kiste gesteckt!' Die Richter gerieten in große Auf­regung, ein Moment glaubte niemand an diese Be­schuldigung, bis schließich Heymann zugab, daß er sämtliche Sachen dem Angeklagten heimlich in seine Kiste gesteckt. Auf die Frage, warum er dies getan uno dem Angeklagten diesen schändlichen Streich ge­spielt habe, meinte Heymann, weil der Gefreite ihn einmal als Rekrut geschlagen hatte. Heymann, der in der Verhandlung den befreiten Heidmann des Dieb­stahls beschuldigt hatte, wurde sofort in Haft genom­men, der Angeklagte freigesprochen.

* Duderstadt, 1 Dez. 1909. Ein Rechts­streit von prinzipieller Bedeutung kommt am 6. Dezember vor dem Bezirksausschuß zu Hildesheim zur Verhandlung. Wegen Heranziehung zu den Kosten der städtischen Müllabfuhr klagen 97 Hausbesitzer gegen den Magistrat in Duderstadt. Die Kläger begründen die Klage damit, daß sie den Müll selbst verwenden und somit zu den Kosten der Abfuhr nicht herangezogen werden können. Sie bestreiten die Rechtswirksamkeit der obligatorischen Müllabfuhr unter Berufung auf Art. 9 der Preuß. Verfassungs­urkunde, wonach das Eigentum nur gegen Entschä­digung — im öffentlichen Interesse — entzogen wer­den kann. Die Kläger behaupten feiner, daß die

Deutsches Reich.

)( I« den rheinisch-westfälischen Lehrer- kreisen regt man sich über eine Maßregelung auf. Diesmal sind es die Dortmunder Rektoren, gegen welche die Arnsberger Regierung vorgeht. Rach der neuen Gehälterregelung beziehen die I seminaristisch gebildeten Lehrer an den dortigen höheren Schulen über 1000 Mark mehr Jahres­gehalt als die Volksschulrektoren. Die Rektoren beschlossen deshalb eine Erklärung an den Magistrat, in der sie ihre Zurücksetzung im Ge­halt gegenüberden seminaristisch gebildeten Herren an höheren Schulen als eine Unterschätzung der Arbeit in der Volksschule bezeichneten. Die Er­klärung wurde vom Oberbürgermeister an den Regierungspräsidenten geschickt, und dieser ent- sandte sofort zwei Regierungsräte nach Dort­mund, die am Samstag mehrere der Rektoren in dieser Angelegenheit protokollarisch vernahmen. Man vermutet, daß es sich um einen Ein­schüchterungsversuch handelt, damit die Lehrer­schaft ihre erhöhten Gehaltssorderuiigen fallen läßt.

* Nürnberg, 29. Nov. 1909. Der sozial­demokratische Reichstagsabg. Dr. Südekum hielt jüngst in Nürnberg eine Rede, aus der wir eine Stelle hervorheben wollen. Der rote Herr er­laubte sich den zynischen „Witz":

»Wenn es einen lieben Gott gibt (!), dann scheint er sich in der letzten Zeit mit den Pfaffen

Ans dem Nachbargebiete.

X Aus dem Kreise Gersfeld, 1. Dez. 1909. Am 4. Dezember findet die nächste Kreisausschußsttzung in Gersfeld statt. — Die nächste K r e i s t a g s s i tz- u n g findet Montag den 13. Dezember b. I., vormit­tags 10 Uhr in dem Sitzungszimmer des Kreisaus- schusjes mit folgender Tagesordnung statt: 1. Etat bett, die Unterhaltung der Kreisstraßen für das Rech­nungsjahr 1910. 2. Ausnahme einer Anleihe zur Teilung der Kosten des Ausbaues des Weges Pop- Penhausen-Rodhokz. 3. Feststellung der Kreisrechnung für die Rechnungsjahre 1907/08. 4. Feststellung der Rechnungen der Kreissparkassen zu Gersfeld, Hetten­hausen und Hilders für 1908 und Entlastung der Rechnungsführer. 5. Anderweite Festsetzung bet Ge- hättet bet Kreissparkassenbeamten. 6. Wahl eines weiteren Mitgliedes und Stellvettreters zur Einkom­mensteuer-Veranlagungskommission. 7. Wahl von 2 Mitgliedern des Kreisausschusses anstelle der aus- scheidenden Herren Bürgermeister Ftht. v. b. Tann- Tcrnn unb Landwirt Joh. Jos. Müller-Heiligenhof. 8. Wahl eines Abgeordneten zum Kommunallandtag anstelle des verstorbenen Hm. Stadtvorstehers a. D. Schüßlet Gersfeld. — Zum Kreistagsabgeordneten für die Stadt Gersfeld wurde Herr Bürgermeister F a s o l d gewählt. Die Rechnung der Stadt Gers­feld für 1908 schließt ab mit 84 418,65 Mk. Einnahme und 82 406, :8 Mk. Ausgabe. Die Stadtverordneten zu Gersfeld haben in ihrer letzten Sitzung beschlossen, elektrische Energie für den Bahnhof für 30 Pfg die Kilowattstunde zu liefern und die Kosten der Leitung mkl. Zähler bis an das Stationsgebäude zu übernehmen.

* Schlüchtern, 30. Roo. 1909. Samstag wird dahier das Barbara-Fest, das in Italien ein Volksfest ist, gefeiert werden. Da beimTunnelbau Schlüchtern—Fjieden ca. 200 italienische Ar- beiter beschäftigt sind, wird die Firma Grün u. Bilfinger an dem Tage den Betrieb einstellen. Morgens lO'/r Uhr findet in der kath. Kirche Gottesdienst statt, mittags ist im Gasthaus „Hess. Hof" Festessen mit anschließendem Tanz.

* Hanan, 30. Nov. Wegen Stimmenkaufs sind am 5. Juli vom Landgericht Hanau der Land­wirt Wilhelm Auffarth und der Aufseher Schäfer zu je einem Monat, wegen Beihilfe der Gastw'tt Eisenbrot zu acht Tagen Gefängnis verurteilt worden. Vor der Bürgermeisterwahl ließ sich A. von Sch. bestimmen, für 5 Mark für einen be­stimmten Kandidaten zu stimmen, nachdem cr sich zu diesem Zwecke das Geld von E. geliehen hatte. Die Revision der Angeklagten wurde gestern vom Reichsgericht verworfen.

S etwas überworfen (!) zu haben. Das ging aus den ab (en der letzten Monate deutlich hervor."

Ein Beweis, wie man bei den Sozialdemo- | fraten religiöse Ueberzeugung „ehrt"! Religion und Priester sind den roten Brüdern nur dazu da, um damit einfältige freche Witze zu machen! Das „Schönste" sparte sich die Versammlung zum Schlüsse auf. Es wurde eine absolut tödliche Resolution gefaßt, dahin zu wir- Fen, daß

„die bisherige volkszerstörende (!) Mehrheit des Reichstages, gezwungen durch die — positive, frucht­bare Arbeit der Sozialdemokratie (ü), nur noch zu wählen hat: sich vor dem Volkswillen zu beu­gen oder von ihm zerbrochen zu werden."

Bis jetzt hat die „völkerbeglückende" Sozial­demokratie nur „positive", fruchtbare Arbeit ge­leistet im — wüsten Schimpfen, in der rüden Verhetzung der breiten Volksmassen, im Vor- gaukeln wahnwitziger Zukunstsideen und durch ihren unerhörten Terrorismus gegen Anders- gläubige. Die Herren „Genossen" scheinen ent- schieden an unheilbarem Größenwahn zu leiden!

rvoroen, pe mu jen gemcinjam arvenen und schaffen ** Ei« französisches Altersversicherungsgesetz, das //Atzenden Bestrebungen, sie müssen Einführung einer Reihe sozialer Reformen in gemeinsam kämpfen gegen den Liberalismus und | Frankreich einleiten soll, wird augenblicklich im Senat

lische Volksteil gäbe sein Ringen für die idealen Interessen auf. Würde das den Chttsten des an­deren Bekenntnisses Vorteil bringen? Im Gegen­teil: dann wäre der Liberalismus Herr im Lande, auch über die religiösen Interessen, dann kämen wir alsbald zur konfessionslosen und dann zur religions- losen Schule, und die weitere Verwelttichung (wie sie z. B. jetzt in Düsseldorf der Liberalismus als sein Programm bekennt und betätigt) würde nicht nur die katholischen Orden, sondern auch die evange« lische innere Mission bei Seite drängen.

Die Ausschaltung des Zentrums oder des Katho­lizismus ist nur als die erste Etappe zu betrachten. In Wttklichkeit soll das positive Christentum überhaupt aus dem öffentlichen Leben ausge- fchaltet werden.

Protestanten gemeinsam das Zentrum und den Katholizismus bekämpfen müßten. Das ging so lange gut, als die Konservativen sich den Liberalen und ihrem Gönner Bülow dienstwillig erwiesen. Als die Konservativen sich erlaubten, in der Finanz» frage, Wahlrechtsfrage ufw. ihre eigene Ansicht zu haben unb zu vertreten, da vergaß die Linke sofort die sonst hervorgekehrte konfessionelle Gemeinschaft und erklärte den selbständigen Evangelisch-Konser­vativen den Krieg bis aufs Messer. Es wurde gegen die Konservattven gehetzt und gewütet, als ob Herr v. Heydebrandt und Genossen nicht nm ein Haar besser seien, als die Ultramontanen.

Alle diese Wirrungen und Schiebungen finden ihre einfache Erklärung, wenn man sich bewußt wird, daß die liberalen Kulturkämpfer zwar in erster Linie den Katholizismus bekämpfen, aber keineswegs ibn ausschließlich, — daß sie auch den gläubigen Evangelischen, den sog. Orthodoxen und Positiven, ihre „aufgetlärte" Kultur beibringen wollen, daß es sich also im Grunde um den Kampf des Unglaubens gegen den Offenbarungsglauben, der „Aufklärung" gegen das kirchliche Bekenntnis, des Unchristentums gegen das positive Christentum handelt / M «'cht um professionelle Gegensätze handelt es sich, sondern um den Kampf zwischen k a:Un6s »’n* Unglauben. Denken wir uns I mer den Fall, das Zentrum verschwände und der katho-1 Bat

wir gar nichts. Die unfriedlichen Elemente auf der anbereu Seite suchen ihre Unversöhnlichkeit zu bemänteln mit den alten Ausfällen auf bas Zenlurm: Das Zentrum sei eine konfessionelle Partei, es verhindere die Neuttalisiernng der konfessionellen Gegensätze, der Friede fei erst möglich nach Ueber- Windung und Beseitigung des Zentrums usw. Das ist ein alteS Sieb, es wurde schon gesungen, als Fürst Bismarck sich von'den Liberalen zu seinem unglücklichen Kulturkampf verleiten ließ.

Wäre das Zentrum wirklich die Partei des Kampfes gegen die andere Konfession, so müßte eS doch mit unvermeidlicher Naturnotwendigkeit in den schärfsten Gegensatz geraten fein zu derjenigen Partei, welche die Interessen der evangelischen Re- ligionsgemeinschast vertreten will. Nämlich mit der konservativen Partei. Aber waS sehen wir? In all den Jahren ist immer ro’eber bas Zentrum und die konservative Pattei aneinander gefügt worden, sie müssen gemcinjam arbeiten unb schaffen

's« Die Verurteilung der Bülowscheu Politik,

die der nationallib. Politiker Witt in g in der ,Krenzztg/ unter dem Titel „Innere Politik und Zentrum" veröffentlicht hat (oergl. Nr. 272 der -Fuld. Ztg.0 findet weiterhin Beachtung.

Herr Witting, der etwas tiefer und weiter sieht, als die gegenwärtigen Fraktionsführer des Libera­lismus, erblickt mitÄecht den Hauptfehler des Fürsten Bülow von 1906/07 in der Wiederbelebung des Kulturkampf-Geistes, unb er kommt zum Schluß, daß unser innerpolitisches Leben nur wieder gesunden kann durch die „Ausschaltung kon­fessioneller Gegensätze", zunächst für alle der Reichskompeteuz unterstehenden Gebiete unseres staat­lichen Lebens.

Bei der Ktttik der politischen Wendung im Dezember 1906 unterscheidet Herr Witting ein kleines und großes Experiment. Das kleine war die Aufstechnng der sog. „Eiterbeule", die damals Staatssekretär Dernburg operieren zu müssen glaubte. Wir wollen auf diesen Punkt nicht weiter eingehen. Frhr. v. Hertling hat schon in seiner letzten großen Reichstagsrede angeführt, daß so ein angeblicher „Uebergriff" eines Abgeordneten doch keinessalls eine grundstürzende Wendung in der Politik, eine Aechtung und Bekämpfung der ganzen Zentrums- Partei begründen konnte. Die Hauptsache ist und bleibt das, was Fürst Bülow auf das Vorspiel Dernburg-Roeren folgen ließ:

.eine Auflösung mit scharfer Frontstellung gegen bas Zentrum; sie war, sagt Witting, „taktisch falsch und vorn Standpunkte des politischen Ethos schwer ,u rechtfertigen". Fürst Bismarck habe nach sechsjähriger Erfahrung den großen Fehler seines Kulturkampfes erkannt und nach Möglichkeit berichtigt, trotzdem sei Fürst Bülow wieder in denselben Fehler verfallen, der uns nun sicherlich wieder manche Jahre der inneren Entwickelung kosten werde.

Run werden die Vetteidiger Bülows gewiß be- ,aupten, es fei ja kein „Kulturkampf" ein- geleitet, sondern nur die „Ausschaltung des Zen- trums" angestrebt worden. Demgegenüber steht das Bekenntnis des Wahlmachers, Generals Keim, daß der „furor protestanticns* (der protestantische Grimm) den Ausschlag gegeben habe. Silben« stecherei hilft nicht über die Tatsache hinweg, baß das Zentrum deshalb geächtet und mißhandelt wurde, weil es die politische Vertretung des katholischen Volksteils darstellt. Herr Wit- ting will gerade vor diesem Hineintragen des kon­fessionellen Gegensatzes in bie politischen Kämpfe und Arbeiten warnen, und so klingt denn sein Artikel in den Mahnruf aus, daß man das Zen­trum als gleichberechtigt an den parlamen­tarischen Aufgaben Mitarbeiten lassen solle.

Diese Gleichberechtigung ist ja das, was der im Zentrum vertretene Volksteil erstrebt. Weiter wollen

Die staatlichen zu Recht bestehenden Schulanorbmmgeu im Gebiete des vormalige« Herzogtums Nassau von Joseph Noll, Seminar-subregens. Preis Mk. 2.—. Kommissionsverlag der Limburger Vereinsdruckerei, Limburg (Lahn).

Schon längst war es der Wunsch der mciften Fachleute, das im Gebiete des ehemaligen Herzog« Iums Nassau heute gellende Schulrecht in einem kurzen Handbuche geordnet zu haben. Dieser Wunich laßt sich um so mehr begreifen, als noch beute viele Schulanordnungen aus Naflau's Zeiten zu Recht bestehen, andere durch Gesetze und Ver­ordnungen aus preußischer Zeit aufgehoben und seandert sind. Zwar hat Geheimer Regierungs­und Schulrat Hildebrandt 1904 die „Verordnungen betr. das Volksschulwesen im Regierungsbezirk Wiesbaden" herausgegeben; doch ist hier stets der ganze Wortlaut der Verordnungen angeführt, was die Uebersicht sehr erschwert; zudem sind seit 1904 eine große Anzahl neuer Schulanordnungen erlassen worben. Es war deshalb ein glücklicher Gedanke, einmal kurz und bündig das heute geltende Schul­recht in einem handlichen Büchlein zusammenzu- iellen. Es kommt sicher vielen Lehrern, Schul- mspektoren und Schulvorständen wie gerufen.

die Sozialdemokratie, und zwar nicht bloß auf dem Gebiete der materiellen Wirtschaftspolitik sondern auch für gemeinsame ideale Güter, z. B. auf dem Gebiete der christlichen Jugenderziehung.

Die Blockpolitik der letzten 20, Jahre war der fein berechnete Versuch, die natürliche Berührung zwischen dem Zentrum und den evangelischen Kon­servativen zu beseitigen durch Ausnutzung des furor protestanticns gegen den Katholizismus. Die evangelischen Konservativen sollten dem Libera­lismus in die Arme geführt werden unter der Vor­spiegelung, daß die Rechte und die Linke als

vermischtes.

* Gegen Mißstände im Gastwirtsgewerbe. Das Königliche Landesmedizinalkollegium in Dresden be­schloß in seiner letzten Plenarversammlung, bei dem Königlichen Ministerium des Innern zu beantragen, daß Maßnahmen gegen zahlreiche gesundheitswidrige Mißstände im Gastwirtsgewerbe getroffen werden. Insbesondere sollen Pfeffer und Salz nur in Streu­büchsen, Senf in Tuben, Brot in einzelnen Schnitten, Weißbrötchen in Pergamentpapier, Zahnstocher in automatenartig wirkenden Behältern dem Publikum zur Verfügung gestellt werden. Endlich soll das f»genannte Einsprengen der Wäsche, sowohl der Tisch-, wie der Bettwäsche, unter allen Umständen, wenn die Wäsche gebraucht worden ist, den Gast­wirten verboten werden.

* Auch die „schweren Jungen" werben nervös, d. h. immer bann, wenn sie sich vor Gericht berank- wotten sollen. Das Schwnrgeecht des Berliner Land­gericht 2 hatte sich mit den Verbrechern Hotze, Kühne, Kühnel, Stäche unb Svz zu beschäftigen, bie feiner« 3«t am hellen lichten Tage einen Raubversuch in einem Juweliergeschäst ber Potsdamerstraße in Ber­lin unternommen hatten. Als nun verhandelt werden sollte, erklärte der Anführer ber Horde, Hotze, er könne ber Verhandlung nicht folgen, da er sich in „seelischer Depression" befinde! Unb richtig, der Prozeß wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

— Kindermund. Lehrer: „Wer von euch weiß was ein Junggesell ist?" — Kleines Mädchen: „Ein Jungeselle ist ein glücklicher Mensch." — Lehrer: »Wie kommst du darauf?" — Kleines Mädchen: „Papa hat's gesagt."

Literarischem

Pastor bonus. Zeitschrift für kirchliche Wissen- schäft unb Praxis, herausgegeben von Dr. Ehr. Willems, Prozessor am Priesterseminar m Trier. Monatlich erscheint ein Heft in der Stärke von drei Bogen. Preis jährlich 4 Mark. Truck und Verlag der Paulinus-Druckerei (®. m. b. H.) in Trier.

Inhalt des 2. Heftes pro 1909/10: Wahrschein, liche Auffindung der Gebeine des hl. Hubertus. (?. Emonds, 0. F. M.) — Die öftere und tägliche Kommunion. (Schluß.) (P. G. Allmang, Obi. M. I.) — Strophenbau in der Bibel. (Dr. H. Junker.) — Weltanschauung unb Literatur. (Provinzial Dr. Jos. Froberger.) — Zeit- und Streitfragen. (Pfarrer Wessel.) — Soldarenfürsorge. (Konviktsdirektor Archeier.) — Mitteilungen: Eine liturgische Frage. (Jansen, C. Ss. R.) — Zur Kreuzigung Jesu. -Pfarrer Alb. Müller.) — Konvettiten in den Ver- einigten Staaten. (P. I. Wallenborn, 0. M. L) — Hauskapellen. (Direktor der Schwestern der Vorsehung Dr. Hubert) — Wie sichert man dem Bonifatins-Verein Zuwendungen durch ein Testa­ment? (Bonifatiusblatt Jahrg. X.) — Bücherschau. — Neu eingegangene Bücher. — Zeitschriften.