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z parMe"inzulda. Vochendeilage:,Illustrierte Sonntagrzeitung
36. Jahrgang
Fulda, Samstag den 20. November 1909
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Strantw. Redakteur:
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- Blonatsbeilage: „Fuldaer Eeschichtsdiatter «nfw*« »> »■
Krftes ^Slatt.
Die heutige Ausgabe umfaßt 16 Seite«.
Deutsches Reich.
A Der neue ReichShaushaltsttat
Die bereits mitgeteilten Hauptziffern deS Etats für 1910 lassen das Bemühen der Neichsregierung erkennen, zu sparen. Immerhin haben wir mit Mehr- forderuiigeu in Höhe vou-ca. 7 Millionen Mark l genau 6 858 991 Mk.) gegenüber dem laufenden Etat zu rechnen Das ist ja nun nicht viel, wenn man bedenkt, daß in den letzten Jahren der Etat in enormer £8eifc an Umfang zugenommen hat. Aber man muß dabei berücksichtigen, daß bei einigen Etats in einer bis jetzt nie dogewesenen Weise die Forderungen für das neue Rechnungsjahr zurückgeschraubt wurden, um auf anderen Gebieten größere Mehrausgaben ermöglichen zu können. Vor allem sind die einmaligen Ausgaben stark zurückgeschraubt worden. Die dauernden Ausgaben sind um rund 13 800 000 Mark höher als im Vorjahre, dagegen bleiben die einmaligen Ausgaben um 42 000 000 hinter für 1909 veranschlagten zurück. Nur beim Marineetat werden in bedeutenderem Maße Mehrforderungen gestellt. Insgesamt haben die Ausgaben für Heer und Marine die keineswegs geringe Summe von 1*250 Millionen erreicht. Davon fallen auf die fortlaufenden Ausgaben des Reichsheeres über 709 Millionen, auf die der Marine über 158 Millionen Mark, insgesamt ca. 25 Millionen mehr gegenüber deni laufenden Etat. Bei den einmaligen Ausgaben für das Reichsheer werden diesmal nur etwas über 75^2 Millionen gefordert, also ca. 42 Millionen weniger als im vorigen Jahre. Dafür fordert der Marine- ctat in seinen einmaligen Ausgaben aber mehr ca. 14 Millionen, insgesamt gegen 172 Millionen Mark. Man sieht also, daß man bei der Marine im nächsten Jahre das nachholen will, was im letzten Jahre versäumt wurde. Wieweil dies berechtigt ist, darüber kann man sich einstweilen noch kein Urteil erlauben. Auch bei den außerordentlichen Ausgaben steht die Marine an erster Stelle. Es werden über 113 Millionen Mark gefordert, wahrend das Reichsheer sich mit „nur" 22 Millionen begnügen will.
Alls den näheren Erklärungen, die das Regie- ruugsorgan, die „Nordd. Allg. Ztg." in ihrer Samstags-Ausgabe zu einzelnen Etatsposten wieder gibt, ist zu ersehen, daß im Auswärtigen Amte wieder neue Hilfskräfte nötig sind. Zur Entlastung des Staatssekretärs und des Unterstaatssekretärs des Auswärtigen Amts und im Himblick auf die wichtigen politischen Geschäfte des Auswärtigen Amts soll ein älterer Vortragender Rat, dem der Staatssekretär unmittelbar unterstellt ist, in der politischen Abteilung in der Eigenschaft als D t r i g e nt mit einem Teil der einschlägigen Geschäfte betraut werden, wodurch zugleich zur Sicherung der Einheitlichkeit der Geschäfte beigetragen würde.— Bei uns kommt eben jede „Reform" auf eine Beamtenvermehrung hinaus.
** Berlin, 19. Nov. 1909. Der Kaiser hörte am Freitag auf Schloß Donaueschingen den Vortrag drs Chefs des Militärkabinets. — Als Nachfolger des OberprLsidenten von Schlesien Grafen v. Zedlitz und Trützschler soll, wie jetzt verlautet, der Potsdamer Regierungspräsident von der Schulenburg in Aussicht genommen sein. — Gutem Vernehmen des ,Tag' nach wird die Umarbeitung der Reichsversicherungs-Ordnung im Bundesrat noch so viel Zeit erfordern, daß man nicht daran denken kann, die Vorlage noch vor Ostern an den Reichstag gelangen zu lasten. — In der Ausweisungsaffäre Wegelin-Mühlhausen hat nach Blättermeldungen der Kaiser einen Jm- mediatbericht eingefordert. Die Akten befinden sich bereits in feinen Händen. — Die Verlängerung des deutsch-britischen Handelsprovi- soriumS ist vom Bundesrat am Donnerstag an- ?genommen worden. — Das neue Abkommen Deutsch« ands mit Oesterreich.Ungarn zur Auslegung und Ausführung einzelner Bestimmungen des Handelsvertrages, des Viehseuchen-Ueberein- kommens, des Vertragszolltariss, des deutschen Zolltarifs u. s. w., ist am Donnerstag im Ministerium des Aeußeren zu Wien unterzeichnet worden.
)( Neber die konservative Einigkeit hat der Präsident des Reichstags, Graf Stolberg-Wernigerode, eine Erklärung veröffentlicht, in der darauf hingewiesen wird, daß durch eine Annahme der Erbanfallsteuer die Reichsfinanzreform zum Scheitern gebracht worden wäre. Wir hätten alsdann gegenüber einer unbestimmten Zukunft gestanden. Der Voraussicht nach sei bei sparsamer Wirtschaft der Bedarf für das Reich zunächst gedeckt, und wir würden uns bis auf weiteres mit neuen Steuern nicht zu beschäftigen haben. Er warnt davor, die Meinungsverschiedenheiten in den konservativen Kreisen fortzuspinnen oder neu zu beleben. „Ge- rade jetzt bedürfen wir einer starken, ge- schioffenen und selbständigen konservativen Partei, und je selbständiger dieselbe ist, umsomehr wird 'es ihr möglich sein, freundliche Beziehungen zu den anderen bürgerlichen Parteien zu pflegen."
) ( Der „Bund der Festbcsoldeten" erläßt nunmehr einen Ausruf, worin er den Jntereffenverbänden Sgenüber als einzigen Weg den „Festbesoldeten" eine lbständige Organisation auf wirtschaftlicher Grundlage empfiehlt. Hmiptziele des Bundes find: in StandeSfrageu einheitliche Betätigung der Festbesoldeten, Sicherstellung der staatsbürgerlichen Rechte der Beamten, Schaffung eines einheitlichen modernen Beamtenrechts durch Reichsgesetz, gesetzliche Regelung ;ber ArbeitS- und Ruhezeit sowie der Urlaubsverhält- ■ntffe, Schaffung freier und unabhängiger Beamten-
auSschüffe zur Mitarbeit an den Aufgaben von Regierung und Verwaltung. - Au« dem Aufruf geht hervor daß die „Festbesoldeten" keine eigene Partei zu gründen beabsichtigen, sondern nur die Beamtenschaft zu stärkerer Anteilnahme am politischen Leben innerhalb ihrer Partei heranzuziehen bestrebt sind. Es wird betont, daß es sich hauptsächlich um eine Bewegung handelt, die den sozialen Jnteresten des Beamtenstandes entsprungen fei. — All die Ziele, die nach dem Ausmf der neue Bund erreichen will, werden doch schon hinreichend von anderen Standesorgaui- fationen erstrebt.
-e. Unehrlichkeit oder Unverstand? Jüngst wurde in einem badischen Blatte mit geteilt, em badischer Pfarrer habe „während der Einsegnung einer Kindesleiche auf dem Kirchhofe Flugblätter verteilen lassen". Sofort erschien von dem betr. Pfarrer eine Berichtigung, daß weder an Teilnehmer des Leichenzuges, noch während der Einsegnung, noch überhaupt auf dem Kirch- Hofe Blätter verteilt worden seien. Die in Frage stehende Beerdigung habe erst vier Tage nach der Wahlstattgesunden. Darauf- hin haben viele anständige Blätter ihren Vorwurf anstandslos zurückgenommen. Der Evangelische Bund aber, der diese Richtigstellung in seiner,Deutsch-evang. Korr.' (Nr. 121) abdruckt, schreibt trotzdem:
„Ob die Flugblattve teilung in dem engeren ober weiteren Rahmen eines Begräbnisses (4 Taae vorher! D. Red.) vor sich gegangen ist, ist schließlich Nebensache (lk). Daß sie überhaupt bei einem solchen Anlaß (!!) staitfinden konnte, kennzeichnet den Stand der Verquickung von Religion und Politik, zu dem es derZenlrumsklerus allmählich gebracht hat."
Das ist doch eine derart widerwärtige Unehrlichkeit, für die man keinen parlamentarischen Ausdruck mehr hat.
(*) Der Uebergang der Herrschaft Reisen an den preußischen Staat hat erklärlicherweise in der polnischen Bevölkerung starken Unmut geweckt. Die polnische Presse greift nun den juristischen Sachwalter. des verstorbenen Fürsten Sulkowski, den Reick-stagsabgeordneten Rechts- anwalt v. Dziembowski-Pomianan. Schon wiederholt ist die Vermutung geäußert worden, daß er nicht einwandfrei gehandelt habe. Das Lemberger „Slowo Polskie" veröffentlicht nunmehr zu dieser Sache allerlei Enthüllungen und erhebt gegen v. Dziembowski den Vorwurf, er habe den juristischen Vertreter der Bielitzer Linie der Sulkowski, Dr. Burasch, wissentlich falsch informiert, sodaß dieser keine Erbschaftsansprüche geltend gemacht habe. Dann habe er sich in einer Weise verhallen, die mit der Würde eines Rechtsanwalts unvereinbar sei. — Der „Dziennik Bydposki" aber richtet an den Beschuldigten die energische Aufforderung, die „dunklen Punkte" unverzüglich aufzuklüren, und wenn er dies nicht ausreichend vermöge, sein Abgeordnetenmandat sofort niederzulegen.
* Marburg, 18. November 1909. Die Vertrauensmänner der deutschen sozialen Partei sprachen hier in einer Versammlung einstimmig bei einer Stimmenthaltung dem Abg. Dr. Böhme ihre Mißbilligung zu seinem Schritte aus und gaben der Erwartung Ausdruck, daß er bei den nächsten Wahlen nicht wieder kandidieren werde, da er das Vertrauen verloren habe.
* Meiningen, 14. Nov. 1909. Der Meininger Landtag ist znm 28. November einberufen worden.
cP Darmstadt, 19. Nov. 1909. Die Zweite Kammer trat heute in die Beratung der Reform des Wahlrechts und der mit ihr vorgeschlagenen Versassungsänderung ein. Ministerpräsident Dr. Ewald gab der sicheren Erwartung Ausdruck, daß die Sammer sich einigen und damit endlich dem direkten Wahlrecht in Hessen Eingang verschaffen werde. Abg. v. Brentano (Ztr.) beleuchtete die wesentlichsten Schwierigkeiten, die dem Reformweck entgegenstehen. Unbillig sei es, wenn von agrarischer Seite die Vermehrung der städtischen Mandate beanstandet und auch hier wieder der bedauerliche Gegensatz zwischen Stadt und Land in die Erscheinung gebracht werde. Der Vermehrung der Mitglieder der Ersten Kammer um sechs von Landwirtschaft, Han- del, Gewerbe gewählten Vertretern und der in Aussicht genommenen Berufung eines Arbeiterdertreters könne man im Interesse der Demokratisierung der Ersten Kammer nur zustimmen. Den an das Wahlrecht geknüpften Kautelen müsse man im Interesse des Zustandekommens der Reform zustimmen, da die Regierung darauf unter allen Umständen bestehe. Seine Freunde seien bereit, weitere Wünsche wie auf Einführung von Wahlpflicht und Proportionalwahl zu- rückzisstelleii, um dem Gesetz keine Schwierigkeiten zu bereiten. Redner schließt mit einem warmen Appell an die Kammer, des Ernsts der Situation und der Verantwortung bewußt zu sein und endlich der Ein- sührung des direkten Wahlrechts die Wege zu ebnen. Abg. Fulda (Soz.) bekämpfte die Forderung des dreijährigen Domizils und der dreijährigen Staats- angebörigkeit, mit der die Arbeiterbevölkerung in ihrem Wahlrecht beschränkt werde. Abg. Dr. G l a s- f in g (ntL) geht auf die vom Ausschuß vorgeschlagenen Verfassungsänderungen näher ein. Er erinnert an die maßlose Hetze, die im letzten Wahlkampf gegen die Freunde einer Verständigung mit der Ersten Kammer von Freisinn und Sozialdemokratie betrieben wurden. Und doch sei eine Verständigung mit dem anderen Hause die unerläßliche Voraussetzung. Zu hoffen fei, daß die Erste Kammer den Bogen nicht zu straff anspanne Gegen die Verhältniswahl spreche, daß der Einfluß der Wähler auf die Bestimmung der Kandidaten wesentlich beschränkt werde; man solle deshalb vorerst auf dieses Experiment verzichten. Abg. Wolf (Bauernbund) erklärt die Bereitwilligkeit seiner Freunde, dem direkten Wahlrecht zum Sieg zu
verhelfen. Redner schildert an drastischen Beispielen die Mängel de? indirekten Wahlsystems, die in einer Bevormundung des Volkes sowie vielfach in einer Täuschung des VolkswillenS zum Ausdruck kommen. In den oereinbarten Verfassungsänderungen könne er feine Preisgabe von Volksrechten erblicken wie im LSahlkampf fälschlich behauptet wurde. Die Fortsetzung der Generaldebatte wird sodann auf nächsten Dienstag vertagt.
* Krefeld, 18. Nov. 1909. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung kamen die Wahlrechtsanträge des Zentrums zu Verhandlung. Zu dem ersten Anträge, daß bei der Bildung ter dritten Abteilung für die Stadtverordneten- wählen an Stelle des anderthalbfachen Durchschnitts des Steuerbetrages der einfache Durchschnitt treten soll, «Härte der Sprecher der Liberalen, daß sie diesen Antrag ab lehnten, weil siedasjetzige Ortsstatut als erforderlich zur Erhal- tung der liberalen Mehrheit ansähen! sie lehnten es ab, auf eine weitere Erörterung sich einzulassen. Auf Antrag der Zentrumssraktion wurde der Antrag auf Ueberweisung an eine Kommisslon angenommen, desgleichen der zweite Wahlrechtsantrag auf Ausdehnung des Wahlrechts auf jene Wähler, welche zu den Kommunalwahlen auf Grund fingierter Staatssteuersätze zugelassen werden. Ä
= Münster, 18. Nov. 1909. Der Zen- trumsabg. Frhr. v. Hertling hat hier am Bußtag auf einem ZenIrumSparteiiag über die politische Lage geiprochen. In seinem Vor- trag erörterte er auch das Verhältnis des Zentrums zum Fürsten Bülow. Er sagte:
„Wir hätten es dem Reichskanzler nicht übel- genommen, wenn ec sich, als die Regierungspolitik umschlug, eine andere Partei (als Stütze) ausgesucht hätte, was uns verdrossen, war das Tempo, in dem sich der Wechsel vollzog, was uns beleidigte, war die Art und Weise, wie dies geschah. Frhr. v. Hert- ling hatte damals mit Bülow eine Unterredung, und sagte am Schlüsse derselben: „Warum, Herr Fürst, haben Sie den Syl v e sterbrief geschrieben'^" Fürst Bülow antwortete verlegen: „War der so scharf? v. Hertling erwiderte: „Bis dahin hätte sich noch alles schlichten lassen, aber nach diesem Briefe blieb nur ber Kamps übrig."
Dieser Kampf hat das Zentrum nicht daran gehindert, sachlich an den Reichsgeschäften mitzuarbeiten. Insbesondere hat, wie der Redner nachdrücklich betonte, die Rücksicht auf den Fürsten Bülow und sein späteres Schicksal die Haltung der Zentrumssraktion in keinem Stadium die Finanzreform sie nflußt.
= Sternberg i. Meckl., 19. Nov. 1909. Dem mecklenburgischen Landtag, her an diesem Freitag eröffnet worden ist, ist sofort die neue Vorlage zur Lösung der mecklenburgischen Verfassungssrage zugegangen. Vorläufig wird man sie in einer besonderen Kommission beraten und eine Beschlußfassung des Plenums wird vielleicht erst nach Monaten erfolgen.
* Rastatt, 19. Roo. 1909. Der älteste Reichstagsabgeordnete Prälat Dekan Dr. theol. Lender (Ztr.) in Sasbach tritt am 20. November in sein 80. Lebensjahr. Er wirkt als Pfarrer in Sasbach seit 1872. Im Reichstage vertritt Lender seit dessen Konstituierung im Jahre 1871 den Wahlkreis Achern- Bühk-Baden-Baden. Von 1869 bis 1886 gehörte er der Zweiten Badischen Kammer an.
Ausland.
* Nach den Erfahrungen im Steinheil- Prozef; beschloß der Justizminisier einen Aus- schuß zur vollständigen Umgestaltung des Sc^wurgerichtsverfahrens einzusetzen. Das Kreuzverhör soll laut,Voff. Zig/ danach nicht vom Vorsitzenden, sondern von der Anllage und Verteidigung geleitet werden. Die Geschworenen sollen nicht nur, die Schuldfrage beantworten, sondern auch beim Strafmaß mit» sprechen. Infolge der Vorgänge bei dem Stein» Heil-Prozeß brachte der radikale Deputierte Miqnillet den Antrag ein, daß die Zeugen in jedem Strasprozeßverfahren bei ihrem Verhör durch den Untersuchungsrichter den Beistand ihres Advokaten in Anspruch nehmen können.
* Die Bereinigten Staaten haben endlich die gewünschte Gelegenheit gesunden, sich in den in N i- caragua tobenden Bürgerkrieg hineinzumischen. Zwei Bürger der Vereinigten Staaten sind, wie gestern schon gemeldet wurde, hingerichtet worden, weil sie den Versuch gemacht hatten, mit Truppen beladene Regierungsdampfer des Staates Nicaragua durch Minen zum Sinken zu bringen. Die Hinrichtung soll erfolgt sein, trotzdem der amerikanische Konsul rechtzeitig gegen die Urteilsvollstreckung Protest erhob. Seine Meldung von der vollzogenen Hinrichtung wurde sofort mit der Entsendung zweier Kriegsschiffe beantwortet. Man erwartet scharfe Maßregeln gegen Nicaragua, weil dessen Präsident Zelaya bereits wiederholt amerikanische Staatsbürger unsreundlich behandelt habe. Das Staatsdepartement fordert Genugtuung für die Füfilierung und hat zunächst dadurch Stellung genommen, daß es die Ausständigen als kriegführende Macht anerkannte. Fenier verlangt es Gewährleistung des Friedens; andernfalls müßte es die nötigen Schritte ohne weitere Verständigung mit Nicaragua selbständig tun.
volkswirtschaftliches unö Soziales.
8. Die rheinisch-westfälischen Zechenbesitzer wollen bekanntlich trotz aller Proteste der Arbeiter den Zwangsarbeitsnachweis bereits am 1. Januar zur Durchführung bringen. Wie ge- meldet wird, soll die Zentralstelle in Essen an der Ruhr errichtet werden, Zweiastellen in Hamm i. W., Kamen, Dortmund, Lütgendort
mund, Witten, Herne, Bochum, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Essen, Oberhausen, Gladbeck, Buer, MoorS und Sprockhövel. In Arbeiterkreisen rechnet man damit, daß noch in letzter Stunde die Regierung vermitteln werde, so daß der Zwangsarbeitsnachweis doch nicht zur Durchführung käme. Wenn dies auch im Interesse des sozialen Friedens dringend zu wünschen ist, so bezweifeln wir doch stark, daß die Regierung den Mut haben wird, den Kohlenbaronen etwas schärfer entgegenzutreten.
Aus Uirche und Schule.
* Fulda, 19. Nov. 1909. Die Schulstelle in Bachrain bei Fulda, die bisber als zweite Lehrerstelle der Schule zu Künzell galt, wurde von der König!. Regierung zu Kassel als alleinstehende .Schule erklärt, weil sie nur von den Kindern eines bestimmten Teiles der Gemeinde Künzell- Bachrain besucht wird. Mithin erhält auch der Slellen-Jnhaber, falls die entsprechenden Bedingungen erfüllt sind, die Funktions-Zulage für alleinstehende Lehrer.
Lokales.
Fulda, den 20. November 1909.
— An alle Zentrumswähler ergeht nochmals die Aufforderung, in der morgen abend pünktlich 8 Uhr im Saale des Gesellenhausestattfindenden Versammlung der Zentrumspartei zu erscheinen. Es werden sprechen die Herren Abg. Erzberger über die politische Lage, Abg. Rich. Müller überFinanzresorm, und Abg. Amtsgerichtsrat Rhiel über den Landtag.
)) Die Kälte setzt in diesem Jahre ungewöhnlich scharf ein. Während gestern das Thermometer — 7° Celsius zeigte fant es heute nacht auf —10°,
Q Zurückgekehrt ist die gestern als vermiß! gemeldete Josephina Günther auS Joffst (Vogelsberg). Sie hatte fich in Fulda ausgehalten und traf gestern wieder in Jossa ein.
*•* ES ist geradezu ein Skandal, was für ei« schauderhaftes Gelächter gestern nachmittag in den Redaktiousräumen der ,Fuld. Ztg.' losbrach, aU das ,Kreisblatt' ankam. Die Pferde auf der Straße bäumten sich, oben in der Harmonie soll das Bier vor Entsetzen statt zum Kran zum Spund« loch herausgeschossen sein und ein Setzerftift, bei eben in das Zimmer trat, riß Hals über Kopf auS und verkroch sich schreckensbleich m die Druckmaschine, wo et beinahe unter die „Letzten Nachrichten" ge«, druckt worden wäre. Selbstredend haben wir übet uns selbst gelacht, nut über uns selbst, die wir unS mit dem Kunststück produziert hatten, eine „Berichtigung" zu bringen, ohne selbst etwas davon zu inerten. Im ,Kreisblati' konnten wir es aber schwarz auf weiß lesen, daß die ,Fuld. Ztg.' „endlich pariert" und der „Aufforderung zur Berichtigung nachgekommen" sei. — Bekanntlich hatte daS ,Kreisblatt' verlangt, wir sollten »ugeden, baß sein „Schlußsatz" alias „Nachsatz" bem „Vordersatz" von dem „amüsantesten Tagesereignis" einen ganz anderen Sinn gäbe. Wir meinten darauf, daß ti dieselbe Melodie, derselbe Text sei, ob man be« Riesenprozeß gegen die französischen Bischöfe ffle das amüsanteste Tagesereignis ansieht oder ob man Humor darin findet, daß die Bischöfe ihr« berechtigte Entrüstung über die Entchristlichung bei Schule mit barem Gelbe bezahlen müssen. Wenn das .Kreisblatt' das nun für eine „Berichtigung" ansieht, uns soll's recht fein. Wir waren der Meinung diese Bestätigung ähnele einer Berichtigung wie ein Regenschirm einem Riechfläschchen, die fangen nämlich beide mit einem „sJt" an. Ebel ist cs vom ,Kreisblatt', daß eS nun „noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen" will, und wir seinetwegen „noch keine Bekanntschaft mit der Gerichts» ban£ machen müssen". Wir haben es ja gesagt: Wenn das ,Sretdblatt' sagt: wir verklagen bi« ,Fuldaer Zeitung', bann meint es baS nicht so, sondern anders.
t*) Mnsemn. Zur Abwechslung wird die am Freitag 26. November, stattfindende 3. Abendunterhaltung des „Museum" einen Vertrag bringen. Richard Wagners „Die Meisterünger von Nürnberg" ist das Thema, daS Herr Professor Dr. Steinfelb auS Berlin behandeln wird. Heber den Vortrag entnehmen wir einer Kritik über einen erst vor wenigen Tagen gehaltenen Vortrag folgendes: „Der Vortragende sprach mit warmer Begeisterung und ließ auch nicht eine? der wesentlichen Momente außer acht, sodaß dem Hörer ein lebensvolles Bild des ganzen Werkes erstand: seine Erläuterungen, am Klavier wieder hervorragend und temperamentvoll illustriert, waren trotz ber gebotenen Kürze erschöpfend und in hochinteressanter Form dar» gnbracht." Den Mitglliedern deS „Museum" steht sonach zweifellos ein äußerst genußreicher und interrssanter Abend bevor.
Versammlung des Kreistages.
)) Fulda, 19. Nov. 1909.
Die Verhandlungen wurden nachmittags 3 Uhr mit einer m geheimer Sitzung erfolgten Beschlußfassung über zwei Anträge wegen teilweiser Verzicht« leiftung aus WirtschastskonzesfionSsteuerbeträge foit» gesetzt.
Sodann stand zur Beratung der Bau einet nebend ahnähnlich en normalspurigen Kleinbahn zum Aufschlüsse des westlichen Teiles des Kreises Fulda. Es wird vom Kreisausschnß vorgeschlagen, für die in den Vorerh-bungcn des Königlichen Eisenbahn- Van- und Betriebe inspeltors Mickcl behandelte Linie von Großenlüder jodet Oberbimbachj nach dem Voaelsbeta fHauswutz oder Weidenaus aus«