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Fulda, Mittwoch den 1. Dezember 1909

M 275

Zweites A-taLt

Dr.

Dr.

Sigurd/

Er nickte zustimmend. „Wenn Dtr daran liegt,

tKortsetzuna folaP

gewiß. Rma.

36. Jahrgang.

— An den Kardinal Kopp, erfolgte, knüpfen

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-nrnahmr der So.m- -»d Zeiettage Viettel- ßihrlicherVeMgspreis tzhne vringeklohn und Bestellgeld in Zulda ft- vieamwärtrl -Sv AU.

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Z.parzeller in Zulda. wochenbettaser Illustrierte Zomtagrzeitung"

Eine soeben angekommene Depesche aus Eclin- Hütte, die mich wegen einer Unordnung in der Hauptverwaltung dorthin nift, zwingt mich, sofort abzureisen, ohne Such noch ausgesucht zu haben. Die beigefügten Blumen, die ich gem selbst in Deine kleinen Hände gelegt hätte, bringen Dir meine Grüße und den Ausdruck meines Entzückens über Deine

„So heilige Liebe, wie die ist, die ich für Dich hege, wird im Zusammenleben auch Deine erwecken, Rena, ich fürchte mich nicht, solch Leben zu beginnen/

„Aber ich. Werner? Ich kenne mich. Wir sind uns gut gewesen von Kindheit an, so soll es bleiben. Sind wir an einem Ort, wollen wir uns oft sehen, sind wir getrennt, oft schreiben. Dein und mein Lebensgang sollen, wenn auch getrennt, doch in un­zertrennlichem Zusammenhang mit uns sein. Und das will ich Dir noch sagen. Deine Braut wäre ich heute auch nicht geworden, selbst wenn mein Herz ganz frei wäre und Dir in bräutlicher Hingebung zugetan wäre. Erst will ich noch lernen und dann Blüten pflücken im Reiche der Kunst. Der will ich angehören, vorläufig keinem weiter. Das sei Deine Genugtuung für das Weh, das ich Dir antun mußte/

„Und dafür danke ich Dir, Renate, ich kann und werde warten. Zeit gewonnen, alles gewonnen, denn Zeit schafft Wandlung im Menschen/

„Und Zeit vernarbt auch Wunden, so denke ich. Wirst eine andere finden über kurz oder lang und wie ich die lieb haben will, Werner, das kann ich Dir ja gar nicht sagen. Und nun ist's klar zwischen uns, ja? Beim alten bleibt's in der Freundschaft und im Zusammenhalten, daraus wollen wir uns die Hände geben, und komme ich ie in die Lage, einen Freund zu brauchen, dann rechne ich auf Dich, nur auf Dich/

„Das sollst Du, Renate. Ich werde immer Dei­nes Rufes gewärtig sein, denn wie Du auch über Dich bestimmst, für mich bist und bleibst Du das Ziel, in dem mein Streben und Hoffen gipfelt/

Sie standen auf und gesellten sich wieder zu den Verwandten. Kein neugieriger Blick, kein neckendes Work berührte das, was die beiden allein verhandelt. Die GMer klangen noch einmal aneinander, dann nistete Werner sich zum Aufbruch.

„Ostern sehen wir Dich doch wieder?" fragte ihn Dornau.

„Das fragst Du noch, Onkel?" sagte Renate er­staunt. „Alle drei Feiertage lege ich Beschlag auf ihn. Richt wahr, Werner, das darf ich?"

Dr. jur. Karl Bachem. Dr. Jul. Bachem. Blumberg. Cahensly. Fehrenbach. Förster. Fritzen-Düffeldorf. Graf Galen. Gröber. C.. Hager. Herold. Hitze. Horn-Neisse. Kirsch. Müller-Fulda. Otto. Graf Praschma. Dr. Pichler. Roeren. v. Savigny. Dr. Schaedler. Scharmer. Graf Strachwitz, v. Strombcck. Karl Trimborn.

Wallenborn. Wellstein.

Besuch des Kaisers beim der bekanntlich am Montag liberale Zeichendeuter aller­hand" sonderbare Vermutungen an. So be- hauptete der „Bresl. Generalanzeiger", daß von Zentrumsseile der Versuch gemacht werde, den Kaiser für eine „Neuorientierung der inneren Politik" zu gewinnen unter Wiedereinschiebung des Zentrums. Ein Redakteur der „Germania" sei vom Fürstbischof nach Breslau zitiert worden, um dort vertrauliche Mitteilungen entgegenzuneh­men, die auf die weitere Haltung der Zentrums- preffe zu den Fragen der inneren Politik wirken sollen. Die „Germ." schnitt aber dieser Ente sofort den Hals ab, indem sie die Mitteilung als Erfindung erklärte; mit den anderen Kombina- Honen wird's nicht besser stehen, auch soweit die Neubesetzung des Posener Bischofsitzes mit dem Besuch in Zusammenhang stehen sollte. Wahr­scheinlich handelt es sich nur um einen Höflich, keitsbesuch des Monarchen, der bekanntlich wäh­rend der .letzten schweren Erkrankung des Kardi­nals seine lebhafte Teilnahme zum Ausdruck brachte. In seinem Dankschreiben dafür hat der Kirchensürst seinerzeit dem Kaiser den Wunsch ausgesprochen, ihm auch persönlich danken zu dürfen, und so ist der Abstecher des Kaisers er- klärlich auch ohne die liberalen Kombinationen. Bezeichnend genug aber ist es wohl, wenn ein reiner Höflichkeitsbesuch des Kaisers bei einem Kardinal schon hinreicht, um der Preffe, die unter der Fuchtel des Evangel. Bundes steht und auf den „Antiultramontanismus" einge­schworen ist, Herzbeklemmungen zu verursachen.

* Die Landtagsersatzwahlen in den vier Berliner Wahlkreisen, deren Mandate vom Ab« geordnetenhause für ungültig erklärt waren, finden am heutigen Dienstag statt. Der Minister

die Zentrumsfraktion des Reichstages hat auch tat- sächlich bis heute stets Angehörige eines nichtkatho- lifchen GlaubenSbekenntniffeS zu chren Mitgliedern gezählt, welche allen, auch ihren intimsten Verhand- langen beigewohnt haben. Dabei ist es als selbst- verständlich zu betrachten, daß in denjenigen Fragen, welche das religiöse Gebiet berühren, sich jeder Ab- geordnete nach den Grundsätzen seines Glaubens- bekenntuiffes richtet.

Ein solches Zusammenwrrken katholischer und nichtkatholischer Männer innerhalb der Zentrums, partei ist ein wertvolles Unterpfand für die Für- derung des Friedens unter den christlichen Konfes- fionen und erleichtert es, auch dasjenige wirksam zu schützen, das denselben gemeinsam ist. Und daß es ein weites Gebiet solcher gemeinsamer Grundsätze und gemeinsamer Interessen gibt, lehrt das öffent­liche, insbesondere auch daS politische Leben alle Tage.

In diesem Geiste wird die Zentrumspartei, fest auf dem Boden der Verfaffung stehend, auch ferner­hin bestrebt fein, unbeirrt durch die das Gemein­wohl schädigende konfessionelle Hetze, ihre Pflicht gegen das deutsche Vaterland zu erfüllen.

Berlin, 28. November 1909.

Dr. Frhr. von Hertfing. Dr. Porsch.

Um 2 Uhr folgte im Reichstag die erste Sitzung der neuen Seffion.

Graf Stolberg eröffnet auf Grund der Geschäfts- ordnuna als Präsident der vorigen Tagung die Sitzung und beruft zu vorläufigen Schriftführern die Abgg. Roaalla v. Bieberstein (tonf.), Engelen (Zentt.), Dr. Sennes (freis. Vp.) und Rimpau (natl.). Das Haus ehrt das Andenken der feit der letzten Tagung ver­storbenen Abgg. Böning (tonf.), de Witt (Zentr.j und Schmidt (freis. Vp.) durch Erheben von den Sitzen.

Zur erstmaligen F e st st e l l u n g d e r B e s ch l u ß - säbrakeit erfolgt der Namensaufruf. Er ergibt di« Anwesenheit von 337 Mitgliedern, das Haus ist also beschlußfähig.

Die Tagesordnung ist damit erschöpft. Morgen: die Wahl des Präsidenten. ______

Deutsches Reich.

Die Wähler des Bezirks Geifa-Dermbach seien daran erinnert, daß Donnerstag, 2. Dezember d. Js. die Landtagswahl stattfindet. Als Kandidat des Zentrums ist Herr Dr. Jos. Kiel auS Geisa aufgestellt worden. Die Zentrumswähler werden sich eine Ehre daraus machen, vollzählig zur Wahl zu erscheinen und ihre Stimme für Herrn Dr. Kiel abzugeben. Es scheint allerdings, als ob von gegnerischer Seite ein Kandidat nicht aufgestellt sei. Aber der Schein trügt oft.

Also Mann für Mann zur Wahl. für Herrn Dr. Jos. Siel!

JrreuSe Seele.

30] Roman von H. T e I ch e r t.

„Und was wird aus mir, Rena? Weißt Du nicht, daß Du mir Leben und Sonne bist, daß all mein Denken seit meinen Knabenjahren in Dir wurzelt? Weißt Du nicht, daß all mein Streben nur Dir gilt, daß ich's nicht glauben kann. Du wollest mich im Leben allein kaffen?"

„Werner, lieber Werner?"

„Sag'» mir, daß die Liebe zu dem andem nur in Deiner Phantasie wohnt, daß nur ein Bann Dich in Fesseln geschlagen und Du im Ernst nie daran ge­dacht hast, diesem anderen zu gehören. Keiner, kei­ner auf der ganzen Welt meint es so gut mit Dir, wie ich, Rena, keiner kann Dich ja so lieben, denn meine Liebe ist eins mit meinem Sein, wie ein Ge­setz, mir von dec Natur gegeben."

„Freundes- — Bruderliebe ist es, Werner. Die langjährige Bewohnbeit, glaube eS mir. Du täuschst Dich in Deinen Gefühlen." .

„Du möchtest eS mir einreden, weil Du mich nicht anders wie eine Schwester liebst."

Er löste seine Hände und legte sie an seine Schlä­fen, als müsse ec da etwas beschwichtigen. Renate war blaß bis in die bebenden Lippen.

„Laß mich mit Dir reden, Werner, komm, wir setzen uns hier nebeneinander. Nicht trennen soll uns die Stunde, fester soll sie den Freundschaftsbund knüpfen, daß er aushält fürs ganze Leben."

Er ließ sich willenlos führen. Eindringlich ernst sprach sie zu ihm. „Wir sind keine Kinder mehr, Werner, mit bewußten Augen schauen wir in das Leben, und willst Du, daß ich mit einer Lüge neben Dich trete, wenn's eben das Leben gilt? Du brauchst ein ganze«, volles Glück, Du verdienst es und ich — ich könnte Dir das nicht geben. Eine Hälfte meines Seins wird immer der Kunst gehören, die opfere ich nicht, um keinen Preis, die andere Hälfte, die wür­dest Du dann doch wenigstens ganz beanspruchen und wenn Du dann schließlich einsehen müßtest, daß Du auch dabei noch betrogen worden bist, daß der Liebe Deiner Frau das heilige Feuer der echten Gattenliebe fehlt, daß nur opferwillige Schwesterliebe —"

hat entgegen den bisherigen Verfahren (Termins- wähl) für diese Wahlen Fristwahl angeordnet.

X Für die Offiziersprüfungen sind jetzt bedeutende Erleichterungen geschaffen worden. Die schriftlichen und mündlichen Fähnrichs­prüfungen der Kadetten finden künftig bei der Hauptkadettenanstall durch die Klassenlehrer statt. Den Primanern der höheren Lehranstalten soll nach Maßnahme ihrer Schulzeugnisse die Prüfung erlassen werden. Außerdem können alle Prüflinge, die in der schriftlichen Fähnrichsprüfung gut be­standen haben, von der mündlichen Prüfung b^ freit werden. Die Reihenfolge der Patente soll sich nach den Leistungen in der Prüfung regeln.

-j- Religionsunterricht an höheren Lehranstalten, T-ie Frage der Etteilung des Religionsunterrichtes an konfefflonelle Minderheiten ist in der katholischen Preffe bereits des öfteren behandelt worden. Dec in Preußen in dieser Beziehung bestehende tatsächlich« Zustand, namentlich die Behandlung der katholischen Minderheiten hat seit je zu den mannigfachsten Kla- gen Veranlassung gegeben. Es mangelte jedoch bis­her an einer systematischen Zusammenfassung der in Betracht kommenden Gesichtspunkte und insbesondere an festen statisttschen Unterlagen. OberlandesgerichtS- rat Marx-Düsseldorf veröffentlicht nun in der „Köl­nischen Volkszeitung" ein recht interessantes Material über die Etteiftmg des evangelischen ReligionS- untecttchteS an höheren Lehranstalten in überwiegend katholischen Orten, das in seiner Kontrastwirkung eine beredte Sprache redet. Die mitgeteilten Zahlen be­ziehen sich nur auf städtische höhere Lehranstalten. E» sind 30 Otte mit allen ihren höheren städtischen Schu­len aufgefilhtt, barunter Fulda mit seiner Oberceal- schnle; überall wird angegeben, welche Geldbeträge für den Religionsunterricht der protestantischen Schnl- minderheiten städtischerseits ausgewendet werden. ES sind Städte der verschiedensten Einwohnerzahl. Bei recht bielen ist die Zahl der evangelischen Schüler verhältnsmäßig verschwindend: und dennoch wird die Sorge d:r Stadtverwaltungen für Erteilung des evan­gelischen Religionsunterrichts auf daS Peinlichste be­tätigt; auch selbst da, wo nur 2, 5, 3, 12, 17, 18, 15 evangelische Schüler vorhanden sind? So steht Tole­ranz und Parität bei katholischer Mehrheit au8. Da­mit vergleiche man Zahlen, wo selbst bei großer ka­tholischer Schitterzahl für Relgionsnnterttcht nicht ge­sorgt ist: FttedttchS-Gymnastum in Berlin bei 35 katholischen Schülern, Realgymnasium zu Rixdorf bei 51, Gymnasium zu Wilmersdorf bei 41, an den Mit­telschulen von Altona bei 50—55 katholischen Schü­lern. Diese Bttspiele lassen sich reichlich vermehren. Wünschenswett wäre eS, wenn zur Herstellung einet genauen Statistik auch über die Etteilung des Reli- gionSunterttchtes an Minderheiten an den Volks­schulen eine Zentralstelle geschaffen würde, welche für die Beschaffung und Zusammenstellung des Zah­lenmaterials Sorge trüge. Wenn wir mit zuver­lässigen Zahlen den schlagenden Beweis erbringe«, wie schlecht die katholischen Minderheiten in vielen Gemeinden behandelt werden, werden wir Aussicht haben, wenn auch erst nach vielen Mühen, Abhilfe zu schaffen. Vielleicht werden dann auch manchen gut­mütigen Katholiken die Augen übergehen, die da glau­ben, man brauche nur alles der liebevollen Fürsorge und dem ausgesprochenen Gerechtigktttssinne liberaler Verwaltungen zu überlassen, dann würde unseren gerechten Forderungen Genüge geleistet.

)( Der Hansabund wird also von den Ber­liner Mittelstandsherren weiterhin unter­stützt werden. DaS ist daS Ergebnis der sog. 6. ordentlichen Generalversammlung der deutschen Mittelstandsvereinigung, über die wir am Montag

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Deutscher Reichstag.

Berlin, 30. November 1909.

Nach feierlichem Festgottesdienst, für die katho­lischen Abgeordneten in der St. Hedwigskirche, für die protestantischen im Dome, erfolgte um 12 Nhr im Weißen Saale deS Königlichen Schlosses der feierliche Staatsakt der

Eröffnung des Reichstages.

Eine uniformierte Reichstagsfitzung! Natürlich überwog bei den Abgeordneten der schwarze nüchterne Frack. Aber die Herrschaften von der Generalität, ter Avmiralität und des Generalstabes, die zahlreichen sonstigen Würdenträger des Hofes und nicht zuletzt zahlreiche Abgeordnete erschienen in Uniform. Erschien doch der Präsident des Hauses, Graf Stolberg, in der Uniform des Kürassiergenerals, während sonst diese Uniform Bismarcks noch bei dem Abg. Grafen Praschma und beut Herzog von Arenberg, beide vom Zentrum, vertreten war. Hera v. Bethmann-Hcllweg, der Reichskanzler, glänzte in der Uniform des Garde­dragoner-Majors. Herr Dernburg erschien in ter bei ihm üblichen Bankiers-Uniform, in schwarz, gehoben durch das blaue Band des Kronenordens.

Drei Stockschläge des diensttuenden Kammerherrn und dann marschierte mit dröhnendem Schritt die Friedericanische Echloßgardekompagnie mit der Fahne in den Saal und nahm gegenüber bcm Throne hinter ben Abgeorbneten Aufstellung. Darauf betrat mit dem großen Vortritt der Kaiser den Saal in der Uniform der Garde-du-Korps. Hinter ihm der Kronprinz und die drei nächstältesten Prinzen sowie die anderen, in Berlin anwesenden Fürstlichkeiten. Im Augenblick des Er­scheinens des Kaisers brachte Graf Stolberg das Hoch auf den Kaiser aus. Die Schloßgarbekompagnie prä- sentierte, langsam schritt der Kaiser die Mittelstufen hinaus und wandte sich zur Versammlung, um die Thronrede aus der Hand des Reichskanzlers ent- gezeruunehmen und zu verlesen.

Während darauf die Schloßgardekompagnie von neuem präsentierte, erklätte der Reichskanzler im Auf­trage des Kaisers im Namen der verbündeten Regie­rungen den Reichstag für eröffnet.

Dec fclgende Tag brachte Ueberraschungen. Schon , unn oen Ausdruck meines csmzucrens uoer tyeute am frühen Morgen war ein Blumengruß von Si-, gestrige Leistung Hättet Ihr mich gestern abend nicht

giirb .angekommen. Wie immer weiße Rosen, von i verbannt, wäre sch gem zu Euch gekommen, aber zu

Veilchen umgeben. Fräulein Maria hatte das Bukett erzwingen, was mit nicht freiwillig geboten wird,

möglichst leise auf Renates Nachttisch gelegt. Sie geht gegen meine Grundsätze und so kommt es nun,

solle auf keinen Fall geweckt werden, hatte Beate an-; daß ich auf das Vergnügen verzichten muß. Dich noch

geordnet, denn nun feien Ferien, die in jeder Be- vor meiner Abreise zu sehen. In zwei, drei Wochen

ziehung ansgenutzt werden sollen. Der intensive bin ich tvieder in Berlin. Darf ich hoffen, daß Du

_ Blumenduft wirkte aber doch beunnihigend auf Re- Dich auf mein Kommen freust?"

Ljum.mnv. vuiu« natk, die erst in den Morgenstunden eingeschlummert

Bon hier aus fahre ich dann gleich 1 war und nun fest und traumlos geschlafen hatte. Auf

unsichtbaren Schwingen flatterten all die kleinen Blu« mengeister zu dem schlafenden Mädchen, woben neck­isch Traum um Traum um sie, bis sie sich unruhig hin und herwarf und schließlich blinzelnd die Augen öffnete. Sie lag ganz still und dachte nach, das war ja ein merkwürdiger Traum, der sie eben geweckt. Veilchen waren über sie geftreut worden, wie dichter Regen, lind als sie ftauntnb um sich geschaut, woher der Segen kam, hatte sie in Werners fröhliche Augen geblickt. „Nun bist Du doch mein geworden", hatte er gejauchzt, „sieh dort, von selbst geht der andere/ lind weiter waren ihre Airgen gewandert. Da hatte Sigurd gestanden, neben ihm, ihn umschlungen hal­tend, ein Traumgeflcht mtt verschwommenen Zügen, in glitzerndem Schleppgewande und einem Krönchen auf dem Kopfe, und seitwätts, von beiden abgewandt, eine schattenhafte Gestalt mtt verhülltem, trauerge­beugtem Haupte. Langsam entfernte sie sich weiter, immer weiter, 618 sie im Nebel zerrann.

Und wieder hatte sie Werners Stimme gehört. „Das war deine einstige Liebe, Rena, in nichts ist sie geschwunden, wie alle Einbildung. Sieh, licht ist die Stelle geworden, wo sie ihre Schatten warf." Und bann war sie erwacht. Sie richtete sich auf und rieb fick die Augen. Solch ein Traum! Nach Veilchen roch es aber doch. Suchend schaute sie um sich. Da lagen ja auch die Attentäter! Sie griff danach und las die Zeilen, die daS betgefitgte Kuvett barg.

„Liebe Renate!

Erklärung.

Der Vorstand der Fraktion des Zentrums im Reichstag, der Vorstand der Fraktion deS Zentrums im preußischm Abgeordnetenhaus und der Landes­ausschuß der preußischen Zentrumspattei haben am 28. November 1909 in Berlin im FrattionSzimmer des Zentrums im Reichstagsgebäude eine gemem- schaftliche Sitzung abgehalten.

Nach eingehender Aussprache gab der Abg. Roeren die Erklärung ab:

Weil die Definition des Charakters deS Zen­trums im Satz 1 der Beschlüsse der sogenannten Osterdienstags-Konserenz zu Mrndeutungen Anlaß gegeben hat, trete ich auf den Boden der in der heutigen Versammlung vorgeschlagenen Erklärung über den Charakter des Zentrums."

Daraus wurde die nachstehende Erklärung ein­stimmig angenommen und deren Veröffenttichung beschlossen:

Die vereinigten Vorstände der beiden Zentrums- fraktioneu des Reichstages und des preußifchen Ab­geordnetenhauses sowie der Landesausschuß der preu­ßischen Zentrumspattei sind der Meinung, daß es gegenüber den fortgesetzten Mißdeutungen des Cha­rakters der Zentrumspartei genügen könne, auf daS feit 1871 unverändert bestehende Programm und die fast 40jähttge Tätigkeit des Zentrum? zu ver- roeiftn. Sie glauben gleichwohl folgendes erklären zu sollen:

Die Zentrumspartei ist grundsätzlich eine poli­tische nichtkonfessionelle Partei; sie steht auf dem Boom der Verfaffung des Deutschen Reiches, welche von dm Abgeordnetm fordert, sich als Vertreter des gesamten deutschen Volkes zu betrachtm. Darum rrstrebt die Zentrumspattei den Schutz und die volle Gleichberechtigung aller Staatsbürger, derm In- tereffm sie in steter Rücksicht auf die Wohlfahrt des Ganzen und auf das Gedeihen aller Riaffen zu ver­treten sucht.

Schon das Programm der Zentrumsfraktion des Reichstags von Ende März 1871 verlangt unter Ziffer 2: „Für die bürgerliche und religiöse Freiheit aller Angehörigen des Reichs ist die verfassungs­mäßige Feststellung von Garantien zu erstrebm und insbesondere das Recht der Religionsgesellschaften gegen Eingttffe der Gesetzgebung zu schützen." Mit diesem grundsätzlichen Charatter steht keineswegs im Widerspruch, daß die Zentrumspartei in den langen Jahren des Kulturkampfes die Abwehr der gegen dm katholischen Voltsteil gerichteten Maß­nahmen auf dem Gebiete der Gesetzgebung und Ver­waltung als erste und dringendste Ausgabe betrach­ten mußte, und daß es auch hmte noch eine ihrer vornehmsten Pflichtm ist, die staatsbürgerliche Gleich­berechtigung der katholischen Minderheit zu wahren. Auch in der Erfüllung dieser Pflicht hat die Zentrumspartei niemals den Charakter einer poli­tischen Partei verlmgnet, welche auf den rechtlichen Grundlagen eines konfessionell gemischten Staates zu wirken berufen ist.

Abgesehen von dem Programm bietet die Tat­sache der Zugehörigkeit saft aller ihrer Wähler und ihrer Abgeordntten zur katholischen Kirche gmügende Bürgschaft dafür, daß die Zentrnmspattei die be- rechtigten Jntereffen der deutschen Katholiken auf allm Gedietm des öffentlichen Lebens nachdrücklichst vertreten wird. Dadurch verliert aber die Zenttums- partei nicht dm Charatter einer rein politischen Partei.

Die Zentrumspartei hat die Zugehörigkeit zur Partei niemals von der Angehörigkeit zum katho­lischen Glaubensbekenntnis abhängig gemacht, und

nach Hause, die Eltern ecwatten mich zu ihrem Feste und da ich mit Eberswalde fertig bin, bleibe ich bis Ende August in Kurland.

„Und wo Iaht Du Dich immatrikulieren?" fragte 1 Beate.

„Wahrscheinlich hier."

„Sag' doch, ganz bestimmt hier", vecbessette Re­nate. Dann besann sie sich. „Ich habe ja allerdings in diesem Jahre nichts davon."

। „Du begibst Dich bald auf Deine Studienreise?" \ „Nicht zu bald. Vorläufig nehmen wir sie mtt nach Rügen", sagte Beate, „erst, wenn sie ganz ner­ven- und grillenlos ist, schicken wir sie auf die Wan­derschaft."

Renate begleitete Werner bis zur Türe. Er zog schweigend ihre Hand an die Lippen. Ihm hatte der heutige Abend viel gekostet, seiner Hoffnung schwellende Segel waren gerefft worden und sein Lebcnsschifflein, das er auf Glück gesteuett, drohte zu kentern, noch ehe es seine eigentliche Fahtt be­gonnen.

Er wanderte lange in den Straßen umher, zweck- unb ziellos, und dann, ihm selbst unbewußt, trieb ihn der Frühlingszwang ins Freie. Im Ziergarten setzte er sich nieder. Frischer, köstlich aromatischer Duft, dem jungen Grün entsproffen, das überall keimte, umfächelte ihn. Durch dte Baumwipfel ging ein leises Raunen und schlaftrunkener Vögel Gezirpe. Ruhe — köstliche Ruhe war hier und mitleidig wob die Hoffnung Foden um Faden und umspann von neuem das wunde Herz deS Mannes, der Stunden um Stunden hier saß, bis der junge Morgen die stille , Nacht rertrieb.

10. Kapitel.