Maer W Zeitung
wochenbeirage: „Illustrierte §omltag§zeitllNg"
Fulda, Mittwoch den 1. Dezember 1909
36. Iahrqanq
M 275
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Drittes Wtcrtt.
* „Die Landwirtschaft hat's leicht!"
Welche sonderbare Anschauungen über Bedeutung und Ertrag landwirtschaftlichen Besitzes heute noch in manchen Kreisen herrschen .davon kann man beim Verkehr unter nichtlandwirtschasticher Bevölkerung nur zu oft die merkwürdigsten Beispiele erleben.
* Besonders der Kampf um die »Besitzsteuern" gelegentlich der Reichsfinanzreform hat davon reichliche Proben gegeben Rach dem, was man da in sozialdemokratischen und aber auch in liberalen Blättern bet der Gelegenheit lesen konnte, hätte es scheinen mögen, als ob der landwirtschastiche Besitz seinem Inhaber ganz besonders hohe wirtschaftliche Vorteile gewähren müßte. Denn sonst wäre es ja gar nicht erklärlich, daß man gerade i h n ganz besonders und vor allem im Auge hatte, wenn man von „Besitzsteuern' sprach und die Ablehnung der Nachlaß- und Erban- fallsteuer als ein« besondere Begünstigung der Landwirtschaft ausposaunen konnte.
In der Tat herrscht heute in vielen Nichtland- wirtschaftlichen Steifen oft genug die Ansicht, als ob »die Bauern" sich deS schönsten, gemächlichsten Einkommens zu erfreuen hätten; denn wie Herr Arnold Steimann-Bucher in feinem „berühmt" gewordenen Buche, 350 Milliarden deutsches Volks- vermögen (Berlin 1909, S. 39), uns verrät,
meint es das Schicksal mit den Landwirten eigentlich sehr gut. Wohl macht ihnen der Himmel hie und da einen Strich durch die Rechnung, aber die Natur überschüttet sie dafür verschwenderisch mit ihren Gaben. Sie ist die unerschöpfliche und ewige Betriebskraft der Landwirtschaft; sie läßt das Gras, die Kräuler und Bäume wachsen, sie zeugt die Herden, spendet Licht, Wärme und Nahrung, verrichtet also das Hauptgeschäft in der Landwirtschaft, demgegenüber das, was der Landwirt hinzusetzt, doch etwas weniger bedeutet.
Ist daS nicht „klassisch" ? Und das schreibt ein Mann, der sich als volkswirtschaftlicher Schriftsteller einen gereiften Ruf erworben hat, und dessen oben erwähntes Buch noch dazu von offiziöser Sette als ein vorzügliches Hilfsbuch im Kampf um die Reichsfinanzreform angelegentlich empfohlen worden
jtan solche Ansichten in der Mehrheit des deutschen Volke- das Uedergewicht erhielten und wenn sie, wie es fast den Anschein hat, auch in manchen Regierungskreisen geteilt werden, dann, Bauer, darfst du einpacken i Aber ftagen wir unS: WaS sagt die Wirklichkeit?
Da veröffentlicht z. B. eben, ganz ohne Zusammenhang mtt den Reichsfinanzreformdebatten, in Nr. 21 von „Frühling'- landwirtschaftlicher Zeitung" (1909, Novemberheft, E. 781 ff) HanS Rudloff „einundzwanzigjährige Wirtschastsergebniffe eines bäuerlichen Betriebs in Kurhessen".
66 handelt sich um einen Hof, auf dem feit langer Zeit eine gut geordnete Buchführung mit alljährlicher Bilanz geführt wird, so daß sich die Ertrag Sen t- wickluug deS Hofe- vom Jahre 1838 bi- 1906 genau verfolgen ließ. Der Hof kann nach Rudloff, waS die Betriebsergebnisse angeht, als typisch für die meisten mitlern und größer» Bauernhöfe de» hessischen BerglandeS gelten. Der Hof umfaßt 31,15 Hektar (zirka 124 preußische Morgen) Grund und Boden. Der Wert stellt sich dar mit
Grund und Boden......45 000 Mk.
Gebäude, brandversichert mit . 15 780 ,
Inventar ....... 5 700 .
zusammen.....66 480 Mk.
Also ein ganz respektabler „Besitz". WaS aber ist baS WirtschastSergebniS in den 21 Jahren? Zunächst treten in der non Rudloff im einzelnen vorgeführten Zusammenstellung der Bareinnahmen und -ausgaben sowie deS Barüberfchuffes bezw. Fehlbetrags die großen Schwankungen scharf hervor, denen der landwirischaftliche Besitz in seinem Betriebsergebnis Jahr für Jahr au»gesetzt ist. So betrug der Vorüber»
schuß im Jahre 1888: 289,54 Mark, 1889: 10,65 Mark, 1890: 190,08 Mark usw. 1895 besteht ein Barüberschuß von 103,43 Mark; 1896 ist et 1010,63; 1897 dagegen ergibt sich em Fehlbetrag von 486,43 Mark. Sehr interessant ist da» Wirtschaftsergebnis der letzten Jahre: 1904 ein Barüberschuß von 417,43 Mark; 1905 : 75,31 Mark; 1906 : 89,90 Mark; 1907: 1734,74 Mark und 1908 ein Barfehlbetrag von 237,94 Mark. Jedermann weiß, wie schwer solch große alljährliche Schwankungen im Ertrag auf jedem Geschäft lasten. Schwerer noch wird ein landwirtschaftlicher Betrieb davon beeinträchtigt, da es ihm aus Gründen, die in der Natur seiner Produttion liegen, viel schwieriger ist, sich an die jeweilige Situation sogleich anzupaffen.
Al» Gesamtergebnis weist Rudloffs Untersuchung vier Jahre mit Barfehlbeträgen in der Höhe zwischen 10,65 und 486,43 Mark und in den übrigen Jahren einen zwischen 75,31 bis 1734,74 Mark schwankenden Barüberschuß auf. Die ganzen 21 Jahre Arbeit haben nach Abrechnung der Verlufljahre einen gesamten Barüberschuß von ganzen 5480 Mark 77 Pfennigen erzielt. Das ergibt einen jährlichen Reinertrag von 261 Mark oder, wenn man den Hof (unter Ausschluß der Gebäude und des Inventars) mit 45000 Mark ansetzt, einen Reinertrag von ganzen 0,58 Prozent, also etwas mehr wie '/» Prozent.
Doch wird man nun sagen: Nun ja, aber man sieht es doch, es ist eben auf Grund des Besitzes doch was übriggeblieben, ist was „auf die hohe Kante gelegt worden"! Dem steht folgendes gegenüber: Dieser Betriebsüberschuß mußte dazu dienen, um während der 21 Jahre die Miterben deS Gutsübernehmers allmählich abzufinden, deren Gesamlforderung 11876,25 Mark betrug. Dem gleichen Zwecke mußte die Mitgift der Ehefrau in der Höhe von 6000 Mk. geopfert werden, sonst läge Henle, nach Sljährtger Tätigkeit, noch immer mehr als die Hälfte der Ueber- nahmeschulden auf dem Anwesen.
Ganz besonders ist bei der Beurteilung dieses Be- triebsergebniffes in Betracht zu ziehen, daß die kinderreiche Familie seit langem in der Lage ist, den Hof mit eigenen Kräften, ohne nennenswerte Zuhilfenahme fremder Arbeitskräfte, zu bewirtschaften! Die (meist für Tagelöhnerarbeiten) gezahlten Löhne belaufen sich daher bloß auf 5,03 Prozent der Ausgaben. Wären auch noch hohe Löhne und bie sonstige heutige Dienst- botenmifere dazugekommen, der Hof hätte sich schwerlich halten lassen.
Und nun fei Herrn Steinmann-Bucher und denen um ihn verraten, daß dieses Ergebnis nicht etwa durch „die Naturkräfte" geschaffen wurde. Sondern, daß er angestrengtesten Fleißes, mühsamster Arbeit mich sorgsamster Sparsamkeit bedurfte, um noch so wett zu kommen. Wir leben eben nicht, wie Herr Steinmann-Bucher anzunehmen scheint, im „Schlaraffenland", allwo alles einem ohne Müh« „von der Natur" sich bietet, sondern unser deutscher Grund und Boden gibt nichts umsonst, sondern den »Natur« krästen" muß erst in unablässiger, mühsamer Arbeit da- Ziel der Fleißes abgerungen werden. Daß aber das Resultat der 20jährigen Arbeit der oben- genannten Famttie nicht etwa auf schlechte und rückständige Bewirtschaftung zurückzuführen ist, beweist der Umstand, daß allein in den letzten zehn Jahren 1220 Mk. für Anschaffung landwirtschaftlicher Maschinen aufgewendet wurden. Auch der Umstand, daß eine geregelte Buchführung, und zivar auf so lange zurück, existiert, zeigt ja schon, daß wir es mit einem gutgeleiteten Betriebe zu tun haben.
Wer sich umsieht in den deutschen Bauern- gegenden, wird finden, daß ähnlich« Verhältnisse nur allzuoft anzutreffen find. Und daS Ergebnis einer solchen Umschau würde fein, daß ein recht beträchtlicher Tett der deutschen Bauern an ihrem »Besitz' nicht- ander- hat als eine »Arbeit-gelegen- heit", di« durch all die Schwankungen der Erträg- niffe hindurch, wie sie nicht nur etwa Wind und Wetter, sondern heute ebensosehr auch die Handels« verhältniffe der landwirtschaftlichen Produkt« und Bedarfsartikel mit sich bringen, alljährlich mühsam behauptet, ja sozusagen alljährlich neu errungen werden muß. Wenn «s gut geht, ist dann im Laufe ungefähr einer Generation die Nebernahme- schnld abgetragen. Erft dann! Ter bisherige Besitzer tritt ab, und der neue sängt unter ähnlichen
Bedingungen, d. h. also mit ähnlichen Besitzschulden wie seine Vorfahren den Kampf ums Dasein von vorne an.
Vielleicht dämmert's nun allmählich, daß Ka- pitalbesttz und landwirtschaftlicher Grundbesitz hinsichtlich der privatwittschastlichen Ausnutzungsmöglichkeit sowohl wie auch hinsichtlich öffentlicher Belastungsfähigkeit denn doch zwei sehr verschiedene Dinge sind!
Aus dem Nachbargebiete.
* Bom Vogelsberg, 29. Nov. 1909. Der Handel mit Christbäumen hat im Vogelsberg bereits begonnen. Die Händler bezahlen 30—40 M. für das Hundert. Vor zehn Jahren galten sie kaum die Hälfte.
* Maiuz-Mombach, 28. Nov. 1909. Auf einen sehr schlechten Geschäftsgang blicken die Floßereibesitzer, die in letzter Woche ihren diesjährigen Bettieb eingestellt haben, im abgelaufenen Jahre zurück. Es wurden trotz des ver- hättnismäßig günstigen Wafferstandes weit weniger Fahrten unternommen wie in früheren Jahren, da die Nachftage nach Bauholz in den niederrheinischen Bezirken sehr gering war. Unmaffen von Flößholz liegen jetzt im hiesigen Floßhasen bereit, um tm nächsten Frühjahre sofort verfrachtet zu werden.
♦ Gießen, 27. Nov. 1909. Wie der »Gieß. Anz." hört, hat der prakttsche Arzt Dr. Klein in Gießen dm Sanitätsratstitel, der ihm verliehen worden war, abgelehnt.
* Hachenburg (Nassau), 29. Nov. 1909. Ein # Brautpaar aus einem benachbarten Dorfe hatte sich dem ,Nasi. Boten' zufolge auf den Weg mm Kloster begeben, um bei dem Pfarrer das Aus- gebot zu bestellen. Der Bräutigam hatte sich wohl vorher über die Vermögensoerhältniffe feiner zukünftigen Ehehälfte nicht genügend vergewissert und glaubte, daß wohl jetzt der letzte Augenblick dazu gekommen sei. Er stellte daher an die Braut die Frage: »Worte, Du häst och Däin Gäld bei der Landesbank verliehnt? Do Hann ich mäinS och!" Die Braut war von dieser Frage ganz überrascht; sie mußte leider eingestehen, daß sie Geld bei keiner Bank ausqeliehen, sondern sie fast ganz ohne Vermögen sei. »Ach, dann bin ich falsch unterrichtet worden," sagte kleinlaut der junge Heirats-Kandidat. Energisch und heroisch zugleich meinte aber nun die Braut: „Komm! Wir passen nicht zueinander!" So wurde anstatt e neS Aufgebotes der Heimweg angetreten.
* Mainz, 29. Nov. 1909. Der Mainzer Männergesangverein, der im nächsten Jahre eine Sängerreise nach Paris Unternehmern wollte, mußte dies Unternehmen aufgeben, de ihm sämtliche Pariser Konzertsäle zur Abhaltung eines Konzertes verweigert worden sind. Außerdem erhielt der Verein von dem deutschen Botschafter in Pari- den Rat, nicht nach Paris zu kommen, da nach feiner Ansicht die Zeit zu einer derartigen Reise deutscher Sänger nach Paris durchaus ungeeignet sei.
Kurier Setreide Wochenbericht der Preisberichtsstelle des deutschen LandwirtschaftS- rats vom 23. bis 29. November 1909.
Auf dem Weltmärkte hat sich in der Berichtswoche nicht viel verändert. Amerika ist abgesehen von einet mäßigen Abschwächung des Dezembertermins fest geblieben, zumal ungünstiges Wetter die Zuflchr behinderte und die sichtbaren Vorräte weiter abgenommen haben. In Rußland ist der Süden mit Dfterten zurückhaltender, während der Norden verkaufswillig
bleibt. Auch Argentinien hat seine Forderungen nicht sonderlich erhöht, trotzdem die Witterungsverhältnissk für die stellenweise schon begonnene Ernte zuletzt nicht gerade günstig waren Die Weltverschiffungen umfaßten diesmal nur 310 000, also 100 000 Tonnen weniger als in der Vorwoche. Seit Anfang der Saison sind im ganzen 4, 8 gegen 4, 1 Mill. To. nach Westeuropa gegangen, ohne daß sich bisher irgend wo größere Vorräte angesammelt hätten. In England haben die Vorräte in den Häfen vielmehr weiter abgenommen, sie belaufen sich z. Z. auf VA Mill. Dur», gegen 2 Mill, im Vorjahre und 3 Mill, im Jahre 1907. Es ist also begreistich, daß England andauernd für Import sorgt, und die ungünstigeren argentinischen Nachrichten trugen weiter dazu bei, die Kauflust an* zaregen. Deutschland hat seit Anfang August ca. 923 000 To. vom Auslande bezogen, wovon aber das meiste nach dem Westen ging, während Nord- und Mitteldeutschland verhältnismäßig wenig davon abbekommen hat. Andererseits hat Deutschland seither 143 000 To. Weizen an das Ausland abgegeben, waS umsomehr ins Gewicht fällt, als gute Ware, um die es sich dabei bandelt, diesmal ohnehin knapp ist. Derartige Ansprüche und bie höheren Preise, die in der Provinz bezahlt werden, haben bisher wenig Ware »ach Berlin kommen lassen, und da die kältere Witterung Besorgnisse wegen der Schiffahrt veranlaßte, so schritt man hier zu Deckungen. Das inzwischen eingetretene Tauwetter hat die erwähnten Befürchtungen aber iaieber beseitigt, und die darauf vorgenommenen Realisationen verwandelten den zeitweiie 2 Mark betragenden Gewinn in einen Verlust von V,\ Mark. Da diese Angaben zum Teil im Tausch gegen Mai- kaufe erfolgten, so verminderte sich der Deport sckließ- lich auf eine Mark. Roggen war anfangs auch fester, schwächte sich aber später ab. und zwar mehr für Dezember als für Mai, da für letzteren Termin die festen russischen Offerten eine gewisse Stütze boten Jni Inlande gestaltet stch der Verkauf der meist abfallenden Qualitäten sehr schwierig. Hafer kam zuletzt stärker heraus und begegnet allgemein schwacher Kauflust; namentlich gilt dies von den überwiegend geringen Qualitäten, aber auch für feine Ware waren bie letzten Preise nicht zu erzielen. Futtergerste war von Rußland fester. Für Mais zeigte der Konsum etwas mehr Interesse.
Es stellten sich die Preise für inländische- Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei da- Mehr (-J-) brzre. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist wie folgt:
Weizen Roggen Hafer
Danzig 224 l-fi 1 ) 159«/,(— */, ) 161 (— 8 )
Berlin 218 (— 1 ) 163'/,(— 1«/,) 173 (— 2 )
Frankfurt 221«(,(— 1 ) 163 ( ) 165 ( )
München 232 (-s- 2 l 168 ( ) 158 (— 2 )
Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Dez. 217.75 (— 1.25 ), Mai 216.75 (— 1.00), Budapest April 234 70 (— 2.85', Liverpool Dezember 183.10, (4-1.00), Paris November 194.00 (-4- 1.60', Chicago Dezember 163.85 (+ 3.00), Roggen: Berlin Dez. 166.50 r— 2.75), Mai 174.00 (— 1.00), Hafer: Berlin Dez. 154.25 (— 0.50\ Mai 161 Mk. per 1000 Kilogramm.
Reklamen- und B uz eigen teil.
Hunderttausende.
Die Sorge um die Gesundheit ist im Herbst ntfb Winter am dringendsten. Schützen Sie sich daher bei Zeiten und beachten Sie ein Mittel, dessen hervorragende Eigenschaften Hunderttausend« von Personen vor allen schädigenden Einflüssen auf bie Stimmorgane bewahren. Husten, Heiserkeit, Katarrh, die Vorboten oft ernster Erkrankung werden durch Wybert-Tabletten mit Erfolg bekämpft. E- wird in den nächsten Wochen Gelegenheit geboten sein, dem seit GO Jahren hochgeschätzten Präparate ein Heer neuer, begeisterter Anhänger zu werben. Originalschachteln L Mk. 1.— sind in den Apotheken erhältlich. Depot- in Inkd«: Kng«k> Kpotßeste, KefiKpoitzeile und ^Swen-Apot-e-e.
Kleines Feuilleton.
— „Ihr Frauen und Mädchen, heiratet keinen Dreißigjährigen!" so ruft eine englische Dame, die mit der Wahl eines Dreißigjährigen keine guten Erfahrungen gemacht zu haben scheint, dem ganzen weiblichen Geschlecht zu. Im Alter von dreißig Jahren soll kein Mann heiraten, sagt sie. Ich habe ein solches Exemplar glücklich gemacht, aber ich fühle mich bei ihm nicht sehr glücklich . Daheim ist et eigentlich nie, denn er wandert jeden Abend zum Klub und kommt früh morgen- mit Kleidern nach Hause, die nach Bier und Tabak-qualm derart duften, daß mir
dabei übel und weh wird. Bleibt er einmal abends zu Hause, so greift er zur Zeitung und ich bin für ihn einfach Lust. Auf alle meine Fragen antwortet er stets: »Ja", oder »Ach was"! Geht er mit mir zissammen hie und da einmal aus, so führt er mich stet- in bas gleiche Restaurant, wo kein Orchester spielt und sonst im Lokal öde Leere herrscht. Hat er nicht denselben Tisch und denselben Kellner, so ist er einfach unausstehlich. Jahraus, jahrein raucht er die gleichen Zigaretten, zeckaut dieselben Zigarren und trinkt stets denselben Whisky. Er liebt nur eine Sorte Tee, und zwar von der geringsten Qualität, den niemand im gangen Hause riechen kann. Glauben Sie, daß er Sonntags mit mk spazieren gehen würde? Mich schickt er mtt den Kindern mrs, dann verschwindet et i" feinen Klub und kehrt nicht zurück, bis am nisten Tage der Morgen graut. O diese Dreißig- .die kennen nut ihren Klub, und das junge Mwochen, das ein solche« Exemplar heiratet, ist seine Namen nach." Die Frau hat bet» r,n mSn ti auch mit dreißig Iah.
rf ÄiÄ" H-tratskandidaten und es gibt ÄÄK?"der elf Uhr kein Pferd mehr tm Klub halten würde Qnr (5bre d-s Männergeschlecht, sei d:es hier festgestellt ,p
- Neue Berwendungsarten des Papiers. DaS ? rin einfaches dünnes beinahe wertloses Blättchen. Aber nemanb wird wohl ahnen, wie viel
seitig daS Papier zu verwenden ist. Der König von Korea beispielsweise hat neulich fein durch Feuer zerstörtes Schloß neu erbauen lassen, und zwar diesmal mit — Papiermache! Er requirierte mehrere Tausend feiner Untertanen, die daS Papier, bevor eS zu Papiermache gepreßt wurde, zuerst mit ihren — Zähnen zerkauen mußten! Auch in Sawinoroska (Rußland) besteht ein Haus au» Pappe. Das Papier ist mit einer Masse imprägniert, die es feuersicher macht und der Architett versichert, daß diese- Papierhaus ein Haus au8 Stein überdauern werde. In verschiedenen russischen Städten macht man Versuche, daS Papier in Form von Pappe als Straßenpflafter zu verwenden. DaS Papier wird mittete einer Maschine steinhart gepreßt und soll imstande sein, die schwersten Lasten zu tragen. Ein Wiener Ingenieur trägt sich mit dem Gedanken, sich aus lauter Zeitungspapier eine Nacht zu bauen. Kurz vor seinem Tode ließ Herr Krupp sogar Feldkanonen aus Papier konstruieren, die für die Infanterie bestimmt gewesen sein sollten. Sie hatten ein kleines Kaliber und waren so leicht, daß ein Mann ohne Mühe eine solche Kanone auf dem Rücken mit sich führen konnte. Ihre Durchschlagskraft soll größer gewesen sein, als diejenige aus Stahlkanonen gleichen Kalibers^ Man bat aber seitdem nichts mehr von diesen Papieckano- nen gehört. In Deutschland werden aber auch künstliche Zähne aus Papier hergestellt; sie sind eine Imitation der Porzellanzähne. Diese falschen Zähne verlieren niemals ihre Farbe und sollen auch weniger zerbrechlich fein als die anderen künstlichen Zähne. Griechische Winzer verwenden zur Aufnahme ihres Weines Tonnen au8 Pappe. Früher hatte man auch versucht, bie Räder von Lokomotiven und Wagen au8 Papier herzustellen, doch ist man hiervon wieder abgekommen. =p.
— Anzeige ober Prospekt? Welche von beiden Reklamearten ist die beste? In dieser vielumstrittmen Frage hat ein englisches Blatt eine Statistik aufgestellt mit dem Ergebnis, daß die Zeitungsannonce nicht nur weit weniger kostspielig, fonbetn auch wirkungsvoller ist als das Plakat oder der Prospekt. Ein Pariser Juwelier hatte 20 000 Prospekte versandt
resp. verteilen lassen. Die Ausgaben für den Druck, dir Kouverts und das Adressenschreiben beliefen sich auf 2995 Franks. Und das Resultat? Es liefen im ganzen 29 Bestellungen ein, bei deren Ausführung dem Geschäftsmann ein Reinverdienst von 495 Franks verblieb. Der Geschäftsmann gab darauf für 1700 Franks Inserate auf. Das Resultat war ein wesenllich günstigeres: 634 Bestellungen mit einem Reinverdienst von 3700 Franks! Diese wenigen Zahlen liefern den unwiderleglichen Beweis, daß der Weg der Annonce nicht nur weniger kostspielig, sondern auch bedeutend wirkungsvoller ist als das Pla- tat oder der Prospekt. -p.
— Wer alles oder wer alle? (AuS der Sprachecke des Allg. deutsch. Sprachvereins.) Vielfach herrschen Zweifel darüber, ob man sagen müsse: »Wer hat schon alle einen Löwen gesehen?" oder: »Wer hat schon alles einen Löwen gesehen?" oder: „Wer alle, alles hat schon einen Löwen gesehen?" Hier ist nur die Form alles zulässig. Dieses, die beiden natürlichen Geschlechter zusammenfassende, dann überhaupt verallgemeinernde »alles" steht bei fragenden und bezüglichen Fürwörtern: Wer alles war zugegen? Wen alles hast du getroffen? Goethe schreibt: »WaS sah sie nicht alles für Prüfungen vor sich schweben" und ein andermal: »Ich hatte den Philosophen, den Physiker, Mathematiker, Maler, Mechaniker und Gott weiß wen alles in Anspruch. genommen." So sagen wir: Wa» find das alles für Ausflüchte? Wen erblicktest du alles in der Gesellschaft? Wer alles war zugegen?
— Der Neger und fein Prophet. Ein Professor der Universität Pennsylvania begab sich, wie die »Daily News" erzählen, vor mehreren Jahren nach dem Süden der Vereinigten Staaten, um dort eine Sonnenfinsternis zu beobachten. Am Abend vor dem erwarteten Ereignis sagte er zu einem alten Reger, den er gut kannte: »Tom, wenn Sie morgen Are Hühner beobachten, werden Sie finden, daß sie vormittags gegen 11 Uhr schlafen gehen." Der Farbige war überrascht und zweifelte natürlich an dieser Vorhersage; er überzeugte sich aber bald, daß um die angegebene Zeit der Htmniel sich verfinsterte und die
Hühner tatsächlich ihre Ruhestätten aufsuchten. DaS Erstaunen des ehrlichen Tom kannte keine Grenzen. „Herr Professor", fragte er den Gelehrten, halb sch««, halb neugierig, „tote lange vorher haben Sie denn schon gewußt, daß die Hühner jetzt schlafen werden?" »Ungefähr seit einem Jahre", entgegnete der Gefragte mit schelmischem Lächeln. »Aber wie ist das nur möglich*, schne der Schwarze, den diese Antwort nun ganz aus der Fassung brachte, »vor einem Jahre wa- ren ja die Hühner noch gar nicht ausgebrütet!"
— Ein „kostbares" geben. Welch« Bedeutung die Lebensversicherung im modernen Geschäftsleben errungen hat, zeigt laut .Franks. Ztg.' bie soeben abgeschlossene Leben-versichernng de- amerikanischen Zementfabrikanten George Nicholson auS KansaS City; zugunsten der beiden Gesellschaften, die er leitet, hat er jetzt sein Leben mit 6 Millionen Mk. versichert. Da Nicholson schon vorher vier Polizen von je 1300000 Mark besaß, würde sein Tod heute die AnSzahlung von 11200000 Mark be deuten. Die neue Polize kostet jährlich 280000 Mark Prämie und läuft auf 5 Jahre. Die hohen Lebensversicherungen sind bei amerikanischen Geschäftsleuten immer mehr in Aufnahme gekommen. Ate der höchstversicherte Mann Amerikas gilt Rod- man Wanamaker aus Philadelphia, der sein Leben aus 16 Millionen Mark taxiert hat, aber es gibt eine ganze Reche von Muttimillionär en, die sich nicht viel geringer eingeschätzt haben. Das Leben Marroni- ist kürzlich mit 3 Millionen Mark ve> sichert worden.
— Zukunftsbild Verschuldeter Herr am (Stamm tisch erzählend): »Meine Herr'n,es war ein schreck sicher Moment! Hinter mit drein sauste meii Schneider tut Automobil..." — »Da wäre ick einfach auf einen Baum geklettert!" — »Ja wem nicht oben mein Schuster im Luftballon daherge kommen wäre!"
— Borschlag zur Güte. Onkel: „Ein für allemal, Alfred — bei Lebzeiten rücke ich nichts mehr heran-. Wenn ich einmal bie Augen zudrücke.. .* — Neffe (unterbrechend): „Na, Onkel, so drücke doch vorläufig weniasten- ein- in!"