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Fulda, Samstag den 20. November 1909

ja 266

Viertes Matt

Diesen Ausgaben stehen folgende Einnahmen

1.

2.

60

181

Summa 674 M- 8b Pfg-

Reklame«- und Anzeigenteil.

Der große Preis.

66

70

3. 21 Knabenanzüge

4. Vier Mädchenkleider

829

842

681

7

481

95

16

Das Vorgehen der Lehrer gegen die Bischöfe rst! ein neuer Beweis für die Berechtigung der Klage gegen die Lehrer, in die selbst der Ministerpräsident Büand nach seiner letzten Rede einzustimmen scheint. Die Gesinnung der Lehrer hat dafür gesorgt, daß aus der unreligiösen Schule eine antireligiöse ge­worden ist, entgegen den, Gesetze, aber naturuotwen- dig.

Ein Regierungsblatt, der „Temps', sieht sich ver­anlaßt, das Vosgchen der Lehrecverbände zu tadeln. Warum? Die gerichtlichen Verhandlungen werden — was der Regierung gar nicht erwünscht ist — die Gelegenheit bieten, vor der Oeffentlichkeit nachzu- wciscn, daß die nach dem Gesetze „unreligiöse' Schule benutzt worden ist, um die Religion des Hasses gegen das Christentum auszubceiten. Der „Temps" schreibt:

„Es ist ganz natürlich, daß die Verteidiger der Bischöfe von heute an mit der größten Aufmerksamkeit und mit der Lupe alle Erzeugnisse der Feder der Lehrer, ihrer Vereine und Verbände, Bücher, Bankett­reden, Toaste, Kongreßwünsche, Artikel in pädagogischen Zeitschriften ufro. nachlesen werden. — Und wir wissen leider nur zu gut, daß nicht alle Lehrervon Vorwürfen ledig gesprochen werden können und daß ihre Sprache nicht immer korrekt war.'

+ Rechenschaftsbericht «her die Tätigkeit drS St. Elisabeth-Verein» zu Fulda im Berichtsjahr 1908/09.

08 Pfg.

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21 „

Die Einnahme beträgt 3535 M. 25 Pfg.

Die Ausgabe beträgt 3090 „ 97 „

f Wenn Sie Ihr Sti«O

gesund, munter und geistig frisch sich ent­wickeln sehen wollen, so geben Sw chm Dr.

Hommel's Haematogen. Warnung! Man verlange ausdrücklich den Namen vr. Hammel

tiisttch mit Ausnahme der So.» ^j,szeiertaqe Viertel- iiibrUcherVe^preis -bnevrinaerlohnund vestellseld in Hulda fo- »it«M-Srtsl.5OM.

Verantw Bedattem, IMl Schiitter

tÄ’Ä. wechcnbcwse: „illustrierte Sonntagszeitung

Ausland.

** Eine italienische Finanzreform steht nun auch bevor. Der wiedereröffneten Kammer schlug der Mi­nisterpräsident Herabsetzung der Zucker­st e u e r vor. Um den dadurch erwachsenden Einnahme­ausfall von ungefähr 40 Millionen zu decken, sollen verschiedene Verbesserungen des Gesekes betreffend die Steuer auf Erbschaften und Sck>enkungen vorgenommen und eine p r o g ressive. Einkom­ni«n st e u e r auf Einkommen über 5000 Lire jährlich eingeführt werden. — Zu Beginn der Erösfnungs- sikung gedachten radikale Abgeordnete unter dem Bei­fall der Linken Ferrer 8 und Lombrosos

** Der griechische Militärbund hat bei Gelegen­heit der Beratung einer Vorlage über eine neue Ver- waltungseinteilung des Landes durch die Kammer aller Welt gezeigt, daß er nach wie vor die Macht in den Händen hat. Mit der Verwal­tungsreform war eine große Anzahl Abgeordneter nicht zufrieden. Das Schicksal der Vorlage war zweifelhaft. Da griff der Militärbunl) ein. Er teilte dem Minister­präsidenten mit, daß geeignete Maßregeln getroffen seien, damit die reaktionären Abgeordneten zwar dis- ftltieren könnten, aber ihre Absichten mäßigen und an den Sturz dec Regierung nickt denken dürften. Gleich­zeitig besetzten zahlreiche Unteroffiziere und Offiziere die Zuschauerlogen, die Wandel- gänge und den Platz vor der Kammer. Dieses Auf­treten des Militärbundes führte die gewünschte Wir­kung, nämlich die Annahme der Vorlage über die Ver­waltungseinteilung herbei.

♦ Dir amerikanischen Flvttenrnstungen werden en- eroisch fortgesetzt. Das Marinedepartement wird dem Kongreß den B a u , w e i e r S ch l a cht s ch i f f e von

Bestand: Summa 484 M. 28 Psg..

Die beiden Konferenzen wandten ihre Fürsorg-. 74 Erstkommunikanten zu und zwar 42 Knaben und 32 Mädchen. Es wurden beschafft:

1. 16 Paar Knabenstiefel im Werte von 124 M. 80 Pfg.

2. 27 „ Mädchenschuhe

36. Jahrgang fcz

„Fräulein Solms, Agnes', rief er erfreut, „soll das bedeuten, daß . . .'

„Nichts soll es bedeuten", rief sie lachend. „Nun aber schnell. Eins, zwei, drei."

Ehe er sich nur recht besinnen konnte, lief fle die Straße hinauf. Einen Blick noch nach dem Wagen, dann warf er seine Mütze auf den Sitz, streifte die Handschuhe ab und begann zu lausen. Sie hatte ein wenig gewartet und erst, als er knapp hinter ihr war, setzte sie sich wieder in Trab.

«Seine langen Beine brachten ihn natürlich bald in Vorteil; aber er mußte sich doch »ohl im ersten Augenblick zu viel zugemutet haben. Sie befand sich bei ihrem ruhigen, gleichmäßigen Laufen bester, wäh­rend er bald außer Atem kam.

Immer mehr verringerte sich die Distanz zwischen ihr und der Pappel. Er ckiß die Zahne zusammen zum Endspurt. Roch zwei Schritte, dann hatte er |te überholt. Da mockte sie eine unerwartete Wendung und mit aller Wucht lief er gegen sie.

Ein kurzer, erschrockener Schrei, ein Durcheinander von Armen und Beinen, und nebeneinander am Fuße der Pappel, die so heimtückisch ihre langen Wurzeln ausgestreckt hatte, saßen zwei lachende Menschenkinder

„O weh", rief sie, die arg zerschundenen Hand- stächen hochhaltend, „damit bin ich gerade gegen beit Stamm gefallen."

„Und haben dadurch das Rennen gewonnen' meinte er kläglich.

„Wahrhaftig', rief sie plötzlich, „daran habe ich ja noch nicht einmal gedacht. Und was wähle ich mir nun aus als großen Preis vom Petersberg?"

Er sah sic fragen b an.

„Ob ich wohl'den Mann da wähle, der hier im Grase neben mir sitzt?" meinte sie neckend.

Mit einem solchen Jubellaut schloß er sie in die Arme, daß der dicke Spass, der nicht weit davon im Grase pickte, laut schimpfend davon flog.

„Nein, nein", wehrte sie lachend. - „Vernünftig sein. Soll es denn der Spatz schon gleich von allen Dächern pfeifen?"

„Ach Unsinn", protestierte sie. „Wir werden noch so lange die schöne Zeit vertrödeln, bis alles voll von Leuten ist und diese miserablen Mistwagen auf die Chauffee kommen. Mir ist das Bewußtsein des Sieges genug.'

„Mir nicht", meinte er dagegen. „Ohne Preis, kein Fleiß!"

„Meinetwegen", rief sie ärgerlich. „Bestimmen Sie irgend etwas und dann aber los."

„Aber wird es Ihnen recht sein, was ich aus­wähle?'

„Selbstverständlich", drängte sie. „Es ist mir ganz egal."

„Wenn es aber etwas sehr Kostbares wäre?'

Sie lachte luftig. „Allerdings von meinem Ta­schengelde mutz ich es erübrigen können; Anleihen mache ich nicht gern."

„Ist auch nicht nötig." Vorsichtig leiifte er sein Fahrzeug dicht an das ihre. „ES ist nämlich Ihre Hand, Fräulein Solms und Ihr Herz, die ich als großen Preis vom Petersberg besttmmen möchte.'

„Wenn das nur geht', meinte sie etwas verwirrt und"zog den dichten Schleier vor das Gesicht. „Viel­leicht besitze ich das Verfügungsrecht darüber gar nicht mehr!"

„Ich glaube doch. Bis gestern war ich auch noch im Zweifel darüber; aber dann hörte ich, daß ein gewisser Herr sich einen Korb . . .'

„Das kann nur Fritz, der abscheuliche Bengel, ge­sagt haben, der gehorcht hatte', rief sie entrüstet.

„Und noch etwas anderes hat mir Fritz, das aller­dings etwas indiskrete Tertianergemüse, Benoten, als ich energisch aus den Busch klopfte. . ."

„Ich fahre", rief sie plötzlich. „Platz da, oder es gibt Karambolage."

Hart fuhr ihr Wagen an dem seinen vorbei, daß ihr Pneumatiks die feinen schrammten.

„Also gilt der Preis", tief er ihr nach. Ec sah nur noch, daß sie nickte, ehe sie in einer Staubwolke verschwand. Wohl in einem Tempo von vierzig Kilo­metern die Stunde tofften sie aus der menschenleeren Landstraße dahin. Dann begann die erste Steigung,

1. 930V. Pfund Fleisch . . .

2. 6009 „ Brot....

3. 386 „ Kaffee . . .

4. 3545 Liter Mtlch . . .

5. 93 Stück Eier . . . .

6. 221 Zentner Kohlen und Holz 7. Bare Geldunterstützung . .

Sogar durch die Brille konnte er erkennen, daß ifie heute morgen reizend aussah. Unter dem Schirm der 6raunen Motormütze hatten sich goldgelbe Haar- ;ringel hervorgedrängt und wehten lustig in der kühlen ! Morgenluft, die ihr sonst manchmal etwas bleiches, 'schmales Gesicht frisch gerötet hatte.

„Guten Morgen Fräulein Solms', rief er, so laut er konnte, ehe noch ihr Fahrzeug die Landstraße, auf der er seitlich herkam, gekreuzt hatte. Sie hatte ihn schon bemerkt und stoppte. Hart nebeneinander hiel­ten die zierlich gebauten kleinen Wagen.

„Ich hätte aber wirklich alles andere erwartet, als Sie in dieser Herrgottsfrühe hier draußen zu finden', tief sie fröhlich. „Nur gut, daß Vater nicht weiß, daß es noch mehr Fcühauffteher gibt, sonst würde er mich nicht einmal um diese Zeit allein fahren lassen. Es ist aber auch die einzige Tageszeit, in der man einmal richtig Tempo fahren kann, ohne daß an jeder Ecke ein Schutzmann mit gezücktem Bleistift steht. Es ist gräßlich', setzte sie seufzend hinzu, „was auch im- <t.er alles auf den Landstraßen kribbelt und krabbelt."

„Gräßlich!" bestätigte et ernsthaft. „Wollen wir -inrnal ein flottes, kleines Rennen veranstalten?" chlug er vor.

?„„Famos!" jubelte sie. „Auf den Petersberg,

Er nickte. „Also die Pappel soll Ziel fein. Ich ,arte' ,1)enn Sie da hinten am Wegweiser sind." , "Bewahre", lachte sie. „Es wird zusammen ge- r r'I- ?^che Galanterien sind für mich geradezu beleidigend." ,

„Dann also zufamnm", gab et zu, „Platz habt.A vir ja genug, um nebeneinander zu fahren."

„Na also! Gehe Du links, dann will ich rcchA V'rtf [1C poetisch. „Ohne Starter «Ä »hne Pistole wird es ja wohl gehen. SinZ . . . . -wer . . . “

» HA", rief er auf einmal. „Wir haben ja noch Einen Preis bestimmt, und ohne den geht es nicht."

Zum Schluffe seiner Ausführungen aber macht der „Temps" eine Bemerkung, die vieles in den französischen Verhältnissen klarlegt:

„Der Angriffe der Bischöfe, so schreibt er, auf die Laienschule wäre nicht möglich gewesen, wenn einige Lehrer nicht der „klerikalen Unverträglichkeit" Argu­mente geliefert hätten. Sie wäre nicht möglich ge­wesen, wenn die Minister über das Lehrerkorps die Aufsicht ausgeübt hätten. Man versuchte aber leider zu ost, die „Affären" zu verhindern, d. h. die Konflikte mit der sozialistischen internationalen, revolutionären Sozialdemokratie. Man ließ Lehrerkommissionen die Lehrbücher für den Unterricht bezeichnen.und die Rek­toren der Schulen haben die Bücher gewiß nicht mit der Sorgfalt revidiert, die nun die Verteidiger der Bischöfe darauf verwenden werden. Minister, Direk­toren und Rektoren haben Furcht, als klerikal verschrien zu werden — aus diesen verschiedenen Fehlern entstand die heutige Situation."

vermischter.

** Im Kieler Werftprozeß bekundete Zeuge Obrr- tneifter König, daß die einzelnen Altmaterialien nicht gewogen sondern nach bestem Wissen geschätzt würden. Dann wurde der Fall Bauer besprochen. Magazm- direttor Heinrich soll an den inzwischen verstorbenen Ämter und dessen Sohn wiederholt höhere Geldbeträge ocsandt haben. Die Anklage nimmt an, daß Bauer Kenntnis von irgendwelchen Verfehlungen Heinrichs hefte Der Angeklagte Heinrich behauptet, daß er an den alten Bauer höchstens Betröge von 20—30 Mk. gegeben habe, er habe sich dazu moralisch für ver- pftichtet gehalten, weil auf-feine Veranlassung Bauer, -cr eine Familie zu ernähren hatte, pensioniert wor­den fei. Ein Zeuge bekundet, daß er öfter an den cUen Bauer Beträge von 80 bislOOMark im Auf­lage Heinrich'? gesandt habe, was Heinrich energisch bestreitet Dem jungen Bauer habe er allerdings mehr gegeben, einmal, als ec heiratete, und das andere Mal, als er sich ein Geschäft einrichtete. Produktenhandler Slmwe-Eckernförde bekundet, daß er einmal im Kon­tor Frankenthals gehört habe, wie ein Angestellter Nie­meier telephonisch zwanzig schwere Ganse bestellte. Ter Angestellte sagte ihm, die Gänse seien für einen Angestellten der Kaiserlichen Werft bestimmt Der junge Mann sagte, er werde oft von Frankenthal zur Werst geschickt und gehe ohne ein paar hundert Mark nicht hinüber. Er sagte, das Geld würde an die Leute verteilt. Das sei vor ungefähr acht Jahren ge= wesen — Angell. Frankenthal: Dieser Niemeier ist aber schon 1899 in Hamburg wegen Trunkenheit ent­lassen waren. Er bat fick totgetrunken. Der Gastwirt Prange-Hamburg, 'der früher in Frankenthals Elek­trizitätswerk Maschinist war, erklärt, daß in dem Ma­schinenraum verschiedene Gegenstände benutzt wurden, die von der kaiserlichen Werft stammten Franken­thal erklärte dazu, daß es meist ausrangierte, von der Werft gekauft- Sachen gewesen seien. Von einigen will er überhaupt nichts tvissen. Es werden dann ver­schiedene Zenaen darüber vernommen, daß unter die Frankenthalschen Wagen große Bleigewichte gebunden worden sind, um das Traggewicht der Wagen zu er­höhen Der Kutscher Jachens, der über 20 Jahre lang bei Frankenthal Kutscher war, hat einmal so etwas behauptet, bezw. andere Kutscher haben von ihm behauptet, daß er sie dazit angehalten habe. Der Zeuge will nicht recht mit der Sprache heraus. Er hält anscheinend mit verschiedenen Sachen zurück, gibt aber schließlich die Möglichkeit zu, daß es so gewesen sein könne, daß es aber auch wieder anders gewesen fein kann. Als er immer wieder verwarnt wird, er­klärt er endlich, daß er sich auf diese jahrelang zurück­liegenden Vorfälle nicht mehr besinnen könne. Es kommt dann zur Sprache, daß dieser Zeuge gegenüber dem Mitinhaber der Firma Rosenberg u. Co., die jetzt Frankenthals Geschäft übemommen habe, eine Aeuße- rung getan hat, daß der Mitinhaber namens Koch nach dem Werftprozeß von ihm die mehrere tausend Mark betragende Forderung bekommen könne. Dieser Koch hat diese Aeußerung so verstanden, daß Jachens für seine Aussage Geld bekommen wird. Das Gericht beschloß deshalb, Jachens vorläufig noch nicht zu ver­eidigen, sondern zu Donnerstag, den Mitinhaber der Firma Rosenberg u. Co. aus Tönning vorzuladen. Mehrere andere Kutscher bezw Fuhrwerksbesitzer und rin Händler sagen im großen und ganzen günstig für Frankenthal aus, namentlich daß er nie von ihnen verlangt habe, daß sie in feinem Interesse etwas Un­rechtmäßiges tun sollten

♦ Dir Heizung der Züge. Das Eisenbahnministe- rium hat die Eifenbahndirektionen beauftragt, das Personal erneut auf die sorgfältige Beachtung der für die Heizung der Züge gegebenen Vorschriften hinzu- toeifen, um Beschwerden der Reisenden vorzubeugen. Ueberheizung der Wagen soll ebenso unbedingt vermie­den werden wie mangelhafte Vorheizung.

und es gelang ihm, sie zu überholen. Sie hatte sich tief über die Steuerung gebeugt, nickte ihm aber sreundlich zu, als er passierte. Als er nach einem Weilchen zuriickblickte, sah er, daß sie weit hinter ihm geblieben war.

Im ersten Augenblick freute es ihn, aber dann fiel es ihm ein, daß es sie doch etwas kränken könnte, wenn er sie auf die große Distanz schlüge. Wenn er knapp vor ihr am Ziele war, genügte es ja. Er stoppte und sah zurück. Als der Staub sich etwas gelegt hatte, sah er, daß sie abgestiegen war und sich an ihrem Mo­tor zu schaffen machte. Schon wollte er wenden, um ihr zu helfen, als sie wieder flott zu fein schien und schon daher sauste. Er musterte eingehend das Aus- puffventil, als sie an ihm vonibersuhr, damit sie nicht bemertte, daß er absichtlich auf sie gewartet hatte.

„Auch Pech gehabt?" tief sie ihm zu und fort war sie.

Einige Minuten ging es flott weiter. Schon ho­ben sich die Umrisse der Pappel scharf vom blauen Morgenhimmel ab. Da bemertte er, daß fein Motor nicht mehr anziehen wollte, obwohl die Steigung nicht beträchtlich war. Auch ihr Tempo war langsam ge­worden und es gelang ihm, sie einzuholen.

„Mein Oelbehalter ist leer geworden", rief sie kläglich, „und ich habe schon einmal aus der Reserve nachgefüllt.'

„Bei mir ist auch etwas nicht in Ordnung", ant­wortete er ärgerlich, stoppte und stieg ab. „Zum Donnerwetter, Bat der Kerl den halben Oelbehalter ins Motorgehäuse gedumpt. Kein Wunder, daß ich festsitze."

Sie lachte taut auf. „Was machen wir nun, wir famosen Rennfahrer?"

Er nahm die Mütze ab und trocknete die erhitzte Stirn. Mit so betrübtem Gesicht blickte er die Chaus­see hinunter und hinauf und zuckte die Achseln, daß sie das Lachen nur schwer verbeißen konnte.

„Wir könnten das Rennen ja zu Fuß beenden, wenn Ihnen so viel daran liegt", meinte sie leise, und wurde ganz rot. „Weit ist es ja nicht mehr."

8. Verschiedene Ausgaben . .___

Summa 3o9U M. 97 Pig.

Ije 26 000 Tonnen und eines Reparaturschiffes vor- schlagen.

gegenüber:

Bestand der Kaffe im vorigen Jahre laut Rechnungsabschluß vom 18.

November 1909 ....... 6 M. 39 Pfg

Die Kollekte der letzten General­versammlung ...... • 87

3. In den Wochenkonferenzen wurden gesammelt ; ' * • okq

4. Durch Listensammlungen gingen ein 854

5. Geschenk des Hochw. H. Bischofs 200

6 Geschenk von der Benediktinerinnen- Abtei.........• ,• 200

7. Aus der Hinterlassenschaft der Frl.

Theresia Glißner . . . • • • 300

8. Aus dem Nachlaß der Frl. Nanny ..........100

9. Aus dem Nachlaß der Frl. Marie Hasenpflug Xrra

10. Bon mehreren Wohltätern . . - 2,8_______

Summa 3525 M. 25.Psg.

Im laufenden Vereinsjahr zählte der Verein »7 Mitglieder. Der Liobakonferenz gehören 30, der Hedwigskonferenz 47 Mitglieder an. In den Wochenversammlungen, in denen von den gerstnchen Präsides gewöhnlich erbauliche Vorträge gehalten wurden, wurden die Bittgesuche geprüft, die Almosen gespendet und über die- Linderung der Notleidenden, beraten. Das Arbeitsfeld der Konferenzen erstreckte, sich über 89 Notleidende und deren Familien. Auße^ dem erhielten einige Wöchnerinnen Brot und Fletsch und wurden ihnen Kosttage gewährt.

Während des Jahres starben drei Arme, für deren Pflege der Verein besorgt gewesen war.

Die Unterstützungen wurden in den allermeisten Fällen in Naturalien gereicht, nämlich:

~ - 638 M.

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Verlag der Zuldaer Ak»; tiendruckerei in Zuldch

Monatsberlage: „gulbaer GeschWrblatter" s«rnsprecher«r.9.

5 Die „neutrale" Schule und der Prozeß gegen die franzöpschen

Bischöfe.

Das Schulprogramm der deutschen kulturkämpfe- Zschen Parteien ist in Frankreich in die Wirklichkeit .^gesetzt worden. Dort gibt es eine Laienschule eine Schule mit Fachaufsicht, eine Schule, bie ben konfessionellen Religionsunterricht aus ihrem Lehr- Fan gestrichen hat, die neutral, d. h. u n r e l i g i o s fein soll.

Die Bischöfe Frankreichs haben dieser schule den Krieg erklärt und führen, wie der neue Hirten­brief des Erzbischofs von Toulouse beweist, obwohl man sie deshalb als „Staatsfeinde" brandmarken will, unermüdlich den Kampf, zu dem ihre Seelsorgerpflicht !ie aufrief. Man hat es so darstellen wollen, als ob sie Bischöfe bei ihrem Vorgehen einet Weisung sei­lens des Vatikans folgten. Eine Persönlichkeit aus der Umgebung des hl. Vaters hat dem Vertreter des ^Temps" gegenüber diese Behauptung entkräftet, in­tern fle das Selbstverständliche in dec Handlungs­weise der Bischöfe nachwies und den Standpunkt der jKirche zu der neutralen Schule darlegte:

„Die Verurteilung dessen, so führte sie aus, was iman die neutrale Schule nennt, ist in der Tat ein ?Fundament al alt deskatholischen Gesetzes, enn wenn es sich um die Erziehung der Seelen han­delt, existiert diese angebliche Neutralität nicht. Was bedeutet denn „neutral* beim Unterrichte? Das be- deutet: niemals von der Religion, niemals von Gott reden. Nun sagen Sie mir, ob es genügt, Gott nicht zu beleidigen oder nur ihn nicht zu leugnen, um den ewigen Wahrheiten der Religion zu entsprechen? Gott itp nicht ein Wesen zweiter Ordnung, von dem man nach Belieben sprechen oder nicht sprechen kann. Das Universum, die Moral, die Geschichte, stellen sich, wenn Man nicht dabei von Gott spricht, ganz anders dar, .als den Wahrheiten des Christentums entspricht. Man muß daher den logischen Schluß ziehen, daß das neu­trale Schulsystem die Feindseligkeit gegen das Christen­tum bedeutet. Gegenüber Golt ist schon das 'einfache Stillschweigen eine Verleugnung. „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich", so hat schon der Heiland gesagt. Indem sie die neutrale Schule bekämpfen, folgen die Bischöfe nur ihrer strengen Pflicht. „Man muß Gott mehr gehorchen, als den Menschen." Dieses Prinzip hat schon oft den Zorn der Feinde der Kirche wachgerusen. Es bleibt aber unveränderlich bestehen. An dem Tage, da die Kirche aufhören würde, diese Wahrheit zu predigen, würde sie nicht mehr die Kirche fein. In allen Län­dern und zu allen Zeiten haben die katholischen Bischöfe so gehandelt, und es ist eine seltsame Lösung dieser außerordentlich wichtigen Angelegenheit, daß 'man die Bischöfe vor den weltlichen Richter bringt, damit sie Gottes Gebot verleugnen.*

Als seltsame Lösung dieser ivichtigen Angelegen­heit wird die Klage der Lehrerschaft gegen die Bi­schöfe hier bezeichnet. Wahrhaftig? Diese Klage enthüllt mit erschreckender Deutlichkeit die Abkehr der Mehrheit der französischen Lehrerschaft von dem Ge­dankenkreis eines Christen, den Mangel an jeglichem Gefühl für die Autorität der Stellvertreter Christi, die völlige Lossaguna von der katholischen Kirche seitens 'jener Personen, die als Jugenderzieher die Weltan­schauung der künftigen Generation in entscheidender IWeise beeinflussen. Die Erhebung der Schadenersatz­klage, diese Dokumentierung der Entchristlichung der französischen Lehrerschaft, „ein amüsantes Er- e i g n i §' nennen kann nur jemand, der für den traurigen Emst der Lage keinen Schimmer von Ver- 'ständnis hat; allerdings nicht weiter verwunderlich bei einem Blatte, das es in feiner Oberflächlichkeit kürzlich auch fertig brachte, — allerdings wieder un- ^ter den „Vermischten Nachrichten" — einen Fall von Sodomie in einer Weise zu erzählen, als ob es sich um „das mnüsonteste Ereignis der Tagesge­schichte' gehandelt habe.

Der Zuschuß der Stabt betrug . . 550.— M.

Geschenkt wurden ^8.— „

Der Rest wurde durch die Mitglieder des Elisabethvereins und anderer Wohltäter gedeckt. Er betrug . . <6.85 M.

Vier Kinder wurden von Vereinsmitgliedern voll­ständig gekleidet und ein Kind von einem Wohltäter. Außerdem wurden noch verschiedene Kleidungsstücke und Schuhe für Knaben und Mädchen geschenkt und verteilt. Ferner haben noch verschiedene Geschäfts­inhaber Kolonialwaren, Stoff zu Kleidungsstücken und Wäsche geschenkt.