Man
36. Jahrgang
Fulda, Montag dm 29. November 1909
Jl$ 273
Grstes Matt.
Und au' einmal taw etw»
M sage»,
im.uer am an meinen Gesang denke» muß, daß ja kein Fehler beim musikalischen Vortrag sich emschnmg- gtle, der nachher gerügt werden Bmie."
,$)o8 wird sich mit der Zeit geben, Rena."
.Nein, da» glaube ich nicht. Werdet ihr sehr böse sei», wenn ich schließlich doch einmal erklären muß, daß die Bühne nicht mein Feld ist?"
„Ich schm gewiß nicht, Rena. Cnfet wird vielleicht enttäuscht sein, er ist eben mit Leib und Seele Schauspieler, aber auch er wird nie bestimmend auf Dich wirken wollen. Was gegen die Natur geht, das soll man nicht erzwingen wollen, diesen Ausspruch hab« ich schon Sfier von khm gehört. Wird der Konzertsaal Deine Domäne, falls mich ebenso freuen, und kommst Du. einst zu mir und sagst: „Mütterchen, ich habe sie satt, die Oefsentkichkeit, eine glückliche Fran will ich werden, km eigenen Heim und nur fingen firr euch, für Mrmn und Kinder —*
Eine weiche Hand legte sich auf ihren Rund. „Sprich nicht weiter, Tante! DaS wird nie komme» oder doch wenigstens sehr lange nicht. Wo gesäet ist soll auch geerntet werden — das bin ich Euch und mir selbst schuldig. Aber wir wolle» nicht so ernst reden, Tantchen, vergnügt, so recht vergnügt möchte ich wieder einmal fein, so ausgelassen wie vor Jahren."
Beate schlug sich an die Stirn,
„Dabel wäre der Werner ja gut 3» brauchen. Siehst Du, Rena, den hab« ich ja ganz vergessen. Der steht und wartet auf die Erlaubnis, mit »nS kommen zu dürfen. Rehmen wir ihn mit?"
„Ist er allein?"
Beate zuckte die Achseln. „AS ich ihn sprach, war er allein. Onkel fuhr gleich mteh Haufe, der braut den Festtrunk. Die anderen, Sigurd und der junge Manseck, wissen ja, daß wir heute allein sein wollen."
Ja, Sigurd wußte es, sie selbst hatte es chm gestern gesagt. Aber wenn er sich einfach damit bescheiden ließ, nicht einmal den Versuch machen würde, sich ihr zu nähern, um ihr ein paar anerkennende Worte
vschM »glich«» Aurnahme bet
Md Feiertage, viertel- jährlich« veMrprer, ohne Brhtgeriob» mw Bestellgeld in z-lda ss- »iemwwSrtrl.sornr.
jÄÄU wochM-u-s«- Illustrierte SotmtoasyW
•* Berlin, 28. Nov. 1909. Die San!- §nquetekommiffion ist am 23. November msanmrengetrelen. Gegenstand ihrer diesmaligen Deratrmgen ist die Frage der Regelung des Depositen wesens.
Irrende Seele.
28] Roma» von H. Teichert.
„Wanrm sagst Du mir das alles, Tante, und noch dazu in so geharnischtem Ton?" fragte Sigurd betrete» «nd zupfte an seinem vollen schwarzenSchnurr- bart.
1 „Wenn Du'S nicht selbst weißt, dann weiß ich allerdings auch nicht, warum ich'S tat, Sigurd." Und sie fächelte khr liebenswürdiges Lächeln. „Schriftsteller* Ilngewohnheitcn, hin und wieder dozierend austreten, ungebeten, ohne sei» Publikum zu sondiere». Man lebt ein Doppelleben, Sigurd, und da kommt's vor, daß man mal Dichtung und Wirklichkeit vermischt. Mr /var'r eben, ÄS hatte ich eins meiner Phantasiekind«: )or und erteilte dem eine Lektion."
Ein Kreis von Enthusiasten hatte sich nm sie versammelt. Jeder wollte den Eltern der jungen Künstlerin etwas Angenchnies sagen. Fast keiner von ihnen wußte, daß Renate nur ein Pflegekind d«S Dornauscheu Ehepaares war, da ihren eigentlichen Name» niemand kannte und sie sich selbst stets Domau nmmte.
Da der Vortrags-Abend ntit der Loheugrin-Szene sein Ende erreicht hatte, beeilte sich Beate, zu Renate zu kommen, um chr beim Umkleiden und Einpacken des Elsa-KostüwS zu helfe». Auf dem Wege zu ihr hielt Werner sie auf.
L. -Drrf ich noch ein Stündchen zu Euch kommen, Xante?" bat er, „ich muß Renate durchaus heute noch «Rosen bringen."
X .^«8 wirklich nicht, Werner, sie wird müde a°6e|Oannt fein. Abgemacht war, daß heute abend keiner empfangen werden sollte "
JE1?^ Tante Beate, ich bin doch „keiner".
m°bittend an. Eine» Augen- T™* nut sich. Wenn sie ihm jetzt mit jegliche Hoffnung nähme l Aber
i6t nn' daß Renate das auf keinen Fall
A^ate fragen, Werner. Wem. Du hier Zartes willst, Ich fase Dir Bescheid " —
Deutscher Reich.
Q Neue Blockversuche.
Daß in gegnerischen Kreis«, der lebhG« Wwisch besteht, der zusammengefallene Bulow sche Block möch aendS Zweifel. Eben läuft eine Mitteilung durch die Blätt«, die erkennen läßt, daß auch A Reich s- tegierung nicht, sehnlicher mmscht, al» die Wiederaufrichtung des Bülow schen Blocks .
: Es sollen, so heißt es da, im schoß der Regierung Erwägungen darüber schweben, ob es nicht möglich wäre die durch die Finanzreform verzwüten Parteien' wieder zu postttver Arbeit zusammen zu ffihttn. Der Reichskanzler wird, wie erklärt wrrd. dem Reichs- iage außer dem Etat eine Reihe von Gesetzentwü^en Sorlegen, die zwar nicht Politisch allzu bedeutsam sind, gber doch die Möglichkeit und die Gelegenheit bieten, Konservative und Nationalliberale gewissermassen auf neutralem gesetzgeberische» Boden zu- sammenzuführen und durch die gemeinsame Arbeit die «wischen ihnen bestehende Verärgerung zu mildern. Die Bemühungen der Regierung werden sich, wie Man weiter erfährt, nicht aus den Neichstag allein beschränken sondem man wird versuchen, vom preußischen Landtage m.s die Situation im Reichstage zu beeinflussen. Zu diesem Zwecke erwäge die preußische Negierung zurzeit einen gesetzgeberischen Pf"", der Konservative und Nattanalliberale im preußischen Landtag« in positiver Arbeit am VeratungSttsche zusammenführen würde. AIS Möglichkeiten hierfür werden genannt eine Steuerreform i» Preußen, 'unter Einführung einer erweiterten Erbschaftssteuer jpber die Wahlreform, für welche die Vorarbeiten soweit gediehen seien, daß frei gutem Willen des Mi- 'nisteriurnS in kürzester Zeit das Gesetz formuliert und im Landtag eingebracht werden könnte.
Wenn wir diese Nachricht vorerst noch nicht sehr ernst nehmen, so geschieht das nicht deshalb, weil wir an eine „Bekehrung" der Regierung nach dem Fiasko der Blockpolitik glauben, auch in weiten Kreisen der Negierung ist und bleibt das Zentrum die bestgehaßte Partei, und die Versuche, das Zentrum zu demüttgen und auSzuschalten, werden ganz gewiß wiederkehren, ptag auch dabei wieder alles brünier und drüber gehen. Aber, ehe man offen den Block wieder aufrichten kann, muß doch erst manches Tröpflein Wasser £en Rhein hinabfließen. Vorläufig ist die Sache doch Noch verfrüht. Wollte Herr von Bethmmm-Hollweg es wie sein Vorgänger jetzt mit der Blockpolitik versuchen, bann würde er sehr bald auf dem Trocknen sitzen.
X Neichsiagsersatzwahl in Eisenach-Dermbach.
// Der bisherige ReichStagsabgeordnete Schack hat die Niederlegung seiner Mandats in emtm Samstag im Reichstagsbureau eingegangenen Schreiben angezeigt. In feinem Wahlkreise Eisenach- .Dermbach wird jetzt ein erbitterter Wahlkampf entstehen. Die Aussichten der Sozialdemokraten find daselbst nicht gering. Sie brachten bei den letzten Wahlen am Hauptwahltage verhältnismäßig die 'meisten Stimmen ans. Nur durch die Wahlhilfe des Zentrums und der Liberalen gelang es, dem antisemitischen Kandidaten Schack da? Mandat zu erhalten. In der Sttchwahl siegte der jetzt zurückgetretene Abgeordnete mit 9831 gegen 9509 sozialdemokratische Stimmen.
Die Eröffnung de» Reichstags am Dienstag tat weißen Saal des Schlosse» wird der Kaiser durch Verlesung der Thronrede selbst vollziehen.
X Der Aufertthalt des Staatssekretärs Dem- tzura in London scheint größeren Eindruck auf die englisch« Kreise gemacht zu hab«, als bet aleichartigen Men es bisher der Fall war. Eine in England angesehene Wochenschrift rotbmet de? Reise der Staatssekretärs Dernburg und deff« jüngst« Reden ein« rühmend« Artikel, der mit folgenden Worte« schließt:
Die Zukunft Großbritanniens und die Zukunft Deutschland« find nicht getrennt von einander. Wir wollen lieber Bmfründeie sein, und «ährend wir jeder Nation daS SRedit zuerkennen, das handelspolitische System anzuwenden, daS ihren besonderen Bedürf- Nissen entgegenkommt, zusammen voranschreiten unter dem Banner deS Friedens und des gegenseitigen gutes Willens. Reden, wie die Dernfrurgs, führen diesem Ziele entgegen. Je mehr Deutsche und Engländer einander kennen lernen, desto besser werden wir einander wahrscheinlich verstehe« können, und desto schneller werden dw Eifersüchteleien und der Argwohn verschwinden, die in den letzten Jahre» einer vollkommenen Harmonie im Wege standen, die zu fördern im Interesse beider Völker der Ehrgeiz und daS Ziel der Engländer und der Deutschen sein sollte."
Hoffentlich wird man aber auf englischer Seite nicht mehr auf's neue dazu übergehen, den Deutschen allerlei schwarze Pläne unterzuschieben.
X lieber Dernburg? Bahnßauplane in Deutsch- Südwestafrika wird jetzt eine Meldung verbreitet, wonach er mit der Pachtsumme, die d?e Otavl> Gesellschaft zahlen wird, größere Ausgaben für südwestafrikanische Bahnbauten verzinsen zu können gedenke. Was die Linienführimg der Nord-Süd- Bahn betrifft, so soll gegenwärtig an eine Umgebung von Windhuk nicht mehr gedacht werden. Es soll di« Sinie Wtadhuk-Rehoboth-Gibeon-Keetmannshoop zur Ausführung kommen.
* Wen» der Kaiser refft. Der Kaiser liebt es, pünktlich aus jeder Station einzutreffen und zwar pünktlich bis auf die Sekunde. Das wissen die Effenbahnverwaltungen, und sie richten sich danach ein — auf Kosten von Industrie und Handel. Eine Verwaltung, die einmal eine hochnotpeinliche Untersuchung über sich ergehen lassen mußte, werl ein kaiserliiAr Diener mit dem Teeservice stolperte, als der Zug an einer Weiche einen Stoß erhielt, wird gewiß künftig bestrebt sein, fernerhin auch den geringsten Stein des Anstoßes zu entfernen. Der Stuttgarter »Beobachter" erzählt etwas van der Fahrt des Kaisers von BadewBaden nach Donaueschingen, wohin der Monarch zur Jagd fuhr,
Ueberall hatte die Eiseubahnverivallung so wackere
Er wollte warten, bis morgen früh, wenn eS sein müsse.
Beate fand Renate noch in vollem Kostüm.
„Ich hab« auf Dich gewartet, Tante," sagte sie und legte ihren Arm um Beates Hals. „®u hast mich geschmückt M meinem ersten Debüt, Du sollst mich auch wieder in die die Rena umwandeln. Du meta HerzeuLmütterchen, warst Du denn auch zufrieden mit mir? An Deiner und Onkels Zufried en- hett liegt mir allein."
Sie konnte nicht spreche», die erregte Frau, sie drückte ihr Kind en sich und streichelte daS dunkle Köpfchen, das Sch zärüich an sie schmiegte, ttnb Renate verstand ohne Worte das £ot>, das ihrer Lefftnng wurde, nun erst war sie selbst befriedigt.
„JeU werde ich auch wieder vernünftig werde«", sagte sie während des Umkleidens. „Mel Angst vor dem heutigen Wend war doch bei meiner' Nervosität. Jetzt habe ich das überstanden und nun will ich ein» mal eine Zeitlang keinen Ton singen. Ordenüich auSrnhen ssL meine Kehle und dann, Tantchen, bleibt's bei dem Geschenke, von dem Du honte morgen sprachst?"
„Still, still, D« kleine Schwätzerink Onkel darf nicht wissen, daß ich wieder varausgeplauscht habe. Die Ueberraschnng tast a für Dich in Aussicht, bte kommt heute abend noch. Mußt Dich schon ein bißchen verstelle», als ahntest Du nichts, um ihm die Freude nicht $h schmälern."
DaS wollte sie schon besorgen ,versicherte Renate, so ganz refirltattos fei der dramatische Unterricht doch nicht an ihr vergeudet worden. „Ab« wenn ich von dort zumckkomme, dann sollst Du wirklich ntit mir Staat machen können, Tantchen," frohlockte sie, „das taißst gesangüch, s» recht, echt schauspielern werde ich wohl nie können. Weine Phantasie ist doch wohl nicht groß genug, um mich rundherum alles vergessen zu machen. Ich bleibe immer ich und das ist der Fehler. Kannst Du Dir vorstellen, Tante, Du wirst lachen, aber eS ist so — das Loch, ans dem der Souffleur gudt, jeglicher Kuliffenzwischenramn, die mechanischen Bvrrichttmgen — da» alles wirkt geradezu ernüchternd omJ meine Illusion-- Dazu kw-itt noch M ich
«altungen fast umgekrempelt werden. Badische Blätt« bade» jetzt rm^Zusammenstellung derZüge gemacht, bte in ihrer Wetterfahrt durch den Eonde^ng mr Agd nach Donaueschingen betand«t wurden. Danach mußten, weil der Kaffer von Baden-Baden auf wenige Stunden zur Jagd nach Donaueschingen fahren wollte, fünf Züge vollständig ausfatten, 12 andere wurde« eine gewisse Zett zurückgeh allen, wäh- rend bei drei Zügen d« Fahrplan geändert werden mußte! Das Äanze war eine Aktion, daß num glauben könnte, es handle sich um die dringendsten KriegSvor-
Es" würde zweifellos die DolStürnlichkell be§ Kaisers beeinträchtigen, wenn bet kaiserliche Sonder- zug dem bestehenden Fahrplan und dem werk- tägigem Leben sich wehr anpaffen würde. Es tst auch kaum anzunehmen, daß bet Monarch, bet bcß Wort- .wir leben im Zeitalter des Verkehrs" aus- sprach, von diesen Vorgängen Kennta^ hak. ,
• Gegen die Kapuziner zieht bte -Franks. Ztg. zurzeit mutig zu Felde. Vorerst kann fie noch nicht des heiß ersehnten Genusses sich erfteuen, einen Kulturkampf nach französischem ME". W-n die katholische Kirche zn fübren, und da kühlt sie -ra st- weilen tapset iht Mütchen an harmlosen — Kapuzinern. Als „bayerisches Kulturbildchen" erzählt chr in Nr. 325 ein Gesinnungsgenosse mit wichtig- tU(!UÄ’ au?*'er unlängst einen Vorfall ans der Strecke Amorbach-Seckbach zu beobachten Gelegenheit hatte Ein mit einem Billek 3. Klasse au§ger«Uter frommet Bruder machte sich ungestört in emem Abteil 2. Stone bequem mW hielt si» hierzu umsomehr berechtigt, als der während bet Fahrt mehrmals revidierende Schaffner eine Beanstandung anscheinend mcht zu erheben hatte. Erst in Seckbach sah ich ihn nach dem Zugwechsel in ein Abteil 3. Klasse einsteigen. Ich möchte nach diesem Erlebnis ebenfalls der Anschauung zuneigen, daß das bayerische Zugpersonal .reffenden Kapuzinern und ähnlichen Mönchsreisenden eme offensichtliche Bevorzugung zuteil werden läßt, bte auch nur durchaus unzulässig erscheint."
Schon früh« hatte nämlich bte .Franks. Ztg.' dagegen geeifert, daß Ordensleuten auf den bayerischen Bahnen die Benützung bet 2. Klaffe gegen Lösung einet Fahrkarte 3. Klaffe bewilligt wnb. Sie schrieb damals unter bet Ueberschrfft: ,D« Bettelmönch in der ersten Eisenbahnklaffe":
„Jüngst fuhr ich im v-Zng von Berlin Mich Mün- cheu. In Landshut stieg em wohlbeleibter Kapnstner- mönch mit dem Bettelfack auf dem Rücken und Sandalen an den bloßen Füßen ein und nahm m einem Abteil 1. Klasse Platz. Zunächst glaubte ich, der „arme Bettelmönch- habe sich in seiner Weltfremdheit geirrt, aber bei Schaffner ließ ihn unbehelligt sitzen- Da mich die Sache interessierte, frUte ich den Schaffmr, ob Sie Kapuziner Fahrkarten erster Klaffe lösten. „Das nicht," antwortete mir dieser, „ober dennoch fahren sie erster Klasse." Es besteht nämlich zwischen dem bayerischen Berkehcsministerium rmb gewissen geistlichen Orden, zu denen auch die Kapuziner gehören, ein Abkommen, wonach die Mitglied« dies« Orden gegen ein geringes Entgelt berechtigt sind, auf ben bäuerischen Staatsbahuen bis erste Klasse zu benützen. Rach Erkundigungen d« »Franks. Ztg.' trifft dies zwar nicht ganz zu. Immerhin aber seien die Beamten an- gewiesen, Ordensangehörige, falls bte Züge statt besetzt sind, auch mir Fahrkarten niederer Klössen m Abteilen zweiter Klaffe unterzubringen. Diese $.,:ueiung fei auch mit der Begründung erfolgt, bte betreffenden Ordensbrüder auf diese Weise vor Belästigungen durch Mitreisende zu schützen."
Wit fhtbet es mit der ,Schles. Volkszeitung' begreiflich, daß es fiit einen so „asketischen" Fahr- gast erster Klaffe, der gerade in bie Lektüre seines Leibblattes, der ,Franks. Ztg.', vertieft ist, und den die täglich schwere Sorge um den Kurszettel von ein« zu reichen Körperfülle bewahrt hach ein nieder- drückendes Gefühl sei« muß, mit einem leibhaftigen Kapuziner »mit dem Bettelsack" sich in die rott» schwellend«» Polster teilen zu M-Mn. „Wota- habend" und „wohlbeleibt", rote diese Bettelmöuche „bekanntlich" nun einmal imm« zu sein pflegen, nehme« sie so einem armen, geplagten, vorn Kampfe um das dürftige Stücklein Brot ausgezehrte»
hälttnsse bei d« Eisenbahn einigermaßen kennt, weiß, daß die Bahnwärter und andere untere Dienstchargen, sofort wieder i» Schnee und Eis, zu jeder Tage-zech hinaus müsse« zur Revision des gesamten Bahnkörpers, der Uebergänge, Durchlässe »sw., wenn auch vielleicht wenige Minuten zuvor em dicht besetzter Personenzug bie gleiche Strecke besnhr. Das alles erschwert den Dienst der Eifenfrahnvenvaltimg ungemein. Daz» kom. men bie direkten Belästigungen des Publikums, von ben doch bie Eisenbahn unterhalten wirb. In» Osten beS Reiches geht man sogar soweit, daß das Publikum in den Wartefälen während bet Durchfahrt des kaiserlichen Sonderzugs eingefchlofsen wirb! Wenn der Zita einmal wegen Maschtaemvechfel hält, bann ist das gesamte reisende Publikum während fünf Minute» der Gefangene der Eisenbahnverwaltung l So traurig diese Tatsachen auch find, so gibt es doch noch Umstände beim Passiere» des Katferzuges, di« fast »och bedenklicher stimmen müsse«. Es hat sich nämlich während bet Regierungszeit Kaiser Wilhelm 1L bie Mode herausgebildet, daß die Fahrpläne bet kursmäßigen Züge wegen «eS Sonderzuge», um dessen pünktlichere Beförderung sicher zu stelle«, vo« den Effeubahnver-
Börsenmanne bie besten Plätze weg! Hoffentlich haben bie „reichen" Bettelmönche, wenn sie roieba einmal von einem Schaffner in einem Abteil erst« Klaffe eines König!, bayerischen Eisenbahnwagens unt«gebracht werden, künftig ein Einsehen und teilen mit ihren armen, ausgehungerten Mitreisenden bie „reichen Schätze" ihres „wohlgefüllten Bettelsacks«! _ „
△ Kassel, 28. Nov. 1909. D« Reichstagsabg. Lattmann berichtete am heutigen Nachmittag tm großen Stadtparksaal übet bie Reichsftnanz- r efotm unb seine Stellung zu berselben. Die Versammlung wat seht gut besucht, doch waren neben Anhängern b« Wirtsch. V«einiqung, die National» liberalen unb Sozialdemokraten stark vertreten, sodaß bet Vortrag häufig durch tumultuarische Zwischenrufe unterbrochen wurde. Herr Lattmann, d« im ganzen sehr ruhig und sachlich sprach, erklärte, daß er selbst für die Erbanfallsteuet gestimmt habe — obschon er die von lib«al« Sette (Müller-Meiningen und Wiemerl unb bet Regierung früher gegen diese Steuer vorgebrachtev Gründe durchaus billigen müsse, — weil « geglaubt habe, daß nur durch Annahme der Steuer bte Finanzreform gerettet werden tonnte. Et gab zu, daß « sich geirrt habe, unb verteidigte das Verhallen feinet 5 Hcaktionsgenossen, die für Ablehnung bet Steuer emfraten. Man könne btcfe 5 sowenig allein bafür verantwortlich machen, baß bte Steuer gefallen fei, rote irgendwelche 5 Mitglieder etntt anderen Partei. Auch bei Annahme b« Erbanfall- (teuer hätten wir heute keinen Pfennig weniger zu zahlen, boch wäre bann bie Finanzreform, deren Lösung eine nationale Frage ersten Range» gewesen sei, üb«hanpt nicht zustande gekommen Durch bie Ablehnung der Erbanfallsteu« sei auch nicht ein Pfennig an indirekten Stenern mehr erhoben: alle bürgerlichen Parteien seien überdies für die indirekten Steu«n gewesen, nut hatten die liberalen Parteien, die jetzt den meisten Lärm machen, noch mehr davon bewilligen wollen, sogar auf Malzkaffe« (ben natürlich nur die Reichen ttmkenX Interessant wat die Schilderung, dre H. Lattman« von der Tätigkeit der Liberalen in der Finanzkommiffiou gab. Brachte Sydow einen Vorschlag, so sei ihm geantwortet: „Viachen wir nicht!" Hätte « nun verlangt, die Ltveralep sollten einen Vorschlag machen, so hätte es rotebet- geheißen: „Machen wir nicht!" Dre Unfruchtbar leit b« liberalen Parteien hätte zur Folge gehabt» daß mit dem Block beim besten Willen nichts zustande zu bringen gewese» wäre. Gegen die Vorwürfe, daß et mit Pol« und Zentrum gegangen und am Stiwze Bülon» mitschuldig fei, verteidigte sich d« Rediier Mi! dem Hinweis auf das Bündnis d« National- liberalen mit den Sozialdemokraten. Bemerkens wert war feine Erklärung, er habe W Toletanzantrag und Jesuitengesetzaufhebung fick stets dem Zentrum entgegen gestellt und werd« solche» auch in Zukunft tuen (wat sich die Zeutrumswähl« Kassels merken mögens — In der auf die Rede folgenden freien Ans. spräche wiednholle ber nationaUibexale Parteisekretär Nuschle die von L. bereits widerlegten Dorrvürft und wurde darin von Prof. Hebel unb einem anderen Redner mit tönenden Phrasen unterstützt, während b« be—kannte Dr. Brerthaupt mehr erm komische Figur machte, was ihm durch lautes Gelächter denttich gemacht wurde. Et fand bettti» die „Quittung des Zentrmns" in d« in d« neuen Strafprozeßordnung vorgesehenen Aufhebung d«S Kanzelparagraphen! l Eirier der Redn« «klärt« seht offen zur Frage, welche mditckken Steuern denn die Liberalen vorschlügen: « wolle pch nicht durch die Antritt hieraus aufs Glatteis führen lassen! In feinem Schlußwort wies Lattmann den if>m ß<* machten Vorwurf antinational« Gesinnung zurück und führt« die Nationallib«alen damit gründlich ab, daß « nachwies, wie diese Partei einen Partei» große, innere Ruhe über st«, gut wär’S, dann bekäme fie Ruhe vor sich selbst.
„Gut, Wern« kann kommen, « hat ei» Recht darauf, solche Stunden mit uns zu verleben." Sie wurde auf einmal wieder ernst. „Einmal muß eS ja zwischen uns auSgerebet werden trab heut«, gerat« heute, glaube ich, rotrb’8 kommen. Mag es sein, besser für un» beide, wir haben e» einmal hinter uns. Willst Du es ihm fage», Tante, daß wir itai er» märten werden, ob« vicklticht WÄ er gleich mit tm» mitkommen."
„Er wird mitkommen," rapportierte Beate, „et muß doch erst die bestellten Rosen abholen."
Renate hatte vom Onkel schon ihr Geschenk erhallen, als Wern« rätraf. Jubelnd lief fie ihm ent- gegen.
Du sollst als erster wiffen, Werner, nach Mar- land schickt mich Onkel Heinz, dort darf ich wettet studiere«. Freue Ach doch mit mir, denke doch, nach Italien, wo der bei canto zu Hanse ist! DaS tft die erste Beksßnmrg für mein gelungene» Debüt und mm bringst Du mir so wundervolle Rosen und solch einen Strauß; Wern«, Werner, Du bist leichtfinnig, tie» schwendest Dein Vermöge«. Wen« daS bet alte Er» lin gewußt hätte, daß Dv in solchen Dingen Dein« Spargroschen anlegen würdest, « hätte Dich eklatant von dem goldenen Segen ausgeschlossen."
„Wenn et ab« sehen könnte, für wen ich bte sagen «rate Verschwendung treibe, so hätte « die Erbschaft gar nicht einmal geteilt, sondern sicherlich mit ganz aSeht überleben," scherzte Werner. „Die schÄt» flen Exemplare, die ich bekomme« konnte, Rena! Halb B«lin hab« ich heute nachmittag danach durchsucht."
„Wie Du mich vnwöhnst, Wemer — Dich werd« ich sehr vermissen."
„So resse doch nicht, Rena, Weibe hier! Gelernt hast Du nun doch wicklich genug . Es gibt ja schon jetzt auf der Well kein wEcheS Wese«, das so finge» kann, öta Du."
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