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36. Jahrgang.

man in der Diskussion mit dem Hansabund« um; zwar suchte der MittelstcmdSabgeordnete Rahard 'Berlin) die Notwendigkeit eines Zusammengehens bet MittelstandSvereinigung mit dem Hansabunde da­durch zu .beweisen', daß er erklärte, die Gewerbetrei­benden könnten nicht die nötigen Mittel auftreiben, um einen größeren Einfluß auf die Gesetzgebung zu erlan­gen. Desgleichen suchte der in letzter Zeit vielge­nannte Oberehrenmeister Richt die MittelstandS- freundlichkett des Hansabundes inS große Licht zu stel­len, aber außer den Berliner Herren fand sich nie­mand, der dem Hansabunde daS Wort geredet hätte. Man war sich dann einig, daß von einer Unterstützung des Bundes durch die Mittelstandsvereinigung keine Rede sein könne, und daß der gewerbliche Mittelstand nur durch Line schärfere Betonung der eigenen Stan- desinteressen gestärkt werden könne.

In einer Resolution, die mit allen gegen die Stimmen von Rahardt und Richt angenommen wurde, riet deshalb die Versammlung dringend ihren mittel­ständischen Verbänden von einer Unterstützung deS Hansabundes ab. Die Mitglieder des gewerblichen Mittelstandes möchten zunächst ihre Aufmerksamkeit den eigenen Standesintereffen und eigenen Organisationen zuwenden, was im Interesse der Erhaltung und Stär­kung deS gewerblichen Mittelstandes unerläßlich fei.*

Die Wähler des Bezirks Geisa-Dermbach

seien daran erinnert, daß Donnerstag, 2. Dezember d. Js. die Landtags wähl stattfindet. Als Kandidat des Zentrums ist Herr Dr. Jos. Kiel aus Geisa aufgestellt worden. Die Zentrumswähler werden sich eine Ehre daraus machen, vollzählig gut Wahl zu erscheinen und ihre Stimme für Herrn Dr. Kiel abzugeben. Es scheint allerdings, als ob von gegnerischer Seite ein Kandidat nicht aufgestellt sei. Aber der Schein trügt oft.

Also Mann für Mann zur Wahl für Herrn Dr. Jos. Kiel!

JV5 269.

Fuld a, Mittwoch den 24. November 1909.

Krstes Wtcrtt.

Deutsches Reich.

*♦ Der Kaiser ist am Mittwoch in Pleß zum Be­such deS Grafen Henckel von Donnersmarck ein getroffen und wird auf seiner Rückreise am kom­menden Montag dem Kardinal-Fürstbischof Kopp in Breslau einen Besuch abstatten.

( * Zum Unterstaatssekretär in der Reichskanzlei

als Nachfolger des jetzigen brandenburgischen Ober­präsidenten v. L o L b e l l ist der Geh. Oberregie­rungsrat und vortragende Rat in der Reichskanzlei, Wahnschasfe, ernannt worden.

4- Admiral Freiherr von Senden-Bibran, der ehemalige Chef deS Marinekabinelts, ist am Dienstag in Berlin gestorben. Er kränkelte schon seit längerer Zeit, ein ihm im Frühjahr ‘1906 bewilligter längerer Urlaub brachte die er­wünschte Besserung nicht, sodass er im Juli des- , selben Jahres in Genehmigung seines Abschied­sgesuches zur Disposition gestellt wurde. 18 Jahre lang hat Frhr. von Senden an der Spitze des Marinekabinelts gestanden. Unter ihm wurde es zu einer großen Marinebehörde ausgestaltet. Großes Wohlwollen, strengste Unparteilichkeit haben den Dabingeschiedenen ausgezeichnet.

)( Der liberale Bauernbund wird wohl allmählich einsehen, daß die Landwirtschaft ihm nicht allzugroße Sympathie entgegenbringt. Da- tnit er wenigstens noch kurze Zeit leben kann, sucht er andere, ihm näherstehende Kreise zur Unterstützung zu bewegen. Er versendet an Nichtlandwirte, Rentiers, Industrielle usw. ein Rundschreiben, in dem die Bitte ausgesprochen wird, den Deutschen Bauernbund durch eine -„gütige Zuwendung* in seinen schweren Anfangs- kämpfen zu unterstützen. Der Band der Land­wirte habe eS fertig gebracht, einen klaffenden Riß zwischen der Landwirtschaft und allen übri­gen Berufen herbeizuführen. Diesen Riß müsse der Deutsche Bauernbund überbrücken. Deshalb ! würden eS auch Angehörige anderer Berufe s „nicht als eine Belästigung" empfinden, wenn jber Bund sich an sie mtt der Büte wende, feine ! Bestrebungen durch einen Beitrag zu seinem Gründungsfonds zu unterstützen. — Trotz der Hilfe der Rentiers und Industriellen bleibt der liberale Bauernbund ein totgeborenes Kind und wird schon bald der Vergangenheit angehören.

♦ Zur Beleuchtung der Schulparität im Osten teilt man der .Germania' einig-- Zahlen auS dem Kreise Sch wetz (Westpreußen) mit, auS denen sich ergibt, daß in den 12 Schularten des Kreises für die 697 katholischen und 357 evangelischen Schülern nicht ein einziger katho­lischer, dagegen 13 evangelische Lehrer vorhanden sind. — Die preußische „Schulparität* wird wohl bald sprichwörtlich werden.

— Im höheren Schulwesen Preußens find von den 676 Direktoren höherer Lehranstalten für Knaben nur 129, d. h. nicht ganz 20 Proz. 'katholisch. Don den 8453 Oberlehrern und Prosessoren sind 1910, d. h. etwas über 22 Prz. katholisch. Die Katholiken sind also, da sie in Preußen mehr als ein Drittel der Gesamtbevölke­rung ausmachen, viel zu gering vertreten. Hessen.Nassau zählt 490 ev. gegen 109 kath. 'Oberlehrer. In F u l d a sind 20 katholische und 8 prot. Oberlehrer (487 kath., 142 prot. und 76 jüd. Schüler). An den 14 höheren Knabenschulen in Frankfurt a. M. find 22 Katholiken und 20

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korrekt gehandelt, er sei aber freigesprochen worden, weil er gegenüber schweren Angriffen der Sozialisten in der Notwehr gehandelt habe. Abg. Dr. Osann (ntl.) trat unter dem Beifall des Hauses den Au«. stihrungen Ulrichs entgegen. Es bedeute einen meck­würdigen Widerspruch, wenn Ulrich sich der Beamten annehme und zu gleicher Zeit hier wehrlose Beamte in der schärfsten Weise angreife. Von Interesse fei eS im übrigen festzustellen, daß der frühere sozia­listische Abg. Dr. David bei der Beratung der frühe- ren Vorlage daS passive Wahlrecht der Beamten m ihrem Dienstbezirk entschieden bekämpft habe, während jetzt Ulrich die schärfsten Vorwürfe gegen das Mini­sterium richte, weil eS in diesem Sinne Vorschläge mache. Redner ist im llebrigen auch gegen jede Be­schränkung des Wahlrechts der Beamten; die dagegen bestehenden Bedenken treten bei dem direkten und ge­heimen Wahlrecht in den Hintergrund. Redner ver­teidigt die von den Bauernbündlern bekämpfte Ver- mehrung der städtischen Mandate, die sich nicht nur durch die Verschiebung der Bevölkerungszahl, sondern auch durch die Zunahme der steuerlichen Leistungen der Städte vollauf rechtfertige. Der Gewährung deS Stimmrechts an die Frauen könne er nicht zustimmen. Zu lebhaften Auseinandersetzungen mit den Sozialde­mokraten führte die Rede des alldeutsch-nationallibe­ralen Abg. Dr. Winkler, der scharf gegen die Aus­führungen Ulrichs und Fulda polemisierte und sich dafür zahlreiche Zwischenrufe von jener Sette zuzog, die er jedoch geschickt parierte. — Die Bauernbündler haben in der Zweiten Kammer heute einen Antrag vorbereitet, wonach zu den Wahlen zum Landtag das P l u r a l w a h l r e ch t insoweit eingeführt wer­den soll, daß bei Vollendung des 45. Lebensjahres dem Wähler zwei Stimmen zufallen sollen.

) ( Dresden, 23. Nov. 19u9. Die Zweite Kammer nahm den von den Nationalliberalen gestellten Antrag auf Verlegung des auf den 6. Januar fallenden, in Sachsen noch von der evangelischen Kirche gefeierten Epiphania- festes vom Wochentag auf den nächstfolgenden Sonntag an. Die Regierung verhielt sich ab­lehnend, ebenso die Sozialdemo.raten, mit denen die Liberalen heftig zusammenstießen.

# Karlsruhe, 23. Nov. 1909. Der badische Landtag trat am heutigen Dienstag zusammen. Der Staatshaushalt schließt, wie die Thronrede er­kennen läßt, mit einem beträchtlichen Fehlbeträge ab. Die Regierung will, daher Maßnahmen Vorschlägen, um die Einmiahmen aus den Eisenbahnen höher zu gestalten. Ferner soll die Viersteuer erhöht werden. Unter anderm wird eine Vorlage angekündigt, wonach die Bezüge der Volksschullehrer und Lehrerinnen er­höht und die Vorschriften über die Schulaussicht neu­gestaltet werden sollen. Nach welcher Richtung hin diese Neugestaltung vollziehen wird, darüber verlautet noch nichts.

△ Mittelstand und Hansabund.

Endlich ist in bet Mittelstandsvereini­gung die erwünschte Entscheidung erfolgt, indem am Montag in Leipzig eine außerordentliche Dele­giertenversammlung der Vereinigung sich ge g e n d e n Hansabund aussprach. Schon von vornherein lie­ßen die zahlreichen Proteste aus den Mittelstandkreisen erkennen, daß die weitaus große Mehrheit des Mittel­standes von einem Zusammengehen mit dem Hansa­bunde nichts wissen wolle. Trotzdem unterließ die Leitung deS Hansabundes nichts, um der Oeffentlich- keit gepcnabr mit seiner „großen" Anhängerschar vor allem in Handwecker- und Detaillistenkreisen zu prah­len. Sie wurden darin auch getreulich von einigen sogenannten Führern des Mittelstandes unterstützt, betten indes aus der Leipziger Tagung ein gehöriger Denkzettel verabreicht wurde.

Roch ziemlich gelinde sprach sich der Referent Archi­tekt Höhne-Leipzig über den Hansabund aus, wobei er auf bett großen Gegensatz zwischen dem Großkapital und dem Mittelstände hinwies. Viel schärfer ging

Juden. Auffallend gering find die Katholiken an den höheren Mädchenschulen vertreten. Von den 170 Direktoren von höheren Mädchenschulen sind nur 5 katholisch, und von den 579 Profes­soren und Oberlehrern sind nur 58, d. h. nur ein Zehntel Katholiken. Vollständig katholiken- rein sind die höheren Schulen in Mecklenburg- Strelih, Sachsen-Weimar, Braunschweig, Sachsen- Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Koburg und Gotha, Anhalt, Schwarzburg. Rudolstadt und Sondershausen, Waldeck und den beiden Reuß, den beiden Lippe, Lübeck, Bremen und Hamburg.

* Der ReichsiagSabg. Böhme, der aus dem Bunde deutscher Landwirte zum Bauernbund über­trat, dessen Syndikus er wurde, scheidet mit Beginn der Reichstagsverhandlungen aus der wirtschaft­lichen Vereinigung aus und wird fraktionslos.

(*) lieber die Bergbettelmanu-Geschichte gibt die ,Nordd. Allg. Ztg/ folgende Aufklärtmg:

Mit dem mit der Adresse .An bett Bergbettelmann pp.* versandten Schreiben bat es nach der uns von zu­ständiger Seite erteilten Auskunft folgende Bewanduis. Der in Rede stehende Bescheid war eine sogenannte „Kanzleinotiz*, durch welche der Antragsteller Berg- invalide Aegidius Golab zu Dellwig, Bürgertneisterei Vordeck unter dem 27. September 1909 benachrichtigt wurde, daß die von ihm an den Oberprästdenten ge­richtete Eingabe dem Herrn Regierungspräsidenten zu Düsseldorf zur Verfügung übersandt worden ist. Be­nachrichtigungen dieser Art werden durch den Vernterk .Kanzleinotiz dem Antragsteller* von dem zuständigen Referenten angeoronet und von der Kanzlei ohne weitere Mitwirkung des vorgenannten Beamten aus­gefertigt und zur Absendung gebracht. Der Kanzlist, welcher das Benachrichtigungsschreiben und den zu demselben benutzten Briefumschlag geschrieben hat, hat die Adresse dem Gesuche des Anttagstellers entnommen, der sich in demselben ebenso wie in zahlreichen früheren, dem Oberpräfidenten eingereichten Gesuchen selbst als: „Aegidius Golab, Bergdettelniamf bezeichnet hatte. Rach diesem Tatbestände hat der Antragsteller selbst, ein bekannter und anscheinend nicht ganz zurechnungs­fähiger Querulant, die ihm zuteil gewordene Tilulatur verschuldet. Dessen ungeachtet ist selbstverständlich dem Kanzlisten wegen der gedantenlosen Wiedergabe der von dem Antragsteller für sich in Anspruch genommenen Adresse das Erforderliche eröffnet worden.

(P Darmstadt, 23. Nov. 1909. In der Zwei­ten Kammer tarn es heute bei bet allgemeinen Aussprache über bie Wahlrechtsvorlage zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen dem Abg. Ul­rich und Staatsminister Dr. Ewald. Abg. Ulrich (Soz.) ecklärte ben Gesetzentwurf für einen traurigen Wechselbalg, dem man in seiner jetzigen Form in den Orkus befördern solle. Er griff das Ministerium in leidenschaftlichen Ausführungen an; niemals habe ein reaktionäreres Ministerium in Hessen regiert. Die Kanteten seien eine direkt arbeiterfeindliche Maß­nahme, die Nichtwählbackeit der Beamten in ihrem Dienstbezick bedeute eine politische Jnfamierung der­selben. Redner erging sich in leidenschaftlichen An­griffen gegen einen Offenbacher nationalliberalen Amtsrichter, der unter Mißbrauch des Amtsgeheim­nisses sich in ben Wahlkampf gemischt habe. Zum Schluffe forberte er bie Ausdehnung des Wahlrechts auf bie Wähler vom 21. Lebensjahre ab sowie auf bie Frauen, denen man bei ben heutigen veränderten Verhältnissen unmöglich länger das Wahlrecht vor­enthalten könne. Staatsminister Ewald trat dem Vorredner scharf entgegen. Was die Sautelen an­lange, so seien dies dieselben wie bei der Vorlage des Ministeriums Rothe, denen die Zweite Kammer-zu­gestimmt habe. Gegenüber einer Aeußerung Ulrichs, bei dem Staatsvertrag mit Preußen über die Eisen­bahngemeinschaft habe sich bet hessische Landtag über ben Löffel barbieren lassen, legte der Minister na­mens her Regierung Verwahrung ein. Schließlich nahm der Minister ben Offenbacher Richter gegen bie Vorwürfe Ulrichs in Schutz; ttach bem Urteil des Disziplinargerichts habe berfetbe allerdings nicht ganz

Ausland.

*, Der Lordmajor von London, bekanntlich ein Katholik, hat es gewagt, den Engländern ein Schauspiel zu bieten, das seit den Tagen der, Reformation unerhört war. Er begab sich in voller Amtstracht am Sonntag zum katholischen Hochamt in der katholischen Kathedrale von South- wark. Der Bischof von Southwark begrüßte den Bürgermeister und sprach den Wunsch au?, daß sein Amtsjahr von reichem Segen für die City sein möge.

*♦ Zwei Marokko-Interpellationen waren von sozialistischer Seite m der sranzöfischen Dr- putierlenkammer eingebracht worden. Minister Pichon teilte mit, daß ein französisch-spani- scher Geheimvertrag bestehe, der aber keiner lei Bestimmungen für die jetzige Lage Marokko- enthalle.

* Die russische Wirtschaft wird grell be­leuchtet durch Entdeckungen bei einer Revinor in der Moskauer Intendantur. Es wurde fest' gestellt, daß die Moskauer Jntendanturbeamter alljährlich zehn Millionen, in dem Kriegsjahri 2 5 Millionen Rubel gestohlen haben. Vor allen gelieferten Waren beanspruchten sie zehn Prozent, von schlechten sogar dreißig Prozent. Den Raub teilten die Jntendanturbeamien und Lieferanten untereinander. Bisher sind 66 Per­sonen in den Anklagezustand versetzt worden. Die Gesamtzahl der betrügerischen Intendantur- beamten beträgt 130. — Im Finanzministerium ist von wissenschaftlicher Seite eine Statistik vor­gelegt worden, nach der Rußland durch Be-

Irrende Seele.

,24] Roman von H. Telchert.

Renate war sehr blaß geworben. Mt mhiger Festigkett entzog sie ihm ihre Hand.

] „Du hast kein Recht, in biefem Tone mit mir zu sprechen, Sigurd, wir haben uns nie so nahe gestanden, baß ich Dir auch nur im allergeringsten Rechenschaft abzulegen hätte über mein Tun unb Denken. Wie weil mir Werner ist, das' weiß ich allein, keiner braucht'S zu wissen. Wenn Du aber glaubst, daß ich Dir das Tyrannenrecht übet mich einräume — so tauschst Du Dich. Ich bin Freiheit des Handeln- von Kindheit an gewöhnt, meine gütigen Pflegeeltern ha­ben meine Erziehung so geleitet, weil sie im Auge hosten, daß ich einst ein selbständiger Mensch werden müsse. Bemühe Dich daher nicht, mich änbem zu wollen, ich weiß, was ich tue, ich brauche {einen Moral­prediger.*

Sie hatte ruhig gesprochen, aber ihre bebenden Lip­pen straften diese gemachte Ruhe Lügen. Mit unsiche­ren Händen nestelte sie bie rote Rose fester, bie am ©ürtcl ihres weißen Kleides hing. Wamm mußte k r eigentlich lieb haben, den Mann, der da vor chr stand? Zum ungezählten Mal fragte sie sich in tetem Augenblick. Warum — warum? Zusammen- konnten sie ja wohl nie - er müßte denn

■ l? Innern werden — bie starre Selbstver-

Co-terung auiaebcn und wie sollte daS geschehen?

keine Silbe, auf seinem Gesicht wech- ber ^tArn h^m®16 st"^re Falte stand schon »ie- » J ^auen. War's nicht eine Art von SÄ' ' ", >!ben erlitten. Geschah ihm schon BWR " Nicht Watten, bis ihm die «tfe Frucht von selbst m ben Schoß fiel?

L Renate wartete eine Sekunde und wandte sich, all 2?umm blieb, -um Gehen. Fast schon bi« zur Tür de^ Lpeisezrmmers blieb sie zaudernd stehen, jetzt kehtte § ttm Sie hatte wieder ihr liebel, freundliche.

„Komm, Sigurd, sei gut unb setze Dich mit an un­seren Tisch, ich bringe Dir, was Du gern ißt. Wamm wollen wir uni benn immer zanken? Leute mit so alter Kinderfreunbschastl Kommt*

Sie hielt ihm bie Hand hin. Er nahm sie und zog sie durch seinen Arm.

„Wenn Du doch anders wärst, Renate, Deine Kraft nicht so zersplittertest, ich glaube —*

„Ich glaube gar nicht, weiß aber, daß wir uns jetzt dranhalten müssen, sonst bekommen wir nichts mehr zu essen.*

Sie lachte hell unb fröhlich. Nun war's für heute wieder mal gut zwischen ben beiden — einmal mußten sie sich bei jedem Zusammensein zanken.

So Arm in Arm sah der alte ManSeck sie eintreten. .Ein Paar, wie für einander geschaffen,* dachte er und folgte ihnen mtt ben Augen bis zu bem Tisch, an bem Werner Walldorf unb Rolf saßen. Den hatte er ganz vergessen, ihm fiel auf einmal ein, daß er ja als Beobachter hierher gefommen war. Eine bevorzugte Stellung nahm der Junge hier wohl kaum ein. Oder doch? Daß er gerabe mtt den beiden Vettern an ihrem Tisch sitzen durfte war am Ende doch auffallend. Je­denfalls wollte er von jetzt an besser auf bem Posten fein, vorher aber erst die wundervolle Mahonnese pro­bieren, die ihm die Hausfrau eben eigenhändig auf ben Teller legte.

„Zu schwer für Sie, ManSeckchen,* warnte Oer» tzen, bet ihm nicht von bet Seite wich, „wird Magen­verstimmung im Gefolge haben.*

„Kümmern Sie sich gefälligst um sich, Sie aller Uhu,* antwortete Erzellenz grob. „Tut Ihnen bet Magen weh, wenn ich mir meinen verderbe?^

Oertzen fieberte. „Aber die böse Laune morgen ben ganzen Tag übet!'

„Was kann ich Ihnen einfchenken, ENellenz?* störte Lanzau ihr Zwiegespräch. „Portweins Oder belie­ben Sie Rdeinwein?*

„Sind Sie hier Obermundschenk, Junger Freund?*

„Nur Helfer, Exzellenz, und vor allen Dingen Ihnen zu Diensten. Hier fehlt ein Rheinweinglal, Fräulein Martha,* rief er bem Jungen Mädchen zu,

das zwischen den Gästen umherging und hier und tc die leeren Teller füllte. Sie brachte eiligst eines an.

»Allerliebstes Mädchen,* schmunzelte Oertzen. „Ihr Geschmack, Lanzauchen? Richt ganz so stilvoll, wie die vielumworbene Haustochter, aber auch wohl nicht so voller Dornen, was?*

„Sticht auch, Herr von Oertzen,* lachte Lanzau unb eilte weiter.

„Etwas Pastete gefällig?* nötigte Fräulein Martha die beiden alten Herren.

„Wir danken,* sagte Manseck verbindlich und schob Oertzens hingehaltenen Teller zurück. „Magenver­stimmung, lieber Oertzen, denken Sie daran.*

„Aber erlauben Sie mal, Mansvckchen —*

„Bemühen Sie sich nicht, mein Fräulein, mein Freund darf solch schwere Speisen am Abend nicht essen.*

Sie ärgerten sich gründlich, einer den andern, aber daS war ihnen schon längst Bedürfnis geworden unb frischte die alten Lebensgeister in ihnen auf.

Nach dem Essen verteilte sich die Gesellschaft wie­der m die verschiedenen Räume und nun versuchte Manseck, in bet Nähe der jungen Well zu bleiben, um endlich ju rekognoszieren. Das war aber viel schwerer getan als gedacht. Wickich interessantes Volk war hier zusammen gekommen, dal mußte er zu geben, charakteristische Typen, leicht war eS nicht, feine Be­obachtungen auf einen Punkt zu konzentrieren. Er war bald wieder in ein spannendes Gespräch mit einem Herrn verwickelt, bet im französischen Kriege als Dettchterstalter auf dem Kriegsschauplätze geweilt hatte. Sedan hatten sie beide erlebt. DaS war höchst interessant, sie verbissen sich ordentlich in MeinungS- verschiedenheiten. Auch die anwesenden Damen lenk­ten feine Aufmerksamkeit von dem eigentlichen Punkt ab. Da war die Heroine bei Königlichen Schau­spielhauses, eine imposante, nicht mehr ganz junge Erscheinung; sie hatte Weltruf; mtt ihr ein paar Worte gewechselt zu haben, war immer pikant. Auch die Primaballerina bei Opernhauses war heute an­wesend. Manseck überlegte fii eS nicht lohne, recht bald wieder einmal herzukommen, bie Gesellschaft

wirtlich verlockend und der Zuschnitt des Hauses übet Erwarten großartig.

Sehr lange blieb man übrigens nicht zusammen. Es war kein allgemeiner Aufbruch, aber so nach und nach verringerte sich die Zahl der Gäste unbemerkt und doch bemerflich. Oertzen machte Manseck darauf aufmerksam, daß eS auch wohl für sie an der Zeit wäre, er erntete aber nur einen ZorneSblick. Lanzau hatte diesem nämlich gesteckt, daß Fräulein Domau heute noch singen werde und zwar, wenn das GroS der Be­sucher fort fein würde. Diesen Genuß könnt er sich doch nicht entgehen lassen, er hatte füglich volle Berech­tigung, noch zu bleiben.

Renate fang nicht gern an diesen Abenden und tat es fast nie, soviel man sie darurnbat. „Zuviel Menschen, die sich aus Musik herzlich wenig machen,* sagte sie immer, „man bittet mich unb hört doch kaum zu. Ich bin mir selbst zu schade, mein Können so ;u Marti tragen zu sollen.*

Heute hatte sie es aber Sigurd persönlich ver­sprochen, zu fingen und zwar ein Lied, dessen Worte er selbst verfaßt unb das sie in Musik gesetzt hatte. Am Nachmittag war keine Möglichkeit gewesen, es ihm vorzusingen. Sie hatte im Konservatorium zu bet morgigen Schlußaufführung eine Probe mitzumachen Schabt unb war erst nach sieben wieder nach Haufe gekommen. Ihre Berliner Studienzeit nahm offiziell ein Ende mtt der morgigen Aufführung. Sie war im Hechst in die letzte GesangSflaffe eingetreten, um ben Ensembleunterttcht mit zu genießen, hatte außerdem den Winter durch Studien bet bet berühmtesten Ge­sangslehrerin gemacht unb diese, wie bie Lehrer der Musikschule, in Staunen versetzt. Run sollte eine Ruhe­pause eintreten und tarnt, bann —

Wenn fie's mtt selbst gewußt hätte, was sie bann eigentlich wollte. Di? Bühne lockte sie noch iminei näht, am liebsten hätte sie noch immer weitergelcrnt bis zur höchsten Vervollkommnung, wie sie dieselbe träumte. Sie kam fick noch immer ganz, ganz unfertig vot.

Sun war'! verhältnismäßig leer geworden.

Gottsetzuna